des Matten-Holzes (^bass-wood^) und der weißen Esche. Einige dieser
Körbe, von gröberer Sorte, werden zur Einsammlung von Kartoffeln,
indianischem Korn oder weißen Rüben gebraucht. Die Ansiedler finden in
denselben einen sehr guten Ersatz für die im alten Vaterlande üblichen
Weiden-Körbe.
Die Indianer sind im Besitz mancher Färbestoffe, womit sie ihre
zierlichen Körbe und die Stachelschwein-Spuhlen färben. Unser
Wohnstübchen ist mit verschiednen recht hübschen Artikeln ihrer
Erfindung und Fabrik geschmückt, welche wir als Noten-Futterale,
Brief-Kasten, Blumen-Vasen und Arbeits-Körbe benutzen.
Sie scheinen indeß nützliche Artikel höher zu schätzen als Gegenstände,
die blos zur Zierde dienen. In allen ihren Handels-Geschäften sind sie
sehr schlau und eifrig und entfalten einen überraschenden Grad von
Behutsamkeit in ihrem Thun und Treiben. Mit den Männern läßt sichs weit
besser handeln als mit den Weibern; letztere zeigen sich in einigen
Fällen äußerst hartnäckig. Haben sie ihre Wünsche auf irgend einen
Artikel gerichtet, so kommen sie Tag für Tag und weisen alles andre,
was man ihnen etwa anbietet, zurück. Eine von den Squaws hatte sich
in einen bunten Zitz-Schlafrock meines Gatten verliebt, und ob ich
ihr denselben gleich rund abschlug, so kamen doch viele Squaws, eine
nach der andern, um den »_^Gown^_« (Schlafrock), welches Wort sie mit
einem eigenthümlich kagenden Ton aussprachen, zu bewundern; und als ich
sagte: »Kein Schlafrock zu verkaufen,« (^no Gown to sell^) so stießen
sie einen melancholischen Klagelaut aus und gingen fort.
Nur selten verstehen sie sich dazu, einen Artikel, den man gerade
nothwendig braucht, zu verfertigen. Wünscht man Körbe von einem
besondern Muster zu kaufen, und haben sie nicht zufälliger Weise
dergleichen fertig, so ertheilen sie die gewöhnliche unbestimmte
Antwort: -- »Mit der Zeit,« (^by and by^). Wenn die Artikel, welche
man ihnen für die ihrigen giebt, ihren Erwartungen nicht entsprechen,
so sagen sie mit einem verdrüßlichen mürrischen Ausdruck in Blick
und Stimme: -- »^Car-car^« (Nein, nein), oder »Carwinni,« was eine
noch stärkere Verneinung ist. Gefällt ihnen dagegen das Geschäft, so
geben sie ihre Zufriedenheit durch verschiedne bestätigende Winke
und Kopfnicken, und einen fast grunzenden Laut zu erkennen; Enten,
Fische, Wildbret oder Körbe stellen sie vor den Käufer hin und nehmen
dagegen die Tausch-Artikel in die weiten Falten ihrer Hemden oder
Umschlagetücher oder legen sie in eine Art von Binsen-Koffer; nicht
unähnlich jenen Strohkörben, worin englische Zimmerleute ihre Werkzeuge
tragen.
Die Weiber ahmen die Kleidung der Weißen nach. Manche der jungen
Mädchen nähen sehr gut. Ich gebe ihnen oft Fleckchen Seide und Sammet
oder Spitzen, wofür sie sich sehr dankbar zeigen.
Ich habe gegenwärtig sehr viel mit meinem Garten zu thun. Einige unsrer
Sämereien sind bereits in der Erde, doch sagt man mir, daß ich etwas
zu eilig gewesen; es seien zehn gegen eins zu wetten, daß die jungen
Pflänzchen durch die Spätfröste, welche sich oft den Mai hindurch, ja
selbst noch zu Anfange Junis einstellen, umkommen werden.
