Die verbesserten Regeln des Zisterzienserordens waren besonders beim

weiblichen Geschlecht mit dem Geißeln sehr freigebig. War eine Nonne

gestorben, dann mussten die Schwestern sich noch viele Wochen lang zum

Heil der Seele der Toten den Hintern zerhauen. Dies Geißeln zum Heil der

armen im Fegefeuer schwitzenden Seelen fand in vielen Nonnenklöstern

statt, und auch in Leyden, wie uns der gelehrte aber etwas derbe Marnix

Herr von St. Aedegonde in seinem "Bienenkorb" folgendermaßen erzählt:

"Noch vber alle dise heylsame hülffmittel, haben die liebe andächtige

Schwestern zu Leyden in Holland, vnd in allen Regularissenklöstern, noch

etwas gefunden, das sehr artig ist. Den zwischen Remigy und aller

Heyligentag, nachdem man die Vigilien von neun Lektionen sehr andächtig

hat gesungen, so geht jhre Frau Mater inn eyn finster Kellerlein, mit

eyner Ruten inn der hand, ynnd da kommen die Schwesterlein, eyne vor,

die ander nach, mit dem hintern bloshaupts, ja etliche auch wol gantz

Mutternackend, vnnd legen sich für sie, vnnd empfangen die selige

Disziplin oder züchtigung für die Seelen im Fegfeuer. Dann als manchmal

sie zehen streich empfangen, so manche Seelen fliegen knapp in schnapps

dem Himmel zu, wie die Küe in eyn Mäusloch. Ist das nicht köstlich Ding,

mit Nonnenärssen die Seelen aufplasen? Ei der kräfftigen Nonnenfürz,

welche so feine Blaßbälg inns Fegfeuer geben! Ich denk, die andern

Nonnen, Beginen vnnd Schwestern werdens jnen auch nach thun müssen, vnnd

solls allein wolstandshalben geschehen; auch das es der Pater oftmals

thun muss, wann kein Mater vorhanden ist; denn malet schon der Müller

mit bei tag, so versiehts doch die Müllerin bei nacht."

Sebastian Ammann, der Ex-Prior der Kapuziner, den ich schon früher

erwähnte, gibt eine Beschreibung davon, wie die Geißelung noch in

gegenwärtiger Zeit in den Kapuzinerklöstern angewandt wird. Ich führe es

hier nur an, damit die Leser nicht glauben, dass, was ich erzählte, nur

dem "finsteren Mittelalter" angehöre.

"Die Geißel ist ein Instrument, aus Eisendraht geflochten, ungefähr vier

Schuh lang; ein Teil davon, den man beim Schlagen um die Hand windet,

ist einfach, derjenige aber, mit dem man auf den Leib schlägt, fünffach

geflochten und an den fünf Enden gewöhnlich mit eisernen Zacken

versehen. Die Geißelung geschieht bei den Kapuzinern auf zweierlei Art.

Im Chor nachts bei der Mette heben sie die Kutten auf und klopfen sich

auf den bloßen Steiß, bis der Obere ein Zeichen zum Aufhören gibt. Da

sie keine Hosen tragen, so geht die Szene schnell auf das Kommando vor

sich. In dem Speisezimmer, wo die Geißelung am hellen Tage im Angesicht

aller Konventualen vor sich geht, pflegt sie auf folgende Weise zu

geschehen. Derjenige, welchem die Strafe zuteil wird, muss, bevor er zu

Tische geht, das wollene Hemd (Schweißblätz) und die leinene Schürze

(Mutande), die unter der Kutte getragen werden, ausziehen und so mit den

anderen sich zum Tischgebet einstellen. Nach diesem gehen alle übrigen

zu Tisch; der Sträfling aber wirft sich auf die Knie, legt die Geißel

vor sich hin auf den Boden, fasst mit beiden Händen die Kapuze und zieht

sich die Kutte über den Kopf aus, legt dieselbe vor seine Brust hin, so

dass der vordere Leib bedeckt, der hintere aber ganz nackt ist. In

dieser Lage hält er mit der linken Hand die Kutte und in der rechten die

Geißel.

Auf ein Zeichen, das ihm der Obere gibt, beginnt er laut Bußpsalmen, das

Miserere, De profundis und lateinische Gebete zu sprechen und schlägt

sich so lange auf den nackten Rücken über die Achseln, bis der Obere

zufrieden ist und das Zeichen zum Aufhören gibt. Zwickt sich der

Pönitent mit der Geißel nicht heftig genug, so lässt ihn der Guardian

länger beten und zuschlagen. - Wer noch nicht alles Schamgefühl verloren

hat wie ergraute Kapuziner, der unterzieht sich dieser Operation gewiss

ungern. Dass diese schamlose Handlung Anlass zu der naturwidrigsten

Unzucht gegeben hat, könnte ich jedem mannigfach beweisen, der daran

zweifeln sollte." -

Die Folgen des Zölibats zeigten sich bei den Mönchen auf eine noch

widerlichere Weise als bei den Weltgeistlichen, die durch ihren Verkehr

mit den Menschen doch noch Gelegenheit fanden, den mächtigen

Geschlechtstrieb auf natürliche Weise zu befriedigen. Die strenge Zucht

in vielen Klöstern erschwerte dies aber den Mönchen sehr, und so nahmen

denn bei ihnen die unnatürlichen Laster auf eine schaudererregende Weise

überhand. Die zahlreichen Verbote, keine weiblichen Tiere in

Mönchsklöstern und keine Schoßhündchen in Nonnenklöstern zu leiden,

sprachen laut genug dafür, welche Wege der unterdrückte Geschlechtstrieb

aufsuchte.

Das asketische Leben, die schwächende Diät und der häufige Genuss der

Fische wie auch das Geißeln trugen sehr viel dazu bei, den

"Fleischesteufel" mehr gegen die Mönche als gegen andere Menschenkinder

aufzureizen; und ich sehe eigentlich nicht ein, warum nicht statt des

Zölibatsgesetzes ein anderes gegeben wurde, welches alle Knaben, die

sich dem Klosterleben widmeten, zur Kastration verurteilt. Dann würden

sie Ruhe haben und nicht durch fleischliche Anfechtungen in ihren

frommen Betrachtungen gestört werden und das Familienleben durch ihre

Unsittlichkeit verpesten.

Übrigens ist der Gedanke kein Originalgedanke; es gab schon längst vor

mir Leute, welche ihn praktisch ausführten. Der Ritter Bressant de la

Rouveraye, empört über die skandalöse Prozession, welche zur Feier der

Bluthochzeit in Rom veranstaltet wurde, gelobte, alle Mönche zu

kombabisieren, die ihm in die Hände fielen. Wie ein Indianer die Skalpe

seiner Feinde, so trug der grimmige Ritter die für die Erfüllung seines

Gelübdes zeugenden Trophäen an seinem Wehrgehänge. - Iphauer Bauern,

welche das Kloster Birkling in der Grafschaft Kastell zerstörten, nahmen

an den erwischten Mönchen dieselbe Operation vor.

Die in den Klöstern herrschende Sittenlosigkeit übertrifft die kühnste

Phantasie. Um die Folgen derselben zu verbergen, wurden sehr häufig die

Mittelchen der Klosterapotheke in Anspruch genommen, und manches

gefallene Mädchen blieb durch ihre Hilfe in den Augen der Welt eine

reine Jungfer; aber auch mancher Ehemann verschwand durch sie.

Ammann kennt einen Pater, der einem Mädchen in Rapperswyl, das von ihm

schwanger gewesen sein soll, einen Trank zum Abtreiben gab. Der

Vorgesetzte war genau davon unterrichtet; aber er hielt es "zur Ehre der

Geistlichkeit" nicht für angemessen, davon viel Aufhebens zu machen.

Mönche und Nonnen lebten in der innigsten Vertraulichkeit und schienen

der Ansicht, dass sie nur dazu geschaffen wären, sich einander zu

ergänzen. Bebel wollte ein Nonnenkloster kennen, in welchem nur eine

keusche Nonne gewesen, - die nämlich noch kein Kind gehabt hatte.

Das Kinderbekommen war die Schattenseite des Nonnenlebens, aber die

frommen Vestalinnen wussten sich zu helfen. Das Mittel war sehr einfach,

"zur Ehre der Geistlichkeit" wahrscheinlich brachten sie die Kinder um.

Bei Abbrechung des Klosters Mariakron fand man "in den heimlichen

Gemächern und sonst - Kinderköpfe, auch ganze Körperlein versteckt und

vergraben", und der Bischof Ullrich von Augsburg erzählt, dass Gregor

I., der auch sehr für das Zölibat eingenommen gewesen, davon

zurückgekommen sei, als einst aus einem Klosterteiche sechstausend

Kinderköpfe herausgefischt wurden. Das Wort des Bischofs mag für diese

fast unglaublich klingende Tatsache bürgen.

Als Kaiser Joseph II. diese Wiedehopfnester ausnahm, fragte er einen

Prior: "Wie stark sind sie?" - "Zweihundert, Ew. Majestät." - "Wie?" -

"Ja, Ew. Majestät, wir haben aber auch vier Nonnenklöster zu versehen."

- Der Kaiser drehte dem offenherzigen Prior den Rücken zu, um sein

Lachen zu verbergen.

Die Äbtissinnen waren aber auch für ihre Freunde, die Mönche, auf das

liebevollste besorgt. Kranke Nonnen wurden nicht aufgenommen, ja nicht

einmal solche, welche einen übelriechenden Atem hatten. Was dieser der

Heiligkeit für Hindernisse in den Weg legen soll, kann ich nicht wohl

begreifen; allein für die Unheiligkeit ist er höchst unbequem und bei

Eheleuten, wenn ich nicht irre, in manchen Ländern ein Grund zur

Scheidung.

