[Illustration: Fig. 365.
Meridionalschnitt der Ora serrata und des angrenzenden Teiles der
Pars ciliar. retinae einer 78 Jahre alten Frau. 70mal vergrößert. 1.
Pigmentepithel, 2. Zapfen, der Außenglieder entbehrend, 3. Membr.
limit. extern., 4. äußere Körnerschicht, 5. äußere retikuläre Schicht,
6. innere Körnerschicht, 7. innere retikuläre Schicht, 8. Radiärfasern,
9. Lücke in der Netzhaut, bei 10. konfluieren äußere und innere
Körnerschicht und gehen in 11. die Zellen der Pars ciliar. retinae
über. Technik Nr. 184, S. 482.]
Nervus opticus.
Der Sehnerv ist nach seiner Entstehungsweise (s. oben) ein Teil des
zentralen Nervensystems; er folgt auch in seinem Aufbau dem Bilde,
das die weiße Substanz der Zentralorgane darbietet. Die markhaltigen
Nervenfasern verlaufen, wie die zentralen Nervenfasern (s. S. 144),
in einem -- im Golgibild »Langstrahler« (s. S. 140) bergenden --
Gliaplasmodium. Die Markhülle beginnt erst während des Austritts
aus der Wand des Bulbus oculi, so daß der Gesamtquerschnitt der
Nervenfasern sich hierbei beträchtlich vergrößert.
Durch bindegewebige Hüllen, die als Fortsetzungen der Hüllen des
Gehirns (s. S. 250) zu betrachten sind, wird der Sehnerv von der
Umgebung abgegrenzt. Die Pia umgibt den Nerven unmittelbar und teilt
ihn durch eindringende, gefäßführende Bindegewebsblätter in Bündel ein
(Fig. 366). Diese Blätter stehen durch quere Bälkchen miteinander in
Verbindung, woraus ein queres Gitterwerk resultiert. Der Pia folgt nach
außen die sehr zarte Arachnoidealscheide, welche zahlreiche, verästelte
Bindegewebsbälkchen nach einwärts zur Piascheide sendet, während die
Verbindung mit der Duralscheide nur durch wenige, straffe Fasern
hergestellt wird. Zu äußerst befindet sich die aus derben, außen mehr
longitudinalen, innen mehr zirkulären Bindegewebsbündeln und vielen
elastischen Fasern bestehende Duralscheide (Fig. 366).
An der Eintrittsstelle des Sehnerven in den Bulbus geht die
Duralscheide in die Sklera über, die Arachnoidealscheide löst sich
an ihrem vorderen Ende in Fasern auf, so daß der nach außen von der
Arachnoidealscheide gelegene Subduralraum mit dem nach innen von der
Arachnoidealscheide gelegenen Subarachnoidealraum kommuniziert. Die
Piascheide verschmilzt mit der Sklera, die dort von vielen Löchern für
die durchtretenden Nervenfasern durchbohrt ist; diese an elastischen
Fasern sehr reiche Stelle heißt ~Lamina cribrosa~. Auch die Chorioidea
beteiligt sich, wenn auch in geringerem Maße, an der Bildung der Lamina
cribrosa. Die Nervenfasern breiten sich radienförmig an der Innenfläche
der Netzhaut aus. Die Umbiegungsstelle bildet um die aus der Achse des
Sehnerven eintretenden Blutgefäße einen ringförmigen Wall (»Papilla
nervi optici«), der gegen die Peripherie sich allmählich abflacht
(Fig. 366). Die von der Papille umgebene, sehr wechselnd große,
trichterförmige Vertiefung heißt die physiologische Exkavation des
Sehnerven.
[Illustration: Fig. 366.
Längsschnitt der Eintrittsstelle des N. opticus vom Menschen. 15mal
vergr. Oberhalb der Lam. cribr. ist die Verschmälerung des N. opticus
sichtbar; Arteria und Vena centralis sind größtenteils der Länge nach,
weiter nach oben aber mehrfach der Quere nach durchschnitten. Technik
Nr. 184, S. 482.]
In der distalen Hälfte des N. opticus sind in dessen Achse die Arteria
und die Vena centralis retinae gelegen; das diese Gefäße umhüllende
Bindegewebe steht in vielfacher Verbindung mit der Pialscheide sowohl,
wie mit der Lamina cribrosa.
Tunica media.
Die ~Chorioidea~ ist durch ihren großen Reichtum an Blutgefäßen
ausgezeichnet, welche in zwei Schichten geordnet sind. Die
~oberflächliche~, nach innen von der Lamina suprachorioidea befindliche
Lage, die ~Lamina vasculosa~ (Schicht der gröberen Gefäße) (Fig.
367), enthält die venösen Gefäße, die, von Lymphscheiden umgeben, in
eine aus feinen, elastischen Fasernetzen und zahlreichen, verästelten
Pigmentzellen bestehende Grundsubstanz (Stroma) eingebettet sind.
Das Stroma enthält außerdem als Begleiter der größeren Arterien
fibrilläres Bindegewebe, glatte Muskelfasern und platte, nicht
pigmentierte Zellen, die zu feinen Häutchen (»Endothelhäutchen«)
verbunden sind. Die tiefere Schicht, ~Lamina choriocapillaris~, wird
durch ein engmaschiges Netz weiter Kapillaren, zwischen denen keinerlei
geformte Elemente gelegen sind, gebildet und ist als Ernährungsorgan
für die tieferen Netzhautschichten besonders wichtig. Zwischen beiden
Gefäßschichten liegt die meist pigmentlose, aus feinen, elastischen
Fasernetzen bestehende ~Grenzschicht~ (= Lam. elastic. chorioideae) der
Grundsubstanz.
[Illustration: Fig. 367.
Senkrechter Schnitt durch einen Teil der Sklera und die ganze
Chorioidea des Menschen. 100mal vergr. ¡g¡ Gröbere Gefäße, ¡p¡
Pigmentzellen, ¡c¡ Querschnitte von Kapillaren. Technik Nr. 184,
S. 482.]
An ihre Stelle treten bei Wiederkäuern und Pferden wellig
verlaufende Bindegewebsbündel, welche dem Auge dieser Tiere einen
metallischen Glanz verleihen. Diese glänzende Haut ist unter dem
Namen ~Tapetum fibrosum~ bekannt. Das gleichfalls irisierende
~Tapetum cellulosum~ der Raubtiere wird hingegen durch mehrere
Lagen platter Zellen, die zahlreiche, feine Kristalle enthalten,
hergestellt.
An die Membrana choriocapillaris schließt sich ein dichtes Netz
feiner elastischer Fasern und dann die ~Lamina basalis~ (Glashaut),
eine strukturlose, bis 2 µ dicke Lamelle, welche auf ihrer äußeren
Oberfläche mit einer feinen, gitterförmigen Zeichnung versehen ist.
Eine auf der inneren Oberfläche bemerkbare, polygonale Felderung
wird durch Abdrücke des mit ihr innig verbundenen Retinalpigments
hervorgerufen. Die Lamina basalis soll ein Mischprodukt von Chorioidea
und Retina sein und gibt keine elastische Reaktion.
Das ~Corpus ciliare~ enthält mehrere Muskelsysteme, die durch ihre
Beziehungen zur Linse (s. unten) die Gestalt derselben und damit die
Einstellung auf nahe und ferne Objekte (Akkommodation) regulieren
können.
Die ~Processus ciliares~ sind 70-80 meridional gestellte Falten, welche
von der Ora serrata (S. 453) an, niedrig beginnend, sich allmählich
bis zu einer Höhe von 1 mm erheben und nahe dem Linsenrande, plötzlich
abfallend, enden. Jeder Ziliarfortsatz besteht aus fibrillärem
Bindegewebe, das elastische Fasern und zahlreiche Blutgefäße enthält
und einwärts durch eine Fortsetzung der Lam. basalis, die hier durch
sich kreuzende Fältchen gekennzeichnet ist, von der Pars ciliaris
retinae (S. 461) abgegrenzt wird.
Die zahlreichen Blutgefäße der Ziliarfortsätze liegen sehr nahe
unter der inneren Oberfläche, die innere Lage der Epithelzellen
enthält oft feine, körnige und vakuoläre Einschlüsse; bei
Abfluß des vorderen Kammerwassers kommt Ersatz aus dem Gebiete
der Ziliarfortsätze. Aus allen diesen und anderen Erfahrungen
wird auf die Anteilnahme dieser Gebilde an der Produktion des
Kammerwassers geschlossen.
Der ~Musculus ciliaris~ ist ein ca. 3 mm breiter, vorn 0,8 mm dicker
Ring. Seine glatten Elemente verlaufen nach drei verschiedenen
Richtungen. Wir unterscheiden: 1. Meridionale Fasern; es sind dies die
der Sklera zunächst gelegenen, mit elastischen Fasern untermengten,
zahlreichen Muskelbündel, welche bis zum glatten Teile der Chorioidea
reichen; sie sind unter dem Namen ~Tensor chorioidea~ bekannt; diese
Bündel gehen mit einer kurzen, elastische Fasern enthaltenden Sehne
vorn in die Descemetsche Haut der Kornea (s. unten, S. 472), hinten
in die Lamina elastica chorioideae über. 2. Radiäre Fasern, den
meridionalen zunächst gelegene Bündel, welche von außen nach innen eine
immer mehr radiär (zum Mittelpunkte des Bulbus orientierte) Richtung
annehmen und hinten im Bereiche des Ziliarkörpers, in zirkuläre
Richtung umbiegen. 3. Zirkuläre (äquatoriale) Fasern (Müller), deren
Menge individuell sehr wechselt (Fig. 368). Die beiden zuletzt
genannten Anteile bewirken durch ihre Beziehungen zur Linse (s. S. 469)
teils Abflachung, teils Vorwölbung der Linsenoberfläche, sind also bei
der Akkommodation stark beteiligt.
