XXII.

Morgen früh! O wie wünschte ich sonst der Nacht Flügel, wie froh habe ich

dem ersten Sonnenstrahl von meinem Lager entgegengelauscht, wie freudig ihn

begrüßt, wenn er mein Zimmer röthete; dem Klange der Glocken, gelauscht,

die erst ganz entfernt, dann näher und näher die Morgenstunde lauthallend

verkündeten, und mich gefreut über das Geräusch des Tages, das in den

Gassen erwachte. Mein Zimmer ward hell, und heller, und ich verhüllte mein

Haupt in die Kissen vor der einbrechenden Klarheit, und mahlte mir mit

Farben der Phantasie den schönen Tag der vor mir lag. So schlief ich oft

unter lachenden Bildern wieder ein, und der Schlaf lag mit seinen Träumen

über meinen Sinnen wie ein duftig gemahlter Schleier, den ich mit einem

Blick zerriß, daß ich frisch und freudig hinaus in das Leben trat, wo

mich die schöne Wirklichkeit liebend umfing. Das ist dahin, -- die Glocken

werden schlagen, der Tag wird diese einzige Nacht verscheuchen, die noch

zwischen mir und dem grenzenlosen Elende liegt. Die Stunde, ach die letzte!

wird im ganzen Gefolge ihrer Schrecken erscheinen. O daß ich einschliefe,

und nie wieder erwachte.

Heloise : ein kleiner Roman · 第 23 / 48 题