Nichts ist possierlicher - erzählt der Ex-Prior Ammann - als wenn sich

die Nonnen die körperlichen Gebrechen ihrer geliebten Patres vorwerfen.

Dies erinnert an andere keineswegs der Keuschheit geweihten Häuser, und

viele Geschichtsschreiber aus der Zeit der päpstlichen "babylonischen

Gefangenschaft" sagen auch wirklich geradezu: "Von Nonnen kann man aus

Scham gar nicht sprechen; ihre Klöster sind Hurenhäuser, und ein

Mädchen, das den Schleier nimmt, tut dasselbe, als ob sie sich für eine

Hure erkläre."

Schon die Synode zu Rouen (um 650) sah sich genötigt, das Gesetz zu

erlassen: dass Nonnen, die mit Geistlichen oder Laien Unzucht getrieben,

durchgeprügelt und ins Gefängnis geworfen werden sollten.

Robert von Abrissel, der Stifter des oben erwähnten Klosters von

Fontevrauld, ein sehr heiliger Mann, brachte die Nächte bei Nonnen zu,

um seine Stärke zu prüfen in der Tugend der Enthaltsamkeit. Sehr

vernünftig war es von ihm, dass er sich zu dieser Probe nur die

allerschönsten Nonnen aussuchte. Siegte er, dann war sein Sieg umso

verdienstlicher, und unterlag er, nun, dann lohnte es doch auch der

Mühe.

Bebel, den ich schon mehrmals nannte, ist sehr reich an spaßhaften

Anekdoten von Mönchen und Nonnen. Zwei mögen hier einen Platz finden.

Ein Mönch, der in einem Nonnenkloster einkehrte, wurde von den Nonnen

auf das freundlichste aufgenommen und bewirtet. Er sprach so viel von

Tugendsinn, Gottesfurcht und Züchtigung, dass ihn die Nonnen für ein

Muster der Enthaltsamkeit hielten und ihm sogar in ihrem eigenen

Schlafsaal ein Bett anwiesen.

Mitten in der Nacht fing der Mönch plötzlich an zu schreien: Ich mag

nicht! Ich mag nicht! Man kann sich denken, wie die Nönnchen die Ohren

spitzten und wie eifrig sie herbeiliefen, um sich nach der Ursache des

sehr verdächtig klingenden Ausrufs zu erkundigen.

Der Schalk erzählte ihnen nun, dass ihm eine Stimme vom Himmel befohlen

habe, sich zu der jüngsten Nonne ins Bett zu legen, denn sie beide wären

dazu ausersehen, einen Bischof hervorzubringen; er aber wolle nicht.

Die frommen Nonnen waren hocherfreut, wussten ihn zum Gehorsam gegen

Gottes Stimme zu bekehren und führten ihn endlich an das Bett der

glücklichen Schwester. Als diese einiges Bedenken fand, erklärten sich

sogleich alle übrigen bereit, ihre Stelle zu vertreten, so dass sie sich

bestimmen ließ und den Mönch zu sich nahm. -

Das Resultat war aber - eine Tochter! Diese konnte freilich nicht

Bischof werden; und als man den Mönch zur Rede stellte, schob er den

missratenen Bischof darauf, dass die Nonne nicht freiwillig gekommen

wäre.

Einen ähnlichen Streich spielte den Nonnen der Pförtner ihres Klosters,

welcher den sonderbaren Namen Omnis mundus führte. Während einer Nacht

kroch er in die Feueresse und brüllte durch ein großes Rohr in den Kamin

ihres Schlafsaals: "O Ihr Nonnen, hört das Wort Gottes!" Die Nonnen

zitterten und zagten; als sie aber in der nächsten Nacht wieder dieselbe

Stimme hörten, fielen sie alle nieder, denn sie meinten, ein Engel

spräche zu ihnen, und sangen: "O Engel Gottes, verkünde uns deinen

Willen!"

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten; sie lautete: "Haec est

voluntas Domini ut Omnis mundus inclinet vel suppont vos!" - Was

bedeutet dieser Orakelspruch? fragten sich die Nonnen und kamen bald

dahin überein, dass der Pförtner Omnis mundus bei ihnen schlafe, woraus

wohl ein Bischof oder gar ein Papst entstehen sollte.

Der schlaue Pförtner wurde gerufen. Er fügte sich, und die Äbtissin,

welche zuerst mit ihm allein blieb, sang beim Hinausgehen: "Wie freut

mich das, was mir gesagt worden ist." - Nun kam die Priorin an die

Reihe. Diese sang: "Herr Gott, dich loben wir!" Die dritte Schwester:

"Der Gerechte wird sich im Herrn freuen", und die vierte: "Lasset uns

alle fröhlich sein."

Aber nun hatte das Latein des Pförtners ein Ende, und als er davonlief,

schrien ihm die übrigen Nonnen nach: "Wann erhalten wir denn nun den

Ablass!" (Die Einführung der erzwungenen Priesterehelosigkeit usw. von

Theiner, Bd. 2, S. 108.)

Aber nicht immer kam ein reisender Mönch, der angenehme Offenbarungen

hatte, und nicht jedes Kloster besaß einen brauchbaren Pförtner; aber

das Verlangen war da und wollte befriedigt sein. Viele behalfen sich so

gut es ging; aber was wollte das sagen? Einige verliebten sich in Jesus

und schwärmten so lange für ihn, bis sie sich wirklich einbildeten oder

träumten, Besuche von ihm zu empfangen.

Die Nonne Armelle glaubte wirklich in der Seitenwunde Christi zu wohnen,

und Maria de la Coque erhielt gar von ihm die Erlaubnis, ihr Herz in das

seinige zu legen. Dann bekam sie es wieder; aber Christus riet ihr, wenn

sie von der Operation Seitenstechen empfinde, sich zur Ader zu lassen.

Andere, die nicht so schwärmerisch waren, beschäftigten sich in ihren

Gedanken fortwährend mit Männern, und als Abraham a St. Clara einst in

einem Nonnenkloster die Beichte hörte, gestanden ihm fast alle Nonnen,

dass sie von Hosen geträumt hätten. - Der fromme Pater war nicht wenig

ergrimmt. "Was! Ihr wollt Bräute Christi sein?" fuhr er sie an.

"Christus hatte keine Hosen; ist euer Bräutigam ohne Hosen, und Ihr

denkt und träumt von Hosen? - Geht hin in das ewige Feuer, da werdet ihr

Hosen sehen, glühende, feurige Hosen, die Ihr werdet angreifen und damit

spielen müssen" usw.

Neben ihren Träumereien von Männern, Hosen und dergleichen

phantastischen Dingen verliebten sich die armen Nönnchen in Ermangelung

anderer Liebesgegenstände ineinander. Grecourt erzählt ein Geschichtchen

von zwei Nonnen, die ihre Reize bewundern und in ihrer Unschuld mit dem

Rosenkranz messen:

- Eh bon Dieu! dit Sophie,

Qui l'aurait cru? Vous l'avez, chère amie,

Plus grand que moi d'un Ave Marie!

Die Nonnen waren überhaupt ein seltsames Völkchen und der Mangel an

Männern brachte bei ihnen neben den beklagenswerten auch oft höchst

komische Wirkungen hervor.

In einem flandrischen Kloster fing plötzlich eine Nonne an, in ihrem

Bett höchst befremdliche Bewegungen zu machen. Das hätte am Ende nichts

zu bedeuten gehabt: aber die Sache wurde ansteckend, und bald arbeiteten

die Nonnen sämtlich des Nachts so heftig, dass die Bettstellen knackten.

Das sonderbare Übel pflanzte sich in andere Klöster fort und machte so

großes Aufsehen, dass die Geistlichkeit amtlich einschritt und mit

Weihkessel und Wedel in die Klöster einrückte, um die Teufel aus den

Nonnen auszutreiben. Ob sie "die Teufel - à la Boccaccio - in die Hölle

schickten", davon meldet die Chronik nichts.

Im 15. Jahrhundert bekam eine deutsche Nonne den Einfall, eine andere zu

beißen. Dieser gefiel der Spaß, und sie biss wieder eine andere, bis das

Beißen förmlich epidemisch wurde und sich mit rasender Schnelligkeit von

einem Nonnenkloster zum anderen verbreitete. Bald bissen sich alle

Klosterkätzchen von der Ostsee bis nach Rom!

In einem französischen Kloster wurde es unter den Nonnen Mode, wie die

Katzen zu miauen, und die Sache nahm so überhand, dass es viel Skandal

gab. Alle Verbote fruchteten nichts, und das Miauen wurde immer ärger.

Endlich erhielt eine Kompanie Soldaten den Befehl, diesen Katzenteufel

zu bannen, in ein Kloster zu rücken und eine der Klosterkätzchen nach

der anderen über die Knie zu legen und mit Ruten zu bearbeiten, bis

ihnen das Miauen verginge. Es verging ihnen aber schon von der bloßen

Furcht, und die Exekution wurde überflüssig.

Diese Nonnen, besonders wenn sie alt und garstig wurden, konnten aber

wahre Teufel sein, und ihr ganzer Hass traf die jungen und hübschen

Schwestern. Diese wurden mit Argusaugen bewacht, und wehe ihnen, wenn

sie auf dem Umgang mit einem Manne ertappt wurden. Dann vergaßen jene

ihre eigene Jugend und begingen die empörendsten Grausamkeiten. Von den

unzähligen Beispielen will ich nur einige anführen.