Die ~Regenbogenhaut, Iris~, wirkt wie eine photographische Blende
und besteht aus einem, in vordere Grenzschicht und in Gefäßschicht
gesonderten, Stroma, das vorn nur unvollkommen von einer Fortsetzung
des Hornhautendothels, hinten von einer modifizierten Fortsetzung der
Retina überzogen wird. Wir unterscheiden in der Iris folgende Lagen:
1. Das »~Endothel~« der vorderen Irisfläche; es besteht, wie das der
Hornhaut, aus einer einfachen Lage abgeplatteter, polygonaler Zellen,
die aber nicht überall dicht abschließen.
2. Die ~vordere Grenzschicht~ (retikuläre Schicht); sie besteht aus
3-4 Lagen von Netzen, welche durch sternförmige, zum Teil pigmentierte
Bindesubstanzzellen gebildet werden. Dieses dem Retikulum des
adenoiden Gewebes ähnliche Netzwerk geht an seiner hinteren Fläche
allmählich über in
[Illustration: Fig. 368.
Meridionalschnitt durch den Iriswinkel (s. S. 466) des Menschen.
15mal vergrößert. Die radiären Fasern des M. ciliaris sind bei dieser
Vergrößerung nicht zu unterscheiden. Technik Nr. 184, S. 482.]
3. die ~Gefäßschicht~ der Iris; sie besteht aus einem Stroma:
lockeren, feinen Bindegewebsbündeln, die nur in ihren hinteren
Schichten sehr spärliche, radiäre, elastische Fasern enthalten, und
einem von sternförmigen Zellen gebildeten Netze, dessen Maschen die
Form länglicher, radiär gestellter Polygone haben; in diesen Zellen
enthaltenes Pigment bestimmt die dunkleren Töne der Augenfarben. Fehlt
in den Bindegewebszellen Pigment, so bewirkt das durchschimmernde
Pigmentepithel der hintersten (retinalen) Irisschichte einen blauen
Iriston. Das Stroma enthält zahlreiche, radiär (zur Pupille)
verlaufende Gefäße, die eine sehr dicke, bindegewebige Tunica externa,
aber beim Menschen keine Muskulatur und auch keine elastischen Fasern
haben. In der Gefäßschicht sind ferner glatte Muskelfasern gelegen,
und zwar a) ringförmig um den Pupillarrand der Iris angeordnete
Faserbündel: der bis zu 1 mm breite ~Musc. sphincter pupillae~, an
dessen Faszie sich viele Ausläufer des Stromazellennetzes ansetzen,
und b) bei Tieren (Kaninchen) von diesem in radiärer Richtung
ausstrahlende spärliche Fasern, welche keine zusammenhängende Schicht
bilden und sich peripheriewärts zwischen den Fasern des Musc. dilatator
verlieren; beim Menschen sind diese Fasern nur in Spuren vorhanden.
An die Rückfläche der Gefäßschicht schließt sich an der ~Musculus
dilatator pupillae~; er erstreckt sich vom Ziliarrande der Iris bis
nahe an den Pupillarrand und verbindet sich hier mit dem zwischen
den Sphinkterbündeln, dort mit dem zwischen den Ziliarmuskelbündeln
befindlichen Bindegewebe. Er besteht aus einer zusammenhängenden
Schicht spindelförmiger, glatter Muskelfasern, deren jede einen
vorderen, kernlosen, kontraktilen und einen hinteren, kernhaltigen,
pigmentierten Abschnitt zeigt; der vordere Abschnitt ist besonders auf
Radiärschnitten der Iris als ein heller 2-5 µ dicker Streifen deutlich
zu sehen und ist unter dem Namen
4. ~die hintere Grenzschicht~ (Bruchsche Membran, Henlesche
Spindelzellschicht) bekannt. Der hintere pigmentierte Teil bildet mit
den angrenzenden, gleichfalls pigmentierten, polygonalen Zellen der
»Pars iridica retinae« eine gemeinschaftliche Pigmentmasse:
5. die ~Pigmentschicht~ der Iris. Das Pigment fehlt hier nur bei
Albinos. Die hintere Fläche der Pigmentschicht wird von einem sehr
feinen Häutchen, der Limitans iridis, einer Fortsetzung der Glashaut
der Pars ciliaris retinae (S. 461) überzogen.
[Illustration: Fig. 369.
Senkrechter Schnitt durch den pupillaren Teil der menschlichen Iris.
100mal vergrößert. Es ist etwa ein Fünftel der ganzen Irisbreite
gezeichnet. ¡g¡ Blutgefäß mit dicker Bindegewebsscheide, ¡m¡ Musc.
sphincter pupillae, quer durchschnitten, ¡p¡ Pupillarrand der Iris.
Technik Nr. 184, S. 482.]
~Iriswinkel~ (Kornealfalz). Die Übergangsstelle der Sklera in die
Kornea ist insofern von besonderem Interesse, als daselbst Iris, Kornea
und Corpus ciliare aneinander stoßen. Der hinterste Abschnitt der
Substantia propria corneae (s. S. 471), sowie die hintere Basalmembran
stoßen in der Peripherie mit dem Ziliarrande der Iris zusammen; diese
Stelle heißt der ~Iriswinkel~ (Fig. 368). Hier sendet die Iris gegen
die Hinterfläche der hinteren Basalmembran bindegewebige Fortsätze,
die ~Irisfortsätze~, die, bei Tieren (Rind, Pferd) mächtig entwickelt,
das sogenannte ~Ligamentum iridis pectinatum~ darstellen. Beim Menschen
sind diese Fortsätze kaum ausgebildet. Mit den Irisfortsätzen vereinigt
sich die hintere Basalmembran, indem dieselbe sich in ihrer ganzen
Peripherie in Fasern auflöst, die mit den Irisfortsätzen verschmelzen;
diese Fasern erhalten noch Verstärkungen von seiten der elastischen
Sehnen und des intermuskulären Bindegewebes des Ziliarmuskels, sowie
in geringerem Grade Zuwachs von seiten der Sklera. Somit beteiligen
sich am Aufbaue der im Iriswinkel ausgespannten Fasern sämtliche
dortselbst aufeinander treffenden Gewebe: Kornea, Sklera, Iris und
M. ciliaris; das von der Hinterfläche der hinteren Basalmembran auf
die Irisoberfläche sich fortsetzende Endothel hüllt die Fasern ein.
Die zwischen den Fasern befindlichen Räume, die in offener Verbindung
mit der vorderen Augenkammer stehend, dieselbe Flüssigkeit wie diese
enthalten, werden die ~Fontanaschen Räume~ genannt. Sie sind beim
Menschen kaum entwickelt.
Die Linse.
Der feinere Bau der Linse ist nur bei Berücksichtigung ihrer
Entwicklungsgeschichte verständlich. Die Linse entsteht durch
Abschnürung aus dem embryonalen Hautepithel und stellt dann ein
hohles, von einer einfachen Lage zylindrischer Epithelzellen
gebildetes Bläschen dar. Die Zellen der vorderen Wand dieses
Bläschens werden unter geringfügiger Änderung ihrer Form zum
~Linsenepithel~, die Zellen der hinteren Wand wachsen zu langen
~Linsenfasern~ aus, deren Zahl durch vielfache Teilung der am
Äquator des Linsenbläschens befindlichen Zellen bedeutenden
Zuwachs erfährt. Die Linsenfasern füllen schließlich den
ganzen Hohlraum aus, so daß die Linse nun einen soliden Körper
darstellt, der in seiner Hauptmasse aus den Linsenfasern besteht
-- ihre Summe bezeichnet man als ~Substantia lentis~ -- und nur
an seiner Vorderfläche von Linsenepithel überzogen wird, das
am Äquator unter allmählicher Verlängerung seiner Elemente in
die Linsenfasern übergeht. Eine vielleicht ausschließlich vom
epithelialen Linsenbläschen her gebildete ~Linsenkapsel~ umhüllt
das Ganze.
Die ~Substantia lentis~ läßt eine weichere Rindensubstanz und einen
festeren Kern unterscheiden und besteht ganz aus sehr in die Länge
gezogenen Epithelzellen, den ~Linsenfasern~. Diese haben die Gestalt
meist sechsseitiger, prismatischer Bänder, die an einem oder an
beiden Enden kolbig verdickt sind. Man unterscheidet Zentralfasern,
Übergangsfasern und Hauptfasern; die Zentralfasern sind kernlos, haben
wellenförmige oder gezähnelte Ränder und sind gegen die Linsenachse
zentriert. Auch die Übergangsfasern haben ihren Kern verloren. Beide
bilden den festeren »Kern« der Linse. Die Hauptfasern bilden den
größten Teil der Substantia lentis und sind durch glatte Ränder und
einen in der Nähe des Äquators gelegenen, ovalen Kern ausgezeichnet.
Sämtliche Fasern werden durch eine geringe Menge von Kittsubstanz
miteinander verbunden, die am vorderen und hinteren Pole der Linse
stärker angehäuft ist und bei Mazerationsversuchen zur Bildung des
sogenannten vorderen und hinteren Linsensternes Veranlassung gibt.
Alle Linsenfasern verlaufen in meridionaler Richtung vom vorderen
Linsenstern beginnend bis zum hinteren Linsenstern; jedoch umgreift
keine Linsenfaser die ganze Hälfte der Linse: je näher dem vorderen
Pole eine Faser entspringt, desto weiter vom hinteren Pol entfernt
findet sie ihr Ende. Die Hauptfasern sind zu radiären Lamellen
geordnet, deren Zahl beim erwachsenen Menschen über 2000 beträgt.
Die Lamellen sind bei niederen Wirbeltieren und unter den
Säugern bei Nagern (z. B. beim Eichhörnchen) von großer
Regelmäßigkeit, bei Affe und Mensch dagegen sehr unregelmäßig;
auch die Querschnitte der Linsenfasern zeichnen sich bei
letzteren durch ihre große Unregelmäßigkeit aus. Wir erblicken
darin den Ausdruck einer größeren Elastizität und Schmiegsamkeit
der ganzen Linse, die dadurch ganz besonders geeignet ist, den
Anforderungen der Akkommodation zu entsprechen. (Bekanntlich
ist die Akkommodationsbreite bei Mensch und Affe eine sehr viel
größere als bei den übrigen Säugern. Über die irrige Vorstellung
vom Aufbau der Linse aus konzentrischen Lamellen siehe Technik
Nr. 186, S. 483.)
