XXIV.

Ich segne die Krankheit, die mich in den ersten schrecklichsten Tagen des

Leidens auf Juliens Umgang beschränkte. Nichts ist schmerzlicher, als das

gleichgültige Treiben der Menschen um uns her, wenn alles dahin ist, was

diesem Treiben Seele und Bedeutung verlieh. Die Natur ist freundlicher, sie

schmiegt sich gern an unsre innere Sinnen, und nimmt von unsrem Gefühl die

Seele, welche sie belebt.

Ein lieblicher Herbsttag lockte mich heute, zum ersten Mal seit seiner

Entfernung, ins Freie. Alles trug den Anstrich sanfter Trauer; die Sonne

stand so blaß am Himmel, und warf matte Strahlen auf die Erde, gleich einem

Kranken, der sich mühsam aufgeschleppt von seinem Lager, sich den nach ihm

verlangenden Freunden zu zeigen. Das einst üppige Laub rauschte erstorben

unter meinen Fußtritten, und hie und dort zitterte falb ein spät erzeugtes

Blatt, das kaum die linde Luft zärtlich bewegte, einsam im rauhen Nord am

Stamme. Ich schlich langsam dahin; Thränen überströmten mein Gesicht, als

ich umblickte.

Trift mich nicht das allgemeine Loos alles Glückes, aller Liebe? Erst sinkt

eine Blüte, ein Blatt nach dem andern von des Lebens blühendem Getriebe,

und zuletzt sinken wir nach; und wie Wenige haben soviel Glück genossen,

als mir ward. Mit der Dämmerung kehrte ich auf mein Zimmer zurück, und mein

Schmerz war linder geworden.

Heloise : ein kleiner Roman · 第 25 / 48 题