3. Regio olfactoria.

Die Schleimhaut dieser Gegend ist durch ihre gelblichbraune Färbung

schon makroskopisch von der rötlichen Schleimhaut der Regio

respiratoria unterscheidbar. Sie besteht aus einem Epithel, dem

Riechepithel, und aus einer Tunica propria. Im Riechepithel kommen

zwei Zellformen vor. Die eine Form (Fig. 393 _{8}) ist in der oberen

Hälfte zylindrisch und enthält hier gelbliches Pigment und kleine,

oft in Längsreihen gestellte Körnchen teilweise schleimiger Natur.

Die untere Hälfte ist schmäler, am Rande mit Zacken und Einbuchtungen

versehen, das untere Ende ist gegabelt und soll mit den gegabelten

Enden benachbarter Zellen sich zu einem zytoplasmatischen Netzwerke

verbinden. Diese Zellen heißen ~Stützzellen~. Ihre, meist ovalen,

Kerne liegen in ~einer~ Höhe und nehmen auf senkrechten Schnitten eine

schmale Zone, die ~Zone der ovalen Kerne~ (Fig. 395) ein. Die zweite

Form (Fig. 393r, 395) besitzt nur in der Umgebung des meist runden

Kernes eine größere Menge Zytoplasma; von da erstreckt sich nach

~oben~ ein schmaler, zylindrischer, härchentragender, nach ~unten~

ein sehr feiner Fortsatz, der sich direkt in den Achsenzylinder

einer Nervenfaser fortsetzt. Diese Zellen, die »~Riechzellen~«, sind

Ganglienzellen, ihr unterer Fortsatz ist eine zentripetale Nervenfaser

(Neurit). Ihre mit Kernkörperchen versehenen, runden Kerne liegen in

verschiedenen Höhen und nehmen eine breite Zone, die ~Zone der runden

Kerne~ (Fig. 395¡zr¡) ein.

[Illustration: Fig. 393.

Isolierte Zellen der Regio olfactoria des Kaninchens. 560mal

vergrößert. ¡st¡ Stützzellen, ¡s¡ austretende Schleimzapfen, die

Flimmerhaaren ähnlich sind. ¡r¡ Riechzellen, bei ¡r'¡ ist der untere

Fortsatz abgerissen. ¡f¡ Flimmerzelle. ¡b¡ Zellen der Geruchsdrüsen.

Technik Nr. 202, S. 507.]

[Illustration: Fig. 394.

Senkrechter Schnitt durch die Regio olfactoria einer jungen Ratte.

480mal vergrößert. Technik Nr. 205, S. 508.]

Zuweilen trifft man in dem sonst kernfreien Epithelgebiet über

den ovalen Kernen runde Kerne in wechselnder Menge; sie gehören

entweder dislozierten Riechzellen an (Fig. 396) oder sind Kerne

durchwandernder, oft pigmentierter Lymphozyten.

Außer diesen beiden Formen gibt es Zwischenformen, die bald mehr den

Stützzellen, bald mehr den Riechzellen sich nähern. An der Grenze

des Epithels gegen das Bindegewebe ist ein mit Kernen versehenes,

zytoplasmatisches Netzwerk, die sogenannten ~Basalzellen~ (Fig. 396),

gelegen. Die Oberfläche des mit einem Schlußleistennetz versehenen

Epithels ist von kleinen Zapfen Schleimes bedeckt (Fig. 396), der in

geringen Mengen von den Stützzellen ausgeschieden wird.

Die ~Tunica propria~ stellt einen aus starren Bindegewebsfasern

gewebten, mit feinen elastischen Fasern und vielen Bindegewebszellen

untermengten, lockeren Filz dar, welcher bei manchen Tieren (z. B. bei

der Katze) gegen das Epithel zu einer strukturlosen Haut verdichtet

ist. Zahlreiche Drüsen, die ~Glandulae olfactoriae~ (Bowman), sind

in die Tunica propria eingebettet; es sind entweder einfache oder

(z. B. beim Menschen) verästelte Schläuche, an denen man einen im

Epithel gelegenen Ausführungsgang (Fig. 396), einen Drüsenkörper und

einen Drüsengrund unterscheidet. Die Zellen des Drüsenkörpers sind

pigmentiert. Die Glandulae olfactoriae (auch diejenigen des Menschen)

haben das Aussehen von Eiweißdrüsen, enthalten aber zuweilen (meist

geringe Mengen von) Schleim.

