XXXVII.

Eine Empfindung, welche ich in dieser Stärke nicht ahnete, mit der sie mich

hier unabläßig quält, ist der Kontrast zwischen der stummen Trauer, worin

ich dieses Haus verließ, und dem Festgepränge, in welchem ich es wieder

erblicke. Zum letzten Mal, als ich den Saal betrat, geschah es um Abschied

von der geliebten Leiche Juliens zu nehmen. Damals waren die Wände schwarz

bekleidet, silberne Ampeln brannten statt der kristallenen Kronen, und

warfen ein traurig schwankendes Licht umher. Jeder Fußtritt dröhnte dumpf

durch den weiten Saal, und kein Laut unterbrach die Stille, als das leise

Weinen ihrer Leute um den offenen Sarg. Ein Lächlen der Verklärung schwebte

über ihre bleiche Form, und von der oberen Wand blickte ihr Gesicht, mit

frischen Lebensfarben gemahlt, fühllos in den Gram ihrer Hinterlassenen.

Nun führte mich ihr Gemahl eben dorthin, die Anstalten zu seinem Feste zu

sehen. Das Pochen und Zurufen der arbeitenden Handwerker lärmte wüst;

die Bedienten liefen geschäftig umher, ihr Bild, ihr Andenken war

hinweggenommen, ein südlicher Frühling umblühte die Wände, alles athmete

Lebensgenuß und Freude.

Hier sprechen mich von jeder Stelle die Geister längst gestorbener schöner

Stunden an; hier habe ich das überschwengliche Glück genossen, um welches

meine Sehnsucht klagt. Wie wenig sagt dies laute Festgepränge meiner

Stimmung zu. Ich habe mir ein Zimmer, in einem entlegenen Flügel zum

Garten, erbeten, wo ich auf Augenblicke _ihm_ leben kann.

Heloise : ein kleiner Roman · 第 38 / 48 题