Man wundert sich vielleicht über ein Theater im Fegefeuer? Freilich
ist es weder _Opera buffa_ noch _seria_, weder Trauer= noch
Lustspiel; ich habe zwar Schauspieldichter, Sänger, Akteurs und
Aktricen, Tänzer und Tänzerinnen genug; aber wie könnte man ein so
gemischtes Publikum mit einem dieser Stücke unterhalten? Ließe ich von
Zacharias Werner eine schauerlich=tragikomisch=historisch=romantisch=
heroische Komödie aufführen,--wie würden sich Franzosen und Italiener
langweilen, um von den Russen, die mehr das Trauerspiel und
Mordszenen lieben, gar nicht zu reden. Wollte ich mir von Kotzebue ein
Lustspiel schreiben lassen, etwa die Kleinstädter in der Hölle", wie
würde man über verdorbenen Geschmack schimpfen! Daher habe ich
eine andere Einrichtung getroffen.
Mein Theater spielte große pantomimische Stücke, welche
wunderbarerweise nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft zum
Gegenstand haben; aber mit Recht. Die Vergangenheit, ihr ganzes Leben
liegt abgeschlossen hinter diesen armen Seelen. Selten bekommt eine
einen Erlaubnisschein, als Revenant die Erde um Mitternacht besuchen
zu dürfen. Denn was nützt es mir? Was frommt es dem irren Geist einer
eifersüchtigen Frau, zum Lager ihres Mannes zurückzukehren? Was nützt
es dem Mann, der sich um eine zweite umgetan, wenn durch die Gardine
dringt--
Eine kalte weiße Hand.
Wen erblickt er? Seine Wilhelmine,
Die im Sterbekleide vor ihm stand."
Was kann es dem Teufel, was einer ausgeleerten herzoglichen Kasse
helfen, wenn der Finanzminister, der sich aus Verzweiflung mit dem
Federmesser die Kehle abschnitt, allnächtlich ins Departement
schleicht, angetan mit demselben Schlafrock, in welchem er zu arbeiten
pflegte, schlürfend auf alten Pantoffeln und die Feder hinter dem Ohr?
Zu was dient es, wenn er seufzend vor den Akten sitzt und mit
glühendem Auge seinen Rest immer noch einmal berechnet? Was kann es
dem fürstlichen Keller helfen, wenn der Schloßküfer, den ich in einer
bösen Stunde abgeholt, durch einen Kellerhals herniederfährt und mit
krampfhaft gekrümmtem Finger an den Fässern anpocht, die er bestohlen?
Zu welchem Zweck soll ich den General entlassen, wenn oben der
Zapfenstreich ertönt und die Hörner zur Ruhe blasen? Wozu den Stutzer,
um zu sehen, ob sein bezahltes Liebchen auf frische Rechnung liebt?
Zwar sie alle, ich gestehe es, sie alle würden sich unglücklicher
fühlen, könnten sie sehen, wie schnell man sie vergessen hat; es wäre
eine Schärfung der Strafe, wie etwa ein König, als ihm ein Urteil zu
l e b e n s l ä n g l i c h e r Zuchthausstrafe vorgelegt wurde,
n o c h s e c h s J a h r e l ä n g e r" unterschrieb, weil er den
Mann haßte. Aber sie würden mir auf der andern Seite so viel
verwirrtes Zeug mit herabbringen, würden mir manchen fromm zu machen
suchen, wie der reiche Mann im Evangelium, der zu Lebzeiten soviel
getrunken, daß er in der Hölle Wasser trinken wollte,--ich habe darin
so viele Erfahrungen gemacht und kann es in neuern Zeiten, wo ohnedies
die Missionarien und andere Mystiker genug tun, nicht mehr erlauben.
Daher kommt es, daß es in diesen Tagen wenig mehr in den H ä u s e r
n, desto mehr aber in den K ö p f e n, spukt.
Um nun den Seelen im Fegefeuer dennoch Nachrichten über die Zukunft zu
geben, lasse ich an Festtagen einige erhebliche Stücke von meiner
höllischen Bande aufführen. Auf dem heutigen Zettel war angezeigt: