XXIII.

Schon acht Tage ist er fort, und ich trage meinen stummen Schmerz in der

zerrissenen Brust umher. Die Zeit schleicht dumpf und trübe über mein Haupt

dahin; die Gegenstände, welche er berührte, haben sich nicht verändert,

allein ihre Seele ist entflohen, sie starren mich wie Leichen an. Hätte ich

ihn doch nur ein einziges Mal gesehen, nur Abschied von ihm genommen; hätte

ich meine Natur gezwungen, dem Schmerze nicht zu erliegen; ich hätte mit

dem letzten Blick, sein Bild in meine Seele gesogen, und unter diesem

lieben Bilde wäre mir der Tod erschienen; denn gewiß, er hätte mit seinem

letzten Kuß auch das Leben von meinen Lippen geküßt. Warum mußte ich zu

dieser langen qualvollen Angst erwachen aus dem Todesschlaf, der mich

umhüllte? Hier bin ich nun, weich gebettet, die Freundschaft wacht bei

meinem Krankenlager; und er, der süße Freund, ruht vielleicht, sein Haupt

auf harten Steinen.

Ich mogte nie eine Freude allein geniessen; seit ich ihn kenne, ist mir

keine geworden als nur von ihm: und mich umgeben alle Bequemlichkeiten des

Lebens, und alle fehlen ihm. Unfreundlicher! warum mißgönnt er mir, sein

Schicksal zu theilen.

Heloise : ein kleiner Roman · 第 24 / 48 题