Trifft des Jägers stiere Blicke,

Schmerz durchzuckt sein Angesicht:

Jäger, traue Deinem Glücke,

Deiner wilden Jagdlust nicht!

Amerika.

Amerika, Du Land der Träume,

Du Wunderwelt, so lang und breit,

Wie schön sind Deine Kokosbäume,

Und Deine rege Einsamkeit!

Mit Deinen blau und rothen Vögeln,

Mit Deinem stolzen Blumenheer,

Mit Deinen tausend Schiff' und Segeln,

Von denen voll Dein weites Meer!

Mit Deinen smaragdgrünen Blättern,

Mit Deiner duftig kühlen Nacht,

Zu nahn Dir auf des Schiffes Brettern,

D'ran hab' als Kind ich schon gedacht!

Trotz Deiner prächtig bunten Schlangen,

Trotz Deiner heißen Sonnengluth,

Gilt Dir mein eifriges Verlangen,

Das mächtig nun und nimmer ruht!

Das Wäldchen.

Ein Wäldchen sich erhebt,

Sproßt fröhlich himmelan,

Ob unser eins noch lebt,

Wenn einst die Axt daran?

Man pflanzt den Berg mit Wein,

Der Muskateller bringt,

Ob wir noch lebend sein,

Wenn er im Becher blinkt?

Ein Rosenknöspchen blüht,

Und morgen auf es bricht,

Ob es mein Aug' noch sieht

Weiß Gott, ich weiß es nicht!

Wollte Gott.

Die dunkelgrünen Tannen

Auf grünem Rasenland,

Darüber Sonnenstrahlen

Und Himmel ausgespannt.

Die Sonne ist gesunken,

Die Senner gehn nach Haus,

Zerlumpte, bleiche Leute,

Sie sehn gespenstisch aus.

Ihr schönen grünen Tannen,

Ihr glänzt im Abendroth,

O wollte Gott, so hinge

An euren Zweigen Brot!

Was ist das Beste?

Ein Liedlein tönt von Ferne:

Was ist das Liebste Dir? --

Die Augen und die Sterne,

Sie sind das Liebste mir.

Ein Liedlein tönt von Ferne:

Was ist das Schönste hier? --

Das Schönste und das Liebste,

Das ist der Himmel mir! --

Und sprich, was ist das Größte

Und Allertreu'ste Dir? --

Das Größte ist der Glaube,

Das Treu'ste Tugend mir.

Und weiter tönt es ferne:

Was ist das Beste hier?

Das Beste ist die Mutter,

Das Allerliebste mir!

Kennst Du das Land

Wo die Lianen blühn

Und himmelhoch

Sich rankt des Urwalds Grün?

Wo Niagara aus dem Felsen bricht,

Und Sonnengluth den freien Scheitel sticht? --

Kennst Du das Land

Wohin Märtyrer ziehn,

Und wo sie still

Wie Alpenröslein glühn?

Kennst Du das Land, kennst Du es nicht?

Die zweite Heimath ist's, so mancher spricht!

Fest-Romanze.

Reich bekränzet glänzt die Stadt,

Bunte Fahnen, Flaggen wehen,

Ehrenpforten blühend stehen,

Und des Fürsten Stirn ist glatt.

Gases Flammen, wie im Traum,

Böllerschüsse und Raketen,

Macht die Gegend rings erröthen,

Und das Jauchzen endet kaum.

Ueber'm Knotenstock gebückt,

Steht ein Greis mit langen Haaren,

Düster seine Züge waren:

»Thor und Thoren sind geschmückt« --

Spricht er lächelnd -- »doch fürwahr,

Ehrenhafter würd' es klingen,

Würde Dir ein Vivat bringen

Unsrer Bettler große Schaar!«

Atheismus.

Es gleitet das Schiff durch pechschwarze Klippen,

Schon gähnt es der bannende Abgrund an --

O wollte die Mannschaft den Himmel erblicken --

Der Himmel allein sie erretten kann.

