Im Weltgewühle wohnt
Der Sünde freche Fülle
In heil'gen Mauern thront
Unheiligkeit in Stille
Wie das Mönchswesen entstand, habe ich früher angedeutet. Klöster
stiegen im Mittelalter wie Pilze aus der Erde hervor. Bis zur
Reformation waren allein 14.993 Bettelmönchklöster errichtet worden!
Durch die Reformation und die darauf folgenden Kriege gingen in
Deutschland 800 Klöster zu Grunde, in Sachsen allein 130; aber dessen
ungeachtet fand Kaiser Joseph II. bei seinem Regierungsantritt noch 1565
Mönchs- und 604 Nonnenklöster in seinen Staaten. Zur Zeit Luthers belief
sich die Zahl der Mönche auf 2.465.000 und das stehende Heer der
Bettelmönche allein auf eine Million!
Es ist fast unmöglich, alle Spielarten dieser Mönche und Nonnen
aufzuzählen und ich unterlasse es daher, wie Marnix de St. Aldegonde in
seinem berühmten "Bienenkorb deß heil. Röm. Immenschwarms etc." und
bemerke nur mit seinen Worten: "Wie etliche in Schneeweis, etliche inn
kohlschwarz, die anderen in Eselgraw, inn grasgrün, in feuerrodt, in
himmelblaw, inn bund oder geschecket gekleyd gehn, die eynen eyn helle,
die andern ein trübe kapp antragen, die eyn Rauchfarb vom Fegefeuer
geräuchert, die andern von Requiem Todenpleych. Den einen Mönch graw wie
ein Spatz, den andern hellgraw wie eyn Klosterkatz: Etliche vermengt mit
schwarz und weis, wie Atzeln, Raupen vnd Läus, die andern Schwefelfarb
und Wolffsfarb, die Dritten Eschenfarb vnd Holtzfarb, etliche inn vil
Röcken vber einander, die andern in eyner blosen Kutt: Etliche mit dem
hemd vberm Rock, die andern ohn ein hemd, oder mit eym pantzerhemd, oder
härin hemd, oder Sanct Johannes Cameelshaut auf bloser haut: Etliche
halb, etliche gantz beschoren; etliche bärtig, die andern Unbärtig und
Ungeberdig: Etliche gehn barhaupt, vil Barfüßig, aber alle miteynander
müßig: Etliche sind ganz Wüllin, etlich Leinin, etlich Schäfin, etlich
Schweinin: Etlich füren Juden Ringlein auff der Brust, die andern zwey
schwerter kreutzweis zum kreutzstreich darauff geschrenkt, die dritten
ein Crucefix für die Bottenbüchs, die Vierten zwen schlüssel. Die
fünfften Sternen, die sechsten kräntzlin: die siebenden Spiegel auß dem
Eulenspiegel, die achten Bischofshut, die Neunten fligel, die Zehenden
Tuchschären, die eylfften Kelch, die zwölfften Muscheln und Jacobsstäb,
die Dreizehnden geysseln, die Viertzehenden schilt vnd andre sonst auff
der Brust seltsam grillen, von Paternostre, Ringen vnd Prillen. Sehet
da, die Feldzeychen sind schon ausgetheylt, es fälen nur die Federpusch,
so ziehen sie hin inn Krig gerüst."
Es war dies eine ungeheure Macht, besonders durch ihren Reichtum, zu
welchem sie durch die Schenkungen frommer Schwachköpfe und durch -
Betrügereien gelangten. Hatte eine Kirche oder ein Kloster Lust nach
einem schönen Landstrich, so fand sich bald im Klosterarchiv eine
vergilbte Pergamenturkunde, ausgestellt von diesem oder jenem Fürsten
der Vorzeit, welcher den ersehnten Landstrich dem Kloster schenkte. Im
Kloster St. Medardi zu Soissons war eine förmliche Fabrik von falschen
Dokumenten. Der Mönch Guernon beichtete auf dem Sterbelager, dass er
ganz Frankreich durchzogen habe, um für Klöster und Kirchen falsche
Dokumente zu machen. Da war es denn freilich kein Wunder, dass zur Zeit
der Revolution das Vermögen der Geistlichkeit in Frankreich auf 3000
Millionen Franken angeschlagen werden konnte!
Die Pfaffen verschmähen kein Mittel, um reich zu werden, denn sie hatten
längst erkannt, dass Geld Macht ist, und dann - sie wollten gut leben.
Ihre Gelübde wussten sie damit trefflich zu vereinigen, und was die
fanatischen Stifter der Klöster eingerichtet hatten, um dem Wohlleben zu
steuern, wurde von ihren Nachkommen so gedreht und gewendet, dass es
ihnen zu einer Quelle des Erwerbs und Wohllebens wurde.
Die Karthäuser zum Beispiel, denen ihre Regel den Genuss des Fleisches
verbot, kultivierten die Obstbaumzucht und die Fischereien in solchem
Grade, dass sich von deren Ertrage auch ohne Fleisch sehr luxuriös leben
ließ. Karthäuserobst ist in der ganzen Welt bekannt. Die Obstbaumschule
der Karthause in Paris trug jährlich 30.000 Livres ein. Dafür konnte
denn auch ihr Prior während einer Krankheit für 15.000 Livres
Hechtbouillon verzehren!
Die Messe war, wie die Mönche lehrten, die einzige Erfrischung für die
armen Seelen im Fegefeuer, die mächtigste Vogelscheuche für den Teufel,
und war für 30 Kreuzer zu haben, ja, die Bettelmönche lasen für die
Hälfte und standen sich umso besser.
Einzelne Klöster wurden außerordentlich reich durch einen Ablass, zu
welchem ihnen der Papst ein besonderes Privilegium gegeben hatte. Der
Portiunkula-Ablass brachte den Franziskanern Millionen. - Ein
Hieronymitenkloster bei Valladolid mit achtzig Mönchen hatte das
ausschließliche Privilegium, die Kreuzbulle zu verkaufen, was ihm
jährlich 12.000 Dukaten eintrug.
So gern nun auch die Mönche nahmen, so ungern gaben sie, und jeder, der
es wagte, sie mit Gewalt dazu zu zwingen, wurde bis in den tiefsten
Abgrund der Hölle verflucht, wie folgende Formel zeigt, die einer jeden
Schenkungsurkunde angehängt war: "Sein Name ist vertilgt aus dem Buch
des Lebens; und alle Plagen Pharaons sollen ihn treffen - der Herr werfe
ihn aus seinem Eigentum und gebe solches seinen Feinden - sein Teil sei
bei dem Verräter Judas - bei Dattam und Abiram - seine Äcker werden wie
Sodom, und Schwefel verderbe sein Haus wie Gomorra, - die Luft schicke
Legionen Teufel über ihn - er sei verflucht vom Fuß bis zum Haupt, dass
ihn die Würmer mit Gestank verzehren und seine Eingeweide ausschütte wie
Judas - sein Leichnam werde verzehrt von den Vögeln und wilden Tieren,
und sein Gedächtnis von der Erde vertilgt - verflucht alle seine Werke,
verflucht, wenn er aus- und eingeht, verflucht sei er im Tod wie ein
Hund, wer ihn begräbt, sei vertilgt. Verflucht die Erde, wo er begraben
wird, und er bleibe bei den Teufeln und seinen Engeln im höllischen
Feuer!" - Dabei musste einem Christen des Mittelalters wohl der Appetit
nach Klostergut vergehen!
Wenn nun auch das Hauptgeschäft der Mönche im Handel mit geistlicher
Ware bestand, so ließen sie sich doch auch zu dem mit irdischen Dingen
herab, als die ersten im Kurs zu fallen begannen. Viele Klöster wussten
sich das Recht zu erwerben, Wein und Bier zu verzapfen und verdienten
damit viel Geld. In Nürnberg verkaufte eins jährlich 4500 Eimer Bier.
Jeder Bettler, der in seine Bierstube kam, erhielt einen Pfennig, aber
das Glas Bier wurde ihm für zehn Pfennig verkauft.
Im Allgemeinen gaben sich die Mönche aber mehr mit dem Trinken als mit
dem Verkaufen ab, und die Klosterkeller stehen bei allen alten Zechern
im besten Andenken. Die frommen Väter hatten in ihren Kellern Fässer,
die größer waren als die Zellen ihrer Vorfahren, der armen Einsiedler.
Als man in Österreich die Klöster aufhob, fand man selbst in
Nonnenklöstern herrlich versehene Weinkeller. Die Kanonissinnen zu
Himmelspforten in Wien hatten in dem ihrigen noch 6800 Eimer und Raum
für das Doppelte. Es gab da einen Gottvaterkeller, Gottsohn- und
Heiligengeistkeller, einen Muttergottes-, Johannes-, Xaveri- und
Nepomukkeller. Der allergrößte, der Gottsohnkeller, war leer bis auf ein
einziges Fass. - Was mag nun erst in Mönchsklöstern für ein Vorrat
gewesen sein!
Saufen galt bei den alten Rittern als eine Tugend und es war die
einzige, in welcher sie es einigermaßen weit brachten, worin sie aber
dennoch im Allgemeinen von den Mönchen übertroffen wurden; einzelne
Ausnahmen fanden freilich statt, und es kam sogar vor, dass Mönche von
einem Ritter totgesoffen wurden.
