XI. Das Gehörorgan.

Der ~empfindende~ Abschnitt dieses Sinnesorganes umfaßt zwei genetisch

und morphologisch zusammenhängende, funktionell aber zu trennende

Teile: das eigentliche Gehörorgan und den Bogengangsapparat, in dem

Empfindungen der Lageveränderung des Körpers zustande kommen. Mit

diesen beiden als 1. ~inneres Ohr~ zusammenzufassenden, allseitig von

Knochen umgebenen Sinnesorganen sind funktionell verbunden wichtige

Hilfseinrichtungen, die wir 2. als ~Mittelohr~ (mit Tuba auditiva) und

3. als ~äußeres Ohr~ bezeichnen. Das Mittelohr ist genetisch von der

1. Schlundtasche abzuleiten, das äußere Ohr ist (einschließlich des

äußeren Gehörganges) ein Teil der Oberhaut.

Inneres Ohr.

Seine beiden Abteilungen sind durch zwei, im knöchernen Vorhof

(Vestibulum) gelegene, häutige Säckchen verbunden, die durch einen

feinen Gang, den ~Ductus utriculosaccularis~ (Fig. 388, _{2}),

miteinander kommunizieren.

Vom Duct. utriculo-saccularis erstreckt sich als dünner »Duct.

endolymphaticus« eine durch den Aquaeductus vestibuli verlaufende

Fortsetzung bis zu dem kolbig endenden »Saccus endolymphaticus«,

der an der hinteren Fläche der Pars petrosa gelegen ist.

Das eine Säckchen, der ~Utriculus~, steht mit häutigen Röhren, den

~Bogengängen~ (Ductus semicirculares), in Verbindung, deren jeder

an der Einmündungsstelle in das Säckchen je eine Erweiterung, die

~Ampulle~, besitzt. Das andere Säckchen, der ~Sacculus~, hängt durch

den ~Ductus reuniens~ (Fig. 388, _{1}) mit einem langen, spiralig

aufgewickelten, häutigen Schlauche, der ~Schnecke~ (Ductus cochlearis),

dem eigentlichen Gehörorgan, zusammen.

Säckchen, Bogengänge und Schnecke heißen das ~häutige Labyrinth~.

Dasselbe ist in ähnlich gestalteten Hohlräumen des Felsenbeines,

dem ~knöchernen Labyrinth~, eingeschlossen, füllt aber dieses nicht

vollkommen aus. Der nicht ausgefüllte Raum wird von einer wässerigen

Flüssigkeit, der ~Perilymphe~, eingenommen. Eine ähnliche Flüssigkeit,

die ~Endolymphe~, ist im Innern des häutigen Labyrinthes enthalten.

Sacculus, Utriculus, Bogengänge.

Ihre Wandung besteht aus drei Lagen. Zu äußerst liegt ein an

elastischen Fasern reiches, einzelne Pigmentzellen enthaltendes

Bindegewebe; dann folgt eine feine, mit kleinen Warzen besetzte

Basalmembran, deren Innenfläche endlich mit einem einschichtigen

Pflasterepithel überzogen ist. Dieser einfache Bau ändert sich an

den Ausbreitungsstellen des Hörnerven, welche an den beiden Säckchen

~Maculae~, an den Ampullen der Bogengänge ~Cristae acusticae~ heißen.

Bindegewebe und Basalmembran werden hier dicker, das Pflasterepithel

wird schon im Umkreise der Maculae (bzw. Cristae) zu einem einen

Kutikularsaum tragenden Zylinderepithel, und dieses geht in das

Neuroepithel der Makula selbst über. Das Neuroepithel ist gleichfalls

einschichtig und besteht aus zwei Arten von Zellen: 1. Aus den

~Fadenzellen~, das sind lange, die ganze Höhe des Epithels einnehmende

Zellen, die sowohl am oberen wie am unteren Ende etwas verbreitert sind

und einen ovalen Kern enthalten; sie gelten als Stützzellen. 2. Aus den

~Haarzellen~, das sind zylindrische, nur die obere Hälfte des Epithels

einnehmende Zellen, welche in ihrem unteren, abgerundeten Abschnitte

einen großen, kugligen Kern enthalten und auf ihrer Oberfläche ein

zu einem »Hörhaar« verklebtes Bündel langer, feiner Fäden tragen.