Die Glandulae olfactoriae überschreiten oft das Gebiet der Regio

olfactoria und werden auch in den angrenzenden Abschnitten der

Regio respiratoria gefunden. Sie dienen wahrscheinlich dazu, die

Riechstoffe möglichst rasch von der Oberfläche des Riechepithels

wegzuspülen.

Die Tunica propria ist ferner Trägerin der Verästelungen der Nerven.

Die Äste des N. olfactorius werden von Fortsetzungen der Dura mater

bekleidet und bestehen aus marklosen Fasern; diese Fasern sind die

unteren Fortsätze der Riechzellen, welche zu Bündeln vereint in flachen

Bogen sich vom Epithel her in die Tunica propria einsenken und durch

Vereinigung mit Nachbarbündeln eben die Olfaktoriusäste bilden; die

Endverästelungen des N. trigeminus liegen in der Tunica propria selbst;

feine in das Epithel aufsteigende und dort frei endende Fasern gehören

möglicherweise dem Trigeminus an. Sie unterscheiden sich von den

typischen, stets ungeteilten, Olfaktoriusfasern durch ihre Verästelung.

Das beim Menschen rudimentäre, vomeronasale (~Jacobson~sche)

Organ besitzt schon vom 5. Fetalmonat an kein Riechepithel

mehr, seine mediale Wand ist dann nur noch von einem hohen

Zylinderepithel überzogen. Die von verschiedenen Autoren in der

Regio olfactoria von Säugetieren als Geruchsknospen beschriebenen

Bildungen sind Tangentialschnitte von Mündungen der Glandulae

olfactoriae.

[Illustration: Fig. 395.

Senkrechter Schnitt der Regio olfactoria des Kaninchens. 50mal

vergrößert. ¡zo¡ Zone der ovalen, ¡zr¡ Zone der runden Kerne. ¡dr¡

Gland. olfactoriae. ¡a¡ Ausführungsgang. ¡k¡ Körper. ¡g¡ Grund der

Drüse. ¡n¡ Querschnitte der Äste des N. olfactorius. ¡v¡ Venen. ¡ar¡

Arterie. ¡h¡ Querdurchschnittene Bindegewebsbündel. Technik Nr. 204,

S. 508.]

Von den ~Blutgefäßen~ der Nasenschleimhaut verlaufen die

Arterienstämmchen in den tieferen Schichten der Tunica propria (Figg.

392 u. 395); sie speisen ein bis dicht unter das Epithel reichendes

Kapillarnetz; die Venen sind durch ihre ansehnliche Entwicklung

ausgezeichnet (Fig. 392); sie bilden besonders am hinteren Ende der

unteren Muschel ein so dichtes Netzwerk, daß die Tunica propria

daselbst kavernösem Gewebe ähnlich ist.

Die ~Lymphgefäße~ bilden in den tieferen Schichten der Tunica

propria gelegene, grobmaschige Netze. Injektionen von Lymphgefäßen

der Regio olfactoria vom Subarachnoidealraume aus erklären sich

durch die Scheiden, welche die durch die Lamina cribrosa tretenden

Olfaktoriusäste von den Hirnhäuten erhalten.

Markhaltige Zweige des Trigeminus sind sowohl in der Regio respiratoria

wie olfactoria nachzuweisen.

[Illustration: Fig. 396.

Senkrechter Schnitt durch die Regio olfact. eines Hingerichteten.

400mal vergrößert. Technik Nr. 204, S. 508.]

