Rechts einbiegend, wo der kleine Fluß eine Biegung gegen die Hügel

macht, glitten wir in eine kleine geschützte Bucht, befestigten

dort unseren Kahn und erreichten dann, da von hier aus eine schmale

Kiesbank bis fast zum Fluß führte, auf dieser die nächsten Hügel, an

denen hin wir zur, am letzten Abend erst verlassenen Mission wieder

zurückgelangen konnten.

An diesem Tag war an einen zweiten Aufbruch nicht zu denken, denn

jedenfalls mußten wir, da der Sturm auch nicht eine Viertelstunde

nachließ, die Fluth des nächsten Morgens abwarten. Um unsere Zeit

deshalb nur in etwas zu benutzen, besuchten wir das Missionsgebäude.

Lieber Gott, ich hatte geglaubt die Mission Dolores stehe schon, was

Kirche und Privatwohnungen anbetraf, unter den niedrigsten Erwartungen,

fand aber jetzt daß sie im Vergleich mit der von San Raphael, ein

wahres Prachtgebäude sei.

In Art der Anlage haben beide Aehnlichkeit mit einander; die Jesuiten

sind mit ihren californischen Missionen wohl ziemlich nach einem

gemeinsamen Plane verfahren, Zeit und Wetter den aus ungebrannten

Lehmsteinen errichteten Gebäuden aber keineswegs günstig gewesen. Es

regnete gerade was vom Himmel herunter wollte, als wir in die zwar

geräumige, aber öde Kirche traten. Kirche? -- und warum nicht? -- Die

Leute, die diesen allerdings etwas wüst aussehenden Platz aus freiem

Antrieb aufsuchten, hier ihre Andacht zu verrichten, konnten das gewiß

dort ebenso gut als wenn das Haus von prächtigem Marmor ausgeführt

und von Säulen getragen worden. Die so oft gepredigte und so selten

befolgte ächt christliche Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit wäre

auch hier vollkommen gut repräsentirt gewesen, nur störte die Masse

bunten Nürnberger Flitterwerks, das wahrscheinlich +gute+ Christen

um den Altar herum aufgehäuft hatten, den wenigstens auf mich

hervorgebrachten guten Eindruck, und contrastirte eigenthümlich genug

mit den kahlen Lehmwänden und dem durch das zerrissene Dach in Traufen

niederströmenden Regen.

Die Priesterwohnung stand in vollkommenen Verhältniß mit der Kirche;

der Geistliche, ein geborner Franzose, hatte einen kranken Fuß und

saß, diesen pflegend, in der hohen kahlen, kalten und feuchten Stube.

Ein allem Anschein nach sehr hartes Bett, noch dazu nur dürftig mit

Decken versehen, ein paar Stühle, ein wackliger Tisch, ein kleiner

Bücherschrank und mehrere augenscheinlich europäische Koffer bildeten

sein ganzes Hausgeräth. Die Stube schmückten noch außerdem einige

Heiligenbilder -- Gott verzeih es dem Maler der die Gesichter von

sicherlich ganz braven Leuten auf so scheußliche Art entstellt hatte --

und ein Bündel Rosenkränze -- wahrscheinlich zu Geschenken bestimmt.

Die Bibliothek, in der ich mich nach alten, auf die Mission bezüglichen

Werken vergebens umsah, enthielt nur einige spanische Gebetbücher und

mehrere Predigten in Manuscript -- keinesfalls etwas erhebliches.

Indianer sahen wir nur wenige in der Mission; das Missionswerk scheint

überhaupt für Californien vorbei zu sein. Man wird allerdings die

wenigen armen eingebornen Teufel, die nach der gewaltsamen Entwicklung

dieses wunderbaren Landes noch übrig bleiben, zu der äußeren Bekennung

der christlichen Religion bringen, dabei wird es aber auch bleiben, und

sich um ihr +wirkliches+ Christenthum Niemand besonders kümmern.