Die Haarzellen sind die Endapparate des Hörnerven, mit ihnen stehen

die Nervenfasern in Verbindung, und zwar in der Weise, daß die

markhaltigen Äste des Ramus vestibularis nervi acustici beim Eintritte

in das Epithel ihre Markscheide verlieren, sich teilen und als nackte

Achsenzylinder bis zu den Basen der Haarzellen aufsteigen; dort teilt

sich jede Faser in drei bis vier variköse Äste, die nun weiterhin

horizontal, parallel der Epitheloberfläche unter mehreren Haarzellen

verlaufen und schließlich aufbiegend, im Kontakt mit der Seitenfläche

einer Haarzelle, zugespitzt frei enden. Während des horizontalen

Verlaufes entspringen einzelne aufsteigende Zweige, die in gleicher

Weise an die Haarzellen angeschmiegt enden. Diese Enden erreichen die

Epitheloberfläche nicht.

Die horizontalen Nervenäste bilden ineinandergreifend ein

schmales, aber dichtes Gittergeflecht, das auch bei Anwendung

anderer als der Golgischen Methoden als eine besondere, aus

stark lichtbrechenden Körnchen bestehende Lage erscheint. Die

Körnchen sind die optischen Querschnitte und die Varikositäten

der horizontalen Fasern.

In den Cristae acusticae kommen grobe Nervenfasern vor, die sich

teilend und verbreiternd bis zu 5 Haarzellen kelchartig umfassen.

Die freie Oberfläche des Neuroepithels ist von einer Fortsetzung des

Kutikularsaumes, einer »~Limitans~« überzogen, welche von den Hörhaaren

durchbrochen wird. Die beiden Maculae acusticae sind von einer weichen

Substanz (einer Kutikula?) bedeckt, welche zahllose 1-15 µ große,

prismatische Kristalle von kohlensaurem Kalk, die ~Otolithen~[124],

einschließt (Fig. 379); sie bilden zusammen die »~Otoconia~«[125]),

den Gehörsand. Auf den Cristae acusticae findet sich die sogenannte

~Kupula~, eine an frischen Präparaten unsichtbare Gallerte, die durch

die Anwendung fixierender Flüssigkeiten gerinnt und dadurch sichtbar

wird.

Säckchen und Bogengänge sind durch bindegewebige Stränge (Ligamenta

sacculorum et ductuum) an die mit einem dünnen Periost und platten

Bindegewebszellen ausgekleidete Innenfläche des knöchernen Labyrinthes

befestigt.

[Illustration: Fig. 379.

Otolithen aus dem Sacculus eines neugeborenen Kindes. 560mal vergr.

Technik Nr. 196, S. 500.]

Schnecke.

Auch die häutige Schnecke, der ~Ductus cochlearis~, füllt nicht

den ganzen Binnenraum der knöchernen Schnecke aus. Sie liegt mit

der einen Wand der äußeren knöchernen Schneckenwand (Fig. 380) an;

die obere (vestibulare) Wand, ~Membrana vestibularis~ (Reissner),

grenzt gegen die Scala vestibuli, die untere (tympanale), ~Lamina

spiralis membranacea~, gegen die Scala tympani. Der Winkel, in

welchem vestibulare und tympanale Wand zusammenstoßen, liegt auf dem

freien Ende der Lamina spiralis ossea auf. Dort sind Periost und

das Bindegewebe des Ductus cochlearis besonders stark entwickelt

und stellen einen Wulst, ~Limbus spiralis~, dar, welcher breit auf

der Lamina spiralis ossea aufsitzt und mit einem aufwärts sich

zuschärfenden Rande endet. Dieser Rand wird ~Labium vestibulare~, der

freie Rand der Lam. spiral. ossea ~Labium tympanicum~[126] genannt;

zwischen beiden verläuft der ~Sulcus spiralis internus~ (Fig. 387). Die

inneren Flächen des Ductus cochlearis sind von einem, an den einzelnen

Orten sehr verschieden beschaffenen Epithel überzogen, die der Scala

vestibuli bzw. tympani zugekehrten äußeren Flächen werden von einer

feinen Fortsetzung des Periostes, welches die beiden Scalae auskleidet,

bedeckt. An der äußeren Schneckenwand verdickt sich das Periost zu

einem mächtigen, auf dem Querschnitte halbmondförmigen Streifen, dem

~Ligamentum spirale~, das sowohl über wie unter die Ansatzfläche des

Ductus cochlearis hinausreicht (Fig. 381).

