Eine weitere Einnahmequelle aus dem Zehenten bilden hiernach die

Abgaben der Arbeiter und Künstler in Metallen, Stein und Holz.

Ausgenommen sollen davon die Künstler sein, welche im Dienste des

Gottes stehen und für den Tempel heilige Bildsäulen und Geräte aller

Art herstellen. Sie werden nicht nur als befreit von jeder Steuer

erklärt, sondern auch für befugt erachtet, für sich und ihre Familie

den Unterhalt aus dem Schatzhause des Gottes zu beziehen. Als ob der

König auf frühere bessere Zustände des Tempelkultus hätte hinweisen

wollen, setzte er hinzu: „Es sei reichlich, was in deinem Tempel ist,

wie es früher der Fall gewesen war.“

Zum Schlusse wird vorgeschrieben, das königliche Dekret auf einen

Stein an hervorragender Stelle niederzuschreiben, um den Namen des

königlichen Stifters der Schenkung für ewige Zeiten zu erhalten.

Das große Interesse, welches sich an dieses inschriftliche Denkmal

mitten in dem Kataraktengebiete an der ägyptisch-nubischen Grenze

knüpft, besteht vor allem in der Erwähnung der sieben Hungerjahre in

Verbindung mit dem Namen eines uralten Königs. Daß dieser nicht der

Pharao gewesen sein konnte, unter welchem Joseph in Ägypten lebte,

dagegen spricht vor allem der gewaltige Zeitunterschied zwischen

beiden. Joseph weilte etwa um 1800-1700 v. Chr. an den Ufern des Niles,

während Pharao Toser mehr als 3000 Jahre v. Chr. im Ägyptenlande sein

Regiment führte. Aber ebensowenig darf angenommen werden, daß die

Inschrift vom Jahre 18 der Regierung dieses Königs auf dem Felsen von

Sehêl wirklich aus der Zeit desselben stamme. Das wäre das älteste

Denkmal menschlicher Erinnerung auf der ganzen Erde überhaupt.

Dagegen spricht vor allem die Sprache und der Schriftstil, da beide

einer Epoche angehören, die in die Jahrhunderte unmittelbar vor Christi

Geburt fällt, als die griechischen Könige in der modernen Residenz

Alexandrien längst nicht mehr an den Gott von Elephantine dachten

und vor allem als dem Tempel und der Priesterschaft des göttlichen

Baumeisters auf der Insel Elephantine die Mittel des Unterhalts

entzogen waren.

Den Priestern dieser Epoche lag aber daran, das Anrecht auf den

ehemaligen Zehent in irgend einer legalen Weise wieder zum Ausdruck

zu bringen. Man benutzte dazu eine uralte Legende, die sich an ein

siebenjähriges Ausbleiben der Nilüberschwemmung und an die infolge

dessen entstandene Hungersnot knüpfte, angeblich unter der Regierung

des Königs Toser, um den Nachweis zu führen, daß der vernachlässigte

Kult des Gottes Chnubis, des Urhebers der alljährlich eintretenden

Nilflut, die Ursache des Elends gewesen sei. Mit einem Worte, man war

beflissen, den verlorenen Zehent dem Gedächtnis der lebenden Könige auf

eine unverfängliche Weise aufs neue einzuprägen und die Erzählung wurde

in den Stein gemeißelt, um als modernes Memento zu dienen.

Zur ältesten Geschichte des Goldes.

Das Gold ist das edelste Metall, welches noch heute im Handel und

Wandel den höchsten Wertmesser der Abschätzung bildet. Das war bereits

in den ältesten Zeiten der menschlichen Geschichte der Fall, in welchen

das Gold an der Spitze aller übrigen Metalle stand und die Sehnsucht

nach seinem Besitze das menschliche Herz erfüllte. Sein Glanz wurde mit

dem Leuchten des Sonnenstrahls verglichen und die Ägypter gingen so

weit, sogar die Körperhaut des Sonnengottes als goldig zu bezeichnen im

Gegensatz zu den bleichen Knochen seines Leibes, für welche sie die

Farbe des Elektrums wählten, einer Mischung von Gold und Silber, das in

natürlichem Zustand in Flüssen und in Bergwerken vorkommt und nicht mit

dem gleichnamigen Worte für den Bernstein verwechselt werden darf.

