XXXVI.

Der Gedanke an ihn erfüllt meine ganze Seele, und hat eine Welt in meinem

Innern gebildet, worin ich lebe, leide, und glücklich bin, wo die Wehmuth

meine ernste liebe Gefährtin ist. Ungern trete ich in die Wirklichkeit

hinaus, in welcher fremde Gegenstände den Einklang meiner Empfindungen

unterbrechen. Ich bin an stille Ruh gewöhnt, und nun ich diesem gewohnten

Gefühl auf einige Tage entsagen muß, bin ich unmuthig, und nähme gern das

Versprechen zurück, welches mich dazu verbindet.

Ich habe eine einfache altdeutsche Tracht für mich zum Maskenkleide

gewählt, die keine Blicke auf mich ziehen wird. Ehedem schmückte ich mich

gern, es war für ihn, es machte ihm Freude, mich schön zu finden. Oft

gestand ich mir freudig, wenn ich dann ganz angekleidet vor den Spiegel

trat, daß ich schön sei. Ich begann Sorgfalt auf meinen Anzug zu

wenden: durch ihn ward mir das Unerträgliche zur Lust. Jeder Abend, jede

Gesellschaft, wozu ich mich schmückte, waren Feste der Liebe. Seit er fort

ist, habe ich alles vernachläßiget, ich will nicht bemerkt seyn. Sein bin

ich, und für ihn auf mich selbst eifersüchtig.

Heloise : ein kleiner Roman · 第 37 / 48 题