[Illustration: Fig. 380.

Horizontalschnitt durch die vordere Partie des Felsenbeins einer jungen

Katze. 8mal vergrößert. Der Ductus cochlearis × ist fünfmal vom Schnitt

getroffen. Die verschiedene Farbe des Knochens erklärt sich durch das

unvollständige Eindringen des Fixierungsmittels. Technik Nr. 198,

S. 501.]

Nach dieser allgemeinen Übersicht muß der feinere Bau der drei Wände

der häutigen Schnecke erörtert werden. Zwei derselben, die äußere und

die vestibulare Wand sind verhältnismäßig einfach gebaut, die dritte,

tympanale Wand dagegen zeigt einen äußerst komplizierten Bau.

a) ~Äußere Wand und Ligamentum spirale~ bestehen zusammen aus Epithel

und Bindegewebe. Letzteres ist zunächst dem Knochen derbfaserig

(Periost) und geht dann in lockeres Bindegewebe über, welches die

Hauptmasse des Ligamentum spirale ausmacht. Das Epithel besteht

aus einer Lage kubischer Zellen. Ein dichtes Netz von Blutgefäßen,

die ~Stria vascularis~, nimmt drei Viertel der Höhe der äußeren

Schneckenwand ein und begrenzt sich nach abwärts durch einen beim

Menschen nur in der unteren Schneckenwindung stärker gegen das

Schneckenlumen ragenden Vorsprung, die ~Prominentia spiralis~ (Fig.

381). Die Kapillaren der Stria vascularis liegen dicht unter und in dem

dort zum Teil geschichteten pigmentierten Epithel (Fig. 387); sie sind

die Quelle der Endolymphe.

b) ~Die vestibulare Wand~ (Membrana vestibularis) (Fig. 381) besteht

aus einer Fortsetzung des Periostes der Scala vestibuli, d. i. aus

platten Zellen und einem feinfaserigen Bindegewebe, welches auf der

dem Duktus zugekehrten Seite mit einer einfachen Lage polygonaler

Epithelzellen bekleidet ist.

c) ~Die tympanale Wand~ zerfällt in zwei Abschnitte, 1. in den Limbus

spiralis mit dem freien Rande der Lamina spiralis ossea und 2. in die

Lamina spiralis membranacea.

[Illustration: Fig. 381.

Das mit »Scala vestibuli« und »Scala tympani« bezeichnete Stück der

Figur 380. Präparat 50fach vergrößert. Technik Nr. 198, S. 501.]

1. Der ~Limbus spiralis~ besteht aus einem derben, an spindelförmigen

Zellen reichen Bindegewebe, welches nach unten mit dem Periost der

Lamina spiralis ossea verwachsen ist, an der freien Oberfläche

aber sonderbar gestaltete Papillen besitzt. Sie haben die Form

unregelmäßiger Halbkugeln; gegen das Labium vestibulare wachsen sie

zu schmalen, langen Platten, den ~Huschke~schen ~Gehörzähnen~, aus

(Fig. 382 und Fig. 385), die in einfacher Reihe nebeneinander liegen.

Eine einfache Lage stark abgeplatteter Epithelzellen überzieht die

Oberfläche des Limbus und geht an der Kante des Labium vestibulare in

das kubische Epithel des Sulcus spiralis internus über (Fig. 385¡A¡).

Der freie Rand der Lamina spiralis ossea ist an seiner oberen Fläche

von einer einfachen Reihe schlitzförmiger Öffnungen, ~Foramina

nervina~ (Fig. 382) durchbrochen, durch welche die in die knöcherne

Lamina eingeschlossenen Nerven hervortreten, um in das Epithel der

Lamina spiralis membranacea einzudringen. Deshalb heißt diese Zone der

knöchernen Lamina spiralis ~Zona~ (Habenula) ~perforata~.

2. Die ~Lamina spiralis membranacea~ besteht aus der Membrana

basilaris, d. i. aus einer Fortsetzung des Limbus spiralis sowie

des Periostes der Lamina spiralis ossea, ferner aus der tympanalen

Belegschicht, die eine Fortsetzung des Periostes der Scala tympani ist,

welche die Unterfläche der Membrana basilaris bekleidet, und endlich

aus dem Epithel des Ductus cochlearis, welches der Oberfläche der

Membrana basilaris aufsitzt.