In San Raphael beabsichtigte man ebenfalls eine Stadt anzulegen -- wie

überhaupt an sämmtlichen nur halbweg günstig gelegenen Plätzen der Bai

-- und Bauplätze wurden zu 30 Dollars ausgeboten.

Die Nacht schliefen wir, um dem starken, von heftigem Wind begleiteten

Regen zu entgehen, in Mr. Murphy’s Haus. Gegen Morgen legte sich der

Sturm, und um 11 Uhr als sich das schlimmste Wetter gelegt und die See

etwas beruhigt hatte, gingen wir aufs neue in See -- dießmal aber, mehr

vom Wind begünstigt als gestern, unter Segel. Allerdings mußten wir so

dicht wir konnten, bei dem Wind halten und machten deshalb keinen sehr

bedeutenden Fortgang, die Ebbe war uns aber ebenfalls günstig, und nur

etwas zu weit in die Mitte der Bai hinausgetrieben, hielten wir scharf

auf die obere Spitze von Los Angelos zu. Nach Mittag drehte sich der

Wind wieder etwas, wir mußten das Segel einziehen und zu den Rudern

greifen und erreichten etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang nach

schwerer Arbeit Los Angelos.

Am westlichen Ufer der Insel hin hielten wir uns diesmal, noch immer

von der abströmenden Fluth begünstigt, und lagen dort etwa eine

halbe Stunde still, uns theils auszuruhen, theils die nächste Fluth

abzuwarten, um mit dieser gegen San Francisco hinaufzuhalten. Der Abend

rückte aber rasch heran, und der Himmel selber sah viel zu drohend

aus, als daß wir viel Zeit hätten unnütz versäumen dürfen. Wir setzten

deshalb das Segel wieder und hielten an der Insel Alcatraces vorüber,

auf die Westspitze der Insel Yerba Buena zu, von wo aus wir hoffen

durften, entweder die über der Stadt und nach Dolores zu liegende

Baispitze oder doch wenigstens die Stadt selber zu gewinnen. Von da an

konnten wir dann, von dem hoben Ufer geschützt und von der steigenden

Fluth begünstigt, noch in derselben Nacht in den Baiausfluß der

Mission Dolores einlaufen. Wind und Wetter machten uns jedoch einen

bedeutenden Strich durch diese Rechnung.

Noch vor Yerba Buena kam uns der Wind wieder entgegen und wir mußten

rudern, und als wir kaum das erste und äußerste der vor San Francisco

vor Anker liegenden Schiffe erreicht hatten, und gerade als sich

die Fluth drehte, brauste er wieder über die See herüber, und der

weiße Kamm der heranbrechenden Wogen kündete uns eine Fortsetzung

des gestern Begonnenen. Dabei wurde es dunkel. Sollten wir nach dem

über zwei Meilen entfernten Lande in solch stürmischer See hinüber

halten? Jedenfalls wäre es sehr gewagt gewesen, und da die Noth es

nicht dringend erforderte, beschlossen wir da, wo wir uns gerade

befanden liegen zu bleiben. Hinten am Spiegel der Barke hing nämlich

ein ziemlich großes Lichterboot, eine sogenannte Scow. In dieser lagen

einige Bretter -- das Boot befestigten wir an die Scow, schoben uns

die Bretter dachförmig zurecht, deckten unser Segel darüber -- was

wenigstens vollkommenen Schutz gegen den Regen gab -- und machten uns

dann bereit die Nacht hier zu verbringen.

Immer lauter heulte aber der Sturm, immer höher hoben sich die Wogen,

und unser Boot drohte an der schweren Scow zu zerschellen. Mit in dem

Lichter gefundenen Stricken und einem sandgefüllten Sack, den wir

neben den zusammengedrehten Seilen über Bord hingen, sicherten wir

in etwas unser Boot. Wie sich das Wetter aber verschlimmerte, wurde

auch dessen Zustand bedenklicher, und zuletzt erreichte es einen

solchen Grad, daß wir die Erhaltung unseres Fahrzeugs fast aufgaben,

und wenigstens alles, was herausgenommen werden konnte, wie Ruder,

Dollen u. s. w. in die Scow retteten. Provisionen hatten wir, außer

etwas trockenem Schiffszwieback und den beiden, aber doch nicht roh zu

verwendenden Schnepfen, keine, auch keinen Appetit etwas zu verzehren,

und müde und kalt drückten wir uns, nachdem das Boot so gut verwahrt

war wie es die Umstände nur gestatteten, unter unser extemporirtes

Schutzdach, unter dem wir wie in einem Sarge lagen.

