X. Sehorgan.

Der Sehapparat setzt sich aus einer größeren Zahl von

Einzelgebilden zusammen, von denen der ~Augapfel~ (~Bulbus

oculi~) mit dem ~Sehnerven~ (~N. opticus~) den eigentlichen

optischen Apparat darstellt, während als notwendige Hilfsapparate

Muskeln, Hautfalten (~Augenlider~) und Drüsen (~Tränenorgane~)

den Gebrauch des Sehorgans ermöglichen und vervollkommnen.

Die erste Anlage des Augapfels, die »~primäre Augenblase~«,

ist eine epitheliale Hohlkugel, welche durch einen Stiel

mit dem Gehirn in Verbindung steht, aus dessen Wandung sie

hervorgegangen ist. Indem die Hohlkugel von vorn und unten her

sich einstülpt, wird aus der primären die ~sekundäre Augenblase~,

ein zweiblättriger Becher, der zur Retina wird (das äußere

Blatt wird zum Pigmentepithel [S. 456], das innere Blatt zur

eigentlichen Retina), während der Stiel sich zum Nervus opticus

umgestaltet. Aus dem Umschlagsrand, da wo äußeres und inneres

Blatt der sekundären Augenblase ineinander übergehen, entwickeln

sich glatte Muskelfasern, der M. sphincter und daneben der M.

dilatator pupillae. Diese Muskeln sind demnach ektodermaler

Abkunft, im Gegensatz zu den meisten anderen glatten Muskeln,

die aus dem Mesoderm stammen. Während Glaskörper und Linse in

den Hohlraum des Augenbechers zu liegen kommen, sondert sich das

den Becher umgebende Bindegewebe in zwei Schichten, eine äußere,

welche die Tunica externa und eine innere, welche die Tunica

media des Augapfels liefert.

Der Augapfel.

Die Seheindrücke werden ausschließlich von dem innersten Blatte

(Netzhaut, Retina[118]) des Augapfels aufgenommen und durch den

N. opticus dem Gehirn zugeleitet, wo die Seheindrücke zu bewußten

Empfindungen und zur Auslösung von Reflexen verarbeitet werden. Die

Retina ist entwicklungsgeschichtlich und funktionell ein Teil des

Nervensystems. Alle anderen Bestandteile des Augapfels stehen im

Dienste dieser nervösen Funktion.

Der Form nach ist der Augapfel eine Hohlkugel, die teils

geformten, teils flüssigen Inhalt einschließt. Von der Wandung

läßt sich zunächst 1. eine innere Schicht (Tunica interna),

die ~Retina~ loslösen. Sie grenzt unmittelbar an den Inhalt

an, dessen geformte Bestandteile ~Linse~ und ~Glaskörper~

sind, beide glasklar zum Durchtritt der Lichtstrahlen. Mit

mannigfachen Sondereinrichtungen versehen ist 2. die Tunica

media, deren hinterer Abschnitt (~Chorioidea~[119], ~Aderhaut~)

den allgemeinen, gefäß- und nervenreichen Zustand dieser

Schichte bewahrt hat, während die in den vorderen Abschnitten

des Augapfels gelegenen Teile, der ~Strahlenkörper~ (~Corpus

ciliare~[120]) und die ~Regenbogenhaut~ (~Iris~[121]) durch den

besonderen Pigment- und Muskelreichtum zu äußerst komplizierten,

den Lichteintritt regulierenden Apparaten geworden sind. 3. Die

Tunica externa dient in ihrem größten Abschnitte (~Lederhaut~,

~Sklera~[122]) als widerstandsfähige Schutzhülle; nur ihr

vorderster, vollkommen durchsichtiger Abschnitt, die ~Hornhaut~

(~Cornea~) ist als Eintrittsort für die Lichtstrahlen besonders

ausgestaltet.

Tunica interna.