Die ~Membrana basilaris~ besteht aus einer strukturlosen Haut, welche

starre, ganz gerade, vom Labium tympanicum bis zum Ligamentum spirale

verlaufende Fasern enthält, welche der Membran ein feinstreifiges

Aussehen (Fig. 383) verleihen. Die Fasern sind in der äußeren Hälfte

der Membran, vom Fuß der äußeren Pfeiler (siehe unten) bis gegen das

Ligamentum spirale dicker. Sie sind in der Basalwindung der Schnecke am

kürzesten, in der Spitzenwindung am längsten.

[Illustration: Fig. 382.

Aus einem Flächenpräparate der Lam. spiral. der Katze 240mal

vergrößert. Lam. vestib. von oben gesehen, zwischen den Gehörzähnen

sieht man zwei Kerne der Epithelzellen. Links ist der Tubus auf

die Höhe der Gehörzähne, rechts auf die Ebene der Zona perforata

eingestellt. Technik Nr. 197, S. 501.]

In den Theorien über den Mechanismus der Hörempfindung spielen

die Fasern der Basilarmembran eine große Rolle. Die sogenannte

Resonatorentheorie (~Helmholtz~) stellt sich vor, daß für jeden

Ton eine solche Faser anspricht, man nannte diese Fasern deshalb

auch Gehörsaiten. Nach neueren Vorstellungen gerät aber die ganze

Membran unter dem Einfluß von Schwingungen in Bewegung (~Ewald~),

die für die einzelnen Töne verschieden ausfällt.

Die ~tympanale Belegschicht~ besteht aus einem feinen, Spindelzellen

enthaltenden Bindegewebe, dessen Fasern auf der Faserrichtung der

Membrana basilaris senkrecht stehen (Fig. 383¡b¡).

Das ~Epithel~ ist auf der der Schneckenachse zugekehrten Hälfte zum

Neuroepithel, dem ~Organon spirale~ (Corti) entwickelt, während die

äußere dem Ligamentum spirale zugekehrte Hälfte aus indifferenten

Epithelzellen besteht. Man teilt die Lamina spiralis membranacea

deshalb in zwei Zonen; eine innere vom Spiralorgan bedeckte, ~Zona

tecta~, und eine äußere, ~Zona pectinata~[127].

Die auffallendste Bildung des Spiralorganes sind die ~Pfeilerzellen~,

eigentümlich geformte, größtenteils starre Gebilde, die in zwei Reihen

in der ganzen Länge des Ductus cochlearis stehen. Die innere Reihe

bilden die ~Innenpfeiler~, die äußere die ~Außenpfeiler~ (Fig. 385).

Indem beide schräg gegeneinander geneigt sind, bilden sie einen Bogen,

den ~Arcus spiralis~, welcher einen mit der Basis gegen die Membrana

basilaris gerichteten, dreiseitigen Raum, den ~Tunnel~, überbrückt. Der

Tunnel ist nichts anderes, als ein sehr großer Interzellularraum, der

mit einer weichen Masse, Interzellularsubstanz, erfüllt ist.

[Illustration: Fig. 383.

Aus einem Flächenpräparate d. Lamina spiral. membran. der Katze. 240mal

vergr. Schichten der Zona pectinata bei wechselnder Einstellung des

Tubus gezeichnet. ¡e¡ Hohe Einstellung auf das indifferente Epithel

(Claudiussche Zellen) des Ductus cochlearis. ¡f¡ Mittlere Einstellung

auf die Fasern der Membr. bas. ¡b¡ Tiefe Einstellung auf die Kerne der

tympanalen Belegschicht. Technik Nr. 197, S. 501.]

[Illustration: Fig. 384.

Lamina spiralis der Katze von der vestibularen Fläche aus gesehen. Die

Membr. tectoria ist entfernt, die Lamina spiralis ossea in der inneren

Hälfte mehrfach gesprungen und zerbrochen; am hinteren Rande derselben

ragen Zellen des Ganglion spirale vor. Von der Lamina spir. membranacea

sind die Claudiusschen Zellen teilweise abgefallen, so daß man die

Fasern der Membr. basilaris als feine Streifung sieht. 50mal vergr.