[Illustration: Fig. 370.
Linsenfasern eines neugeborenen Kindes. ¡A¡ Isolierte Linsenfasern,
drei haben glatte, eine hat gezähnelte Ränder. 240mal vergrößert.
Technik Nr. 185, S. 482.
¡B¡ Querdurchschnittene Linsenfasern des Menschen, ¡c¡ Durchschnitte
kolbiger Enden. 560mal vergr. Technik Nr. 186, S. 483.]
[Illustration: Fig. 371.
Linsenkapsel und Linsenepithel des erwachsenen Menschen. ¡C¡ von der
Innenfläche. 240mal vergr. Technik Nr. 187a. ¡D¡ von der Seite gesehen,
aus einem Meridionalschnitt durch den Linsenäquator. 1. Kapsel, 2.
Epithel, 3. Linsenfasern. 240mal vergrößert. Technik Nr. 187b, S. 483.]
Das ~Linsenepithel~ wird durch eine einfache Lage am vorderen
Linsenpol niedriger (2,5 µ), gegen den Äquator höher (bis 10 µ)
werdender, kubischer Zellen gebildet, welche, die vordere Linsenfläche
überziehend, bis zum Äquator reichen; hinter dem Äquator sind die
Epithelzellen zu meridionalen Reihen geordnet, welche durch die am
Äquator stattfindenden Zellteilungen und -verschiebungen verursacht
werden. Am hinteren Ende dieser Reihen bilden sich die Epithelzellen,
allmählich länger werdend, zu Linsenfasern um. Die ~Linsenkapsel~
ist beim Menschen eine vorn 6,5-25 µ, hinten 2-7 µ dicke, glashelle,
elastische Membran.
Die Zonula ciliaris.
Von den inneren Zellen der Pars ciliaris retinae entstehen und
entspringen in einer unmittelbar vor der Ora serrata gelegenen Zone
feine, homogene Fasern, von denen einzelne in den Glaskörper eintreten,
die Hauptmasse aber in den Tälern zwischen den Ziliarfortsätzen gegen
die Linse zieht, wo sie vor, hinter und an dem Äquator selbst an der
Linsenkapsel ihre Anheftung findet. Die Fasern sind also ektodermalen
Ursprungs und werden von manchen Autoren als gliöse Produkte angesehen.
Diese Fasern bilden in ihrer Gesamtheit eine nirgends vollkommen
geschlossene Membran, die ~Zonula ciliaris~, das ~Strahlenbändchen~,
das Befestigungsmittel der Linse. Durch seine Vermittlung gewinnen die
muskulären Ziliarfortsätze ihren Einfluß auf die Linsengestalt.
Als ~Spatia zonularia~ (Canalis Petiti) werden die zwischen
hinteren Zonulafasern und vorderer Glaskörperfläche befindlichen,
miteinander zusammenhängenden Räume bezeichnet. Die Spatia sind
gegen die hintere Augenkammer nicht vollkommen geschlossen.
Von anderen Autoren wird der zwischen den an die Vorderfläche und
den an die Hinterfläche der Linsenkapsel tretenden Zonulafasern
befindliche, dreieckige Raum Petitscher Kanal genannt, was schon
deshalb unrichtig ist, weil die Zonulafasern keine an die Vorder-
bzw. Rückfläche der Linse tretenden Blätter bilden; die Fasern
durchkreuzen sich vielmehr in der Weise, daß ein Teil der auf die
Linsenvorderfläche tretenden Fasern von hinten kommt, während
andererseits auf die Linsenrückfläche ziehende Fasern von vorn
kommen.
Der Glaskörper.
Der Glaskörper (Corpus vitreum) ist eine bei Säugern rein ektodermale
Bildung, die von den gliösen Anteilen der Retinaanlage stammt und
hauptsächlich von Fortsätzen der zwischen Ora serrata und Zonula
befindlichen Radiärfasern (S. 458) gebildet wird. Er besteht beim
Erwachsenen aus einer flüssigen Substanz, ~Humor vitreus~, und
dichteren oder lockeren Faserzügen, welche nach allen Richtungen durch
die Flüssigkeit ausgespannt sind. Die Oberfläche des Glaskörpers ist
von sehr widerstandsfähigen, dichten Faserlagen -- eine besondere
»~Membrana hyaloidea~« existiert nicht -- überzogen, die nach vorn
in die Glashaut der Pars ciliaris retinae (S. 461) sich fortsetzen.
Die im Glaskörper befindlichen Zellen sind: 1. runde Formen,
wahrscheinlich Leukozyten, 2. als Ausnahmen stern- und spindelförmige
Gebilde, Bindegewebszellen, die in embryonaler Zeit mit den später
wieder verschwindenden Blutgefäßen (S. 475) in den Glaskörper gelangt
sind. Helle Blasen (Vakuolen) enthaltende Zellen sind wahrscheinlich
Untergangsformen.
Tunica externa.
Die ~Sklera~ besteht vorzugsweise aus Bindegewebsbündeln, welche
sich in verschiedenen, hauptsächlich meridionalen und äquatorialen
Richtungen durchflechten, und aus vielen, parallel den Bündeln
verlaufenden elastischen Fasern; diese finden sich besonders reichlich
an den Ansatzstellen der Augenmuskeln und am Sehnerveneintritt.
Dazwischen liegen in Saftlücken, die in der Sklera unregelmäßig
gestaltet sind, platte Bindegewebszellen. Die Dicke der Sklera ist
hinten am mächtigsten (1 mm) und nimmt nach vorn allmählich ab.
Zwischen Sklera und Chorioidea befindet sich ein lockeres, reichlich
mit elastischen Fasern und verästelten Pigmentzellen und platten
pigmentfreien Zellen (»Endothelzellen«) versehenes Gewebe, welches beim
Lösen der Sklera von der Chorioidea teils ersterer, teils letzterer
anhaftet und ~Lamina fusca sclerae~ oder ~Lamina suprachorioidea~ heißt.
Dadurch, daß die Sklera an ihrer äußeren Oberfläche nur durch sehr
lockeres Bindegewebe mit dem übrigen in der Orbita liegenden Gewebe
verbunden ist, wird die Möglichkeit zu den raschen Drehungen des Bulbus
gegeben.
Der Übergang der Sklera in die Kornea erfolgt ganz direkt; die
mehr wellig verlaufenden Sklerabündel gehen kontinuierlich in die
gestreckten Fibrillenbündel der Hornhaut über, das Saftkanalsystem der
Sklera kommuniziert mit dem der Kornea. Die mikroskopisch nicht scharf
nachzuweisende Übergangslinie ist eine schräge, indem die Umwandlung
der Sklera in das Korneagewebe in den tieferen Partien der Tunica
externa früher erfolgt als vorn.
Die ~Kornea~ ist ein besonders ausgestalteter Teil der Tunica externa;
makroskopisch durch die glasklare Beschaffenheit von der undurchsichtig
weißen Sklera unterschieden, besitzt der Hauptteil der Hornhaut
mikroskopisch eine große Ähnlichkeit mit der Sklera. Dieser Hauptteil
wird nach der freien Oberfläche durch ein dem Haut- (bzw. Konjunktival-
[s. unten S. 478]) epithel entstammendes Epithel abgeschlossen, das auf
einer Basalmembran aufsitzt. Nach der vorderen Augenkammer bildet das
einschichtige Epithel dieser Kammer, das der zu dem Ziliarmuskelapparat
gehörigen, hinteren Basalmembran aufsitzt, die Grenze. Demnach finden
sich 5 Schichten: 1. Das vordere Epithel, 2. die vordere Basalmembran,
3. die Substantia propria corneae, 4. die hintere Basalmembran
(elastische Haut), 5. das hintere Epithel.
1. Das vordere Epithel ist ein geschichtetes, sehr regelmäßig gebautes
Pflasterepithel, das aus 4-5 Lagen sich nach der Oberfläche zu
abplattender Zellen zusammengesetzt ist. Seine Dicke beträgt beim
Menschen 0,03 mm. Am Rande der Hornhaut setzt sich das Epithel in
dasjenige der Conjunctiva sclerae fort.
2. Die ~vordere Basalmembran~ (Bowmansche Membran, besser »vordere
Grenzschicht«), ist eine beim Menschen deutlich sichtbare, bis zu
0,01 mm dicke Schicht von fast homogenem Aussehen. Sie ist an ihrer
Oberfläche mit feinen Zacken und Leisten zur Verbindung mit den
Basalzellen des Hornhautepithels versehen; an ihrer Unterfläche geht
sie allmählich in die Substantia propria corneae über, als deren
Modifikation sie gilt.
Der Name »Lamina elastica anterior« ist nicht zu empfehlen, da
die Membran nicht aus elastischer Substanz besteht.
3. Die ~Substantia propria corneae~ bildet die Hauptmasse der Kornea.
Sie besteht aus feinen, gerade verlaufenden Bindegewebsfibrillen,
welche durch eine (flüssige?) interfibrilläre Kittsubstanz zu fast
gleich dicken Bündeln vereinigt sind; die Bündel werden durch
eine interfaszikuläre Kittsubstanz zu platten Lamellen verbunden,
die in vielen Schichten übereinander gelegen sind und durch eine
interlamelläre Kittsubstanz zusammengehalten werden. Die Lamellen
sind parallel der Hornhautoberfläche gelagert und verlaufen in den
Richtungen aller Meridiane. Einzelne, schräg verlaufende Bündel
(sogenannte Fibrae arcuatae) verbinden die einzelnen Lagen mit ihren
nächstoberen bzw. nächstunteren Nachbarn; besonders ausgeprägt finden
sich solche Bündel in den vorderen Schichten der Substantia propria.
Zahlreiche, gestreckte elastische Fasern befinden sich vorzugsweise
in den tieferen Schichten der Substantia propria und bilden ein über
der hinteren Basalmembran gelegenes, dichtes Netz: die Lamina elastica
corneae.
