IV. 7.

]

Die Schleiereule ist ein viel heller gefärbter Vogel als der Waldkauz.

Ihr Rücken und ihre Flügel sind bräunlich und Brust und Kopf sind

weißlich. Ihr Schrei ist ein widerlich kreischendes „Crüüüh“. Sie

verbirgt sich am Tage in Scheunen und in Kirchtürmen und jagt in der

Nacht; sie nährt sich hauptsächlich von Mäusen. Wenn sie am Tage

herauskommt, necken sie Buchfinken und andere kleine Vögel, denn diese

wissen, daß sie nicht gut sehen kann.

Vergleiche Falke und Eule. Beachte die Wachshaut am oberen Teile des

Schnabels, die alle Vögel haben. Sie ist bei den Eulen teilweise von

Borsten bedeckt. Versuche Fuß und Schnabel des Adlers zu zeichnen

(bunte Tafel VI und Abbildung Seite 60).

Lektion 13.

Saatkrähen und ihre Gefährten.

„Geh’ und scheuche die Krähen von dem Felde, sie fressen allen Samen“,

hörte ich eines Tages einen Bauer zu seinem Sohne sagen. Er hatte

recht, denn er hatte den Samen nicht tief genug gesät, und die Krähen

fraßen davon.

Aber einige Zeit darauf zeigte ein anderer Landmann auf die Krähen in

seinem Felde, wo das Getreide schön grün war, und sagte. „Sieh’, wie

sie die jungen Haferschößlinge ausziehen.“ Und das taten sie auch. Aber

wenn wir die Pflanzen ansahen, die sie herausgehackt hatten, fanden

wir, daß jede in der Wurzel eine Stelle hatte, wo eine Larve gesessen

hatte.

Diesmal hatten die Krähen nützliche Arbeit geleistet. Drahtwürmer und

Larven fressen die Wurzeln des Grases, des Korns und der Kohlrüben

durch das ganze Feld hindurch ab. Töten die Krähen nur eine Anzahl

derselben, so retten sie oft die ganze Ernte.

In meiner Heimat gab es einmal eine Zeit, wo die Landleute eine

Belohnung für Krähenköpfe aussetzten in dem Glauben, daß die Krähen

den Feldern Schaden täten. So wurden viele Krähen in der Umgegend

getötet. Aber es tat den Landleuten bald leid. In den folgenden drei

Jahren wurden ihre Ernten durch Insekten und Larven stark geschädigt.

Sie ließen nun die Krähen in Ruhe, damit sie die Insekten vertilgten.

Ohne Zweifel sind die Saatkrähen in gewisser Weise schädlich, denn

sie fressen Vogeleier, frisch gesätes Korn und grüne Walnüsse. Sie

ziehen manchmal sogar Korn aus den Schobern, wenn sie Mangel an Nahrung

leiden. Aber sie vernichten so viele Drahtwürmer und Larven, Schnecken,

Maden und Insekten aller Arten, daß sie mehr Nutzen tun als Schaden

anrichten.

Ihr alle kennt den schwerfällig umherschwirrenden Maikäfer, der einem

abends manchmal ins Gesicht fliegt. Aber vielleicht wißt ihr nicht, daß

er, ehe er Flügel bekommt, drei oder vier Jahre lang in der Erde lebt

und sich von den Wurzeln des Grases und des Korns nährt. Saatkrähen

fressen diese Maikäferlarven, wo sie diese auch immer finden, und

retten so unsere Ernten.

Hoffentlich habt ihr Krähen in der Nähe. Es ist wirklich unterhaltend,

sie zu beobachten. Während sie ihre großen Nester in die Astgabeln der

Bäume bauen, machen sie sehr viel Lärm und Geschrei. Die männliche

Krähe fängt an, Futter für das Weibchen zu holen, schon ehe sie die

Eier legt, und füttert sie während der ganzen Brutzeit.

Die alten Vögel füttern die Jungen, lange nachdem sie ausgebrütet sind.

Wenn man aufpaßt, kann man sie mit offenem Schnabel auf das Futter

wartend am Rande des Nestes sitzen sehen. Die Saatkrähen bauen ihre

Nester gern kolonieartig auf hohen Bäumen in Gehölzen und gebrauchen

sie Jahr für Jahr wieder. Sie leiden nicht, daß fremde Krähen sich

ihnen anschließen.