Unser Garten hat vor der Hand noch nichts aufzuweisen, er ist nichts
als ein mit einer rohen Latten-Einfriedigung, zur Abwehr des Viehs von
unsern Anpflanzungen, umgebnes Stück Land. Im nächsten Frühjahr hoffe
ich ein hübsches Geländer darum, und einige Beete mit Blumen bedeckt zu
sehen. In gegenwärtigem Frühjahr giebt es so viel drängende Arbeit,
um das Land zur Aufnahme der Saaten völlig zu lichten und zu reinigen,
daß ich meine Ansprüche auf den Besitz eines Ziergartens gern in den
Hintergrund treten lasse.
Die Waldbäume sind ziemlich alle belaubt. Nie sah ich den Frühling
schneller eintreten als in diesem Jahre. Das Grün der Blätter ist
äußerst lebhaft. Tausend liebliche Blumen entfalten in den Wäldern
und auf dem gelichteten Boden ihre zarten Blüthen. Auch sind
unsre canadischen Sänger nicht stumm. Das lustige Gezwitscher des
Rothkehlchens, die süßen Laute der Amsel und der Drossel nebst dem
schwachen, aber nicht unangenehmen Schlag eines kleinen Vogels, Namens
_Thitabebec_, und die lieblichen Triller eines Zaunkönigs füllen unsre
Wälder.
Was mich betrifft, so halte ich es weder für nöthig noch weise, das
Gute, was wir besitzen, zu tadeln, weil es nicht ganz für das Ersatz
leistet, dessen wir uns früher erfreuten. Es ist meines Wissens unter
den Reisenden leider die Mode eingerissen, zu behaupten, daß unsre
gefiederten Schaaren theils stumm seien, theils höchst widrige, das
Ohr zerreißende Töne ausstoßen und mehr unangenehm als willkommen
erscheinen. Es würde eine Unwahrheit sein, wenn ich behaupten wollte,
daß unsre Singvögel zahlreicher und melodienreicher seien als die
europäischen; allein eben so wenig darf ich dulden, daß man mein neues
Vaterland seiner Rechte beraubt, ohne ein Wort zur Vertheidigung unsrer
beflügelten Musiker zu sagen. Ja selbst den Fröschen Canadas hat man,
das Monotone ihrer Stimmen abgerechnet, Unrecht gethan, ihr Concert
erscheint mir in der That nicht ganz unmelodisch. Die grünen Frösche
sind sehr schön, sie zeichnen sich durch braune eirunde Schilde auf
dem lebhaftesten Grün aus; auch übertreffen sie an Größe die dicksten
unsrer englischen Frösche und sind unstreitig weit schöner. Ihre Laute
gleichen denen eines Vogels und haben nichts von jenem Geknarr in sich.
[Illustration: Grüne Frösche.]
[Illustration: Ochsen-Frosch.]
Die Ochsen-Frösche sind von den grünen Fröschen sehr verschieden;
anstatt über ihre seltsamen Töne ungehalten zu sein, kann ich mich
vielmehr kaum des Lachens enthalten, wenn ein tüchtiger Kerl sein
breites braunes Haupt hart am Wasser-Rande aus dem nassen Elemente
hervor stößt, und »_Williroo, williroo, williroo_« ruft, worauf ein
andrer seines Gleichen an einer entfernten Stelle des Sumpfes in
gröberen Accenten erwiedert, »^Get out, get out, get out^, (komm raus,
komm raus, komm raus);« und gleich darauf läßt sich ein Chor von Alt
und Jung vernehmen, gleichsam als suche jede Partei die andre zu
überquäken.
In meinem nächsten Schreiben werde ich Ihnen einen Bericht von unsrer
Klafter-Biene (^logging-bee^) geben, welche zu Ende dieses Monats
stattfinden wird. Ich bin hinsichtlich der Verbrennung der geklafterten
Holzhaufen auf dem brachliegenden Boden um unser Haus herum etwas
besorgt, da mir die Sache gefährlich erscheint.
Ich werde Ihnen in Kurzem wieder schreiben. Leben Sie wohl.