[Illustration: Fig. 372.
Senkrechter Durchschnitt der Hornhaut des Menschen. 260mal vergrößert.
Technik Nr. 184, S. 482.]
In die Kittsubstanz ist ein vielfach (bei manchen Tieren [z. B.
beim Frosch] rechtwinklig) verzweigtes Kanalsystem eingegraben, die
~Saftkanälchen~ (»Hornhautkanälchen«), welche an vielen Stellen zu
breiteren, ovalen Lücken den Saftlücken (»Hornhautkörperchen«) (Fig.
373) erweitert sind. Letztere liegen zwischen den Lamellen, während die
Saftkanälchen außerdem noch zwischen den Bündeln verlaufen. Saftlücken
und Saftkanälchen enthalten eine seröse Flüssigkeit; außerdem
finden sich daselbst auch Zellen, und zwar a) fixe Hornhautzellen;
sternförmige, abgeplattete, nach der einen Ansicht der einen Wand
des Kanalsystems angeschmiegte, nach der anderen Ansicht Lücken und
Kanäle völlig ausfüllende Bindesubstanzzellen (Fig. 374), die mit einem
großen, oft sehr unregelmäßig gestalteten Kerne versehen sind und b)
Wanderzellen (weiße Blutzellen).
4. Die ~hintere Basalmembran~ (Membrana Descemetii) ist eine glashelle,
nicht elastische Haut von nur 0,006 mm Dicke. Sie ist durch ihre
Verbindung mit der Ziliarmuskulatur bemerkenswert. Ihre Hinterfläche
ist bei erwachsenen Menschen an der Peripherie der Hornhaut mit
halbkugligen Erhabenheiten, sogenannten Warzen, besetzt.
5. Das »~Hornhautendothel~« wird durch eine einschichtige Lage
polygonaler, platter, mit rundlichen, bei Tieren nieren- bis
hufeisenförmigen Kernen versehener Zellen hergestellt.
[Illustration: Fig. 373.
Flächenschnitt der Kornea des Ochsen. Negatives Silberbild, das
Kanalsystem ist hell auf dunklem Grunde. ca. 240mal vergrößert. Technik
Nr. 188, S. 484.]
[Illustration: Fig. 374.
Flächenschnitt der Kornea des Kaninchens. Positives Bild des
Kanalsystems, ca. 240mal vergrößert. Technik Nr. 190, S. 484.]
Blutgefäße des Augapfels.
Die Blutgefäße des Augapfels sind in zwei scharf getrennte Gebiete
gesondert, welche nur an der Sehnerveneintrittsstelle miteinander in
Verbindung stehen.
I. ~Gebiet der Vasa ciliaria.~ Dasselbe ist dadurch charakterisiert,
daß die Venen ganz anders verlaufen als die Arterien.
1. Von den ~Arterien~ versorgen a) die Arteriae ciliares posteriores
breves den glatten Teil der Chorioidea, während b) die Arteriae
ciliares posteriores longae und c) Arteriae ciliares anteriores
vornehmlich für Corpus ciliare und Iris bestimmt sind.
a) Die etwa 20 Äste der Aa. ~ciliares posteriores breves~ durchbohren
in der Umgebung des Sehnerveneintrittes die Sklera; nach Abgabe von
Zweigen, welche die hintere Hälfte der Skleraoberfläche versorgen,
lösen sich die Arterien in ein engmaschiges Kapillarnetz, die ~Lamina
choriocapillaris~ auf. Am Optikuseintritte anastomosieren die Arterien
mit Ästen der Arteria centralis retinae (c) und bilden hierdurch
den ~Circulus arteriosus nervi optici~; an der Ora serrata bestehen
Anastomosen mit rücklaufenden Zweigen der A. ciliaris postica longa und
der Aa. ciliares anticae (Fig. 375).
[Illustration: Fig. 375.
Gefäße des Auges. Schema mit Benützung der Darstellung Lebers. Tunica
externa gekörnt, Tunica media weiß, Tunica interna u. N. opticus
gekreuzt gekörnt. V Verbindung der A. ciliar. ant. mit dem Circulus
iridis major.]
b) Die beiden ~Aa. ciliares posteriores longae~ (1) durchbohren die
Sklera gleichfalls in der Nähe des Sehnerveneintrittes; die eine
Arterie zieht an der nasalen, die andere an der temporalen Seite des
Augapfels zwischen Chorioidea und Sklera bis zum Corpus ciliare, wo
jede Arterie in zwei divergierende, längs dem Ziliarrande der Iris
verlaufende Äste sich spaltet; indem diese Äste mit den Ästen der
anderen langen Ziliararterie anastomosieren, wird ein Gefäßring, der
~Circulus iridis major~ (2) gebildet, aus welchem zahlreiche Zweige
für den Ziliarkörper (bzw. für die Proc. ciliares) (3), sowie für die
Iris(4) hervorgehen. Nahe am Pupillarrande der Iris bilden die Arterien
einen unvollkommen geschlossenen Ring, den ~Circulus iridis minor~.
c) Die ~Aa. ciliares anteriores~ kommen von den die geraden
Augenmuskeln versorgenden Arterien, durchbohren in der Nähe des
Kornealrandes die Sklera und senken sich teils in den Circulus iridis
major ein, teils versorgen sie den Ziliarmuskel, teils geben sie
rücklaufende Äste zur Verbindung mit der L. choriocapillaris ab. Ehe
die vorderen Ziliararterien die Sklera durchbohren, geben sie ~nach
hinten~ Zweige für die vordere Hälfte der Sklera, ~nach vorn~ Zweige
zur Conjunctiva sclerae und zum Kornealrande ab. Die Kornea selbst
ist gefäßlos, nur am Rande besteht ein in den vorderen Lamellen der
Substantia propria gelegenes Randschlingennetz.
2. Sämtliche ~Venen~ verlaufen gegen den Äquator, woselbst sie zu
vier (seltener fünf oder sechs) Stämmchen, den Wirtelvenen, ~Venae
vorticosae~, zusammentreten, welche sofort die Sklera durchbohren
(Fig. 375) und in eine der Venae ophthalmicae münden. Ausgenommen von
diesem Verlaufe sind kleine, den Arteriae ciliar. poster. breves und
den Art. ciliares anter. parallel ziehende Venae ciliares poster.
breves und Venae ciliares anteriores; letztere erhalten Zweige aus dem
Ziliarmuskel, von dem episkleralen Gefäßnetze, von der Conjunctiva
sclerae und von dem Randschlingennetze der Hornhaut. Die episkleralen
Venen stehen am Äquator auch mit den Venae vorticosae in Verbindung.
Die vorderen Ziliarvenen verbinden sich endlich mit dem ~Sinus
venosus sclerae~ (Schlemm). Dieser ist ein ringförmig um die Hornhaut
verlaufender Venenkranz, der noch in der Sklera gelegen, vollkommen
geschlossene Wandungen besitzt. Er nimmt kleine Venen aus dem
Kapillarnetz des Ziliarmuskels auf.
Die früher behauptete Verbindung mit der vorderen Augenkammer
wird dadurch vorgetäuscht, daß gefärbte, in die vordere
Augenkammer injizierte Flüssigkeiten durch Filtration in den
Venenkranz hinübertreten.
II. ~Gebiet der Vasa centralia retinae~ (Fig. 375). Die ~A.
centralis retinae~ tritt, 15-21 mm vom Augapfel entfernt, in die
Achse des Sehnerven und verläuft daselbst bis zur Oberfläche des
Sehnerveneintrittes. Hier zerfällt sie in zwei Hauptäste, von denen
der eine aufwärts, der andere abwärts gerichtet ist, und deren jeder,
sich weiter verzweigend, die ganze Pars optica retinae bis zur Ora
serrata versorgt. Während des Verlaufes im Sehnerven gibt die Arterie
zahlreiche kleine Äste ab, welche eingeschlossen in die Fortsetzungen
der Pialscheide zwischen den Nervenfaserbündeln verlaufen und sowohl
mit kleinen, aus dem umliegenden Fettgewebe in die Optikusscheiden
eingetretenen Arterien (a) als auch mit Zweigen der Aa. ciliares
posteriores breves (b) anastomosieren. In der Netzhaut selbst
löst sich die Arterie in Kapillaren auf, welche bis in die äußere
retikuläre Schicht hineinreichen. Die Neuroepithelschicht besitzt keine
selbständigen Gefäße. Die aus den Kapillaren hervorgehenden Venen
laufen parallel mit den Zweigen der Arterie und sammeln sich endlich
zu einer gleichfalls in der Achse des Sehnerven eingeschlossenen ~Vena
centralis retinae~.
Beim Embryo geht ein Zweig der A. centr. retin., die ~Arteria
hyaloidea~, durch den Glaskörper bis zur hinteren Linsenfläche. Diese
Arterie bildet sich schon vor der Geburt zurück, der sie einschließende
Kanal jedoch läßt sich oft noch im Glaskörper des Erwachsenen
nachweisen; er heißt der ~Cloquetsche Kanal~ oder der ~Canalis
hyaloideus~.
Die Lymphbahnen des Augapfels.
Das Auge besitzt keine eigentlichen Lymphgefäße, sondern eine Reihe
von untereinander zusammenhängenden Spalträumen; man kann am Auge
zwei Komplexe solcher Räume unterscheiden, ein vorderes und ein
hinteres Gebiet. Zum vorderen Gebiet gehören: 1. die Saftkanälchen
der Kornea und Sklera (?); 2. die vordere Augenkammer, welche durch
die kapillare Spalte zwischen Iris und Linse mit 3. der hinteren
Augenkammer kommuniziert. Diese letztere steht in offener Verbindung
mit 4. den Spatia zonularia. Diese drei letzteren Räume hängen
zusammen und lassen sich durch Injektion von der vorderen Augenkammer
aus füllen. Zum hinteren Gebiete gehören: der Canalis hyaloideus (S.
