Und vergeblich alles Streben
Nach dem höh'ren Ziel:
Alles bleibt ein Spiel,
Illusionen es umschweben,
Die sich nie als Wahrheit geben.
Menschliche Hilfe ist bald kaput,
Göttliche Hilfe allein es thut. --
Mich greift die Langeweile,
Ich schreibe keine Zeile,
Kein Vogel gedeiht in solcher Luft,
Wo Alles nur nach Gelde ruft;
Wo Alles raset nach Gewinn,
Kommt einem gar kein Lied in Sinn;
Die Bäume stehen öd' und leer,
Man hört kein einzig Zwitschern mehr!
Stimmung.
Kalt von außen und von innen,
Alles kalt und freudlos nur,
Und von Wärme und von Sonne
Und von Freude keine Spur.
Auf meinem Gesicht
Steht ein Gedicht,
Drin ist zu lesen,
Wie 's stets gewesen.
Der Traum der Poesie,
Der Reiz der Phantasie,
Der Kindheit Glück:
Nichts kehrt zurück.
Vor meiner Mutter Bild.
Ich sah Dich heut im Traume
An eines Waldes Saume,
Du sprachst ein großes Wort:
»Mein Kind, geh' eilig fort.
»Auf, zögere nicht mit Säumen,
In lieblos engen Räumen
Versteht man kein Gedicht
Und auch -- Dich selber nicht!«
Vor demselben Bilde meiner Mutter.
Wenn Du noch wärst am Leben,
Dann lohnte sich's fürwahr --
Doch da du nicht am Leben,
So lohnt sich's nimmerdar.
Goldner Sonnenschein
Steigt zum Fenster ein:
»Weil Du so allein
Will ich bei Dir sein.«
Gegen den Selbstmord.
»Hinab in die Fluth, hinab in den Tod,
In das sehnlichst erwartete Nichts,
Kein neues Tagen, kein Morgenroth
Und kein Funken lebendigen Lichts. --«
Betrogener Wahn, ach, allüberall
Ein neues Tagen, ein Morgenroth,
Stets kreiset ein neuer Sonnenball:
Und es giebt, ach, gar keinen Tod.
Die Nachtigall schlägt,
Der Frühling ist da,
Das Herz ist bewegt,
Die Freude ist nah!
Die Freude ist nah,
Das Herz ist bewegt,
Der Frühling ist da,
Die Nachtigall schlägt!
Ich weiß eine große Geschichte,
Die meisten =fühlen= sie nur:
Das Leben ist ein Gedichte,
-- Und oft eine schwere Kur. --
Verschieden sind ja Gedichte,
Das eine rosig und licht,
Das andere hat Blei-Gewichte,
Und macht ein bittres Gesicht.
Die stille Thräne.
Die Thräne, ach, die stille,
Nur sie brennt heiß,
In ihr wohnet der Wille:
»Daß Niemand davon weiß --«
Daß Niemand ahne, sähe,
Wie sie dem Aug' entquillt,
Ein Aug' in höchster Höhe
Sie dennoch sieht und -- stillt.
Nicht immer ganz -- nicht immer --
Oft bleibt zurück ein Schimmer,
Ein glänzend feuchter Glanz --
Wie Perlen oder Glimmer --
Doch trocknen alle Thränen,
Winkt jäh ein Lorbeerkranz!
Deutsche Bildung, deutsche Sitte,
Deutsche Hetze, Kampfkultur,
Kultivirte Kämpfe nur,
Humanisten, schweigt, ich bitte,
Denn im goldnen Reich der Mitte
Ist von Hetze keine Spur,
Und ob solcher Unnatur,
Lacht Franzose, Däne, Britte.
Großer Friedrich, armer Kant,
Leibniz, Lessing, Hufeland,
Jäh vergessen von der Welt,
Wenn Sophist und Köter bellt
Wird das deutsche Vaterland,
Gar mit Rußland gleichgestellt.
Wintergemälde.
Es schneit im Wald
Unheimlich kalt,
Ein Mann versinkt im Schnee;
Sein Ach, sein Weh
Verhallet bald
Im großen Wald.