Fußnoten:
[36]: Diese Erscheinung ist bei trockner Luft überall sehr
gewöhnlich.
[37] Guter, richtig bereiteter Ahorn-Zucker hat mit jenem
gepulverten Zucker, den alle Gewürzkrämer als einen trefflichen
Artikel zur Versüßung des Kaffees verkaufen, große Aehnlichkeit.
Elfter Brief.
Welche Emigranten für Canada passen. -- Eigenschaften, die man
besitzen muß, um eines günstigen Erfolgs gewiß zu sein. --
Capital-Anlage. -- Welche Artikel man wo möglich mit sich bringen
muß. -- Eigenschaften und Beschäftigungen einer Ansiedler-Familie.
-- Mangel an Geduld und Energie bei einigen Frauen. -- Besorgung der
Milchwirthschaft. -- Käse. -- Indianisches Korn; seine Cultur. --
Kartoffeln. -- Arbeitslöhne.
August, 2, 1833.
Die mancherlei Fragen, auf die Sie meine Aufmerksamkeit vorzüglich
gerichtet wissen wollen, will ich, so gut es mir möglich ist, zu
beantworten suchen, doch muß ich zu gleicher Zeit erinnern, daß Kürze
im Briefschreiben eben keine meiner Haupttugenden ist. Sollte ich
in Schilderung einfacher Thatsachen zu weitläufig werden, so müssen
sie mit meiner Schwäche Nachsicht haben und es meiner weiblichen
Schwatzlust zu Gute rechnen, und sollte Ihr Auge dabei ermüden, so
bleiben wenigstens Ihre Ohren verschont.
Ich will Ihre Fragen in derselben Ordnung beantworten, wie Sie
dieselben an mich gerichtet haben. Zunächst wünschen Sie zu wissen,
welche Art von Leuten sich am besten zu Busch-Ansiedlern schickt.
Hierauf erwiedre ich ohne Anstand: -- Die armen, an harte Arbeit
gewohnten mäßigen Bauern, die sich durch Fleiß und Thätigkeit
auszeichnen und für eine große Familie zu sorgen, und einen
lobenswerthen Abscheu vor Arbeitshäusern und Bettelvoigten haben;
damit überwinden sie alle Mühseligkeiten und Entbehrungen, die mit
einer ersten Ansiedlung in den Urwäldern verbunden sind, und gelangen
in kurzer Zeit zu einer ehrenvollen Unabhängigkeit, frei von Mangel --
aber nicht von Arbeit und Betriebsamkeit. Handwerker jeder Art werden
in den Dorf-Städten (^Village-towns^) und seit langer Zeit gelichteten
Distrikten besser bezahlt, als blose Buschsiedler.
»Welche eignen sich zunächst am besten zur Auswandrung?«
Leute von mäßigem Einkommen oder einem hübschen Capital können in
Canada Geld gewinnen. Besitzen sie ein gesundes Urtheil und können
sie größere Summen verwenden, so werden sie durch gute Einkäufe und
Wiederverkäufe ihr Capital verdoppeln, ja selbst verdreifachen.
Allein noch besser wäre es, ich bezeichnete diejenigen, welche nicht
zur Auswanderung taugen, als umgekehrt.
Der arme, an eine feine, zarte Lebensweise gewöhnte Gentleman, der
nicht Arbeiter genug anstellen kann, um eine hinreichende Bodenfläche
in urbaren Stand zu setzen und nicht selbst arbeiten mag, taugt nichts
für Canada, vorzüglich wenn seine Gewohnheiten kostspielig sind. Selbst
der Mann, welcher ein kleines Einkommen hat, wofern er sich nicht dazu
verstehen will, die Axt oder das Hackemesser in die Hand zu nehmen,
wird es, sogar bei einer klugen und sparsamen Lebensweise, nicht leicht
finden, sich in den ersten zwei oder drei Jahren schuldenfrei zu
erhalten. Manche der letztern Art sind indeß vorwärts gekommen, aber
nicht ohne schweres Ringen.
