+Sage vom Wendenkönig.+
Es war vor tausend und vielen Jahren. Der Winter war mit seinem Eis bis
auf den Grund der Spree gedrungen und sprach mit knirschenden Worten
zu den Waldbäumen, die, in silberne Panzer gezwängt, seine Fronsleute
waren.
Da ritt vom verrufenen Kreuzweg her der Nachtjäger Sturm gegen die
gepanzerten Bäume. Er hatte das Gesicht im Nacken und pfiff mit gellem
Ton seinen sieben Wolfshunden. Die hatten Schweinsköpfe und kamen mit
fliegenden Flanken und triefenden, behaarten Zungen dahergejagt. Das
pechschwarze Roß des Nachtjägers sprang zur Höhe, daß Funken von den
Hufen auf das Eis des Weges sprühten, und gelbes Feuer brach aus den
Nüstern des Rosses.
So ritt der Nachtjäger Sturm. Ein Beben ging durch den Wald, und alle
Panzer klirrten, und alle Bäume duckten sich angstvoll und gramvoll
nieder.
»Hallojoho! Hallojoho! Hallojoho!«
Eine Peitsche knallte, die Rüden bellten heiser und hohl. Der
Nachtjäger lachte. Wo er vorüberritt, verhüllten sich alle Sterne. Wo
er vorüberritt, kam das Sterben über das Vieh, erblindeten alte Leute,
ging Jungfrauenehre verloren, ringelten sich graue Stricke gleich
lockenden Schlangen in die Hände verzweifelnder Menschen.
»Hallojoho! Hallojoho!«
Die Luft dröhnt und brüllt, Raben flattern zuckend am Boden, die ersten
Bäume brechen zusammen.