Im Kloster Wattum verliebte sich eine Nonne in einen Mönch. Solch Liebe

war selten platonisch, und diese war es auch nicht, denn die Nonne

fühlte sich schwanger. Sie verbarg ihre Lage, solange es irgend angehen

wollte, dann aber entdeckte sie sich ihren Mitschwestern. Das hatte ihr

ein böser Geist geraten, denn diese stürzten über sie her und

überhäuften sie mit Schmähungen und Schimpfworten. Einige riefen, die

Verbrecherin zu schinden oder zu verbrennen; andere wollten, dass sie

auf glühende Kohlen gelegt werde!

Nachdem sich der erste Sturm gelegt hatte, ließen die erfahreneren

Nonnen sie in ein Gefängnis werfen und fesseln. Hier musste sie bei Brot

und Wasser unter fortwährenden Misshandlungen liegen. Dem Mönche war es

gelungen, zu entfliehen.

Als die Stunde der Niederkunft heranrückte, bat das arme Geschöpf

flehentlich, man möge sie aus dem Kloster entlassen, denn ihr Geliebter

habe ihr versprochen, sie mitzunehmen. Die Nonnen lockten ihr nun nach

und nach heraus, dass der Mönch sie auf erhaltene Nachricht an einer

bestimmten Stelle in der Nacht und in weltlichen Kleidern erwarten

würde.

Diese Entdeckung war den Megären willkommen! Ein handfester Pater,

begleitet von einigen andern, begab sich, gehörig verschleiert und mit

einem Knittel versehen, an den bezeichneten Ort. Der Mönch wurde

ergriffen und im Triumph ins Kloster geschleppt. Hier erwartete ihn

seine Geliebte und ein grässliches Schicksal! Das arme Weib wurde von

den Nonnen gezwungen, ihren Geliebten zu entmannen! Dann wurde die

Unglückliche wieder in das Gefängnis geschleppt.

Das arme gequälte Geschöpf schlief hier einst vom Fasten und Weinen

ermattet ein und träumte, oder glaubte zu träumen, dass ein Bischof mit

zwei Weibern zu ihr komme, und dass die letzten bald darauf mit ihrem in

glänzende Windeln gehüllten Kind davongingen. Als sie wieder zu sich

kam, fühlte sie sich ihrer Bürde entledigt. Die Nonnen untersuchten

hierauf ihre Brüste, ihren ganzen Leib, berührten und drückten alle

Teile desselben und fanden ihn weder irgendwo verletzt, noch eine Spur

von Ermordung des Kindes. Die Geschichte wurde nun für ein Wunder

erklärt und als solches im Kloster bis auf späte Zeiten für den

Neugierigen erzählt. Dies trug sich in der Mitte des 12. Jahrhunderts in

England zu.

Doch wir brauchen nicht so weit zurückzugehen, denn noch weit ärgere

Schändlichkeiten wurden von den Nonnen in neuerer Zeit begangen.

Am Ende des vorigen Jahrhunderts wurden in einem deutschen Staate die

Klöster aufgehoben. Der mit der Regulierung dieser Angelegenheit

beauftragte Kommissarius hatte die Nonnen eines Karmeliterklosters

aufgefordert, dasselbe zu verlassen. Da seinem Befehl nicht Folge

geleistet wurde, so begab er sich selbst in das Kloster und wiederholte

der Äbtissin und ihren geistlichen Töchtern den fürstlichen Befehl.

Zugleich ließ er sich die nötigen Nachweisungen und auch das

Personenverzeichnis geben. In diesem waren einundzwanzig Nonnen

angegeben; als er aber die Versammelten mit den Augen zählend überlief,

konnte er immer nur zwanzig herausbekommen. Er zählte noch einmal -

dasselbe Resultat.

Um sich unnütze Mühe zu ersparen, rief er die Personen namentlich auf;

die Nonne Alberta fehlte. Auf die Frage des Kommissars, warum diese

nicht anwesend sei, konnte er deutlich bemerken, dass sämtliche Nonnen

in große Verlegenheit gerieten und die Äbtissin mit dem Beichtvater sehr

seltsame Blicke wechselte. Dies veranlasste ihn, ernstlich auf das

persönliche Erscheinen der Nonne zu dringen.

Die Äbtissin hatte sich unterdessen gefasst. Sie sagte, dass der

gegenwärtige Zustand der Nonne Alberta ihr persönliches Erscheinen

unmöglich mache, da sie gefährlich krank sei. Der Kommissar, der nun

einmal misstrauisch gemacht war und irgendeine Nichtswürdigkeit

vermutete, drang darauf, zur Kranken geführt zu werden, denn er wollte

sie sehen. Nach vielen Ausflüchten rückte die Äbtissin endlich mit dem

Geständnis heraus, dass die Abwesende in so hohem Grade wahnsinnig sei,

dass sie gewiss niemanden erkennen und ein Besuch ganz nutzlos sein

würde.

Das ganze eigentümliche und befremdende Benehmen der Nonnen, die blass

waren wie ein Tuch und so zitterten, dass sie sich kaum auf den Füßen

halten konnten, veranlasste den Regierungsbeamten, nach den näheren

Umständen der Krankheit zu forschen, und so erfuhr er denn, dass der

gegenwärtige Klosterarzt gar nichts von dem Wahnsinn der Nonne wisse.

Sein Vorgänger habe die Krankheit für unheilbar erklärt, und zur Wahrung

der Ehre des Klosters habe man die Sache geheimgehalten. Seit acht

Jahren befinde sich die Nonne Alberta in einem beklagenswerten Zustand.

Näheren Aufschluss wollte ihm niemand geben. Der Regierungsbeamte hielt

es jedoch für seine Pflicht, der Sache auf den Grund zu gehen, und nach

ernstlichen Drohungen ließen sich endlich zwei Nonnen dazu bewegen, ihn

zu Alberta zu führen.

Sie leiteten ihn treppauf treppab durch eine Menge schmaler Gänge in

eine Art von Hintergebäude, bis sie endlich wieder vor einer Treppe

stehenblieben. Der Kommissar wollte hinaufgehen, aber die Nonnen sagten

ihm, dass hier die Wohnung der Nonne Alberta sei. Er entdeckte jedoch

nichts, was nur entfernt einem Aufenthaltsort für Menschen ähnlich sah,

und war starr vor Erstaunen, als die Nonnen auf einen Bretterverschlag

unter der Treppe wiesen, in welchem sich selbst ein Hund elend gefühlt

haben würde.

Aus diesem Verschlage trat ein großes, bleichgelbes Mädchen von etwa

fünfunddreißig Jahren hervor, mit bloßen Füßen und mit halbverfaulten

Lumpen nur notdürftig bekleidet. Die langen schwarzen Haare flatterten

unordentlich um ihren Kopf, und aus ihren tiefen Augenhöhlen blitzte in

unheimlicher Glut ein dunkles Augenpaar, dessen Feuer weder Leiden noch

Tränen hatten erlöschen können.

Die ganze Erscheinung erweckte das tiefste Mitleid. Mit herzzerreißendem

Gewimmer warf sich das arme Geschöpf dem Kommissar zu Füßen, umklammerte

seine Knie und bat, sie doch nicht wieder so entsetzlich zu geißeln. Als

sie aber die teilnehmende Miene des tief erschütterten Mannes sah, bat

sie um Rettung und Befreiung.

Ihre Reden waren abgerissen und verwirrt, und man sah, dass die langen

Leiden den Geist dieses kräftigen Mädchens gestört hatten. Sie wurde

sogleich in das Refektorium gebracht, wohin sie nur ungern folgte, denn

der Anblick ihrer weiblichen Henker konnte sie nicht ermutigen. - Der

Kommissar befahl sogleich, dass ihr reinliche Kleidung und ein gutes

Bett gegeben würden, und verließ am anderen Tage in der heftigsten

Entrüstung das Kloster, nachdem er die Nonnen mit den schwersten Strafen

für die geringste Misshandlung der Alberta bedroht hatte.

Bald darauf begab sich der Vizepräsident des damaligen Landeskollegiums,

Graf Th . . ., mit dem Kommissar in das Kloster. Die Lage des armen

Mädchens hatte sich aber leider wieder verändert und der Wahnsinn die

Oberhand gewonnen. Sie sprach ohne Zusammenhang und gebrauchte eine

Menge unflätiger Worte. Die Oberin und die Nonnen konnten ihre hämische

Schadenfreude nicht unterdrücken. Der Präsident, der dies bemerkte,

hielt den entarteten Weibsbildern eine Predigt, wie sie dieselbe wohl

noch niemals von einem ihrer gefälligen Patres gehört haben mochten und

die deshalb auch einen tiefen Eindruck machte. Dann stieg er mit Alberta

in einen bereitgehaltenen Mietwagen und brachte sie in zweckmäßige

Pflege.

Diese hatte auch einen guten Erfolg. Die körperliche Gesundheit kam

wieder; aber nun zeigte sich an ihr die Hysterie, welche wohl der

Hauptgrund ihres Wahnsinns gewesen sein mochte, in einem furchtbaren

Grade; ja, ihre Begierde nach Befriedigung des Geschlechtstriebes ging

so weit, dass sie die sich ihr nähernden Männer mit Gewalt anpackte.

In den lichten Zwischenräumen gab sie Aufschluss über ihre Geschichte.

Sie war aus Würzburg, mitten im schönen Franken, wo ihr Vater ein

ziemlich bedeutender Weinhändler war. In seinem Hause waren die Pfaffen

willkommene Gäste, und besonders hatten sich die barfüßigen Karmeliter,

die in der Stadt ein Kloster besaßen, darin eingenistet.

Alberta war eine auffallende Schönheit. Wie es aber besonders schönen

Mädchen oft zu gehen pflegt, hatte sie keine Neigung zur Häuslichkeit

und ließ sich lieber von den Herren den Hof machen. Bald spann sie ein

Liebesverhältnis an, welches durch den Reiz des Geheimnisses noch

anziehender wurde und damit endete, dass sie ihre Jungfräulichkeit

einbüßte.

