1. Rebhuhn. 2. Turmfalke. 3. Taube.]

Die nächsten Federn sind ganz anders. Sie sind flach und viel steifer.

Die Federstrahlen wachsen nur an zwei Seiten des Schaftes. Sie sind

gefärbt, und man kann nun sehen, ob die Taube weiß oder farbig werden

wird.

Es sind dies die Deckfedern, die bei den meisten Vögeln so schön sind.

Sie wachsen nicht am ganzen Körper des Vogels. Wenn man die Federn

eines toten Vogels zurückschiebt, so wird man sehen, daß sie nur an

gewissen Stellen wachsen und den übrigen Körper mit bedecken.

Inzwischen sind auch die langen Flügel- und Schwanzfedern gewachsen.

Die für die Spitze des Flügels bestimmten wachsen an der Hand, die für

den Rand des Flügels auf dem Arm zwischen Handgelenk und Ellbogen und

über diesen stehen die kleinen Federn wie Ziegeln auf dem Dache und

wachsen bis dicht an die Schulter heran, um den Flügel rund und fest zu

machen.

[Illustration: Die Federn des Flügels.

_s_ Schulter. _e_ Ellbogen. _w_ Handgelenk.]

Befühle eine der langen Schwungfedern. Sie hat einen starken Kiel in

der Mitte, der nach dem Ende hin spitz zuläuft, so daß die Feder sich

biegen kann. Nun versuche, die Strahlen auseinander zu ziehen. Du

wirst finden, daß sie zusammenkleben, als ob sie geleimt wären. Dies

kommt daher, daß sie winzige Häkchen haben, durch die sie miteinander

verbunden sind. Wenn nun die Flügel die Luft schlagen, so kann diese

nicht durch die Federn hindurch, um so mehr als die schmale Seite einer

jeden Feder über der breiten Seite der nächsten liegt.

Um diese Zeit werden die jungen Tauben die Augen geöffnet haben. Aber

obgleich sie jetzt stehen können, sind sie noch sehr schwach und

erhalten alle ihre Nahrung von der Mutter.

Sobald ungefähr ein Monat nach dem Auskriechen aus dem Ei verflossen

ist, gehen sie an den Rand des Taubenhauses und beobachten die anderen

Tauben. Von Zeit zu Zeit recken sie ihre Flügel und versuchen, sie zu

gebrauchen. Wenn sie mit ihnen nach unten schlagen, so kann die Luft

unter den Flügeln nicht entweichen und wird nach rückwärts getrieben,

gerade wie das Wasser beim Rudern. Aber wenn die Flügel gehoben

werden, stellen die Federn sich so, daß die Luft hindurch kann. Die

Vögel erheben sich daher etwas, wenn sie mit den Flügeln schlagen und

flattern zum nächsten Sims, und zuletzt fliegen sie auf den Erdboden

und fangen an, Futter mit ihren Eltern aufzupicken.

Vergleiche eine junge Taube und ein Kücken. Untersuche die

Flaumfedern, die Deckfedern und die langen Schwungfedern.

Lektion 6.

Wie die Vögel ihre Jungen füttern.

Es ist sehr interessant, in die Nester der Vögel zu sehen und zu

beobachten, welche Vögel nackt und welche mit Flaumfedern bedeckt sind,

welche sehen können, und welche blind sind.

Am Flußufer kommen die kleinen Wasserhühner aus dem Ei wie schwarze

flaumige Bälle mit roten Köpfen und schwimmen sofort mit ihrer Mutter

umher. Aber Eisvögel schlüpfen nackt und hilflos aus dem Ei. Sie müssen

warten, bis ihnen Federn gewachsen sind, ehe sie ihr Nest verlassen

können, und inzwischen füttert sie ihre Mutter mit Fischen.

Wenn ihr eine junge Eule in ihrem Neste in der Scheune betrachtet oder

einen jungen Habicht, der aus dem Neste auf dem Baume gefallen ist,

werdet ihr sehen, daß sie ganz blind und hilflos sind, obwohl sie schon

Flaumfedern haben. Ihre Mütter müssen ihnen Insekten, Mäuse und junge

Kaninchen bringen, bis sie erwachsen sind.

Diejenigen von euch, die an der Küste wohnen, kennen die Möwen, welche

auf die See hinausfliegen und auf den Wellen schwimmen. Im Frühling und

Anfang Sommer kann man junge Dreizehen-Möwen schreien hören; es klingt,

als ob kleine Katzen auf den Klippen miauten. Sie rufen nach den Alten,

die ihnen Nahrung bringen sollen (siehe bunte Tafel VIII).

Denn obwohl diese jungen Möwen sehen können und mit Flaumfedern bedeckt

sind, müssen sie doch sitzen und warten, bis sie stark und kräftig

genug sind, weil sie hoch oben auf den Klippen zur Welt gekommen sind.

