Gebrauch: sie lassen das Kalb nämlich so lange saugen, bis es ein
halbes Jahr alt ist, in der Meinung, daß dann sichrer auf den
Milch-Ertrag der Kuh zu zählen sei; da diese andernfalls bisweilen,
vorzüglich wenn das Gras in der Nähe der Wohnstätte spärlich wächst,
oft tagelang in den Wäldern umherschweift, und man nicht nur die
Benutzung der Milch verliert, sondern auch die Kuh, wegen der starken
Ausdehnung des Euters, sich leicht wesentlich verletzt und dadurch
wenigstens auf die Dauer der Melkezeit unbrauchbar wird. Meiner Meinung
nach würde es zur Vermeidung dieses Unfalls gut sein, wenn man seinem
Vieh in der Nähe des Melk-Ortes regelmäßig etwas Salz und eine kleine
Quantität Futter, wenn auch noch so wenig, gäbe, weil sie dann selten
lange ausbleiben würde. Kartoffel-Abgänge, die Blätter der alltäglichen
Garten-Gemüse, nebst den obersten Schößlingen des indianischen Korns,
welche man abschneidet, um das Bestocken der Pflanze zu befördern,
bilden ein lockendes Futter für die Kühe und sichern ihre Rückkehr. Im
Herbst und Winter, befördern Kürbisse, Korn, Stroh oder irgend eine
andre Futter-Art, die man gerade vorräthig hat, nebst dem Laube, das
man von den gefällten Bäumen und Buschwerk erhält, ihr Gedeihen.
Den zu entwöhnenden Kälbern muß man abgerahmte Milch oder Buttermilch,
nebst den laubigen Zweigen des Ahorns, wonach sie sehr begierig sind,
geben. Ein warmer Schuppen oder eingefriedigter Hofraum ist dem Vieh
während der strengen Winter-Monate durchaus nöthig; dies läßt man
zu häufig unbeachtet, vorzüglich in neuen Ansiedlungen, und daher
trifft gar manchen Ansiedler der Unfall, daß er sein Vieh entweder
durch Krankheit oder Kälte verliert. Von Natur ist das canadische Vieh
sehr robust und hart, und trotzt, wofern man ihm nur einige Sorgfalt
angedeihen läßt, selbst dem strengsten Winter; allein zufolge der
Schwierigkeiten, welche sich einer ersten Ansiedlung im Busche entgegen
stellen, sind die armen Thiere oft dem Hunger und der heftigen Kälte
ausgesetzt, was ihnen eine, oft verderbliche Krankheit »_Hohl-Horn_«
(^Hollow Horn^) genannt, zuzieht.
Diese Krankheit geht vom Rückgrat aus und wird dadurch gelindert, daß
man das Horn anbohrt und in die Oeffnung Terpentin, Pfeffer oder andre
erhitzende Substanzen einführt.
Hat ein neuer Ankömmling kein Winter-Futter für sein Vieh, so thut
er sehr wohl, es mit dem Eintritt des Herbstes zu verkaufen und im
nächsten Frühjahr neues anzuschaffen; und wiewohl dies als ein Verlust
erscheinen dürfte, so ist dieser doch gewiß weit geringer, als wenn man
dasselbe ganz und gar verlöre. Diesen Plan befolgte mein Gatte, und wir
befanden ihn entschieden vortheilhaft und ersparten uns überdies manche
Sorge, Störung und Plackerei.
Es sind mir einige gute Sorten hiesiger Käse zu Gesicht gekommen, die
in der That alles Lob verdienen, insonderheit unsre Grasweide den
brittischen Triften bei weitem nicht gleich kommt. Ich will hierin
meine Geschicklichkeit nächsten Sommer versuchen; wer weiß, ob ich dann
nicht einen canadischen Barden bestimmen dürfte, das Erzeugniß meiner
Milcherei eben so zu verherrlichen, wie _Blumfield_ den Suffolk-Käse,
_Bang_ zubenamt, verherrlicht hat. Sie erinnern sich doch der Stelle?
-- Denn _Blumfield_ ist so gut Ihr Landsmann als der meinige -- sie
beginnt folgender Maaßen: --
»Noch unerreicht o Giles ist dein Käse« u. s. w. Ich bin etwas lange bei
der Milchwirthschaft stehen geblieben, da ich weiß, daß Sie alles, was
Sie darüber erfahren können, Ihren Freundinnen mittheilen werden.