Ihre Eltern, welche noch mehrere Kinder hatten, waren mit ihr sehr

unzufrieden und wären sie gern aus dem Haus los gewesen. Unter solchen

Verhältnissen fand der Vorschlag der Karmeliter, Alberta in ein Kloster

zu schicken, bei ihnen bald Anklang. Alberta, leichtsinnig und bigott

dabei, ließ sich durch Schmeicheleien und Drohungen bewegen, ihre

Einwilligung zu geben, und wurde in ein Kloster nach N-brg gebracht. Man

empfing sie dort freundlich und behandelte sie auch während des

Probejahres recht gut, denn ihr Vater hatte versprochen, das seiner

Tochter zukommende Vermögen an das Kloster zu zahlen.

Als sie aber das Gelübde abgelegt hatte und sich die Auszahlung des

versprochenen Geldes verzögerte, ja sogar die Aussicht bevorstand, dass

dieselbe niemals geschehen werde, da musste es Alberta büßen, welche von

den Nonnen schon wegen ihrer Schönheit und ihrer Abneigung gegen alle

weiblichen Beschäftigungen gehasst wurde.

Mit dem Zustand dieses Mädchens ging unterdessen eine traurige

Veränderung vor. Das einsame Leben in der Zelle und der Mangel an

teilnehmenden Umgebungen waren Veranlassung, dass sie fortwährend an

ihren Geliebten dachte, von welchem sie durch Mönchskniffe getrennt

worden war. Die Phantasie verweilt so gern bei vergangenen Freuden,

besonders in trauriger Einsamkeit. Diese Phantasien nahmen aber bald

eine für ihre Gesundheit bedenkliche Richtung. Sie hatte vom Baum der

Erkenntnis gegessen, und die veränderte Lebensweise trug sehr viel dazu

bei, ihre Sinnlichkeit aufzuregen.

Die Karmeliternonnen dürfen kein Fleisch essen, und ihre Nahrung besteht

größtenteils aus stark gewürzten Mehlspeisen und Fischen, welche das

Blut erhitzen und der Keuschheit nichts weniger als zuträglich sind.

Alberta suchte ihre rebellischen Sinne durch Mittel zu besänftigen,

welche gerade das Gegenteil bewirkten, und wurde dadurch in einen

solchen Zustand versetzt, dass sie sich endlich genötigt sah, sich dem

Klosterarzt zu entdecken. Es war dazu fast zu spät, denn die Hysterie

hatte sich beinahe zur Mannestollheit (Nymphomanie) ausgebildet.

Vielleicht wurden die Andeutungen des höchst achtbaren Arztes

missverstanden; vielleicht reizte auch das Pikante der Sache den

Vorstand des männlichen Karmeliterhospiziums, kurz, er und die Oberin

kamen dahin überein, dass er versuchen solle, die Nonne zu kurieren. Er

musste der Oberin aber bald gestehen, dass er dieser Kur nicht gewachsen

sei und riet nun, es mit der Geißel und häufigem Fasten zu versuchen.

Aber das hieß Öl ins Feuer gießen. Die arme Nonne ging bei diesem Kampf

mit ihren Sinnen fast unter, und die Oberin, anstatt aufs neue ärztliche

Hilfe herbeizurufen, beschloss, sie von allen lebenden Wesen zu

entfernen, damit der Ruf des Klosters nicht leide. Man brachte sie in

den abscheulichen Verschlag unter der Treppe, gab ihr nicht einmal

notdürftige Nahrung und Kleidung und ließ sie täglich von boshaften

Nonnen geißeln; so dass durch die schlechte Behandlung, welche sie acht

Jahre lang zu erdulden hatte, ihre Krankheit in Wahnsinn überging. -

Alberta wurde nicht wieder gesund; sie endete ihr Leben in einem

Irrenhaus.

Es ist eine ziemlich bekannte Erfahrung, dass die Weiber im Allgemeinen

weit grausamer sind als Männer. Von der Grausamkeit der Nonnen will ich

noch ein anderes, ebenfalls der neueren Zeit angehöriges Beispiel

anführen.

Der Wundarzt Friedrich Baumann, der in dem Dörfchen Hornstein in der

Nähe einer Prämonstratenserabtei wohnte, hatte eine große Vorliebe für

die Klöster und dieselbe wurde von seiner Frau geteilt. Aus diesem

Grunde beschlossen beide, ihre jüngste Tochter Magdalena "dem Himmel" zu

weihen, da die älteste große Geschicklichkeit und Neigung für die

Landwirtschaft zeigte.

Der Hausfreund Baumanns war der Abt der benachbarten Abtei, und er

bestärkte die Eltern noch in ihrem Entschluss, ja verwendete sich selbst

bei den Klarissinnen in der Hauptstadt für die künftige Aufnahme des

Mädchens und bewirkte, dass man von ihr nur eine mäßige Aussteuer

verlangte. Magdalena wurde nun in allen einer Nonne dienlichen

Geschicklichkeiten und auch in der Wundarzneikunst unterrichtet und

meldete sich nach vollendetem sechzehnten Jahr zur Aufnahme.

Sie war ein wunderschönes Mädchen geworden und bezauberte alle Herzen

durch ihr anmutiges Wesen. Es fehlte ihr daher auch nicht an Freiern,

unter denen der junge Rehling die redlichsten Absichten hatte und in

keiner Hinsicht zu verwerfen war. Magdalena blieb aber fest bei ihrem

Entschluss, ins Kloster zu gehen, in welchem sie durch ihre bigotte

Mutter nur noch mehr bestärkt wurde.

Der Vater war wankend geworden, denn die seltsamen, schmunzelnden Mienen

und die höchst besonderen Redensarten des Beichtvaters des Klosters wie

auch das habgierige Benehmen der Nonnen erfüllten ihn mit bangen

Besorgnissen, aber er hatte nicht die Energie genug, der Mutter und den

Pfaffen gegenüber fest aufzutreten.

Magdalena wurde eingekleidet und vor allen Dingen in die Mysterie des

Geißelns eingeweiht, für welches das arme Mädchen bald anfing zu

schwärmen. Die kleine Disziplin bestand aus 36, die große aus 300 Hieben

auf Rücken und Hintern. - Das Noviziat ging zur Zufriedenheit vorüber,

und Magdalena tat Profeß zur Verzweiflung des jungen Rehling.

Sie sah aber bald allerlei Dinge, die ihr teils gar nicht gefielen,

teils sehr befremdlich vorkamen; allein sie durfte ihre Bemerkungen

nicht laut werden lassen. - Endlich kam das Fest der Himmelfahrt Mariä

und mit ihm die große Disziplin, die sie nur der Theorie nach und im

Allgemeinen kennengelernt hatte. - Das Zimmer, in welchem die Geißelung

vorgenommen wurde, war zwar verdunkelt; allein durch die Ritzen der

Fensterläden fiel Licht genug herein, um alles, was vorging, ziemlich

genau erkennen zu lassen. Nur mit großem Widerwillen löste die

schamhafte Jungfrau den Gürtel und entblößte den untadelhaften,

wunderschönen Körper, an welchem sich die lüsternen Blicke der alten

Klosterkatzen und der Äbtissin weideten.

Magdalena geißelte sich mit allem Eifer, bemerkte aber, dass es die

andern Nonnen mehr wie eine Spielerei betrieben. Nur eine Nonne, namens

Griselda , übertrieb die Sache so sehr, dass das Blut über ihren Körper

herabströmte und die Spitzen der Geißel an manchen Orten wohl einen Zoll

tief in das Fleisch eingeschnitten hatten.

Magdalena, welche zur Klosterapothekerin ernannt worden war, eilte ihr

zu Hilfe und stellte sie in kurzer Zeit gänzlich wieder her. Sie hatte

es aber nicht unterlassen können, Griselda aufzufordern, sich in der

Folge nicht wieder zu hart zu geißeln, und dies kam der Äbtissin zu

Ohren, welche darüber sehr ungehalten wurde. Als sich Magdalena

entschuldigen wollte, schrie sie dieselbe herrisch an und gebot ihr zu

schweigen. Die Folge davon war ein erhöhter Bußeifer der Griselda. Diese

fuhr nicht allein fort, sich so hart wie früher zu geißeln, sondern

quälte sich auch dermaßen mit dem Cilicium - ein stachliger Drahtgürtel,

der auf der bloßen Haut getragen wird -, dass die Stacheln tief in das

Fleisch eingedrungen waren. Der herbeigerufene Wundarzt erklärte, dass

nur die sorgfältigste Operation der Nonne das Leben retten könne, und

nun erst verbot die Äbtissin mit Gutbefinden des Beichtvaters der

Griselda auf das strengste, sich ferner so heftig zu geißeln.

Magdalena, der nun auch das Aderlassen und Schröpfen überlassen wurde,

bemerkte bald, dass die erstere Operation mit der zweiundzwanzigjährigen

Schwester Theodora fast jeden Monat vorgenommen werden musste. Sie

bemerkte dem Mädchen, dass ein so großer Blutverlust notwendig die

Wassersucht zur Folge habe, und die arme Nonne gestand ihr weinend, dass

sie dies auf Befehl der Äbtissin tun müsse, um die Wallungen des Blutes

und die damit verbundenen wollüstigen Träume und verbotenen Gelüste,

welche Folgen des häufigen Geißelns wären, zu unterdrücken, was auch

immer für kurze Zeit durch das Aderlassen gelinge. - Die Unterhaltung

Magdalenas mit Theodora und andere ähnliche Dinge kamen der Äbtissin zu

Ohren und erbitterten sowohl diese als die älteren Nonnen.

