Daß ihn keine Macht mehr weckte --
Unsichtbar beim Grabgesange
Sich der Todtgeglaubte streckte.
In die Wolken möcht' ich fliegen,
In die Sonne möcht' ich sehen!
Jedes Vorurtheil besiegen
Und als Sieger vor euch stehen.
Die Fenster sind gefroren,
Wie eis'ge Blümlein, schau:
Das sind die falschen Menschen,
Auf menschlich schöner Au!
Wie niedrig lächelt die Dirne,
Wie spiegelt sich drin ihr Herz,
Kein Lächeln ist's der Gestirne,
Nur Glanz von gemeinem Erz. --
Und der Himmel lacht mir wieder,
Und die Sonne scheinet hell,
Und es tauchen auf die Lieder
Wie ein unversiegter Quell.
An der Tugend nur genippet,
Und die Bosheit ausgetrunken, --
Also sind die armen Menschen
In ihr liebes »Ich« versunken.
Lauter Zank, 's ist eine Zeit des Leidens,
Alles freilich, es hat seine Zeit --
Zeit des Zankens -- Hetzenzeit -- des Meidens:
»Bet' und zanke« heißt's in neuester Zeit!
Auf der Höhe stehen Bäume
Große Menschen haben Träume,
Träume, die im Himmel schweben,
Die nicht an der Scholle kleben.
Ist's der Dichtung Loos
Traurig sein?
Schmerzen klein und groß
Ziehn ins Herz hinein.
Schmerzen, klein und groß,
Ziehet endlich aus,
Nicht der Dichtung Loos
Ziemet Weh und Graus.
Unnütz lyrisches Gesinge,
Unnütz lyrisches Geklinge
Gehst Du mir nicht aus dem Sinn,
Schreib' ich auf's Papier Dich hin.
Auf allerlei Hetzen.
Das ist ein helles Zanken,
Ganz ohne Unterlaß,
Für dieses kurze Leben
Hat man nicht Zeit zum Haß! --
Die weiße Rose am längsten blüht,
Am stillsten das weiße Röslein glüht,
Am tiefsten fühlet ein reines Gemüth:
Daß Gott alle Beide vor Schaden behüt'!
Freundlich gucken meine Blicke,
Hoffnungsvoll den Himmel an,
Einem freundlichen Geschicke
Harrt getrost der fromme Mann.
Zu allem Guten sage ja,
Zu allem Bösen sage nein,
Das Eine dort, das And're da:
Beisammen können sie nicht sein.
Dieselben Bäume hier wie dort,
Dieselben Gräslein hier wie dort,
Dieselbe Sprache hier wie dort,
Und dennoch bleibt's ein fremder Ort.
Es stürmt so viel auf mich herein,
Mag sein, mag sein,
Das Gute find't ja doch Gedeih'n,
Und einmal sehn es Alle ein.
O ist's denn ganz unmöglich,
-- Was doch nicht ganz unsäglich --
Daß Alles glücklich wär?
O, wenn's doch möglich wär!
Auf einen Müßiggänger.
Was ist das Häßlichste auf Erden?
Das Häßlichste bist Du!
Du willst nicht wachsen, willst nicht werden,
Du pflegst der süßen Ruh'!
Vor Schillers Denkmal in Berlin.
Hast erhoben die Nation,
Großer, deutscher Volkessohn,
Klein im Leben ward dein Lohn --
Kleiner noch in Gyps und Thon.
Die Sonne gehet strahlend unter,
Nur scheinbar, Freund, nicht in der That --
Der Vorhang fällt so rasch herunter, --
Daß man nur ihn gesehen hat. --
Nero.
In den Augen meines Hundes
Liegt mein ganzes Glück,
All mein Innres, krankes, wundes
Heilt in seinem Blick.
Schöner Stern
Hab' Dich gern,
Schau'st in's Fensterlein,
Und ins Herz hinein.
Schönste Zier
Strahle mir,
Bist so ganz allein,
Stolzes Sternelein.
Gott segne die Armen,
Gott segne sie,
Sein reiches Erbarmen
Verlasse sie nie!