Die durchsichtige, in ganz frischem Zustande durch den Sehpurpur

rotgefärbte ~Netzhaut~, ~Retina~, erstreckt sich von der

Eintrittsstelle des Sehnerven bis zum Pupillarrande der Iris und läßt

in diesem Bereiche drei Zonen unterscheiden: 1. Die ~Pars optica

retinae~, das eigentliche Ausbreitungsgebiet des Nervus opticus. Dieser

allein lichtempfindende Teil der Netzhaut erstreckt sich, den ganzen

Augenhintergrund auskleidend, bis nahe an den Ziliarkörper und hört

dort mit einer scharfen, gezackten, makroskopisch schon wahrnehmbaren

Linie, der ~Ora serrata~, auf. 2. Die ~Pars ciliaris retinae~, von der

Ora serrata bis zum Ziliarrande der Iris reichend. 3. Die ~Pars iridica

retinae~, welche die Hinterfläche der Iris vom Ziliarrande bis zum

Pupillarrande überzieht. P. ciliaris und iridica werden auch zusammen

als Pars caeca bezeichnet.

1. Der Aufbau der ~Pars optica retinae~ entspricht in vielen Punkten

demjenigen des Gehirns: wir finden mehrere Formen, in bestimmter Weise

miteinander verknüpfter Ganglienzellen und ein gliöses Stützgerüst. An

die Stelle des in der ersten Entwicklungszeit vorhandenen Ventrikels

(s. oben) ist durch die innige Durchdringung von Fortsätzen der äußeren

Wand des Augenbechers (~Pigmentepithel~, Fig. 362) und solchen der

inneren Wand (Stäbchen- und Zapfenzellen) eine für die unmittelbare

Aufnahme der Seheindrücke wichtige Formation getreten. Durch die

Ausbildung einer gliösen Grenzhaut (~Membrana limitans externa~, Fig.

362) wird der ursprüngliche Ventrikelspalt gegen das innere Retinablatt

abgegrenzt, von dem nur die Fortsätze der Stäbchen und Zapfenzellen in

das Gebiet des Ventrikelhohlraums hineinragen. Eine ähnliche Grenzhaut

(Membrana limitans interna) grenzt das innere Netzhautblatt gegen den

Glaskörper ab.

[Illustration: Fig. 361.

Schema der menschlichen Netzhaut. Stützsubstanz (Glia) rot.

0 Kernhaltiger Teil der Radiärfasern.]

a) ~Das nervöse Gewebe der Retina.~ Die am Sehakt beteiligten

Nervenzellen sind nach den im Zentralnervensystem geltenden Regeln

miteinander verbunden. Wir unterscheiden 1. solche Neurone (s. S. 134),

die in unmittelbarer Aufeinanderfolge den Lichteindruck weiterleiten;

von diesen sind in vollem Umfange zwei in die Retina eingelagert, vom

dritten liegt der kernhaltige Teil in der Retina, während der Neurit

durch den N. opticus dem Gehirn zustrebt, 2. solche Neurone, die den

Assoziationszellen des Zentralnervensystems ähnlich, zahlreiche

Neuronengebiete der ersten Art untereinander verknüpfen.

Die Aufnahme der Seheindrücke ist die Aufgabe der ~Neuroepithelschicht~

(Fig. 362). Der Lage nach könnte man die Zellen dieser Schicht mit den

Ependymzellen des Zentralnervensystems vergleichen.

[Illustration: Fig. 362.

Senkrechter Schnitt der Retina des Menschen. 360mal vergrößert. Technik

Nr. 181, S. 481.]

Die Neuroepithelschicht besteht aus zweierlei Elementen: den

~Stäbchensehzellen~ und den ~Zapfensehzellen~, die beide dadurch

ausgezeichnet sind, daß ihr Kern in der unteren Hälfte der Zelle

gelegen ist, während der obere, kernlose Abschnitt durch die gliöse

Membrana limitans externa (s. unten) von dem unteren Teile scharf

abgegrenzt wird. Dadurch wird das Bild verschiedener Schichten

hervorgerufen; die innere, aus den kernhaltigen Teilen der Sehzellen

bestehende Schicht ist als äußere Körnerschicht, die äußere, kernlose

Abteilung als Schicht der Stäbchen und Zapfen bekannt. Zwischen beiden

liegt die Membrana limitans.

1. ~Stäbchensehzellen.~ Die äußeren Hälften derselben sind die

~Stäbchen~, langgestreckte Zylinder (60 µ lang, 2 µ dick),

welche aus einem homogenen ~Außengliede~ und einem feinkörnigen

~Innengliede~ bestehen. Das Gebiet der Außenglieder ist der

ausschließliche Sitz des Sehpurpurs, eines im Lichte sehr schnell

bleichenden Farbstoffes. Das Innenglied besitzt in seinem äußeren

Ende einen ellipsoiden, faserigen Körper, den ~Fadenapparat~.

