die Eindrücke mehrerer Träume, die dem folgten, den ich eben mitgeteilt
habe. -- -- --
Auf einer schlanken Bergspitze der Auvergne ist der Hirtengesang
verklungen: ARME MARIA! Königin der Himmel! An dich wendet sich ihre
Frömmigkeit. Diese ländliche Melodie ist zum Ohr der Korybanten gedrungen.
Sie treten selbst singend aus den geheimen Grotten, wo die Liebe ihnen
Obdach gewährte. -- Hosianna! Friede auf Erden und Ruhm in den Himmeln! --
Auf den Bergen des Hymalaia ist eine kleine Blume erblüht. -- Vergiß mein
nicht! -- Der kosende Blick eines Sternes hat einen Augenblick auf ihr
geruht und eine Stimme ließ sich in einer süßen, fremden Sprache vernehmen:
MYOSOTIS! --
Eine silberne Perle leuchtete im Sand; eine goldene Perle strahlte am
Himmel . . . . Die Welt war geschaffen. Keusche Liebe, göttliche Seufzer!
Entflammt den heiligen Berg! . . . Denn ihr habt Brüder in den Tälern und
schüchterne Schwestern, die sich im Schoß der Wälder verbergen!
Duftende Gebüsche von Paphos! Was seid ihr gegen diese Zufluchtsorte, wo
man mit vollen Lungen die belebende Luft des Vaterlandes atmet? -- Da oben
auf den Bergen lebt die Welt zufrieden; die wilde Nachtigall verbreitet
Zufriedenheit.
O wie schön ist doch meine große Freundin! Sie ist so groß, daß sie der
Welt verzeiht und so gut, daß sie mir verziehen hat. Neulich nachts schlief
sie in irgendeinem Palast und ich konnte sie nicht erreichen. Mein
Schweißfuchs entwand sich meinem Befehl. Die zerrissenen Zügel hingen über
der in Schweiß gebadeten Kruppe und es bedurfte großer Anstrengungen, um
ihn zu verhindern, daß er sich zu Boden legte.
Heute nacht ist mir der gute Saturnin zu Hilfe gekommen und meine große
Freundin hat an meiner Seite auf ihrer weißen, silbern aufgezäumten Stute
Platz genommen. Sie sagte zu mir: »Mut, Bruder, denn das ist die letzte
Stufe!« Und ihre großen Augen verschlangen den Raum und sie ließ in der
Luft ihr langes Haar wehen, das mit den Düften Jemens getränkt war.
Ich erkannte die göttlichen Züge von ***. Wir flogen im Triumph und die
Feinde waren zu unsern Füßen. Der Wiedehopf geleitete uns als Bote bis in
den höchsten Himmel und der Bogen des Lichts barst in den göttlichen Händen
Apolls. Adonis Zauberhorn klang durch die Wälder.
O Tod, wo ist dein Sieg? Da doch der triumphierende Messias zwischen uns
beiden ritt? Ihr Kleid war aus schwefligem Hyazinth und ihre Handgelenke
sowie die Knöchel ihrer Füße blitzten von Diamanten und Rubinen. Wenn ihre
leichte Reitgerte das Perlmuttertor des Neuen Jerusalem berührte, waren wir
alle drei in Licht getaucht. Dann bin ich unter die Menschen gegangen, um
ihnen die frohe Botschaft zu verkünden.
Ich erwache aus einem süßen Traum. Ich habe die gesehen, die ich verklärt
und strahlend geliebt habe. Der Himmel hat sich in all seiner Pracht
geöffnet und ich habe darin das Wort VERGEBUNG gelesen, das mit dem Blute
Jesu Christi geschrieben war.
Ein Stern erglänzte plötzlich und enthüllte mir das Geheimnis der Welt der
Welten. Hosianna! Friede auf Erden und Ehre den Himmeln!
Aus dem Schoß der stummen Finsternis sind zwei Töne erklungen, ein
getragener und ein schriller, und sogleich begann der ewige Kreislauf. Sei
gesegnet, o erste Oktave, mit der die göttliche Hymne anhub. Von Sonntag zu
Sonntag flichst du alle Tage in dein Zaubernetz! Die Berge lobpreisen dich
den Tälern, die Quellen den Bächen, die Bäche den Strömen; die Ströme dem
Ozean. Die Luft zittert und das Licht küßt wohlklingend die sprießenden
Blumen.
Ein Seufzer, ein Liebesschauer steigt aus dem geschwellten Schoß der Erde
und der Chor der Gestirne entfaltet sich in die Unendlichkeit; er entfernt
sich und kommt wiederum zurück, verdichtet sich und entfaltet sich wieder
und sät die Keime zu neuen Schöpfungen ins Weite.
Auf dem Gipfel eines bläulichen Berges ist eine kleine Blume erblüht. --
Vergiß mein nicht! -- Der kosende Blick eines Sternes hat sich einen
Augenblick darauf geheftet und eine Antwort ließ sich in einer süßen,
fremden Sprache vernehmen: MYOSOTIS!
Unheil über dich, Gott des Nordens! Der du mit einem Hammerschlag die aus
den sieben köstlichsten Metallen gefügte heilige Tafel zertrümmertest! Denn
du hast die »ROSENFARBENE PERLE«, die in ihrer Mitte ruhte, nicht
zerbrechen können. Sie ist unter dem Eisen wieder aufgesprungen, -- und wir
haben uns für sie bewaffnet . . . . Hosianna!
Der Makrokosmos, oder die große Welt, ist durch kabbalistische Kunst erbaut
worden; der Mikrokosmos, oder die kleine Welt, ist sein in aller Welt
zurückgestrahltes Bild. Die »ROSENFARBENE PERLE« ist mit dem königlichen
Blut der Walküren gefärbt worden. Unheil über dich, schmiedender Gott, der
eine Welt zertrümmern wollte! Indessen ist die Vergebung Christi auch für
dich verkündet worden!
Sei also selbst du gesegnet, o Thor, du Riese -- du mächtigster unter Odins
Söhnen! Sei gesegnet in Hela, deiner Mutter, denn oft ist der Tod süß, --
und in deinem Bruder Loki und in deinem Hund Garnur.
Selbst die Schlange, welche die Welt umgibt, ist gesegnet, denn ihre Ringe
erschlaffen und ihr gähnender Rachen atmet die Blume Anxoka, die
Schwefelblume, die strahlende Blume der Sonne!
Gott schütze den göttlichen Baldur, den Sohn Odins und Freya, die schöne!