Die Jagd, sie naht,
Zertritt die Saat;
Ein angeschossen blutend Reh
Versinkt im Schnee,
Die Büchse knallt,
Der Schuß verhallt.
Unschuldig verurtheilt sein
Ist ein Unglück, das nicht klein,
Doch natürlich ist es fast
Trifft den Richter keine Last --
Keine Schuld -- ach unfehlbar!
Ob ein Richter stets es war?
Straflos darf ein Richter sein?
Darauf sagt ein Jeder nein!
Hundegebell im Fleischerladen.
Mit Hunden hetzen sie das arme Thier,
Mit Kolben stoßen sie's zu Tod!
Ist's nicht genug an Wein und Brot?
Nach Blut lechzt die Begier.
Von Moral ist keine Spur,
Alles strebt nach Schlauheit nur,
Jeden listigen Betrug
Nennt man »Usus«, oft auch »klug«.
Kränk' Dich nicht,
Gräm' Dich nicht,
Plötzlich scheinet Sonnenlicht,
Auch die Finsterniß wird hell,
Auch das Glück, es schreitet schnell --
Und verstummt ist das Gebell!
Versunken ist das Glück
In bodenlose Tiefe,
Nichts bringt's zurück:
Es ist, als wenn die Gottheit schliefe. --
Beim Anblick eines prachtvoll gewesenen Bouquets.
So sieht es aus das Irdische
Nach kurzer Zeit!
Das sind die blendenden Irrwische
Der Zeitlichkeit!
Es schläft die Welt, es ruhen alle Herzen,
Nur meines nicht --
Ob Bösewichter Herzen haben?
Bei mir brennt Licht:
Wie ist solch dunkeln Räthsels Sinn zu lösen?
Sie denken nicht --
Und nur Phantome, ferne Schreckensbilder,
Sind ihnen Recht und Pflicht.
Besessen ist die Welt
Von Eigennutz und Geld,
Und Alles zum --
Verzweifeln dumm!
Parteilichkeit, Parteienhaß,
Das schaut so grün und wird so blaß --
Von Schlang' und Nesseln ein Gewühl! --
Welch unnatürliches Gefühl!
Welch unnatürliches Gefühl!
O kurze Zeit, des Lebens Zeit
Noch kürzer durch Parteilichkeit
In Confession und Politik:
Parteienhaß hat keinen Schick!
Parteienhaß hat keinen Schick!
Ginge es nach meinem Herzen,
Würde Allen ich vergeben,
Allen Denen, welche leben:
Jene tausend Qual und Schmerzen,
Welche sie mich ließen leiden,
Kann sie darum nicht beneiden --
Wälzten sich im goldnen Koth --
Doch -- vom Leben geht's zum Tod.
O Gott, Du weißt am Besten was uns frommt,
Und gut ist Alles, was von Deiner Güte kommt,
Allein die Menschen sind so schwach:
Sieh' ihnen lieber Alles nach!
Giebt's ein Glück?
Gab's ein Glück?
Ich bezweifl' es sehr!
Giebt es ohne Sturm und Angst
Irgendwo ein Meer? --
Der Himmel ist hell,
Das Feld es ist weiß,
Es leuchten so kalt in der Ferne
Unzählige silberne Sterne.
Die Nacht ist lang
Der Traum ist bang
Viel Geister, sie fehlen hienieden,
Geb' Gott den Fehlenden Frieden!
Es eilt der Fluß
Die Wiese entlang,
Ein Vöglein hüpft
Dabei und sang,
Doch da der Fluß
Kein Ende nahm
Das Vöglein müd'
Zurücke kam,
Und sang nicht mehr
Und grämt sich sehr,
Weil's, ach, so schwer --
Ach, gar so schwer,
Und freut sich nie:
Weil alle Müh
Ihm nicht gedieh --
Ihm nicht gedieh.
Im Traum sah ich die Mutter heut,
O golden süßer Traum! --
Ich sah sie so schön und wunderbar,
Wie oft im Leben kaum.
