Jenen Augenblick vergessen? und wäre es möglich, sein Glück zu vergessen?
Wie oft, in Gedanken, habe ich ihn aufs neue durchlebt; meine Seele hat ihn
aus dem Flug der Zeit gerettet, und ewig festgehalten.
Es war der schönste Sommermorgen. Bunte Schmetterlinge flatterten im
Sonnenstrahl zwischen dem klaren Himmel, und der tausendfarbigen Wiese
umher, schwangen sich auf, und sanken nieder, wechselsweise vom Himmel
und von der Erde angezogen. Ich schlich über die Wiese meinem Wäldchen zu.
Lieblich spielte um mich das wechselnde Grün des Laubes, vom Winde
durch einander bewegt, Vögel schlüpften durch die Zweige, ihr frischer
abendtheuerlicher Waldgesang ertönte nah und fern, und unterbrach die
Stille und das summende Geschwirr der Insekten. Und ich ließ mich von
diesen Eindrücken allen, hinschaukeln in die selige Träumerei ihres
Genusses, dessen Fülle immer regsamer, und durch das ferne Murmeln des
Waldbachs immer geistiger wurde.
Da lag der Held, über die Quelle gebeugt: mit den edlen Zügen gaukelten
die Gewässer, und er löschte seinen Durst, den klaren Kristall mit der Hand
schöpfend. Seine Flinte ruhte im Grase, und zwei schöne Doggen spielten um
ihn her.
Ohne Theilnahme hatte ich von seinem Aufenthalt in der Gegend gehört. Ich
sah ihn zum ersten mal, und doch war er mir, als hätte ich ihn schon lange
gekannt. Er begleitete mich aus dem Gebüsch; als wir die Wiese erreicht
hatten, verließ er mich mit großem Blick, und verschwand bald in den
Bäumen.
Erst als er fort war, empfand ich die Leere, welche nun in mir war. Immer
wiederhohlte ich mir seine Worte, und ahmte die liebe Stimme nach.
Er verließ die Gegend: ich sah ihn nicht wieder. O Theurer! wo du auch
weilest, meine Seele ist bei dir!