Neben der Eigenschaft des Glanzes haftete nach dem Glauben der alten

Ägypter dem Golde eine typhonische, d. h. schädliche und Verderben

bringende bei, welche sich merkwürdig genug in dem Urteil über das

Gold bei den Mohammedanern wieder findet. Es wird nämlich den frommen

Anhängern des Islam empfohlen und die Empfehlung meist auch befolgt,

vor dem Gebete alle goldenen Gegenstände am Körper, wie z. B. goldene

Uhren und Ringe, hübsch beiseite zu legen, um nicht satanischen

Einflüssen anheim zu fallen.

Der Goldschmied gehörte zu den ältesten Künstlern der Welt. Wenn wir

auch nicht in der Lage sind, die verschiedenen Verrichtungen seiner

Arbeit auf Grund vorhandener Abbildungen eingehender zu beurteilen, so

beweisen die in ägyptischen Sammlungen ausgestellten Gegenstände aus

Gold einen hohen Grad seiner Kunstfertigkeit. Der uralte ägyptische

Gott Ptah, welchen die Griechen mit ihrem Hephaistos, die Römer mit

ihrem Vulkan zusammenstellten, galt in Memphis als der Schutzpatron

der Goldschmiede, sein besonderes Heiligtum führte deshalb den Namen

der Goldschmiede, und sein jedesmaliger Oberpriester die Bezeichnung

eines „Werkmeisters“ im Dienste des Gottes. Memphis hatte für die

Goldschmiedekunst eine hervorragende Bedeutung und noch in den Zeiten

der Ptolemäer befand sich in dieser Stadt eine Münzstätte des Reiches.

Daß Memphis in der Schmelzkunst von Metallen überhaupt einen besonderen

Vorrang einnahm, beweisen die zu Tausenden vorhandenen Bronzen, welche

in der Wüste in der Nähe des Serapeums bei Memphis noch heute gefunden

werden. Es giebt einzelne Stellen, in welchen Bronzestatuetten zu

Hunderten im Sande verscharrt liegen.

Es ist eine auffallende Erscheinung, daß bei der Aufzählung von

Metallen, edlen und unedlen, nicht nur dieselbe Reihenfolge von

den Ägyptern beobachtet wurde, sondern daß sich mitten in dieselbe

zwei Minerale eingeschoben finden, welche man zu den kostbaren

Steinen rechnete und in den älteren Zeiten der Geschichte Ägyptens,

nachweisbar bis zum sechzehnten Jahrhundert hinauf, wie Gold und

Silber als Tauschmittel benutzte und deshalb wie die Edelmetalle nach

ihren Gewichten in Pfunden und Loten in Ganzen und Bruchteilen näher

bestimmte. Das waren der dunkelblaue Lasurstein und der grüne Malachit.