Sie ersuchen mich ferner um einige Nachrichten über die Cultur des
indianischen Korns, (Mais) und wünschen zu wissen, ob es eine nützliche
und einträgliche Getraidefrucht ist.
Der Anbau des indianischen Korns auf neu gelichtetem Boden ist sehr
leicht und von wenig Arbeit begleitet; auf alten Feldern bedarf es
deren mehr. Die Erde wird mit einer breiten Hacke geöffnet, und drei
oder vier Körner werden, nebst einem Kürbißsamen ungefähr in jedes
dritte oder vierte Loch, und in abwechselnden Reihen, eingestreut;
die Löcher müssen mehre Fuß von einander abstehen. Kürbisse und Korn
wachsen ganz verträglich mit einander auf, die breiten Blätter der
erstern beschatten die jungen Kornpflänzchen und verhindern die zu
große Verdünstung der Feuchtigkeit vom Boden; ihre Wurzeln verbreiten
sich nicht allzuweit, so daß sie dem Korn nur sehr wenig Nahrung
entziehen. Die eine Pflanze rankt sich zu einer erstaunlichen Länge an
der Erde hin, während die andre mehre Fuß hoch darüber emporschießt.
Sobald das Korn anfängt, sich zu verästeln, muß man den Boden nochmals
durchschaufeln, um mehr Erdreich an die Wurzeln zu bringen, und
außerdem das der Saat nachtheilige Unkraut ausjäten. Dies ist die
ganze Arbeit, bis sich die Aehre anfängt zu bilden, wo die tauben und
schwachen Schößlinge abgebrochen und nur vier oder fünf der kräftigsten
und fruchtbarsten übrig gelassen werden. Sobald die seidenartigen Fäden
braun werden und absterben, muß man sie entfernen, damit alle Nahrung
den Körnern zufließe.
Wir hatten in letztem Sommer ein merkwürdiges Beispiel von Ruß an
unserm Korn, die kranken Kolben hatten große weiße Blasen (Blattern),
so dick wie kleine Bovist oder große Haselnüsse, und diese waren,
als man sie aufbrach, mit einer tintenartigen schwarzen Flüssigkeit
gefüllt. An den nämlichen Pflanzen konnte man eine regelwiedrige
Befruchtung wahrnehmen: dem Kolben fehlten die Körner, welche durch
einen eigenthümlichen Zufall auf die Quaste oder männlichen Blumen
versetzt waren. Botaniker mögen die Ursache dieser seltsamen Abweichung
von der Regel erklären, ich berichte blos die Thatsachen. Ich konnte
nicht erfahren, ob der Ruß eine dem indianischen Korn gewöhnliche
Krankheit ist, aber im letzten Jahre kam derselbe, hier zu Lande und
vorzüglich in unsrer Gegend auch Staub-Kleien (^dust-bran^) genannt,
an der Gerste und dem Weizen ziemlich häufig vor; überhaupt ist zu
bemerken, das Staaten auf neu urbar gemachtem Boden dieser Krankheit am
meisten ausgesetzt sind[39].
Die reifen Körner werden entweder von dem Kolben abgeklaubt, wie
die Bohnen oder Erbsen bei uns, oder man reiht und flicht die
Kolben an Stränge wie die Zwiebeln und hängt sie an Stangen oder an
den Dachsparren auf den Getraide-Böden und in den Scheunen auf.
Das Abstreifen der Körner von den Kolben giebt zu einer geselligen
Versammlung Anlaß, welche ^husking bee^ (die enthülsende Biene) heißt
und, wie alle übrige Bienen, von den Yankies herrührt, gegenwärtig aber
unter der unabhängigeren und bessern Ansiedler-Klasse nicht mehr so
häufig wie früher stattfindet.
Das indianische Korn ist eine zarte und etwas unsichre Saat; jung
leidet es häufig durch Frost, daher man es nie vor dem 20. Mai oder
zu Anfange Junis säet, und selbst dann ist es noch nicht ganz sicher,
auch hat es manche Feinde, als Bäre, Waschbäre, Eichhörnchen, Mäuse
und Vögel und ist eine große Lockung für umherschweifendes Vieh, das,
um dazu zu gelangen, selbst Einfriedigungen von hölzernen Pfählen,
spanische Reiter und andre dergleichen Dinge, die man zum Schutz der
Saat aufgestellt hat, umstürzt.