Ich habe schon manche schlechte Nacht in meinem Leben mit durchgemacht,

so gefroren aber noch in keiner. An Schlafen war dabei gar nicht

zu denken; die Wogen schlugen gegen die Scow an, hoben sie und

schleuderten sie hin und wieder; der Regen klatschte auf das Segel

nieder, der Sturm heulte und zum Ueberfluß hing noch ein anderer, aus

Brettern roh gezimmerter Kahn an demselben Schiff mit uns, barst schon

in der ersten Stunde durch die wiederholten Schläge, und donnerte nun

seine Stücke die ganze Nacht hindurch gegen die Vorplanken der Scow an,

auf denen wir gerade mit dem Kopfe lagen.

Schlaflos warfen wir uns auf den feuchten Planken herum, und der kalte

Wind pfiff unter dem Segel durch, daß uns das Mark in den Knochen

erstarrte. Die Vergangenheit trug ebenfalls nicht dazu bei, mir

wenigstens meine Lage zu erleichtern -- an demselben Abend hatte ich

im vorigen Jahr die Meinen verlassen, und jetzt? -- Hol der Teufel das

Nachdenken, wenn der Geist sich an solche Punkte klammert, und nicht

los davon zu reißen ist.

Die Nacht kam mir so lang wie ein Monat vor, und als der Morgen endlich

trübe durch unser naßgraues Segel dämmerte, konnte ich die erstarrten

Glieder kaum so viel bewegen, unter unserem Dachwerk vorzukriechen.

Mein erster Blick war nach dem Boot, der zweite nach Himmel und Wellen

-- das Boot lag wirklich noch unbeschädigt neben uns, die See hatte

sich beruhigt, der Sturm etwas nachgelassen, und wenn uns auch der

Wind entgegen war, konnten wir doch jetzt leicht mit Rudern das Ufer

gewinnen.

Unser Frühstück hielt uns nicht lange auf, ein Stück Schiffszwieback

und ein Schluck Wasser. Rasch packten wir unsere Habseligkeiten wieder

in das Boot und stießen, jetzt mit der besten Hoffnung, von unserem

Nachtquartier ab.

Das Schiff an dem wir gelegen, war eine große französische Barke,

+L’Abeille+ und von den Leuten die wir an Bord sahen, wie sie uns von

dort herunterriefen, vor einigen Tagen aufgefangen, ohne daß weder der

Capitän noch sonst irgend jemand von der Mannschaft an Bord gewesen

wäre.

Nach zwei Stunden etwa erreichten wir San Francisco. Wir sahen

übrigens aus wie die Räuber und Mörder, und wären in jeder Stadt

Europas, augenblicklich beim Kragen genommen und durch irgend einen

wohlwollenden Polizeidiener der Aufmerksamkeit der Straßenjungen

entzogen worden. Hier aber fällt das nicht auf, die Leute sind an

abenteuerliche Gestalten jeder Art gewöhnt. Unbelästigt konnten wir uns

restauriren und liefen noch an demselben Morgen, allerdings etwas müde,

sonst jedoch wohl und gesund in den kleinen Fluß der Missionsbucht ein.

Der Mexikaner in den californischen Minen.

Die Mexikaner bilden in Californien, fast wie die Chinesen, eine

ganz besondere und streng in sich abgeschiedene Gesellschaft, die

dem fremd Eingewanderten gleich von allem Anfang an, zuerst durch

ihre dunkle Hautfarbe sowohl wie durch das Eigenthümliche ihres

National-Kleidungsstückes, der bunten, oft in den lebendigsten

Farben prangenden Serape ausfällt, während er, je mehr er mit ihnen

zusammenkommt, desto mehr kleine Züge kennen lernt, die sie von allen

anderen Stämmen deutlich abzeichnen und unterscheiden.

