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Ihr müßt selbst lernen, nach anderen Eiern zu suchen. In Scheunen wird
man zuweilen die großen weißen Eier der Eule antreffen und manchmal
sogar junge Vögel und Eier zusammen. Am Flußufer oder in Mauerlöchern
kann man das Nest der Bachstelze finden; ihre Eier sind gelblich-weiß
mit braunen Flecken. Die bläulichen Eier der Krähe fallen manchmal aus
den Nestern heraus, und die Dohlen pflegen im Gemäuer alter Burgen und
Türme zu brüten.
Wenn man eine Zeitlang Nester und Eier gesucht hat, so wird man merken,
wie schlau sie versteckt sind, sowohl was die Farbe als die Zeichnung
anbetrifft.
Wo man auch immer weiße Eier findet, wie die der Hausschwalbe, des
Spechtes, des Eisvogels und der Taube, sind sie entweder ganz versteckt
in einem Baumstamm oder einem tiefen Nest, oder sie befinden sich so
hoch oben, daß man sie nicht erreichen kann. Die meisten anderen Eier
sind gefleckt und haben eine graue, grüne oder bräunliche Farbe wie das
Moos, die Blätter und die kleinen Zweige, aus denen das Nest besteht.
Seht in jedem Nest, das ihr findet, nach, aus wie vielen Eiern Junge
auskommen. Wählt euch jeder ein Nest zur Beobachtung aus und paßt
auf, wer von euch die meisten jungen Vögel aufweisen kann.
Lektion 5.
Junge Vögel.
Das Weibchen sitzt auf dem Neste und hält während der ganzen Zeit, wo
die Jungen im Innern der Eier heranwachsen, diese warm. Es verläßt sie
niemals, ausgenommen um sich einmal zu recken und um Nahrung zu holen.
Manchmal brütet das Männchen, solange das Weibchen fort ist, oder es
bringt Nahrung für das Weibchen herbei. Oft singt es ihm auch nur etwas
vor.
Das erste, was die kleinen Vögel für sich selbst tun, ist, daß sie aus
dem Ei kriechen. Wenn sie soweit sind, kann man sie im Inneren „piep,
piep“ rufen hören. Dann klopfen sie an das breite Ende des Eies mit
einer kleinen hornigen Spitze, die vorn am Oberschnabel sitzt; die
Schale platzt, und sie kriechen aus.
Wenn man ein Küchlein fangen kann, sobald es aus dem Ei heraus ist,
sieht man diese hornige Spitze. Aber man muß dabei schnell sein, denn
ein Kücken ist ein sehr behender kleiner Vogel. Es läuft sofort,
nachdem es ausgekrochen ist, umher und die Hornspitze fällt bald ab.
Das nächste, was die Jungen tun, ist, daß sie den Schnabel öffnen und
nach Futter schreien. Einige, wie die der Hühner, Enten und Rebhühner,
sind schon beim Auskriechen ganz mit Flaumfedern bedeckt. Sie laufen
umher und suchen sich allein Nahrung. Ihre Mutter sorgt für sie, und
sie ducken sich unter ihre Flügel, wenn sie nach ihnen ruft. Andere,
wie die der Tauben, der Sperlinge und der Drosseln sind nackt, blind
und hilflos, wenn sie ausgebrütet sind. Sie können das Nest nicht
verlassen, und die Alten müssen sie füttern.
Wenn man Tauben in einem Käfig hält, oder wenn man zu einem
Taubenschlage emporklettern kann, wo Tauben ihre Nester haben, so kann
man sehr viel bei der Beobachtung junger Tauben lernen.
An dem Tage, wo das Junge aus dem Ei kriecht, sind seine Augenlider
fest geschlossen. Es hat nur einige Federbüschel auf seinem nackten
Körper, und man kann seine fleischigen Flügel sehen und die Knochen
fühlen. Faß es vorsichtig an und achte darauf, daß der Flügel drei
Gelenke hat gerade wie ein Arm, eins an der Schulter dicht am Körper
(_s_), eins am Ellbogen (_e_) und eins am Handgelenk (_w_).
[Illustration: Knochen im Flügel eines Vogels.
_s_ Schulter-, _e_ Ellbogen-, _w_ Handgelenk, _h_ Fingerknochen, _f_
Federkiele.]
Liegt der junge Vogel im Neste, so zieht er den Ellbogen zurück und
berührt die Schulter mit der Hand. Dann ist der Flügel geschlossen.
Aber wenn man die Hand (_h_) sanft anfaßt und den Arm gerade zieht,
dann ist der Flügel geöffnet. So macht es der Vogel auch, wenn er seine
Flügel streckt, um zu fliegen.
Nun beobachte die Jungen Tag für Tag. Allmählich bedeckt sich der
ganze Körper mit kleinen Höckern. Diese sinken dann in der Mitte ein
und einige Federn kommen hervor. Die ersten Federn sind ganz schlaff.
Die kleinen Federstrahlen wachsen um den Schaft herum wie Haare am
Schwanze der Katze. Dies sind die Flaumfedern oder Daunen. Eine junge
Taube hat nicht viel davon.
[Illustration: Junge Vögel.