Sie können sich denken, wie der arme Junge niedergeschlagen sein mußte,

als er seine schönen Träume von Belustigungen aller Art, vor der

ernsten, nüchternen Wirklichkeit und der mühseligen Geschäftigkeit,

welche einem jungen Ansiedler in den Urwäldern obliegt, in Nichts

zerrinnen sah.

Jugend ist indeß das passendste Alter zur Auswanderung in dieses

Land; der Mensch fügt sich dann bald in seine neue Lage und versöhnt

sich nicht nur im Verlauf der Zeit mit der Veränderung seiner

Lebens-Verhältnisse, sondern gewinnt sie sogar lieb. Einen Trost

gewährt es ihm auch, wenn er sieht, daß er nicht mehr thut, als andre

von gleichen Ansprüchen auf Rang und Erziehung verrichten müssen, wenn

sie fortkommen und gedeihen wollen; und vielleicht wird er in der

Zukunft das Land segnen und preisen, welches ihn von einem Theil jenes

dummen Stolzes befreit hat, welcher ihn mit Verachtung auf diejenigen

herabblicken machte, deren Beschäftigungen von niedrer Art waren.

Es wäre ein himmelschreiendes Unrecht, wenn man Leute, welche

auszuwandern wünschen, mit falschen und schmeichelnden Gemälden von

den in diesem Lande zu erwartenden Vortheilen vorsätzlich hintergehen

wollte. Man mache sie in seinen Berichten mit dem Für und Wider genau

bekannt; und der Leser brauche seinen besten, von Vorurtheilen oder

Gewinnsucht in einer Sache von solcher Wichtigkeit nicht sowohl für ihn

selbst, sondern auch für diejenigen, zu deren Führer und Beschützer

ihn die Natur bestimmt hat, unbehinderten Verstand. Es ist indeß weit

schwieriger über Auswanderung und die damit verbundnen Umstände zu

schreiben, als viele sich einbilden; der Gegenstand umfaßt ein so

weites Feld, daß, was in Bezug auf einen Theil der Provinz vollkommen

richtig sein mag, dieses hinsichtlich eines andern keineswegs

sein dürfte. Ein Distrikt unterscheidet sich von dem andern, ein

Gemeinde-Bezirk von dem andern, je nach seinen natürlichen Vortheilen;

es frägt sich hier, ob er seit langer Zeit angesiedelt ist oder nicht,

ob er Wasser besitzt oder nicht; der Boden, ja selbst das Klima sind je

nach Lage und andern Umständen verschieden.

Viel, sehr viel hängt hier von dem Temperament, der Gewohnheit und

dem Charakter der Emigrantin selbst ab. Was dem einen frommt, paßt

nicht auch für den andern; eine Familie wird gedeihen, und alle

Bequemlichkeiten um ihre Wohnstätte her versammeln, während andere

in Armuth und Mißmuth leben. Es würden ganze Bände nöthig sein, um

jedes Argument für und wider zu erörtern, und genau anzugeben, welche

Personen sich zur Auswanderung eignen, und welche nicht.

Haben Sie ^Dr.^ _Dunlop's_ geistreich und witzig geschriebnen

»^Backwoodsman^« gelesen? Sollte dies nicht der Fall sein, so suchen

Sie ihn so bald als möglich zu bekommen, er wird Sie unterhalten. Ich

denke eine Urwaldsiedlerin (^Backwoodswoman^) könnte in demselben Tone

geschrieben werden; einige Seiten, die Geschichte von dergleichen

Damen enthaltend, würden als Beispiel für unser Geschlecht dienen.

In der That bedürfen wir einiger heilsamen Ermahnungen hinsichtlich

unsrer Pflichten so wie der Thorheit, zu bereuen, daß wir unsern Gatten

gefolgt sind und ihr Loos mit ihnen theilen, daß wir denen gefolgt

sind, welchen wir einst in glücklichern Stunden ewige Liebe und Treue

-- in Reichthum und Armuth, in Leiden und Freuden, Gesundheit und

Krankheit -- angelobt haben. Nur zu viele thun dieses Gelübde, ohne

seine Wichtigkeit zu bedenken und ohne die Zufälligkeiten zu berechnen,

welche ihre Treue auf eine harte Probe setzen dürften, wie z. B. wenn

es sich darum handelt, Verwandte, Freunde und Vaterland zu verlassen

und sich dem harten Loose eines Ansiedler-Lebens zu unterziehen; gewiß

kein geringes Opfer; allein die treue liebende Gattin wird es bringen,

ja sie wird sich zu noch größeren Schwierigkeiten verstehen, wenn es

der Mann ihrer Wahl von ihr fordert.