Nichts and'res kann retten -- verhüllen die Sterne

Weinend ihr Haupt und strahlen euch nicht --

Und Wetterwolken bedecken am Tage

Der heiteren Sonne weitreichendes Licht. --

Auch außer dem Wetter, im eigenen Herzen

Beginnt ein Kampf um das Ja und das Nein --

Um Höhe und Tiefe und Helle und Dunkel,

Um höheres oder niederes Sein. --

Um Leben für immer, um Sterben für immer --

Um ewigen Unsinn und ewigen Zweck --

O verlöscht nicht das Licht bei der finsteren Brandung --

Das Schiff der unglücklichen Menschheit ist leck.

Stimmung.

Düster liegt die Welt mir da,

Wie ein ödes Meer.

Und der Abgrund ist so nah,

Und er reizt mich sehr.

Drin vergessen und versenken,

Selbst das Schöne mit,

Nichts mehr fühlen, nichts mehr denken,

Erde, wir sind quitt! --

Keine Lust ist's, keine Wonne,

Aber mehr als das! --

Keinen Schatten, keine Sonne, --

Keine Lieb', kein Haß! --

In dem Nichts die Freiheit lieget,

Nicht Notwendigkeit --

Und von fern es schon besieget

Alles »Muß« und Leid.

Düster liegt die Welt mir da,

Wie ein ödes Meer,

Aller Welten End' ist nah,

Und es reizt mich sehr.

Ein Frauenbild.

Auf dem weichen grünen Rasen

Kniet ein Frauenbild,

Ihre Arme gegen Himmel,

Lächelt sie so mild;

Sanft sich ihre Lippen regen,

Lispeln hörbar kaum,

Ihre Blicke schweifen trunken

In des Himmels Raum!

»Großer Gott, Du hast willfahret

Meinem still' Gebet,

Großer Gott, nur Dank und Freude

Sei von Dir gefleh't.«

Englein steigen auf und nieder,

Und der Morgen graut,

Und das Herz der Jungfrau bebet,

Und die Rose thaut.

Einen Blick noch zu dem Himmel,

Einen Dankesblick,

Einen Blick erhab'ner Klarheit,

Ruh' und Seelenglück.

Und das Haupt die Jungfrau birget

In dem weichen Gras,

Andachtsschauer hebt die Seele,

Und ihr Aug' wird naß.

»Gieb mir eins noch, Gott der Gnade,

Laß mich =dankbar= sein,

Treu und dankbar, Gott der Gnade,

Und mein Herz bleib' rein!«

Wißt ihr wohl, wer so erglühet

Sprach das Dankgebet?

Die's gewesen, lieber Leser,

Selber vor Dir steht.

Kanarienvögleins Traum!

Es bettet sich das Vögelein

In seinem eignen Flaum,

Es hüllet sich das Köpfchen ein,

Und träumt den schönsten Traum.

Vom blauen Himmel -- lebenslang --

Vom dunkelgrünen Hain,

Von seinem eigenen Gesang,

Harmonisch klingend, rein;

Von einer schönern bessern Welt

Bei stetem Sonnenschein,

Aus Morgenroth gewebt ein Zelt,

Darunter Groß und Klein;

Des Sängers gleichgestimmte Brust,

So treu und hochgesinnt,

In Wonne, überird'scher Lust,

Vereint die Künstler sind:

Ein schön Duett, so kühn, so zart,

Wird aufgeführet bald,

Kein einz'ger Mißton, rauh und hart,

Aus ihren Kehlen schallt:

Nur himmlisch Licht, Gerechtigkeit,

Nur Klarheit, Himmels Bild,

Verschwunden Unbill, Neid und Leid,

Nur Englein strahlend mild!

Kanaria's Flug, Kanaria's Traum

Im Himmel Sieben schwebt,

Erwachend aus dem eignen Flaum

Das Vöglein sich erhebt.

Des Käfigs Wand, des Käfigs Luft! --

Das Vöglein faßt sich schnell:

Die Wirklichkeit ist enge Kluft,

Der Traum ein Lebensquell.

Gegen die Vivisektion.

Ein unbekanntes Band der Seelen kettet

Den Menschen an das arme Thier,

Das Thier hat einen Willen -- _ergo_ Seele --

Wenn auch 'ne kleinere als wir.

Ein Mensch, mißbrauchend die Gewalt und Stärke,

Ein lebend Herz zerreißen -- wie?

