IV. 3.

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Ihr müßt selbst lernen, nach anderen Eiern zu suchen. In Scheunen wird

man zuweilen die großen weißen Eier der Eule antreffen und manchmal

sogar junge Vögel und Eier zusammen. Am Flußufer oder in Mauerlöchern

kann man das Nest der Bachstelze finden; ihre Eier sind gelblich-weiß

mit braunen Flecken. Die bläulichen Eier der Krähe fallen manchmal aus

den Nestern heraus, und die Dohlen pflegen im Gemäuer alter Burgen und

Türme zu brüten.

Wenn man eine Zeitlang Nester und Eier gesucht hat, so wird man merken,

wie schlau sie versteckt sind, sowohl was die Farbe als die Zeichnung

anbetrifft.

Wo man auch immer weiße Eier findet, wie die der Hausschwalbe, des

Spechtes, des Eisvogels und der Taube, sind sie entweder ganz versteckt

in einem Baumstamm oder einem tiefen Nest, oder sie befinden sich so

hoch oben, daß man sie nicht erreichen kann. Die meisten anderen Eier

sind gefleckt und haben eine graue, grüne oder bräunliche Farbe wie das

Moos, die Blätter und die kleinen Zweige, aus denen das Nest besteht.

Seht in jedem Nest, das ihr findet, nach, aus wie vielen Eiern Junge

auskommen. Wählt euch jeder ein Nest zur Beobachtung aus und paßt

auf, wer von euch die meisten jungen Vögel aufweisen kann.

Lektion 5.

Junge Vögel.

Das Weibchen sitzt auf dem Neste und hält während der ganzen Zeit, wo

die Jungen im Innern der Eier heranwachsen, diese warm. Es verläßt sie

niemals, ausgenommen um sich einmal zu recken und um Nahrung zu holen.

Manchmal brütet das Männchen, solange das Weibchen fort ist, oder es

bringt Nahrung für das Weibchen herbei. Oft singt es ihm auch nur etwas

vor.

Das erste, was die kleinen Vögel für sich selbst tun, ist, daß sie aus

dem Ei kriechen. Wenn sie soweit sind, kann man sie im Inneren „piep,

piep“ rufen hören. Dann klopfen sie an das breite Ende des Eies mit

einer kleinen hornigen Spitze, die vorn am Oberschnabel sitzt; die

Schale platzt, und sie kriechen aus.

Wenn man ein Küchlein fangen kann, sobald es aus dem Ei heraus ist,

sieht man diese hornige Spitze. Aber man muß dabei schnell sein, denn

ein Kücken ist ein sehr behender kleiner Vogel. Es läuft sofort,

nachdem es ausgekrochen ist, umher und die Hornspitze fällt bald ab.

Das nächste, was die Jungen tun, ist, daß sie den Schnabel öffnen und

nach Futter schreien. Einige, wie die der Hühner, Enten und Rebhühner,

sind schon beim Auskriechen ganz mit Flaumfedern bedeckt. Sie laufen

umher und suchen sich allein Nahrung. Ihre Mutter sorgt für sie, und

sie ducken sich unter ihre Flügel, wenn sie nach ihnen ruft. Andere,

wie die der Tauben, der Sperlinge und der Drosseln sind nackt, blind

und hilflos, wenn sie ausgebrütet sind. Sie können das Nest nicht

verlassen, und die Alten müssen sie füttern.

Wenn man Tauben in einem Käfig hält, oder wenn man zu einem

Taubenschlage emporklettern kann, wo Tauben ihre Nester haben, so kann

man sehr viel bei der Beobachtung junger Tauben lernen.

An dem Tage, wo das Junge aus dem Ei kriecht, sind seine Augenlider

fest geschlossen. Es hat nur einige Federbüschel auf seinem nackten

Körper, und man kann seine fleischigen Flügel sehen und die Knochen

fühlen. Faß es vorsichtig an und achte darauf, daß der Flügel drei

Gelenke hat gerade wie ein Arm, eins an der Schulter dicht am Körper

(_s_), eins am Ellbogen (_e_) und eins am Handgelenk (_w_).

[Illustration: Knochen im Flügel eines Vogels.

_s_ Schulter-, _e_ Ellbogen-, _w_ Handgelenk, _h_ Fingerknochen, _f_

Federkiele.]

Liegt der junge Vogel im Neste, so zieht er den Ellbogen zurück und

berührt die Schulter mit der Hand. Dann ist der Flügel geschlossen.

Aber wenn man die Hand (_h_) sanft anfaßt und den Arm gerade zieht,

dann ist der Flügel geöffnet. So macht es der Vogel auch, wenn er seine

Flügel streckt, um zu fliegen.

Nun beobachte die Jungen Tag für Tag. Allmählich bedeckt sich der

ganze Körper mit kleinen Höckern. Diese sinken dann in der Mitte ein

und einige Federn kommen hervor. Die ersten Federn sind ganz schlaff.

Die kleinen Federstrahlen wachsen um den Schaft herum wie Haare am

Schwanze der Katze. Dies sind die Flaumfedern oder Daunen. Eine junge

Taube hat nicht viel davon.

[Illustration: Junge Vögel.

Aus dem Leben unserer Vögel · 第 12 / 24 题