Ein sehr geachteter protestantischer Geistlicher zu Caen in Frankreich
war angeklagt worden, über die Ohrenbeichte der Katholiken schlecht
gesprochen zu haben. Die Sache wurde sehr streng untersucht, aber man
konnte an dem Geistlichen keine Schuld finden und er wurde
freigesprochen. Der Jubel darüber war in Caen ungeheuer und jeder suchte
seine Freude auf irgendeine Weise an den Tag zu legen. Dies tat denn
auch ein Ritter, welcher in einem ziemlich schlechten Ruf stand. Er lud
zwei Kapuziner ein und "der Wein floss in Strömen". Es begann ein
Wettsaufen, welches damit endete, dass einer der Mönche mausetot auf dem
Platz blieb. - Seelenvergnügt ging nun der protestantische Edelmann zu
dem Geistlichen und sagte: "Er sei über dessen Freisprechung
außerordentlich erfreut und habe gedacht, dies durch nichts besser an
den Tag zu legen als dadurch, dass er dieser Freude einen Mönch opferte.
Eigentlich hätte es ein Jesuit sein sollen; da er diesen aber nicht habe
bekommen können, so möge der Geistliche diesmal mit einem Kapuziner
vorlieb nehmen."
Wenn die Klöster nicht selbst stark genug waren, sich zu beschützen, so
rechnete es sich irgendein Fürst zur Ehre, ihr Schutzherr zu sein, wofür
ihm dann von den Klosterherren diese oder jene Rechte eingeräumt wurden.
Aber nicht alle Schutzherren machten davon einen so ernsthaften Gebrauch
wie der Herzog Julius von Braunschweig. Dieser ließ die Äbtissin von
Gandersheim, eine geborene von Warberg, die sich mit ihrem
Stiftsverwalter zu tief eingelassen hatte, nach der Stauffenburg
abführen und hier (1587) lebendig einmauern!
Meistens brauchten die Klöster keinen Schutz; die Äbte und Prälaten
waren große Herren, welche Lehnsleute hatten, die ihnen zu allerlei
Diensten verbunden waren, wie auch Leibeigene. Oft war es bei diesen
Lehnsleistungen übrigens nur auf einen gnädigen Spaß abgesehen, der
mitunter sehr mittelalterlich derb war.
Der Lehnsmann eines Klosters zu Bologna musste jährlich dem Abt einen
Topf mit Reis und einem Huhn darin bringen und diesen Sr. Hochwürden
unter die Nase halten, denn - er war nur den Dampf davon schuldig.
Ein Bauernhof in Soest in Westfalen hatte die Verpflichtung, dem
Dominikanerkloster alljährlich ein Ei auf einem vierspännigen Wagen zu
bringen. - Im Quedlinburgischen mussten Bräute den Herren Pfaffen ihren
"Stech- oder Bunzengroschen" zahlen und im Paderbornschen eine Bockshaut
liefern. - Mehreren schwäbischen Klöstern mussten die Bräute einen
kupfernen Kessel geben, "so groß, dass sie darin sitzen konnten", und
die Beweisführung war natürlich das Hauptgaudium für die frommen Herren.
Die Gräfin Hidda von Eulenberg ließ sich von den Witwen, die wieder
heirateten, einen Beutel ohne Naht mit zwei "Schreckenbergern" darin
liefern, und unfruchtbare Eheleute mussten im Hildesheimschen
alljährlich, wegen des Abgangs an Taufgeld, damit man mit ihrem
Unvermögen Geduld habe, einen "Geduldshahn" opfern.
Die Fuchsnatur der Pfaffen offenbarte sich auch in ihrer Lüsternheit
nach Hühnern und ihre Lehnsleute mussten davon herbeischaffen, soviel
sie nur immer konnten. Es gab Haupt- und Leibhühner, Rauchhühner,
Erbzins- und Fastnachtshühner, Pfingst-, Sommer-, Herbst-, Ernten-,
Wald-, Garten-, Heu- und Ehrenhühner! Audubon hat diese Hühnerarten in
seiner Naturgeschichte der Vögel vergessen; doch waren sie ja auch nur
in Europa zu Hause, und Gloger, als er sein treffliches Werk schrieb,
hätte sich darum bekümmern sollen.
Manche Äbte und Bischöfe unterhielten Heere, wie es Fürsten nicht
vermochten. Der Bischof Galen von Münster hatte 42.000 Mann Infanterie,
18.000 Reiter und die schönste Artillerie, und die meisten Klöster waren
verbunden, ein mehr oder minder bedeutendes Kontingent zu den Truppen
des Landesbischofs stoßen zu lassen. Als die Reformation und die
Revolution die Klöster gehörig angezapft hatte, da wurde dies manchem
schwer genug, und eine Äbtissin schrieb an die Kreisdirektion: "dass sie
und ihre Kanonissinnen im letzten Krieg so von den Franzosen zugerichtet
worden, dass sie nicht im Stande seien, auch nur einen halben Mann
aufsitzen zu lassen."
Ehe wir nun einen Blick in die Klöster tun, wollen wir einmal prüfen,
welchen Nutzen die Mönche der Welt brachten. Wir werden leider finden,
dass dieser zu dem Übel, dessen Ursache sie waren, so wenig im
Verhältnis steht, dass er fast ganz und gar verschwindet.
Die Verteidiger des Mönchswesens machten geltend, dass durch Mönche das
Christentum in die fernsten Weltteile getragen wurde. Es ist das ein
sehr zweifelhaftes Verdienst, denn das Mönchs-Christentum brachte mehr
Fluch als Segen, wohin es auch immer kam, namentlich aber solchen
Völkern, die unter dem Einfluss eines ewig milden heiteren Himmels sich
gebildet hatten und für welche das scheußliche Mönchs-Christentum mit
seinen trübseligen asketischen Ansichten eine moralische Unmöglichkeit
war. Das erste Kloster wurde 1525, also vier Jahre nach der Eroberung
von Mexiko, gebaut und 10 Millionen unglücklicher Indianer wurden dem
blutigen Pfaffengott als Opfer geschlachtet!! Ähnlicher Art waren die
Wirkungen des durch Mönche verbreiteten Christentums fast überall. Die
Marianneninseln wurden früher von 150.000 glücklichen Naturkindern
bewohnt, und im Laufe der Zeit wurden sie durch christliche Krankheiten,
Trunksucht und das Franziskaner-Evangelium auf 1500 elende, Christen
genannte Subjekte reduziert.
Um auch dem Teufel zu geben, was ihm gebührt, will ich wenigstens
bemerken, dass die Jesuiten, welche sich viel mit dem Missionswerk
beschäftigten, neben dem vielen Schlechten, dessen Urheber sie sind, in
manchen Gegenden der Erde segensreich wirkten, so dass das Untergehen
ihrer Missionen zu beklagen ist, wie zum Beispiel in Südamerika, an den
Ufern des Amazonenstroms und des Orinoko.
Das Missionswesen, wie es von Katholiken und Protestanten betrieben
wurde und zum Teil noch betrieben wird, ist ein an der Menschheit
begangenes himmelschreiendes Unrecht, welches ich ein Verbrechen nennen
würde, wenn ihm nicht, großenteils wenigstens, ehrlich-dummer
Glaubenseifer zu Grunde läge. Die protestantischen Missionare, besonders
diejenigen, welche von dem puritanischen England auszogen, haben vor den
Mönchen nur allein das voraus, dass ihr Fanatismus weniger blutig war.
Die Bewohner der Freundschaftsinseln lieferten die schlagendste
Illustration zu dieser Behauptung, die jedem in die Augen fallen muss,
der die Schilderungen der dort lebenden Indianer vor und nach Einführung
des Christentums liest. - Männer wie Dr. Livingstone sind unter den
Missionaren sehr selten. Er und die wenigen ihm gleichgesinnten Männer
sind ein Segen für die Menschheit; allein ihr geläutertes Christentum
würde wenige Gnade finden vor den Augen der Inquisition oder selbst vor
orthodoxen englischen Christen. Ich nenne hier Dr. Livingstone und die
ihm gleichgesinnten Männer, da es ein bitteres Unrecht sein würde, sie
in den Tadel einzuschließen, der den größten Teil derjenigen trifft,
welche sich wie sie "Missionare" nannten und nennen.
Den Mönchen verdanken wir, sagen die Klosterverteidiger weiter, die
Erhaltung der Kunst und der Wissenschaft, wie auch die der meisten alten
Klassiker. Daran ist allerdings etwas Wahres, und besonders erwarben
sich die Benediktiner Verdienste in dieser Beziehung; aber eine andere
Frage ist es, ob sich nicht ganz ohne Mönche, ja ganz ohne Christentum,
Künste und Wissenschaften weit frühzeitiger und herrlicher entfaltet
haben würden.
Die alten Griechen dienen uns noch heute in manchen Zweigen der Kunst
als unerreichbare Muster und sind jemals die Wissenschaften unter der
Herrschaft der römischen Kirche so ins Volk gedrungen wie bei ihnen? -
Alle die herrlichen Resultate, welche sie erzielten, erreichten sie ohne
Christentum, ohne Mönche, und eine Tatsache ist es, dass die
Wissenschaften in Europa erst anfingen, recht aufzublühen, als das
Mönchsleben anfing abzusterben. Ja noch mehr, sind nicht noch heutzutage
die Heimatländer der Pfaffen und Klöster in Bezug auf Wissenschaften so
gut wie Null?
In der Malerei, Bildhauerkunst und Baukunst leisteten die Mönche noch
das meiste; allein, welch krasse Geschmacklosigkeit herrscht nicht in
den mönchischen Erzeugnissen der erstgenannten Künste. Einige technische
Fertigkeit mochten sie allenfalls erlangen; aber bei der Komposition der
Gemälde wie der Skulpturen war ihnen überall ihre Unwissenheit im Wege,
und sie brachten Dinge hervor, die an Abgeschmacktheit nicht
ihresgleichen finden. Wer alte Gemälde gesehen hat, besonders solche,
die aus Mönchshänden hervorgingen, wird mir recht geben.