Noch aber giebt es eine andre Klasse von Leuten, die nicht für die
Wälder paßt; dies sind die Weiber und Familien derjenigen, welche
früher wohlhabende Krämer oder Handwerker und an den täglichen Genuß
jedes Vergnügens, jedes Luxus-Artikels, welchen Geld verschaffen oder
Mode erfinden konnte, gewöhnt waren; deren Begriffe von Glückseligkeit
mit einem Kreise von Lustbarkeiten und Gesellschaften und allen
Neuheiten in Tracht und Unterhaltung, welche die feine Welt darbieten
kann, unzertrennlich verbunden sind. Junge Dämchen, welche in vornehmen
Pensions-Anstalten erzogen worden sind, und eine Verachtung gegen
alles, was auf Nutzen und Ersparniß abzweckt, eingesogen haben, geben
sehr schlechte Ansiedler-Weiber ab. Nichts kann unglücklicher sein, als
die Lage so erzogner Personen in den Wäldern von Canada; mißvergnügt
und mißmuthig über den unangenehmen Wechsel in ihrer Lebens-Weise,
unzufrieden mit allen Gegenständen um sie her, finden sie jede
Anstrengung lästig und jede Beschäftigung unter ihrer Würde.
Für Leute dieser Art (und leider stößt man nur auf zu viele in den
Colonien), ist Canada das schlechteste Land von der Welt. Und ich
wollte jedem, der weder Neigung noch die erforderlichen Eigenschaften
dazu hat, abrathen, den atlantischen Ocean hierher zu durchsegeln, denn
er würde sicher elend, arm und unglücklich werden.
Der Emigrant, welcher in diesem Lande fortkommen, ja sein Glück machen
will, muß folgende Eigenschaften besitzen: Beharrlichkeit, Geduld,
Betriebsamkeit, Erfindungsgeist, Mäßigkeit, Selbstverläugnung, und
ist er ein Gentleman, so ist ein kleines Einkommen fast unerläßlich,
und ein reichliches noch wünschenswerther. Die Auslage für Ankauf und
Urbarmachung von Grund und Boden, Anschaffung der nöthigen Utensilien
und Vorräthe zur Unterhaltung einer Familie, Besoldung von Dienstboten,
nebst manchen andern unvermeidlichen Ausgaben, können ohne Geld-Mittel
nicht bestritten werden; und da der Boden-Ertrag in den ersten zwei
oder drei Jahren nur gering ist, so würde es für einen Ansiedler
rathsam sein, einige hundert Pfund mit zu bringen, um sein Besitzthum
urbar zu machen und die eben erwähnten Ausgaben zu bestreiten, indem
er sich andern Falls bald in große Schwierigkeiten verwickelt finden
dürfte.
Jetzt zu Ihrer dritten Frage, »welches ist der vortheilhafteste Weg,
sein Geld anzulegen, wofern man nämlich als Ansiedler mehr mit sich
hierher bringt, als man für seinen Bedarf braucht?«
Hierüber kann ich natürlicher Weise kein genügendes Urtheil geben. Mein
Gatte und seine Freunde, die mit dem Zustande und den Angelegenheiten
der Colonisten bekannter sind, sagen, man müsse sein Capital gegen
sichere Hypotheken auf Grund-Eigenthum ausleihen. Der Ankauf von Land
ist oft ebenfalls eine gute Speculation, aber hinsichtlich des Gewinns
nicht so bestimmt, da man keine Zinsen erhält; und wiewohl sie in
Zukunft reichliche Früchte tragen dürfte; so ist es doch nicht immer
leicht über den erkauften Grund und Boden, gerade wenn man dessen
bedarf, vortheilhaft zu verfügen. Der Besitzer von mehren tausend
Morgen Landes in verschiednen Gemeinde-Bezirken kann oft wegen zwanzig
Pfund Sterling in Verlegenheit gerathen, wenn er diese plötzlich und
unvorbereitet schaffen soll, daher es unrathsam ist, sein ganzes
Capital auf die eben erwähnte Weise anzulegen.
