Eine Empfindung, welche ich in dieser Stärke nicht ahnete, mit der sie mich
hier unabläßig quält, ist der Kontrast zwischen der stummen Trauer, worin
ich dieses Haus verließ, und dem Festgepränge, in welchem ich es wieder
erblicke. Zum letzten Mal, als ich den Saal betrat, geschah es um Abschied
von der geliebten Leiche Juliens zu nehmen. Damals waren die Wände schwarz
bekleidet, silberne Ampeln brannten statt der kristallenen Kronen, und
warfen ein traurig schwankendes Licht umher. Jeder Fußtritt dröhnte dumpf
durch den weiten Saal, und kein Laut unterbrach die Stille, als das leise
Weinen ihrer Leute um den offenen Sarg. Ein Lächlen der Verklärung schwebte
über ihre bleiche Form, und von der oberen Wand blickte ihr Gesicht, mit
frischen Lebensfarben gemahlt, fühllos in den Gram ihrer Hinterlassenen.
Nun führte mich ihr Gemahl eben dorthin, die Anstalten zu seinem Feste zu
sehen. Das Pochen und Zurufen der arbeitenden Handwerker lärmte wüst;
die Bedienten liefen geschäftig umher, ihr Bild, ihr Andenken war
hinweggenommen, ein südlicher Frühling umblühte die Wände, alles athmete
Lebensgenuß und Freude.
Hier sprechen mich von jeder Stelle die Geister längst gestorbener schöner
Stunden an; hier habe ich das überschwengliche Glück genossen, um welches
meine Sehnsucht klagt. Wie wenig sagt dies laute Festgepränge meiner
Stimmung zu. Ich habe mir ein Zimmer, in einem entlegenen Flügel zum
Garten, erbeten, wo ich auf Augenblicke _ihm_ leben kann.