Selbst in Canada bedarf diese Getraide-Art einen heißen Sommer, um
zur vollkommnen Reife zu gelangen. Daher glaube ich, daß _Cobbett_
unrecht hatte, als er den englischen Landmann zum Anbau im Vaterlande
das indianische Korn als eine sehr einträgliche Getraide-Frucht
empfahl. Sehr einträglich und mehlreich ist es bei uns jeden Falls,
indem es für alle Arten körnerfressender Thiere eine sehr reiche und
angenehme Nahrung abgiebt, und zwar selbst so lange es noch grün ist,
und in reifem oder halbreifem Zustande zur Mästung der Hausthiere und
Fütterung der Last-Ochsen sich trefflich eignet.
Der letzte Sommer war sehr günstig, die Saat gedieh auf das Ueppigste,
leider aber hatten nur wenige Ansiedler, in Folge des Mißrathens in
den beiden vorhergehenden Jahren, diese Getraide-Art angebaut. Unser
kleines Fleckchen lieferte eine reiche Ernte. Das Mehl giebt einen
nahrhaften Brei, von den Amerikanern »_Supporne_« genannt, er wird mit
Wasser bereitet, und mit Milch genossen, oder auch mit Milch vermischt.
Er muß lange kochen. Brod wird nur selten oder niemals ohne einen
reichlichen Zusatz von feinem Weizen- und Brod-Mehl daraus gebacken.
Was die Cultur andrer Getraide-Sorten anlangt, so kann ich
Ihnen darüber nichts mittheilen, was Sie nicht in jedem Werke
über Auswanderung finden. Die Kartoffel wird nicht in Löcher
gesteckt, sondern in kleine Erdhügel, die man darüber häufelt, die
Kartoffelfelder müssen durchschaufelt und von Unkraut gereinigt werden.
Was den gewöhnlichen Betrag der Arbeitslöhne anlangt, so richtet sich
derselbe ebenfalls nach der größeren oder geringeren Bevölkerung des
Ortes, wo man sich angesiedelt hat; im Allgemeinen indeß erhält ein
thätiger kräftiger Mann acht bis eilf Dollars monatlich; zehn Dollars
also könnte man als Durchschnitts-Summe annehmen, junge Bursche
(Handlanger) erhalten vier bis sechs, und weibliche Dienstboten
drei bis vier Dollars. Man kann auch junge Mädchen von neun bis
zwölf Jahren blos für Kleidung und Kost in Dienste nehmen, allein
dies ist keineswegs ein Ersparniß, da Kleider und Schuhe sehr bald
zerrissen sind und durch neue ersetzt werden müssen. Ein starkes
Mädchen vermiethet sich für zwei bis drittehalb Dollars monatlich
und arbeitet, wird es verlangt, auch auf dem Felde, wo sie Korn und
Kartoffeln behäufelt und jätet, in der Ernte die Garben binden hilft
u. s. w. Ich habe ein sehr gutes Mädchen, die Tochter eines Emigranten
von Wiltshire; sie ist sauber und verständig, höflich und fleißig, und
erhält dabei nur drei Dollars monatlich; sie gehört zu den glücklichen
Beispielen aus der niedern Klasse englischer Auswandrer, und ihre
Familie kann für den Bezirk, worin sie lebt, als ein wahrer Gewinn
betrachtet werden.
Ich glaube jetzt alle Ihre Fragen nach meiner besten Ueberzeugung
beantwortet zu haben. Allein ich erinnere dabei, daß meine Erfahrung
sich blos auf einen kleinen Theil der Gemeinde-Bezirke längs den
Otanabee-Seen beschränkt, mithin darf mein Bericht hinsichtlich seiner
Gültigkeit blos als örtlich gelten. Die Sachen können sich in andern
Distrikten der Provinz anders verhalten, wenn sie auch vielleicht nicht
wesentlich verschieden sind.
Ich muß Ihnen jetzt Lebewohl sagen. Sollten Sie sich jemals veranlaßt
fühlen, Ihr Glück diesseits des atlandischen Oceans zu versuchen, so
versichere ich Sie im Voraus des herzlichsten Empfanges in unserm
canadischen Hause.