475), ferner der »intravaginale Lymphraum« (d. i. der Subduralraum
und der Subarachnoidealraum der Optikusscheiden), dann der enge Spalt
zwischen Chorioidea und Sklera: der Perichorioidealraum, und endlich
das von zartem Bindegewebe durchzogene Spatium interfasciale (Tenon),
das sich auf die Duralscheide des N. opticus als supravaginaler
Raum bis zum For. opticum fortsetzt. Diese Räume lassen sich vom
Subarachnoidealraume des Gehirns aus füllen. Der Inhalt der Räume
ist von den Gefäßen geliefertes Filtrat, welches auch den Glaskörper
durchtränkt. Die Menge dieser Flüssigkeit ist im Perichorioidealraume,
sowie in dem Interfaszialraume, normalerweise eine ganz minimale. Diese
beiden Räume dienen zur Ermöglichung der Bewegung der Aderhaut bzw. des
Augapfels und können funktionell als Gelenkräume aufgefaßt werden.
Die Nerven des Augapfels.
Die Nerven des Augapfels durchbohren im Umkreise des
Sehnerveneintrittes die Sklera und verlaufen zwischen Sklera und
Chorioidea nach vorn; nachdem sie mit Ganglienzellen versehene
Zweige an alle Chorioidealgefäße abgegeben haben, bilden sie ein
auf dem Corpus ciliare gelegenes, mit Ganglienzellen untermischtes
Ringgeflecht, den ~Plexus gangliosus ciliaris~, von welchem Äste für
den Ziliarkörper, die Iris und die Hornhaut entspringen.
Die ~Ziliarkörpernerven~ enden fein zugespitzt zum Teil an
den Blutgefäßen und am Ziliarmuskel, zum Teil zwischen den
Muskelbündeln des Ziliarkörpers in Form verästelter Endbäumchen,
die vielleicht das Muskelgefühl vermitteln, zum Teil an der
skleralen Oberfläche des Ziliarkörpers in Form eines feinen
Netzwerkes. Die markhaltigen ~Irisnerven~ bilden Geflechte und
verlieren im Verlauf gegen den Pupillarrand ihre Markscheide; von
ihren Endästen tritt ein Teil zu Sphinkter und Dilatator und zur
Gefäßwand, während ein anderer Teil ein dicht unter der vorderen
Irisfläche gelegenes, sensibles Netz bildet. Ganglienzellen
fehlen der Iris des Menschen und der Säuger.
[Illustration: Fig. 376.
Aus einem senkrechten Schnitte durch die menschliche Kornea 240mal
vergrößert, ¡n¡ sich teilender Nerv, die vordere Basalmembran
durchbohrend, ¡s¡ subepithelialer Plexus, ~unter~ den Zylinderzellen
liegend, ¡a¡ ~zwischen~ den Epithelzellen aufsteigende Fasern, zum
intraepithelialen Plexus gehörig. Technik Nr. 192, S. 485.]
Die ~Hornhautnerven~ treten zuerst in die Sklera über und bilden
hier ein ringförmig den Kornealrand umgebendes Geflecht, den
~Plexus annularis~, aus welchem Äste für die Bindehaut und
für die Kornea hervorgehen. Erstere enden beim Menschen in
büscheligen Geflechten, Endnetzen und in kugligen Endkolben (S.
265), die dicht unter dem Epithel der Bindehaut gelegen sind und
auch noch in der Substantia propria corneae, 1-2 mm nach innen
vom Kornealrande, gefunden werden. Letztere verlieren nach dem
Eintritte in die Substantia propria corneae ihre Markscheide
und durchsetzen als nackte Achsenzylinder die ganze Hornhaut.
Dabei bilden sie Netze, die nach ihrer Lage als ~Stromaplexus~
in den tieferen Schichten der Hornhaut, als ~subbasaler Plexus~
unter der vorderen Basalmembran, als ~subepithelialer Plexus~
dicht unter dem Epithel beschrieben werden. Von letzterem
Plexus erheben sich feinste Nervenfibrillen, die zwischen
den Epithelzellen abermals ein sehr feines Geflecht, den
~intraepithelialen Plexus~ bilden, dessen Ausläufer endlich frei
zwischen den Epithelzellen enden.
Die in der Sklera befindlichen Nerven bilden Geflechte an Blutgefäßen
und Lymphräumen, an welch letzteren auch Endigungen in Form
dichtverzweigter Gebilde vorkommen. Außerdem bestehen noch freie
Nervenendigungen, gleich denen in der Dura.
Die Augenlider.
Die Augenlider, ~Palpebrae~, sind Falten der äußeren Haut, welche
Muskeln, lockeres und festes Bindegewebe, sowie Drüsen einschließen.
Die äußere Platte des Augenlides behält den Charakter der gewöhnlichen
äußeren Haut bei, die innere, dem Augapfel zugekehrte Platte ist
dagegen in erheblicher Weise modifiziert und heißt ~Conjunctiva
palpebralis~. Die äußere Haut des Augenlides überzieht noch den freien,
vorderen Lidrand und geht erst am hinteren Lidrande, der ~Lidkante~,
in die Conjunctiva palpebralis über. Man studiert die Zusammensetzung
des Augenlides am besten an Sagittalschnitten (Fig. 377). Wir treffen
von vorn nach hinten gezählt, folgende Schichten: 1. Die ~äußere
Haut~; sie ist dünn, mit feinen Wollhaaren besetzt, deren Bälge sie
einschließt; im Korium finden sich ferner kleine Knäueldrüsen sowie
pigmentierte Bindesubstanzzellen, die bekanntlich an anderen Stellen
des Korium selten vorkommen. Das subkutane Gewebe ist sehr locker,
reich an feinen elastischen Fasern, dagegen arm an Fettzellen, die
selbst vollkommen fehlen können. Gegen den Lidrand zu ist das Korium
derber und mit höheren Papillen besetzt. Schräg in den vorderen
Lidrand sind in 2 bis 3 Reihen die großen Wimperhaare, die ~Zilien~,
eingepflanzt, deren Bälge bis tief in das Korium reichen. Die Zilien
sind einem raschen Wechsel unterworfen, ihre Lebensdauer wird auf
100-150 Tage geschätzt; dementsprechend findet man häufig Ersatzhaare
in verschiedenen Entwicklungsstadien (s. S. 437). Die Haarbälge der
Zilien sind mit kleinen Talgdrüsen ausgestattet, außerdem nehmen sie
die Ausführungsgänge der Glandulae ciliares (Moll) auf, welche in ihrem
feineren Baue den Knäueldrüsen gleichen und sich von diesen nur dadurch
unterscheiden, daß ihr unteres Ende zu keinem so stark entwickelten
Knäuel verschlungen ist.
2. Hinter dem subkutanen Gewebe liegen die transversalen Bündel des
quergestreiften ~M. orbicularis palpebrarum~; die hinter den Zilien
liegende Abteilung dieses Muskels wird Musculus ciliaris Riolani
genannt.
3. Hinter dem Muskel trifft man auf die Ausstrahlung der Sehne des
M. levator palpebrae; ein Teil derselben verliert sich in dem dort
befindlichen Bindegewebe (der sogenannten Fascia palpebralis), ein
anderer Teil, welcher auch glatte Muskelfasern, den ~Musc. tarsalis
superior~ (Müller) einschließt, setzt sich an den oberen Rand des
Tarsus.
4. Der ~Tarsus~ ist eine derbfaserige bindegewebige Platte, welche
dem Augenlide Festigkeit und Stütze verleiht. Er liegt dicht vor der
Conjunctiva palpebr., welcher er auch zugezählt wird, und nimmt die
zwei unteren Drittel der Höhe des ganzen Augenlides ein. In seine
Substanz sind die ~Meibomschen Drüsen~ (~Tarsaldrüsen~) eingebettet,
langgestreckte Körper, welche aus einem weiten, vor der Lidkante
sich öffnenden Ausführungsgang und rings in diesen mündenden, kurz
gestielten Bläschen bestehen. Hinsichtlich des feineren Baues stimmen
die Meibomschen Drüsen mit den Talgdrüsen überein. Am oberen Ende
des Tarsus, zum Teil noch von dessen Substanz umschlossen, liegen
verästelte tubulöse Drüsen, die im feineren Bau mit der Tränendrüse
übereinstimmen und ~akzessorische Tränendrüsen~ genannt werden; sie
finden sich vorzugsweise in der inneren (nasalen) Hälfte des Augenlides.
[Illustration: Fig. 377.
Sagittaler Durchschnitt des oberen Augenlides eines halbjährigen
Kindes. Die Mündung der Tarsaldrüse ist nicht vom Schnitt getroffen.
15mal vergrößert. Technik Nr. 110, S. 289.]
Hinter dem Tarsus liegt die eigentliche ~Konjunktiva~, welche
aus Epithel und einer Tunica propria besteht. Das Epithel ist
geschichtetes Zylinderepithel, mit mehreren Lagen rundlicher Zellen
in der Tiefe und einer Lage meist kurzer, zylindrischer Zellen an der
Oberfläche. Letztere tragen einen schmalen hyalinen Kutikularsaum.
Auch Becherzellen finden sich in wechselnder Anzahl. An dem
hinteren Lidrande geht das Epithel allmählich in das geschichtete
Pflasterepithel über, das sich zuweilen weit auf die Conjunctiva
palpebralis erstreckt. Der untere Teil der Conjunctiva palpebralis
ist glatt. Im oberen Teile dagegen bildet das Epithel unregelmäßig
buchtige Einsenkungen, die »Konjunktivabuchten«, die individuell
sehr verschieden entwickelt, in höheren Graden der Ausbildung auf
Durchschnitten das Bild von Drüsen gewähren können. Die Tunica
propria conjunctivae besteht aus Bindegewebe, aus weißen Blutzellen
und Plasmazellen in verschiedener Menge. Bei Tieren, besonders bei
Wiederkäuern, bilden die ersteren wahre ~Lymphknötchen~, von deren
Kuppe aus Lymphozyten durch das Epithel auf die Oberfläche wandern;
auch beim Menschen ist die Durchwanderung von Lymphozyten, jedoch nur
in geringerem Grade, nachweisbar. Im Gebiete der Konjunktivabuchten
wird die Tunica propria durch die oben erwähnten Epitheleinsenkungen
in papillenähnliche Bildungen abgeteilt, daher auch der Name
»~Papillarkörper~«.