Man begreift diese Einschiebung sofort, sobald man das Prinzip der

alten Ägypter erkannt hat, Reihen von Mineralien nach ihrer +Farbe+

zu ordnen, und zwar in der Folge von +Weiß+ (Silber), +Gelb+ (Gold),

+dunkelblau+ (Lasurstein), +Grün+ (Malachit), +Wasserblau+ (Eisen),

+Rot+ (Kupfer) und +dunkelgrau+ (Blei). Die Anordnung entspricht im

allgemeinen der Folge der Farben auf einer Palette im ägyptischen

Museum von Berlin. Von der Farbe selbst sind die uralten Namen für das

Silber als „das Weiße“, und für den Lasurstein und den Malachit als

„das Dunkelblaue“ und „das Grüne“ abgeleitet. In bunten Abbildungen

erscheinen in der That Waffen, Schmucksachen, Geräte u. s. w. aus

Metallen oder Edelsteinen in der angeführten Färbung: goldene Ringe

gelb, silberne schneeweiß, eiserne Kriegshelme, Schwerter, Beile,

Lanzenspitzen hellblau, kupferne Helme und Waffen, Sägen, Sicheln,

Messer, Spiegel u. s. w. rot ausgemalt. Für die Geschichte und das

Vorkommen der Metalle bieten derartige buntfarbige Gemälde ein sehr

wertvolles Material zur Beurteilung ihres ältesten Vorkommens und ihrer

ältesten Verwendung.

Das Zeichen für Gold stellt sich in der ägyptischen Hieroglyphik

in Gestalt eines langen zusammengelegten Zeugstückes dar, das an

den beiden Enden erfaßt wurde, um aus dem darin enthaltenen klein

gestampften Golderz das Edelmetall durch Schwenken auszuwaschen. Die

Anwesenheit von Wasser darin wird in den Zeichnungen nicht selten durch

herabfließende Tropfen angedeutet, um an die Goldwäsche zu erinnern.

Die älteste Wiege des Goldes, um mich dieses Ausdrucks zu bedienen,

darf nur in den „Goldgebirgen“ gesucht werden, welche auf der

asiatischen und afrikanischen Seite der Küsten des Roten Meeres sich

von Nord nach Süd entlang ziehen und bereits in den Urzeiten der

Geschichte von menschlichen Händen mit Hilfe einfacher Werkzeuge

ausgebeutet wurden. Auch in den Betten der Flüsse, deren Quellen

in goldhaltigen Bergen entsprangen, lagerte sich von der Natur

ausgewaschenes Gold in Staubform und in körniger Gestalt ab, wie es

noch in der Gegenwart auf einzelnen ostafrikanischen Gebieten, wie z.

B. in Fazoglu und in dem noch wenig erforschten Lande Kafa im Süden

Abessiniens in mehr oder weniger großen Mengen gefunden wird und als

Tauschmittel bei dem Handelsverkehr nach außen hin dient.

Die ostafrikanischen Goldlager wurden bereits in der ersten Hälfte des

dritten Jahrtausends von den alten Ägyptern ausgebeutet und ausgenutzt

und in den folgenden Jahrhunderten in so ausgiebiger Weise durch

fortgesetzten Bergbau erschöpft, daß heutigestags in der Epoche des

Dampfes und der Maschinen wenig mehr an Ort und Stelle zu gewinnen

sein dürfte. Über die Hauptörtlichkeiten, an welchen sich Goldlager

befinden, ist man nicht bloß durch inschriftliche Zeugnisse auf das

Vollkommenste unterrichtet, sondern die alten Goldgebirge öffnen noch

in der Gegenwart ihre Eingänge den Reisenden, welche vom Nile oder von

der Küste des Roten Meeres durch die einsamen vegetationsleeren Thäler

der Wüstengebirge ihren Weg einschlagen. Das nördlichste Goldgebirge

auf der arabischen Seite Ägyptens lag an der mit reichen Inschriften

versehenen Bergstraße, welche von der Stadt Koptos am Nile in der

Richtung nach dem Thale von Hammamat bis zu dem heute Kosseir genannten

Hafenplatze am Roten Meere führte. Die eigentlichen Goldminen, deren

Dasein durch eine Expedition amerikanischer Offiziere im Dienste des

damaligen Chedives von Ägypten Ismael im Jahre 1875 wieder aufgefunden

wurden, lagen in einem Wadi Namens Fanachir. Das daselbst gewonnene

Gold führte nach der Stadt am Nil, welche den Ausgangspunkt der

Wanderung der Bergleute bildete, die Bezeichnung „des Goldes von

Koptos“. Ein neues Goldgebirge erstreckte sich im Süden des vorigen; es

lag in der Nähe des Gebel Zebara, nach dem Roten Meere zu. Der Kopf der

Straße begann gleichfalls auf dem östlichen Ufer des Niles, gegenüber

der von den Griechen und Römern Apollinopolis genannten Stadt (das

heutige Edfu), welche ihren Namen auf den des Goldes übertrug.

