und einem Hahn oder Rooster, wie die Yankies diesen Vogel nennen, habe
ich einige Enten, wozu diesen Sommer auch Truthühner und Gänse kommen
werden. Ich verlor etliche meiner besten Vögel nicht durch den Stößer,
sondern durch ein sehr schädliches Thier, welches unserm Iltiß genau
verwandt ist und hier Scunck genannt wird; es ist weit räuberischer,
und richtet größere Verheerungen an als Fuchs und Habicht; denn es
kommt wie ein Dieb in der Nacht, dringt in den Hühnerhof ein und
hinterläßt furchtbare Spuren seiner Raubgier und seines Blutdurstes.
Unser Garten, der bisher weiter nichts als eine viereckige
Einfriedigung für Gemüse war, erhält eine andre, dem Auge gefälligere
Form; zwei halbkreisförmige Flügel laufen vom Eingange nach beiden
Seiten des Hauses; der Zaun ist eine Art rohes Korb- oder Hürden-Werk,
wie Sie dergleichen in England häufig sehen können, und welches die
Bauern geflochtnen Zaun nennen; jedenfalls nimmt sich eine dergleichen
Einfriedigung weit malerischer aus als die von gespaltnen Holzscheiten.
Entlang dieser kleinen Einfriedigung habe ich angefangen, eine Art
Blumen-Hecke nebst einigen der einheimischen Sträucher anzupflanzen,
wovon unsre Wälder und Seeufer strotzen.
Unter den bereits eingeführten sind zwei Geißblatt-Arten mit weißen und
rosenfarbnen Blüthen; die amerikanischen Botaniker nennen dieselben
^Quilostium^.
Dann habe ich die weiße ^Spiraea^, (ein strauchartiges Gewächs),
welches in Ueberfluß auf dem See-Ufer wächst, die canadische wilde
Rose, die rothe blühende Himbeere (^rubus spectabilis^), Leder-Holz
(^dircas^) auch amerikanisches Mezereon- oder Moos-Holz genannt,
dies ist ein sehr hübscher und zu gleicher Zeit nützlicher Strauch;
die Rinde wird von den Landleuten als ein Substitut für Stricke,
zum Zubinden von Säcken u. s. w. gebraucht; die Indianer nähen ihre
Weidenrinden-Körbe gelegentlich damit.
Milde Stachelbeeren, rothe und schwarze Johannisbeeren, Apfelbäume und
hier und da ein Weißdorn-Strauch, und einige andre dergleichen Gewächse
sind alles, was ich bisher habe einführen können.
Der Stoup (Verandah) ist errichtet, und ich habe erst kürzlich am Fuße
der hölzernen Säulen Hopfen gepflanzt. Ich habe auch zwei tragende
Ableger einer purpurfarbnen wilden Traube von der Insel in unsrer Nähe
aufgezogen und bin neugierig, ihre Früchte zu sehen.
Mein Gatte ist gegenwärtig frisch und wohlgemuth; unser geliebtes Kind
befindet sich ebenfalls wohl und läuft überall umher. Wir erfreuen uns
einer angenehmen und freundlichen Gesellschaft, die im Verlauf der
letzten zwei Jahre so zugenommen hat, daß wir uns über unsre Entfernung
von der volkreichern Stadt kaum beklagen können.
Meine theure Schwester und ihr Gatte fühlen sich in ihrer neuen
Wohnstätte sehr behaglich und haben ein schönes Stück Land gelichtet
und angebaut. Wir besuchen sie häufig und plaudern dann manches liebe
Stündchen von der Heimath, der süßen unvergeßlichen Heimath, und
schmeicheln uns dabei mit dem angenehmen Wahne, daß wir in einer nicht
allzufernen Zeit ihre fruchtbaren Felder und blumigen Thäler einmal
wieder sehen werden.
Mit welchem Entzücken würden wir unsre jungen Canadier ihren
Großmüttern und Tanten vorführen; mein kleiner Buschmann soll zeitig
die Namen dieser unbekannten aber theuren Freunde aussprechen und das
Land verehren und lieben lernen, wo seine Aeltern das Licht der Welt
erblickten, die herrlichen Hügel des Nordens und mein eignes geliebtes
England.