Die Conjunctiva palpebralis springt oben (am unteren Augenlide unten)
auf den Augapfel über, dessen Vorderfläche sie überzieht. An der
Umschlagstelle, dem ~Fornix conjunctivae~, findet sich unter der
Tunica propria ein aus Bindegewebsbündeln bestehendes, lockeres,
subkonjunktivales Gewebe, dessen Vorhandensein die Verschieblichkeit
der Konjunktiva erklärt. Das Epithel ist dasselbe wie am Lidteile
der Konjunktiva; die Tunica propria ist ärmer an weißen Blutzellen,
enthält jedoch auch beim Menschen normalerweise kleine Knötchen in
verschiedener Anzahl (bis zu 20) und einzelne Schleimdrüsen. Die
~Conjunctiva sclerae~ ändert sich insofern, als ihr Epithel in einiger
Entfernung vom Hornhautrande geschichtetes Pflasterepithel wird, das
sich in jenes der Kornea fortsetzt (s. auch Fig. 368), und ihre Tunica
propria reichlich elastische Fasern enthält; am Kornealrande ist die
Tunica propria conjunctivae mit wohlausgebildeten Papillen versehen.
Die Conjunctiva sclerae ist nur beim Europäer pigmentlos, bei
anderen Rassen und bei (allen?) Säugetieren enthält sie Pigment,
das in den tiefsten Lagen des Epithels (am dichtesten am
Kornealrande) gelagert ist.
Das rudimentäre, ~dritte Augenlid~ (~Plica semilunaris~) besteht
aus Bindegewebe und einem geschichteten Pflaster- oder auch einem
Übergangsepithel. Die ~Caruncula lacrimalis~, ursprünglich ein Teil des
unteren Augenlides, gleicht im feineren Baue der äußeren Haut (nur das
Stratum corneum fehlt) und enthält feine Haare, Talg-, akzessorische
Tränendrüsen und in der Mitte kleine Knäueldrüsen.
Die ~Blutgefäße~ der Augenlider gehen von Stämmchen aus, welche vom
äußeren und inneren Augenwinkel aus herantretend einen Bogen am
Lidrande, ~Arcus tarseus~ (Fig. 377), und einen zweiten Bogen am
oberen Ende des Tarsus, den ~Arcus tarseus externus~ bilden. Sie
verbreiten sich im Hautteile, umspinnen die Tarsaldrüsen, durchsetzen
den Tarsus, um ein unter dem Konjunktivaepithel liegendes, dichtes
Kapillarnetz zu speisen; sie versorgen ferner den Fornix conjunctivae,
die Conjunctiva bulbi und anastomisieren mit den Arteriae ciliares
anteriores.
Die ~Lymphgefäße~ bilden in der Conjunctiva tarsi ein sehr dichtes,
an der Vorderseite des Tarsus dagegen ein sehr dünnes »prätarsales«
Netz. Dazu gesellt sich ein drittes, in der Haut und im subkutanen
Gewebe reichlich entwickeltes Netz; alle drei Netze stehen miteinander
in Verbindung. Die Lymphgefäße der Conjunctiva bulbi enden nach den
Angaben der einen Autoren am Hornhautrande geschlossen, nach anderen
Angaben reichen sie mit feinen Ausläufern in das Gewebe der Hornhaut
und stehen durch diese mit dem Saftkanalsystem in Zusammenhang.
Die ~Nerven~ bilden sowohl im Tarsus wie auch in der Conjunctiva
palpebralis ein sehr dichtes Geflecht, welches durch eine
eigentümliche, knäuelförmige, verschlungene Anordnung seiner Fasern
ausgezeichnet ist. Ein Teil des Tarsusgeflechtes umspinnt die
Meibomschen Drüsen und besteht hier aus vielen marklosen und wenigen
markhaltigen Nervenfasern, ein anderer Teil endet in der Wandung der
Blutgefäße. Von dem »Konjunktivalgeflecht« entspringen markhaltige
Nervenfasern, die, schräg gegen Lidrand und Conjunctiva palpebralis
verlaufend, ihre Markscheide verlieren und zum Teil direkt in das
Epithel eindringen, um hier frei verästelt zu enden, zum Teil aber in
dicht unter dem Epithel gelegenen Endkolben (S. 265), Büscheln und
Netzen aufhören. Derartige Endkolben finden sich in großer Anzahl
nicht nur am Lidrande (in dessen Papillen) und in der Conjunctiva
palpebralis, sondern auch in der Conjunctiva bulbi und im Hornhautrande
(s. auch S. 476).
Das Tränenorgan.
Die ~Tränendrüse~ ist eine mit mehreren Ausführungsgängen versehene,
zusammengesetzte tubulöse Drüse. Die Ausführungsgänge sind mit einem
zweireihigen, zylindrischen Epithel ausgekleidet und gehen allmählich
in lange, enge, mit niedrigem Epithel ausgekleidete Gänge über. Diese
endlich setzen sich in Tubuli fort, deren Enden vielfach mit mehreren,
verzweigten Endstücken (Fig. 378) versehen sind. Sie sind von den
Drüsenzellen ausgekleidet und von einer Membrana propria umhüllt. Die
Drüsenzellen sind in sekretgefülltem Zustande hoch, sekretleer dagegen
bedeutend niedriger. Die Sekretsammelstelle liegt in der Lumenhälfte
der Zelle. Zwischenzellige Sekretkanälchen sowie Sekretgranula sind
nachgewiesen. Sehr oft lassen sich Fettropfen in den Drüsenzellen
nachweisen (Fig. 378). Zwischen den Drüsenzellen und der Membrana
propria liegen einzelne platte Zellen, Fortsetzungen der tiefen Schicht
des Epithels der Ausführungsgänge.
Blutgefäße und Nerven verhalten sich wie an den Mundhöhlendrüsen, doch
sollen die letzten Nervenenden ein interepitheliales Netz bilden.
Die Wandung der ~Tränenkanälchen~ besteht aus geschichtetem
Pflasterepithel, aus einer Tunica propria, die reich an elastischen
Fasern und unter dem Epithel auch reich an zelligen Elementen ist
und aus longitudinal verlaufenden, quergestreiften Muskelfasern, die
lumenerweiternd wirken.
Tränensack und Tränennasengang bestehen aus einem zweireihigen
Zylinderepithel, einer Tunica propria, welche vorzugsweise adenoiden
Charakters ist und von dem darunter befindlichen Periost durch ein
dichtes Geflecht von Venen getrennt wird. Im Tränensack finden sich
kleine verästelte tubulöse Drüsen.
[Illustration: Fig. 378.
Aus einem Schnitte durch die Tränendrüse des Menschen. 500mal
vergrößert. Technik Nr. 195, S. 486.]
~Technik.~
Nr. 180. Der frische ~Augapfel~ wird vorsichtig aus der
Augenhöhle geschnitten, wobei der N. opticus in möglichster
Länge zu erhalten ist; dann wird mit der Schere die anhängende
Muskulatur und das Fett entfernt und am Äquator mit einem
~scharfen~ Rasiermesser ein alle Augenhäute durchdringender,
ca. 1 cm langer Einschnitt gemacht. Nun lege man den Bulbus in
ca. 150 ccm Kali-bichromat.-Essigsäure (S. 15) ein; nach 15-20
Stunden wird der Bulbus von dem bereits gemachten Einschnitte
aus mit einer Schere vollkommen in eine vordere und hintere
Hälfte getrennt und die Flüssigkeit gewechselt. Nach weiteren
12-20 Stunden wasche man aus und härte die Stücke in ca. 100 ccm
allmählich verstärktem Alkohol (S. 17).
Nr. 181. Für den feinen Bau der ~Retina~ fixiere man ganz
frische Bulbi in toto in Zenkers Flüssigkeit (usw. 8, S. 16).
Nach vollendeter Härtung schneide man mit scharfem Rasiermesser
Stückchen heraus, welche man am besten aus dem Augenhintergrunde
nimmt, weil daselbst die Optikusfaserschicht am dicksten ist.
Die Radiärfasern sieht man in ihrer ganzen Länge nur auf genau
senkrechten Schnitten (weiter nach Nr. 110, S. 289).
Nr. 181a. Auf gleiche Weise werden Meridionalschnitte durch die
~Makula~ und ~Fovea~ behandelt. Man löse die an jener Stelle der
Chorioidea fester anhaftende Retina nicht von der Chorioidea,
sondern schneide Chorioidea und Retina zusammen.
Von Säugetieren besitzen nur Affen eine gelbe Makula und eine
Fovea centralis. Dagegen kommt eine nicht gelb pigmentierte,
ähnlich der Makula gebaute Stelle, die »Area centralis«, den
meisten Säugetieren (Insektivoren und gewisse Nager ausgenommen)
zu; Vögel und Reptilien haben stets eine einfache oder mehrfache
Fovea, auch bei Knochenfischen ist eine Fovea gefunden worden.
Nr. 182. ~Retina nach Golgis Methode.~ Dazu eignen sich am besten
dicke Netzhäute, man wähle deshalb Augen von großen Tieren. Das
Auge wird in eine vordere und hintere Hälfte zerschnitten, der
Glaskörper herausgenommen, von der Netzhaut ein Stück mit Schere
und Pinzette vorsichtig von der Chorioidea abpräpariert. Dieses
Stück rolle man schonend zu einem zylindrischen oder sphärischen
Klümpchen zusammen und tauche es eine Sekunde lang in dünne
Zelloidinlösung, lasse es einige Sekunden lang an der Luft, bis
die Zelloidinlösung etwas erstarrt ist, und bringe dann das
Stückchen in die Golgische Mischung (8, S. 36) (Dieses Einrollen
hat den Zweck, die Bildung oberflächlicher Niederschläge zu
verhindern.) Hier bleibt das Objekt 12-72 Stunden usw. (S. 36).