Die inneren Hälften der Stäbchenzellen werden ~Stäbchenfasern~

genannt; sie sind sehr feine Fäden, welche mit einer kernhaltigen

Anschwellung versehen sind. Der Kern ist durch 1-3 helle

Querbänder ausgezeichnet. Das basale Ende der Zelle ist zu einer

kleinen, fortsatzfreien Keule aufgetrieben (Fig. 361).

2. ~Zapfensehzellen.~ Die äußeren Hälften derselben, die

~Zapfen~, bestehen gleichfalls aus einem Außengliede und einem

Innengliede. Die Außenglieder sind konisch und kürzer als

diejenigen der Stäbchen. Die Innenglieder sind dick, bauchig

aufgetrieben und besitzen die Fähigkeit, sich bei Belichtung

ausgiebig zu ~kontrahieren~; die Gestalt der Zapfen ist somit

eine flaschenförmige. Auch das Innenglied der Zapfen enthält

einen Fadenapparat. Die inneren Hälften der Zapfensehzellen sind

die ~Zapfenfasern~; diese sind breit und sitzen mit kegelförmig

verbreitertem Fuße auf der äußeren retikulären Schicht. Die

kernhaltige Anschwellung liegt gewöhnlich dicht nach innen von

der Membrana limitans.

Die Zahl der Stäbchen ist eine viel größere als die der Zapfen.

Letztere stehen in regelmäßigen Abständen, so daß immer je drei bis

vier Stäbchen zwischen je zwei Zapfen liegen (Fig. 362). Doch ist die

Verteilung der beiden Sehzellenformen sowohl in der Tierreihe, wie

in den einzelnen Abschnitten der Netzhaut des Menschen verschieden:

Manche (besonders Nacht-) Tiere, wie Fledermäuse, Eulen u. a. haben

nur Stäbchenzellen, andere (Schlangen) nur Zapfenzellen; in der

Fovea centralis (s. unten) der menschlichen Netzhaut, der Stelle des

schärfsten Sehens, liegen ausschließlich Zapfenzellen.

Die der äußeren retikulären Schicht aufsitzenden Basalteile der

Sehzellen sind meist deutlich als eine besondere, radiär gestreifte

Schicht zu erkennen (Fig. 362); diese »~Henle~sche ~Faserschicht~« ist

im Bereich der Macula lutea (s. unten) von besonderer Breite und nimmt

allmählich -- oft sehr ungleichmäßig -- gegen die Ora serrata ab.

Das ~Pigmentepithel~ schließt außen an die Neuroepithelschicht an

und besteht aus einer einfachen Lage sechsseitiger Zellen, welche an

ihrer äußeren, der Chorioidea zugewendeten Fläche pigmentärmer sind

(hier liegt auch der Kern), während der innere Abschnitt derselben

zahlreiche, stabförmige, 1-5 µ lange, braune Pigmentkörnchen (»Fuszin«)

enthält; von diesem Teil ziehen zahlreiche, feine Fortsätze zwischen

die Stäbchen und Zapfen. Bei Albinos und am Tapetum (s. S. 463) ist

das Epithel pigmentfrei. Bei vielen Tieren (besonders Amphibien und

Fischen) wandert das Pigment bei intensiver Netzhautbelichtung in der

Umgebung der Stäbchenglieder bis zur Membr. lim. ext. vor, um beim

Aufenthalt im Dunkeln diese Region wieder zu verlassen.

Die Zellen der Neuroepithelschicht bilden das I. Neuron des

Sehleitungsapparates und stehen im Gebiete der sogenannten äußeren

retikulären Schichte mit dem II. Neuron in Verbindung. Die kernhaltigen

Teile dieses Neurons liegen mit anderen Zellformen vereinigt in der

sogenannten inneren Körnerschicht; die Golgimethode charakterisiert

hier in großen Mengen ~bipolare Ganglienzellen~, deren peripherer

Fortsatz in der äußeren retikulären Schicht (Fig. 361) mit den

Neuroepithelzellen in Verbindung steht.