Was kommst Du zu verkünden mir
Du liebes Engelsbild? --
»Mein Kind, vergieb die Sünden all,
Sei immer gut und mild!
»Sei auch den Sündern gut gesinnt,
Die Lüge ist ihr Brauch --
Ein täglich wiederkehrend Gift --
Vergieb den Sündern auch.«
Einen Vers soll ich Dir machen;
Verse, Freund, sie sind verschieden
Wie das Leben ist hienieden
Oft sehr ernst und oft zum Lachen --
Will 'nen heiteren Dir machen:
Heiterkeit sei Dir beschieden,
Allen Denen, die hienieden,
Man kein X für U kann machen; --
Den Studenten,
Die nie flennten,
Die mit eignen Ohren hören,
Nie auf eine Dummheit schwören,
Nimmer süßlich sich bethören,
Nie in falsche Schlingen rennten. --
An Diejenige, welche immer das Böse
von mir abwehrte.
Vom Himmel schau hernieder,
Und segne meine Lieder,
Und halte Bosheit fern,
Ich meide sie so gern;
Die Bosheit eilt mir nach,
Ist ewig für mich wach,
Verfolgt mich schon so lange:
Die dumme gift'ge Schlange!
Sei ein Held, ertrag' die Leiden,
Laß Dein Aug' daran sich weiden,
Laß Dein Aug' daran sich weiden,
Sei ein Held, ertrag' die Leiden.
_Depuis qui je suis née, j'ai vu la calomnie
Exhaler le venin de sa bouche impunie_.
_=Voltaire=_.
Kennt ihr sie nicht die böse bunte Schlange,
Die vom Gebüsch die Ferse sticht?
Sie schleicht verderbend auf dem Gange,
Und tretet nie vor's Angesicht.
Ihr Weg ist Mord, allein ganz ungefährdet
Vergiftet sie aus dem Versteck,
Horch, zischend sie im Staube sich geberdet:
O Menschen, schafft das Monstrum weg!
Verschiedenheit ist nöthig.
»Ach wären All' von einem Glauben!
Ach gäb's nur eine Sorte Trauben,
Auch gelbe nicht und blaue nicht,
Und gäb's nur einerlei Gedicht --
»Und einerlei sei das Gesicht,
Und überall ein dunkel Licht,
Ach, wären All' von einem Glauben
Und gäb's nur eine Sorte Trauben!«
Wahrheit.
Der Abend dämmert weich und mild,
Nichts stört des Schweigens Stille,
Da tritt der Mond hervor aus seiner Hülle,
Beleuchtend ein erhabenes Bild.
Die Kokospalme blüht und der Granatbaum brennt
Im frischen menschenhohen Grase,
Ist dies die menschliche Oase,
Wo man nicht Haß, noch Liebe kennt?
Im Schatten eines Palmenhains,
Im weißen Kleid mit langen Haaren
Da kniet die Priesterin von achtzehn Jahren,
Bestrahlt vom Licht des Mondenscheins.
Sie spricht ein wunderbar Gebet,
Horch, was sie leise innig fleht:
»=Verbann', was Deine Welt entstellt,
Verbann' die Lüge von der Welt.=«
Das Mädchen vom See.
Es toben die Wellen des Meeres,
Sie heben ein Weib in die Höh',
Wer bist Du, lichtes Bildniß,
Bist Du das Mädchen vom See?
Ich bin einstmals versunken
Im tiefen Meeresschlund,
Doch wenn die Sonne goldig
Bestrahlt den tiefen Grund,
Dann steig' ich in die Höh':
Denn =mir= gehört die See.
Des Abends letztes Gold,
Es spiegelt sich im Rhein,
Still kniet das Mägdelein
Am Ufer, wunderhold!
Ihr Haar, so licht wie Gold,
Ihr Aug' so himmelsrein,
Was kniest Du so allein,
Komm Maid, das Wetter grollt! --
Still winkt die Jungfrau mir:
»Ein Opfer ruhet hier,
Auf einem Grab' sind wir;«
Lieblosigkeit ist Mord --
Entfliehe diesem Ort',
Doch sprich ein segnend Wort!