Verursachte mir die Entfernung von meinem Geburtslande, und noch dazu
von einem so schönen und gesegneten Lande gar kein Bedauern, gar kein
Weh, so würde dies nur ein fühlloses Herz verrathen; dennoch aber muß
ich gestehen, daß ich Canada trotz all seiner Rauhigkeit liebe und
mich in meinem niedrigen Block-Hause eben so froh und glücklich fühle,
als dies in einem reich geschmückten Palaste nur der Fall sein könnte;
Gewohnheit versöhnt uns mit manchen Dingen, die uns anfangs nicht
recht zusagen wollen. Es ist stets mein Bestreben gewesen, lieber das
Süße als das Bittre in den Becher des Lebens zu träufeln, und gewiß
ist dies das Beste und klügste, was man thun kann. In einem Lande,
wo alles -- Jung und Alt, Vornehm und Gering -- sich zur Thätigkeit
aufgefordert fühlt, würde es höchst ungereimt und thörigt sein, seine
Lebensgeister durch unnützes Trauern und Klagen zu dämpfen und im
Hause durch Niedergeschlagenheit und unaufhörliche Klagelieder über
die Trennung von so vielen theuren Gegenständen in der alten Heimath,
eine düstre Stimmung zu verbreiten. Da wir nun einmal hier sind, müssen
wir uns so gut als möglich in die Umstände schicken und mit heitrem
Muthe das Loos ertragen, welches wir uns selbst gewählt haben. Die
Fähigkeit, das Gute, welches wir besitzen, zu genießen, scheint mir ein
Haupterforderniß zur menschlichen Glückseligkeit zu sein.
Wiewohl wir von vorn herein manche Widerwärtigkeiten erfuhren, manche
unvorhergesehne Kosten zu bestreiten hatten, uns manchen unangenehmen
Aufschub gefallen lassen mußten und viele Entbehrungen, die uns sehr
drückend erschienen, zu erdulden hatten, so können wir doch, im Ganzen
genommen, von gutem Glück sagen; vorzüglich, was die Lage unsers
Grundstücks betrifft, welches seitdem in Werth bedeutend gestiegen
ist; die Hauptschwierigkeiten haben wir jetzt überwunden, wenigstens
hoffen wir so, und bald werden wir alle Annehmlichkeiten einer wohl
eingerichteten Meierei genießen.
Mein Gatte söhnt sich von Tage zu Tage mehr mit dem Lande aus,
und auch ich fühle mich täglich fester daran gebunden. Sogar die
Baumstummel, welche mir Anfangs so sehr zuwieder waren, scheinen etwas
von ihrer Häßlichkeit zu verlieren; das Auge gewöhnt sich sogar an
die unangenehmsten Gegenstände, bis sie fast gar nicht mehr beachtet
werden. Wie ganz verschieden von seiner gegenwärtigen Erscheinung
wird sich dieser Fleck nach Verlauf einiger Jahrhunderte ausnehmen!
meine Einbildungskraft malt es mir mit fruchtbaren Feldern und
Fluren, schattigen Hainen und geschmackvoll angepflanzten Bäumen vor;
alles wird anders sein; unsre gegenwärtigen rohen Wohnungen werden
andern bequemern und schönern Platz gemacht haben, und Anmuth und
Behaglichkeit wird die Landschaft umfangen, welche gegenwärtig eine
Waldwildniß ist.
Sie fragen mich, ob mir das Klima von Ober-Canada gefällt; aufrichtig
zu reden, so glaube ich nicht, daß es alle die Lobsprüche verdient,
welche ihm Reisende gezollt haben. Die Sommerhitze im letzten Jahre
war sehr drückend, die Dürre außerordentlich groß, und erwies
sich in mancher Hinsicht nachtheilig, vorzüglich schadete sie der
Kartoffel-Ernte. Die Fröste traten zeitig ein, und eben so fiel
zeitig Schnee; den gepriesnen indianischen Nachsommer betreffend, so
scheint er vor der Hand Abschied von dem Lande genommen zu haben, denn
seit unserm dreijährigen Aufenthalte daselbst haben wir nur wenig
davon gesehn. Letztverfloßnes Jahr war auch nicht ein Schein davon
wahrzunehmen, und in diesem Jahre wurde ein abscheulich düstrer trüber
Tag, der mich gewaltsam an einen Londoner Nebel erinnerte, und der
ganz eben so niederschlagend und geistlähmend wirkte, von den alten
Bewohnern für den Anfang des indianischen Sommers erklärt; die Sonne
schien düster und roth, und ein gelber graulicher Nebel verdunkelte die
Atmosphäre, so daß es fast nöthig wurde, am Mittage Licht anzuzünden.