Dort teilt er sich gabelig, breitet sich der Fläche nach aus

und geht, in feinste Fibrillen zerfallend, in ein Fasergewirr

über, das durch die Verfilzung mit Fortsätzen benachbarter

Ganglienzellen gebildet wird. Alle bipolaren Ganglienzellen

schicken einen Fortsatz zwischen die Sehzellen in die Höhe, der

nahe der Membrana limitans externa mit einer kleinen Verdickung

endet (Fig. 361 ×).

Der zentrale Fortsatz (Neurit) der Bipolaren reicht in die innere

retikuläre Schicht (Fig. 361) und löst sich dort in feine Äste

auf. Hier stehen die Neuriten der Bipolaren mit den zahlreichen

Dendriten des III. Neurons in Verbindung, dessen Zellen in der

~Ganglienzellenschicht~ liegen.

Diese, auch Ganglion nervi optici genannt, besteht aus einer einfachen

Lage großer, multipolarer, mit Nißlschen Körpern (S. 137) versehener

Ganglienzellen, welche einen meist ~ungeteilten~ Fortsatz (Neurit)

zentralwärts gegen die Nervenfaserschicht, einen oder mehrere,

~verästelte~ Fortsätze (Dendriten) peripheriewärts gegen die innere

retikuläre Schicht entsenden; dort bilden die Fortsätze sich teilend

feine, zum Teil der Fläche nach in verschiedenen Höhen ausgebreitete

Verästelungen, welche mit den Fortsätzen der Bipolaren und anderer

Ganglienzellen (s. unten) ein dichtes Gewirr herstellen (Fig. 361).

Einzelne dieser Zellen zeichnen sich durch ihre Größe aus;

solche Riesenganglienzellen liegen in ziemlich regelmäßigen

Abständen; auch durch eine kurze Brücke miteinander verbundene

»Zwillingsganglienzellen« sind in dieser Schicht gefunden worden;

nur eine dieser Zellen besitzt dann einen Neuriten. Einzelne

Neuriten besitzen auch Kollateralen, die rückläufig mit ihren

Verästelungen benachbarte Ganglienzellen umspinnen (Fig. 361).

Die Gesamtheit der Neuriten dieser großen Ganglienzellen bildet mit

anderen (zentrifugalen) Nervenfasern zusammen an der inneren Oberfläche

der Retina eine selbständige, sogenannte ~Nervenfaserschichte~

(Fig. 362); hier verlaufen, zu Bündeln angeordnet, die marklosen

Neuriten der großen Ganglienzellen. Von allen Teilen der Netzhaut

nach der Austrittsstelle des N. opticus zusammenströmend, sind sie

hier in dicker Schicht angeordnet. Die radiäre Anordnung der Fasern

erleidet eine Störung im Bereiche der Macula lutea (S. 459). Die

Achsenzylinder gehören zwar zum größten Teile zu den in der Retina

gelegenen Ganglienzellen; zum andern Teile aber sind sie Fortsätze von

Ganglienzellen des Gehirns, zentrifugale Fasern (Fig. 361), welche um

die großen Ganglienzellen der inneren Körnerschicht (s. oben) frei

verästelt enden.

Letztere gehören damit zu ~regulatorischen Einrichtungen~, denen auch

gewisse Ganglienzellen der Retina zuzurechnen sind. Dies sind vor

allem die sogenannten ~amakrinen~[123] ~Zellen~, die, in der innersten

Lage der inneren Körnerschichte gelegen, verästelte Fortsätze in die

innere retikuläre Schichte senden. Dort haben sie Beziehungen zu dem

Fasergeflecht, das das II. mit dem III. Neuron der Sehbahn verknüpft.