Allein es ist Zeit, daß ich Ihnen Lebewohl sage; mein Brief ist zu

einem furchtbaren Packet angeschwollen, er wird Sie gewiß langweilen,

und Sie werden ihn auf den Boden des atlantischen Oceans herabwünschen.

Fußnoten:

[57] Siehe den Anhang.

Sechszehnter Brief.

Indianische Jäger. -- Segel auf einem Canoe. -- Mangel an Bibliotheken

in den Urwäldern. -- Neues Dorf. -- Fortschritte und Verbesserungen.

-- Leuchtende Insekten (Johanniswürmchen.)

Ich habe Ihnen in einem früheren Briefe von einem Winter-Besuch bei den

Indianern erzählt; ich will Ihnen jetzt Einiges über ihr Sommer-Lager

mittheilen, das ich an einem schönen Juni-Nachmittage in Begleitung

meines Gatten und einiger Freunde, die zu uns kamen, um den Tag mit uns

zuzubringen, in Augenschein genommen habe.

Die Indianer hatten ihr Lager auf einer kleinen, zwischen den beiden

Seen hervorspringenden Halbinsel aufgeschlagen; unser nächster Weg

dahin würde durch den Busch geführt haben, allein der Boden war so mit

umgestürzten Bäumen bestreut, daß wir eine Fahrt im Canoe vorzogen.

Der Tag war warm, ohne drückend heiß zu sein, wie dies nur zu oft

während der Sommer-Monate der Fall ist; und o Wunder! die Musquitos

und schwarzen Stechfliegen waren so höflich, daß sie uns gar nicht

beschwerlich fielen. Unsre leichte Barke glitt leicht und ruhig über

die ruhige Wasserfläche im Schatten der überhängenden Aeste von Cedern,

Schierlingstannen und Balsampappeln, welche köstliche Wohlgerüche

verbreiten, wenn die wehenden Lüfte durch ihre Laubkrone streichen.

Ein Beet blauer Schwertlilien (^iris^), untermengt mit schneeweißen

Nymphäen, über die unser Canoe wegsegelte, entzückte mein Auge. Als

wir um einen felsigen Ufervorsprung gesteuert waren, sahen wir den

dünnen bläulichen Rauch aus dem Indianer-Lager sich über die Bäume

kräuseln, und bald war unser Canoe sicher an einem derselben, auf der

Seite des Indianer-Lagers, angelegt, und mit Hülfe der weitspreizigen

Zweige und des Unterholzes gelang es mir, mich einen steilen Pfad

hinan zu arbeiten, und bald stand ich gerade vor dem Zelte. Es war

Sonntag Nachmittags; sämmtliche Männer waren zu Hause; einige der

jüngern Familien-Glieder (drei Familien bewohnten den Wigwam) warfen

zum Zeitvertreib den Tomahawk nach einer Kerbe, die in die Rinde

eines fern stehenden Baums gehauen war, oder schossen mit ihren Bogen

und Pfeilen nach dem Ziele, während die ältern theils auf ihren

Bettdecken im Schatten schliefen, theils lasen, theils rauchten und

die Geschicklichkeit der jungen, mit einander wetteifernden Schützen

ernsten Auges prüften.

