XIII. Geschmacksorgan.

Die Geschmacksorgane, die ~Geschmacksknospen~ (Schmeckbecher), sind

meist länglichovale, ca. 80 µ, lange und 40 µ breite, zuweilen auch

mehr kuglige Körper, welche vollkommen im Epithel der Mundschleimhaut

eingebettet sind; sie sitzen mit der Basis auf der Tunica propria auf,

das obere Ende reicht bis nahe zur Epitheloberfläche, welche hier

eine kleine, oft trichterförmige Vertiefung, den ~Geschmackskanal~,

zeigt, dessen äußeres Ende ~äußerer~, dessen inneres Ende ~innerer

Geschmacksporus~ genannt wird. Jede Geschmacksknospe besteht aus

zwei Arten langgestreckter Epithelzellen; die einen sind entweder

von überall gleichem Durchmesser, oder sie sind an ihrem basalen

Ende verjüngt, zuweilen gabelig geteilt, während das obere Ende

zugespitzt ausläuft; ihr Zytoplasma ist hell. Diese Zellen bilden die

Hauptmasse der Geschmacksknospe, sind vorzugsweise in der Peripherie

der Knospe gelegen und heißen ~Deckzellen~ (Stützzellen). Sie dienen

zur Stütze und Hülle der ~Geschmackszellen~ (Schmeckzellen), welche die

eigentlichen Sinnesepithelien sind. Die Geschmackszellen sind schmal

und nur da, wo der schlanke Kern sitzt, etwas verdickt. Der Kern ist

bald näher dem unteren Ende, bald mehr in der Mitte, seltener am oberen

Ende der Zelle gelegen. Ihr oberer Abschnitt ist zylindrisch oder --

und das ist häufiger -- kegelförmig und trägt an seinem freien Ende

ein glänzendes Stiftchen, eine Kutikularbildung, die bis zum inneren

Geschmacksporus reicht; der untere Abschnitt ist bald dünner, bald

dicker und endet abgestumpft oder mit dreieckigem Fuße, ohne sich in

die bindegewebige Schleimhaut zu erstrecken. Das Zytoplasma dieser

Zellen ist dunkler.

Die Geschmacksknospen finden sich beim Erwachsenen vorzugsweise an den

Seitenwänden der Papillae vallatae (vgl. auch Fig. 224, S. 316) und

der Leistchen gut ausgebildeter Papillae foliatae (Fig. 398), (s. auch

S. 315), in geringer Zahl auf den vorderen und hinteren seitlichen

Papillae fungiformes und auf der laryngealen Kehldeckelfläche. Bei

5-7monatigen Feten sind sie reichlicher vorhanden als beim Erwachsenen.

[Illustration: Fig. 397.

Senkrechter Durchschnitt durch zwei Leistchen der Papilla foliata des

Kaninchens. 80mal vergrößert. Jedes Leistchen ¡l¡ trägt drei sekundäre

Leistchen ¡l'¡. ¡g¡ Geschmacksknospen. ¡n¡ Markhaltige Nerven. ¡d¡

Eiweißdrüsen. ¡a¡ Stück eines Ausführungsganges einer solchen. ¡M¡

Muskelfasern der Zunge. Technik Nr. 206, S. 510.]

[Illustration: Fig. 398.

Aus einem senkrechten Schnitte durch eine gut ausgebildete Papilla

foliata des Menschen. 330mal vergr. Technik Nr. 206, S. 510.]

Sie finden sich dort auch an der lingualen Epiglottisfläche und

der Oberfläche nicht nur vieler Papillae filiformes und aller

fungiformes, sondern auch der Papillae vallatae. Später gehen

sie zugrunde, ihre Reste werden von eingedrungenen, weißen

Blutzellen weggeschafft. Nicht selten findet man auch bei

Erwachsenen Lymphozyten -- oft in großer Menge -- im Innern der

Geschmacksknospen. Der weiten Ausdehnung der Geschmacksknospen

beim Neugeborenen entspricht auch eine weitere Ausdehnung des

Schmeckempfindens.