Die Spitzen-Klöpplerin im Harz.
Im weißen Gewande von Spitzenzeug,
Die Blüthen in braunen Locken,
So sieht man das Bildniß, das schöne Weib,
Dort oben hoch thronen am Brocken.
Was ist Dir denn heut, und was weinest Du Kind?
Ich liebe nur lustige Leute,
Dein Auge ist naß, und Dein Lächeln ist trüb,
Du bist ja so schwermüthig heute. --
Mein Auge ist naß und mein Lächeln ist trüb,
Ich bin, ach, so schwermüthig heute,
Mich plaget ein Leid, ach, ein mächtiges Leid,
Ich hasse den Ballanzug heute.
Ich hasse die Spitzen aus Thränen gewebt,
Drin werden zu Wasser die Freuden,
Ein Wehe, ein Seufzen da drinnen lebt,
Ein Chaos von bittersten Leiden! --
Das Mägdelein.
Ich traf einmal im fremden Land,
Ein Mägdlein zierlich und gewandt;
»Wo kommst Du her, wo weilest Du?«
»Ich find' im fremden Land nicht Ruh'!«
»Bist Du ein deutsches Mägdelein?
Geboren an dem deutschen Rhein? --«
»Mein Vater war ein Kriegersmann,
Die Mutter keine Seide spann! --«
»Wie kamst Du in das fremde Land?
An eines Fremden falscher Hand.«
»Die Treue wohnt in Deutschland nur;
Von ihr ist hier, ach, keine Spur! --«
Gebet.
O, laß mir die Welt der Erscheinungen stehn, sie ist so schön,
O, laß mich die Sonne immer sehn,
Die Bäume unter Blätter wehn,
Die Blumen, die auf Erden stehn,
Die Sterne in den lichten Höhn,
O, laß' mir das Licht, das herrliche Licht,
Ein anderes Glück begehr ich nicht.
Du gabst's jedem Wurme, den Wesen all,
Auf jedem Erd- und Sonnenball,
O, schließe mich nicht, nicht mich g'rade aus
Aus Deines Lichtes glücklichem Haus,
O, laß mich die Sonne immer sehn,
Die Berge und die grünen Seen,
Die Bäume unter Blätter wehn,
Die Blumen, die auf Erden stehn.
Ach, Sternlein dort,
Am Himmelsort,
Du glänzest so alleine
Und scheinest uns so kleine.
Doch sprich, was geht denn dorten vor,
Doch mach' mir keine Wippchen vor,
Ist es denn dort erquicklich?
Und lebt man dorten glücklich?
Ach, Mägdelein
Im grünen Hain,
Du glänzest so alleine
Und scheinest nur so kleine.
Was geht in Deinem Herzen vor,
Doch mach' mir keine Wippchen vor,
Ist es darin erquicklich,
Und lebt sich's drinnen glücklich?
Eine Mitternacht in Tyrol.
Die großen Kaiser sind alle erwacht,
Stehn aufrecht da in der Gruft,
Sie tragen die deutsche Reichskrönungstracht,
Es glühet und zischt in der Luft.
Der Reichsverweser schläft ein in Tyrol,
Die Uhr schlägt Mitternacht,
Da wecket ihn dumpf, da wecket ihn hohl
Der Ahnherr'n gespenstische Pracht.
Wie bist Du so klein, wie bist Du so schwach,
Du kleinlicher Enkelsohn,
Du brachtest dem Reich, Du brachtest uns Schmach,
So hallt es in grollendem Ton.
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
Sie hallen es tausendfach nach,
Das tönet so dumpf, das tönet so hohl,
Als ob Fels an Felsen sich brach!
Und Rudolf von Habsburg mit Hoheit begann:
»Du Reichsverweser Erzherzog Johann,
Bewahre, Du bist mir kein Rittersmann,
Ich schleudere Dich in Acht und Bann.«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
Sie hallen es tausendfach nach,
Das tönet so dumpf, das tönet so hohl,
Als ob Fels an Felsen sich brach.