Wer gleicht denn hier dem wilden Thiere,

Ist es der Mensch, ist es das Vieh? --

O erkläret mir das Räthsel

Der umringenden Natur,

Zu den Wundern, zeiget, gebet

Mir nur eine einz'ge Spur!

Unbegriffen, unverstanden,

Seh ich sehnsuchtsvoll mich um,

Fragend all das Welten Chaos:

Und das Chaos bleibet stumm.

Welten Chaos, Menschen Chaos

Chaos in des Menschen-Brust,

Heil'ge Liebe, glühend Hassen,

Düster Gram und heit're Lust!

Wie es lodert, wie es flammet,

Finstre Wolke, schwanker Kahn,

Heil'ger Muth und süßes Hoffen:

Bleibet in dem morschen Kahn!

Der Leuchtthurm.

Ein Morgen, ein schöner Morgen bricht an,

Ein Morgen voll goldener Sonnen!

Es reifen die herrlichsten Früchte alsdann,

Von ewiger Dauer umsponnen.

Ein Morgen, ein schöner Morgen bricht an,

Ein Morgen voll goldener Sonnen!

Wann bricht er, wann bricht jener Morgen an,

Dess' Roth noch heut nicht begonnen?

Der Morgen, der goldne, dem Welttheil gleicht,

Entdeckt in großen Gedanken,

Der muthige Denker, der kühn ihn erreicht,

Er trat mit der Welt in die Schranken.

Der Morgen, der goldne, dem Leuchtthurm gleicht,

Erspähet auf brandigen Wogen,

Ob Brandung das Schiff, das Schiff ihn erreicht --

Das Licht, es hat nimmer gelogen!

Die Nacht ist da und die Brandung ist da,

Der Leuchtthurm, er strahlet von ferne,

Ob wir uns ihm nahen, ihn sehen von nah --

Dran zweifle ich, Gott weiß es, nicht gerne!

Doch daß ihn dereinst, doch daß ihn dereinst

Das Schifflein noch jubelnd begrüße,

O künftige Mannschaft, ich weiß es, -- Du weinst --

Alsdann erst die Thräne, die süße:

Der früheren, vorigen Mannschaft geweiht,

Die strandend das Licht noch erblickte:

Das herrliche Licht der Brüderlichkeit,

Trotzdem sie die Finsterniß drückte.

Die Zugvögel.

Lieben Vöglein, singet ihr,

Was und welches Lied?

Ob vom kalten Norden hier,

Ob vom heißen Süd,

Ob von Schneelawinen nur,

Wo die Raben schrei'n,

Oder wo auf Kaktus Flur

Kolibris gedeih'n?

Ob wo Eichenblätter weh'n,

Herbstlich rosenroth,

Oder wo auf Baumes Höh'n

Wächst das Wunderbrod?

Heißer Süden, kalter Nord,

Sag't wo's besser ist,

Sag', mein Vöglein, sag' auf's Wort:

Wo du lieber bist!

Am Scheidewege.

Weicher wurden meine Saiten,

Düstrer ward mein Blick,

Sprich, wie soll ich Dich mir deuten,

Räthselhaft Geschick?

Bessere Gefühle ringen

Sich in meiner Brust,

Besserem wird schwer Gelingen --,

Schadenfrohe Lust!

Nicht mehr grad' wie Pol zum Pole,

Fass' ich's im Begriff,

Von dem Scheitel bis zur Sohle,

Gleicht's unsich'rem Schiff.

Aus dem positiven Grunde

Ward ein Frührothschein,

Trau' mein Urtheil kaum dem Munde,

Könnte irrig sein.

Als da leuchteten die Sterne,

Holden Glückes Schein,

Kannt' ich in der weitsten Ferne

Jeden Punkt allein.

Wie mit Seherblick begabet,

Traf ich Alles recht,

Ob ihr Falsches, Böses gabet,

Kannt' es gleich für schlecht.

Helle Sterne untergingen,

Dunkel mich umgiebt,

Wolken lagern auf den Dingen,

Kenn's nicht, was mich liebt.