Die Schwärzung erfolgt zuerst nach 12stündigem Aufenthalt an
Stäbchen und Zapfen, nach weiteren 12 Stunden an bipolaren Zellen
und Amakrinen, später an den Zellen des Gangl. nerv. optic. und
an den Nervenfasern, zuletzt an den Stützzellen.
Auch Kalibichromatformol (S. 15) gibt hier gute Resultate; Zapfen
und Stäbchen, sowie Radiärfasern werden nach 2tägigem, nervöse
Zellen nach 3-6tägigem Aufenthalt in reiner Kalibichromatlösung
am besten. Noch bessere Resultate gibt die vitale
Methylenblaufärbung (S. 36), nur erfordert hier die richtige
Orientierung große Übung.
Nr. 183. Will man ~Elemente der Retina~ frisch untersuchen,
so wähle man noch warme Augen soeben getöteter Tiere. Der
Bulbus wird am Äquator halbiert, der Glaskörper aus der
hinteren Augenhälfte sorgfältig herausgenommen; von der ganz
durchsichtigen Retina werden kleine Stückchen von ca. 3 mm Seite
ausgeschnitten und in einem Tropfen der Glaskörperflüssigkeit
auf dem Objektträger leicht zerzupft. Dann bringe man zwei
dünne Papierstreifen zu seiten des Präparates (S. 47) und
setze ein Deckglas auf. Isolierte Elemente wird man nur sehr
vereinzelt finden, dagegen erhält man nicht selten recht hübsche
Flächenbilder, an denen Stäbchen und Zapfen im optischen
Querschnitte, erstere als kleinere, letztere als größere
Kreise wahrzunehmen sind. Hat man gleichzeitig ein Stückchen
Pigmentepithel auf dem Objektträger gebracht, so treten die
regelmäßig sechseckigen Zellen desselben schon bei schwacher
Vergrößerung deutlich hervor. Die hellen Flecke in den Zellen
sind deren Kerne. Auch diese Zellen sind sehr vergänglich und
verlieren bald ihre scharfen Konturen; Molekularbewegung der
Pigmentkörnchen ist hier sehr häufig zu beobachten.
Nr. 184. Für Präparate der Chorioidea, des Corpus ciliare, der
Iris, Sklera, Kornea behandle man passend aus nach Nr. 180 oder
181 fixierten Bulbi herausgeschnittene Stücke nach Nr. 110, S.
289. Zelloidineinbettung ist am besten.
Nr. 185. ~Linsenfasern.~ Der Bulbus wird hinter dem Äquator
mit einer Schere aufgeschnitten, Glaskörper und Linse werden
herausgenommen; dabei bleibt das die Ziliarfortsätze überziehende
Pigment am Linsenrande hängen. Man löse nun die Linse vom
Glaskörper und lege sie in 50 ccm Ranvierschen Alkohol (S. 4).
Nach ca. 2 Stunden steche man mit Nadeln an der vorderen und
hinteren Linsenfläche ein und ziehe die Kapsel an einer kleinen
Stelle etwas ab; das gelingt leicht; bleiben an der Kapsel
Linsenfasern hängen, so schadet das nicht. Beim Einstechen hat
sich eine trübweiße Flüssigkeit aus der Linse entleert. Dann
schüttele man den Alkohol und lasse die Linse weitere 10 oder
mehr (-40) Stunden liegen. Man kann nach Ablauf dieser Zeit die
Linse in dem Alkohol leicht in schalenförmige Stücke zerlegen,
ein kleiner Streifen eines solchen Stückes wird in einem kleinen
Tropfen destillierten Wassers auf dem Objektträger zerzupft (S.
12). Deckglas unter Vermeidung von Druck auflegen. Will man die
Fasern konservieren, so färbe man mit Pikrokarmin (färbt meist
in wenigen Minuten) und setze dann angesäuertes, dünnes Glyzerin
unter das Deckglas (S. 48) (Fig. 370A).
Nr. 186. ~Linsenfasern im Querschnitte.~ Man lege eine Linse
in eine Mischung von 25 ccm 0,1%ige Chromsäure und 25 ccm Aq.
destill. Man muß auf den Boden des Gefäßes etwas Watte legen,
sonst klebt die Linse an und platzt. Das Ankleben läßt sich
auch verhindern durch öfteres Schütteln des Gefäßes. Nach 24-28
Stunden spalte man mit Nadeln die Linse in schalenförmige Stücke,
übertrage dieselben nach weiteren 10-15 Stunden in ca. 30 ccm
70%igen Alkohol, der am nächsten Tage durch ebensoviel 90%igen
Alkohol ersetzt wird.
Die Schalen sind die Ursache der Irrlehre von einer
konzentrischen Schichtung der Linse, die auch bei
Meridionalschnitten vorgetäuscht wird; was hier sichtbar ist,
sind ~Fasern~, aber keine Lamellen. Äquatorialschnitte durch
Linsen zeigen nicht das Bild einer Zwiebel, sondern einer
Apfelsine, ~radiäre~ Lamellen. Die Schalen kommen dadurch
zustande, daß Linsenfasern ungefähr gleichen Alters auch gleiche
Konsistenz, gleiche physikalische und chemische Beschaffenheit
besitzen.
Im 90%igem Alkohol schneide man mit einer Schere die Schalen in
der Gegend des Äquators durch und klemme ein Stück so in Leber,
daß die ersten Schnitte die dem Äquator zunächst liegende Zone
treffen und schneide mit dem Rasiermesser. Hat der Schnitt, der
gar nicht dünn zu sein braucht, die Fasern quer getroffen, so
erscheinen dieselben als scharf begrenzte Sechsecke; ist dagegen
der Schnitt zu schräg geführt worden, so sind die einzelnen
Fasern durch unregelmäßig gezackte Linien voneinander getrennt
oder gar teilweise der Länge nach getroffen. Die Schnitte werden
von der Klinge direkt auf den Objektträger gebracht und in
verdünntem Glyzerin konserviert (Fig. 370B).
Nr. 187. Für Präparate der Linsenkapsel und des Linsenepithels
lege man von Muskeln und Fett befreite Bulbi in 100-200 ccm
Müllersche Flüssigkeit. Will man
Nr. 187a. ~Flächenpräparate der Linsenkapsel und des Epithels~
herstellen, so schneide man nach 2-3 Tagen das Auge auf, nehme
die Linse heraus, entferne möglichst die Zonulafasern, ziehe mit
einer spitzen Pinzette ein Stückchen der vorderen Linsenkapsel
ab, lege dasselbe auf ca. 5 Minuten in ein Uhrschälchen mit
destilliertem Wasser, das man einmal wechselt und färbe es dann
mit Hansenschem Hämatoxylin (S. 32). Einschluß in Xylolbalsam
(S. 45). Die Kapsel ist homogen lichtblau gefärbt, die Kerne
und die Konturen der Epithelzellen treten scharf hervor (Fig.
371¡C¡). Will man die Linsenkapsel allein haben, so ziehe man ein
Stückchen der hinteren Linsenkapsel ab.
Nr. 187b. Zur Herstellung von ~Schnitten~ durch ~Kapsel und
Epithel~ lasse man den Augapfel ca. 14 Tage in der Müllerschen
Flüssigkeit liegen, nehme alsdann die Linse heraus, bringe sie
auf 1 Stunde in (womöglich fließendes) Wasser und härte sie in
ca. 50 ccm allmählich verstärktem Alkohol (S. 17). Einbetten in
Zelloidin ist zu empfehlen. Man mache meridionale Schnitte durch
die Vorderfläche und durch den Äquator der Linse, welche man
mit Hansenschem Hämatoxylin färbt (S. 32) und in Xylolbalsam
(S. 45) konserviert (Fig. 371¡D¡), und Äquatorialschnitte, die
am hinteren Linsenpol beginnen. Die ersten Schnitte zeigen sehr
zierlich den Ansatz der Linsenfasern an die Linsensternstrahlen.
Da der feste Linsenkern (S. 467) sich sehr schwer schneidet,
empfiehlt es sich, sobald die mit dem Mikrotom angefertigten
Schnitte an dieser Gegend angelangt sind, den Kern mit einem
kleinen Messer herauszulösen und die so entstehende Höhle mit
Zelloidin wieder vollzugießen.
Nr. 188. ~Saftlücken und -kanälchen der Hornhaut~. Man nehme ein
möglichst frisches Auge; von tierischen Augen sind Ochsenaugen
(aus dem Schlachthause zu beziehen) am meisten zu empfehlen.
Man kratze mit einem steil aufgesetzten Skalpell das Epithel
der Hornhaut weg, spüle alsdann mit einem Strahle destillierten
Wassers die Hornhautoberfläche ab, durchschneide das Auge vor
den Ansätzen der Augenmuskeln und lege die vordere, die ganze
Hornhaut enthaltende Hälfte auf die Epithelseite; dann entferne
man mit Pinzette und Skalpell das Corpus ciliare, Linse, Iris,
so daß nur mehr der vordere Teil der Sklera und die Kornea übrig
bleiben, welche in ca. 40 ccm einer 1%igen Lösung von Argent.
nitr. eingelegt werden. Das Ganze wird auf 3-6 Stunden ins Dunkle
gestellt und nach Ablauf derselben in ca. 50 ccm destillierten
Wassers dem Sonnenlichte ausgesetzt (s. weiter Nr. 12, S. 40).
Von dem in ca. 50 ccm allmählich verstärktem Alkohol (S. 17)
gehärteten Objekte werden Flächenschnitte angefertigt, die
am leichtesten gelingen, wenn man die Kornea über den linken
Zeigefinger stülpt. Es empfiehlt sich, die Schnitte von der
hinteren Hornhautfläche zu nehmen, da die Lücken und Kanälchen
daselbst regelmäßiger sind. Die Schnitte können mit Hansenschem
Hämatoxylin gefärbt (S. 32) und in Xylolbalsam konserviert (S.