Die Armen, die Armen
An Glauben so reich,
An Gottesvertrauen
Den Glücklichsten gleich. --
Dorten aus der grünen Hecke
An des Gartenzaunes Ecke
Schaut mein Schatz heraus:
Haare braun, nicht kraus;
Klein Gesichtchen rund,
Kirschenrother Mund;
Augen braun, nicht blau:
Wird bald meine Frau!
Gehabt euch wohl, Gott segne euch,
Euch All' im Sonnenlicht,
Dich Vöglein, Röslein, Immergrün,
Die Dornen und die -- Würmer nicht! --
Die Aerzte, Philosophen gleichen --
Der große staunt und betet an,
Der kleine sieht in Gottes Reichen
Sich selbst als größtes Wunder an. --
Beschränktheit absolut dictiret!
Die Weisheit bleibt ihr fremd und fern --
Wen nie der Genius berühret,
Ein solches Männchen täuscht sich gern.
Wer Niemand über sich zum Richter,
Wer niemals sagt: ich weiß es nicht, --
Der taugt zu keinem höh'ren Richter
Mit seinem unfehlbaren Licht.
Vor Nees von Esenbecks Bildniß.
Stillschweigend ruht der Blick auf der Geschichte
Menschlichen Treibens, menschlich Mühn,
Und düster wie vorüber ziehn,
Den bittern Unmuth im Gesichte; --
Nur gleich Oasen in verbrannter Wüste
Und kräftig schmucken Blättergrün,
Und wie die Meteore glühn
An Nordpols eisig rauher Küste.
So einzeln steht im Blatte der Geschichte
Das Große da auf seinen Höh'n --
Wir bleiben lange vor ihm stehn,
Gleich wie beim Sonnenaufgangslichte! --
So stehn wir lange, Nees, vor Deinem Bilde,
Und stolzer unsre Wangen glühn,
Und unsre Blicke Funken sprühn,
Dir, hoher Meister, groß und milde!
Laut schlägt das Herz hier unter Deiner Büste,
Horch, Allen, Allen -- ungestillt --
Stark wie gigantisch Säulenbild,
In Thebens prächt'ger Tempelwüste!
Doch stauntest Du, wenn Deinem sonn'gen Blicke
Entgegen niedre Sklavenschaar?
Es folgt die Schnecke nicht dem Aar,
Sie klebt an ihres Staubes Stücke. -- --
Herzog Georg Bernhard.
Blauer Himmel, Bergesluft,
Dunkler Hain und Blumenduft,
Zitternd glänzt auf grüner Au
Schon der frische Abendthau.
Kunstgebilde, Saitenklang,
Bei der Sonne Untergang,
Ganz allein an Waldessaum
Steht der Herzog wie im Traum.
Ja, des Herzogs Seele träumt,
Seine Lippen sind gereimt,
Und der Abendsonne Schein
Faßt sein schlichtes Bildniß ein
Träumet er vom Wüstensand,
Von des Meeres grünem Strand,
Von der Welten-Harmonie
Und der Wahrheit Poesie?
Träumet er von einem Licht,
Einstens strahlend -- sichtbar nicht --
Jenes Wunderbild, es lebt,
Ueber ihm im Himmel schwebt.
Einst.
An meine Mutter.
Komm Geliebte, meiner Seele,
Komm und still' die Sehnsucht mir,
Meinen Schmerz ich nicht verhehle,
Wenn Du, ach, so fern von hier!
Dieses Hoffen, dieses Bangen,
Diese ew'ge Qual und Lust,
Dieses mächtige Verlangen,
Dieses Klopfen meiner Brust.
Doch es ist kein leeres Sehnen,
Ja, Du kehrst, Du kehrst zurück,
Schaust in meine Freudenthränen,
Mit dem schönen, lieben Blick!
Wirst schon nie mehr von mir weichen,
Wirst schon niemals fort von hier,
Ach, es giebt nicht Deines Gleichen,
Mir ist doch nur wohl bei Dir!
Einst.
An meine Mutter.
Ich wünsche Dir alles Gute,
Und wünsche Dir alles Glück!
Des Schicksals eiserne Ruthe,
Sie weiche vor Dir zurück.