Von den unendlich vielen Beispielen mönchischer Geschmacklosigkeit und
Borniertheit, wie sie sich in Gemälden äußert, nur zwei. In Erfurt
befand - oder befindet sich vielleicht noch - ein Gemälde, welches die
Transsubstantiation verherrlichen soll. Die vier Evangelisten werfen
kleine Papierchen in eine Handmühle, und auf den Zetteln liest man die
Worte: "Das ist mein Leib." Die vier großen Kirchenlehrer halten einen
Kelch unter, und das Jesulein fährt geschroten aus der Mühle in den
Kelch.
An einem anderen Ort befindet sich eine Darstellung von dem Opfer
Abrahams. Isaak kniet kläglich auf dem Holzstoß, und sein Vater setzt
ihm eine Pistole auf die Brust. Der Hahn ist gespannt, und man sieht,
der Erzjude will eben abdrücken; man zittert, aber oben in den Wolken
schwebt schon der Erretter, ein Engel, der so geschickt aus der Höhe
herunterpisst, dass durch sein heiliges Wasser das Pulver auf der Pfanne
nass und dadurch Isaak gerettet wird.
Es würde mich zu weit führen, wollte ich den Einfluss des mönchischen
Christentums auf die Malerei und Kunst überhaupt weiter ausführen; ich
überlasse das den unbefangenen Fachmännern und begnüge mich damit, auf
die in den Museen aufgehängten Erzeugnisse hinzuweisen, welche dieser
Religionsanschauung ihr Dasein verdanken. Es ist gewiss viel relativ
Herrliches darunter; allein man vergleiche es mit den Werken, die aus
einer Zeit und von Künstlern stammen, die sich von dem eigentlichen
römischen Christentum emanzipiert haben.
Den Mönchen verdanken wir auch die Schauspiele, rufen die
Klosterfreunde. - Nun, auf diesen Ruhm werden die frommen Männer,
welchen die Schauspiele ein Gräuel sind, eben nicht besonders stolz
sein; allein die Sache hat ihre Richtigkeit. Unsere Schauspiele gingen
allmählich aus den sogenannten Mysterien hervor, welche in den Klöstern
aufgeführt wurden; aber Shakespeare, Lessing, Schiller, Goethe und
Konsorten, welche die rein christlichen Vorbilder verließen und sich zu
viel mit den Schauspielen der alten Heiden beschäftigten, haben sie
vollkommen verpfuscht!
In diesen Klosterschauspielen erreicht die Mönchsdummheit ihren
Gipfelpunkt, und wer einmal recht von Herzen lachen will, der suche sich
dergleichen Machwerke zu verschaffen, und wer das nicht kann, der lese
das vortreffliche Werk von Karl Julius Weber, Die Möncherei . Der
treffliche Mann ist tot; aber wenn er sich noch um die Erde bekümmern
sollte, würde er sich gewiss freuen, dass ich in diesem Buch mir seine
fabelhafte Belesenheit zunutze machte.
Ein Lieblingsthema der Mönche scheint die Schöpfung gewesen zu sein,
denn sie wurde sehr oft dargestellt, und höchst erbaulich ist es, wenn
Gott, der im Schlafrock mit Brille und Perücke erscheint, von Adam auf
den Knien darum gebeten wird - erschaffen zu werden.
In einem dreiaktigen "Passionsspiel", welches 1782 unter dem Titel "Die
Sündflut" in Ingolstadt aufgeführt wurde, klagt Gottvater über das
sündige Leben der Menschen:
Ist das, o Mensch!das Leben dein!
Der Henker soll Gottvater sein,
Es tut mich bis in Tod verdrießen,
dass ich Euch Schweng'l hab' machen müssen.
Neptun und Aölus bieten nun Gott ihre Dienste an, das sündige Geschlecht
zu vertilgen, und ersterer sagt höchst ärgerlich:
Tut länger Ihr so barmherzig sein,
So schlagens uns noch in d'Fressen 'nein,
Ein Exempel müsst Ihr statuieren,
Sonst tun's einem noch ins Haus hofieren.
Endlich ist die Arche fertig und zum Abfahren bereit. Der Engel trinkt
mit Noah eine Flasche Wein; dieser geht endlich in die Arche, der Engel
schiebt den Riegel vor, und nun geht das Donnerwetter, das Regnen und
der Sturm los, dass die Menschen in der Luft herumfliegen.
Als endlich die Geschichte zu Ende ist und Noah opfert, spricht Gott:
Potz Element, was riecht so süß?
Das ist zu meiner Ehre gewiss.
Zum Zeichen, wie ich dir gewogen,
Nimm um den Hals den Regenbogen.
Fama posaunt dies nach allen vier Winden in einer herrlichen Arie aus:
Das bleibt der Welt nun immer kund,
Geschlossen ist der Gnadenbund.
Pum, Pum, Pumpidipum, Pum!
In einer Passionskomödie, die in einem schwäbischen Kloster aufgeführt
wurde, tritt Judas zu den versammelten Pharisäern:
Judas Gelobt sei Jesus Christ, Ihr lieben Herrn!
Phar. In Ewigkeit! Judas, was ist dein Begehr'n?
Judas Ich will Euch verraten Jesum Christ,
Der für uns am Kreuz gestorben ist.
Größerer Unsinn kann wohl nicht leicht in vier Zeilen gesagt werden!
Besonders stark in derartigen Schauspielen waren die Jesuiten; wenn sie
sich auch von solchen plumpen Dummheiten frei hielten; so ersetzten sie
dieselben reichlich durch mehr innerliche. Ein sehr schönes, originelles
Stück ist des Paters Sautter "Genius der Liebe", und ein Theaterdirektor
könnte heutzutage sein Glück machen, wenn er diese brillante Oper, mit
Offenbachscher Musik, auf die Bühne brächte.
Heilige Jungfrauen (aus meinem zweiten Kapitel) bringen dem Genius
"Gaben der Liebe" in goldenen Schalen. Der Genius singt:
Genius Nun! was bringt mir, liebe Bräute,
Euer Galantismus heute?
St. Luzia Herr! dir zum süßen Augenschmaus
Stach ich mir selbst die Augen aus.
St. Euphemia Für dich, o Herr, zur Morgengab',
Schnitt ich mir Nas' und Lefzen ab.
St. Apollonia Viel weißer als das Elfenbein
Siehst du hier Zähne, Jesus mein!
St. Magdalena Ich bringe dir zum Opfer dar
Meine schöne blonde Haar;
Nimm auch von mir verschreiten Musch
Den roten und den weißen Tusch.
Chor Pupillen,
Mamillen
Und Zähne schneeweiß!
Jungfräulich Haar',
Nasen und Lefzen und mehr solche War'
Steh'n, heilige Liebe, hier alle dir preis!
Die Prozessionen sind auch eine Erfindung der Mönche, und ihr seltsamer
Geschmack verwandelte sie in die seltsamsten, abenteuerlichsten und
lächerlichsten Possenspiele. Besonders bunt und toll waren die am
Karfreitag und am Fronleichnamsfest. Alle Personen aus dem Alten und
Neuen Testament erschienen in entsprechendem Kostüm - natürlich nach
mönchischer Anordnung und Angabe - im Zuge. Wie im wilden Heer wirbelte
der tollste Maskenzug, Menschen und Tiere durcheinander, die Straße
entlang. Jede Gruppe sang ihr eigenes Lied, und dem Zuschauer wurde ganz
schwindlig dabei. Nahm er aber nicht andächtig den Hut ab oder
unterstand er sich gar, über den tollen Spuk zu lachen, dann konnte es
ihm leicht sehr übel ergehen, denn die Geistlichen ermahnten selbst von
der Kanzel herab, die Spötter zu züchtigen.
Noch unter Karl Theodor von Bayern predigte der Karmeliter F. Damascenus
in München: "Liebe Christen, morgen ist Prozession. Ihr werdet da an
vielen Fenstern Freimaurer und Freidenker sehen, - Unchristen, die
unsrer spotten. Waffnet Euch mit dem Eifer des Herrn, greifet nach
Steinen und werfet sie nach ihnen." - Anstatt den Eiferer zu bestrafen,
ließ ihm Karl Theodor sein Wohlgefallen an seinem Eifer zu erkennen
geben! -
Diese Prozessionen endeten gar häufig mit Liederlichkeiten und
Saufereien, wenn sie nicht schon damit begannen. Engel, Apostel und
Teufel soffen sich gemeinschaftlich voll, und der Bauernlümmel, der
Christus vorstellte und der gewöhnlich der Dümmste war, kam meistens
betrunken ans Kreuz und fing an zu extemporieren. Ein solcher Christus,
den ein nicht ganz klar sehender Ritter Longinus mit der Lanze in der
Seite kitzelte, anstatt die mit Blut gefüllte Schweinsblase zu treffen,
schrie ganz erbost: "Hol mich der Teufel, Arm und Bein schlag ich dir
entzwei, wenn ich herunterkomme!"
Es kamen noch weit unanständigere und lächerliche Szenen bei dieser
Kreuzigung vor, die ich aber weglassen muss, weil sie zu sehr an die
Zote streifen. - Wäre ich ein Pfaffe oder ein Frommer, so müsste ich mit
einem Seufzer meine Augen zum Himmel aufschlagen und an diesen
"Missbrauch des Heiligsten" meine salbungsvollen Redensarten knüpfen;
ich mache aber nicht den geringsten Anspruch darauf, von irgend jemand
für einen "frommen Christen" gehalten zu werden, und muss ehrlich
gestehen, dass mich diese Sachen weit mehr amüsieren als empören.