Die Aufzählung der verschiednen Gelegenheiten, sein bares Geld
vortheilhaft anzuwenden, würde mir schwer fallen. Es ist hier so
wenig Geld im Umlauf, daß diejenigen, welche glücklich genug sind,
dergleichen in Bereitschaft zu haben, fast alles, was sie wünschen,
damit ausführen können.
»Welches sind die nützlichsten und nothwendigsten Artikel, die ein
Ansiedler wo möglich mit bringen muß?«
Werkzeuge, einen guten Vorrath an Kleidern und Schuhen, gute Betten,
vorzüglich warme Bettdecken, da man dergleichen hier theuer bezahlen
muß, und sich doch in der Heimath zu weit billigeren Preisen,
bei besserer Qualität, damit versorgen kann. Einen Vorrath guter
Garten-Sämereien, da diejenigen, welche man bei den Producten-Händlern
kauft, schlechtes Zeug sind; überdies sind letztere in Packete gepackt,
die man nicht eher öffnen darf, als nachdem man dafür bezahlt hat, und
leider pflegt man, wie es uns gegangen ist, nichts als Spreu, leere
Hülsen und wurmstichige Samen für sein Geld zu erhalten. Dies ist,
es thut mir leid, es sagen zu müssen, eine Betrügerei, die sich die
Yankies erlauben; wiewohl ich nicht zweifle daß John Bull (die gemeinen
Engländer) bei sich darbietender Gelegenheit das Nämliche thun würde,
denn Spitzbuben und Betrüger giebt es überall unter der Sonne.
Was Hausgeräth und schwere Artikel aller Art anlangt, so thut man wohl,
so wenig als möglich mit zu nehmen. Eisen-Waare ist hier nicht theuer,
oder vielleicht eben so wohlfeil als zu Hause, und oft dem hiesigen
Bedarf angemessener als die, welche man mit sich bringt; übrigens ist
alles Landfuhrwerk theuer.
Wir verloren ein großes Packet Werkzeuge und waren nie im Stande,
es von den Spediteurs wieder zu erhalten, wiewohl wir die Fracht im
Voraus zu Prescot bezahlen mußten. Das Beste ist daher, seine Güter zu
versichern, in welchem Fall der Spediteur dafür verantwortlich ist.
Sie fragen mich, »ob Gewürze und andre zur Nahrung gehörige
Haushalt-Artikel theuer oder wohlfeil sind?«
Dies ist je nach Ortslage und andern Umständen verschieden. In Städten
und Dörfern, welche in längst urbargemachten Distrikten des Landes und
nahe an Seen und schiffbaren Flüssen liegen, sind sie wohlfeiler als in
der Heimath; allein in neu begründeten, von der Wasser-Communication
entfernten Gemeinde-Bezirken, wo die Straßen schlecht sind, und
mithin der Gütertransport theuer ist, muß man fast das Doppelte dafür
bezahlen. Wo die Production dem Bedarf nicht gewachsen ist, zufolge
der Ansiedlung neuer Emigranten in spärlich angebauten Distrikten,
oder andrer Ursachen, werden alle Nahrungsmittel theuer verkauft, und
lassen sich überhaupt nicht so leicht erlangen. Allein dies sind blos
vorübergehende Uebel, die bald ein Ende haben.
Concurrenz macht die Preise in den canadischen Städten eben so gut
sinken, als in England, und man kauft jetzt Güter aller Art ziemlich
eben so wohlfeil als in der Heimath.«
Wo Preise von örtlichen Umständen abhängen, kann man keinen festen
Maaßstab geben; da das, was von der einen Stadt gilt, nicht auch auf
eine andre angewendet werden kann, und eine beständige Veränderung in
allen bebauten oder halbbebauten Gemeinde-Bezirken vor sich geht. Auf
gleiche Weise sind die Vieh-Preise sehr verschieden, sie sind niedriger
in alten Ansiedlungen, und dies vorzüglich auf der amerikanischen Seite
des Flusses oder der Seen, im Vergleich zu denen in den beiden Canadas
(Unter- und Ober-Canada)[38].