Wenn dies der indianische Sommer ist, so könnte man eine Reihe auf
einander folgender londoner Nebeltage den »Londoner-Sommer« nennen,
dachte ich bei mir, als ich den lieben langen Tag in einer Art
bewilderndem düstern Lichtschimmer umhertappte; und, froh war ich, als
nach ein- oder zweitägigem heftigen Regen, Frost und Schnee eintraten.
So weit unsre Erfahrung reicht, ist dieses Klima in hohem Grade
veränderlich; nicht zwei Jahre sind sich einander nur einigermaßen
gleich gewesen; und wie man glaubt, wird diese Veränderlichkeit in
demselben Verhältniß zunehmen, als die Lichtung des Bodens von Jahr
zu Jahr vorwärts schreitet. In der Nähe der Flüsse und großen Seen ist
das Klima weit milder und gleichförmiger; mehr landeinwärts fällt der
Schnee selten so hoch, um das Schlittenfahren, nachdem es allgemein
geworden, mehre Wochen hindurch zu verstatten; dies ist indeß, wenn wir
den Zustand unsrer Buschstraßen berücksichtigen, mehr ein Umstand zu
unsern Gunsten, insofern das Reisen minder schwierig wird, obgleich die
Wege immer noch ziemlich holperig bleiben.
Ich habe das Nordlicht mehre Mal, gesehn; desgleichen eine glänzende
meteorische Erscheinung, glänzender und großartiger als alles,
was ich der Art je zuvor beobachtet. Großen Spaß machten mir die
Worte eines jungen Burschen, der einem Herrn die Erscheinung
einer Reihe Sternschnuppen, wie sie schnell über den Himmel
weggeschossen, erklärte, »Sir,« sagte der Bursche, »ich habe nie
zuvor etwas Aehnliches gesehn, und ich kann die Kette von Sternen
mit der Block-Kette (^logging-chain^) vergleichen,« gewiß ein
höchst natürlicher und einziger Vergleich, ganz in Einklang mit der
Beschäftigung des Burschen, der es häufig mit den Ochsen und ihrer
Block-Kette, (der Fortschaffung von gefällten Bäumen) zu thun hatte,
-- und am Ende nicht bäurischer, wenn ich so sagen darf, als die
gewöhnlichen Namen, welche mehre unsrer prächtigsten Sternbilder führen
-- z. B. Pflug, Sichel u. s. w.
Als ich letzte Weihnachten eines Abends von einem Besuche bei
einer Freundin nach Hause kehrte, überraschte mich eine glänzende
blaßgrünliche Lichtsäule im Westen; sie erhob sich zu einiger Höhe
über die dunkle Fichten-Linie, womit die jenseitigen Ufer des
Otanabee bekränzt waren, und erleuchtete den Himmel auf beiden Seiten
mit einem keuschen reinen Lichte, dem nicht unähnlich, welches der
Mond bei seinem Auf- und Untergang verbreitet; sie war nicht ganz
pyramidal, jedoch an der Basis um vieles breiter als an der Spitze;
sie erbleichte allmälig, bis nur noch ein weißes flimmerndes Licht
die Stelle bezeichnete, die sie am Himmel eingenommen, und auch dieser
schwache Lichtschimmer verschwand ungefähr nach einer halben Stunde.
Es war eine so schöne und liebliche Erscheinung, daß ich ordentlich
trauerte, als sie in die dünnen Lüfte zerrann; ja bisweilen bestimmte
mich meine Phantasie zu dem Glauben, als sähe ich das Gewand eines
glanzvollen Besuches aus einer andern und bessern Welt; -- aber weg
mit dergleichen Träumereien! -- war es vielleicht eine phosphorische
Ausdünstung von einem unsrer zahlreichen Moräste oder Binnen-Seen, oder
stand sie vielleicht mit dem Nordlicht in Verbindung, welches so häufig
an unserm Himmel gesehn wird?
