Ich segne die Krankheit, die mich in den ersten schrecklichsten Tagen des
Leidens auf Juliens Umgang beschränkte. Nichts ist schmerzlicher, als das
gleichgültige Treiben der Menschen um uns her, wenn alles dahin ist, was
diesem Treiben Seele und Bedeutung verlieh. Die Natur ist freundlicher, sie
schmiegt sich gern an unsre innere Sinnen, und nimmt von unsrem Gefühl die
Seele, welche sie belebt.
Ein lieblicher Herbsttag lockte mich heute, zum ersten Mal seit seiner
Entfernung, ins Freie. Alles trug den Anstrich sanfter Trauer; die Sonne
stand so blaß am Himmel, und warf matte Strahlen auf die Erde, gleich einem
Kranken, der sich mühsam aufgeschleppt von seinem Lager, sich den nach ihm
verlangenden Freunden zu zeigen. Das einst üppige Laub rauschte erstorben
unter meinen Fußtritten, und hie und dort zitterte falb ein spät erzeugtes
Blatt, das kaum die linde Luft zärtlich bewegte, einsam im rauhen Nord am
Stamme. Ich schlich langsam dahin; Thränen überströmten mein Gesicht, als
ich umblickte.
Trift mich nicht das allgemeine Loos alles Glückes, aller Liebe? Erst sinkt
eine Blüte, ein Blatt nach dem andern von des Lebens blühendem Getriebe,
und zuletzt sinken wir nach; und wie Wenige haben soviel Glück genossen,
als mir ward. Mit der Dämmerung kehrte ich auf mein Zimmer zurück, und mein
Schmerz war linder geworden.