45) werden. Die Bilder sind negativ, die Lücken und Kanälchen
weiß auf braunem oder braungelbem Grunde (Fig. 373). Man beachte
besonders die meist etwas dünneren Ränder der Schnitte. Bei
Hämatoxylinfärbung sieht man die mattblauen, großen Kerne der
fixen Hornhautzellen; die Konturen der Zellen selbst sind nur
selten wahrzunehmen.
Nr. 189. ~Vergoldung der Hornhautkanälchen~ nach einer von dem S.
38 angegebenen Verfahren etwas abweichenden Methode. Eine frische
Zitrone wird ausgepreßt, der Saft durch Flanell filtriert.
Nun töte man das Tier und lege die ausgeschnittene Kornea 5
Minuten lang in den Saft, woselbst sie durchsichtig wird.
Besonders zu empfehlen sind Frösche, deren Hornhautkanälchen
sehr regelmäßig sind, und deren hintere Hornhautlamellen sich
leicht abziehen lassen. Dann wird die Hornhaut in ca. 5 ccm
destilliertem Wasser kurz (1 Minute) ausgewaschen und in ca. 10
ccm der 1%igen Goldchloridlösung (S. 7) auf 15 Minuten ins Dunkle
gestellt. Darauf wird die Hornhaut mit Glasstäbchen in ca. 10
ccm destilliertes Wasser übertragen, kurz ausgewaschen und in 50
ccm destilliertem Wasser, dem 2 Tropfen Eisessig zugegeben sind,
dem Tageslichte ausgesetzt. Nach 24-48 Stunden ist die Reduktion
(s. S. 39) vollendet; das Objekt wird in ca. 10 ccm 70%igen
Alkohol eingelegt und ins Dunkle gestellt. Am nächsten Tage
schneide man ein Stückchen Hornhaut heraus und ziehe mit Skalpell
und Nadel, die man immer am Rande des Objekts ansetzt, feine
Lamellen von der hinteren Hornhautfläche ab. Das gelingt bei
einiger Aufmerksamkeit ohne große Mühe. Die Lamellen werden in
Xylolbalsam eingeschlossen (S. 45) und bieten sehr schöne Bilder.
Nr. 190. Sehr schöne Präparate der ~Hornhautkanälchen~ erhält
man nach der Methode von ~Drasch~. Die Objekte werden nicht dem
frisch getöteten Tiere, sondern zwischen der 12.-24. Stunde
nach dem Tode, während welcher Zeit der Kadaver an einem kühlen
Orte aufbewahrt werden muß, entnommen. Kleine (von ca. 6 mm
Seite) Stücke der Hornhaut werden ausgeschnitten, in 5 ccm 1%ige
Goldchloridlösung (S. 7) + 5 ccm destilliertes Wasser gelegt und
1 Stunde lang ins Dunkle gestellt; während dieser Zeit rühre
man öfter mit dem Glasstabe um. Dann werden die Stückchen mit
Glasstäbchen in 30 ccm destilliertes Wasser übertragen, woselbst
sie im Dunkeln 8-16 Stunden verweilen, dann werden sie in 25
ccm destilliertem Wasser + 5 ccm Ameisensäure dem Tageslichte
ausgesetzt. Nach vollendeter Reduktion (S. 39) werden die nun
dunkelvioletten Stückchen in allmählich verstärktem Alkohol
gehärtet und nach ca. 6 Tagen dünne, der Fläche nach gerichtete
Schnitte (Fig. 374) angefertigt, die in Xylolbalsam (S. 45)
konserviert werden.
Nr. 191. ~Nerven und Blutgefäße der frischen Hornhaut.~ Man
schneide von einem Ochsenauge die Kornea und den angrenzenden
Teil der Sklera vor den Ansätzen der Augenmuskeln ab, entferne
mit Skalpell und Pinzette das Corpus ciliare, Iris und Linse,
schneide alsdann einen Quadranten der Hornhaut aus, lege ihn mit
der Epithelseite nach oben auf einen Objektträger und bedecke
ihn mit einem Deckglase; als Zusatzflüssigkeit verwende man
einige Tropfen der Glaskörperflüssigkeit. Das sehr dicke Präparat
untersuche man mit schwacher Vergrößerung. Die schlingenförmig
umbiegenden Blutgefäße sind bei Einstellung des Tubus auf
die oberflächlichen Hornhautschichten (Heben des Tubus) am
Skleralrande zu finden, sie enthalten meist noch Blutzellen.
Markhaltige Nerven findet man ebendaselbst, wie auch in tieferen
Schichten. Sie sind zu ganzen Bündeln geordnet und lassen sich
nur eine kurze Strecke weit in der Hornhaut selbst verfolgen. Die
lang gestreckten Pigmentstreifen, die an den Ochsenaugen sich
finden, haben nichts mit den Nerven zu tun.
Für den feineren Verlauf der Nerven leistet diese Methode nichts.
Nr. 192. ~Vergoldung der Nerven der Hornhaut.~ Die 12-24 Stunden
nach dem Tode ausgeschnittene Hornhaut wird von Corpus ciliare
und Iris befreit und nach den Nr. 190 angegebenen Regeln
vergoldet. Nach vollendeter Härtung mache man Flächenschnitte,
welche Epithel und die obersten Hornhautschichten enthalten und
senkrecht zur Dicke der Hornhaut gerichtete Schnitte, welche man
in Xylolbalsam konserviert (Fig. 376).
Nr. 193. ~Methylenblaufärbung der Hornhautnerven.~ Man töte ein
Kaninchen, schneide den Augapfel im ganzen heraus und entferne
die noch anhängenden Reste der Augenmuskeln und der Bindehaut.
Dann lege man den Augapfel in eine Uhrschale und mache mit einem
scharfen Skalpell einen tiefen, alle Augenhäute durchdringenden
Schnitt am Äquator; die dabei austretende Glaskörperflüssigkeit
wird in der Uhrschale aufgefangen. Dann trenne man mit einer
Schere von dem gemachten Einschnitt aus die ganze Kornea ab, lege
sie auf einen Objektträger -- die konkave Hornhautfläche nach
aufwärts gerichtet -- und streife Corpus ciliare, Iris und die
etwa noch anhängende Linse mit einem Skalpellstiel ab, was leicht
gelingt. Die so gereinigte Hornhaut wird sofort in eine zweite
Uhrschale gebracht, in welche man 3-10 Tropfen der aufgefangenen
Glaskörperflüssigkeit und 3-4 Tropfen Methylenblaulösung (S.
36) gebracht hat. Die Farbe muß auch die konkave, nach aufwärts
gekehrte Hornhautfläche etwas bedecken. Da der Eintritt der
Färbung nicht zu genau festsetzbarer Zeit erfolgt, empfiehlt es
sich, nach etwa 1 Stunde die Hornhaut mit nach oben gekehrter
~konvexer~ Fläche auf einen reinen Objektträger zu bringen
und ohne Deckglas mit schwachem Objektiv (Leitz Obj. 3) zu
betrachten. Ist die Färbung nicht genügend, so bringe man die
Kornea wieder in die Uhrschale zurück und wiederhole etwa nach 10
Minuten die gleiche Prozedur. Sobald die Nerven deutlich sind,
wird die Hornhaut auf 18-20 Stunden in 20 ccm der Ammoniaklösung
(S. 36) übertragen; dann schneide man einen Quadranten aus und
konserviere ihn in dünnem Glyzerin, dem man noch einen Tropfen
der Ammoniaklösung zugesetzt hat. Nach ca. 24stündigem Aufenthalt
im Dunkeln ist das Präparat durchsichtig genug geworden, um auch
mit starken Vergrößerungen untersucht zu werden.
Nr. 194. Zu Studien über die ~Gefäße des Auges~ sind besonders
Flächenpräparate zu verwenden. Öffnet man ein frisches Auge am
Äquator, so sieht man makroskopisch den Verlauf der A. central.
retinae. Zur Darstellung der Gefäße der Chorioidea lege man den
von Fett und Muskeln vollkommen befreiten Augapfel auf einen
kleinen Glastrichter, den man in eine niedrige Glasflasche
gesteckt hat, und trage vorsichtig, am Äquator beginnend, mit
Schere und Pinzette die Sklera ab; bei einiger Übung gelingt
es, die ganze Sklera bis nahe hinter die Ora serrata und bis
zur Optikuseintrittsstelle zu entfernen, ohne die Chorioidea zu
verletzen; man muß sich nur hüten, zu reißen; alle festeren,
die Sklera mit der Chorioidea verbindenden Stränge (die Vv.
vorticosae) müssen ~abgeschnitten~ werden. Dann entferne man
durch vorsichtiges Streichen mit einem in Wasser getauchten
Pinsel die der Chorioidea noch anhaftenden Teile der Lamina
suprachorioidea; durch diese Manipulation wird der Verlauf
der gröberen Gefäße vollkommen deutlich. Soweit lassen sich
die Untersuchungen auch am nichtinjizierten Auge vornehmen.
Für die Gefäße des Corpus ciliare und der Iris verwende man
injizierte, in Müllerscher Flüssigkeit fixierte und in Alkohol
gehärtete Augen, welche man vor dem Äquator halbiert. Iris und
Corpus ciliare lassen sich leicht von der Sklera abziehen; man
konserviere sie nach Wegnahme der Linse in Xylolbalsam (S. 45).
Man untersucht am besten zuerst mit der Lupe.
Nr. 195. ~Tränendrüse~. Die untere Tränendrüse ist beim Menschen
leicht, ohne eine äußerlich sichtbare Verletzung zu setzen,
vom Fornix conjunctivae aus herauszunehmen. Beim Kaninchen ist
die Drüse nur klein, frisch blassem Muskelfleisch ähnlich; man
verwechsle sie nicht mit der im medialen Augenwinkel gelegenen
Harderschen Drüse. Behandeln wie Nr. 110 (S. 289). Das in Fig.
378 wiedergegebene Präparat war in Flemmingscher Lösung (S. 17)
fixiert, mit Hämatoxylin und Eosin gefärbt.