VI.

Dämmerungen.

Sie gingen heim durch die Felder. Reif und schwer, leuchtend weiß

standen sie. Darüber war der Himmel wie blauer Stahl, und nur zuweilen

riß ein Sonnenglanz das Gewölk auseinander und warf ein grelles,

erschreckendes Licht über ein Stück Feld.

„Wir müssen eilen,“ sagte Freyer, „fast eine Stunde sind wir von jedem

Dorf fort, komm doch rascher, du.“

Aber sie eilte nicht. Sie starrte nach dem düster-schweren Himmel --

sie sah über die Felder mit den vereinzelten, gespensterhaft weißen

Flecken, und sie fühlte ihr Herz schlagen in Qual und Lust. „Es kommt

der Sturm,“ sagte sie, und das klang, als spräche sie: es kommt das

Glück.

„Liebst du den Sturm?“

Sie antwortete aus ihren Gedanken heraus: „Ich kenne ihn nicht, aber

es muß schön sein, ich kenne ihn nicht, und will ihn erleben.“ Etwas

Fremdes lag auf ihrem Gesicht, etwas von schmerzhaftem Willen. Alles

war Sanftheit -- so viel, zu viel. „Laß uns doch hier bleiben und den

Sturm fühlen.“

Kapellendorf · 第 33 / 43 题