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Wißt ihr auch, weshalb ihre Federn im Wasser nicht naß und zerzaust
werden? Der Grund ist sehr sonderbar. Ihre äußeren Federn sind mit
einem Fett versehen, das sie aus einer kleinen Drüse in der Nähe des
Schwanzes nimmt. Seht sie an, wenn sie aus dem Wasser kommt. Sie drückt
den Schnabel gegen den Schwanz und zieht dann die Federn durch den
Schnabel. Wenn sie dieselben in dieser Weise eingefettet hat, so sind
sie wasserdicht und halten die Nässe von ihrem Körper ab.
[Illustration: _a_ Kopf des Erpels. _b_ Schnabel mit den
Hornzähnchen am Rande.]
Dann beobachtet sie beim Fressen. Sie watschelt gierig schlingend durch
den Schmutz und wirft oft den Kopf in die Höhe, um größere Bissen,
die sie gefunden hat, hinunterzuschlucken. Ihr Schnabel ist breit und
flach. Der Oberschnabel endet in einer nach unten gebogenen Hornspitze,
und weiter nach oben ist er mit einer weichen, nervenreichen Haut
versehen. Damit fühlt die Ente, was sich an genießbaren Dingen im
Schlamme und Schmutze findet. Die Ränder des Schnabels sind hornig und
scharf und sowohl oben als unten mit dünnen Hornzähnchen besetzt. Wenn
die Ente den Schnabel schließt, so passen diese Zähnchen ineinander
und bilden eine Art Sieb. Mit dem scharfen Schnabel schneidet sie die
Wasserpflanzen ab und tötet sie die Schnecken. Mit dem Sieb sondert sie
den Schlamm von der Nahrung in ihrem Schnabel und stößt das Wasser mit
der dicken Zunge hinaus. Gänse, Schwäne und alle wilden Enten haben
Füße und Schnäbel wie die unserer zahmen Ente.
Wilde Enten findet man in Seen und Flüssen. Der männliche Vogel heißt
Enterich oder Erpel und ist ein sehr schöner Vogel. Kopf und Hals sind
dunkel glänzend grün. Er trägt ein weißes Band um den Hals, und die
Brust ist kastanienbraun gefärbt. Flügel und Rücken sind teilweise
braun, teilweise grün. Die vier mittleren Federn seines Schwanzes sind
glänzend schwarz und nach oben gebogen. Die anderen sind grau mit
weißer Einfassung. Wenn der wilde Erpel sich im Juni mausert, wirft
er dies schöne Gefieder ab und legt bis zum August ein braun-graues
Kleid an wie das der weiblichen Ente. Dann fängt er wieder an, sich zu
mausern und ist im Oktober bunt wie im Frühjahr.
Kormorane und Möwen haben andere Schnäbel als die Enten; denn sie
suchen nicht im Schlamm nach Nahrung. Ihre Schnäbel sind scharf und
kräftig, zum Fischfange eingerichtet, und ihre Flügel sind lang. Der
kleine Steißfuß dagegen hat kurze Flügel, da er hauptsächlich auf dem
Wasser schwimmt. Sein Schnabel ist nicht sehr lang und an der Spitze
nicht bezahnt. Die Füße sind ziemlich groß, aber die Schwimmhaut
kleiner als bei den Enten.
Es gibt noch eine Menge anderer Schwimmvögel. Versuche, noch einige
aufzufinden.
Untersuche eine tote Ente. Achte auf die Schwimmhaut, die Teile des
Schnabels, die dicke Daunenschicht, die glänzenden fettigen Federn,
die im Wasser nicht naß werden. Zeichne den Fuß der toten Vögel, die
du findest.
Lektion 15.
Die Feinde der Vögel.
Fast jeden Morgen, wenn ich erwache, höre ich einen sonderbaren Schrei
wie „dack, dack, dack“ aus meinem Garten, und ich weiß, daß, wenn ich
hinausgehe und mich umsehe, ich die Katze irgendwo entdecken werde.
Manchmal stoßen alle Vögel zugleich denselben Schrei aus, und wenn die
Katze sich auf dem Rasenplatz befindet, so habe ich schon gesehen, wie
manche Vögel nach ihr herunterschießen und drohen, sie in den Rücken zu
stoßen, und wieder emporsteigen, ehe sie sich umdrehen kann.
Die Vögel wissen nämlich sehr gut, daß die Katze ihr Feind ist, und
erheben bei ihrem Herannahen ein scheltendes Geschrei, besonders wenn
sie Junge haben.
