So oft habe ich gewünscht, daß unsre Geister, von _einer_ Vorstellung
erfüllet, auf einen Punkt mit all' ihren Kräften gebannt, sich losringen
könnten von den Banden des Körpers, und dahin eilen, wohin die Sehnsucht
sie zieht.
War es ein Spiel der erhitzten Phantasie, war es eine Täuschung, welche
mir die Gewährung dieses süßen Wunsches vorspiegelte? Es war die schönste
Sommernacht; Glühwürmchen schimmerten im dunklen Grase, als wären Sterne
dem Boden entblüht: dämmernd schwamm das Mondlicht um die Büsche; ein
kühler Wind rauschte in den Wipfeln der Bäume, trug auf seinen Luftwellen
die Düfte der Orangerie, der blühenden Gewächse zu mir herein, und wogte
wie ein Liebesmeer um meine Brust. Die Flammen der Kerzen wankten, die
Vorhänge bewegten sich leise, draußen neigten sich die Wipfel, und lindes
Leben regte jeden Gegenstand umher, regte sich auch in meiner Brust. Ein
reines Gefühl des Daseyns hatte sich meiner Lebensgeister bemächtigt, die
Gegenwart umfing mich mit stillem Zauber. Da rauschte es lauter außen in
den Büschen; eine dunkle Gestalt wallte im Mondlicht an meinem Fenster
vorüber. Er! er! schlug mein Herz. Eine Sekunde blickte sie mich an;
ich stürzte zum Fenster; alles war ruhig, unbeseelt von der Spur eines
lebendigen Wesens lag die stumme Nacht. O Geliebter! war es dein Geist, der
die Liebende grüßte?