Ich muß jetzt diesen Brief schließen; denn ich habe noch an einige
Freunde zu schreiben, denen ich blos bei günstiger Gelegenheit etwas
von meiner Hand zufertigen kann, denn das Porto ist sehr hoch, und man
muß für alles, was man nach New York sendet, oder von daher erhält,
theuer bezahlen.
Leben Sie wohl Meine Gütigste und Beste Freundin.
Erster Anhang.
(Folgende Mittheilungen sind von der Verfasserin dieses Werkes während
dessen Druck eingegangen.)
Ahorn-Zucker.
Dieses Frühjahr habe ich Ahorn-Zucker von weit feinerem Korn und
besserer Farbe bereitet, als er mir jemals zu Gesicht gekommen ist;
und mehre alte Ansiedler haben mir versichert, es sei der beste oder
ziemlich der beste, den man nur immer erhalten könne; diese Lobsprüche
bestimmen mich, das von mir bei seiner Bereitung verfolgte Verfahren
hier mitzutheilen: Sobald der Saft in dem Zucker-Kessel von ungefähr
sechszehn Eimern bis auf zwei eingekocht war, goß ich ihn zunächst
durch einen dünnen Flanell-Beutel, der ungefähr so beschaffen sein muß
wie ein Sack zum Durchseihen von Gelées, und befreite ihn dergestalt
von den ersten Unreinigkeiten, die ziemlich groß sind. Hierauf ließ
ich ihn durch dickeren Flanell in den eisernen Topf laufen, der
zu seiner Eindickung zu Zucker bestimmt war, schlug, als er noch
kalt oder höchstens nur lau war, das Weiße eines Eies zu Schaum
und verbreitete es behutsam über die Oberfläche der Flüssigkeit,
wobei ich den Topf, als er durch das Feuer heiß zu werden anfing,
sorgfältig in den Augen behielt, damit der Schaum nicht in den Zucker
kochen möchte. Einige Minuten bevor der eingedickte, auf die eben
geschilderte Weise behandelte Saft zum Kochen kommt, muß der Schaum,
der sich oben absetzt, mit einem hölzernen Schöpflöffel sorgfältig
abgenommen und entfernt werden. Meines Erachtens hängt die Weiße
und Reinheit des Zuckers zum großen Theil von der sorgfältigen
Entfernung jedes Schaumtheilchens ab. Die beste Vorschrift, welche
ich hierzu (dem Abschäumen des Zuckers[59]), ertheilen kann, ist,
den Saft fortwährend in schnellem Kochen zu erhalten, nur muß man
dabei sorgfältig sein Ueberlaufen verhindern, indem man etwas von der
Flüssigkeit in dem Rührlöffel behält, und wenn die Masse nach dem Rande
aufsteigt oder zu schnell aufwallt, von Zeit zu Zeit etwas hinein
tropfen läßt, um sie nieder zu halten; oder siedet man die Masse in
einem Koch-Ofen, so verhindert die Oeffnung einer oder aller Thüren
das Ueberlaufen. Die, welche ihren Zucker außer dem Hause bereiten,
befestigen einen hölzernen Krahn in einen Baumstummel, das Feuer
wird hierauf angezündet, und der Kessel an dem Krahne aufgehängt;
durch diese einfache Vorrichtung, -- jeder Knabe kann damit zu Stande
kommen, -- kann man, bei nur einiger Aufmerksamkeit auf das Kochen,
jedes Ueberlaufen vermeiden; allein das Auge darf nicht vom Kessel
weggewendet werden, eine Unachtsamkeit, ein eitler Blick kann einen
großen Verlust des kostbaren Saftes bewirken. Ich hatte blos einen
kleinen Koch-Ofen zur Bereitung meines Zuckers; die dazu gehörigen
Töpfe hielt man für zu klein, und ihre Form für ungeeignet, so daß ich
anfangs den Versuch aufgeben zu müssen fürchtete; allein ich beharrte
bei meinem Vorsatz, und meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß mein Ofen
ein trefflicher Apparat zu dieser Art von Fabrikation ist, da sich die
Hitze nach Belieben reguliren läßt.