Ich wünsche Dir schöne Träume,
Und schönere Wirklichkeit,
Und üppige Blüthenbäume
Und stete Fröhlichkeit.
Ich wünsche Dir ein Jahrhundert,
Und Frische der Jugend dabei,
Damit sich ein Jeder verwundert
Wie rüstig die Edle sei!
Doch was ich für mich ersehne,
Das rathest Du alsobald:
Mein Ohr vernehm' Deine Töne,
So lang ihm noch etwas schallt!
So lange es fähig, zu hören! --
Mein Auge, so lange es sieht --
Sie mögen Dich sehen und hören! --
Mein Herz, das für Dich erglüht;
Es möge Dich wonniglich fühlen,
Bevor es von hinnen zieht!
Dann scheid' ich mit Dankesgefühlen,
Mit einem zufriednen Lied!
Zum 9. Juli, dem Todestage derselben.
Erde stehe still, Sonne scheine nicht,
Fürchterlich ist dieser Tag!
Jenes Engelsangesicht
Sterbend mir vor Augen lag.
Sonne scheine dort, wo dorten sie erschien --
Strahlen wirf auf ihren Pfad.
Englein alle müßt entgegen ziehn,
Wenn die Allereinste naht!
Ewig, ewig waren wir vereint,
Eins in Wort, Gedanke, That,
Uns nur Gott geschieden hat! --
Daß er unser Fleh'n verneint,
Uns im Tode nicht vereint,
Ist verhüllt in seinem Rath! --
Jetzt.
Grüßt mich mein Mutterlieb?
Ist ihr nicht bang?
Ach, schon so lang
Ist's, daß sie fortblieb:
Dort in der Ferne
Kreisen die Sterne,
Sphärische Lieder,
Rauschend Gefieder,
Dorten ihr Bild,
Sehn wir uns wieder,
Tönen die Lieder,
Mutterlieb, mild!
Wo sich Epheu schlingt,
Eine Hand mir winkt,
In der Mutter Gruft
Eine Stimme ruft:
Dich hab' ich geliebt! --
Weine nicht, mein Kind,
Unsterblich wir sind,
Seh'n uns wieder einst,
Unwürdig Du weinst,
Gott uns wieder giebt!
Meiner Mutter lichtes Bild,
Meiner Mutter sanft Gesicht
Meiner Mutter braune Augen,
Alles dieses seh' ich nicht.
Aber tief im Busen lebt,
All der unversehrte Glanz,
Ihres Wesens Schönheit schwebt
Ueber mir im Himmel ganz!
Zwei Blümlein blühen am Aronstab,
Ach, Beide überdauern das Grab;
Das weiße liebliche Blümelein,
Das schenkte mir mein Mütterlein.
Mein Mütterlein, so hold und rein,
Wie dieses lichte Blümelein:
Ihr Blümlein überdauert das Grab,
Im Jenseits grünet der Aronstab!
Eine Blüthe seh' ich prangen,
Eine Blüthe rosenroth,
Hält mein ganzes Herz gefangen,
Ach, mein Herz -- ich glaubt' es todt.
Ach, meine Mutter, fänd' ich Dich wieder --
Ach, in der Welten unendlichem Raum,
So würd' ich Dich suchen mit allen Kräften,
Wie jetzt ich Dich suche im Wachen und Traum.
Vor der Mutter Bild.
Fast strenge sah sie zu mir nieder --
»Gefallen Dir nicht meine Lieder,
Die ich ja oftmals von Dir singe?
Bin ich nicht gut und treu und bieder?
Und thu' ich jemals schlechte Dinge?«
Antwort.
»Du thuest gut, doch nicht so, wie du's solltest,
Und lange nicht so gut, als wie du's wolltest --
Dir ward das höchste, schwerste Ziel: Erringe
Es ganz! Sonst sieht es aus, als wenn Du schmolltest,
Daß aufgegeben Dir die größten Dinge!«
Wenn man die Mütter aus der Erde graben könnte,
Dann würden alle Menschenhände graben,
Mit einer Eil', als wenn es brennte:
Denn Jeder will die Mutter wieder haben.