Die Vermutung, daß die Endverästelungen des N. glossopharyngeus in

derselben Weise mit den Geschmackszellen zusammenhängen, wie die

Olfaktoriusfasern mit den Riechzellen, hat sich als eine irrtümliche

erwiesen. Die mit mikroskopischen (sympathischen) Ganglien besetzten

Endäste des N. glossopharyngeus bestehen aus markhaltigen und

marklosen Nervenfasern, welche in der Tunica propria ein dichtes

Geflecht bilden, von dem zahlreiche Äste entspringen. Ein Teil

derselben endet vielleicht im Bindegewebe (in Endkolben), die

Mehrzahl der (marklosen) Nervenfasern aber dringt in das Epithel.

Hier kann man zwei Arten von Fasern unterscheiden. Die einen, die

~intragemmalen~[129] Fasern treten in die Geschmacksknospen (Fig. 399)

ein und bilden dort, sich teilend, ein mit vielen starken Varikositäten

besetztes Geflecht, das bis zur Höhe des Geschmacksporus reicht;

alle intragemmalen Nervenverästelungen enden frei, ohne sich mit

den Geschmackszellen zu verbinden und ohne Anastomosen einzugehen.

Die anderen, mehr glatten »~intergemmalen~« Fasern durchziehen die

Epithelstrecken zwischen den Geschmacksknospen und reichen meist, ohne

sich zu teilen, bis in die oberste Schichte des Epithels.

[Illustration: Fig. 399.

Stück eines senkrechten Schnittes der Papilla foliata eines Kaninchens.

220mal vergr. Bei × sieht man die intergemmalen Fasern ~auf~ einer

Geschmacksknospe aufliegend. Zur Orientierung vgl. man mit Fig. 397.

Technik Nr. 207, S. 511.]

~Technik.~

Nr. 206. Zur ersten Orientierung über ~Zahl und Lage der

Geschmacksknospen~ sind die in Nr. 110 (S. 289) angegebenen

Methoden ausreichend. Als passende Objekte sind die Papillae

vallatae eines beliebigen Tieres und die Papilla foliata des

Kaninchens zu empfehlen. Letztere ist eine erhabene Gruppe

paralleler Schleimhautfalten, welche sich am Seitenrande

der Zungenwurzel befindet. Schon mittelfeine, senkrecht zur

Längsachse der Falten gerichtete Schnitte lassen bei schwachen

Vergrößerungen die Geschmacksknospen als helle Flecke erkennen.

Nr. 207. Zur ~Darstellung der Nerven~ lege man eine Papilla

foliata eines Kaninchens auf 3 Tage in die osmiobichromische

Mischung und dann 2 Tage in Silberlösung. Doppelte Methode zu

empfehlen (S. 37). Die intergemmalen Fasern sind zahlreicher

und schwärzen sich auch leichter (Fig. 399); einzelne Deck- und

Geschmackszellen schwärzen sich häufig.

Die in vorstehenden 207 Nummern angegebenen technischen

Vorschriften verhalten sich hinsichtlich der Leichtigkeit, mit

der sie ausgeführt werden können, sehr verschieden. Ein Teil

derselben ist so einfach, daß schon beim ersten Versuche gute

Resultate erzielt werden können, ein anderer Teil dagegen setzt

eine gewisse Geschicklichkeit voraus, die nur durch Übung zu

erreichen ist.

Die Reihenfolge der Vorschriften ist, gebunden an den Text des

Lehrbuches, nun keineswegs geeignet, den Anfänger vom Leichteren

zum Schweren zu führen, im Gegenteil, eine große Anzahl der

in den ersten Nummern gegebenen Vorschriften gehört zu den

schwierigeren, wie denn überhaupt die Herstellung der Elemente zu

den höheren Aufgaben des jungen Mikroskopikers zählt.

Unter diesen Umständen schien es mir ratsam, die technischen

Regeln in einer Weise zu ordnen, daß der Anfänger an der Hand

dieser Reihenfolge fortschreitend leichter imstande ist, die

Aufgaben zu bewältigen.

Unter »Schnitte« sind hier in der Regel Rasiermesserschnitte

gemeint. Mikrotomschnitte erfordern im Allgemeinen eine

gleichmäßige technische Fertigkeit, sodaß in dieser Hinsicht

keine besondere Abstufung nach der Schwierigkeit gegeben zu

werden braucht.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 171 / 286 题