Eine dritte Station lag acht bis zehn Meilen in südlicher Richtung vom

Gebel Zebara. Der Weg dorthin nahm seinen Anfang von der am rechten

Nilufer gelegenen Stadt Ombos (heute als Kum Ombu oder „Schutthügel

Ombu“ bekannt), deren Namen gerade so viel als „Goldstadt“ bezeichnet.

Die alte Straße der Goldgräber folgte in etwas südlicher Ablenkung

gleich hinter Ombos der Richtung nach dem alten Hafen von Berenice, in

dessen Nähe die Spuren der im Altertum von den Ägyptern ausgebeuteten

Goldminen zu suchen sind.

Die ägyptische Südgrenze begann in der Nähe des eben genannten

Hafenplatzes und zog sich in westlicher Richtung nach der alten Stadt

Syene, dem heutigen Assuan, gegenüber der Insel Elephantine hin. Im

Süden davon lag das gebirgreiche, aber wüste Gebiet der nubischen

Landschaft zwischen dem Nile und dem Roten Meere, deren Bewohner zu

den echten Negerstämmen gezählt wurden. Von dem am Nil gelegenen Orte

Kuban aus bietet sich der Zugang zu dem verzweigten Thalsystem der

sogenannten Etbaye-Landschaft, in welchem die Goldminen von Ollaki,

schwer zugänglich für den gewöhnlichen Reisenden, an die Zeiten

uralter Anbauten erinnern. Im Anfang der dreißiger Jahre unseres

Jahrhunderts wurden sie von dem Franzosen Linant und dem Engländer

Bonomi wieder aufgefunden und dadurch die Angaben der Denkmäler

über das Vorhandensein von Gold in der nubischen Landschaft auf das

Überraschendste bestätigt. Das hier gefundene Edelmetall führte nach

dem ägyptischen Namen Kusch für Äthiopien, von dem die östliche

nubische Landschaft einen Teil bildete, die Bezeichnung „des Goldes

von Kusch“. Die Ausbeute dieser Minen muß erstaunlich groß gewesen

sein, da schon Inschriften vom dritten Jahrtausend des äthiopischen

Goldes gedenken, auch als Tributgegenstand der dem ägyptischen

Scepter unterworfenen Völker, und die Darstellungen, vom sechzehnten

Jahrhundert v. Chr. an, eine Fülle von kunstreichen Gegenständen in

Gold erkennen lassen, welche die Fürsten des Landes Kusch dem zu

ihrer Zeit regierenden Pharao als Geschenke darbrachten. Noch nach

dem zehnten Jahrhundert, in der Epoche unseres Mittelalters, wurden

die alten Bergwerke von den Arabern ausgebeutet, was nicht geschehen

sein würde, wenn die Arbeiten in den Minen keinen Gewinn ergeben haben

würden.

Die Untersuchungen der einzelnen Goldminen, sowohl in Ägypten als in

Nubien, durch europäische Reisende haben die Beweise für einen regen

Verkehr in der Nähe derselben im Altertume geliefert. Ganz abgesehen

von dem regelrechten Anbau fand man die wohl erhaltenen Reste von

heiligen Grotten und Götterkapellen, von Arbeiterwohnungen, ferner

Cisternenanlagen, darunter sogar artesische Brunnen, Granitmahlsteine,

Granitrinnen zum Auswaschen des zerstampften Golderzes und was sonst

zu der Bearbeitung desselben gehörte, in großer Menge vor. Daß eine

solche Kolonie von Bergleuten und Arbeitern, der Mehrzahl nach aus

Kriegsgefangenen, Sklaven und Verbrechern bestehend, in den heißen

Wüstenthälern kein angenehmes Dasein führte, ist selbstverständlich

und wird durch die lebendige Schilderung ihres Elends aus der Feder

eines klassischen Gewährsmannes, des Schriftstellers Diodor, vollauf

bestätigt.