Da wir aber nun einmal bei der spaßhaften Seite der Möncherei sind, die
ich bei der Charakteristik derselben nicht unberücksichtigt lassen
durfte, so mögen diejenigen Leser, welche sich vielleicht daran ärgern,
diesen Kelch auf einmal leeren. Ich will es übrigens kurz machen, obwohl
dieses Thema ein besonderes Buch verdiente.
Wer hätte nicht schon von den berühmten Predigten des Paters Abraham a
Sancta Clara gehört! Sie sind in einer neuen Auflage zum Amüsement der
Ketzer erschienen, und ich will mich daher nicht lange bei ihnen
aufhalten, da sie jedem zugänglich sind.
Diese Predigten, welche oft die originellsten und seltsamsten Vergleiche
und Wendungen enthalten, hatten seinerzeit auf das Volk eine große
Wirkung. In seinem Eifer brachte er oft die seltsamsten Dinge vor, wovon
der Schluss einer Predigt über den Ehebruch als Probe dienen mag: "Ja,
ja! es gibt so verdorbene Männer, dass sie diesem Laster nachrennen und
wenn sie zu Hause die schönsten Frauen haben! Wie gern würden wir, was
uns betrifft, die Stelle dieser Männer vertreten!"
In ähnlicher Art, aber noch derber und oft unflätig, predigte in der
Mitte des 16. Jahrhunderts der Pater Cornelius Adriansen zu Brügge in
Flandern, wo er in dem zu jener Zeit herrschenden großen
Revolutionskrieg eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Er sprach, was
ihm gerade in den Mund kam, und das war dann häufig sehr derb
niederländisch.
Einst verglich er des Himmels Süßigkeit mit - Hammelfleisch und weißen
Rüben, welches Gericht er wahrscheinlich sehr gern aß. Der Rat der Stadt
konnte es ihm nie recht machen, und er schimpfte über ihn ganz
öffentlich von der Kanzel, so dass ihm endlich das Predigen untersagt
wurde. Eine Rede gegen diesen Rat schloss er mit einer neuen
Beschuldigung und bereitete auf dieselbe mit den Worten vor: "Nun noch
eine Klette an seinen Hintern!" - Diesen Pater Cornelius werden wir im
nächsten Kapitel genauer kennenlernen, wenn ich von dem Missbrauch des
Beichtstuhls rede.
Noch populärer und einflussreicher als Cornelius und Abraham a Sancta
Clara übte der kurz vor der Revolution in Neapel verstorbene Pater Rocco
aus. Dieser sagte dem König Ferdinand die derbsten Wahrheiten, und man
durfte ihn nicht hindern, denn in seiner Hand lag das Schicksal Neapels.
Alle Lazzaroni zitterten, wenn er den Mund auftat und niemand wagte eine
Miene zu verziehen, wenn er auch die lächerlichsten Dinge vorbrachte.
Einst jagte er einen Marktschreier von seiner Bühne herab, trat an seine
Stelle, hielt das Kreuz in die Höhe und rief mit Donnerstimme. "Dies ist
der wahre Policinello!" Alles zitterte und er hielt den Ehebrecherinnen
eine furchtbare Strafpredigt über den seltsamen Text: "und Alexanders
Bucephalus ließ niemand aufsitzen als seinen Herrn und übertraf die
Menschen an Tugend."
"Ich will sehen," sprach er, "ob eure Sünden Euch leid sind. - Wem es
mit der Buße Ernst ist, der hebe die Hand in die Höhe." - Alle Hände
reckten sich in die Höhe. - "Nun, heiliger Michael, der du mit deinem
Flammenschwert am Thron des Ewigen stehst, haue alle die Hände ab, die
sich in Heuchelei erheben!" - und alle Hände sanken wie mit einem
Schlage herunter. Nun aber begann Rocco eine furchtbare Strafpredigt und
schloss dieselbe mit Erzählung einer Vision oder eines Traumes, in
welcher er durch eine Abtrittsöffnung tief, tief hinuntergesehen auf
eine ungeheure Schar von Lazzaronis, die der Teufel sich alle hinten
hineingesteckt habe in eine Öffnung, die so groß gewesen sei wie der See
Agnano.
Die römische Kirche zählt unter ihren Mönchspredigern so viele
originelle Leute, dass ich nur einige wenige anführen kann. - Ein
Kapuziner hatte sich von einem anderen eine Passionspredigt machen
lassen; sie schloss: "Und Christus verschied." Dieser Schluss schien dem
Pater doch gar zu dürftig, und er fügte noch schnell hinzu: "Nun, Gott
sei dem armen Sünder gnädig!"
Der Liebling des Würzburger Publikums am Ende des vorigen Jahrhunderts
und einer der größten Feinde der Aufklärung war der achtzigjährige
Kapuziner Pater Winter. Eine Rosenkranzpredigt schloss er einst mit
folgender Frage: "Wer sind die Neuerer?" - sehr lange spannende Pause ß
"Esel sind sie, Amen!"
Ein Franziskaner hielt 1782 bei Einkleidung einer Nonne zu Gmünd eine
Predigt, die von ganz Deutschland mit vielem Lachen gelesen wurde.
Besonders komisch ist der Schluss: "Nun, geistliche Braut, seien Sie ein
junger Affe, der seiner Mutter, der würdigen Frau Oberin, alles nachäfft
- äffen Sie nach dem alten Affen in Tugenden, Kasteiungen und Bußwerken,
- äffe nach, du junger Affe, ihre Keuschheit, Demut, Geduld und
Auferbaulichkeit! - Und Sie, würdige Oberin! gleichen Sie dem alten
Bären, der ein ungelecktes Stück Fleisch so lange leckt, bis es die
Gestalt eines jungen Bären hat; - lecke, du alter Bär, gegenwärtiges
geistliches Stück Fleisch so lange, bis es dir vollkommen ähnlich ist; -
lecke du auch dein ganzes Konvent, samt allen Kost- und
Klosterfräuleins! - Lecke, du alter Bär, die sämtliche Familie der
geistlichen Braut und alle hier in dem Herrn Versammelten; - zuletzt
lecke auch mich, damit wir alle wohlgeleckt und gereinigt den Gipfel der
Vollkommenheit erreichen mögen. Amen!"
Eines der originellsten Predigertalente war aber wohl der sogenannte
Wiesenpater zu Ismaning in Bayern, der vor hundert Jahren lebte. Seine
Rosenkranzpredigt: "Der heilige Rosenkranz über'waltigt d'Höllenschanz"
und seine Schwanzpredigt sind höchst komisch. Die Letztere sollte
bewirken, dass die Bauernburschen sich nicht mehr, wie sie zu tun
pflegten, Sauschwanz schimpften, sondern beim Namen nannten. In ihr
kommt folgende Stelle vor: "Warum, meine Christen, ist gewachsen dem
Hund sein Schwanzerl? Dem Hund sein Schwanzerl ist gewachsen, damit er
wedle und wackle, dass ihm nicht fahren die Mucken ins Loch. - Wir
Geistlichen sind aber die wahren Schwanzerl, wir müssen wedeln und
wackeln, damit nicht fahren die Seelen der gläubigen Christen ins Loch
des Teufels!"
Wenn nun auch einzelne Spötter über solche Mönchspredigten lachten, so
waren sie doch von Wirkung auf das Volk und dem Bildungsgrad derselben
angemessen. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so hätte Luther gewiss
nicht in derselben Weise gepredigt. Einst predigte er über die letzte
Posaune: "So geht es in die Feldschlacht; man schlägt die Trommel und
bläst die Trompete Tara-tan-ta-ra! - man macht ein Feldgeschrei Her!
Her! Her! - der Hauptmann ruft Hui-Hui-Hui! Bei Sodom und Gomorrha waren
die Trompete und Posaune Gottes, da ging es
Pumperlepump-Plitz-Platz-Schein! - Schmier! Denn wenn Gott donnert, so
lautete es schier wie eine Pauke Pumperlepump - das ist das Feldgeschrei
und die Taran-tan-tara Gottes, dass der ganze Himmel und alle Luft wird
gehen Kir-Kir-Pumperlepump!" - Nun denke man sich dazu die Gebärden des
heftigen Mannes und bewundere die Zuhörer, welche zitterten und bebten
und nicht lachten!
Von den evangelischen, protestantischen, lutherischen und anderen
nichtrömischen Predigern hört man auch zuzeiten Unsinn, welcher dem
vorangeführten nicht viel nachgibt. Ich kannte einen Garnisonsprediger
Ziehe in Berlin, der sehr häufig in Knittelversen predigte. Meistens
reden die Herren aber langweilen Unsinn.
Hätten die Mönche weiter nichts getan als schlechte Schauspiele
aufgeführt und verrückte Predigten gehalten, dann könnte man ihnen ihr
Dasein allenfalls verzeihen, allein sie übten einen unendlich
unheilvollen Einfluss dadurch, dass sie sich der Erziehung des Volks
bemächtigten und über die Schule hinaus demselben Laster einimpften, die
in den Klostermauern ausgebrütet wurden und in denselben die größten
Schandtaten und Niederträchtigkeiten hervorbrachten, die in der "Welt"
sicher sehr selten vorkommen und dann mit den härtesten und
entehrendsten Strafen, die das Gesetz vorschreibt, bestraft werden.