Der Pater Beichtvater hatte seine Pläne auf das schöne Mädchen nicht

aufgegeben, sondern ging recht systematisch zu Werke, zum Ziele zu

gelangen. Auf seine Veranlassung wurde sie zur Oberkrankenpflegerin des

Klosters ernannt, welcher Posten sie in häufige Berührung mit dem Pater

Olympius brachte, vor dem sie indessen von einer wohlmeinenden Schwester

gewarnt wurde. Dieser scheinheilige Schurke machte ihr allerlei

geistliche Geschenke und erwies ihr überhaupt so viel Aufmerksamkeit,

dass die andern Nonnen neidisch wurden. Magdalena suchte sich von dem

ihr übertragenen Amte loszumachen, nur um die Berührungen mit dem Pater

Olympius zu vermeiden. Dieser erkannte sehr gut ihre Absicht und machte

ihr im Beichtstuhl darüber heftige Vorwürfe, so dass sie genötigt war,

denselben zu verlassen.

Magdalena war nun bereits drei Jahre im Kloster, und die Augen waren ihr

vollständig geöffnet. Mit Schaudern erkannte sie nun zu spät, dass der

Weg zur Rückkehr in die Welt für sie verschlossen sei und verfiel in

tiefe Schwermut. Häufig fand man sie seufzend und in Tränen. Es fing ihr

an alles gleichgültig zu werden, und in ihrer Betrübnis achtete sie

nicht immer auf die vorgeschriebenen Formen und beging allerlei Fehler,

die mit leichten Bußen bestraft wurden, welche sie bei ihrer gereizten

Stimmung sehr erbitterten.

Zu dieser Zeit war die Tochter eines anderen Wundarztes Nonne geworden,

und da sie einige Proben von Geschicklichkeit abgelegt hatte, so nahm

man Magdalena ihre bisherige Stelle und fing an, sie mit großer

Geringschätzung zu behandeln. Man warf ihr die Geringfügigkeit des von

ihr ins Kloster gebrachten Geldes vor und nannte sie ein lästiges,

durchaus unnützes Geschöpf.

Nun ging dem armen Mädchen die Geduld aus. Anstatt die Vorwürfe ruhig

hinzunehmen, antwortete sie heftig und mit Spott und wollte nicht

schweigen, wenn die parteiische Priorin ihr den Mund verbot. Alsbald

wurde der Äbtissin dies widersetzliche Benehmen hinterbracht und ihr

Magdalena als ein durchaus boshaftes, zänkisches und ungehorsames

Geschöpf geschildert. Die Äbtissin fuhr zornig auf und schrie: "Ein

solches Benehmen soll dieser Bauerndirne nicht ungestraft hingehen; man

muss ihr den Nacken beugen und sie durch Zwang in die Schranken der

Ordnung bringen." Damit ließ sie Magdalena zu sich bescheiden.

Diese erschien und sah, dass bereits zwei stämmige Laienschwestern bei

der Äbtissin waren; eine der Mägde hatte eine große Kinderrute in der

Hand. Die Äbtissin las Magdalena ordentlich den Text und kündigte ihr

an, dass sie bestraft werden sollte. Die Arme weinte und bat; alles

vergeblich. Endlich äußerte sie in ihrem Eifer, dass sie kein Kind und

der Rute längst entwachsen, eine solche Züchtigung auch für eine Nonne

unschicklich sei. Die Äbtissin wurde immer zorniger und gebot Magdalena,

die Erde zu küssen.

Diese war sehr bereit, dem Befehl Folge zu leisten, denn sie hoffte,

dass es mit dieser Strafe für diesmal abgetan sein werde. Kaum lag sie

auf der Erde, als sogleich eine der Laienschwestern über sie herfiel und

sich auf ihren Rücken setzte, während die andere ihr das Gewand aufhob

und die Rute tüchtig gebrauchte. Als dies vorüber war, musste Magdalena

der Äbtissin die Hände küssen und sich für die gnädige Strafe bedanken.

Die Nonnen standen auf der Lauer und begleiteten sie mit Hohngelächter,

als Magdalena wieder in ihre Zelle ging.

Von nun an hatte die Unglückliche fortwährend von den Verfolgungen zu

leiden, deren Ziel sie durch Feindschaft der Äbtissin, der Priorin und

des Beichtvaters geworden war.

Als sie eines Abends nicht in ihrer Zelle war und in der ihrer einzigen

Freundin Crescentia gefunden wurde, schleppte man sie am folgenden Tage

durch förmlichen Kapitelbeschluss zur großen Disziplin. Doch damit war

es noch nicht genug, es trafen sie noch eine Menge anderer Strafen,

darunter auch die Degradation von dem Nonnenrang zu dem einer

Laienschwester.

Sie beging die Unvorsichtigkeit, einen Brief an ihre Eltern zu

schreiben, in welchem sie ihnen ihre grauenvolle Lage schilderte und auf

rührendste Weise um Hilfe bat. Der Brief wurde abgefangen und sie

gezwungen, einen andern lügenhaften abzuschicken, den ihr der Pater

Olympius in die Feder diktiert hatte. Für das Verraten von

Klostergeheimnissen an Laien erhielt sie abermals eine derbe Geißelung

und wurde vier Wochen lang in den Turm gesperrt, wo sie einen Tag um den

andern Wasser und Brot erhielt.

Ihre Lage verschlimmerte sich noch, als die Äbtissin starb und ihre

Hauptfeindin, die Priorin, an deren Stelle kam. Vergeblich bat Magdalena

um Rückgabe des schwarzen Nonnenschleiers; sie musste nach wie vor als

Laienmagd Dienste in der Küche verrichten. Für jedes kleine Vergehen

erhielt sie hier die Rute, und als sie einstmals bei der Feier des

Palmenfestes einen aus Blei gegossenen und fünfzig Pfund wiegenden

"heiligen Geist", weil derselbe ihr zu schwer war, fallen ließ, so dass

derselbe zerbrach, erklärte dies Olympius für absichtliche Bosheit, für

ein Religionsverbrechen! Die Ärmste empfing in dem neben dem Refektorium

gelegenen Gefängnisse eine starke Disziplin.

Um diese Zeit erhielt sie Besuch von einigen Verwandten, welche sie

jedoch nur hinter der Klausur sprechen durfte. Was sie gesprochen hatte,

wurde untersucht, und man erklärte sie für ein gänzlich verworfenes

Geschöpf. -

Die Sehnsucht nach "der Welt" wurde nun in Magdalena immer mächtiger,

und sie sann auf Flucht. Sie war auch so glücklich, das Freie zu

gewinnen, aber später wurde sie ertappt und musste wieder in das Kloster

zurückkehren, obgleich ein hoher Geistlicher, den sie um Hilfe angerufen

hatte, sich für sie verwendete.

Pater Olympius reizte die Äbtissin zu stets neuen Verfolgungen an, und

Magdalena wurde endlich zum Gefängnis auf unbestimmte Zeit verurteilt.

Als man sie dorthin bringen wollte, wehrte sie sich mit der Kraft der

Verzweiflung, und man musste einen Franziskanerlaienbruder zu Hilfe

rufen. - Durch diesen Widerstand erbittert, ließ ihr die Äbtissin in

Gegenwart der Priorin in dem Gefängnis auf einem Bunde Stroh abermals

sehr derb die Rute geben.

Als einst Magdalenas Gefängnis ausgebessert werden musste, wurde sie in

ein benachbartes gebracht, in welchem die Schwester Christine nun schon

dreizehn Jahre saß. Sie war zum Gerippe abgezehrt, vom Geißeln lahm und

dem Wahnsinn nahe.

An Festtagen wurde Magdalena zum Abendmahl in die Kirche gelassen und

musste monatlich einmal bei Pater Olympius beichten. Dieser Schurke

hatte seinen Verführungsplan noch immer nicht aufgegeben und drang mit

unzüchtigen Anträgen in sie; allein sie schrie um Hilfe, und der Pater

stellte sich, als habe er ihr nur die Disziplin geben wollen. Um

wenigstens in etwas seinem Sinnen zu genügen, befahl ihr der heilige

Mann, sich zu entblößen; allein es kamen einige Schwestern herbei, bei

denen er sein Betragen schlecht genug entschuldigte.

Die Einkerkerung des unglücklichen Geschöpfs hatte nun unter

fortwährenden Misshandlungen drei Jahre und acht Monate gedauert, als

endlich ein Schornsteinfeger, der in der Nähe ihres Gefängnisses

arbeitete und ihr Gewimmer hörte, die Sache der Obrigkeit anzeigte. Es

wurde vom betreffenden Ministerium sogleich eine Kommission ernannt,

welche in dem St. Klarenkloster eine Untersuchung anstellte.

Als man Magdalena ihre Freiheit ankündigte, weinte sie laut vor Freuden;

allein die Ärmste war so elend, dass sie sich kaum bewegen konnte. Man

übergab sie sogleich dem Leibarzt des Kurfürsten und dem Hofwundarzt zur

sorgfältigsten Pflege.

Das von beiden über den Zustand des armen Mädchens abgegebene Gutachten

sprach sich dahin aus, dass die unaufhörlichen Geißelungen ihr die

heftigsten Schmerzen zugezogen hätten, an denen sie fortwährend leide,

besonders bei verhärtetem Stuhlgange, ohne dass man dies als eine

Wirkung der goldenen Ader betrachten könne. Durch die lange Einsperrung

ohne alle Bewegung und durch die heftigen Schläge auf die muskulösen und

tendinösen Teile der Schenkel und Füße seien diese so entzündet, und da

man bei ihr keine verteilenden Mittel angewendet habe, so hätten sich

diese Teile dermaßen verhärtet und zusammengezogen, dass sie gänzlich

estorpiert und schwerlich Hoffnung vorhanden sei, sie wieder so weit zu

heilen, dass sie ihre geraden Glieder wieder würde gebrauchen können.