In den ägyptischen Archiven befanden sich farbig ausgeführte Pläne auf

Papyrus, welche mit erklärenden Texten versehen, die Konfiguration der

Gebirge, die Straßen und Seitenwege, die Brunnen und Arbeiterwohnungen,

die Kultusstätten, die Arbeiterwohnstätten, ja selbst die von den

Königen aufgeführten Gedächtnissteine in Bild und Schrift wiedergaben.

Bruchstücke derartiger Pläne, aus dem vierzehnten Jahrhundert v. Chr.

herrührend, werden in dem ägyptischen Museum von Turin als besondere

Merkwürdigkeiten den Besuchern gezeigt.

Es ist mir keine inschriftliche Überlieferung bekannt, welche, mit

Ausnahme der in Gold gezahlten oder richtiger gesagt abgewogenen

Tribute, von Erwerbungen dieses Edelmetalls aus vorderasiatischen

Gebieten spräche. Dagegen melden inschriftliche Denkmäler und

Papyrusurkunden von ägyptischen Ophirfahrten zur See, welche außer

wertvollen Bodenerzeugnissen, an ihrer Spitze der kostbare Weihrauch,

Gold von den südlichsten Küstengebieten des Roten Meeres nach der

Residenz der Pharaonen im Nilthale einführten. Tritt in den älteren

Texten die allgemeine Bezeichnung Puone für das ferne Reiseziel im

Süden ein, so vermehren sich die Namen in den späteren Jahrhunderten

bis zu dem Anfang unserer christlichen Zeitrechnung hin. Die Westküste

Jemens mit ihren Goldländern Saba, Havila, Parvaim und Uphas, wie sie

in der Bibel genannt werden, lieferten bekanntlich das Edelmetall nach

Palästina, das durch phönizische Kaufleute, die von Tyrus in erster

Linie, auf den Markt gebracht wurde. Man wird kaum fehl gehen, auch für

Ägypten die südarabische Bezugsquelle vorauszusehen, sicherlich in den

späteren Zeiten der Geschichte des Pharaonenreiches.

Bereits im dreizehnten Jahrhundert, in welchem Pharao Ramses III. als

ein starker und mächtiger König die Zügel der Regierung in seiner

Faust hielt, ward das Gold in besonderen Sorten teils seinem Ursprung,

teils seiner Reinheit und Zusammensetzung mit anderen Metallen nach

in verschiedene Sorten geteilt und danach aufgeführt. Im allgemeinen

trennte man „das Berggold“, das aus den goldhaltigen Erzen in den

Minen gefunden wurde, von dem „Wassergolde“, das aus dem Sande

der Flüsse und Bäche des Sudan herausgewaschen wurde. Im übrigen

unterschied man äthiopisches, ägyptisches (aus den obengenannten

Städten) und arabisches Gold -- das Vaterland des arabischen war in

den Gegenden der Weihrauchterrassen -- ferner „feines“ (wörtlicher:

gutes, vollkommenes), „weißes Gold“, „Zweidrittel-Gold“ (wahrscheinlich

eine mit anderen Metallen gemischte Sorte), außerdem +Ketem+

oder vorderasiatisches Gold, dessen Name nicht ägyptischen, sondern

semitischen Ursprunges ist, und andere Sorten, deren Name noch nicht

hinlänglich klar ist. So viel steht fest, daß diese und andere

Bezeichnungen auf eine genaue Kenntnis der Feinheit des Goldes bei den

alten Ägyptern hinweisen und metallurgische Studien voraussetzen.

