Juliens Herz, das mich liebte, ist erstarrt. Ruhig und fest, wie sie durch
das Leben ging, trat sie dem Tode entgegen. »Wir tauschen:« war ihr letztes
Wort, »ich leitete deine Kindheit in das Leben hinaus, du leitest mein
Leben zu Grabe.«
Morgen wird sie beigesetzt, und nach kurzer Zeit ist jede Spur ihres
Daseyns, aus dem Kreise, welchen sie belebte, verschwunden. Nur die
Erinnerung desselben, die leise Spur ihres lebendigen Wirkens, umschweben
noch einige Zeit die Gegenstände, welche ihr angehörten, wie der Nachhall
einer verklungenen Harmonie noch melancholisch durch die Lüfte zittert.
Eine Trennung, die längste, schmerzlichste, ist doch nicht gleich dem Tode:
der Geist begleitet den Geschiedenen, in die Kreise seines Wirkens, und
das Wiedersehen liegt innerhalb des freudigen Gebietes der Möglichkeiten
im Sonnenstrahl der Hoffnung. Doch jenseit des Grabes ist alles still und
dunkel, und unser Leben versinkt in Nacht, wie ein Stern aus dem Bogen des
Himmels.