Kann es schwer nur unterscheiden

Was da falsch, was echt --,

In der Finsterniß der Leiden,

Wird das Auge schlecht.

Kehret wieder, goldne Sterne,

Holden Glückes Schein --

Daß ich finde in der Ferne

Jeden Punkt allein.

Zur Erinnerung.

Vergißmeinnichtblüthen

Zu pflücken am Strand

Dem Bächlein gebieten

Mit kindischer Hand,

Den Nachen umlenken,

Und wieder zurück,

Die Blüthen verschenken

Mit großmüth'gem Blick:

Das waren die Spiele,

Das kindliche Glück,

O ruft mir Gefühle

Der Kindheit zurück!

Vogelin-Prinzeß.

Es war einmal ein Vögelein,

Kanaria von Geschlecht,

Es war so schön, so gelb, so fein,

Wie's Vögeln eben recht.

Doch ach, das arme Vögelein

Im goldnen Käfig saß,

Und mit den kleinen Aeugelein

Den großen Himmel maß.

Ein frecher Sperling flog vorbei,

Und sang ihr zum Exceß:

»Ich lieb' Dich bis zur Raserei,

O, Vogelin-Prinzeß!

»O, Vogelin, Dein Köpfchen klein

Gefällt mir gar zu gut!«

Da kocht des stolzen Vögelein

Kanarisch heißes Blut!

Ich mag Dich nicht, ich brauch' Dich nicht,

Mir ist nach Dir nicht bang,

Wohl sehn' ich mich nach Himmelslicht,

Und nach des Künstlers Sang!

Doch nach des frechen Sperlings Lied

War mir noch niemals bang,

Denn -- singt sie himmlisch -- nie erglüht

Mein Herz bei nied'rem Klang! --

Selbst noch eine Menschenblüthe,

Trug ich Kummer im Gemüthe,

Groß genug für eine Welt.

Jeder Wahn, der sie bethörte,

Den sie -- grausam -- hoch verehrte,

Diese kleine Menschenwelt. --

Sieh, er ward in mir zur Wunde,

Blutend, schmerzend, Tag und Stunde,

Immer tiefer dringend ein. --

Fremden Haß und eigne Schmerzen,

Trug ich in dem weichen Herzen,

Wandte aufwärts meinen Blick:

Helfen möcht' ich, lindern, retten,

Glück an dieses Weltall ketten,

Rosig bilden sein Geschick.

Diese Freuden, diesen Segen,

Betend sich die Lippen regen,

Gott mich's ahnen ließ!

Innere Stimme.

Der sonnige Morgen, der bläuliche Teich,

Die lock'gen bethaueten Reben,

Sie spiegeln mir wieder, an Reizen so reich,

An Wundern, das herrliche Leben.

Den Gott im Herzen, die eherne Macht,

So wandle ich voll Hoffnung auf Erden,

Es spricht in mir laut, die Allmacht sie wacht,

Die Hoffnungen werden Dir werden!

Nur allein kann ich erstarken,

Nur allein sprießt mir die Kraft,

Tret' ich in des Kampfes Marken,

Mit des Muthes Eigenschaft.

Sag' ich los mich jenem Jammer,

Jenem tiefen Seelenweh --

Meine Lenden gürt' ich strammer

Und gepanzert fest ich steh!

Fest wie eine Memnonsäule

Unter mir den Staub der Welt, --

Ob mein Blick auch drauf verweile --

's ist der Blick von einem Held.

Fest wie eine Memnonsäule,

Schwarzer Marmor ist mein Kleid,

Doch nicht müßig ich verweile,

In der Wüsten Einsamkeit.

Pflegend nicht wie jener König

Von Aegypten feiger Ruh',

Der ist gar nichts oder wenig,

Der dem Bösen siehet zu.

In die Enge, ins Gedränge

Stürz' ich mich mit lautem Klang,

Singe vor der ganzen Menge

Ew'ger Wahrheit großen Sang.

Willst Du nach den Sternen fragen,

Werden sie Dir Antwort sagen?

Schönheit freilich ist es nicht,

Was nur aus dem Staube spricht;

Schön ist nur das Große, Reine,

Meer und Feuer, Sonnenschein, --

Schön ist auch Vergißmeinnicht,

Und ein treues Augenlicht!