Eine der ängstlichsten Perioden beim Zuckersieden ist, nach meiner
Erfahrung, wenn der Saft zuerst anfängt, ein gelbliches, schaumiges
Ansehn anzunehmen, und eine so große Dampf-Menge von seiner Oberfläche
aufzuwerfen, daß man den Inhalt des Kessels nicht sieht; in welchem
Fall er, selbst bei der größten Aufmerksamkeit, unvermerkt überlaufen
kann. Sobald sich der Saft zu Syrup (Molasse) verdickt, nimmt er eine
schön gelbe Farbe an und scheint nichts als ein dicker Schaum zu
sein. Wenn er ziemlich tief eingekocht ist, fangen die Tropfen an,
klar und zähe vom Löffel zu fallen; und wenn man kleine glänzende
körnig aussehende Bläschen darin wahrnimmt, so tröpfele man einige
auf eine kalte Platte und fahre fort, ihn umzurühren oder zu reiben,
bis er ganz erkaltet ist; sobald er bereit ist, zu granuliren, findet
man ihn griesig, eine weißliche oder blaßstrohgelbe Farbe annehmend
und steif. Alsdann kann man den Zucker unbesorgt in eine zinnerne
Schüssel, in einen Eimer, ein Becken oder irgend ein andres passendes
Gefäß ausschütten. Ich versuchte zwei verschiedne Methoden, nachdem
ich den Zucker vom Feuer genommen, konnte aber in seinem Aussehn keine
Verschiedenheit wahrnehmen, ausgenommen daß bei der einen der Zucker
mehr zerbrochen erschien, bei der andern dagegen in großen Klumpen
blieb; übrigens aber war weder in Reinheit noch Funkeln ein Unterschied
bemerkbar. Was die erste Methode anlangt, so rührte ich den Zucker
fortwährend um, bis er anfing, zu erkalten, und eine weißlich dicke
Substanz zu bilden, und die Körner gut krystallisirten; bei dem andern
Verfahren, -- das ich für vorzüglicher halte, da es die wenigste Mühe
verursacht, -- wartete ich, bis die Molasse zu Zucker verhärtet war,
hierauf durchlöcherte ich die Cruste an mehren Stellen, und stürzte die
Masse in einen Durchschlag über einem Gefäße, bestimmt, die vom Zucker
abtropfende Molasse aufzunehmen. Im Verlauf des Tages oder zweier Tage,
rührte ich den Zucker häufig um, der so von aller Feuchtigkeit befreit
ward, und ein schönes funkelndes Korn annahm; er schmeckte genau wie
Zuckerkant; vom Geschmack des Ahorn-Saftes konnte man keine Spur daran
bemerken, kurz man konnte ihn zu allem gebrauchen.
Ich habe die Bemerkung gemacht, daß im Allgemeinen Ahorn-Zucker, wie
er gewöhnlich bereitet wird, hart und derb ist, wenig Korn zeigt,
und im Verhältniß zu seinem Umfange sehr ins Gewicht fällt. Gerade
das Gegentheil aber kann ich von meinem Fabrikat sagen, er ist im
Verhältniß zu seinem Volumen außerordentlich leicht, indem die schwere
Molasse, statt in ihn einzutrocknen, vollkommen davon getrennt ist.
Wäre das gegenwärtige Frühjahr nur günstig genug gewesen, was es nicht
war, so würden wir eine gute Quantität trefflichen Zuckers bereitet
haben.
Weinessig.
Kocht man fünf Gallonen Saft auf eine ein, setzt man, wenn er gerade
die Temperatur frisch gemolkner Milch ein wenig übersteigt, ein
Weinglas Hefen hinzu, und läßt man das Gefäß während des Sommers in der
Küche nahe am Heerde stehen, so erhält man einen guten, wohlfeilen,
angenehm schmeckenden starken und sehr brauchbaren Essig. Diesen Plan
habe ich zwei Jahre hindurch mit Glück verfolgt. Das Faß oder die Butte
muß gehörig ausgepicht und wasserdicht sein, ehe der Essig hinein
gethan werden kann; denn andernfalls würde es durch die Sonnenhitze
einschrumpfen und leck werden. Ist es gut gearbeitet, so überstreicht
man die Fugen und den innern Rand am obern Theil des Fasses mit Theer
oder auch mit gelber Seife, wodurch es gegen etwaige Oeffnungen
gesichert wird. Erfahrne Hausfrauen geben der gleichförmigern
Küchen-Temperatur, was den Standort des Essigs anlangt, den Vorzug
vor der freien Luft; denn die in diesem Lande häufig eintretenden
kalten Nächte sollen dem Vorgange nachtheilig sein, der, wenn er
kein dergleichen Hinderniß erfährt, schneller zur Vollendung kommt.