Blos eine von den Squaws war zu Hause, und zwar meine alte Freundin,

die Gattin des Jägers, die auf einer Bettdecke saß; ihr jüngstes

Kind, der kleine _David_, eine Papouse von drei Jahren, die noch

nicht entwöhnt war, ruhte zwischen ihren Füßen; sie beäugelte ihn oft

mit liebevollen zärtlichen Blicken, und klopfte ihn von Zeit zu Zeit

sanft auf das zottige Köpfchen. _Peter_, der eine Art angesehner Mann,

wenn auch gerade kein Häuptling ist, saß neben seiner Frau, in einen

hübschen blauen Schlafrock gekleidet, den eine rothe gewirkte Binde

über der Hüfte zusammen hielt. Er rauchte aus einer kurzen Pfeife und

betrachtete die vor der Thür des Zeltes versammelte Gesellschaft mit

einem Ausdruck ruhiger Theilnahme; bisweilen nahm er seine Pfeife auf

einige Augenblicke aus dem Munde und bezeichnete durch eine Art innern

Ausruf den Erfolg oder das Fehlschlagen der Versuche seiner Söhne, das

Ziel am Baume zu treffen. Die alte Squaw, winkte mir, sobald sie meiner

ansichtig wurde, zu, näher zu treten und gab mir mit wohlmeinendem

Lächeln zu verstehen, indem sie auf eine freie Stelle ihrer Bettdecke

hinwieß, daß ich neben ihr Platz nehmen möchte, was ich auch that.

Die Durchmusterung des Wigwams und seiner Bewohner machten mir viel

Unterhaltung. Das Gebäude war von länglicher Form, und an beiden Enden

offen, jedoch wurden die Oeffnungen, wie man mir sagte, des Nachts

durch Tücher oder Matten verschlossen; der obere Theil des Dachs war

ebenfalls offen; die Seitenwände bestanden aus rohem Pfahlwerk mit

großen Schichten zwischen die Stöcke, welche das Gerippe des Zeltes

bildeten, gezogner Birkenrinde; eine lange dünne Stange von Eisenholz

bildet einen niedern Tragbalken, woran verschiedne eiserne und kupferne

Töpfe und Kessel, desgleichen einige Keulen frisch getödteten Wildbrets

und gedörrte Fische hingen; das Feuer nahm den Mittelpunkt der Hütte

ein, und um die glühende Asche her lagen mehre friedliche Jagdhunde;

sie zeigten etwas von der ruhigen Apathie ihrer Herren, sie öffneten

beim Eintreten der Fremdlinge blos die Augen, und als sie bemerkten,

daß alles in Ordnung war, überließen sie sich wieder ihrem Schlummer

und kümmerten sich nicht weiter um uns.

Die Jäger-Familie nahm eine ganze Seite des Gebäudes ein, während

_Joseph Muskrat_ mit seiner Familie, und _Joseph Bolans_ und seine

Squaw die entgegengesetzte Wand theilten; die verschiednen Abtheilungen

waren durch Bettdecken, Fischerspeere, lange Flinten, Tomahawks und

andres Eigenthum bezeichnet und geschieden; das Kochgeräthe anlangend,

so schien es mir wegen seiner Spärlichkeit allen gemeinschaftlich

anzugehören; es herrschte vollkommne Freundschaft und Einigkeit

zwischen den drei Familien, und, nach dem äußern Anschein zu urtheilen,

waren alle glücklich und zufrieden. Ein Blick auf die Bücher in den

Händen der jungen Männer überzeugte mich, daß es fromme Lieder und

Abhandlungen waren; die eine Seite enthielt den englischen Text, die

andere die indianische Uebersetzung. Auf unsre Bitten sangen die Männer

eins von den Liedern, welches recht gut klang, allein wir vermißten

die süßen Stimmen der indianischen Mädchen, die ich vor dem Hause

gelassen hatte, wo sie auf einem Fichtenstamme saßen und sich mit

meinem Knäbchen unterhielten, welches ihnen nebst seiner Wärterin sehr

zu gefallen schien.

An der Außenseite des Zeltes zeigte mir die Squaw ein Canoe von

Birkenrinde, dessen Bau noch nicht vollendet war. Die Gestalt

des kleinen Fahrzeugs war durch eine Anzahl in regelmäßigen

Abständen von einander in die Erde gesteckte Stöcke angedeutet; die

Birkenrinden-Schichten waren angefeuchtet, und jede an dem geeigneten

Platze durch Cedern-Latten befestigt, die so gekrümmt sind, daß sie als

Rippen oder Fachwerk dienen; die Rindenschichten sind mit den zähen

Wurzeln des Tamarack (Lärchenbaum) zusammengestrickt; und die Ränder

des Canoes sind mit demselben Material besäumt oder umflochten; das

Ganze wird, ist es so weit vollendet, mit dickem Gummi überzogen.

