Die Geschmacksorgane, die ~Geschmacksknospen~ (Schmeckbecher), sind
meist länglichovale, ca. 80 µ, lange und 40 µ breite, zuweilen auch
mehr kuglige Körper, welche vollkommen im Epithel der Mundschleimhaut
eingebettet sind; sie sitzen mit der Basis auf der Tunica propria auf,
das obere Ende reicht bis nahe zur Epitheloberfläche, welche hier
eine kleine, oft trichterförmige Vertiefung, den ~Geschmackskanal~,
zeigt, dessen äußeres Ende ~äußerer~, dessen inneres Ende ~innerer
Geschmacksporus~ genannt wird. Jede Geschmacksknospe besteht aus
zwei Arten langgestreckter Epithelzellen; die einen sind entweder
von überall gleichem Durchmesser, oder sie sind an ihrem basalen
Ende verjüngt, zuweilen gabelig geteilt, während das obere Ende
zugespitzt ausläuft; ihr Zytoplasma ist hell. Diese Zellen bilden die
Hauptmasse der Geschmacksknospe, sind vorzugsweise in der Peripherie
der Knospe gelegen und heißen ~Deckzellen~ (Stützzellen). Sie dienen
zur Stütze und Hülle der ~Geschmackszellen~ (Schmeckzellen), welche die
eigentlichen Sinnesepithelien sind. Die Geschmackszellen sind schmal
und nur da, wo der schlanke Kern sitzt, etwas verdickt. Der Kern ist
bald näher dem unteren Ende, bald mehr in der Mitte, seltener am oberen
Ende der Zelle gelegen. Ihr oberer Abschnitt ist zylindrisch oder --
und das ist häufiger -- kegelförmig und trägt an seinem freien Ende
ein glänzendes Stiftchen, eine Kutikularbildung, die bis zum inneren
Geschmacksporus reicht; der untere Abschnitt ist bald dünner, bald
dicker und endet abgestumpft oder mit dreieckigem Fuße, ohne sich in
die bindegewebige Schleimhaut zu erstrecken. Das Zytoplasma dieser
Zellen ist dunkler.
Die Geschmacksknospen finden sich beim Erwachsenen vorzugsweise an den
Seitenwänden der Papillae vallatae (vgl. auch Fig. 224, S. 316) und
der Leistchen gut ausgebildeter Papillae foliatae (Fig. 398), (s. auch
S. 315), in geringer Zahl auf den vorderen und hinteren seitlichen
Papillae fungiformes und auf der laryngealen Kehldeckelfläche. Bei
5-7monatigen Feten sind sie reichlicher vorhanden als beim Erwachsenen.
[Illustration: Fig. 397.
Senkrechter Durchschnitt durch zwei Leistchen der Papilla foliata des
Kaninchens. 80mal vergrößert. Jedes Leistchen ¡l¡ trägt drei sekundäre
Leistchen ¡l'¡. ¡g¡ Geschmacksknospen. ¡n¡ Markhaltige Nerven. ¡d¡
Eiweißdrüsen. ¡a¡ Stück eines Ausführungsganges einer solchen. ¡M¡
Muskelfasern der Zunge. Technik Nr. 206, S. 510.]
[Illustration: Fig. 398.
Aus einem senkrechten Schnitte durch eine gut ausgebildete Papilla
foliata des Menschen. 330mal vergr. Technik Nr. 206, S. 510.]
Sie finden sich dort auch an der lingualen Epiglottisfläche und
der Oberfläche nicht nur vieler Papillae filiformes und aller
fungiformes, sondern auch der Papillae vallatae. Später gehen
sie zugrunde, ihre Reste werden von eingedrungenen, weißen
Blutzellen weggeschafft. Nicht selten findet man auch bei
Erwachsenen Lymphozyten -- oft in großer Menge -- im Innern der
Geschmacksknospen. Der weiten Ausdehnung der Geschmacksknospen
beim Neugeborenen entspricht auch eine weitere Ausdehnung des
Schmeckempfindens.
