Meine Lage wird sich verändern, und ungern vertausch ich das Land mit der
Stadt, ungern meine stille Freiheit mit den Fesseln, worin die Gesellschaft
mich schmieden wird. Hier sah ich Menschen, wann ich wollte, und kehrte in
meine Einsamkeit wieder zurück, so bald es mir gefiel. Diejenigen, welche
mich umgaben, waren lebendig genug, mich so lange zu fesseln, als sie
gegenwärtig waren; doch ihre Abwesenheit ließ keine Leere in meiner Brust
zurück. Ich fand mich immer gern selbst wieder, unter meinen Bäumen, meinen
Blumen, am Busen meiner ewigen Freundin, der Natur. Wenn vor mir die Sonne
groß und glänzend hinuntersank; wenn leichte Abendflocken sich um sie
drängten, und von ihrem Scheideblick angelächelt, sanft verglühend durch
den stillen Himmel zogen; vor mir alles Glanz und Glut war, und hinter
mir das Thal von dunkelblauen Bergen eingeschlossen, in duftiger, ruhiger
Dämmerung schwamm, wie eine schöne Vergangenheit; zu meiner Rechten
der Strom den Abendhimmel in klaren Wellen zwischen den üppigen Ufern
dahintrug: wie habe ich mich da selig, näher allem Großen und Guten
gefühlt! Wie strebte mein innerstes Wesen, hinauszudringen aus dem Kerker,
sich ganz in sie zu ergiessen, sie ganz zu fassen, die göttliche Natur.
Diese Freuden muß ich nun entbehren, und welchen Ersatz beut mir die Stadt?
Ich bin ungerecht! komme ich nicht zu einer Freundin, die meine Jugend
erzog?
Schönes Land, das ich verlasse, freundlicher Fluß, ahnungsvolle Berge,
schönes himmlisches Land, ein Land der Sehnsucht wirst du mir seyn, wenn
ich entfernt von dir nun leben werde.