Alles Gute, Freie, Biedre!

Aber alles andre Niedre,

Häßlich, scheußlich, ekel ist:

Duftig nimmer ist der Mist. --

Hoffnungsschimmer.

Hoffnungsschimmer, Licht des Lebens,

Lösche niemals gänzlich aus,

Dunkler wird's sonst in dem Herzen

Als im düstern Erdenschooß!

Sieh der Frühling ist Dein Abbild!

Wenn das erste Grün ersprießt,

Dann die Seele, hell vor Freuden,

Dich in ihre Arme schließt.

Lockst selbst Kinder in die Weite.

Sei ihr Wünschen auch gering,

Sei's auch nur ein kleines Blümlein,

Dem das Aug' mit Lieb' anhing.

Sprichst Du nur: ihr werdet's finden,

Freudig sind sie gleich bereit!

Liebe Hoffnung täusch' sie nimmer,

Mit den Kindern hab' Mitleid!

Leucht' auch mir voran auf Erden,

Leit' mich bis zum Jenseits hin,

Zum Gestade voller Hoffnung, --

Wo enthüllt der Hoffnung Sinn!

Nicht bei der Leidenschaft trübem Feuer,

Nur bei der Weisheit strahlendem Licht,

Schaue die Dinge, die Gott geschaffen,

Das wie und wann, -- das ergründest Du nicht.

Schaue die Wunder, die großen und kleinen:

Leuchtende Sterne in düsterer Nacht!

Doch verschmäh' ob des Glanzes von tausend Sonnen

Keinerlei Rösleins bescheidene Pracht.

O Mensch, Du trittst mit Füßen tausend Wunder,

Und tausend Wunder sie umgeben Dich,

Und tausend Wunder in den Lüften fliegen,

O Mensch, und Du beklagest Dich?

Knie' nieder in dem weiten Welten-Raume,

Ist's Tag, so knie' im goldnen Sonnenschein,

Ist's Nacht: hoch über Dir die Sterne leuchten, --

Und Dein Gebet sei Dank allein!

Phantasie.

Die sanften blauen Lüfte, sie flüsterten mich ein,

Mir träumte, ich sei auf Erden ganz mutterseelenallein:

Es war so bunt und üppig, es war so frisch und grün,

Ich sah zum ersten Male purpurne Rosen blühn!

Ein buntes Heer von Blüthen umgab das Rasenland,

Vergißmeinnicht und Epheu sich um die Felsen wand,

Und tief aus hohem Grase, da schauten lieblich scheu

Hervor die blauen Veilchen, so schüchtern und so treu.

Es wiegten in den Wipfeln der hohen Palmen sich

Die schönsten Papageien und grüßten jubelnd mich;

Mein Herz schlug laut und lauter, doch ich vernahm es nicht,

Denn voller Freud' und Staunen sah ich ins Sonnenlicht!

Sah ich zur Erde nieder, zu allen Blumen hin,

Und fühlte wonnetrunken, daß ich so selig bin.

Die frischen, jungen Rosen, die Lilien weiß und schlank,

Die tausend kleinen Blüthen, und all der Vögel Sang.

Sie schienen mir zu sagen, sie hätten auch ein Herz,

Sie wollten mit mir fühlen und theilen Freud' und Schmerz!

Zwei Nachtigallen riefen einander liebend zu,

Und dem Gesange folgte harmonisch tiefe Ruh'!

Ich sah die Sonne scheiden mit trübem Angesicht,

Ich wußt' nicht, was es wäre, und sah ins Mondenlicht,

Die Schmetterlinge flogen zu Myrthenbüschen auf,

Ich blickte immer höher und sah der Sterne Lauf.

Verwundert und erhoben, schaut' endlich ich ins Herz,

Und fühlte drin vereinigt die Sehnsucht, Lieb' und Schmerz,

Da fragt' ich mich ganz ernsthaft, wer schuf das Schöne, sprich,

Sprich, Seele, Herz, o sage: erschufst Du selber Dich?

Da rauscht es in den Palmen, mich faßt ein selig Weh!

Wer schuf mich und was bin ich, wer schuf das, was ich seh'?