Wohl zu trennen dabei sind die Mexikaner von den Californiern,

den eigentlichen Herren des Landes, die früher allerdings unter

mexikanischer Botmäßigkeit standen, doch aber eine gänzlich

verschiedene Raçe scheinen, und sich mit den eigentlichen Mexikanern

auch nicht viel abgeben, jedenfalls sich für mehr und besser halten,

als diese.

Der Californier (ich spreche hier nicht von dem eingebornen Indianer,

der in Farbe, Haaren und Gesichtsbildung seinen östlichen Bruder nicht

verleugnen kann, sondern von den Abkömmlingen der echt spanischen Raçe,

die aber in Californien geboren wurde) ist schlanker und kräftiger

gebaut, als der Mexikaner, auch wohl von etwas hellerer Gesichtsfarbe,

aber in Tracht und Sitte ähnelt er seinem südlichen Milchbruder, wie in

dem Haß gegen den Amerikaner, in dem er ihn vielleicht noch übertrifft.

Doch mit diesem haben wir es hier nicht zu thun, eben so wenig mit

den anderen spanischen und meist von Süd-Amerika heraufgekommenen

Volksstämmen, den Chilenen wie den Argentinern, beides treffliche

Lassowerfer, die selbst dem Californier nicht nachstehen darin oder

den Peruanern und Bewohnern der centralamerikanischen Staaten. Der

Mexikaner zeichnet sich vor Allen aus und ist leicht erkennbar.

Schon auf den Straßen die nach den Minen führen, tritt sein Charakter

scharf und deutlich vor. In kleinen Trupps zusammen und mit keiner

anderen Nation sich mischend, mit Maulthieren, wenn sie reich genug

sind solche zu bezahlen, oder sonst zu Fuß, mit der runden hölzernen

Waschschüssel auf dem Rücken, die kurze, leichte Brechstange, das

einzige Werkzeug bei ihrer Arbeit, in der Hand, und das Wenige, was

sie außerdem noch brauchen, in ein kleines Bündel auf den Rücken

geschnallt, ziehen sie singend, lachend und erzählend ihre Straße

entlang und lagern, wenn es Abend wird, seitab von dem Weg oder Pfad,

in dem sie die Packsättel ihrer Maulthiere, in einem engen oder weiten

Kreis, je nachdem sie zahlreich sind, um sich herum aufstellen, und mit

dem anderen Gepäck dazwischen eine Art befestigtes Lager bilden, als ob

sie fortwährend einen Ueberfall fürchteten.

Sie tragen leichte Hosen und Jacken und meist weiße Hemden, und ihre

Serape, was der Süd-Amerikaner Poncho nennt (eine große, wollene, bunt

gewebte Decke mit einem Loch in der Mitte, den Kopf hindurchzustecken),

bei kaltem oder nassem Wetter halb zusammengeschlagen, den einen Zipfel

über die linke Schulter gelegt, daß er nur etwas vorn herunterfällt

und den anderen über den Rücken herum vorn über die Brust gezogen

und dann nach hinten über die linke Schulter geworfen. Es sieht das

einestheils sehr malerisch aus und hält auch Brust und Leib warm und

gegen den Regen vollkommen geschützt, da das dicht gewebte wollene Zeug

keinen Tropfen Wasser durchläßt. Ein Panama-Strohhut auf dem Kopf,

und Ledersandalen an den Füßen vollenden ihre Toilette, die bei den

Wohlhabenderen noch durch eine meist rothseidene, chinesische Schärpe,

welche sie um den Leib tragen, und deren lange Zipfel von den Seiten

herunterfallen, gehoben wird.