Ihre Ihnen aufrichtig ergebne Freundin.
Fußnoten:
[38] Die Einfuhr-Zölle von Gütern in den beiden Canadas sind äußerst
gering, woraus sich der Umstand erklärt, daß man daselbst manche
Verbrauchs-Artikel an Orten, wo sich ihrem Transport keine erheblichen
Schwierigkeiten von Seiten der Straßen entgegenstellen, weit billiger
kaufen kann als in England; in den Urwäldern, wo man kaum angefangen
hat, Straßen anzulegen, ist wegen des theuren Transports der größern
Mäklerzahl, des größern Capital-Werthes und des damit in Verhältniß
stehenden höhern Local-Profites, u. s. w. alles weit theurer ist; was
sich jedoch mit der fortschreitenden Cultur des Bodens ändern wird.
[39] Die hauptsächlichsten Krankheiten, wovon die Getreide-Pflanzen
heimgesucht werden, sind Mehlthau, Brand (Schimmel), und Ruß. Die
Untersuchung und Behandlung dieser Krankheit ist für Schriftsteller
über Landwirthschaft ein ergiebiges Feld gewesen. Indeß scheint das
Publikum von ihren subtilen Forschungen noch keinen erheblichen
Nutzen geerntet zu haben, und ein Autor von vorzüglichem Ansehn und
Gewicht behauptet sogar, daß im Verhältniß zu der über den fraglichen
Gegenstand verschwendeten Wortmenge die Schwierigkeiten in Betreff
seiner Aufklärung sich vermehrt hätten.
Brand ist eine Krankheit, welcher bekanntlich die Cerealien seit den
frühesten Zeiten unterworfen gewesen sind. Bei den alten Griechen
galt derselbe als ein Zeichen des Zorns der Götter, und so oft er
vorkam, überließen sie sich der Klage und Trauer, ohne auf ein Mittel
zur Abhülfe bedacht zu sein. Derselbe Aberglaube herrschte unter den
Römern, die der Meinung waren, daß das Uebel, welches sie ^rubigo^
(Rost) nannten, unter der Controlle einer besondern Gottheit, Namens
_Rubigus_, stehe, daher sie diesem zu Gunsten ihrer Saaten fortwährend
opferten.
Brand und Mehlthau sind von verschiednen Schriftstellern über
Landwirthschaft häufig mit einander verwechselt worden, so daß es
zweifelhaft ist, welcher Klasse von Erscheinungen jeder von beiden
Namen eigentlich zukommt, oder ob beide überhaupt nicht für eine
und dieselbe zu verschiednen Perioden des Wachsthums der Pflanze
vorkommende Krankheit anwendbar sind. Da wir nicht gern auf streitigen
Boden treten mögen, was nothwendiger Weise der Fall sein würde,
wenn wir uns in Erörterung eines, trotz allen darüber geschriebnen
mühevollen Abhandlungen, verworrenen und dunkeln Gegenstandes einlassen
wollten, so werden wir hier die Formen, welche die Krankheit annehmen,
nebst ihren übeln Folgen kurz und deutlich beschreiben, deren
Klassifikation aber andern geschickteren Federn überlassen.