Mein Auge hatte Thränen, vernehmlich rief's in mir:

Er schuf aus Liebe alles, er schuf das Herz in Dir!

Gerecht ist er und weise, die Größe ist nur er,

Und heilig ist sein Name, er lautet: Ewiger!

Erhebe Dich, erkenne wie er unendlich gut,

Doch mehr kannst Du nicht wissen, Du klebst an Fleisch und Blut!

Du kannst das nie ergründen, was unergründlich ist,

So wie Du nicht ergründest wie tief die Tiefe ist. --

Nur leise wehten Zweige durch blaue Frühlingsluft,

Des Mondes bleiche Helle schien in die Felsenkluft.

Ich war bewegt und setzte mich an des Meeres Strand,

Sah in die Höh' und Tiefe, sah in der Wellen Brand;

Gerührt und dankerglühet, rief ich: o Allmacht mein,

Die Gnade und Erbarmen und Liebe, sie sind Dein!

Ich weinte Freudenthränen, schon schien das Dämmerlicht,

Der Thau sank auf die Palmen, wie auf's Vergißmeinnicht,

Da kam der Morgen wieder, vorüber war die Nacht,

Mich dünkt, als wenn ich schliefe -- ich war erst aufgewacht!

Der Sinn der Ferne!

Erd' und Himmel rollen in einander,

Nur ein einzig Sternlein blinket noch,

Wie ein blaues Aug' im dunklen Wetter,

Strahlt es an dem Himmelszelte hoch.

Jenes Sternlein birget ferne Welten,

Und Dein Blick, er trägt Dich sonnenweit:

Wer rief Stern' und jenen Sinn der Ferne

In das Leben unsrer Wirklichkeit?

Mast und Segel schwimmen auf dem Meere,

Wer schafft dieses Ungewitters Sturm?

Und die Schlange in den schwarzen Wolken,

Und den kleinen rothen Todtenwurm?

Menschheit, unter Würmern steh' mir Rede,

Armes undankbar-verwöhntes Kind:

Trägt der Zufall meilenweit die Blicke,

Ist's nur Zufall, daß wir sterblich sind?

Unser Jammer bürgt für Ewigkeiten, --

Und das offne nimmersatte Grab!

Doch ein Gott erschuf den Sinn der Ferne,

Und wir sinken drum getrost hinab. --

Tausend Mücken tanzen in der Sonne,

Tausend Sonnen in des Himmels Raum,

Bürgt für Wirklichkeit nicht das Gescheh'ne?

Ist die Größe klein genug zum Traum?

O selbst Traumgebilde, sie sind Wahrheit,

Träum'risch nur von uns zusamm'gestellt, --

Was nie war, wird von uns nicht geschaffen --

Aus dem Nichts schuf Gott nur eine Welt! --

Für die Ostpreußen.

Düstre Nacht und lange Schatten

Ueber Land und über Meer,

Auf des Vaterlandes Matten

Schleicht das Elend hin und her;

Düstre Nacht und lange Schatten

Ueber Land und über Meer,

Die Gestalten, bleichen, matten,

Rücken immer, immer näh'r! --

Da -- ein Leuchten längs des Meeres --

Ach, der Liebe Sonnenschein,

Stärker als die Macht des Heeres --

Rücket in die Nacht hinein.

Spricht zum Elend: horch, ich lehr' es,

Daß zuletzt der Sieg doch mein!

Ausdauer.

Wenn ich so in Unruh' lebe,

Zwischen Angst und Hoffnung schwebe,

Sagt mir Etwas: habe Muth,

Noch 'ne Weile, dann wird's gut.

Einst noch, ja auf Erden hier,

Wird ein Ruhehafen Dir,

Wie Oase in der Wüste,

Leuchtet Dir die schöne Küste!

Und zu diesem sichern Port,

Auf zu diesem Wonneort,

Wird Entsetzen, Qual und Bangen --

Diese Fluthen nie gelangen!

Dort Du auf vergang'ne Stürme,

Die vor Dir einhergebraust,

Wie auf kleine Kartenthürme

Gleichgültig herniederschau'st.