Diejenigen, welche in der Bereitung einheimischer Weine und Biere gut
bewandert sind, dürften mit geringem Aufwande, von Zeit und Arbeit
einen trefflichen Ahorn-Wein oder Ahorn-Bier bereiten.
Jeder Ansiedler zieht, als ein Ziergewächs, in seinem Garten (oder
sollte dies thun) Hopfen, welcher einen der Haupt-Bestandtheile des
Ahorn-Bieres bildet, nachdem man ihn dem Safte zugesetzt hat.
Hopfen-Hefen.
Dieser treffliche, und ich möchte sagen, unentbehrliche Artikel
in jedem Ansiedler-Hause, ist ein schätzbares Substitut für Ale-
oder Bier-Hefen, und wird auf folgende einfache Weise bereitet: --
Man nimmt zwei Hände voll Hopfen, kocht diese Quantität in einer
Gallone weichen Wassers, wenn man dergleichen bekommen kann, bis
der Hopfen zu Boden des Gefäßes sinkt; bereitet einen Teig, indem
man eine Dessert-Schüssel voll Mehl und kaltes Wasser so lange
zusammen rührt, bis sie eine weiche und ziemliche dicke Masse bilden;
filtrirt die Hopfen-Flüssigkeit, während sie noch siedend heiß ist,
in das Gefäß, welches den Teig enthält, und läßt einen Gehülfen die
Hopfen-Flüssigkeit abgießen, während man den Teig umrührt. Sobald sie
bis zu einer gelinden Wärme abgekühlt ist, so daß man den Finger ohne
unangenehme Empfindung hinein halten kann, füge man ein Glas von den
frühern Hefen, oder etwas weniges Sauerteig hinzu, um sie gähren zu
machen; ist auch dies geschehn, so läßt man sie ruhig stehen, bis sie
gehörig gegohren hat, füllt sie dann auf Flaschen und verkorkt sie
sorgfältig. Den Sommer über muß sie im Keller oder an einem kühlen
Ort stehen, und im Winter muß man dafür sorgen, daß sie nicht friert.
Einige fügen zwei oder drei mehlige, wohl gekochte und fein gestoßne
Kartoffeln hinzu, was während der kalten Monate des Jahres sich sehr
vortheilhaft erweist. Ein Zusatz von Kartoffeln zu Brodmehl ist
ebenfalls höchst zweckmäßig und meines Erachtens für neue Ankömmlinge,
die alle ihr Mehl kaufen müssen, jedenfalls ein großes Ersparniß.
Folgende Methode liefert mir ein schmackhafteres, leichteres Brod als
das auf dem gewöhnlichen Wege gemischte Mehl: -- Angenommen, ich wollte
ungefähr anderthalb Stein Mehl verbacken, so koche ich, (versteht sich,
nachdem sie völlig rein geschält sind,) etwa drei Dutzend ziemlich
große Kartoffeln, in ungefähr drei Quart oder einer Gallone Wasser,
bis die Flüssigkeit das Ansehn einer dünnen Grützsuppe zeigt, und
die Kartoffeln sich mit dem Wasser fast ganz verkörpert haben. Mit
dieser Kartoffel-Grütze wurde das Mehl vermischt, Wasser war nicht
erforderlich, außer wenn ich zufällig nicht genug von der Mischung
hatte, um mein Mehl hinlänglich anzufeuchten. Dieselbe Methode, zu
kneten, die Gährung durch Hefen zu bewirken u. s. w., wird bei anderm
Teige und Brode angewendet. Während des Backens nimmt es eine glänzend
hellbraune Farbe an und ist leichter als das auf gewöhnlichem Wege
bereitete Brod, daher eine Kenntniß des besprochnen Verfahrens den
Emigranten-Familien nützlich sein dürfte.