Die Ursachen sind, wie die kundigsten Männer behaupten, dreierlei,
nämlich: Kälte und besonders kalte Winde, böse Dünste und die
Verbreitung eines Schimmelpilzes. Die erstere der erwähnten Ursachen
hindert den Umlauf der Säfte in der Pflanze; die der Nahrung beraubten
Blätter welken und sterben ab, die Säfte treiben die Gefäße auf,
worin sie sich befinden, zersprengen sie und werden die Nahrung von
Millionen kleiner Insekten. Diese finden sich so unbegreiflich schnell
ein, daß man sie mehr für die Ursache, als die Folge der Krankheit
angesehen hat. Die zweite Ursache wirkt vorzüglich, wenn das Getraide
bereits völlig ausgewachsen ist, und man hat beobachtet, daß sie sich
besonders nach schweren Regengüssen des Nachmittags zeigte, auf welche
sogleich heller Sonnenschein folgte. Dies ist der Fall gewöhnlich
um die Mitte oder zu Ende Julis. Die Krankheit befällt entweder die
Blätter oder den Stengel der Pflanze, die mit gebrochenen Linien von
schwarzer oder dunkelbrauner Farbe bedeckt zu sein scheint. Viele
Naturforscher schreiben sie allein einer Art Schimmelpilz zu, die in
dem Pflanzenstengel wurzele und die den Getraidekörnern bestimmte
Nahrung entziehe. Die kleinen Samen dieses parasitischen Gewächses,
das die Krankheit des Getraides verursacht, sind so leicht, daß sie
vom Winde in große Entfernung getragen werden. Diese Schimmelpilze
wachsen überdies außerordentlich schnell, indem sie nach den genauen
Beobachtungen des Engländers _Joseph Banks_ in warmem Wetter nicht mehr
als eine Woche brauchen, um einzuwurzeln und bereits wieder Samen zu
treiben. Auf jedem Punkte des Halmes, wo sie sich einnisten, wachsen
zwanzig bis vierundzwanzig solcher Pilze, und man kann sich daraus eine
Vorstellung machen, wie groß die Vermehrung sein mag. Wie alle andre
Pilze und Schwämme, gedeiht auch diese verderbliche Art am besten an
schattigen, feuchten Orten, und deshalb ist eins der besten Mittel,
das Getraide vor ihr zu bewahren, dasselbe nicht zu dicht zu säen,
desgleichen muß man für hinreichenden Luftzug sorgen und daher die
Hecken und Einfriedigungen niedrig halten.
Mr. _Loudon_ berichtet, daß im Sommer 1809 ein Weizenfeld auf mehr
leichtem und sandigem Boden mit allem Anschein von Gedeihen empor
und auch in die Aehre kam und alle Aussicht zu einer guten Ernte
gab. Ungefähr zu Anfange Julis schien es alles zu übertreffen, was
man von einem dergleichen Boden erwarten konnte. Eine Woche später
war ein Theil der Saat auf der Ostseite des Feldes, im Betrag von
mehren Morgen, völlig verdorben, die Pflanzen waren über die Hälfte
ihrer früheren Größe eingeschrumpft und so welk und versengt, daß sie
nicht zu demselben Felde zu gehören schienen. Der übrige Theil der
Saat gedieh vollkommen gut. Man hat oft behauptet und lange Zeit auch
geglaubt, daß die Nähe von Berberisbeersträuchern der Saat nachtheilig
sei, indem sie schädliche Pilze anziehen, allein jetzt gilt dies
allgemein für ein Mährchen.
Der Same von Pflanzen, die an Mehlthau litten, eignet sich der
Erfahrung gemäß zur Aussaat vollkommen, und da er kleiner als gesundes
Korn ist, so bedarf es zu diesem Behuf eines kleineren Maaßes.
Eine andre böse Krankheit, welche das Getraide befällt, ist unter
dem bezeichnenden Namen »_Ruß_« bekannt, dieses Uebel besteht in
Verwandlung des Mehls in ein rußiges Pulver, das mehr oder weniger
schwarz und dem Geruch zuwider ist. Einige Schriftsteller unterscheiden
zwei Modificationen der fraglichen Krankheit und nennen die eine _Ruß_,
die andre _Getraide-Brand_ (Brand, verbranntes Getraide). _Mills_ hat
in seinem System der praktischen Landwirthschaft folgenden Unterschied
zwischen beiden aufgestellt. »_Ruß_, eigentlich so genannt, bewirkt
einen völligen Verlust der davon befallenen (inficirten) Aehren, da
aber das schwarze Pulver, welches er erzeugt, sehr fein ist, und die
Körner desselben nicht zusammenhalten, so werden sie von Wind und
Regen leicht fortgeführt, so daß der Landmann nicht viel mehr als das
blose Stroh unter Dach und Fach bringt, welches aber die gesunden
Körner nicht ansteckt und kaum ihr Mehl beschädigt. Das _brandige_ oder
_cariöse_ Getraide dagegen, das oft zugleich mit dem gesunden Korn
eingefahren und aufgespeichert wird, theilt letzterem seine Krankheit
mit, macht sein Mehl braun und giebt ihm einen schlechten Geruch.« Der
Name, mit welchem diese Krankheit von den Römern bezeichnet wurde, ist
ustilago; die französischen Landleute nennen sie ^charbon^ (Kohle).