Wenn man die Mütter aus der Erde könnte graben,
Dann wäre Sonnenschein bei Tag und Nacht auf Erden,
Und Alle würden wieder frohe Kinder werden,
Wenn sie die Mütter würden wieder haben.
Ein Jubelschrei, er würde rings ertönen,
Ein Glück bei Armen und bei Reichen,
Ach, reich sind Alle, welche nie vom Mutterherzen weichen. --
Ein Lieben ohne End' und Gleichen --
Das Wiedersehen nach lang' getrag'nem Sehnen,
Nach stillen, lauten, heißen Thränen! --
Klara Wuras.
Klara Wuras, lebst nicht mehr,
Bist der Welt so ganz entrückt?
Eine Blüthe, schon geknickt --
Ach, an Tönen warst ein Meer. --
Tausend Melodien strömten,
Brausten, Klara, auf's Klavier --
Ließest Deine Saiten hier?
Deiner Töne Schmelz -- verschämten? --
Venetianisch süße Lieder --
Deiner Brautfahrt Melodei --
Klinget in dem Herzen wieder. --
Goldne Wogen strömt herbei --
Rauschen wie des Aars Gefieder --
Klara's große Phantasei.
Das Leben.
Schwestern, Brüder, laßt uns leben,
Leben ist gar hohes Gut,
Machet stark die freie Seele,
Frischet auf den Lebensmuth!
Ist das Herz euch so verdorben,
Daß das Leben euch nicht lieb?
Ist das Feuer schon erstorben,
Daß der Geist euch schwach und trüb?
O vergeudet nicht die Kräfte
In der eitlen Sinnenlust!
Werfet ab den Staub zur Erde,
Wenn ihr euch des Staub's bewußt!
Schließt das Leben in die Arme,
Bis es euch zum Herzen dringt,
Laßt den Arm nicht kraftlos hängen,
Der das =Gute= gern vollbringt!
O die Macht, die uns gegeben,
Wer weiß, ob sie wiederkehrt?
Ob die Macht, die klein uns dünket
Einst uns auch noch angehört?
Brüder, Kindheit ist das Leben
Eines höhern Lebens dort.
Laßt der Kindheit würdig leben:
Gott hält uns dort droben Wort!
Franzensbad.
Auf der Franzensbader Höhe
Steht ein prächtig Säulenbild,
Franz der Kaiser, wie im Leben,
Würdig, sinnig, ernst und mild.
Welcher Meißel, welcher Zauber
Hält die Blicke festgebannt,
Schönes letztes Werk des Künstlers,
Schwanenthalers Meisterhand.
Graf von Münch von Bellinghausen,
Dessen Name einst ein Glanz,
Weihte jenes große Denkmal
Seinem Freunde Kaiser Franz.
Hannah Thorsch.
Eine Blüthe abgefallen! --
Ach, die lieblichste von allen,
Unsre Hannah fiel,
Hin ist Lust und Spiel.
Alle Freuden jäh verhallen,
Klagen überall erschallen,
Ach, noch oft und viel,
Ohne Zweck und Ziel. --
Klaget nicht, die Seelen leben,
Glücklicher sie sich erheben,
Und von Welt zu Welt sie schweben --
Ganz entrückt dem niedren Staube,
Keinem Schmerze je zum Raube:
Das ist des Deisten Glaube!
Heinrich Heine.
Ruh' in Frieden, großer Dichter,
Ruh' in Frieden, Dichtergeist,
Ruh' in Frieden, Herz voll Saiten,
Das kein Mißton mehr zerreißt.
Oder singe, spiele weiter,
In der selbstgeschaff'nen Art
Jener Lieder süße Worte,
Unvergleichlich, geistvoll, zart:
Von des Fichtenbaumes Träumen
In des Nordens kalter Höh',
Von der armen Sünderblume,
Von Ramiro's düstrem Weh'!
Singe in des Himmels Sphäre,
Alle Engel stimmen ein,
Witzli Putzli sei vergeben --
Alle Poesie ist rein!
Für Ferdinand Freiligrath.
Liebt die Dichter! Seh't, sie geben
Euch das Beste, was es giebt!