Selbst dann können diese nur an den vorspringenden Rändern entlang

kriechen, bis ihre Flügel ganz ausgewachsen sind. Sie sitzen da mit

offenen Schnäbeln und schreien nach Futter, und die alten Möwen bringen

Fische für sie. Die Sturmmöwe und die Silbermöwe legen ihre Eier

gewöhnlich auf Inseln, und die Kleinen schwimmen umher, wenn sie nur

erst einige Tage alt sind.

Wohnt ihr aber weit weg von der See im Binnenlande, so werdet ihr

euch damit vergnügen, die anderen Arten der Vögel zu betrachten, wie

sie ihre Jungen in den Bäumen und Hecken füttern. Oft besorgt es das

Weibchen allein, manchmal hilft das Männchen.

Ein Naturforscher, der das Leben und Treiben vieler Vögel genau kennt,

erzählt, daß er einmal beim Füttern geholfen hat. Er beobachtete eines

Tages einen weiblichen Weidenlaubvogel (Weidenzeisig), der Nahrung für

seine fünf Jungen in einem Nest unter einem Dornbusch herbeibrachte.

Weidenzeisige sind kleine, sehr anmutige Vögel. Ihr Rücken und ihre

Flügel sind dunkelolivengrün und ihre Brust ist gelblich-weiß. Die

Mutter trug Raupen und Insekten herbei, ungefähr vier oder fünf

alle fünf Minuten, und stopfte sie in die kleinen Schnäbel, die ihr

hingestreckt wurden. Während sie arbeitete, flog das Männchen bald auf

einen Zweig, bald auf einen anderen und sang ihr sein kunstloses Lied

vor.

Der Beobachter dachte, er könnte der kleinen Mutter helfen. Er sammelte

einige grüne Raupen und legte sie auf den Rand des Nestes, während sie

fort war. Dann kauerte er sich in einiger Entfernung nieder.

Die Mutter flog bei ihrer Arbeit hin und her und sah nach ihm hin, wenn

sie vorbeiflog, ohne daß er sich rührte. Endlich pickte sie die Raupen

auf, die er herbeigebracht hatte und verteilte sie unter die kleinen

Mäuler. Dann flog sie wieder fort, um mehr zu holen.

Das kleine Vögelchen arbeitete den ganzen Tag lang und ruhte nur am

Nachmittag eine halbe Stunde. Es brachte nicht nur Nahrung herbei,

sondern reinigte auch das Nest nach jedem Fluge und machte alles rein

und sauber. Ich denke, es wird sich sehr über den kleinen Haufen

Insekten gefreut haben, den ihr Freund von Zeit zu Zeit in die Nähe des

Nestes legte.

Meisen sind dreiste, kleine Vögel, die man oft sehen kann, wie sie

mit einem Insekt im Schnabel in ein Loch in der Mauer oder in einem

Baume hineinfliegen und leer wieder herauskommen. Männchen und Weibchen

füttern die Jungen gemeinschaftlich (siehe bunte Tafel IV). Sie fliegen

zusammen aus und kommen zusammen zurück mit Raupen beladen, und wenn

sie diese den Jungen gegeben haben, fliegen sie wieder fort, indem sie

einander fröhlich zuzwitschern.

Wir hatten einmal junge Rotkehlchen, die von drei Vögeln gefüttert

wurden. Sie waren in der Hecke unseres Gartens geboren. Wir nannten

den dritten Vogel den Onkel. Er arbeitete ebenso angestrengt wie die

beiden anderen. Nach und nach flogen die alten Rotkehlchen fort. Aber

die Jungen blieben den ganzen Sommer bei uns und pflegten um den

Mittagstisch zu hüpfen und Krumen aufzulesen.

Amseln füttern ihre Jungen mit großen Würmern, die sie in Stücke

reißen, um sie dann unter sie zu verteilen. Die Elster sieht aus, als

ob sie nichts mitbrächte; aber sie läßt das Futter aus ihrem Kropfe in

den Schnabel der Jungen gleiten. Die Taube holt die Nahrung aus ihrem

Kropfe in den Schnabel herauf, und die Jungen stecken ihre Schnäbel von

der Seite hinein und nehmen die Nahrung auf.

Die meisten alten Vögel füttern die Jungen noch einige Zeit lang,

nachdem sie schon fliegen können. Man kann oft kleine Sperlinge oder

Schwalben in einer Reihe auf einem Zweige sitzen sehen, während

die Mutter das Futter in ihre Schnäbel stopft. Sie geht dabei ganz

unparteiisch von einem zum andern, und jedes bekommt sein Teil der

Reihe nach.

Achte auf die Vögel, die ihre Jungen im Frühling füttern: Drosseln,

Sperlinge, Rotkehlchen, Meisen. 1. Im Neste. 2. Auf den Zweigen

sitzend. 3. Kleine Vögel, die einen jungen Kuckuck füttern. 4. Junge

Taube, die von der Mutter gefüttert wird.

Lektion 7.

Wo schlafen die Vögel?