b) ~Die gliösen Anteile~ der Retina tragen durch ihre charakteristische

Anordnung sehr wesentlich zu dem typischen Aufbau bei; in

Golgipräparaten lassen sich aus dem plasmodialen Gliagefüge folgende

»Zellgebiete« hervorheben: 1. die ~Radiärfasern~ (Müllersche

Stützfasern), langgestreckte Zellen, welche von der Innenfläche der

Retina durch sämtliche Schichten bis zu den Stäbchen und Zapfen

hinausreichen. Ihr inneres Ende ist durch einen kegelförmigen Fuß,

den ~Radiärfaserkegel~, charakterisiert; indem die verdickten Basen

dieser Kegel sich dicht aneinander fügen, täuschen sie eine an der

inneren Oberfläche der Retina liegende Membran, die sogenannte Membrana

limitans interna vor. Von der Spitze des Kegels an, sich immer mehr

verschmälernd, ziehen die Stützfasern durch die innere retikuläre

Schicht in die innere Körnerschicht; hier sind sie mit einem Kerne

versehen; von da ziehen die Fasern durch äußere retikuläre und äußere

Körnerschicht bis zur Membrana limitans (externa), mit welcher sie

sich verbinden. Während ihres ganzen Verlaufes geben die Radiärfasern

seitliche Fortsätze und Blätter zur Stütze der nervösen Elemente,

besonders reichlich in der äußeren Körnerschicht (Fig. 363) ab.

Außer diesen radiären Stützzellen kommen in der äußeren retikulären

Schicht 2. ~konzentrische~ Stützzellen (Fig. 361, _{00}) vor; sie

sind der Fläche nach ausgebreitete, mit langen Ausläufern versehene

Zellen, die teils kernhaltig, teils kernlos sind; in der Nähe des

Sehnerveneintritts, in der Nervenfaserschicht sowie im Ganglion

nervi optici nimmt das Gliaplasmodium vielfach die Form an, die vom

zentralen Nervensystem her bekannt ist (s. S. 140). Von der Oberfläche

der Membrana limitans externa erheben sich noch feine Fasern,

welche hürdenförmig die Basen der Stäbchen und Zapfen umfassen, die

sogenannten ~Faserkörbe~ (Fig. 363 und 361).

[Illustration: Fig. 363.

Stück eines senkrechten Schnittes der Netzhaut des Menschen. An

dem dicken Schnitt sind nicht sämtliche Schichten der Netzhaut zu

unterscheiden: auch die feinen Fortsätze der Radiärfasern decken sich

vielfach und täuschen, besonders in der äußeren Körnerschicht, eine

kompakte Masse vor. 360mal vergrößert. Technik Nr. 182, S. 482.]

In allen Übersichtspräparaten kann man von den Beziehungen

der einzelnen Zellen untereinander nicht viel erkennen; ich

gebe deshalb hierunter noch eine kurze Charakterisierung des

Schichtenbaues in der Reihenfolge von außen nach innen.

Äußeres Blatt {

des { 1. Pigmentepithel.

Augenbechers. {

{ 2. Stäbchen und Zapfen. }

{ 3. Membrana lim. externa (Gliös). } Neuroepithel-

{ 4. Äußere Körnerschicht (Kerne der } schicht.

{ Stäbchen- und Zapfenzellen, }

{ Stützfasern). }

{

{ 5. Äußere retikuläre Schicht (Fortsätze}

{ der Sehzellen und der Bipolaren, }

{ Stützfasern). }

{ 6. Innere Körnerschicht (Kerne der }

Inneres Blatt { Bipolaren und der amakrinen Zellen, }

des { Gliakerne der Radiärfasern). }

Augenbechers. { 7. Innere retikuläre Schicht (Neuriten }

{ der Bipolaren, Dendriten der }Gehirnschicht.

{ Ganglienzellen, Fortsätze der }

{ amakrinen Zellen, Gliafasern). }

{ 8. Ganglienzellenschicht (große }

{ Ganglienzellen, Gliafasern). }

{ 9. Nervenfaserschicht (zentripetale }

{ und weniger zentrifugale }

{ Nervenfasern). }

{10. Membr. limitans interna }

{ (Radiärfaserkegel der Glia). }

Der vorstehend geschilderte Bau der Retina erleidet an der Macula lutea

und in der Fovea centralis, sowie an der Ora serrata bemerkenswerte

Modifikationen.

~Macula lutea~ und ~Fovea centralis~. Im Bereiche der Makula erfahren

die Retinaschichten folgende Veränderungen: Feine Optikusfasern, das

sogenannte papillo-makuläre Bündel, verlaufen von der Eintrittsstelle

des Sehnerven gerade zum nächstgelegenen, medialen Teile der Makula;

die über und unter diesen Fasern aus der Eintrittsstelle kommenden,

dickeren Nervenfasern verlaufen dagegen in aufwärts bzw. abwärts

konvexem Bogen und vereinigen sich am lateralen Rande der Makula.