Sie verschönern euch das Leben,
Dankbar Gegenliebe üb't!
Blümlein wachsen, Wolken ziehen,
Im Verborgenen wächst Metall,
Eisen brechen, Sonnen glühen,
Im Kontrast gedeiht das All!
Jedes soll vom Seinen geben,
Schönheit wird zur Harmonie,
Reicher, edler wird das Streben,
Es entsteht die Poesie! --
Kennt ihr nicht der »Blumen Rache?«
Nicht des Schwarzwalds braune Maid?
Eines Volkes Ehrensache
Ist des Dichters Feierkleid! --
Leipziger Lerchen.
Die lieblichen Sänger des Feldes,
Ach, nackt, und zum Fraße bereit,
Ihr werdet doch Lerchen nicht essen?
Mein Gott, ihr wär't nicht gescheidt!
Die Lerche, die wahre Poetin,
Zum Himmel schwingt sie sich auf,
Ihr Nestlein sorglos am Boden,
Die Senner treten darauf.
Allein der Bauer vom Lande,
Er hat ein natürliches Herz, --
Mit Schonung schwingt er die Sense,
Die Sense von Stahl und Erz.
In Leipzig aber schlachten
Die singenden Kehlchen sie,
-- Ach, nackt und klein zum Erbarmen --
Ein Schlachten der Poesie!
Droschkau.
Gott im Himmel, sei gnädig,
Schütze dieses Dorf!
Schütze diese grünen Auen,
Diesen Moor und Torf.
Diese Wiesen, diese Felder,
Dieses stille Thal,
Diese dunklen Fichtenwälder,
Sängers Ideal!
Ihr wißt schon, wen ich meine,
Die Stadt liegt an der Seine,
Entschieden ist's die schönste Stadt
Die man wohl je gesehen hat,
Die man wohl je gesehen hat.
Sie hat ein wunderbar Gesicht,
Ihr Haar ist lang und ist auch dicht,
Und zauberhaft wie ein Gedicht
Ihr Wort zu meinem Herzen spricht,
Ihr Wort zu meinem Herzen spricht.
Du kennst ach, die Geschichte nicht,
Und wie das Herz ihr brach und bricht,
Der Mond strahlt kalt und reine,
Die Stadt liegt an der Seine,
Die Stadt liegt an der Seine.
Vor Hermann Bödekers Bildniß.
Von Goethes Anblick überrascht,
Nach Worten einst ein Kaiser hascht,
Er sah ihn lange forschend an,
Und rief dann aus: »Das ist ein Mann!«
Ein wahrer Mensch -- ja, ja, ganz recht!
Des Menschen Typus, ganz und echt,
Trägt an der Stirn ein geistig Mal
Von seinem innern Ideal:
Wenn Wahrheit kündend die Gestalt
Das Schöne zeigt mit Allgewalt, --
Und thatverkündend vor uns tritt
Mit menschlich schönem Heldenschritt,
Dann sind wir tief und froh bewegt,
Und unser Herz nur Segen hegt:
Denn selten ist der Anblick nur
In unsrer kleinlichen Natur.
Man rühmt als große Seltenheit
Das Götterfeuer Menschlichkeit, --
(Es reiht Geschlecht sich an Geschlecht,
Selbstsüchtig, kleinlich, ungerecht!)
Ihr Funken hat fast ausgesprüht,
Er lodert nicht, und nicht er glüht --
Als Irrlicht nur noch auf dem Plan,
Stirbt er im Sumpf -- im dunklen Wahn --
Wie ander's ist's bei Dir: hinauf
Zum Himmel schlägt die Flamme auf,
Als Leuchte spendend rings ihr Licht,
Dein Name, er verlöschet nicht!
Es sitzt der Dichter zu Gericht,
Sein Urtheil schreibt er im Gedicht,
Und wer dem Ideale gleicht,
Begeistert er die Palme reicht.
Meiner Schwester Luise zum Geburtstage.
Blätter rauschen
Wunderreigen,
Vögel lauschen
In den Zweigen
Und das Purpurröslein blüht.