Und Karl der fünfte in seiner Art:
»Wer unehrlich, sei klug, Johann,
Und weil Ihr nicht klug und nicht ehrlich war't,
So thun wir Euch in Acht und Bann.«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
Sie hallen es tausendfach nach,
Das tönet so dumpf, das tönet so hohl,
Als ob Fels an Felsen sich brach.
Und Maximilian spricht, Schmerz im Gesicht,
»Fluchwürdig, wer die Treue bricht,
Wer weiß, ereilt Dich kein Gottesgericht.
In Bergen Tyrols verbirg Dich nicht!« --
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
Sie hallen es tausendfach nach,
Das tönet so dumpf, das tönet so hohl,
Als ob Fels an Felsen sich brach!
Und Joseph der Gute wehmüthig klagt:
»In Wien ein Stand- und Kriegsgericht?
Das Beste, das Schönste hast Du gewagt,
Die Mutter -- sie vergißt Dir's nicht!«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
Sie hallen es tausendfach nach,
Das tönet so dumpf, das tönet so hohl,
Als ob Fels an Felsen sich brach.
Und Marie Theresia, die schönste Frau,
Mit unmuthiger Miene spricht sie,
Mit der Rechten zeigt sie Brigittenau:
»Auch dieses vergeß' ich Dir nie!«
»Die Söhne Arpads, sie schützten mein Haus,
Das Reich und des Habsburgers Thron,
Und« -- ruft mit Beben die Kaiserin aus,
»Verderben war darum ihr Lohn.«
Im weißen Gewand, das Haar in die Höh',
Die Rechte zum Himmel hinan:
»Den Feinden Arpads sei ewiges Weh,
Vergeßlichen Enkeln mein Bann!«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
Sie hallen es tausendfach nach,
Das tönet so dumpf, das tönet so hohl,
Als ob Fels an Felsen sich brach.
Dem Reichsverweser wird bang um das Herz,
Die Ahnen, sie haben vollend't,
Die Worte lasten wie Panzer von Erz,
Der Bannstrahl das Hirn ihm verbrennt. --
Und scheu, aus den Armen des schweren Alp,
Reißt entsetzt und matt er sich auf,
Da sieh da, nach Schatten ein blutiger, halb, --
Er steigt aus der Erde herauf!
Ein Jüngling, das lockige Haupt in der Hand,
Um die Stirne den Streifen von Blut:
»An Deiner Statt« -- ruft er, »mein wär' das Land,
Dir fehlte mein reichlicher Muth! --«
Ein Nu, der blutige Schatten war hin,
Es lachte noch jugendlich auf:
»Nicht Jeder, nicht Jeder ist Konradin,
Nicht Jeder ein Hohenstauf'.«
Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
Sie hallen es tausendfach nach,
Das tönet so dumpf, das tönet so hohl,
Als wenn Fels an Felsen sich brach.
Den Erzherzog schwindelt, zur Erd' er fällt,
Und siehe, es war nur ein Traum,
O Volksmann Johann, die Meinung der Welt,
Sie fand in dem Traume den Raum.
Kalt ist's, eine trockene Kälte,
Aus modernen Burgen schallt
Tadel für das Holz, den Heizer
Durch die weiten Säle bald.
Aber in des Armen Hütte
Ist von Tadel keine Spur,
Eingefroren ist das Wasser
Und man weint und zittert nur.
Ich träumte tausend Lieder
Und alle schön und hold,
Sie hatten blaue Augen
Und Haare licht wie Gold.
Die Welt lag mitten drinnen,
Ein Purpurröslein rein,
Unangehaucht vom Menschen,
Bestrahlt vom Sonnenschein.
Jetzt träum' ich viele Lieder,
Doch all' mit dunklem Haar,
Mit großen dunklen Augen,
Und thränenvoll wohl gar.
Die schattigen Gestalten,
Sie schwanken hin und her,
Wie sturmbewegte Wellen,
Auf sturmbewegtem Meer.
Ihr großen dunklen Augen,
Mit tief und ernstem Blick,
Ihr gleicht an Ernst und Wunder,
Dem tragischen Geschick.