»Welche Eigenschaften muß die Frau eines Ansiedlers besitzen? welches
sind die gewöhnlichen Beschäftigungen des weiblichen Theils der
Familie?« Sind Ihre nächsten Fragen.«
Auf die erste erwiedre ich: -- Die Frau eines Ansiedlers muß thätig,
fleißig, gewandt, erfinderisch und heitrer Laune sein; sie darf sich
keiner Arbeit in der Hauswirthschaft scheuen, und nicht zu stolz sein,
um den Rath und die Erfahrung älterer Mitglieder der Gemeinde zu
verschmähen, von denen sie manche treffliche Lehre praktischer Weisheit
erhalten können.
Gleich jenem Muster aller guten Hausweiber, welches die kluge Mutter
König _Lemuel's_ beschreibt, sollte man von der Gattin des Emigranten
sagen können, »Sie legte ihre eine Hand an die Spindel und hielt mit
der andern den Rocken, sie suchte Wolle und Flachs und arbeitete willig
mit ihren Händen, sie besorgte fleißig ihre Wirthschaft und aß ihr Brod
nicht umsonst.«
Nichts spricht für einen größern Grad von gesundem Verstand und guten
Gesinnungen als heitre und willige Fügung in die Umstände, wie sehr sie
auch im Vergleich zu einem früheren Loose zurückstehen mögen; gewiß
wird Niemand, der so fühlt und denkt, wie er fühlen und denken sollte,
ein Frauenzimmer, wie zärtlich und vornehm es auch immer erzogen sein
mag, deswegen verachten, weil es in den neuen Lebensverhältnissen, zu
welchen es zu berufen, es Gott gefallen hat, redlich seine Pflicht
erfüllt. Seitdem ich in dieses Land gekommen bin, habe ich die
wohlerzognen, höchst gebildeten Töchter und Weiber von Männern, --
sowohl See- als Land-Offizieren -- keineswegs niedern Ranges, kennen
gelernt, die ihre eignen Kühe melken, ihre eigne Butter bereiten und
Arbeiten im Hauswesen verrichten, wozu sich wenige Pächter-Weiber
verstanden haben würden. Anstatt diese nützlichen Beschäftigungen
zu verachten, suchen manche Emigranten-Frauen vielmehr ihren Stolz
darin, sich einiger Geschicklichkeit in dergleichen Dingen rühmen zu
können. Je weniger dummen Stolz, und je mehr praktische Kenntnisse eine
Emigrantin mit sich bringt, desto eher darf sie und ihre Familie auf
häusliches Glück und Gedeihen rechnen.
Ich bedaure, bemerken zu müssen, daß in manchen Fällen die weiblichen
Familien-Glieder, welche hierher gekommen sind, sich dem Trübsinn
hingeben und dadurch die Harmonie ihres häuslichen Heerdes stören und
die Energie ihrer Gatten und Brüder durch beständige nutzlose Klagen
herabstimmen. Haben sie sich einmal entschlossen, ihren Gatten oder
Freunden in dieses Land zu folgen, so wird es weiser und besser sein,
sich mit gutem Anstand in die Umstände zu schicken und durch redliche
Erfüllung ihrer Pflicht die Bürde der Auswandrung erträglich zu machen.
Eine arme Frau, die über das Elend des Landes klagte, mußte doch
anerkennen, daß ihre Aussichten viel besser wären, als sie jemals in
der alten Heimath gewesen. Was war denn aber eigentlich die Ursache
ihrer Klagen und ihrer Unzufriedenheit? Ich konnte mich kaum des
Lächelns enthalten, als sie sagte, daß sie Sonnabend Abends nicht
mehr in den Material-Laden gehen könne, um für das Wochenlohn ihres
Mannes die nöthigen Einkäufe zu machen und ein wenig mit ihren Nachbarn
zu plaudern, während der Krämer seine Kunden bediene, -- denn es
gäbe ja leider im Busche keinen Kramladen, und sie sei so zu sagen
lebendig-todt. Wenn Mrs. N. N. (mit der sie beiläufig gesagt, so lange
sie unter einem Dache lebten, beständig zankte,) um sie gewesen, so
habe sie sich doch nicht so ganz allein gefühlt.