Während ihrer ärztlichen Behandlung wurde Magdalena viermal verhört, und

es kamen alle im Kloster verübten Schändlichkeiten an den Tag, sosehr

sich auch das Pfaffengezücht schlangengleich drehte und wand.

Eine Nonne, namens Paschalia, die ebenso wie Magdalena gequält worden

war, sollte wahnsinnig geworden und an einem Nervenschlage gestorben

sein; aber einige von den fünf Nonnen, die den Mut hatten, die Wahrheit

zu gestehen, behaupteten, sie habe sich in der Verzweiflung im Gefängnis

an ihrem Busenschleier erhängt. Dass man auf einen solchen Selbstmord

von Seiten Magdalenas ebenfalls gefasst war, ergab sich aus den Papieren

der Abtei.

Obgleich alle Umstände gegen die Äbtissin und ihr Gelichter sprachen,

obgleich sich über Magdalenas Bestrafung kein einziges Protokoll

vorfand, - die Schuldigen wussten sich doch so durchzulügen, dass sie

ohne Strafe davonkamen, und die einzige Folge dieser Entdeckungen war

eine Einschränkung der Macht der Äbtissin und genauere Beaufsichtigung

des Klosters.

Magdalena sollte zeitlebens im kurfürstlichen Hospital bleiben und, wenn

sie genesen würde, Freiheit haben, auszugehen, anständige Gesellschaften

zu besuchen und zu empfangen. Das Klarenkloster musste ihr die nötige

Ausstattung und außerdem jährlich zweihundert Gulden geben.

Erst nach fünf bis sechs Jahren konnte Magdalena wieder gehen, und ihr

geknickter Körper erholte sich allmählich. Im Klostergefängnis hatte sie

im Fall der Befreiung eine Wallfahrt nach Loreto gelobt. Diese unternahm

sie nun mit Erlaubnis der Behörde; allein sie kehrte nicht mehr in die

Heimat zurück. Im August 1778 starb sie, fünfundvierzig Jahre alt, in

einem Krankenhospital zu Narni in Italien.

Trotz solcher Erfahrungen gibt es doch noch heute Klöster! Und dass in

denselben noch ähnliche Schandtaten verübt werden, beweisen die

Schriften von Sebastian Ammann, Rafaello Ciocci und andern.

Von der Lieblosigkeit, mit welcher Kranke in den Klöstern behandelt

werden, hat uns ebenfalls Ammann folgendes Beispiel erzählt: - "Im

Kloster Solothurn litt P. Theophil an einem ungeheuren Leistenbruch so

schmerzhaft, dass er verzweifelte. Man legte ihn in einem Zimmer neben

der Küche auf einen Strohsack und ließ ihn da zappeln. Niemand besuchte

ihn als der Klosterknecht, der ihm dreimal des Tages Essen zutrug. Ich

habe in den letzten Tagen seines Lebens nie einen Arzt bei ihm gesehen.

Seine Unterleibsbeschwerden, das erschreckliche Elend und die gänzliche

Verlassenheit mögen ihm sein martervolles Leben unerträglich gemacht

haben. - An einem Tag vor dem Mittagessen, um halb elf Uhr, war ich noch

bei ihm und fand ihn äußerst schwermütig; es ist aber gewiss, dass er um

elf Uhr noch lebte. Um halb zwölf Uhr wollte der Klosterknabe die

Speisegeschirre bei P. Theophil abholen und fand ihn, an der Zimmerdecke

aufgeknüpft, leblos. Als wir die Anzeige von diesem Unglück hörten,

sprangen wir alle vom Tische auf; ich war der erste bei ihm und wollte

mit einem Messer das Handtuch zerschneiden, an dem er hing; aber P.

Guardian Raimund untersagte mir dies, weil es schade um das Handtuch

sei. Man ging lieber langsam zu Werke, weil man keine Rettung versuchen

wollte. Seine Hände und Füße waren noch ganz warm, und ich verlangte,

dass man auf der Stelle einen Arzt herhole, damit man die möglichsten

Anstalten zum Wiedererwecken des vielleicht noch nicht Entseelten

treffe. Allein P. Raimund tobte und verbot die Herbeirufung eines Arztes

auf das strengste, weil es ein erschreckliches Ärgernis absetze, wenn es

unter die Weltlichen käme, es habe sich ein Kapuziner erhängt. Keine

Bürste wurde zum Reiben seines Leibes angewandt, sondern man legte den

Leichnam ohne weiteres auf einen Totensarg und machte bekannt, P.

Theophil sei an einem Schlagfluss (Apoplexie) gestorben."

Ein anderes Beispiel, wie schnell die Pfaffen diejenigen zu expedieren

wissen, die ihnen unbequem oder gefährlich werden, erzählt Rafaello

Ciocci.

Don Alberico Amatori, Bibliothekar im Kloster Santa Croce di Gerusalemme

zu Rom, war durch das Lesen der Bibel von vielen Irrtümern und

Missbräuchen der römischen Kirche überzeugt worden. Er und fünfzehn ihm

gleichgesinnte Mönche, darunter Rafaello Ciocci, unterschrieben eine

Eingabe an den Ordensgeneral Nivardi Tassini, in welcher sie um

Einräumung eines bequemen Klosters baten, wo sie nach ihrer Überzeugung

leben konnten.

Alle diese Mönche schienen mit dem Charakter ihrer Mutter Kirche sehr

schlecht bekannt zu sein, da sie einfältig genug waren zu glauben, dass

dieselbe auch nur im entferntesten daran denken könne, ihre Wünsche zu

erfüllen. Der unerhörte Vorschlag erregte allgemeines Entsetzen! Amatori

wurde vor ein Tribunal gefordert, und mit Entrüstung vernahmen die

geistlichen Herren, dass er à la Luther die Bibel zur Grundlage des

ganzen Kirchenwesens machen wolle. Man gebot ihm Schweigen, um die Sache

nicht öffentlich werden zu lassen, und fasste im Geheimen einen

Entschluss über das Schicksal der ketzerischen Mönche.

Der Mönch Stramucci wurde ins Kloster San Severin in den Sümpfen

geschickt, wo er infolge "der ungesunden Luft" oder durch anderes Zutun

nach Verlauf weniger Monate von einem starken Mann in ein Gerippe

verwandelt war. Don Andrea Gigli wurde nach Rom berufen. Er war damals

sehr gesund; allein er nahm täglich mehr ab, und nach zwei Monaten wurde

er eines Morgens tot im Bett gefunden. - Don Eugenio Ghioni blieb in

Rom; aber nach vier Monaten starb auch er, erst 31 Jahre alt. - Don

Marian Gabrielli, ein blühender Jüngling, starb ebenfalls. Alle diese

Krankheiten nannte man "Auszehrung"! - Der Abt Bucciarelli , ein Mann

von herkulischer Gestalt, starb nach kurzer Krankheit von nur drei

Tagen. Der Abt Berti hatte nach zwei Monaten einen "Fieberanfall" und

starb nach einer Krankheit von zehn Tagen. - Don Antonio Baldini bekam

nach Verlauf von 34 Tagen furchtbare Krämpfe und starb. - Die übrigen

sechs kämpften monatelang zwischen Leben und Tod. Nur Don Alberico und

Ciocci blieben lange Zeit von dem geheimnisvollen Todesengel unberührt.

Aber die Rache zögerte nur, sie schlief nicht. Eines Abends nach dem

Essen bekam Ciocci schreckliche Krämpfe im Magen und ein furchtbares

Brennen in Brust und Gurgel. In wenigen Minuten war er schwarzgelb im

Gesicht, und vor den Mund trat ihm Schaum. - Die herbeilaufenden Mönche

schrien, dass er besessen sei, und versuchten nun ihren abgeschmackten

Hokuspokus mit Weihwasser und Reliquien, wodurch der Kranke, der diesen

Unsinn verabscheute, nur geärgert wurde. Endlich kam ein Arzt, aber

nicht der gewöhnliche, sondern, wie man sagte, der nächste, den man habe

finden können. Er gab Ciocci eine Arznei, wodurch aber die Schmerzen

sogleich noch bedeutend vermehrt wurden.

Ciocci bestand nun darauf, dass man den gewöhnlichen Klosterarzt holen

solle, der sein Freund war, und da man wahrscheinlich hoffte, dass er zu

spät kommen werde, schaffte man ihn auch herbei. Nachdem derselbe sich

etwas orientiert hatte, betrachtete er die vom ersten Arzt gegebene

Arznei, von der noch einige Tropfen im Glas waren, und voll Zorn und

Entsetzen warf er sie nach der Untersuchung und einem bedeutungsvollen

"Aha" zum Fenster hinaus. - Durch die zweckmäßigen Mittel, welche der

wackere Mann anwendete, wurde Ciocci gerettet.

In demselben Kloster wurde eines Tages der Novizenlehrer Pacifico

Bartoci , der sich durch seine Strenge verhasst gemacht hatte, im

inneren, offenen Hof des Klosters von unbekannter Hand mit einem Steine

auf den linken Schlaf getroffen, dass er infolge der erhaltenen

Verletzung zehn Tage darauf starb. (Ungerechtigkeiten und Grausamkeit

der römischen Kirche im neunzehnten Jahrhundert. Erzählung von Raffaele

Ciocci. Altenburg bei Pierer.)

Man bemerke wohl, dass hier nicht vom Mittelalter, sondern von der Zeit

zwischen 1835 und 1845 die Rede ist und dass diese oder ähnliche

Nichtswürdigkeiten noch ebenso wahrscheinlich heutigen Tages

stattfinden.