Ich hatte die Ehre, von Mrs. _Peter_ nach Hause gerudert zu werden, und

zwar in einem neuen Canoe, das eben erst von Stapel gelassen worden

war; die Bewegung war in höchstem Grade angenehm, ich saß auf dem Boden

des kleinen Fahrzeugs auf einigen leichten Schierlingstannen-Zweigen

und meine Heimfahrt war sehr ergötzlich und angenehm. Das Canoe, durch

den Arm der schwärzlichen Amazone in Bewegung setzt, flog schnell über

das Wasser, und bald landeten wir in einer kleinen Bucht in geringer

Entfernung von meinem Hause. Zur Vergeltung der mir von der Squaw

erwiesnen Aufmerksamkeit, erfreute ich sie durch das Geschenk einiger

Perlen zum Einwirken in Messerscheiden und Mokassins womit sie sehr

zufrieden zu sein schien; sie verbarg ihren Schatz sorgfältig im

Busentuche, und befestigte ihn noch überdieß mit einem Stückchen Bande.

Gepaart mit einer eigenthümlichen Zurückgehaltenheit und ernstem

Temperament zeigen die Indianer in einigen Stücken zu gleicher Zeit

einen Grad von kindischem Wesen. Ich gab dem Jäger und seinem Sohne

eines Tages einige colorirte Kupferstiche, die ihnen viel Spaß zu

machen schienen, denn sie lachten gewaltig über die modisch gekleideten

Figuren. Nachdem sie das Haus verlassen, setzten sie sich auf einen

gefallenen Baum, versammelten ihre Hunde um sich und breiteren vor

jedem besonders die Gemälde aus.

Die armen Thiere, anstatt die bunt gekleideten Herren und Damen

aufmerksam zu betrachten, streckten ihre Köpfe in die Höhe und

leckten ihren Herren Hände und Gesicht; allein der alte _Peter_

hatte sich einmal vorgenommen, daß die Hunde das Vergnügen der

Gemäldeschau theilen sollten, daher drückte er sie mit der Nase auf die

Kupferstiche, und hielt sie an ihren langen Ohren fest, wenn sie Miene

machten, zu entweichen. Ich hätte den alten ernsten Indianer eines so

kindischen albernen Benehmens kaum für fähig gehalten.

Diese halbcivilisirten Wilden scheinen gegenwärtig nicht mehr so

eingenommen für bunten glänzenden Putz wie früher, und beobachten

in ihrer Kleidung mehr einen europäischen Styl; es ist nichts

Ungewöhnliches, einen Indianer in einen feinen Tuchoberrock und

Pantalons gekleidet zu sehen, wiewohl ich gestehen muß, daß die

weiten Ueberhemden, womit die Regierung sie versorgt, und die einen

Theil ihrer jährlichen Geschenke bilden, ihnen weit besser stehen

und bequemer sind. Die Squaws ziehen baumwollene oder wollene

Röcke, Schürzen und Tücher, und andre dergleichen nützliche Artikel

vor; wiewohl sie ihre Kleinen gern recht herausputzen, und ihre

Wiegen-Decken mit Seide und Perlen sticken und an ihren Schultern

Flügel von Vögeln befestigen. Wie viel Vergnügen machte mir die

Erscheinung eines dieser indianischen Cupidos, der mit den Fittigen des

amerikanischen Streitvogels, eines sehr schönen Thieres, geschmückt

war. Der erwähnte Vogel ist unserm brittischen Buchfinken nicht

unähnlich, nur daß die Farben seines Gefieders lebhafter sind; Brust

und Unter-Federn der Flügel schmückt das glänzendste Carminroth, das

mit Schwarz und Weiß schattirt ist. Man hat diesen Vogel deshalb

Streit- oder Kriegs-Vogel genannt, weil er zuerst während des letzten

amerikanischen Krieges in Canada erschienen ist, ein Umstand, der,

meines Bedünkens, wohl verbürgt ist oder wenigstens allgemein Glauben

gefunden hat.