Die Ganglienzellenschicht wird bedeutend dicker, indem die hier

bipolaren Ganglienzellen statt in einfacher Lage in vielen (bis 9)

Lagen übereinander angeordnet sind; auch die innere Körnerschicht ist

durch Vermehrung ihrer Elemente fast um das Doppelte verbreitert.

Die innere und äußere retikuläre Schicht erleiden keine wesentlichen

Veränderungen. Die Neuroepithelschicht wird einzig durch hier etwas

schmälere Zapfensehzellen hergestellt. Schon am Rande der Makula

vermindert sich die Zahl der Stäbchensehzellen, in der Makula selbst

fehlen sie vollkommen; infolgedessen sind die Zapfenfasern in großer

Ausdehnung sichtbar; sie bilden hier allein die Henlesche Faserschicht.

Die Zapfenkerne liegen wegen ihrer großen Menge in mehreren Lagen

übereinander. Die Radiärfasern stehen nicht mehr senkrecht zur Dicke

der Retina, sondern schräg gegen die Fovea gewendet.

Gegen die in der Mitte der Macula lutea gelegene ~Fovea centralis~

verdünnen sich allmählich die Retinaschichten und hören zum Teil

gänzlich auf. Zuerst verschwindet bis auf einige feine Fasern die

Nervenfaserschicht, dann fließen die Gehirnschichten zu einer dünnen

Lage zusammen. Im Zentrum der Fovea (»~Fundus foveae~«) ist nur die

Neuroepithelschicht (Zapfenzellen) vorhanden. Der Abfall der Schichten

ist individuell verschieden, so daß sich die Form der Fovea bald flach,

bald tiefer mit steilen Rändern zeigt (Fig. 364).

Ein diffuser, gelber, in Alkohol löslicher Farbstoff durchtränkt Makula

und Fovea.

[Illustration: Fig. 364.

Horizontalschnitt durch die Macula lutea und die Fovea centralis eines

60 Jahre alten Mannes. Nach einem Präparat von Prof. Haab, gezeichnet

von Schaper. 135mal vergrößert.

Die Nervenfaserschicht ist, wie überhaupt alle Schichten auf der Seite

des Optikuseintritts dicker als auf der entgegengesetzten Seite, dort

sieht man die Nervenfasern quer durchschnitten als feine Punkte. Der

Schnitt geht nicht genau durch die Mitte der Fovea, denn dort sind nur

Zapfensehzellen, nicht aber, wie hier, noch Reste der konfluierenden,

inneren Körner- und Ganglienzellenschicht vorhanden.]

Im Gebiete der ~Ora serrata~ erfolgt sehr rasch eine Abnahme der

Retinaschichten. Optikusfasern und Ganglienzellen sind schon vor

der Ora verschwunden. Von den Sehzellen verschwinden zuerst die

Stäbchensehzellen; die Zapfensehzellen sind noch erhalten, scheinen

aber der Außenglieder zu entbehren. Dann verliert sich die äußere

retikuläre Schicht, so daß äußere und innere Körnerschicht konfluieren,

endlich hört die innere retikuläre Schicht auf. Die Ora serrata ist

häufig der Sitz von Lücken, die zuerst in der äußeren Körnerschicht

auftreten und sich auch weiter auf zentrale Schichten ausdehnen können

(Fig. 365). Stark entwickelt sind die Radiärfasern, die allmählich in

eine einfache Lage langgestreckter Zylinderzellen übergehen und damit

2. die ~Pars ciliaris retinae~ darstellen (Fig. 365, 11). Diese Zellen

entsenden von ihrer inneren Oberfläche Fasern, die in horizontaler

Richtung eng aneinander gelagert das Bild einer Glashaut erzeugen;

weiter vorn gegen die Linse zu bilden diese Fasern die Zonula ciliaris

(S. 469). Die äußere Oberfläche dieser Zylinderzellen stößt an

pigmentierte Zellen, die eine Fortsetzung des Pigmentepithels sind.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 164 / 286 题