Ja, es wird Dir Freiheit, Frieden,

Wonn'ge Ruhe noch hienieden,

So ward es von Gott beschieden:

Sei indeß damit zufrieden!

Das Paradies verschwand,

Die Erde vor mir stand

Ganz schwarz und anzubaun:

Mich faßt ein tiefes Grau'n.

Doch faßt' ich mich geschwind,

Und rasch, wie Seltne sind,

Ward ich ein Ackersmann

Und fing die Arbeit an;

Bald ward die Erde grün,

Und tausend Blüthen blühn,

Das Paradies von Neu

Erstand, bei meiner Treu!

Arglos und harmlos,

Durchs Leben hin,

Kommt mir das Böse

Nicht in den Sinn!

Arglos und harmlos,

Glücklich ich bin,

Hör' ich das Böse,

Denk' ich nicht hin!

Und kaum ist's verhallt,

Vergess' ich es bald,

Vergesse um zu vergeben,

Vergebe, um zu erheben.

Zum reinen Leben,

Durch güt'ge Gewalt.

Dem Kaiser Wilhelm I.[2]

Sonett.

Staunest ob der Alpenhöhe,

Sinkest nieder vor den Sternen,

Vor dem Glanz des Meteores

Aus den unbegriffenen Fernen;

Staun' nicht ob der Alpenhöhe,

Sink' nicht nieder vor den Sternen,

Vor dem Glanz des Meteores

Aus den unbekannten Fernen:

An und für sich sind sie wenig

-- Wahre Größe wohnt im Geist --

Staune an den großen König,

Den mit Recht man »Ersten« heißt --

Jeder Zoll ein Kaiser-König,

Der die Völker mit sich reißt! --

Anmerkung:

[2] Als in Folge der Einreichung meiner Denkschrift über die

Notwendigkeit einer längeren Frist vor der Bestattung an den

hochseligen Kaiser sämmtliche Regierungen veranlaßt wurden,

=schleunigst= darüber zu berichten, in welchem Umfange in den

Ortschaften ihres Verwaltungs-Bezirkes für die Einrichtung von

Leichenhäusern Sorge getragen ist.

(Denkschrift bei W. G. Korn, Breslau, sechste Auflage.)

An den Kaiser Friedrich,

damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm.

Eilst von Sieg zu Siege

Pfeilschnell wie Achill,

Held in jedem Kriege,

Sprichst Du nur: ich will!

Fliehen Feindesheere

Und ergeben sich,

Werfen weg die Speere,

Unterwerfen sich!

Doch in Deinem Ruhme,

Dicht im Lorbeer, wächst

Noch 'ne große Blume,

»Menschlichkeit« zunächst.

Drum gewähre heute

Was der Dichter fleht:

»Wenn des Todes Beute-

Feld voll Leichen steht. --

»Die Gefallnen lasse,

Ob auch scheinbar todt --

Oft der Todten Masse

Manch Lebend'gem bot; --

»Die Gefallnen lasse

Nicht vergraben bald,

Heldenmienen, blasse,

Sterben nicht sobald;

»Daß nicht in der Tiefe

Solch ein Held erwacht,

Und nach Hilfe riefe

In dem finstern Schacht!«

An Denselben.

Die großen Blätter der Geschichte fallen,

Das eine, Prinz, es ist ganz voll von Dir,

Und alle Herzen, sie erobert's Dir,

Und später Nachwelt wird es noch gefallen.

Wer sich des Schicksals, wie des Sieg's bemeistert,

Gekröntes Leben in die Schanze schlägt,

Ein großes Herz im Heldenbusen trägt,

Zu aller Zeit der Menschen Sinn begeistert.

Drum Heil dem Tage, Prinz, der Dich geboren,

Du selber gleichst fürwahr dem goldnen Tag,

Dem Sonnengott vor Akropolis Thoren!

Doch auch dem Aar vor unsern Siegesthoren:

Daß Dich die Siegesgöttin stets begleiten mag!

Die Poesie.

Die Poesie, die Poesie,

Die Poesie hat immer Recht,

Sie ist von höherer Natur

Von übermenschlichem Geschlecht.

Und kränkt ihr sie, und drückt ihr sie,

Sie schimpfet nie, sie grollet nie,

Sie legt sich in das grüne Moos,

Beklagend ihr poetisch Loos!