Wenn man einen Theil des schwarzen Pulvers mit Wasser anfeuchtet und
dann unter das Mikroscop bringt, so sieht man, daß es Myriaden kleiner
durchsichtiger und augenscheinlich von einem dünnen Häutchen umgebner
Kügelchen sind. Die Ursache des Uebels suchen einige Forscher in dem
Boden, in welchen das Korn gesäet worden ist; andere schreiben es dem
Wuchern eines kleinen Pilzes innerhalb der Aehre zu; noch andre endlich
behaupten, es beruhe auf einem krankhaften Zustande des Samens, aus
welchem die Pflanze hervorgegangen ist. Das Ergebniß verschiedner
Versuche, wo man verschiedne Samen in denselben Boden säete, und allen
dieselbe Behandlung angedeihen ließ, scheinen der letzten Hypothese das
Wort zu reden.
Zwölfter Brief.
Eine »Klafter-Biene.« -- Verbrennung der geklafterten Haufen. --
Wirthschafts-System. -- Preis des Weizens im Vergleich zu dem
Arbeitslohn. -- Wahl des Bodens und verhältnißmäßige Vortheile.
-- Lichtung des Bodens. -- Orcan in den Wäldern. -- Veränderliche
Witterung. -- Insekten. --
November 2, 1833.
Vielen, vielen Dank Theuerste Mutter für den Inhalt der Schachtel, die
im August anlangte. Ich war voller Freude über die niedlichen Mützchen
und gewirkten Käppchen, die Sie mir für mein Knäbchen gesendet haben,
der kleine Kerl nimmt sich in seinem Anzuge ganz allerliebst aus, ja
ich möchte behaupten, er sei sich der Vermehrung seiner Garderobe
bewußt, so stolz scheint er auf seine neuen Kleider. Er wird recht
rund und lebhaft, und Sie können sich wohl vorstellen, mit welcher
Zärtlichkeit und welchem Gefühl von Stolz das Herz seiner närrischen
Mutter an ihm hängt.
Sein Papa, der ihn eben so sehr liebt, als ich, lacht oft über meine
grenzenlose Zärtlichkeit und frägt mich, ob ich ihn nicht für das
neunte Wunder der Welt halte; er hat auf dem Hand-Schlitten für ihn
einen Kasten befestigt, der nicht viel besser ist als eine Theekiste,
und mit einem schwarzen Bärenfell gefüttert; hierin sitzt der kleine
Bursche ganz behaglich und hat sich schon mancher Fahrt über den
gefrornen Boden erfreut.
Nichts konnte uns erwünschter kommen als das Legat meines Onkels, es
hat uns in den Stand gesetzt, manchen nützlichen Ankauf für unsre
Meierei zu machen, was andernfalls erst nach Verlauf manches Jährchens
würde haben geschehen können. Für einen Theil davon haben wir ein
Stück Land gekauft, welches nicht weit von unserm Hause liegt. Die
Beschaffenheit dieser neuen Parzelle ist vortrefflich und erhöht durch
ihre Lage den Werth des ganzen Besitzthums.
Mit dem Verbrennen der gefällten und geklafterten, das ist, der Länge
nach gespaltenen und mittels Ochsen in Haufen vereinigten Bäume auf dem
gelichteten Boden kamen wir in diesem Sommer trefflich zu Stande. Um
schneller damit fertig zu werden, ruften wir eine Biene (^logging-bee^)
zusammen. Viele Ansiedler folgten unsrer Aufforderung und eilten uns
mit Ochsen und Leuten zu Hülfe. Nachdem dies vorüber, das ist, das Holz
geklaftert war, setzte mein Gatte mit Hülfe der männlichen Dienstleute
die gewaltigen Haufen in Flammen, und ein prächtiges Schauspiel war
es, rings umher den verheerenden Brand zu sehen. Ich war anfangs etwas
unruhig und besorgt, indem einige Holzstöße sich unserm Hause ziemlich
nahe befanden, indeß braucht man stets die Vorsicht, sie nur, wenn der
Wind in der Richtung vom Hause abwärts bläst, anzuzünden. Es haben
sich bisweilen Unfälle ereignet, allein sie kommen doch weit seltner
vor, als man erwarten sollte, wenn man das leichte Umsichgreifen
und die Wuth des furchtbaren Elements bei dergleichen Gelegenheiten
berücksichtigt.