Wer von den Klostergeistlichen nichts weiter kennt als ihre
Lächerlichkeiten, der ist gar leicht geneigt, sie für harmlose Dummköpfe
zu halten; wer aber tiefer in das Klosterleben hineinsieht, der entsetzt
sich vor der Bosheit und Verworfenheit dieser "frommen" Herren, die in
echt römisch-katholischen Ländern noch heute den größten Einfluss haben.
Mönche zu Lehrern des Volkes zu machen, ist das schwerste und
verderblichste Unrecht, welches man an demselben begehen kann und
unbegreiflich bleibt es, dass die Erfahrungen von Jahrhunderten darüber
noch nicht genügend aufgeklärt haben und dass in vielen Ländern Europas
das Schulwesen mit dem Mönchswesen auf das engste verbunden und selbst
in protestantischen Ländern von der Kirche abhängig gemacht worden ist.
Das pedantische Pennalwesen, welches noch heutzutage selbst in vielen -
protestantischen Schulen, besonders in England, herrscht, ist die Folge
der Mönchsschulen, wo die Kinder auf die schauderhafteste Weise
behandelt wurden.
Man sollte es kaum für möglich halten, dass die preußische Regierung
noch am Anfang dieses Jahrhunderts den Trappisten, den
allerwahnsinnigsten Mönchen, die es gab, die Erlaubnis erteilte, zu
Bieren und Walda im Paderbornischen Schulen zu errichten!
Diese fanatischen, bornierten Mönche übernahmen junge Leute, ja Kinder
beiderlei Geschlechts von drei bis vier Jahren - zur Erziehung! Der Abt
reiste überall selbst umher, leichtgläubige Eltern zu verführen, ihm
ihre armen Kinderchen zu übergeben. Auf diese Weise wurden Hunderte
dieser unglücklichen Opfer zusammengeschleppt. Es wäre ihnen besser
gewesen, man hätte sie gleich bei der Geburt erstickt! - Die Mütter
wären wahnsinnig geworden, hätten sie gesehen, wie die Trappisten mit
den unschuldigen Kindern umgingen. Die Schilderung, welche ein
Augenzeuge davon machte, wendet einem nicht ganz gefühllosen Menschen
das Herz im Leibe herum!
Die Kinder, meistens im Alter von vier bis zehn Jahren, lebten in
düsteren Zellen, deren ganzes Gerät ein Strohsack, ein Totenkopf, Spaten
und Hacke war, womit sie ihre Kartoffelfelder bearbeiteten, die sie
nebst Wasser und Brot nährten. Sie waren gekleidet wie die Trappisten
und mussten ganz ebenso leben wir ihre Lehrer. Sie durften nicht reden
und die ganze Anstalt glich einem Taubstummen-Institut. Wenn solch ein
armes Kind zur Unzeit sprach, lachte, aß oder sonst einen kleinen Fehler
beging, wurde es bis aufs Blut gegeißelt . Fortwährend Prügel, gewürzt
durch etwas Latein, das war die ganze Erziehung, denn alle anderen
Wissenschaften wurden verachtet.
Es konnte nicht ausbleiben, dass viele der Kinder durch die Flucht sich
dieser barbarischen Behandlung zu entziehen suchten; allein die armen
Geschöpfe wurden leicht wieder eingefangen, und die fürchterlichsten
Strafen schreckten von ferneren Fluchtversuchen ab. Klagen konnten die
Ärmsten niemandem, denn die Eltern durften ihre Kinder nicht sprechen,
und diese waren bis zum 21. Jahr Eigentum des Klosters!
Die Folge davon war, dass eine große Menge der Kinder krank oder
wahnsinnig wurden. Es kamen Gerüchte davon unter das Volk, und der
Ex-Jesuit Le Clerc schrieb öffentlich gegen diese Kindermordanstalt.
Seine Stimme fand Gehör, und Friedrich Wilhelm III. von Preußen machte
der Scheußlichkeit ein Ende.
Aber nicht alle Fürsten denken so vernünftig, und wir sehen in anderen
Staaten Klöster und Klosterschulen in höchster Blüte. Die Mönche
trachten danach, ihre Schüler zu Mönchen oder doch möglichst
mönchähnlich zu machen, und in der höchsten Vollkommenheit zeigen sich
diese Bestrebungen bei der Erziehung der Novizen, weshalb ich einiges
darüber sagen will.
Climakus spricht: "Es ist besser gegen Gott sündigen als gegen seinen
Prior." Das erste Gesetz in einem Kloster ist unbedingter Gehorsam, und
deshalb trachtet man denn auch vor allen Dingen danach, Geist und Körper
in Fesseln zu legen. Ein Novize darf gar keinen Willen haben; er muss
auf den Wink der frommen Väter oder des Novizenmeisters aufpassen wie
ein Pudel in der Dressur. Er muss auf Befehl krank und gesund sein, sich
in Wasser oder Feuer stürzen und die unsinnigsten Dinge vornehmen, wenn
sie ihm geheißen werden.
Die Novizen sind die Hofnarren der Patres und müssen sich alle Ausbrüche
ihrer guten oder bösen Laune gefallen lassen. Diese nehmen mit ihren
Zöglingen die allerverrücktesten Dinge vor, um sie "an Gehorsam und
Demut zu gewöhnen".
Die Novizen mussten zum Beispiel manchmal, mit schweren Reitstiefeln
angetan, auf einem Bein um den Tisch hüpfen oder ein Dutzend Purzelbäume
schlagen, so gut sie es konnten. Dann wurde ihnen wieder befohlen,
Fischeier oder Salz in die Erde zu säen, oder man spannte sie an einen
Wagen und ließ sie einen Strohhalm oder eine Feder spazieren fahren.
Kapuziner haben ihren Novizen Heu und Stroh vorgesetzt oder sie aus
Sautrögen essen lassen. Ein Vergnügen, welches sie sich oftmals machten,
war, dass sie auf dem Fußboden einen Strich mit Kreide zogen und nun den
Novizen befahlen, diesen aufzulecken. Das war an und für sich schon arg
genug; aber überdies zogen sie den Strich absichtlich über den Speichel,
womit sie die Dielen zu verzieren pflegten.
Oft ließ man die armen Dulder auch exerzieren. Es wurde ihnen ein alter
Kessel über den Kopf gestülpt, ein Bratspieß oder ein Flederwisch an die
Seite gesteckt und eine Bratpfanne als Gewehr über die Schulter gelegt.
Wehe dem Unglücklichen, der es wagte, die Miene zu verziehen oder sich
gar Worte des Widerspruchs zu erlauben; ihn erwarteten strenge Strafen.
Wenn ein Novize vielleicht beim Gesang zu früh einfiel oder die Tür zu
heftig zuwarf, etwas fallen ließ und dergleichen, so war dies eine culpa
levis, und man strafte ihn damit, dass man ihn, auf den Knien liegend,
mit ausgestreckten Armen ein langes Gebet sprechen ließ oder indem er
einen Finger in die Erde steckte, was man Bohnenpflanzen nannte.
Eine culpa media war es, wenn es der Novize unterließ, dem Obern die
Hand oder den Gürtel zu küssen, oder vergaß, sich vor dem
Allerheiligsten, wenn es vorbeigetragen wurde, zu verneigen oder wenn er
ohne Erlaubnis auslief. Für solche Vergehen musste er hungern oder mit
seinem Gürtel um den Hals an der bloßen Erde essen.
Ging er "ohne geistliche Waffen", das heißt ohne Rock, Skapulier und
Gürtel zu Bette; besaß er irgend etwas als Eigentum; schrieb er Briefe
oder opponierte sich gar gegen Obere, dann beging er eine culpa gravis
und wurde mit entsetzlichen Hieben, Fasten und Einsperrung bestraft.
Eine culpa gravissima aber war es, wenn er einen anderen geschlagen,
verwundet oder gar getötet oder wenn man den Novizen auf wiederholter
Unkeuschheit ertappt hatte oder wenn er den Versuch machte, aus dem
Kloster zu entweichen. Diese Verbrechen wurden nach den Umständen oder
nach der Laune der Obern mit einjähriger Einsperrung bei Wasser und Brot
oder auch mit täglicher Geißelung und ewigem Gefängnis bestraft.
Und was für Gefängnisse waren es, in welchen die Ärmsten oft wegen
geringer Vergehen jahrelang sitzen mussten. Pater Franz Sebastian
Ammann, der Benediktinerstudent im Kloster Fischingen und dann Guardian
(Vorsteher) mehrerer Klöster in der Schweiz gewesen war und dem wir die
interessantesten und abschreckendsten Aufschlüsse über das jetzige
Klosterleben verdanken, beschreibt auch den im Kapuzinerkloster auf dem
Wesamlin bei Luzern befindlichen Kerker (Custodie). Er liegt an einem
feuchten und grauenhaften Ort, ist von dicken Balken aufgeführt, mit
zwei Türen und einem kleinen stark vergitterten Fenster versehen und
inwendig ungefähr 12 Fuß lang, 6 breit und ebenso hoch. Da er nicht
heizbar ist, so hat hier schon mancher durch Kälte und schlechte Nahrung
sein Leben eingebüßt. Wie mögen nun erst dergleichen Löcher im
Mittelalter beschaffen gewesen sein.
Die gewöhnliche Beschäftigung der Novizen war sehr dazu geeignet, den
Menschen in ihnen zum Vieh herabzuwürdigen. Ihre wissenschaftlichen
Studien bestanden darin, dass sie aszetische Schriften oder das Brevier
lesen mussten, woraus allerdings sehr viel Weisheit zu holen war! - Dann
mussten sie sich im Schweigen und im Niederschlagen der Augen, kurz, in
der Heuchelei üben. Wer zu unrechter Zeit den Mund auftat, musste eine
Zeitlang ein Pferdegebiss im Mund tragen, und wer seine Augen zu viel
umherschweifen ließ, erhielt ein Brille oder Scheuklappen.