Ich würde die mir gesteckten Grenzen zu sehr überschreiten, wenn ich

auch nur einen kleinen Teil der mir noch bekannten im Kloster begangenen

Schandtaten anführen wollte, deshalb übergehe ich auch die sehr

interessante Geschichte des Urban Grandier, der durch die

nichtswürdigsten Schikanen auf den Scheiterhaufen gebracht wurde, weil

er die Begierden einer Äbtissin und ihrer Nonnen zu Loudun nicht

befriedigen wollte. Einer unserer besten Romanschriftsteller, Willibald

Alexis, hat diesen Stoff zu einem Roman bearbeitet.

Ein in den Klöstern gebräuchliches Sprichwort sagt: "Man kommt zusammen,

ohne sich zu kennen, man lebt miteinander, ohne sich zu lieben, und

stirbt, ohne beweint zu werden." Ein unter solchen Verhältnissen

bestehendes Zusammenleben musste den besseren unter den Mönchen zur

Hölle werden, und mancher arme Pater, den seine bigotten Eltern dem

Klosterleben in früher Jugend geopfert hatten, sprach mit heißen Tränen

den Wunsch aus, dass ihn die Mutter bei der Geburt doch lieber ersäuft

als in ein Kloster geschickt haben möchte.

Zur Zeit, als das Klosterleben in seiner höchsten Blüte war, etwa im

elften Jahrhundert, herrschte unter den Menschen eine wahre Wut, ins

Kloster zu gehen; nur als Mönch glaubte man der Seligkeit gewiss zu

sein. Hermann, Herzog von Zähringen, schlich sich in Bauernkleidung vom

Fürstenstuhl ins Kloster zu Clugny und diente demselben als Schweinehirt

bis an seinen Tod, wo erst sein Stand bekannt wurde. Der Mann eignete

sich ganz gewiss besser zum Schweinehirten als zum regierenden Fürsten,

und es war schön von ihm, dass er seinen Beruf erkannte.

Doch nicht alle trieb Andacht oder Demut ins Kloster; viele suchten in

demselben weiter nichts als ein faules, liederliches Leben, was sie auch

meist in reichem Maße fanden. Das Gelübde der Keuschheit, welches den

Laien immer als das schrecklichste erschien, betrachtete man in sehr

vielen Klöstern als eine leere Form, und Saul, der Abt des Klosters zur

heiligen Maria im Bistum Mondennadi in Spanien, verwandelte dasselbe

geradezu in ein Bordell.

Sogar das Konkubinat, ja selbst die Ehe waren unter den Mönchen nicht

selten. Im zehnten Jahrhundert lebten in manchen. Klöstern die Äbte und

sämtliche Mönche im Konkubinat oder in förmlicher Ehe und statteten ihre

Söhne und Töchter mit Klostergütern aus. Unter Abt Hadamar von Fulda

waren die meisten Mönche verheiratet.

Doch wir brauchen nicht so weit ins graue Mittelalter hinaufzusteigen;

dergleichen Fälle kamen noch in neuerer Zeit vor. Im Jahr 1563 fand man

in vielen Klöstern Niederösterreichs Eheweiber, Konkubinen und Kinder

der Mönche, und noch vor einigen zwanzig Jahren hielt der Prälat

Augustin Bloch in der Schweiz ein allerliebstes Kammermädchen, welches

als Student verkleidet war.

Doch ich wollte es diesen Klosterherren gern verzeihen, wenn sie ihre

Schätzchen hinter den heiligen Mauern sittsam verbergen; davon hat die

Welt eben keinen Schaden; aber mehr Unheil richten sie an, wenn sie ihre

Verführungskünste außerhalb derselben wirken lassen. Um dies tun zu

können, müssen sie die Grundsätze lockern, kurz, die sinnlichen

Ausschweifungen als höchst unbedeutende, kleine Verirrungen hinstellen,

besonders wenn sie mit einem Pater begangen werden.

Wo die Mönche zu Hause sind, da gibt es fast kein Bürger- oder

Bauernhaus, wo nicht ein Pater der Hausfreund ist. Kommt der heilige

Mann, dann lecken ihm die Alten die schmutzigen Hände und die Kinder

liegen auf den Knien, bis er seinen Segen erteilt hat. Das Beste wird

nun dem geehrten Gast vorgesetzt, und wenn die Leute auch zu arm sind,

sich selbst ein Glas Wein zu gönnen, so ist doch gewiss eins für den

heiligen Mann bereit. Er lässt es sich gut schmecken, denn die armen

Leute würden es ja für Verachtung auslegen, wenn er ihre Gaben

verschmähte! Welch Gesicht schneidet er aber, wenn das gewöhnliche Glas

Wein oder seine Leibspeise fehlen!

"Was die Töchter der Lust den Wüstlingen der Welt, das sind die Mönche

den Betschwestern und den Stillen im Land", denn diese Herren haben

Tugenden, welche Frauen zu schätzen wissen, und sind - verschwiegen. Vor

einem solchen heiligen Manne brauchen sie sich ihrer Sündhaftigkeit

nicht zu schämen , denn die Beichte zwingt sie ja, die geheimsten Sünden

zu sagen. Diese Beichte wird daher von den Mönchen sehr heilig gehalten.

Denjenigen, der das Beichtgeheimnis verletzt, treffen die

schrecklichsten Strafen und selbst vor den weltlichen Gerichten, - was

auch ganz in der Ordnung ist. Das Gericht zu Toulouse ließ 1579 einen

Priester enthaupten, welcher einen ihm in der Beichte anvertrauten Mord

der Behörde anzeigte. Der Mörder blieb unbestraft. Man gerät in

Verlegenheit zu entscheiden, wie man über dieses Urteil urteilen soll.

Mönche sind nicht allein sehr liebevolle, sondern auch sehr bequeme

Hausfreunde. Mag ein junger Bursche ein Mädchen gern, dann braucht er

sich nur an seinen Herrn Pater zu wenden, dann wird sich die Sache schon

machen. Mit der kleinen Sünde wird es sich schon finden; denn der fromme

Herr hat einen Überfluss an Absolution, und wenn man noch so oft

sündigte, eine Beichte - und man ist wieder rein wie ein neugeborenes

Kind! Man glaube daher ja nicht, dass die Beichte dazu beiträgt, die

Sittlichkeit zu befördern; wozu sie benutzt wird, davon werden wir im

nächsten Kapitel einige Beispiele sehen.

So leicht nun die Mönche geschlechtliche Verirrungen nehmen, so streng

sind sie, wenn jemand das Fasten gebrochen hat, und es ist empörend,

wenn wir lesen, dass die reiche Abtei St. Claude in Burgund im Jahr 1629

einem gewissen Guillon den Kopf abschlagen ließ - weil der arme Mann

während einer Hungersnot zur Fastenzeit sich ein Stück Pferdefleisch vom

Schindanger geholt hatte!

Starb ein Abt, so waren die liederlichen Mönche darauf bedacht, einen

solchen an die erledigte Stelle zu setzen, von dem sie nicht besorgen

durften, dass er sie in ihrer Lebensweise störe. Die Wahl traf daher

nicht selten das liederlichste Subjekt des ganzen Klosters.

Johann Busch erzählt, dass die Mönche eines Klosters nach dem Tode des

Abtes zur Wahl eines anderen schritten, der dem Verstorbenen an Tugenden

gleiche. Die meisten Stimmen hatte ein Pater, der nicht anwesend war,

sondern während der Wahl in der Schenke saß und soff. Da man ihn von

diesem angenehmen Orte nicht weglocken konnte, so ging eine Deputation

der Mönche dorthin, ihm das Ergebnis der Wahl zu verkündigen. Erst nach

langen Bitten ließ er sich bewegen, die neue Würde anzunehmen. Als es

geschehen war, wurde ein großes Gastmahl gehalten, bei dem alle Mönche

mit ihren Konkubinen sich volltranken. Während sie so betrunken waren,

dass sie nichts sahen und hörten, kam Feuer aus, und die ganze feiste,

liederliche Gesellschaft verbrannte lebendigen Leibes.

Obwohl nun die Mönche unzählige gefällige Nonnen hatten - in Deutschland

gab es allein 200.000 - so sind sie doch besonders lüstern nach Kindern

der Welt. Oft geraten sie dadurch freilich in arge Verlegenheit, welche

Spott und Hohn oder unendliche Prügel zur Folge haben.

Der Abt des Klosters zu Guldholm bei Schleswig hatte ein Liebchen in der

Stadt, bei welchem er oftmals die Nacht zuzubringen pflegte. Gewöhnlich

nahm er des besseren Scheins wegen einen vertrauten Pater mit. Dieser

wurde ihm endlich unbequem, und er ließ den Begleiter zu Hause. Dies

verdross denselben, und echt mönchisch dachte er sogleich auf Rache.

Als nun der Abt wieder einmal die Nacht bei seiner Geliebten zubrachte,

weckte der boshafte Mönch das ganze Kloster und rief: Dominus noster

Abbas mortuus est in anima. Die Mönche deuteten das auf den leiblichen

Tod des Abtes, und das war es eben, was der Pater wollte. Alsbald zog

man mitten in der Nacht mit Fackeln, Kreuz und Fahne an den bezeichneten

Ort, um die Leiche des Abtes einzuholen, und war nicht wenig überrascht,

den frommen Herrn anstatt auf der Totenbahre bei seiner Buhlerin zu

finden.

Doch ich brauche abermals nicht so weit zurückzugehen; die neuere Zeit

liefert Beweise dieser Art in Menge, und Ammann, der dreißig Jahre im

Kloster war, führt deren eine Menge an.

Im Jahr 1832 pflegte ein Pater namens Amandäus jedes Mal, wenn er sich

unter einem frommen Vorwand entfernen konnte, die Nacht bei einem

berüchtigten Frauenzimmer in Mels zuzubringen. Um den frommen Heuchler

auf der Tat zu ertappen, lauerten ihm einst einige junge Burschen auf

und erwischten ihn richtig in den Armen der Buhlerin. Im Triumph

schleppten sie ihn nach dem Kloster, und die Versetzung nach Schwyz war

seine ganze Strafe.