Zu einem Gemälde, welches nach dem Tode

Kaiser Friedrich des Dritten erschien.

Bist als Meteor erschienen

Unsrer kalten Wirklichkeit,

Ach erschienen und entschwunden

All zu früh zur Ewigkeit.

Gabst die Liebe zur Parole,

Zum Panier Gerechtigkeit,

Daß sie eine Wahrheit werde

Die erträumte Menschlichkeit.

Und erwärmet ward die Erde,

Aufgericht't das Ideal

Von des dritten Friedrichs Geiste,

Seines Herzens warmen Strahl.

Dritter Friedrich Du wirst leben,

Hier und dort der Edle lebt,

Unvergessen bleibt auf Erden

Wer schon hier zum Himmel schwebt.

An L. zu P.,

welche unbekannter Weise meine Handschrift

oder einen Vers von mir wünschte.

Einen Vers hast Du bestellt,

Poesie scheint Deine Welt,

Denn Wer selber Poesie

Liebet und verehret sie.

Zeige Du Dein eigen Sein,

Laß mich in Dein Leben ein,

Auch das Herz ist stammverwandt --

Sympathie von Gott gesandt.

Kleine Blüthen, Röselein,

Alle unschuldsvoll und rein,

Wählte tief bewegt ich aus

Ach, zu einem Abschiedsstrauß.

Ferne sang ein Vögelein:

»Menschenherz, so groß und klein,

Buntester Gefühle Strauß,

Schau'st so treulich heute aus!«

Vögelein, Dein Lied ist wahr,

Dankestreue in mir weilt,

Beten werd' ich immerdar:

Jenen, der heut von uns eilt,

Gott im Himmel ihn bewahr

Aller Orten, wo er weilt!

Poesie ist Leben,

Prosa ist der Tod,

Engelein umschweben

Unser täglich Brod.

O sieh, wie sich's thürmt,

Die Welle sich bäumt,

Das Ufer ergrünt,

Von Blumen besäumt.

Es näh'rt sich das Boot,

Die Woge, sie schäumt.

Das Mägdlein, da drin,

Das Mägdlein, es träumt!

Und über dem Haupt,

Am Himmel aufwärts

Ein Zeichen von Gold,

Ein flammendes Herz! --

Es ist mir so federleicht ums Herz,

Versunken ist der wilde Schmerz,

Und wenn's mir so im Innern glüht,

Sing' ich euch bald ein neues Lied:

Ein blaues Aug', ein goldner Stern,

Ein rothes Wölkchen nah und fern,

Ein Freundesherz, ein treuer Blick,

Ein menschlich rühmliches Geschick.

Die Welle steigt, die Welle sinkt,

Ein brauner Nachen freundlich winkt,

Ein frischer Ruderschlag ertönt!

Wie man sich dort nach Sängern sehnt!

Ade, ade, Du grüne Welt,

Der Sänger ist der wahre Held,

Greift er in seine Saiten ein,

Stimmt bald die ganze Seele ein!

Die ganze Welt, sie stimmt mit ein,

Die Welt ist sein, die Menschen sein,

Ade, ade, Du grüne Welt,

Der Sänger ist der wahre Held!

Die ganze Welt, sie stimmt mit ein,

Die Welt ist sein, die Menschen sein,

Ade, ade, Du grüne Welt,

Der Sänger ist der wahre Held!

Gemälde.

Siehst Du die grünen Thäler,

Das dunkle Abendroth?

Die schäumend weißen Wellen,

Darauf das kleine Boot? --

Drin sitzet die Geliebte,

Ein Engel wunderhold,

Mit klaren großen Augen,

Das Haar so licht wie Gold.

Blümlein auf der Au,

Blümlein, wunderblau,

Sag' was zitterst so?

Stürmt es irgendwo? --

Bächlein silberblau,

Bächlein durch die Au,

Gürtel ziehest so,

Mündest irgendwo?

Fischlein auf dem Grund,

Mit den Aeuglein klein,

Fischlein schlank und bunt;

Gedichte Sechste vermehrte Auflage · 第 2 / 6 段