Ueber Ihre Bemerkung, daß wir in den Urwäldern leicht zu einer

Leibibliothek unsre Zuflucht nehmen dürften, konnte ich mich kaum des

Lächelns enthalten. In einer Hinsicht, sind Sie in der That nicht

so weit von der Wahrheit entfernt; denn die Bibliothek eines jeden

Ansiedlers kann eine circulirende genannt werden, insofern die Bücher

von einem Freund zum andern wandern; und glücklicher Weise haben wir

einige recht wohl bestellte und reichhaltige Bibliotheken in unsrer

Nachbarschaft, die uns stets offen stehen. Zu York ist eine öffentliche

Bibliothek, allein von dieser können wir eben so wenig Gebrauch machen,

als wenn sie sich auf der andern Seite des atlantischen Ozeans befände.

Ich weiß recht gut, wie sich die Sache verhält; in der Heimath hat

man dieselbe Vorstellung von der Leichtigkeit, in diesem Lande zu

reisen, die ich ehemals hatte; jetzt aber weiß ich, was Busch-Straßen

sind, eine Reise von nur wenigen Stunden scheint ein abentheuerliches

verhängnißvolles Unternehmen. Erinnern Sie sich wohl meines Berichtes

von einer Tagereise durch den Wald? Es thut mir leid, sagen zu müssen,

daß sich die Wege seitdem nur wenig verbessert haben. Ich habe nur noch

einmal eine ähnliche Fahrt gewagt, die mir mehre sehr beschwerdevolle

Stunden verursachte, und mehr durch gutes Glück als in Folge eines

andern Umstandes langte ich ganzbeinig an dem Orte meiner Bestimmung

an. Ich mußte dabei über die häufigen Betheuerungen des Wagenlenkers,

eines schlauen Burschen aus Yorkshire, lachen: »-- O! wenn ich nur

seine Excellenz den Gouverneur über diese Straße zu fahren hätte, wie

wollte ich die Pferde über diese Stummel und Steine traben lassen;«

aber bald darauf schrie er wieder: »Ich wette, er würde alles dafür

thun, ehe er wieder darauf führe.«

Unglücklicher Weise haben wir auf dieser Seite des Flusses keine

von der Regierung angelegte Straße; sie ist blos von den Ansiedlern

zu größrer Bequemlichkeit durch den Wald gehauen worden, daher ich

fürchte, daß nichts zu ihrer Verbesserung gethan werden dürfte, wofern

die Einwohner nicht selbst Hand anlegen.

Wir hoffen bald einen nähern Markt für unser Getraide zu haben, als

Peterborough ist; eine Kornmühle ist erst kürzlich in dem neuen Dorfe

errichtet worden. Dies wird ein großer Vortheil für uns sein. Die

Herbeischaffung von Mehl auf den schlechten Fahrwegen verursacht großen

Kostenaufwand, und der Zeitverlust, den diejenigen erleiden, welche

ihren Weizen zum Mahlen nach der Stadt senden müssen, ist ein großes

Uebel; allein das wird bald anders werden, zur großen Freude der ganzen

Nachbarschaft.

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wichtig dergleichen

Verbesserungen sind, und welchen Einfluß sie auf Ermuthigung des

Emigranten haben, wozu noch kommt, daß sie den Werth seines Besitzthums

in keinem geringen Grade vermehren; wir haben uns bereits von den

Vortheilen überzeugt, welche die Nähe der Sägemühle für uns hat, indem

wir nunmehr nicht nur billiger bauen sondern auch rohe Stämme gegen

zugeschnittnes Holz austauschen können. Die großen Fichtenstämme,

welche unter andern Umständen nichts als ein Hinderniß bei Lichtung

des Bodens sein würden, sind, wenn sie in der für die Behandlung auf

der Sägemühle erforderlichen Form gefällt werden, was sich leicht thun

läßt, wo sie in der Nähe des Wassers stehen, sehr gewinnbringend, die

Stämme müssen eine gewisse Länge haben und werden von Ochsen während

des Winters, wenn der Boden fest gefroren ist, hart an den Rand des

Sees geschleift; sobald das Eis aufbricht, schwimmen die Baumstämme mit

der Fluth stromabwärts und gelangen so in den Mühlgraben; ich habe den

See unsern Fenstern gegenüber mit dergleichen schwimmenden, auf seinem

Wege zur Sägemühle begriffnen Holze bedeckt gesehen.