In unverarbeitetem Zustande erscheint das gelbe Edelmetall in Barren

und in Ringform bald von größerem, bald von kleinerem Umfang. Das

Gewicht derselben ging von einer bestimmten Grundgewichtseinheit aus,

die gesetzlich normiert war und dem einzelnen Stücke die Bedeutung

unseres Geldes verlieh. Als ich im Jahre 1889 vom ältesten Geldgewicht

in den Sonntagsbeilagen der Vossischen Zeitung mehrere allgemein

interessierende Angaben auf Grund eigener Untersuchungen zum besten

gab, hatte ich das Silbergewicht zum Ausgang meiner Betrachtungen

gewählt und die Übereinstimmung seiner Gewichtseinheit (= 1-1/5

ägyptische Lot oder 10,91 Gramm) mit dem babylonischen schweren

Silbergewicht besonders hervorgehoben. Es knüpfen sich daran Fragen von

großer kulturhistorischer Bedeutung, die von der Zeit der geschlagenen

Münze an von entscheidender, tief einschneidender Wirkung sind. In

letzter Instanz tritt dabei die Frage in den Vordergrund: Waren die

Ägypter oder waren die Babylonier die ersten Erfinder des Geldgewichts

in Silber, d. h. hat ein Volk von dem andern die Gewichtsbestimmung

entlehnt und danach ein eigentümliches Rechensystem aufgebaut oder

haben beide Völker von einem vorhistorischen Volke unbekannten Namens

und unbekannter Abstammung die wichtige Erfindung empfangen und

rechnungsmäßig als Tauschmittel im Verkehr verwertet?

War ich zur Zeit der Veröffentlichung meines ersten Artikels in

der glücklichen Lage gewesen, die Grundeinheit des Silbergewichtes

genau bestimmen und auf unser modernes Grammgewicht zurückführen zu

können, so fehlten mir damals alle notwendigen Unterlagen, um in

ähnlicher Weise dem Goldgewicht die entsprechenden Zahlen gegenüber

zu stellen. Diese Lücke ist ausgefüllt, seitdem durch zwei aus dem

ägyptischen Altertum uns überkommene Goldgewichtsstücke, von denen das

eine und größere erst vor Kurzem in den Besitz des Berliner Museums

gelangt ist, und durch überlieferte Goldgewichtsberechnungen, aus dem

sechzehnten und aus dem dreizehnten Jahrhundert v. Chr., sich mir

die Gelegenheit dargeboten hat, in unbestreitbarer Weise auch für

das Gold die altägyptische Grundgewichtseinheit fixieren zu können.

Dieselbe betrug 1-4/5 altägyptische Lot oder 16,37 Gramm, entsprach

daher dem 1/50 Teile einer Goldmine von 90 Lot (= 818,63 Gramm) und

den 1/3000 eines Goldtalentes von 5400 Lot (= 49,1179 Kilogramm). Die

Hälften dieser angeführten Gewichtsstücke, welche sich zugleich auf

das System der sogenannten +schweren+ Goldmine nach babylonischer

Rechnungsweise bezogen, also die Zahlen 8,18, 409,31 Gramm und 24,55

Kilogramm, stellen die Grundeinheiten der +leichten+ Goldmine vor.

Ihr kleinstes Stück im Gewicht von 8,18 Gramm Gold sei der Vergleichung

halber dem Gewichte der 20 Mark-Goldmünze von 7,96 Gramm und dem

englischen Pfund Sterling-Stück von 7,98 Gramm an die Seite gesetzt,

um eine annähernd richtige Vorstellung seiner Schwere zu erwecken. Es

erscheint nicht überflüssig hinzuzufügen, daß die Anwendung dieses

kleinsten Stückes von 8,18 Gramm Gewicht sich in Goldberechnungen

aus der Zeit des sechzehnten Jahrhunderts v. Chr. auf ägyptischen

Denkmälern vorfindet.