Habt ihr wohl, wenn ihr behaglich im Bette liegt, schon einmal daran
gedacht, wie viele Gefahren es für die kleinen Vögel draußen gibt? Die
Eule, die an der Hecke umherstreift, sieht nach brütenden Weibchen und
jungen Vögeln aus. Die Katze klimmt vielleicht am Baum empor und faßt
mit ihren scharfen Krallen ins Nest. Wiesel und Iltis machen Jagd auf
alle Vögel, die dicht am Erdboden oder selbst auf diejenigen, die in
Bäumen schlafen, und Schlangen fressen gern Eier zum Frühstück und
lieben sie ebenso sehr wie wir.
Der Fuchs ist ein schlimmer Feind der am Boden lebenden Vögel.
Rebhühner, Fasanen und Birkhühner fürchten den Fuchs bei Nacht ebenso
sehr wie das Geflügel auf den Bauernhöfen, während bei Tage der Habicht
der Schrecken aller Vögel ist. Die brütende Lerche duckt sich in ihr
Nest in der Hoffnung, daß das Gras sie verbirgt; das Männchen sucht,
wenn es singend in der Luft schwebt, dem Räuber durch schnelles Steigen
und Fallen zu entgehen. Andere kleine Singvögel verstecken sich in die
Büsche; Rebhühner suchen Deckung, und wilde Tauben verbergen sich im
Walde, wenn ein Habicht in der Nähe ist.
[Illustration: Wiesel auf der Jagd nach jungen Rotkehlchen.]
Alle diese Feinde der Vögel müssen natürlicherweise diese umbringen,
um sich Nahrung zu verschaffen, wie auch der Mensch Vögel tötet, um sie
zu verzehren. Aber wir sollten nicht ihre Nester zerstören oder ihre
Eier fortnehmen, oder sie, wie viele tun, in Netzen fangen, um sie in
Käfige zu setzen oder ihre Federn als Schmuck zu verwenden.
Viele Vögel, die vor dreißig Jahren noch ganz gewöhnlich waren, sind
jetzt selten, weil große Mengen von Eiern und Vögeln vernichtet
werden. Um dieser Verminderung Einhalt zu tun, ist im Jahre 1908 ein
„Vogelschutzgesetz“ erlassen. Dieses verbietet nicht nur das Ausnehmen
von Eiern und Töten der jungen Vögel, sondern auch das Zerstören
und Ausheben von Nestern oder Brutstätten der Vögel. Nur Möwen- und
Kiebitzeier dürfen eine kurze Zeit gesammelt werden. Ferner wird jede
Art des Nachstellens und des Fangens von Vögeln mit Netzen, Schlingen,
Leimruten oder anderen Fangapparaten nachdrücklichst verboten. Wenn an
manchen Orten, wie z. B. Weinbergen, Obstgärten, Feldern und Schonungen
Vögel sich in Scharen ansammeln und Schaden anrichten, so können die
Eigentümer der Grundstücke sich der ungebetenen Gäste durch Scheuchen
wehren; zum Töten mit Schußwaffen müssen sie sich zuvor Erlaubnis geben
lassen. Einige wenige Vogelarten, die vorwiegend schädlich sind, stehen
nicht unter dem Schutze dieses Gesetzes; dazu gehören Sperling, Würger,
die Rabenarten, sowie Elster und Eichelhäher, die Wasserhühner, Reiher,
Säger und die meisten Raubvögel, von denen aber Turmfalke, Bussard,
Gabelweih, Adler, Eule und Kauz nicht verfolgt werden dürfen.
Beobachtet die Vögel in Garten, Feld und Wald. Sucht herauszufinden,
wo sie in der Nähe eines Hauses ihre Nester bauen, und sorgt dafür,
daß sie nicht gestört werden. Wenn ihr am Morgen erwacht, lauscht auf
ihren Gesang. Ihr werdet ihn bald so gut kennen, daß ihr an ihm hört,
ob die Vögel sich glücklich fühlen oder ob irgend etwas sie erschreckt.
Dann achtet darauf, wie nützlich sie sind durch das Vertilgen von
Drahtwürmern, Maden, Schnecken und Larven.
Ihr müßt die Vögel fortjagen, wenn ihr seht, daß sie Getreide oder
Gemüsesamen fressen oder junge Knospen oder aufsprießendes Korn. Aber
ihr könnt sie im Winter füttern, um sie euch zu Freunden zu machen, und
könnt dann viel über ihre Lebensweise erfahren.
[Illustration]