Während der Argentiner aber z. B. nie ohne sein langes Messer, das

ihm hinten im Gürtel steckt, gesehen wird, und selbst der weniger

blutdürstige Chilene sehr gern ein solches trägt, wird man den

Mexikaner selten damit finden, er müßte es denn versteckt unter den

Kleidern führen. Nur die Berittenen haben meist einen Säbel bei

sich, den sie auch auf etwas eigenthümliche Art, wenn sie zu Pferd

oder zu Maulthier sitzen, unter dem linken Bein durch, an den Sattel

geschnallt tragen, wo der Griff solcher Art der rechten Hand leicht

und bequem liegt. Der Säbel hindert sie dadurch nicht allein nicht

beim Reiten, indem er, wie gewöhnlich umgeschnallt, an der Seite

herumklappern würde, sondern sie können auch, besonders wenn sie durch

Busch und Wald reiten, nirgends damit hängen bleiben. Pistolen führen

sie ungemein selten, wissen auch nicht mit Feuerwaffen, oder doch nur

sehr mittelmäßig umzugehen. Dafür haben sie ebenfalls den Lasso rechts

hinter sich am Sattel zusammengerollt aufgebunden, daß er mit einem

Griffe zu lösen und zu fassen ist.

Der Mexikaner ist aber keineswegs so blutdürstig und grausam wie

manche seiner Stammgenossen, und die Ursache hierzu liegt sicher

mit in der großentheils vegetabilischen Nahrung. Während sich der

Argentiner nie um Brod bekümmert, wenn er Fleisch haben kann, und

selbst der Californier es wohl ißt wenn er es gerade hat, aber sich

auch keine besondere Mühe damit geben mag, bilden die auf großen

Blechen gedörrten, ganz dünnen, knusprigen Weizenkuchen einen

Haupt-Bestandtheil von des Mexikaners Mahlzeit, und er wird lieber dem

Fleisch entsagen, ehe er diese aufgiebt. Ueberhaupt bietet ein solcher

mexikanischer Lagerplatz ein belebtes, fröhliches Bild, und wenn kein

Fremder zwischen ihnen ist, singen und lachen sie und tanzen auch wohl,

trotz dem ermüdenden Ritt über Tag, bis spät in die Nacht hinein, um am

anderen Morgen wieder mit Tages-Anbruch aufzustehen und ihren Marsch

fortzusetzen, oder ihre Arbeit zu beginnen.

Eine außerordentliche Fertigkeit haben sie im Bepacken ihrer

Maulthiere, auf die sie mit ihren Lassos und langen ledernen Riemen

an zwei- bis dreihundert Pfund, sei dies nun in Kisten, Fässern oder

Säcken, aufbinden. Säcke packen sich am besten, und ein Maulthier,

schwer geladen, trägt gewöhnlich drei, von je hundert Pfund; Fässer

mit gepöckeltem Schweinefleisch und anderen Provisionen werden immer

zu zweien aufgeladen, und kleinere und größere Kisten auf eine Art

weggestaut und befestigt, daß sich die Last nicht rühren und regen

kann und das Thier, wenn es überhaupt nicht überladen ist, leicht

darunter fortschreitet. Selbst einzelne große Fässer, besonders mit

gepöckeltem Schweinefleisch, die oft dreihundert Pfund wiegen, wissen

sie +allein+ oben auf dem Packsattel eines Maulthieres so geschickt

zu befestigen, daß ein Nachschnüren unterweges fast gar nicht nöthig

ist. Die Mexikaner verdienten deshalb auch gleich im Anfang viel Geld

damit, Lebensmittel in die Minen und besonders in die Bergschluchten zu

schaffen, die man mit Wagen und Geschirr gar nicht erreichen konnte,

und wo Fracht, besonders im Winter bei schlechten Wegen, nach den

entfernteren Stellen bis zu einem und einunddreiviertel Thaler preuß.

Courant (siebzig, achtzig, ja, bis zu hundertzwanzig Cent) +für das

einzelne Pfund+ bezahlt wurde. So verdienten sie oft mit einer einzigen

Reise, die sie recht gut in acht Tagen zurücklegen konnten, ihr

Maulthier.