Wie schätzbar würden die großen Eichen und riesenhaften Fichten in

einem englischen Besitzthum sein; während man sie hier nicht mehr

achtet, als man in der Heimath kleine unbedeutende Bäumchen achtet.

Einige Jahre später dürfte man indeß die gewaltigen Stämme welche

jetzt verbrannt werden, im Bauwesen vermissen. Die Eichen eignen

sich vorzüglich zu Umpfählungen und Gitterwerk, weil ihr Holz sehr

dauerhaft ist; Fichten, Cedern und weiße Aeschen werden vorzüglich

zu Schlagbäumen und dergleichen verwendet; Ahorn und Buchen liefern

das beste Brenn-Holz; weiße Aesche brennt gut. Zur Bereitung von

Seifenlauge nimmt man keine andre, als Asche von hartem Holz: als

Eiche, Aesche, Ahorn und Buche; alle harzhaltige Bäume taugen nicht

zu diesem Behuf, die Lauge von dergleichen Asche verbindet sich beim

Sieden nicht mit dem Fett, zum großen Verdruß des nicht eingeweihten

Seifensieders, der, hätte er den eben erwähnten Umstand gekannt, viel

Zeit und Mühe, und, was das Wichtigste ist, viel von dem seit Monaten

sorgfältig gesammelten Material erspart haben würde.

Die Frau eines amerikanischen Ansiedlers erzählte mir dies und rieth

mir, bei Bereitung meiner Seifenlauge sorgfältig alle Fichten-Asche

auszuschließen. Und hier muß ich bemerken, daß unter allen

Ansiedlern die Yankies, wie sie genannt werden, die fleißigsten und

erfindungsreichsten sind; sie sind nie wegen eines Auskunftsmittels

in Verlegenheit; wenn ihnen der eine Plan fehl schlägt, so ergreifen

sie mit einer Gedankenschnelligkeit, die mich mit Staunen erfüllt,

während sie bei ihnen ganz natürlich zu sein scheint, einen andern. Sie

scheinen eine Art angeborner Geistesgegenwart zu besitzen, und, anstatt

ihre Energie in Worten darzuthun, _handeln_ sie.

Die alten Ansiedler, welche lange unter ihnen gewesen, scheinen sich

dieselben Gewohnheiten anzueignen, so daß es schwer hält, sie von den

Yankies zu unterscheiden. Ich habe die Amerikaner ein geschwätziges

Volk nennen hören; allein, so weit meine Bekanntschaft mit ihnen

reicht, möchte ich sie vielmehr für laconisch halten, und wenn ich sie

nicht recht leiden kann, so ist vielmehr ihr kaltes kurzangebundnes

Benehmen daran schuld, welches eine Schranke zwischen uns zu ziehen

scheint.

Die Bemerkungen eines wandernden Uhrmachers, aus dem Staate Ohio

gebürtig, befremdete mich ein wenig. Nachdem er nämlich die

Vorzüglichkeit des Ohio-Klimas in Vergleich mit dem unsrigen (in

Canada) gerühmt, sagte er, in Beantwortung einiger von meinem Gatten

an ihn gerichteten Fragen; er wundre sich, daß alle Leute von feiner

Bildung Canada, besonders den Busch, wo sie manches liebe Jahr

hindurch alle höheren Annehmlichkeiten und verfeinerten Genüsse des

Lebens entbehren müßten; den reichen, halbcultivirten und fruchtbaren

Ohio-Staat, wo man noch dazu Land, sowohl wildes als gelichtetes, weit

billiger kaufen könne, vorzögen.