Maienwonne
Herrlich milde;
Vor der Sonne
Zauberbilde
Singt das Vögelein ein Lied:
Lautre Schöne,
Strahlend Feuer,
Horch, die Töne
Meiner Leier
Hat mein Herz für Dich entbrannt!
Deinem Glanze,
Purpurlichte,
Weih' ich ganze
Sinngedichte,
Die der Himmel mir gesandt.
Kühne Träume,
Rebenranken,
Blüthenbäume
Der Gedanken,
Eine ungezählte Schaar! --
Vogellieder,
Vogelweise,
Klangen wieder
Ernst und leise
Tief in meiner Brust.
Und ich dachte:
Poesien,
Vögleins sachte
Melodien,
Sie besitzen, welche Lust.
Einer Holden,
Strahlend prächtig,
Haare golden,
Mien' andächtig,
Lippen schön und treu und wahr.
Ihre Blicke,
Züge, milde,
-- Wie Antique
Auf dem Bilde --
Würd' ich bringen den Gesang! --
Das Lied der braven Frau.[3]
Ein Jeder kennt im deutschen Gau
Das Lied vom braven Mann.
Mit Recht so mancher fragen kann:
Gieb's keine brave Frau? --
Die »brave Frau« ist mir bekannt:
Wer kühn das Vorurtheil zertritt,
Voraus uns geht mit Riesenschritt --
Ein Beispiel für das ganze Land; --
Was uns're Zeit begriffen kaum,
Was Mancher kaum zu denken wagt,
Die »brave Frau« gab unverzagt
In wackrer That der Wahrheit Raum! --
»Der Wahrheit Raum,« der erste Schritt
Im Kampf für Alle, Aller Wohl --
Das ist das Allerbravste wohl --
Wo mancher Held schon seitwärts glitt. --
Dies Lied sing ich der braven Frau,
Die einfach »Christel Wiesen« heißt,
Gefeiert sei ihr Herz und Geist,
Als Vorbild hoch im deutschen Gau.
Anmerkung:
[3] Frau Wiesen auf Egestorf erklärte sich zuerst für die
Leichenverbrennung.
A. d. V.
August Böckh.
Böckh ist todt! Aeolsharfen spielet,
Trauerweide, senke Dich hinab!
Grüner Lorbeer, schlanke Palme,
Werfet Schatten auf des Griechen Grab!
Geist des Böckh! Offen sind die Hallen,
Freude herrschet im Elysium!
Lauten Jubel hört man drinn erschallen,
Horcht, man feiert seinen Ruhm!
Chor der Griechen! dankbar froh, vor Allen
Drücken die Athener ihm die Hand,
Götter zeigen ihm ihr Wohlgefallen,
Psyche selber einen Lorbeer wand.
Böckh ist todt, Aeolsharfen spielet,
Trauerweide, senke Dich hinab.
Grüner Lorbeer, schlanke Palme,
Werfet Schatten auf des Weisen Grab!
Auf das Zimmer meines Vaters,
des Rittergutsbesitzers Joachim Kempner auf Droschkau.
Fast verfallen ist das Fenster.
Keiner wohnt im Zimmer drin,
Der Erinnerung Gespenster,
Sie umnebeln meinen Sinn. --
Wohnt' der Vater nicht leibhaftig,
Wie das Leben selber drin?
Wünschend, wollend, einzig-kräftig,
Stets mit =einem= frischen Sinn? --
Blaue Augen, braune Haare,
Stark und groß, ein Riese fast,
Ungebleicht trotz sechzig Jahre,
Urgeschäftig ohne Rast!
Und verschwunden ist das Alles,
Die lebendige Gestalt,
Und kein Nachhall eines Schalles,
Mehr aus diesen Fenstern schallt!!
O, die Träume nur, sie leben,
Und die Wirklichkeit, sie stirbt, --
Nur der Dichtung Reich entschweben
Geister, die kein Hauch verdirbt!
Dem Priester-Philanthropen Franz Marson.
Gleich selten auf dem Throne,
Wie im geweihten Kleid,
Ein Räthsel für die And'ren,
Wer And'ren sich geweiht.
Zum 70jährigen Geburtstage eines Onkels.