~Technik.~

Nr. 202. ~Riechzellen~. Man durchsäge den Kopf eines soeben

getöteten Kaninchens in der Medianlinie. Die Riechschleimhaut

ist an ihrer braunen Farbe leicht kenntlich. Ein Stückchen von

ca. 5 mm Seite wird samt der dazugehörigen knöchernen Muschel

mit einer kleinen Schere vorsichtig ausgeschnitten und in 20 ccm

Ranvierschen Alkohol (S. 4) eingelegt. Nach 5-7 Stunden übertrage

man dasselbe in 5 ccm Pikrokarmin, am nächsten Tage in 10 ccm

destilliertes Wasser. Nach etwa 10 Minuten wird das Stückchen

herausgenommen und ~leicht~ auf einen Objektträger gestoßen,

auf welchen man einen Tropfen verdünntes Glyzerin gesetzt hat.

Umrühren mit der Nadel ist zu vermeiden, das Deckglas vorsichtig

aufzulegen. Man sieht außer vielen Bruchstücken von Zellen viele

gut erhaltene Stützzellen; an den Riechzellen fehlt häufig der

äußerst feine zentrale Fortsatz (Fig. 393).

Nr. 203. Zu Präparaten der ~Schleimhaut der Regio respiratoria~

umschneide man Stückchen von 5-10 mm Seite auf der unteren Hälfte

des Septum narium, ziehe sie ab und fixiere und härte sie in ca.

20 ccm absolutem Alkohol (S. 14). Weiter nach Nr. 110, S. 289.

~Zu feineren Schnitten~ verwende man die Nasenschleimhaut des

Kaninchenkopfes (Nr. 202), klemme die Stückchen in Leber ein (S.

20) und färbe die Schnitte mit Hansenschem Hämatoxylin (S. 32).

Konservieren in Xylolbalsam (S. 45). Zu Übersichtsbildern genügt

auch die Schleimhaut menschlicher Leichen, welche in gleicher

Weise behandelt wird; nur mache man dicke, ungefärbte Schnitte,

die man in verdünntem Glyzerin konserviert.

Nr. 204. Zu Präparaten der ~Schleimhaut der Regio olfactoria~

löse man Stückchen (von 3-6 mm Seite) der braunen

Riechschleimhaut vom oberen Teile des Septum des Kaninchens (Nr.

202) und lege sie auf 3 Stunden in 20 ccm Ranvierschen Alkohol

(S. 4), welcher die Elemente des Riechepithels etwas lockert;

alsdann übertrage man die Stückchen vorsichtig in 3 ccm 2%ige

Osmiumlösung + 3 ccm destilliertes Wasser und stelle das Ganze

auf 15-24 Stunden ins Dunkle. Nach Ablauf derselben werden die

Stücke auf eine halbe Stunde in 20 ccm destilliertes Wasser

gelegt und dann in 30 ccm allmählich verstärkten Alkohol gehärtet

(S. 17). Die gehärteten Stückchen werden in Zelloidin eingebettet

und geschnitten, die Schnitte 20-30 Sekunden in Hansenschem

Hämatoxylin (S. 32) gefärbt und in Xylolbalsam eingeschlossen (S.

45).

Will man gute Bilder der ~Drüsen~ erhalten (Fig. 395), so mache

man dicke, ~quer~ zum Verlaufe der Nervenfasern gerichtete

Schnitte. Für die Darstellung der ~Nervenfasern~ und des Epithels

empfiehlt es sich, dünne ~längs~ des Nervenfaserverlaufes

gerichtete Schnitte zu machen. Das in Fig. 396 abgebildete

Präparat ist in Flemmings Flüssigkeit (S. 17) fixiert und nach

Nr. 19 (S. 43) gefärbt worden.

Nr. 205. Riechzellen mit Nervenfortsätzen erhält man an den

nach Nr. 199, S. 502 hergestellten Präparaten; oft ist auch das

Gangsystem der Geruchsdrüsen geschwärzt.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 170 / 286 题