XXXII.

Die Kirche war schwarz behängt, weiße Kerzen brannten auf dem Altar, und

mischten ihr trauriges Licht zu dem trüben Tage, der durch die dunklen

gemahlten Scheiben einbrach. Eine dumpfe Kellerluft schwebte unter den

gothischen Gewölben; das Requiem begrüßte die Verstorbene in ihrer stillen

Wohnung, mit feierlich schwellenden Tönen, aus der starken Brust der Orgel,

wie ein Willkommen der längst Verschiedenen.

Unter meinen Füßen ruhete nun auf immer, die ich noch vor wenig Tagen

empfindend und lebend in meine Arme schloß. So weniger Zeit bedarf es, ein

Leben auszulöschen, und wie vieler Jahre, wie vieler Kämpfe, ehe es zum

wahren Leben erblüht. Wohin ich blickte, trafen meine Augen auf Spuren von

Zerstörung, auf Bilder von Vergänglichkeit. Eingesunkene Leichensteine mit

verwitterten Innschriften; zertrümmerte Grabmähler und Beichtstühle; und

kein Laut aller Klagen, die an diese Gewölbe geschlagen, erinnerte an

jene, welche nun schon lange ausgelitten hatten, und vergessen waren. O

wie erschien mir in diesem Augenblick auch mein Leben nur ein flüchtiger

Moment, und nicht des Schmerzes, nicht der Freude wehrt. Alle ihre Klagen

hat der Ewige gehört, in seinem Herzen steht, was Aeonen von Geschlechtern

litten, sein Himmel wölbte sich über Alle, und immer aufs Neue ruft sein

Athem Atome in das Leben. In solchen Augenblicken verschwindet der

eigene Kummer aus der Erinnerung; und verliert sich in die Masse fremden

Schmerzes, wie ein Moment in Jahrtausende verrinnet; sein dunkles Gefühl

läutert nur die Andacht der Seele.

Da warf ich mich nieder vor den Allmächtigen, und legte das Mitgefühl für

alle meine Nebengeschöpfe, legte das dringende Gebet für meines Geliebten

Glück an sein Vaterherz. Es war ein himmlisches Gefühl, welches mich vor

ihn niederwarf, ich fühlte in dem Augenblicke Kraft, die Leiden einer Welt

auf meine Brust zu laden und zu tragen.

Aber wenn auch meine Stunde erschienen ist, zurück an den Busen der Natur

soll man meinen Körper legen, auf Erde gebettet, mit Erde zugedeckt; ein

Opfer den Elementen, von denen er genommen ist, kein Raub der Verwesung in

gemauerten Gewölben.

Heloise : ein kleiner Roman · 第 33 / 48 题