Die Mexikaner sind dabei ungemein mäßig; sie essen nur wenig und

einfache Kost und trinken fast Nichts als Wasser, sind deshalb auch

vortrefflich geeignet, in den Minen und in einsamen Bergschluchten --

ihren Lieblingsstellen -- auszuhalten, und verdienen gewöhnlich eine

für ihre bescheidenen Ansprüche sehr große Quantität Gold, mit dem sie

sich dann eben so ruhig über die Berge wieder zurück in ihre Heimat

ziehen, wie sie gekommen sind.

Der Amerikaner mag übrigens deshalb den Mexikaner eben so wenig wie

den Chinesen leiden. Die Menschen +verzehren+ zu wenig, haben zu

wenig Bedürfnisse, und das wenige Geld, was sie umsetzen, bleibt fast

ausschließlich unter ihren Landsleuten. Sie kommen meist in Karawanen

und Zügen zu +Lande+ von Mexiko herauf und weichen dem Amerikaner in

Californien aus, so viel sie können. Sie suchen auch die Gesetze, die

ihnen für Arbeiten in den Minen einen gewissen Beitrag auferlegen, so

viel als möglich zu umgehen, indem sie fortwährend aus einer Schlucht

in die andere wechseln, bis sie einen guten Platz gefunden haben den

sie, ohne sich mit einem Laut zu verrathen, ausbeuten und dann wieder

mit ihrem Gold verschwinden.

Sie haben dabei eine von den übrigen Stämmen ganz verschiedene Art

zu arbeiten. Während die Amerikaner, wie sämmtliche übrige Nationen

fast, sich der Schaufeln und Hacken zum Auswerfen der Erde und der

verschiedenartigsten Maschinen zum Auswaschen derselben bedienen,

bleiben die Mexikaner noch in den meisten Fällen, größere Compagnieen

ausgenommen, bei ihrer hölzernen Waschschüssel und dem kleinen, kurzen

Brecheisen, mit dem sie die Erde aufstoßen, dieselbe mit den Händen

in die Schüssel werfen und forttragen. Natürlich ist es mit diesem

unvollkommenen Handwerkszeug viel mühsamer den schweren Grund zu

bearbeiten, und wollten sie dabei auf dieselbe Art verfahren, wie alle

übrigen Goldwäscher, d. h. große Löcher auswerfen und frei arbeiten,

und dann daran gehen, das von der oberen Decke befreite, so wie sie die

Golderde einmal erreicht haben, auszuwaschen, würden sie nie und nimmer

auf die Kosten ihrer Arbeit kommen, wie auch gar nicht im Stande sein

so viel Erdreich mit ihrem unvollkommenen Geschirr zu bewältigen. Die

Mexikaner arbeiten aber auf ganz andere Art. Gewöhnlich graben oder

wühlen sie ein brunnenartiges Loch aus, von so schmaler und enger Röhre

aber, daß wirklich nur ein Mexikaner sich im Geringsten darin regen

könnte. Mit ledernen Säcken meist schaffen sie die taube Erde dann zu

Tage, fortwährend dabei mit ihren hölzernen Pfannen versuchend, ob

sie noch nicht auf goldhaltigen Grund kommen und die „Ader“ treffen.

Von da an nun wühlen und stochern sie weiter, folgen der Goldader, die

sich fast immer in nicht zu großem Umfange, bald hierhin, bald dorthin

abkreuzend, in der Erde hinzieht, stoßen die Erde vor sich weg mit

den Brechstangen gleich in ihre Pfannen oder Säcke los, und scharren

und kratzen sich ordentliche Stollen unter dem Erdboden hin auf weite

Strecken.

Die Amerikaner nennen dieses Arbeiten ~cayoting~, nach den kleinen

Wölfen, ~cayotas~, die sich auch ihre Höhlen in die Erde graben.