Was auch die Menschen trennt, die Geister scheidet,
Eins giebt's, was alle Welt verehrt,
Die Tugend mit dem reinen Strahlenkranze,
Die uns sich selbst vergessen lehrt.
Wer so wie Du in ihr gelebt, gewandelt,
Sie liebend keinen Augenblick verließ,
Mit aller Kraft und Lust nur gut gehandelt,
Zu jeder Zeit man gerne pries!
Ob viel geprüft, gekämpft, ob viel gelitten:
Bewußtsein heißt das inn're Glück,
Den Allerbesten ward nicht mehr beschieden --
Kein höh'res strahlt vom Thron zurück. --
Daktylen, Jamben, Trochäen,
Sie schließ' ich in einen Bund,
Die Regel sie ewig zu trennen
Hat keinen vernünft'gen Grund!
Nicht Stände giebt es und Kasten
Im Reiche der Poesie,
Das Mannigfache im Schönen,
Es bildet die Harmonie!
Oft ist verhaßt
Und gilt als Last
Wer engelsrein,
Denn nur der Schein
Und der Bombast
Er gilt allein.
Wär' ich ein Vögelein
Und wär' ich noch so klein,
Flög' ich von Feld zu Feld
Rasch durch die ganze Welt!
Man sagt, die Liebe wäre blind,
Ich sage: Haß und Groll es sind:
Von Einsicht seh' ich keine Spur
Die Hasser hassen eben nur. --
Holden Träume, ging't verloren,
In des Lebens Dunkelheit,
Bleibt zum Traume auserkoren!
Traum ist keine Wirklichkeit. --
Nicht im Reichthum wohnt das Glück,
Ach, es weichet scheu zurück
Vor den vielen Eitelkeiten,
Die sich rasch durch's Geld bereiten:
Nicht im Reichthum wohnt das Glück,
Ach! es weichet scheu zurück
Vor dem vielen Ueberflusse
Und dem dummen Scheingenusse.
Als Jemand beim Anblick einer armen Frau
den Kopf wegwendete.
Wendest Deinen Blick Du nicht
Weil das Mitleid zu Dir spricht?
Spricht von Deiner Menschenpflicht?
Mensch, o täusch' Dich selber nicht,
Wende nur den Kopf zurück:
Helfen ist das größte Glück! --
Grüne Saaten, grüne Blätter,
Braune Stämme, gelbes Schilf,
Ach, der Landmann mit den Sorgen,
Gott, dem armen Landmann hilf!
Sperrt euch ein in große Städte,
Athmet ein die dicke Luft,
Die ein And'rer ausgeathmet --
Unbeschreiblich süßer Duft!
Brauchet dann noch eine Kur
Eine Morphium-Mixtur,
Und ihr bauet eine Kluft
Zwischen euch und der Natur:
Ach, ihr bauet eure Gruft!
Kälte.
Kälte, eis'ge Kälte
Wärme nur belebt!
Auf so manchem Antlitz
Ganzes Eismeer schwebt. --
Der Egoist.
Und schliefest Du, Schläfer, noch einmal so lang,
Erwachen wirst Du schwer und bang
Im liebeleeren Raume --
Aus Deiner Selbstsucht Traume --
Dein »ich« so traurig und so bang --
Und das Erwachen währet lang.
Feldarbeit.
Arme Menschen, arme Thiere,
Ist's noch finster, müßt ihr raus!
Arme Thiere, arme Menschen,
Lang' ist's finster, geht's nach Haus. --
Ein Reiter auf der Haide,
Er trägt ein Wams von Seide,
Ein weißes Wams, 'n schwarzen Hut,
Er scheinet noch ein junges Blut,
Er scheinet noch ein junges Blut.
Er führt sein Pferd zur Weide,
Zu einer Trauerweide,
Dort harret, ach, die Liebste sein
Mit Augen frisch, wie Bächelein,
Mit Augen frisch wie Bächelein.
»Du, meine Augenweide,
Mein Blümlein auf der Haide,
Du gleichst dem Reh im dichten Wald,
An wunderlieblicher Gestalt,
An wunderlieblicher Gestalt!«
So schmeichelt auf der Haide
Der Ritter in der Seide,
Der schlanken frischen Bauernmaid:
Er hat sie aber nie gefreit,
Er hat sie aber nie gefreit.