Ferner war es das Geschäft der Novizen, zu läuten, die Treppen, Gänge,
ja selbst die Abtritte zu fegen. Wer verschlief, der musste mit der
Matratze oder mit dem Nachttopf am Hals erscheinen oder im Sarg
schlafen. - Holz, Licht und Wasser herbeizuholen, gehörte ebenfalls zu
ihren Verrichtungen, und außerdem mussten sie noch im Chor singen bis
zur äußersten körperlichen Erschöpfung.
Dabei fehlte es nicht an allerlei Kreuzigungen des Fleisches. Sie
mussten in der größten Hitze dürsten, bis sie fast verschmachteten; den
Abspülicht der Geschirre als Suppe essen oder, wenn sie hungrig waren,
mit jedem Löffel voll Speise eine Leiter hinaufsteigen und durften ihn
erst dann in den Mund stecken, wenn sie oben angelangt und noch etwas
darin war.
Zu Meran in Tirol musste 1747 an einem Fest ein Kapuziner-Noviz - er war
der Sohn eines Grafen - drei Stunden lang gebunden an einem Kreuze
hängen und fortwährend rufen: "Erbarmen mir großem Sünder!" - Er hatte
einen Krug zerbrochen! Fischingen, in welchem der oben genannte
ehemalige Guardian Ammann von seinem siebten bis vierzehnten Jahr war,
stand in dem Rufe, eines der sittenreinsten und vorzüglichsten Klöster
der Schweiz zu sein, und welche Nichtswürdigkeiten gingen hier vor!
(Öffnet die Augen, Ihr Klösterverteidiger u.s.w. von F. S. Ammann. 7.
Aufl. Bern, bei C. A. Jenni Sohn, 1841. Ein höchst lesenswertes
Schriftchen, welches nur wenige Groschen kostet)
Die liederlichen Patres lebten untereinander wie Hund und Katze und
einer suchten den anderen auf jede Weise zu schaden. Ammann wurde von
einem seiner Lehrer so lange mit einem schweren Lineal auf die
Fingerspitzen geschlagen, bis Blut herausspritzte und die Hände ganz
dick geschwollen waren. Dann musste er in einem offenen Gange mitten im
Winter zwei Stunden lang auf dem Ziegelboden sitzen; und warum? - Weil
er von einem andern Lehrer nichts Böses zu sagen wusste! - Mönche sind
nur eins in ihrem Hass gegen die Weltgeistlichen, aber diese werden von
ihnen gründlich gehasst.
Ein von dem ehemaligen Benediktiner zu Rom Raffaeli Cocci, 1846 (bei
Pierer in Altenburg) veröffentlichtes Buch enthält über die Novizen und
über die Klosterverhältnisse so entsetzliche Tatsachen, dass sich beim
Lesen derselben die Haare sträuben. Der Unglückliche wurde durch seine
von den Geistlichen ganz umgarnten Eltern gezwungen, ins Kloster zu
gehen und hatte hier Schreckliches zu leiden, bis es ihm endlich 1842
gelang, nach England zu fliehen, wo er wohl noch lebt.
Interessant ist zu beobachten, wie den Knaben schon von Jugend auf unter
dem Schleier der Religion der bitterste Hass gegen die Protestanten in
das Herz gepflanzt wird. Diese, lehrte man, beteten den Mammon als Gott
an und glaubten nicht an Christus; täglich kämen bei ihnen Fälle vor, wo
einer den anderen totschlüge; die Römisch-Katholischen, die in ihre
Länder kommen, würden zum Tode verurteilt; sie hätten keine Gesetze,
sondern lebten fortwährend in einem anarchischen Zustand.
Wenn ein Novize Vernunft zeigte, dann war es um ihn getan: er hatte die
entsetzlichsten Qualen zu erdulden. Man wandte die äußersten Mittel an,
den rebellischen Geist des Knaben durch Einwirkungen auf die Sinne zu
brechen, was bei vielen zum Wahnsinn führte. Cocci fand einst nach einer
schrecklichen Predigt in seiner Zelle ein grinsendes Totengerippe und
ein anderes Mal ein scheußliches Gemälde des Jüngsten Gerichts, welches
mit vielen Lichtern beleuchtet war. Wenn solche Mittel nicht fruchten
wollten, dann folgten die grausamsten Geißelungen.
Weiter unten, wenn ich von den Folgen des Zölibats in den Klöstern rede,
wird sich zeigen, welchen schändlichen Verführungen die unter Leitung
der Mönche stehenden Knaben ausgesetzt sind, und ein jeder Vater wird
daraus erkennen können, wie höchst gefährlich es für seine Kinder ist,
wenn er diese in Klosterschulen unterrichten lässt.
Welche Vorteile kann auch diesen Gefahren für die Sittlichkeit gegenüber
die Erziehung durch Geistliche gewähren! Der größte Teil derselben,
mögen sie nun Katholiken, Lutheraner oder Reformierte heißen, sind
beschränkt und diejenigen, die es nicht sind, müssen so scheinen, da
ihre Existenz davon abhängt. Die unter ihrer Leitung erzogenen Knaben
saugen von Jugend auf eine Menge falscher Ansichten und Vorurteile ein,
die sie dann ihr ganzes Leben lang wie eine Sklavenkette mit sich
herumschleppen und die ihnen vielfach an ihrem Fortkommen hinderlich
sind. Man nehme die Erziehung aus den Händen der Geistlichen und trenne
die Kirche durchaus von der Schule; ehe das nicht geschieht, werden wir
nicht Männer erziehen, welche den Anforderungen des gegenwärtigen
Jahrhunderts entsprechen.
Ich erwähnte oben, dass die Novizen für geringe Vergehen grausam
gegeißelt wurden, und muss einiges über das Geißeln überhaupt sagen, da
es eine ganz außerordentlich große Rolle in der römischen Kirche und
besonders in den Klöstern spielt. Ich habe einen ganzen Band über das
Geißeln geschrieben, und andere haben es vor mir getan, aber dennoch den
Gegenstand nur oberflächlich behandeln müssen, da er in der Tat zu
reichhaltig ist, um in einem Band erschöpft werden zu können. Hier muss
ich mich vollends nur auf wenige und fragmentarische Angaben
beschränken.
Schon unter den Christen der ersten Jahrhunderte gewann der Gedanke
Raum, dass es verdienstlich und zur Erlangung der Seligkeit förderlich
sei, sich Entbehrungen und körperliche Qualen freiwillig aufzuerlegen.
Der Gedanke lag nahe, sich diese durch selbst erteilte Schläge zu
verursachen, und wir finden daher schon frühzeitig unter den Christen
Selbstgeißler, besonders unter den Mönchen. In den Statuten vieler
Klöster heißt es darüber: "Wenn die Mönche die Geißelung an sich selbst
ausüben, so sollen sie sich an Christus, ihren liebenswürdigsten Herrn,
erinnern, wie er an die Säule gebunden und gegeißelt ward, und sollen
sich bemühen, wenigstens einige geringe von den unaussprechlichen
Schmerzen und Leiden selbst zu erfahren, welche er erdulden musste." -
Andere Gründe für die Selbstgeißelung waren, dass man dadurch sein
Gewissen beruhigte, wenn man eine Sünde begangen hatte, und als durch
die Pfaffen der Glaube aufkam, dass man durch diese oder jene von ihnen
auferlegte Pönitenz sich entsündigen könne, so lag der Gedanke nahe,
dass dies durch selbst gegebene Schläge geschehen könne. Ein weiterer
Grund dafür war auch der, dass man dadurch die "Anfechtungen des
Fleisches" besiegen wollte.
Allmählich wurde die freiwillige Geißelung als Bußmittel immer
beliebter. Es bildeten sich besondere Gebräuche dabei und das Verhältnis
zwischen Sünde und Hiebe wurde festgestellt. Besondere Bußbücher
bestimmten, durch welche Strafen gewisse Sünden gebüßt werden könnten.
Geißelhiebe wurden gleichsam die Scheidemünze der Buße besonders für
diejenigen, welche der römischen Kirche keine anderen Münzen zahlen
konnten.
In der Mitte des 11. Jahrhunderts gab es in Italien einige Männer,
welche im Selbstgeißeln Unerhörtes leisteten. Sie geißelten sich nicht
nur für ihre Sünden, sondern übernahmen auch die Buße für die Sünden
anderer.
Von den vielen Geißelhelden will ich nur den berühmtesten anführen. Es
war dies der Mönch Dominikus der Gepanzerte, welchen Namen er erhielt,
weil er beständig, außer wenn er sich geißelte, einen eisernen Panzer
auf dem bloßen Leibe trug, Petrus de Damiani, der Kardinalbischof von
Ostia, war Abt des Benediktinerklosters zu Fonte-Avallana, in welchem
Dominikus lebte. Er erzählt:
"Kaum vergeht ein Tag, ohne dass er mit Geißelbesen in beiden Händen
zwei Psalter hindurch seinen nackten Leib schlägt, und dieses in den
gewöhnlichen Zeiten, denn in den Fasten oder wenn er eine Buße zu
vollbringen hat (oft hat er eine Buße von hundert Jahren übernommen),
vollendet er häufig unter Geißelschlägen wenigstens drei Psalter. Eine
Buße von hundert Jahren wird aber, wie wir von ihm selbst gelernt haben,
so erfüllt: Da dreitausend Geißelschläge nach unserer Regel ein Jahr
Buße ausmachen und, wie es oft erprobt ist, bei dem Hersingen von zehn
Psalmen hundert Hiebe stattfinden, so ergeben sich für die Disziplin
eines Psalters fünf Jahre Buße, und wer zwanzig Psalter mit der
Disziplin *) absingt, kann überzeugt sein, hundert Jahre Buße vollbracht
zu haben. Doch übertrifft auch darin unser Dominikus die meisten, da er
als ein wahrer Schmerzenssohn, da andere mit einer Hand die Disziplin
ausüben, mit beiden Händen unermüdet die Lüste des widerspenstigen
Fleisches bekämpft. Jene Buße von hundert Jahren vollendete er aber, wie
er mir selbst gestanden hat, ganz bequem in sechs Tagen." - Er gab sich
also nach dem angegebenen Maßstab (3000 für ein Jahr) während dieser
sechs Tage 300.000 Hiebe. Er musste sich also täglich sieben Stunden
geißeln und in jeder Sekunde zwei Hiebe geben, was angeht, da er sich
mit beiden Händen geißelte.