Ihr schattigen Gedanken,
Die Wahrheit Euch verzehrt,
Ihr zeigtet mir im Röslein
Den Wurm, der es zerstört. --
Wer einsam kam zu trüber Höhe,
Oft unverstanden angegafft,
Dem rauschet jedes Lüftchen Wehe
Und jedes Blättchen: halte Kraft.
Ja Kraft soll dem die Gottheit geben,
Wer selbstlos nur das Gute will,
Mit seinem Herzblut, seinem Leben,
Und sich verblutet einsam still.
Der Tag so kurz, der Tag so lang,
Die Stunde so froh, die Stunde so bang,
Das Leben so kurz, das Leben so lang,
Die Freude so kurz, ach, und niemals lang.
Seh' ich euch wieder, goldne Sterne,
Hab' euch lange nicht gesehn,
Wußt' euch freilich in der Ferne
Unsichtbar am Himmel steh'n!
Es hat uns Gott gegeben
Das menschliche Gefühl,
Der Tugend nachzustreben,
Sei unser Lebensziel.
Barmherzigkeit zu üben,
Das sei das Losungswort,
Die Menschen all' zu lieben,
An jedem, jedem Ort.
Die Nachtigall und die Katze.
Die Nachtigall sie schlaget
In Blitz und Donner fort,
So lang' ein Baum noch stehet,
Bleibt jubelnd sie am Ort.
Sie jauchzet auf am Morgen,
Sie bliebt das Tageslicht,
Doch Katzen, ihre Feinde,
Vertragen solches nicht.
Die Katze webt im Dunkeln
Ist Königin der Nacht,
Doch Nachtigall trotzt singend
Nächtlich der finstern Macht.
Die Dichter alle dichten,
Trotz Nacht, Verrat und Spott,
Inmitten ihrer Feinde
Ruhig getrost auf Gott! --
Von jedem Platz der Erde,
Von dem er nicht verbannt,
Hat stets der wahre Dichter
Sein Veto ausgesandt.
Und Beide, Beide hören
Zu singen niemals auf:
Ihr Katzen und Philister,
Mein Ehrenwort darauf! --
Das Burschenlied.
Die Poesie ist ein Gebiet,
Wo alle Blüthen treiben.
Jetzt soll ich gar ein Burschenlied
Für die Studenten schreiben.
Wohlan, es sei, ich fange an,
Und schreib', so gut ich schreiben kann.
Ich lob' mir die Studentenschaft,
Die brav, fidel und bieder,
Mit hellem Geist und Muth und Kraft
Hoch hält die deutschen Lieder.
Mit Liedern zieht er in die Welt,
Ein solcher Bursche ist ein Held.
Im schmucken, reichgestickten Kleid,
Mit Humpen und mit Degen
Ist gern gesehn er weit und breit,
Auf allen deutschen Wegen.
Ein solcher Bursche ist ein Held,
Er zieht als Sieger durch die Welt.
Und zeigt man ihm ein böses Weib,
Die Braut ihm zu ersetzen,
Weicht tausend Schritte er vom Leib,
Er läßt sich nichts verhetzen.
Mit achtzehn Jahr' hat er gefreit,
Und damals war er grundgescheidt.
Studenten, unsere Zukunft einst
Hängt ab von eurem Werden,
Ob's freund- und friedlich wird dereinst,
Ob's heimlich wird auf Erden.
Und Eins noch hänget von euch ab,
Ob man lebendig muß in's Grab. --
Ob Nacht, ob Finsterniß, ob Licht,
In eurer Hand wird's liegen.
Vergeßt der großen Ahnen nicht,
Dann wird das Rechte siegen.
Die Burschenschaft, sie ist ein Held,
Und ihr gehört die ganze Welt.
Der Thierbändiger.
Des Thierbändigers Bude ist drückend voll,
Die Menge lauscht lautlos andächtig schier,
Da tritt zornig herein das Pantherthier,
Und stattlich der Löwe und würdevoll,
Und mit grausigen Tönen dicht hinterdrein
Zwei schwarze Hyänen hinein in die Reih'n.