Also aus Liebe zu einem gelegentlichen Geplauder, wobei sie sich
mit dem Ellenbogen auf dem Verkauftisch eines Dorfkramladens legen
konnte, wollte diese alberne Frau die Vortheile, die wirklichen
sichern Vortheile, aufgeben, Land, Vieh und Geflügel, gute Nahrung,
eignes Obdach und Kleidung zu besitzen, und alles dies als die Frucht
angestrengter einige wenige Jahre hindurch dauernder Arbeit, der
sie sich, wie ihr Mann klüglich bemerkte, in der Heimath ebenfalls
hätte unterziehen müssen, und zwar mit keinem andern Ziel als ein
durch Armuth getrübtes Alter, oder allenfalls eine Zuflucht gegen
Hungerleiden in dem Arbeitshause ihres Kirchsprengels, im Auge.
Die weiblichen Glieder der mittlern oder bessern Klasse anlangend,
so können sie den geselligen Kreis von Freunden und Verwandten,
von denen sie, vielleicht auf immer, geschieden sind, nicht aus
den Gedanken bringen; sie seufzen nach den kleinen häuslichen, von
Eleganz und Verfeinerung des Lebens zeugenden Bequemlichkeiten, die
sie in der Heimath um sich zu sehen gewohnt waren. Sie haben jetzt
wenig oder keine Zeit für dergleichen Einrichtungen, die ihnen
sowohl Beschäftigung als Unterhaltung gewährten. Die ihnen jetzt
obliegenden Thätigkeiten sind von andrer Art: sie müssen im Zucker-
und Seife-Sieden, im Bereiten und Backen großer Brode im Backkessel,
wofern sie nicht so glücklich sind, einen steinernen oder Lehm-Ofen
zu besitzen, Geschicklichkeit und Erfahrung erwerben. Die Hausfrau
muß sich mit der Hefenbereitung aus Hopfen für ihr Gebäck, mit dem
Einsalzen von Fleisch und Fischen vertraut machen, sie muß Strümpfe,
Handschuhe und dergleichen stricken, Garn mit dem großen Rade (dem
französisch-canadischen Spinn-Rade) spinnen, das Garn färben und zu
Tuch und bunten Flanellen für Gatten und Kinder verweben, die Kleider
für sich selbst, für Gatten und Kinder verfertigen lernen; denn im
Busche giebt es weder Herren- noch Damen-Schneider.
Die Besorgung des Federviehs und der Milch-Wirthschaft darf nicht
übergangen werden; denn hier zu Lande befolgt man meistens die irische
oder schottische Methode, das ist, die Milch zu buttern, ein Verfahren,
welches in unserm Theil von England unbekannt war. Ich meines Theils
bin geneigt, der Rahm-Butter den Vorzug zu geben, mir scheint Letztres
ökonomischer, man müßte denn irische oder schottische Dienstleute
haben, welche Buttermilch der süßen Milch vorziehen.
Gewiß hat jede von beiden Methoden ihre besondern Vortheile. Die
Behandlung der Kälber ist hier sehr verschieden. Einige Ansiedler
nehmen das Kalb gleich nach seiner Geburt von der Mutter und lassen es
gar nicht saugen, das arme Thierchen muß die ersten vierundzwanzig
Stunden hindurch fasten und wird hierauf mittels der Finger mit
abgerahmter Milch gefüttert, die es bald mit großer Begierde zu sich
nehmen lernt. Ich habe auf diese Weise Kälber sehr gut gedeihen
sehen und bin Willens, den nämlichen Plan, als den am wenigsten
beschwerlichen, zu verfolgen.