[Illustration: Saatkrähen am Neste.]

Die Krähen bleiben nicht lange mehr in den Nestern, nachdem die

Jungen flügge geworden sind. Im August und September ziehen sie oft

zum Schlafen in Buchen- und Fichtenwälder und kommen vor dem Frühling

nicht zu ihrem Horste zurück. Aber dann und wann sprechen sie beim

Vorüberfliegen darin vor und sehen nach ihren Nestern.

Die Rabenkrähen brüten -- ebenso wie die Nebelkrähen -- nicht gesellig

wie die Saatkrähen. Sie leben paarweise und bauen ihre Nester meist in

hohe Bäume in Wäldern weit von Häusern entfernt. Sie sind schädlicher

als Saatkrähen, denn sie fressen junge Vögel, Tauben, Enten und Kücken.

Man kann schon in einiger Entfernung die Rabenkrähe von der Saatkrähe

unterscheiden, weil man im Sommer sehr selten mehr als zwei zusammen

sieht. Wenn man sie in der Nähe erblickt, wird man sie bald

unterscheiden lernen, weil die Saatkrähe, sobald sie ein Jahr alt ist,

ein kahles weißliches Band an der Schnabelwurzel hat, wo die Rabenkrähe

Federn trägt.

Habt ihr jemals beobachtet, wie gravitätisch eine Saatkrähe über das

Feld schreitet? Sie hüpft nicht wie eine Drossel oder ein Sperling,

sondern setzt einen Fuß vor den anderen und macht dann und wann einen

kleinen Sprung. Einige bleiben stets in der Nähe auf Bäumen sitzen,

um bei Gefahr zu warnen, und wenn diese Wachen „Krah, Krah“ schreien,

erhebt sich der ganze Schwarm. Sie fliegen mit langsamem Flügelschlage

fort und fallen in ein benachbartes Feld ein.

Ein Freund von mir, der in der Nähe eines Krähenhorstes wohnt, erzählt,

daß er beobachtet habe, wie zwei Wachtkrähen jeden Morgen umherfliegen

und die anderen aufwecken, und es ist sehr spaßig zu sehen, wie die

faulen zuletzt in großer Eile herauskriechen, um noch zur rechten Zeit

mit den anderen fortfliegen zu können.

Obgleich Saatkrähen nie anderen Vögeln ihrer Art erlauben, sich zu

ihnen zu gesellen, leben sie mit Dohlen in tiefer Eintracht zusammen

und dulden auch zeitweise Stare unter sich. Eine Dohle bewegt sich

ziemlich ebenso wie eine Krähe, obwohl sie ein lebhafterer Vogel ist.

Sie ist kleiner und hat einen grauen Nacken. Der Star (siehe Seite 44)

ist ein Wandervogel. Obgleich sein Kopf und Rücken schwarz sind, hat er

doch namentlich im Frühling so viele helle Farben auf den Federspitzen,

daß er nicht dunkel aussieht wie Saatkrähe und Dohle, sondern bunt und

glänzend.

[Illustration: Dohlen.]

Es wundert mich, warum diese Vögel den Saatkrähen so oft folgen.

Vielleicht weil die Krähe sehr scharf sehen kann und die Erde auf der

Suche nach Nahrung mit ihrem langen Schnabel aufwühlt. Dohle und Star

picken hier auf, was sie über der Erde finden, und so fällt für sie

vielleicht etwas Nahrung ab, wenn die Krähe den Erdboden aufwühlt.

Versuche eine Saatkrähe, eine Rabenkrähe, eine Dohle, einen Star,

eine Elster und einen Häher zu beobachten, und zeige, wie man sie

erkennen kann.

Lektion 14.

Vögel mit Schwimmfüßen.

Außer den Vögeln, die auf dem Lande leben und sich dort ernähren, gibt

es sehr viele, die hauptsächlich auf und an dem Wasser leben. Einige

von diesen heißen „Watvögel“ und einige „Schwimmvögel“; sie haben mit

Schwimmhäuten versehene Füße. Wir haben schon im Buche II von zwei

Watvögeln gelesen, von dem grünfüßigen Wasserhuhn und dem Bläßhuhn.

Heute wollen wir von den Schwimmvögeln sprechen.

[Illustration: Vogelfüße.