Hierauf antworteten wir, daß erstens brittische Unterthanen lieber

unter brittischer Botmäßigkeit ständen, und daß dieselben überdies den

Sitten seiner Landsleute abgeneigt wären. Er erkannte freimüthig den

ersten Einwurf als richtig, bemerkte aber hinsichtlich des andern

daß man die Amerikaner im Allgemeinen nicht nach den einzelnen, in

den brittischen Colonien vorkommenden Beispielen beurtheilen dürfe.

Da letztere in der Regel Leute von eben nicht sonderlichem Ruf wären,

viele derselben hätten sich Schulden oder andrer schlechter Streiche

wegen, nach Canada geflüchtet; »es wäre hart,« fügte er hinzu, »wenn

man die Engländer nach den nach Botany-Bay transportirten Verbrechern

beurtheilen wollte.«

Nun war nichts Ungefälliges oder Rohes in dem Benehmen dieses Fremden,

und die Vertheidigung seiner Nation war ruhig und vernünftig, mit einem

Wort von der Art, daß jeder Vorurtheilsfreie ihn deswegen nur achten

mußte.

So eben unterbricht mich ein Freund und sagt mir, daß er Gelegenheit

habe, eine portofreie Sendung nach London oder Liverpool zu machen,

und daß er in der Kiste, die er für England packe, ein Packet von mir

einschließen wolle.

Das Anerbieten ist mir sehr willkommen, nur bedaure ich, daß ich nichts

als einige Blumen-Samen, einige indianische Fabrikate und etliche

Schmetterlinge zu senden habe -- die letzten sind für _Jane_ bestimmt.

Ich hoffe, daß nicht alle das Schicksal der letzten theilen werden.

_Sarah_ hat mir geschrieben, daß sie von der grünen Nacht-Eule, die ich

das letzte Mal in der kleinen Schachtel mitgeschickt, nichts weiter

gefunden habe, als etwas Staub und einige rothe Füße. Es ist mir,

jedoch nicht ohne Schwierigkeit geglückt, ein andres und schöneres

Exemplar zu erlangen; aber, aus Furcht, daß ihm ein ähnliches Schicksal

widerfahren könnte, will ich wenigstens durch nachstehende Beschreibung

das Andenken seiner Schönheit zu erhalten suchen.

Er mißt von einer Flügelspitze zur andern gerade fünf Zoll; der Leib

ist so dick, wie mein kleiner Finger, schneeweiß und mit langem seidnen

Haar bedeckt; die Beine und Fühlhörner sind hellroth, letztere sind

auf den beiden Seiten gezahnt wie ein Kamm; beide Flügel, Ober- und

Unter-Flügel zeichnen sich durch schönes Blaßgrün aus, und haben an den

Rändern goldne Franzen; jeden Flügel schmückt ein kleiner Halbmond von

Blaßblau, Roth und Orangenfarben; das Blau nimmt die Mitte ein, wie

ein halbgeschloßnes Auge; die untern Flügel sind tief ausgeschnitten,

sie bilden dergestalt zwei lange Schwänze, wie bei dem sogenannten

Schwalbenschwanz (Schmetterling) von ungefähr einem vollen Zoll in

Länge, und sind tief gefranzt; mit einem Wort, dieser Schmetterling ist

das reizendste Insekt, welches ich je gesehn habe.

Wir besitzen eine große Mannigfaltigkeit an Pfauenaugen

(Schmetterlinge), die sich durch Farbenpracht und unzählige Augen auf

den Flügeln auszeichnen. Der gelbe Schwalbenschwanz, der schwarz und

blaue Admiral, und der roth, weiß und schwarze Admiral, nebst manchen

andern prächtigen Varietäten, die ich nicht beschreiben kann, sind

ebenfalls sehr gemein. Der größte Schmetterling, den ich bis jetzt

gesehn, zeichnet sich durch ein muntres Vermilion aus, welches durch

ein über seine großen Schwingen verbreitetes Netz von schwarzen Linien

noch mehr hervorgehoben wird.

Ansiedlungen in den Urwäldern von Canada. Ein Wegweiser für Auswandrer nach Amerika von einer Emigrantin. · 第 21 / 26 段