Des Bändigers Tochter von hoher Figur,
Von lieblich rundem, rosigem Gesicht
Von glänzend hellbraunem Augenlicht,
Das schwarze Köpfchen in Mannesfrisur,
Betritt grüßend den Kreis, im Miederchen nett,
Um schneeige Schultern und lächelt kokett.
Johanna, gewappnet mit festem Blick,
Schwingt behend' sich hinauf auf den Leu,
Mit sanftem Muth und mit selt'ner Treu
Erträgt sie das königliche Genick,
Stolz kreuzt sie die Arme und lächelt dabei
Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.
Die Jungfrau steigt ab und mit Heldenmuth
Fährt in des Panthers Rachen ihr Arm,
Drinn braust's gewaltig wie Bienenschwarm
Und wilder tobt es in Heißhungers Gluth,
Sie reicht ihm das Becken mit Blut gefüllt
Und gierig, doch langsam den Durst er nun stillt.
Inzwischen sieht man die Königin der Wuth
Gefräßig, schnaubend, spähen ringsum,
Das Mädchen bieget den Nacken krumm,
Und hinten hinauf steigt die wilde Brut:
Den Mörder am Halse, sie lächelt dabei,
Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.
Die zweite Hyäne eilt nun hinan,
Die erste klettert rückwärts hinab,
Johanna Beiden die Fütterung gab,
Ihr strahlender Blick, er hält sie in Bann.
Und dankend entflieht sie dem stürm'schen Applaus,
Der Bändiger führet die Thiere hinaus.
Hierauf tritt herein das gehörnte Pferd,
Das seltsam geformte, seltene Gnu
Und leicht hüpft herein das Känguruh.
Ein »Ach« des Staunens im Kreise man hört,
Denn des Känguruh's seitwärts laufender Sprung
Erregt die allgemeinste Bewunderung.
Der Bändiger führt nun auch Affen hinein,
Die Thiere ledig der keuschen Scham,
Die Menge es demüthigend überkam
Beim Schattenbilde vom menschlichen Sein --
Die thörichten Knaben nur jubeln dazu,
Der Bändiger benennet die Thiere im Nu.
»Ich sparte,« ruft laut er, »trotz niederm Preis,
Was am meisten die Augen ergötzt,
Das Allerschönste Euch auf, auf zuletzt; --
Johanna, getrocknet schon ist Dein Schweiß,
Wir zeigen nun endlich die zwanzig Fuß lange
Und hundert Pfund schwere Riesenschlange.«
Und siehe, man treibt aus dem Seitenstall
Hinaus ein schneeweißes junges Lamm,
Ach, zaghaft das Auge in Thränen ihm schwamm,
Doch vorwärts dröhnt ihm der Peitsche Geknall.
Das Lämmchen, das heute zum Tode bestimmt,
Die Unschuld zu retten, kein Mensch unternimmt.
Nun trägt man hinein die riesige List,
Mit Kraft und Schönheit herrlich geschmückt,
Und drohend und schlau sie rings um sich blickt,
Und aus der Menge ertönet ein lautes Pst!
Johanna daneben, sie lächelt dabei
Und zeigt' ihrer Zähne hell glänzende Reih'.
Die prächtige Riesin, sie wendet sich um,
Raubgierig spähend und unheilvoll,
Man sah, wie am Kopfe das Blut ihr schwoll,
Und windet sich um das Mädchen herum.
Die männliche Jungfrau, sie lächelt dabei,
Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.
Nun holt sie das Lamm, das niedliche Thier,
Hält's geschickt vor ihr hin in der Hand,
Die Schlange blickt glühend unverwandt
Und zischend hascht sie darnach mit Begier,
Da zittert das Mädchen, das Antlitz entstellt,
Das Haar sich ihr sträubt, und das Lamm ihr entfällt.
Schnell will sie's erhaschen, den Kopf sie senkt,
Doch im Zug sich das Unthier befand,
Ein Nu, ein Schrei, das Köpfchen verschwand,
Und die schöne Gestalt am Rachen hängt.