Still und abgeschlossen, halten sie sich dabei für sich, ja selbst den

Eingang ihrer Gruben verborgen, so weit das irgend geht, und arbeiten

fleißig und unverdrossen fort, verkehren auch so wenig wie möglich mit

ihren Nachbarn und stehen selten oder nie dem Fremden, der sich mit

ihnen einlassen will, Rede und Antwort. Kömmt man deshalb an einer

solchen Stelle vorbei wo sie arbeiten, und will sich mit ihnen in ein

Gespräch einlassen, so hält das schon an und für sich schwer. Sie sehen

es auch gar nicht gern, wenn man bei ihnen stehen bleibt, obgleich sie

es eben auch nicht verhindern können, und antworten nur artig auf den

ihnen gebotenen Gruß; jede weitere Frage wäre vollkommen nutzlos.

Hundertmal wohl habe ich gehört, wie sie von Anderen angeredet wurden,

die aus ihnen herauszubekommen suchten, ob sie irgend etwas verdienten.

„~Mucho oro aqui, amigo?~“ („Viel Gold hier, Freund?“) ist eine

Redensart, die besonders den Amerikanern geläufig wird, da es auch

ungefähr das Einzige ist, was sie von der spanischen Sprache behalten,

und sie sehen dann gleichgültig und ernsthaft dabei aus, als ob ihnen

eben nicht besonders viel daran läge es zu erfahren -- die Antwort

bleibt +immer+ dieselbe.

„~Si, poquito, Señor~“ („Ja, ein wenig, Señor“) was sie mit einem

eigenthümlich singenden Ton und einem halben Achselzucken erwiedern.

Alle anderen gebrochenen Redensarten verstehen sie nicht, und wer

wirklich spanisch spricht und dadurch schon näher mit ihnen bekannt

geworden ist, fragt sie schon überhaupt um Nichts, denn wenn er auch

Etwas erführe, könnte er sich darauf verlassen, daß es eine Lüge wäre.

Sogar an total wasserarmen Stellen, wo es keinem Amerikaner einfallen

würde zu arbeiten, sieht man sie mit ihren kurzen Brechstangen stoßen

und wühlen oder „trocken waschen“, wie es die Uebrigen nennen. Sie

zerdrücken dann die bröckliche Erde in ihren hölzernen Pfannen und

blasen den Staub mit dem Mund hinaus, wo das schwerere Gold natürlich

zurückbleibt; aber es läßt sich denken, welche schwierige Arbeit das

ist, und was für eine Lunge dazu gehört.

Mit diesem stillen, unermüdlichen Fleiß und der Art ihrer Arbeit, bei

der sie sich nicht mit oberflächlichem Untersuchen begnügen, sondern

eben in die Erde wie ein Maulwurf hineingehen, und darunter fortwühlen,

haben sie aber auch schon in Californien fast an allen Wassercoursen

die reichsten Goldlager zuerst entdeckt, und sind nicht selten später

von den Amerikanern daraus vertrieben worden. So war es in Murphy’s

Diggings, wo die Letzteren ein paar Mexikaner mit einer Frau an der

Arbeit fanden, die unter einigen einzeln stehenden Kiefern eine Art

Brunnen gegraben hatten und von den rohen Gesellen geradezu verjagt

wurden. Der Platz wies sich nachher als sehr reich aus. Sodann mit

Carson’s-Flat, wo zehn oder zwölf Mexikaner fast ein halbes Jahr

gearbeitet hatten und, wie das Gerücht ging, eben nur knapp ihren

Lebensunterhalt verdienten, denn wo sie sich ihre Provisionen holen

mußten, bezahlten sie nur mit sehr feinem, unansehnlichem Gold, und

handelten bis auf das Blut, um Alles billig zu bekommen. Als aber

einige Amerikaner später zufällig und wirklich fast aus Verzweiflung,

nirgends anders Etwas finden zu können, mit begannen, erwies sich die

ganze Fläche als eine der reichsten in den californischen Minen, und

die Mexikaner zogen still mit schwerbeladenen Maulthieren ab.

Californische Skizzen · 第 13 / 18 段