Jedes Verhältniß der bürgerlichen Gesellschaft ist in seinem Ursprung so
rein, so schön, so auf die natürlichsten Gefühle gegründet, daß das
dunkle Gefühl hievon, ihm selbst in dem ausgeartetsten Zeitalter seine
Ehrwürdigkeit erhält. Nie habe ich das so lebendig empfunden, als seitdem
ich liebe, und am lebendigsten empfinde ich es von dem ausgeartetsten aller
bürgerlichen Verhältnisse, von der Ehe. Sie ist ein Versuch des edelsten
Bedürfnisses, die Freuden vollkommenerer Naturen auf die Erde zu
verpflanzen, dem höchsten Gefühl der Sterblichen, der Liebe, seine einzige
Unvollkommenheit zu nehmen, den Wechsel.
Immer um den Geliebten leben, zu Einem Zweck mit ihm verbunden,
unauflöslich an ihn gefesselt, Mutter seiner Kinder seyn, Kummer und
Lust mit ihm theilen, seinen Namen führen, und alles doppelt und dreifach
lieben, was uns umgiebt, weil alles ihm angehört; nur durch den Tod von ihm
getrennt, und bei dem Volke, das den Sinn der Natur am treusten in seinen
Mythen und Gesetzen aufbewahrt, nicht einmal durch den Tod!
Wehe dem, der den edlen Zweck verläugnend, dieses Verhältniß, zum Dienste
der Habsucht, des Hochmuthes herabgewürdiget hat.