Noch hebt sich die Brust, noch zuckt es darin,
Und dem starren Vater läuft's wild durch den Sinn.
Er zieht ein Terzerol, er feuert es los
Rasch in den giftigen Schlund hinein,
Die Tochter will er vom Fraße befrein.
Und richtig er traf, denn richtig er schoß:
Es wälzt sich in schwärzlichen Strömen von Blut,
In schäumenden Geifer die furchtbare Brut.
Nun öffnet der Bändiger den riesigen Mund,
Sein stierer Blick sprüht funkelnden Glanz,
Johanna ist todt, doch sie ist ganz,
Nur rund um den Hals, da ist es wie wund.
Die grausame Schlange nahm langsam sich Zeit,
Fast schien's, als thät's um die Jungfrau ihr leid.
Der Bändiger blickt scheu im Kreise herum
Da dringt kein einziger Laut an sein Ohr
Die Menge sich fühllos längst verlor,
Und im Bretterzelt ist's entsetzlich stumm,
Der Mond durch die Spalten bescheinet darin
Den Thierbändiger zu Füßen der Thierbändigerin.
Ich ritt auf einem Pferde,
Den grünen Wald entlang
Voll Blüthen war die Erde,
Ich rasch hinunter sprang.
Vor mir auf grüner Aue,
Viel hundert Vögelein,
So hübsche, kleine graue,
Mit schwarzen Aeugelein.
Ihr singet goldene Lieder,
Nach Mozart'scher Manier,
Seid Ihr denn alle Brüder,
Daß Ihr versammelt hier?
Die Antwort lautet leise:
»Wir sind nur gleichgesinnt,
Haß ist der Brüder Weise
Einfältig Menschenkind.«
Sieh, es grünt an allen Hecken,
Und auf allen Länderein,
Und es tummeln sich die Gecken
In des Frühlings Sonnenschein!
Nachtigallen singen, flöten,
Lerchen steigen jubelnd auf,
Doch die Frösche und die Kröten
Hemmen der Begeist'rung Lauf!
Hast Du darum mich verstoßen,
Weil ich Deinen Eltern fern?
Schau, ein unbekannter, fremder,
Aber glänzend heller Stern.
Oder hast Du mich verstoßen,
Weil Entsagen Dir 'ne Lust?
Ewig wird Dich Lügen strafen
Deine lebenswarme Brust.
Antwort.
Es geschah aus andrem Grunde,
Weil für mich ich niemals Zeit,
Sieh, das Leben währt 'ne Stunde,
Warte bis zur Ewigkeit.
Aus dem Dunkel bricht das Licht,
Neu erstrahlet mir die Welt,
Und verstoßen bin ich nicht,
Gott, aus Deines Lichtes Zelt.
Welche Wonne, welches Glück,
Welcher Jubel kehrt zurück!
Einzig Glück wohnt nur im Licht,
Gott, ich lese ein Gedicht.
Ich meint' es rechtschaffen und ehrlich,
Doch zu mir selber nicht gut --
Mit jeglichem Wesen viel besser --
Und schrieb meine Verse mit Blut.
Ein Meer von Balsam ist die Zeit,
Was hat sie Alles nicht geheilt!
Die falschen und die wahren Schmerzen,
Die man zu schaffen sich beeilt.
Gretchen.
Mädchenthränen,
Schmerzlich Sehnen,
Perlen aus des Himmels Thau,
Werden weiß und werden grau.
Einer Seele weiches Sehnen,
Eines Herzens schmerzlich Dehnen,
Hui, das ist so warm und kalt
Wie gespenstische Gestalt.
Eisig schmückt es alle Wände,
Starr und freudlos alle Hände,
Alles schweigend, alles stumm,
Nur der Böse geht herum.
Weiße Blüthen, grüne Zweige,
Unschuld, Güte fesselt mich,
Sicher leiten eure Steige,
Abseits geht es fürchterlich.
Rosenbüsche, dunkle Haine,
Duftig blühende Sinnlichkeit,
Nennest niemals mich die Deine,
Falsch ist Deine Süßigkeit.