Der Mond erscheint,
Er hat geweint.
Man sieht es ihm an
Dem traurigen Mann.
Aus jenen Höhn
Hat er gesehn
Des Bösen so viel --
Gefährliches Spiel. --
Die Menschen all',
Sie spielen Ball
Mit jeglichem Gut,
Mit Flamme und Gluth;
Der Weisheit taub,
Der Thorheit Raub,
Dem Bösen so hold,
Und so hold dem -- Gold.
Der Mond erscheint,
Ach, ganz verweint,
Er sah zu viel
Vom bösen Spiel. --
Zertrümmert das Leben,
Zertrümmert das Glück,
Die Freuden, sie schweben,
Ach, niemals zurück.
Geopfert das Leben
Der höchsten Idee --
Umsonst es gegeben --
Wem thät' es nicht weh?
Geopfert das Leben
Dem menschlichen Glück,
Sie schlugen das Streben,
Zerschlugen's in Stück'. --
Geopfert das Leben
Der höchsten Idee --
Umsonst es gegeben:
Wem thät' es nicht weh!
Lord Byron.
Eine Blume blühet
Dunkler Horizont --
Bei dem schweren Wetter
Schwerlich sie sich sonnt.
Eine Blume blühet --
Dunkler Horizont --
Schwarze Wellen peitschet,
Schäumt der Hellespont;
Eines Mannes Hand
Tauchet oben auf
In der Fluthen Lauf.
Byron schwamm an's Land
Wo die Blume stand
Gab den Geist er auf.
Die Wolken sich thürmen
Am himmlischen Zelt,
Gepeitschet von Stürmen
Ein Strahl sie erhellt;
Ein Sonnenstrahl eilet
Zerstreuet sie bald,
Im Nu sie zertheilet
Des Lichtes Gewalt.
Im menschlichen Leben
Erleuchtet ein Strahl
Des Friedens manchmal
Die menschliche Qual:
Die Wolken entschweben,
Die Freuden sich heben.
Auf des Lebens Ocean
Fährt der Dampfer stolz geehrt,
Mancher, ach, im schwanken Kahn
Stehend jeder Welle wehrt.
Seht das Schiff mit sichrer Hast
Fast im Hafen liegt --
Und der Nachen ohne Rast
Auf den Wogen fliegt.
Himmelhoch und Abgrundstief
-- Gott, der Mensch zu Hilfe rief --
Endlich er vor Anker lief;
Doch es rennt des Dampfers Last
An der Klippen mächt'gen Ast
Und zerschellet Kiel und Mast. --
Lied.
An Waldes Saum, an Waldes Saum,
Da träumt das Blümlein einen Traum,
Da träumt das Blümlein einen Traum.
»Mir ist so weh, mir ist so bang
Drum sing' ich diesen Minnesang
Drum sing' ich diesen Minnesang;
»Ihr Zauberblick, ihr Riesenschritt,
Er nahm mir all die Ruhe mit,
Er nahm mir all die Ruhe mit.«
Zu Ende war des Blümleins Lied,
Das Blümlein sang's und es verschied --
Das Blümlein sang's und es verschied --
Wen es wohl so geliebet hat,
Das blaue Blümlein todesmatt?
Das blaue Blümlein todesmatt?
Ich wette, ihr errathet's nicht,
Drum sag' ich's euch ins Angesicht,
Drum sag' ich's euch ins Angesicht:
Das Blümlein hat die Pflicht geliebt --
Die Pflicht hat seinen Kelch zerstiebt,
Die Pflicht hat seinen Kelch zerstiebt.
Und als man ihm ins Herze sah,
Da lag das Herz entblättert da,
Da lag das Herz entblättert da.
Kennst Du vielleicht ein Land
Wo keine Bösen sind?
Das wär' mein Heimathland,
Ich ginge hin geschwind.
Kennst Du vielleicht ein Land,
Wo Niemand Böses thut?
Das wär mein Heimathland,
Für Das gäb' ich mein Blut!