---- *) Ursprünglich bedeutet dieses Wort alle Strafen und Züchtigungen;
als aber die Disziplin durch Geißeln über jede andere Art den Preis
davontrug, wurde das Wort Disziplin der technische Ausdruck, womit man
diese Art Züchtigungen bezeichnete, und endlich nannte man selbst das
Instrument, welches zum Schlagen gebraucht wurde, die Disziplin. ----
Welchen Anblick mag der Körper dieses Geißelhelden dargeboten haben,
denn schon beim achten Psalter war das Gesicht zerschlagen, voller
Striemen und blau und braun. Der Körper Dominikus', erzählt Damiani mit
Stolz, habe ausgesehen wie die Kräuter, welche der Apotheker zu einer
Ptisane zerstoßen habe!
Es entstand unter den Frommen Streit darüber, ob man sich beim Geißeln
entkleiden solle oder nicht, und ferner, ob Schläge auf Rücken und
Schultern oder auf den Hintern der Gesundheit weniger nachteilig oder
dem Himmel angenehmer seien. Die ganze geißelnde Welt teilte sich in
zwei Parteien; die eine zog die obere Disziplin vor (disciplina supra,
oder im besten Mönchslatein secundum supra), die andere die untere
Disziplin (disciplina deorsum, secundum sub.). Die Gegner der unteren
Disziplin sagen, sie verstoße gegen die Schamhaftigkeit, und der Abbé
Boileau sagt in seinem berühmten Werk darüber: "Der hl. Gregorius von
Nyssa lobt in seiner kanonischen Epistel den Gebrauch, die toten Körper
zu vergraben, welches man seiner Meinung nach tue, damit die Schande der
menschlichen Natur nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt werde. - Aber ist es
bei der verdorbenen Natur nicht weit schamloser und niederträchtiger,
beim Lichte der Sonne die Lenden junger Mädchen und ihre, obwohl der
Religion geweihten, nichtsdestoweniger wunderschönen Schenkel zu zeigen
als einen bloßen und entstellten Leichnam?"
Trotzdem fand die untere Disziplin bei den Frauen den meisten Beifall,
und die medizinischen Gründe des gelehrten Abbé Boileau, die ich
hierhersetze, machten wenig Eindruck; - im Gegenteil.
"Wenn man ein Übel flieht", sagt der Abbé, "so muss man wohl achtgeben,
dass man nicht unklugerweise in das entgegengesetzte rennt und dass man,
nach dem lateinischen Sprichwort, um die Szylla zu vermeiden, nicht in
die Charybdis gerät. Wenigstens ist die Geißelung der Lenden umso viel
gefährlicher, als die Krankheiten des Geistes mehr zu fürchten sind als
die des Körpers. Die Anatomen bemerken, dass die Lenden sich bis zu den
drei äußeren Muskeln der Hinterbecken erstrecken, dem großen, dem
mittleren und dem kleinen, so dass darin drei Zwischenmuskeln enthalten
sind oder ein einzelner, welchen man den dreiköpfigen Muskel nennt oder
den triceps, weil er an drei Orten des os pubis beginnt, an dem oberen
Teil nämlich, an dem mittleren und dem inneren. Hieraus folgt nun ganz
notwendig, dass, wenn die Lendenmuskeln mit Ruten- oder Peitschenhieben
getroffen werden, die Lebensgeister mit Heftigkeit gegen das os pubis
zurückgestoßen werden und unkeusche Bewegungen erregen. Diese Eindrücke
gehen sogleich in das Gehirn über, malen hier lebhafte Bilder verbotener
Freuden, bezaubern durch ihre trügerischen Reize den Verstand, und die
Keuschheit liegt in den letzten Zügen.
Man kann nicht daran zweifeln, dass die Natur auf dieselbe Weise
verfährt, weil es außer den Nierenblut-, Samen- und Fettadern (veines
emulgentes, spermatiques et adipeuses) noch zwei andere gibt, welche man
Lendenadern nennt und die sich zwischen dem Rückgrat, zu beiden Seiten
des Rückenmarkes, befinden und vom Gehirn einen Teil der
Samenbestandteile herführen, so dass diese durch die Heftigkeit der
Peitschenhiebe erhitzte Materie sich in die Teile stürzt, welche zur
Fortpflanzung dienen und durch den Kitzel und den Stoß des os pubis zur
rohen fleischlichen Lust anreizen."
Diese hier erwähnten Folgen der untern Disziplin - die wir Müttern zur
Beachtung empfehlen - waren entweder ihren Anhängern nicht bekannt oder
wurden von ihnen nicht gefürchtet, indem sie es, so künstlich zu
fleischlicher Lust aufgeregt, vielleicht für umso verdienstlicher
hielten, ihr "Fleisch" zu besiegen. Wie die Herren Jesuiten auf diese
Wirkung spekulierten, werden wir im letzten Kapitel sehen.
Die Kirche wollte lange Zeit hindurch das Geißeln nicht als eine
Notwendigkeit anerkennen; allein die Gegner desselben unterlagen, und
das Selbstgeißeln sowohl als das Geißeln als Strafe wurde allgemein und
mit einem Fanatismus betrieben, der in unserer Zeit völlig unbegreiflich
ist. Der heilige Antonius von Padua kann die Geißelmode nicht genug
loben; aber der heilige Franziskus nennt ihn ein "Rindvieh", und ich
will dem Heiligen umso weniger widersprechen, als dieses heilige
Rindvieh der Urheber der Geißelprozessionen *) wurde, aus denen die
Geißlerbrüderschaften hervorgingen, die Jahrzehnte hindurch eine große
Rolle in der römischen Kirche spielten.
---- *) Wer sich über den römisch-katholischen Wahnsinn näher
unterrichten will, lese "Die christlichen Geißlergesellschaften" von Dr.
G. G. Förstemann, oder l'Histoire des Flagelans von Thiers, oder den
zweiten Teil der Histr. Denkmale des christl. Fanatismus, die Geißler,
von Corvin. ----
Das Geißeln fand unter den frommen Frauen besonders viele Anhänger und
wurde in den Nonnenklöstern besonders mit Leidenschaft getrieben. Über
den Grund will ich mir weiter keine Untersuchungen gestatten, sondern
nur den Verdacht aussprechen, dass der triceps und das os pubis mehr mit
dieser Leidenschaft zu tun hatten als die Religion und als die armen
Frauen selbst ahnten.
Die Karmeliter hatten eine ziemlich vernünftige Regel, bis sie unter die
Herrschaft der heiligen Therese kamen; dieselbe, welche den Mönchen
buchstäblich die Hosen auszog und diese ihren Nonnen anzog. In den
Regeln, die sie gab, spielte die Selbstgeißelung eine Hauptrolle.
Während der Fasten besonders geißelten sich manche ihrer Mönche und
Nonnen drei- bis viermal täglich, ja sogar während der Nacht.
Das Kloster zu Pastrana war eine freiwillige Marteranstalt. Eine Zelle
war gleichsam das Geißelzeughaus. Hier waren alle nur möglichen
Geißelinstrumente angehäuft, und jeder Novize hatte das Recht, sich
dasjenige Folterwerkzeug auszusuchen, welches ihm für seine Buße am
passendsten schien. - Eine beliebte Art der Selbstquälerei war das
sogenannte Ecce homo. Sie wurde gewöhnlich in Gesellschaft vorgenommen.
Die bußbedürftigen Brüder stellten sich im Refektorium auf. Einer trat
nun aus der Reihe heraus. Er war nackt bis zum Gürtel und sein Gesicht
mit Asche bedeckt. Unter dem linken Arm schleppte er ein schweres
hölzernes Kreuz und auf dem Kopf trug er eine Dornenkrone, in der
rechten Hand hatte er eine Geißel. So ging er mehrmals im Refektorium
auf und nieder, peitschte sich fortwährend und sagte mit kläglicher
Stimme einige besonders zu dieser Gelegenheit verfasste Gebete her. -
War er fertig, dann folgten die andern Brüder.
Der Karmeliterorden hat berühmte Geißelhelden und -heldinnen
hervorgebracht, und ich erinnere nur an die heilige Therese und an die
heilige Katharina von Cardone, von denen ich schon im Kapitel von den
Heiligen weitläufiger gesprochen habe. Die Letztere brauchte zum Geißeln
Ketten mit Häkchen oder eine gewöhnliche Geißel, in welche sie Nadeln
und Nägel steckte oder sie mit Dornenzweigen durchflochten hatte. Mit
solchen grässlichen Werkzeugen geißelte sie sich oft zwei bis drei
Stunden lang.