1. Raubvogel (Adler). 2. Schwimmfuß (Gans). 3. Scharrfuß (Fasan). 4.

Kletterfuß (Specht). 5. und 6. Sitzfuß (Drossel und Lerche).]

Wenn man an der Küste wohnt, so kennt man die Möwen, die oft weit

an den Flüssen hinauf fliegen. Die Möwen folgen den Flußläufen bis

tief ins Binnenland hinein. So finden wir sie z. B. sehr häufig an

den Hafenanlagen Hamburgs, wo sie selbst in der inneren Stadt an den

Kanälen und Bassins der Alster, eines kleinen Nebenflusses der Elbe,

nicht fehlen. Es gewährt einen lieblichen Anblick, wenn sie immer

rundherum fliegen und auf das Futter warten, das ihnen die Leute

zuweilen zuwerfen.

Einige von euch haben vielleicht auch schon Kormorane (siehe S.

33) gesehen, große schwarze Vögel, die schwerfällig über die See

hinfliegen, mit weit vorgestreckten langen Hälsen und schmalen Flügeln.

Sie lassen sich dann auf dem Wasser nieder und tauchen plötzlich mit

dem Kopfe voran unter; gleich darauf kommen sie mit einem Fisch im

Schnabel herauf, den zu verschlingen sie oft längere Zeit gebrauchen.

Wohnt man auf dem Lande in der Nähe eines großen Sees oder eines

Teiches, so kann man mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einen

sonderbaren kleinen Schwimmvogel beobachten, den kleinen Steißfuß

oder Zwergtaucher. Dies ist ein brauner Vogel mit schmalem Kopfe und

dünnem Halse, der im Schilfe an den Ufern eines Teiches umherplätschert

oder ruhig dahinschwimmt. Dann und wann taucht er nieder, um

Wasserschnecken, Fische oder Wasserpflanzen heraufzuholen. Man muß sehr

behutsam sein, wenn man in seine Nähe kommen will, denn er taucht beim

geringsten Geräusch unter und kommt an einer weit entfernten Stelle, wo

man ihn nicht mehr sehen kann, wieder herauf.

Hat man aber diese mit Schwimmfüßen versehenen Vögel noch nicht

gesehen, nicht einmal eine wilde Ente, so kennt doch jedes Kind die

zahme Ente, die auf unseren Bauernhöfen gezüchtet wird. Unsere Enten

wurden vor langer langer Zeit aus wilden Enten gezähmt und sind ihnen

sehr ähnlich. Wir wollen sehen, was wir über sie lernen können.

Seht sie einmal an, wie sie über den Hof watschelt. Ihre Füße haben

zwischen den drei Vorderzehen eine Haut, die diese miteinander

verbindet. Das heißt, sie ist mit Schwimmfüßen versehen. Nun achtet

darauf, daß, wenn sie den Fuß aufhebt, die Haut sich wie ein Fächer

zusammenfaltet, und daß sich dieselbe wieder ausbreitet, wenn sie den

Fuß niedersetzt. Wenn sie den Teich erreicht, gleitet sie ins Wasser

und beginnt zu paddeln, indem sie die Füße abwechselnd benutzt, gerade

wie wir beim Gehen. In klarem Wasser kann man sehen, daß die Haut sich

wie beim Gehen zusammenfaltet, wenn sie den Fuß vorwärts streckt, daß

sie sich öffnet, wenn sie ihn zurückstößt und gegen das Wasser schlägt.

Die Haut öffnet sich also und bildet eine Art Ruder, mit dem sie sich

vorwärts treibt.

Die Beine stehen weit hinten am Körper, so daß sie diese benutzen kann,

um sich schnell hin und her zu drehen. Sie kann Kopf und Körper tief in

das Wasser tauchen, um nach Wasserschnecken und Kaulquappen zu suchen,

so daß fast nur der Schwanz noch heraussieht, während sie gleichzeitig

weiterpaddelt.

Dann achte darauf, wie leicht ihr Körper ist. Er schwimmt ganz auf

dem Wasser. Dies kommt teils daher, daß eine Schicht von leichtem

Fett unter ihrer Haut liegt, und teils davon, daß sie eine dichte

Daunendecke unter den Federn trägt. Darin fängt sich sehr viel Luft,

und diese macht sie leicht.

[Illustration: Möwen mit Jungen.

Aus dem Leben unserer Vögel · 第 17 / 24 题