Wo sind die Vögel in der Nacht? Am Tage sehen wir sie auf Feldern,

auf Bäumen und in den Hecken. Sie suchen Nahrung in den Gärten, auf

den Obstbäumen und im Walde. Aber am Abend, wenn die Sonne untergeht,

hören wir sie singen, als ob sie „gute Nacht“ sagen wollten, und

dann verschwinden sie. Nur die Nachtvögel sind nach Sonnenuntergang

noch draußen. Eulen schreien und fliegen nach dem Dunkelwerden aus,

Nachtigallen singen die ganze Nacht hindurch bei warmem Sommerwetter,

und wenn Wiesenknarrer oder Wachtelkönige da sind, wird man ihren

eintönigen Ruf „rerrp, rerrp“ noch lange hören, nachdem man sich zur

Ruhe gelegt hat.

Aber die anderen Vögel sind nirgends zu sehen. Wo sind sie? Es ist

nicht leicht, sie zu finden, denn sie verstecken sich aus Furcht vor

den Eulen, den Wieseln und Mardern und fliegen fort, wenn man in ihre

Nähe kommt.

Die kleinen Vögel schlafen hauptsächlich in den Hecken. Man wird

überrascht sein, daß es so schwer ist, sie zu entdecken, selbst im

Winter, wenn keine Blätter an den Bäumen sind; denn die sich kreuzenden

Zweige und Äste verbergen sie gut. Keine Eule und kein Habicht würde

imstande sein, einen Vogel in einer Weißdornhecke zu fassen.

Aber wie halten sie sich auf den Zweigen, wenn sie schlafen? Würden

wir versuchen, im Stehen zu schlafen, so würden wir umfallen. Denn

unsere Muskeln würden schlaff werden, wir würden anfangen, mit dem

Kopfe zu nicken, und die Knie würden unter uns nachgeben.

Bei einem Vogel ist es anders. Er sitzt auf einem Zweige, den er mit

seinen Krallen umspannt. Dann kauert er nieder und beugt dabei die

Beine. Dadurch aber zieht ein Muskel im Kniegelenke die Muskeln der

Zehen ganz fest zusammen, so daß seine Krallen sich eng um den Zweig

schließen. Er kann sich nicht bewegen, bis er sich aufgerichtet,

die Beine gestreckt und so die Krallen frei gemacht hat. Je fester

er also schläft, desto enger umfaßt er den Zweig, und desto weniger

wahrscheinlich ist es, daß er herunterfällt.

Vögel schlafen draußen, sowohl im Sommer als auch im Winter, und sie

haben eine sonderbare Decke, um sich warm zu halten. Sie besteht

aus Luft. Wenn ein Vogel schlafen geht, steckt er den Kopf unter

sein Gefieder und sträubt die Federn empor, so daß die Luft zwischen

sie eindringt, besonders zwischen die weichen Daunen, die dicht am

Körper wachsen. Diese Luft wird bald warm, und da sie nicht hinaus

kann, verhütet sie, daß der warme Körper des Vogels von der Kälte

durchdrungen wird.

Bei schlechtem Wetter jedoch suchen die Vögel gern einen warmen Winkel

auf, in dem sie schlafen können. Sperlinge, Meisen, Zaunkönige und

andere kleine Vögel machen sich Löcher in Heu- oder Strohdiemen,

die sie als Bett benutzen. Die Eule sucht Scheunen, Kirchtürme und

bisweilen Baumlöcher auf, um sich warm zu halten. Die Blaumeise schläft

gern unter einem Strohdach, und der Zaunkönig spürt oft alte Nester

auf, in denen er sich mit seinesgleichen zusammendrängt, um sich zu

wärmen.

Schwalben und Segler brauchen sich nicht um die Kälte zu kümmern, denn

sie fliegen bei Anbruch der kalten Jahreszeit nach dem Süden. Im Sommer

sitzen sie auf den Scheunenbalken, und wenn man nach dem Dunkelwerden

hineingeht, kann man sie infolge dieser Störung von einem Balken zum

anderen flattern hören.

Wilde Tauben ruhen in der Nacht in Nadelgehölzen und Habichte auf

den Zweigen der höheren Bäume. Auch Fasanen ruhen auf den Bäumen des

Waldes. Es ist sonderbar, daß sie uns immer mitteilen, wo sie zu

Bett gehen; denn sie lassen ihren weittönenden Ruf „Kockkockkock“

erschallen, wenn sie sich zum Schlafen niederlassen.

Die Rebhühner hingegen schlafen auf dem Erdboden in den Feldern. Sie

liegen in einem Kreise mit den Köpfen nach außen und den Schwänzen nach

innen. Der Vater schläft gewöhnlich in einiger Entfernung als Wache.

Wenn nun ein Fuchs oder ein Wiesel versucht, sie im Schlafe zu fassen,

so kann jedes, das wach ist und den Feind bemerkt, den übrigen das

Alarmzeichen geben.

[Illustration: Blaumeisen mit Jungen.

Aus dem Leben unserer Vögel · 第 13 / 24 题