Zwei andere Klostergeistliche, Pater Augustin, Pfarrer in Tußnang, und

P. Benedikt, Pfarrer in Bettwiesen, verführten viele Frauen und gingen

ganz ungescheut in ihre Häuser unter dem Vorwand, dass sie die

Sterbesakramente dorthin zu bringen hätten.

In mehreren Orten der Schweiz, wo Klöster waren, wagte sich kein

Frauenzimmer am Abend auf die Straße, denn die brünstigen Pfaffen fielen

sie förmlich an, und ihre viehische Geilheit schonte selbst nicht

unreife Kinder.

Pater Friedrich aus dem Kapuzinerkloster in Appenzell hatte sich,

solange er noch bloßer Frater war und nicht das Kloster verlassen

durfte, mit unnatürlichen Ausschweifungen beholfen; als er aber Pater

wurde und mehr Freiheit hatte, verlangte er nach natürlichen. - Eines

Tages zog er von Appenzell nach dem Flecken Teufen in das St. Galler

Land, um in einigen katholischen Gemeinden zu predigen und Beichte zu

hören. Als er nicht weit von Teufen sich einem Wald näherte, lief ihm

ein Mädchen nach und bat ihn um ein Heiligenbildchen' wie die Kinder

überall, wenn sie einen Kapuziner sehen, zu tun pflegten. - Pater

Friedrich zog ein gemaltes Bildchen aus seiner Kapuze, zeigte es dem

Mädchen und versprach, es ihm zu schenken, wenn es weiter mit ihm kommen

wollte. Auf diese Weise lockte er das unschuldige Kind in den Wald.

Sobald er dasselbe in ein Gebüsch gebracht hatte, verübte er an ihm die

brutalste Notzucht.

Das kleine Mädchen schrie um Hilfe, und der Vater, der ihre Stimme hörte

und erkannte, eilte auf das schnellste herbei und ertappte den geilen

Pfaffen auf der Tat. Er behielt Mäßigung genug, dem Mönche nicht auf der

Stelle den verdienten Lohn zu geben, machte aber sogleich Anzeige von

den schändlichen Handlungen des Paters. Dieser wurde festgenommen und

nach Troegen gebracht, wo man die Sache gerichtlich untersuchte. Es

ergab sich, dass das arme Kind geschändet und bedeutend verletzt war.

Höchst merkwürdig sind die Ansichten, welche den Pater zu diesem

Verbrechen leiteten, die aber fast von allen Mönchen in den Klöstern

geteilt werden. Er glaubte, die Reformierten wären alle so schlecht,

dass sie nichts für Sünde hielten und dass bei ihnen alles erlaubt sei,

weil sie nicht beichten müssen! Daher meinte er denn, in den Augen

derselben kein Verbrechen zu begeben, wenn er ein reformiertes Kind

notzüchtigte!

Der Pater wäre zur öffentlichen Ausstellung an den Pranger und zum

Staupenschlag oder zu einer großen Geldbuße verurteilt worden, wenn sich

der damalige Landammann Joseph Anton Bischofsberger des Schurken nicht

auf das angelegentlichste angenommen hätte. Er kam also ohne die

verdiente Strafe davon. (Wer die tolle Wirtschaft, welche die Pfaffen in

der Schweiz mit den Bürgerfrauen und Mädchen treiben, genau kennenlernen

will, der lese das Büchelchen vom Ammann, welches ich weiter oben

anführte.)

Diese Pfaffenliederlichkeit ekelt mich an und wahrscheinlich auch die

Leser; allein der Vollständigkeit wegen muss ich doch noch einige Worte

über die in den Klöstern herrschenden unnatürlichen Laster sagen, welche

traurige Folgen des schändlichen Zölibats sind.

Ammann behauptet, dass unter 200 Kapuzinern wenigstens 150 Onanisten

sind. Er ist darüber ein kompetenter Richter, denn nur ein Kapuziner

konnte diese so genau kennen, als es bei ihm der Fall ist.

Im Kloster Fischingen trieb ein gewisser Pater Berchthold sein Wesen,

dessen hauptsächliches Geschäft es zu sein schien, Klosterschüler und

junge Mönche zu verführen. Absichtlich hörte er die Beichte nicht in

einem öffentlichen Beichtstuhl, sondern in einem dunklen Winkel, und

viele Knaben, die ihm hier beichteten, klagten, dass er sie habe

verführen wollen; allein der Guardian nahm davon nicht die mindeste

Notiz. Berchthold wurde natürlich immer dreister und trieb sein

abscheuliches Laster so ungescheut, dass man doch endlich gezwungen war,

ihn auf seine Zelle zu beschränken und zu versetzen.

Als Ammann eben die Gelübde abgelegt hatte, schlich dieser

Knabenschänder auch in der Nacht zu ihm, setzte sich auf sein Bett,

holte eine Flasche Schnaps und einiges Gebäck hervor und begann, ihm von

seinen Siegen über die Frauen zu erzählen. Als Ammann ihn bat, von etwas

anderem zu reden oder seine Zelle zu verlassen, sagte er: "Ja es ist

eitel, von solchen guten Bissen zu reden, die wir einmal nicht haben

können. Doch können wir einander auch Freude machen." - - Ammann wurde

endlich genötigt, durch Klopfen an der dünnen Seitenwand der Zelle Hilfe

herbeizurufen, worauf ihn der Verführer verließ.

An die Stelle dieses sauberen P. Berchtbold kam P. Joseph aus Freiburg.

Dieser war noch ärger als sein Vorgänger, indem er sich nicht allein

durch das oben bezeichnete Laster, sondern auch noch durch seine

verschmitzte Heuchelei und raffinierte Bosheit auszeichnete.

Dieser Schandbube wurde niemals bestraft, sondern nur versetzt, wodurch

nur Veranlassung gegeben wurde, dass sich seine abscheuliche Wirksamkeit

immer wieder verbreitete.

In Sursen hatte dieser P. Joseph einen bildschönen Jüngling so sehr

entkräftet, dass derselbe unter den schrecklichsten Schmerzen starb und

noch auf dem Sterbebett seinen Verführer und Mörder verfluchte.

Dieses unnatürliche Laster ist bei Mönchen und selbst bei weltlichen

katholischen Geistlichen in der Schweiz sehr gewöhnlich, und im Jahr

1835 wurden zwei derselben, Professor Schär und Kaplan Eisenring, im

Städtchen Wyl wegen Sodomiterei zur Untersuchung gezogen und später zum

Zuchthaus verurteilt. Es gelang ihnen aber, ins Ausland zu entfliehen.

Das Verhör ergab die abscheulichsten Tatsachen, und das Publikum wollte

anfangs gar nicht glauben, dass diese Männer, welche Stifter und

Bezirkspräsidenten des katholischen Vereins waren, solche Schandtaten

begangen haben konnten. Sie wurden durch Ammann selbst angeklagt, der

sich dadurch viele Feinde machte.

Diese Untersuchung hatte noch eine andere Entdeckung zur Folge. Ein

sechzehnjähriger Knabe kam zu Ammann und entdeckte ihm, dass der Prior

der Karthause zu Ittlingen im Thurgau mit ihm noch weit schändlichere

Dinge getrieben, als sie Schär und Eisenring zur Last gelegt wurden. Er

habe, durch den Prior beschwichtigt, nicht geglaubt, eine so große Sünde

zu begehen, aber jetzt sei ihm die Sache klar, da jene beiden dafür zum

Zuchthaus verurteilt wären.

Ähnliche Tatsachen würden ans Tageslicht kommen, wenn wir einmal von den

Klöstern anderer Länder so genaue und offenherzige Schilderungen

erhielten, wie sie uns Ammann und Rafaello Ciocci von der Schweiz und

von Rom geliefert haben. Es ist durchaus kein Grund vorhanden,

anzunehmen, dass die Mönche in anderen Gegenden sittenreiner sind, denn

dieselben Ursachen erzeugen gewöhnlich auch dieselben Wirkungen,

höchstens mit einigen, in der Hauptsache nichts ändernden Variationen.

Und solchen Männern sollen wir unsere Kinder zur Erziehung anvertrauen!?

Haben die Regierungen nicht den Mut und den Willen, das Volk von dieser

moralischen Pest zu befreien, so muss sich jeder Familienvater selbst

helfen. Die Zeiten haben sich wesentlich geändert, und keine Regierung

wagt es mehr, die Untertanen in die Kirche zu treiben oder sie zu

zwingen, zur Beichte zugehen. Übt sie auch noch einen Zwang aus auf

solche Bürger, die Staatsdienste suchen, so sollten doch wenigstens

diejenigen, welche ihre eigenen Herren sind, ihr Haus gegen den Einfluss

liederlicher, scheinheiliger Pfaffen bewahren und durch vernünftige

Lehren im Haus den in der Schule erhaltenen Unterricht unschädlich

machen, wenn die Regierung nämlich darauf besteht, den Besuch

sogenannter konfessioneller Schulen zu erzwingen. Wenn das Volk es

ernstlich verlangt, wird nicht nur die Schule von dem Einfluss der

Kirche befreit werden, sondern der Staat wird auch aufhören, sich um die

Religion seiner Untertanen weiter zu bekümmern, als es zum Schutz der

kein Gesetz verletzenden Ausübung der verschiedenen Religionen nötig

ist.

Werft zunächst die Pfaffen aus den Häusern und aus den Schulen und den

unvernünftigen Glauben aus dem Herzen, - das weitere findet sich von

selbst.

Der Pfaffenspiegel Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch-katholischen Kirche · 第 18 / 20 题