Lobo zuckte die Achseln. »Wenn Ihr schimpft, erzähl' ich nichts mehr.«

»Erzähl es, sag es, Lobo!« besänftigte sie ihn.

»Nein!«

»Erzähl es, Lobo, mein Söhnchen! Ich habe noch sechs Dreier in der

Ulmer, die geb' ich dir«, bat sie.

»Sechs Dreier? Und Ihr sagtet, Ihr hättet kein Geld? Sechs Dreier sind

zu wenig.«

»Ich habe noch zwei Silbergroschen, die geb' ich dir.«

Der Trunkenbold blinzelte die Mutter an.

»Es ist wegen der Frau. Weil die Smjertniza den Wagen umgeworfen hat.

Der Juro hat keine Religion, er sagt, die Smjertniza ist dummes Zeug.«

Das Weib schlug die Hände zusammen.

»Daß ihn der Teufel hol!«

»Er wird ihn schon holen!« sagte Lobo grimmig, »ihn und den alten Kito,

diesen abgefaulten, alten Lumpen. Kito weiß, daß Ihr ihm unsere Wanzen

mit in den Sarg geben wollt, wenn er stirbt. Die Wanzen will der Kito

nicht annehmen. Er vermacht dem abgefaulten Baier, dem Wilhelm, zehn

Taler, und der wird Wache beim Sarge halten, wenn Kito stirbt.«

»Ah, der schlechte Kerl! Der Wanzenwächter! Aber, mein Söhnchen,

deshalb ziehen wir nicht aus. Da werde ich eben die Wanzen behalten.«

»Behalten oder nicht, fort müssen wir doch! Denn sie haben dem Juro

die Wanzengeschichte erzählt und auch erzählt, daß Ihr immer mit einer

Federspule um den Sarg der toten Frau geschlichen seid, und da heißt es

jetzt: fort!«

»Wer sagt das?«

»Juro sagte es zu mir. Wir müßten raus. Er wird nicht ruhen, bis wir

raus sind. Er hat uns Schweine genannt.«

Das Weib schlug die Hände zusammen.

»Der Grobian! Ach, er ist dazu imstande; er tut's! Hat er doch sogar

die reichen Leichengäste hinausgeworfen.«

»Ich sehe dich, Mutter«, lallte Lobo und trank ihr zu. »Ich werde den

Juro totschlagen.«

Da faßte ihn seine Mutter an der Hand.

»Rede nicht so laut, mein Söhnchen; ich werde dir auch drei

Silbergroschen schenken.«

»Der Wilhelm, der abgefaulte Baier, wird auch rausgeschmissen«, grinste

Lobo. »Den schmeißt der andere raus -- der Samo.«

»Was sagst du, Samo hat den Wilhelm fortgejagt, den Deutschen?«

»Ja, Juro hat gesagt, ich und du werden rausgeschmissen, und Samo hat

gesagt, Wilhelm wird rausgeschmissen.«

Die Alte grinste.

»Die zwei werden den ganzen Hof ausräumen.«

»Ja, es fehlte nicht viel, daß sie sich prügelten, die feinen Herren.

Es wär' mir recht gewesen. Den Juro wollt' ich schon besorgen. So habe

ich bloß meine Hacke weggeschmissen und bin abgezogen. Alle fünf streck

ich gerade und mach' keinen mehr krumm. Ich sehe dich, Mutter!«

»Lobo, mein Söhnchen, geh' arbeiten, daß dich der Scholta nicht sieht.

Auf ihn kommt es an. Laß mich nur machen.«

Der Bursche torkelte erst nach vielen Bitten und Versprechungen nach

dem Felde zurück. Die Alte blieb allein auf der Bank sitzen. Sie hatte

heut keine »Tour«. Sonst ging sie als Botenfrau nach der Stadt, kehrte

in vielen Häusern unterwegs ein, besorgte für die Leute allerhand

Aufträge. Hier im Schulzenhofe hatte sie ein kleines Stübchen, in dem

sie mit ihrem Sohn Lobo schlief.

Die Alte war klug und schlau auf ihre Weise. Sie kam viel bei Leuten

herum, hörte mancherlei und wußte es für sich zu benutzen. Sie stand

im Rufe der Wahrsagekunst und bekam viel Geld für das Besprechen von

Krankheiten an Menschen und Tieren.

Die alte Krone: Ein Roman aus dem Spreewald · 第 20 / 38 题