Was den angeführten altägyptischen Goldzahlen das höchste Interesse

verleiht, ist die von Herrn ~Dr.~ C. F. Lehmann, einem der

babylonischen Keilschrift kundigen Gelehrten aus Berlin, vor etwas

länger als einem Jahre nachgewiesene Thatsache, daß sich die alten

Babylonier zur Bestimmung der Schwere eines Gegenstandes eines

Normalgewichtes bedienten, dessen leichte Mine auf Grund von drei

noch vorhandenen und in wissenschaftlichen Sammlungen aufbewahrten

Stücken im Durchschnitt 491-1/5 Gramm betrug. Diese Gewichte, in

den Trümmerstätten des südlichen Babylonien aufgefunden, sind aus

einem dunkelgrünen harten Stein gefertigt, tragen Aufschriften in

Keilzeichen und gehören nach der Meinung des gelehrten Forschers

mindestens dem Anfang des zweiten vorchristlichen Jahrtausends an. Da

nach dem babylonischen Rechnungssystem die Goldmine um ein Sechstel

kleiner als die allgemeine Gewichtsmine war, so muß dieser Betrag, ca.

81-9/10 Gramm, von der Gewichtsmine (491-1/5 Gramm) abgezogen werden,

um die Schwere der Goldmine festzustellen. Man gelangt somit zu der

babylonischen Zahl von 409-3/10 Gramm, welche der ägyptischen, im

Betrage von 409-31/100 Gramm, auf das Genaueste entspricht.

Ein so merkwürdiges Zusammentreffen, welches ich in meinen früheren

Untersuchungen auch in Bezug auf das ägyptische und babylonische

Silbergewicht nachgewiesen habe, kann nicht in einem bloßen Zufall

gesucht werden, sondern beruht auf gemeinsamen Grundlagen der Maß- und

Gewichtseinheiten im Handelsverkehr der ältesten Welt. Die geträumte

Abgeschlossenheit der großen Kulturstaaten an den Ufern des Niles

in Afrika und zu beiden Seiten des Euphrats, auf asiatischem Boden,

muß anderen, richtigen Vorstellungen in Zukunft den Platz räumen,

wenn auch die Streitfrage nach den ältesten Erfindern der Maß- und

Gewichtssysteme vorläufig unerledigt bleiben mag. Für Ägypten

spricht das hohe Alter aufgefundener Steingewichte, welche in die

Zeiten der Pyramidenbauten hinaufreichen, für Babylon vor allem das

weit verbreitete sexagesimale Teilsystem, das ~Dr.~ J. Brandis in

seinem berühmt gewordenen Werke: Das Münz-, Maß- und Gewichtswesen

in Vorderasien (Berlin 1866) aus den geschlagenen Münzen, bis zu

den klassischen Völkern des Altertums hin, in überzeugender Weise

nachgewiesen hat. Daß Babylonien und die im Westen davon gelegenen

Völker und Länder Vorderasiens, einschließlich der Inseln des

östlichen Mittelmeeres, mindestens vier bis fünf Jahrhunderte vor

den trojanischen Zeiten mit Ägypten im engsten Verkehr standen, das

bezeugen ja vor allem die in Tell El-Amarna auf ägyptischer Erde in

unseren Tagen aufgefundenen keilschriftlichen Thontafeln mit ihren für

die Kulturgeschichte jener Epoche so merkwürdigen Korrespondenzen von

Hof zu Hof und mit ihrem regelmäßigen Botenpostdienst von den oberen

Euphratgebieten an bis nach den fernen Nilufern im Süden hin. Politik

und Handelsverkehr beherrschten schon damals die Welt und Gold und

Silber, wohl geprüft und abgewogen und in den Schatzhäusern der Könige

lagernd, bildete den von Jedermann verstandenen Maßstab des Reichtums

der Großen der Erde.

Aus dem Morgenlande: Altes und Neues · 第 7 / 16 段