Salz-Sauerteig.
Dies ist ein Sauerteig wovon die Yankie-Ansiedler häufig Gebrauch
machen; allein obgleich das damit bereitete Brod entschieden weißer,
und von besserem Aussehn ist, als das auf andre Weise gesäuerte. So
macht es doch der eigenthümliche Geschmack, den es dadurch erhält,
manchen Leuten äußerst widrig. Ein andrer Nachtheil ist, daß es
während des Winters äußerst schwer hält, diesen Sauerteig zum Gehen
(Gähren) zu bringen, da er eine Temperatur erfordert, die man an einem
canadischen Wintertage nicht leicht erhalten kann, dazu kommt noch,
daß der fragliche Sauerteig, nachdem er einmal seine Höhe erreicht
hat, wofern man nicht sogleich davon Gebrauch macht, wieder fällt,
und dann nicht wieder steigt; eine sorgsame Hausfrau, welche diesen
Umstand kennt, giebt daher sorgfältig Acht, da sie andernfalls schweres
schliffiges Gebäck erhalten oder gar kein Brod sondern eine Art Gebäcke
wie Haferkuchen im Hause haben würde.
So viel als ich mich erinnern kann, wird der Salz-Sauer auf folgende
Weise gemacht: -- Zu einem kleinen Gebäcke, also etwa zwei oder drei
Broden oder einem großen Backkessel-Brode (ungefähr so groß wie ein
englisches Metzen-Brod) nimmt man eine Pinte mäßig warmen Wassers, (es
muß der hineingesteckten Hand angenehm sein) und rührt in den Krug oder
Topf, der es enthält, so viel Mehl, als zur Bildung eines guten Teiges
nöthig ist, der aber nicht zu dick sein darf; hierzu füge man einen
halben Theelöffel voll Salz und setze das Gefäß, in einer Schüssel
mäßig warmen Wassers, in eine kleine Entfernung vom Feuer oder an die
Sonne; das den Topf, worin der Sauer enthalten ist, umgebende Wasser
darf sich nie viel über seine ursprüngliche Wärme abkühlen, daher man
von Zeit zu Zeit etwas warmes Wasser zugießen muß, (nicht aber in den
Sauer, sondern in die Schüssel,) bis das Ganze in einen lebhaften
Zustand von Gährung geräth, was in Zeit von sechs bis acht Stunden
geschieht, worauf man den Brodteig damit vermischen und, so viel als
nöthig, warmes Wasser oder warme Milch zugießen muß. Hierauf knete man
die Masse, bis sie hinreichend steif ist und nicht mehr am Troge hängen
bleibt. Man wirke nun seine Brode auf, und decke sie in der Nähe des
Feuers warm zu, bis sie gehen, wenn dieses zweite Anschwellen statt
findet, müssen sie sogleich gebacken werden.
Diejenigen, welche Shanty-Brode, wie ich sie nenne, in eisernen, auf
glühende Kohlen gestellten Back-Töpfen oder Kesseln backen, setzen den
Teig zum Gehen über sehr wenige Kohlen, oder in die Nähe des heißen
Herdes, und drehen, während das Brod steigt, den Topf oder die Pfanne
von Zeit zu Zeit; sobald alles gleichförmig in die Höhe gegangen ist,
legt man heiße Asche unter und auf den Deckel, wobei man Sorge tragen
muß, daß die Hitze anfangs nicht zu heftig werde. Da diese Methode zu
backen die allgemeinste und erste ist, welche ein Ansiedler ausüben
sieht, so halte ich es für zweckmäßig, ihn im Voraus damit bekannt zu
machen. Anfangs fühlte ich mich geneigt, gegen die Back-Schüsseln oder
Back-Kessel zu eifern; allein da Koch-Oefen, eiserne Oefen, ja auch
nur Ziegel- oder Lehm-Oefen nicht wie Pilze auf unser Geheiß im Busche
aus der Erde aufschießen, so sind diese Substitute sehr schätzbar, und
dienen vielen nützlichen Zwecken.