Maria Magdalena von Pazzi, eine Karmeliternonne zu Florenz, erlangte
durch ihre Selbstquälerei und mehr noch durch die Folgen derselben einen
hohen Ruf. Sie war 1566 in Florenz geboren und die Tochter angesehener
Eltern. Schon als Kind hatte sie eine Leidenschaft für das Geißeln, und
als sie siebzehn Jahre alt war, nahm sie den Schleier. Es war ihre
größte Freude, wenn die Priorin ihr die Hände auf den Rücken binden ließ
und sie in Gegenwart sämtlicher Schwestern mit eigener Hand auf die
bloßen Lenden geißelte.
Diese schon von Jugend auf vorgenommenen Geißelungen hatten ihr
Nervensystem ganz und gar zerrüttet, und keine Heilige hat so häufig
Entzückungen gehabt. Während derselben hatte sie es besonders mit der
Liebe zu tun und schwatzte darüber das wunderlichste Zeug. Der
himmlische Bräutigam erschien ihr sehr häufig, und sie sah ihn in allen
möglichen Lagen. Einst blieb sie, das Kruzifix in der Hand, sechzehn
Stunden lang in Betrachtungen über das Leiden Christi versunken und sah
im Geiste eine der Martern nach der anderen, welche er erduldet hatte.
Dieser Anblick rührte sie so sehr, dass sie Ströme von Tränen vergoss
und ihr Bette davon so nass wurde, als ob es in Wasser getaucht worden
wäre. Dann fiel sie in Ohnmacht, blass wie der Tod, und blieb eine lange
Zeit ohne Bewegung liegen.
In diese Entzückungen verfiel sie gewöhnlich, nachdem sie das Abendmahl
genommen hatte oder wenn sie sich in die Betrachtung eines heiligen
Ausspruchs vertiefte. Besonders geschah das, wenn sie über ihren
Lieblingstext nachdachte; dieser war: Und das Wort ward Fleisch. Einst
geriet sie dabei in eine Verzückung, welche von abends fünf Uhr bis zum
anderen Morgen dauerte. Während derselben rief sie plötzlich aus: "Das
ewige Wort ist in dem Schoße des Vaters unermesslich groß; aber in
Mariens Schoß ist es nur ein Pünktchen. - Deine Größe ist unergründlich
und Deine Weisheit unerforschlich, mein süßer, liebenswürdiger Jesus!"
Das innere Feuer drohte- sie zu verzehren, und häufig schrie sie: "Es
ist genug, mein Jesus! Entflamme nicht stärker diese Flamme, die mich
verzehrt! - Nicht diese Todesart ist es, die sich die Braut des
gekreuzigten Gottes wünscht; sie ist mit allzu vielen Vergnügungen und
Seligkeiten verbunden!"
So steigerte sich ihr Zustand von einer Stufe des Wahnsinns zur anderen,
und endlich bildete sie sich ein, förmlich mit Christus vermählt zu sein
und sowohl von ihm wie von ihrem Schwiegervater und dessen Adjutanten,
dem Heiligen Geist, Visiten zu erhalten. Die Hysterie erreichte den
höchsten Grad, und "der Geist der Unreinheit" blies ihr die
wollüstigsten und üppigsten Phantasien ein, so dass sie mehrmals nahe
daran war, ihre Keuschheit zu verlieren. Aber die Qualen, denen sie sich
nach solchen Versuchungen unterzog, waren entsetzlich. Sie ging in den
Holzstall, band einen Haufen Dornengesträuch los und wälzte sich so
lange darauf, bis sie am ganzen Körper blutete und der Teufel der
Unzucht sie verlassen hatte. So ging es fort, bis endlich der
barmherzige Tod ihren Qualen ein Ende machte. Die arme Wahnsinnige wurde
natürlich heilig gesprochen.
Die unendlich vielen Abarten des Zisterzienserordens haben sich im
Punkte des Selbstgeißelns sehr ausgezeichnet, allein von ihnen keine so
sehr wie die Trappisten. Sogar Mönche nannten den Stifter dieses
Klosters zu La Trappe den "Scharfrichter der Religiösen". Der Orden war
durch die Revolution sehr herabgekommen, aber Karl X. nahm ihn unter
seinen besonderen Schutz, und von 1814-1827 zählte man in Frankreich
nicht weniger als 600 Nonnenklöster dieses Ordens. Die Geißel war hier
an der Tagesordnung, und Mademoiselle Adelaide de Bourbon, die
Beschützerin dieser Klöster, wie auch die alternde Frau von Genslis,
geißelten sich von Zeit zu Zeit mit den Nonnen in frommer Andacht.
Die Krone der Zisterzienser ist aber die hochgepriesene Mutter Passidea
von Siena, von der ich schon früher erzählte, dass sie es für
verdienstlich hielt, sich wie einen Schinken in den Rauch zu hängen. Im
Geißeln leistete sie Dinge, welche selbst Dominikus den Gepanzerten mit
Neid erfüllt haben würden. Die natürliche Folge des unmäßigen Geißelns
war ebenfalls ein dem Wahnsinn nahekommender Zustand, in welchem ihr
Christus erschien. Das Blut floss aus seinen Wunden, er streckte ihr die
Arme entgegen und rief mit zärtlicher Stimme: "Schmecke, meine Tochter,
schmecke!" -
Elisabeth von Genton geriet durch das Geißeln förmlich in bacchantische
Wut, was aber die Pfaffen heilige Verzückung nannten. Am meisten raste
sie, wenn sie, durch ungewöhnliche Geißelung aufgeregt, mit Gott
vereinigt zu sein glaubte, den sie sich als einen schönen nackten Mann
und in beständigem Bräutigamstaumel mit seiner irdischen Geliebten
dachte. Dieser Zustand des Entzückens war so überschwänglich beglückend,
dass sie häufig in den Ausruf ausbrach: "O Gott! o Liebe, o unendliche
Liebe! o Liebe! o Ihr Kreaturen, rufet doch alle mit mir: Liebe! Liebe!"
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Ich könnte die Zahl solcher Beispiele unendlich vermehren: allein, ich
halte es für überflüssig, da die Wirkungen so ziemlich überall dieselben
waren.
Dass das Geißeln unter den Strafen die Hauptrolle spielte, kann man sich
nach dem Gesagten wohl denken. Die Klosterregel der Heiligen Therese ist
so reichlich mit Geißelverordnungen gespickt, dass manches Kloster,
welches derselben folgte, ein eigenes Magazin für Ruten haben musste.
Die beschuhten oder graduierten Karmeliter, die sich viel mit dem
Studieren beschäftigten und deshalb einige Vorrechte genossen, erhielten
dennoch trotz ihrer Gelehrsamkeit bei den kleinsten Vergehen Prügel. Am
allerhärtesten wurden aber die Vergehen mit hübschen Klosterfrauen
bestraft, besonders ein mit denselben begangenes Verbrechen, welches
zwar nicht genannt, aber in dem Orden sehr häufig vorgekommen sein muss.
Schon auf den bloßen Verdacht hin, dasselbe begangen zu haben, wurde ein
Mönch, ohne Hoffnung auf Milderung oder Barmherzigkeit zu haben, mit
ewigem Gefängnis bestraft, und zwar: um dort erbärmlich gequält zu
werden, wie der Beisatz in den Statuten lautet.
Nicht so streng scheint man indessen dergleichen Vergehen genommen zu
haben, wenn sie mit nichtgeistlichen Frauen begangen wurden, und die
Mönche trugen Sorge, dass solche in der Nähe waren. Besonders scheinen
die Weiber der Klosterdiener, die in den Wirtschaftsgebäuden, der
sogenannten Vorstadt, wohnten, eine große Anziehungskraft für die
heiligen Väter gehabt zu haben, und einen besonderen Wert hatten
diejenigen Weiber, welche keine Kinder bekamen oder in der
Klostersprache "steriles" (Unfruchtbare) waren. - Der bekannte
Schriftsteller Karl Julius Weber wohnte einst einer Unterhaltung bei,
welche ein Domherr mit seiner Köchin hatte, die von ihm einen höheren
Lohn forderte. Der Domherr wollte nicht einsehen, warum sie mehr
verlange als eine andere; allein sie machte ihre Vorzüge geltend und
rief mit Selbstgefühl: "Ja, ich bin aber auch eine Sterelise!"
Der Orden von Fontevrauld war ein kurioser Orden. In dem Kloster lebten
Mönche und Nonnen zusammen, die oft beieinander schlafen mussten, um
Versuchungen gewaltsamerweise und einzig zu dem Zwecke herbeizuführen,
sie desto glorreicher zu überwinden. Die Regel dieses Ordens fand so
viele Liebhaberinnen, dass nicht selten zwei- bis dreitausend Nonnen im
Kloster waren. Da die Schwangerschaften gar zu häufig vorkamen, musste
die Zucht etwas strenger eingerichtet werden.
Dieses Kloster zu Fontevrauld oder Eberardsbrunnen hatte fünfzig
Mönchsklöster unter sich. Besonders zahlreich war aber die Zahl der
Novizen im Stammhaus, und meistens führten hier fürstliche oder andere
vornehme Damen das Regiment, denn dieser Orden hatte das Eigentümliche,
dass hier das männliche Geschlecht dem weiblichen untergeben war.
Das Geißeln an einem jungen Frater oder Novizen war für die Damen ein
Hauptvergnügen und wurde höchsteigenhändig vollzogen und am liebsten der
"unteren Disziplin" der Vorzug gegeben. Oft ließen sich beide Teile -
Mönche und Nonnen - zusammen disziplinieren; die Nonnen vom Beichtvater
und die Mönche von der Äbtissin.