Die Vermutung, daß die Endverästelungen des N. glossopharyngeus in
derselben Weise mit den Geschmackszellen zusammenhängen, wie die
Olfaktoriusfasern mit den Riechzellen, hat sich als eine irrtümliche
erwiesen. Die mit mikroskopischen (sympathischen) Ganglien besetzten
Endäste des N. glossopharyngeus bestehen aus markhaltigen und
marklosen Nervenfasern, welche in der Tunica propria ein dichtes
Geflecht bilden, von dem zahlreiche Äste entspringen. Ein Teil
derselben endet vielleicht im Bindegewebe (in Endkolben), die
Mehrzahl der (marklosen) Nervenfasern aber dringt in das Epithel.
Hier kann man zwei Arten von Fasern unterscheiden. Die einen, die
~intragemmalen~[129] Fasern treten in die Geschmacksknospen (Fig. 399)
ein und bilden dort, sich teilend, ein mit vielen starken Varikositäten
besetztes Geflecht, das bis zur Höhe des Geschmacksporus reicht;
alle intragemmalen Nervenverästelungen enden frei, ohne sich mit
den Geschmackszellen zu verbinden und ohne Anastomosen einzugehen.
Die anderen, mehr glatten »~intergemmalen~« Fasern durchziehen die
Epithelstrecken zwischen den Geschmacksknospen und reichen meist, ohne
sich zu teilen, bis in die oberste Schichte des Epithels.
[Illustration: Fig. 399.
Stück eines senkrechten Schnittes der Papilla foliata eines Kaninchens.
220mal vergr. Bei × sieht man die intergemmalen Fasern ~auf~ einer
Geschmacksknospe aufliegend. Zur Orientierung vgl. man mit Fig. 397.
Technik Nr. 207, S. 511.]
~Technik.~
Nr. 206. Zur ersten Orientierung über ~Zahl und Lage der
Geschmacksknospen~ sind die in Nr. 110 (S. 289) angegebenen
Methoden ausreichend. Als passende Objekte sind die Papillae
vallatae eines beliebigen Tieres und die Papilla foliata des
Kaninchens zu empfehlen. Letztere ist eine erhabene Gruppe
paralleler Schleimhautfalten, welche sich am Seitenrande
der Zungenwurzel befindet. Schon mittelfeine, senkrecht zur
Längsachse der Falten gerichtete Schnitte lassen bei schwachen
Vergrößerungen die Geschmacksknospen als helle Flecke erkennen.
Nr. 207. Zur ~Darstellung der Nerven~ lege man eine Papilla
foliata eines Kaninchens auf 3 Tage in die osmiobichromische
Mischung und dann 2 Tage in Silberlösung. Doppelte Methode zu
empfehlen (S. 37). Die intergemmalen Fasern sind zahlreicher
und schwärzen sich auch leichter (Fig. 399); einzelne Deck- und
Geschmackszellen schwärzen sich häufig.
Die in vorstehenden 207 Nummern angegebenen technischen
Vorschriften verhalten sich hinsichtlich der Leichtigkeit, mit
der sie ausgeführt werden können, sehr verschieden. Ein Teil
derselben ist so einfach, daß schon beim ersten Versuche gute
Resultate erzielt werden können, ein anderer Teil dagegen setzt
eine gewisse Geschicklichkeit voraus, die nur durch Übung zu
erreichen ist.
Die Reihenfolge der Vorschriften ist, gebunden an den Text des
Lehrbuches, nun keineswegs geeignet, den Anfänger vom Leichteren
zum Schweren zu führen, im Gegenteil, eine große Anzahl der
in den ersten Nummern gegebenen Vorschriften gehört zu den
schwierigeren, wie denn überhaupt die Herstellung der Elemente zu
den höheren Aufgaben des jungen Mikroskopikers zählt.
Unter diesen Umständen schien es mir ratsam, die technischen
Regeln in einer Weise zu ordnen, daß der Anfänger an der Hand
dieser Reihenfolge fortschreitend leichter imstande ist, die
Aufgaben zu bewältigen.
Unter »Schnitte« sind hier in der Regel Rasiermesserschnitte
gemeint. Mikrotomschnitte erfordern im Allgemeinen eine
gleichmäßige technische Fertigkeit, sodaß in dieser Hinsicht
keine besondere Abstufung nach der Schwierigkeit gegeben zu
werden braucht.