Ist das Wetter sehr trocken, und bläst ein scharfer Wind, so
schreitet das Werk der Zerstörung mit erstaunlicher Schnelligkeit
vorwärts; bisweilen theilt sich das Feuer dem Forste mit und läuft
über mehre hundert Morgen weg. Dies gilt als kein günstiger Umstand
für Lichtung und Urbarmachung des Bodens, da die Flammen das Gebüsch
und weiche leichte Holz verzehren, was zur Sicherung eines guten
Brandes beiträgt. Bei alle dem ist es ein prächtiger Anblick, die
flammenden Bäume zu sehen und die grauenvollen Fortschritte des um
sich greifenden, alles verzehrenden und den Waldwuchs auf mehre Jahre
vernichtenden Elementes zu beobachten.
Ist der Boden sehr trocken, so läuft das Feuer in allen Richtungen
darüber, das dürre Laub, Reisig und die Wurzeln zerstörend. In
der Nacht ist die Wirkung noch sichtbarer; bisweilen weht der
Wind brennende Reiser und dergleichen in die hohlen Fichten und
verwitternden Stummel, diese fangen sehr bald Feuer und bieten dem
Auge ein Schauspiel dar, welches äußerst schön und seltsam ist.
Feuer-Säulen, deren Basis in dichte Rauchwirbel gehüllt ist, zeigen
sich in jeder Richtung und senden dichte Funken-Schauer aufwärts,
welche, durch den Wind umhergewirbelt, wie Schwärmer und Feuer-Räder
erscheinen. Einige von diesen hohen Stummeln nehmen sich, wenn das
Feuer ihre Spitze erreicht hat, wie Gaslaternen-Pfähle aus. Das Feuer
dauert bisweilen tagelang nach einander fort.
Nachdem es erlöscht ist, werden die Brändte gesammelt, in Haufen gelegt
und nachmals angezündet; und so befremdend es Ihnen vorkommen mag, --
ich möchte behaupten, es gebe kein interessanteres und aufregenderes
Werk als das Errichten der Holzhaufen, das Aufstören und Einschließen
der sterbenden Flammen und ihre Ernährung durch frisches Brennmaterial.
Es finden stets zwei dergleichen Verbrennungen statt, zuerst nehmlich
werden die Reisighaufen, welche den Winter über unversehrt gelegen
haben, nachdem sie durch die trocknenden Stürme und die heiße April-
und Mai-Sonne gehörig ausgedörrt sind, in Flammen gesetzt; dies
geschieht jedesmal vor Klafterung der Baumstämme.
Ist das Wetter trocken und bläst ein lebhafter Wind, so wird viel
von dem leichteren Holze verzehrt, und die größeren Bäume werden zu
gleicher Zeit zerkleinert. Nachdem dies vorüber ist, wird das Uebrige
für das zweite Feuer gefällt, geschnitten und gehäuft; endlich sammelt
man die Brändte und unverzehrten Ueberbleibsel, um sie ebenfalls
dem Feuer zu überliefern, bis der Boden von allen Hindernissen, mit
Ausnahme der Baumstummel, welche selten mit verbrennen und mehre Jahre
hindurch ein wahrer Dorn für das Auge bleiben, befreit ist. Hierauf
wird die Asche umher gestreut und das Feld mit gespaltnen Baumstämmen
eingefriedigt -- der Boden ist jetzt gelichtet und urbar.
Unsre Aussaat in diesem Jahre besteht in Hafer, indianischem Korn,
Kürbissen, Kartoffeln und etwas weißen Rüben; nächsten Herbst werden
wir Weizen, Roggen, Kartoffeln und indianisches Korn haben, und dadurch
im Stande sein, unsern Viehstand zu vermehren. Gegenwärtig haben
wir blos ein Joch Ochsen: _Buck_ und _Bright_, (die Namen von drei
Viertheilen aller Zug-Ochsen in Canada), zwei Kühe, zwei Kälber und
zwei kleine Schweine, zehn Hühner, drei Enten und einen niedlichen
braunen Klepper, welcher aber leider ein so geschickter Springer ist,
daß er fast über jede Einfriedigung wegsetzt, daher wir uns wohl von
ihm werden trennen müssen.