Technik Nr. 197, S. 501.]

Hinsichtlich des feineren Baues der Pfeilerzellen ist folgendes

zu beachten: Die inneren Pfeilerzellen sind starre Bänder, an

denen wir einen dreiseitig verbreiterten Fuß, einen schmalen

Körper und einen auswärts konkaven Kopf unterscheiden. Der Kopf

trägt eine schmale »Kopfplatte« (Fig. 385). Körper und Fuß der

Zelle sind von wenig Zytoplasma umgeben, das nach außen vom Fuße

in der Umgebung des Kernes in etwas größerer Menge vorhanden

ist. Die äußeren Pfeilerzellen zeigen dasselbe Detail, nur ist

der kernhaltige Teil einwärts vom Fuße gelegen; der rundliche

Gelenkkopf ruht in dem konkaven Ausschnitte des Innenpfeilers,

die (breitere) Kopfplatte wird von der Kopfplatte des

Innenpfeilers größtenteils bedeckt. Der in den Köpfen der beiden

Pfeilerzellen, sowie der in den Füßen der äußeren Pfeilerzellen

befindliche kernähnliche Einschluß hat nichts mit einem Kern zu

tun, sondern ist wahrscheinlich hornartiger Natur.

Nach innen von den Innenpfeilern liegt eine ~einfache~ Reihe von

~Zellen~, die ~inneren Haarzellen~, kurzzylindrische, mit der

abgerundeten Basis nicht bis zur Membrana basilaris reichende Zellen,

die an ihrer freien Oberfläche ca. 40 lange, starre Haare tragen. Nach

innen von den inneren Haarzellen liegt das kubische Epithel des Sulcus

spiralis internus. Nach außen von den Außenpfeilern liegen die ~äußeren

Haarzellen~; sie gleichen den inneren Haarzellen, nur haben sie um

ein Drittel kürzere Haare und sind durch einen dunklen, in der oberen

Hälfte der Zellen gelegenen Körper, den (Hensenschen) ~Spiralkörper~,

charakterisiert.

Dieser ist im Schema (Fig. 385¡A¡) durch einen dunklen, dicht

unter den Hörhaaren gelegenen Fleck angedeutet; er entspricht

vielleicht einem Trophospongium. Die Zentralkörperchen der

Haarzellen liegen stets in deren Kopfenden.

[Illustration: Fig. 385.

Schema des Baues der tympanalen Wand des Schneckenkanales, ¡A¡ von

der Seite, ¡B¡ von der Fläche gesehen; bei letzterer Ansicht ist

die Einstellung des Tubus auf die freie Oberfläche gewählt. Es ist

einleuchtend, daß das in anderen Ebenen liegende Epithel des Sulcus

spiralis, sowie die Claudiusschen Zellen nur durch Senken des Tubus

scharf eingestellt werden können. Die Membrana tectoria ist nicht

eingezeichnet. Die Spiralnervenstränge (s. S. 495) sind durch Punkte

angedeutet.]

Die äußeren Haarzellen sind nicht in ~einer~, sondern in mehreren

(gewöhnlich vier) Reihen angeordnet; sie liegen nicht nebeneinander,

sondern werden auseinander gehalten durch die ~Deiter~sschen ~Zellen~,

das sind gestreckte Zellen, die einen starren Faden enthalten und an

ihrem oberen Ende je einen kutikularen Aufsatz tragen; dieser hat die

Gestalt einer Fingerphalanx; die zwischen den Phalangen freibleibenden

Lücken werden durch die äußeren Haarzellen ausgefüllt (Fig. 386).

Auch die inneren Haarzellen werden durch kurze Fortsätze

der inneren Pfeilerzellen sogenannte »Innenphalangen«

auseinandergehalten. Diese Fortsätze sind in Fig. 385 nicht

gezeichnet.

Die Deitersschen Zellen sind Stützzellen, die viele

Übereinstimmung mit den Pfeilerzellen zeigen; wie diese bestehen

sie aus einem starren Faden und einem zytoplasmatischen Teil,

wie diese haben sie eine Kopfplatte (hier Phalanx genannt). Der

Unterschied besteht nur darin, daß die Umwandlung in starre Teile

bei den Deitersschen Zellen nicht so weit vorgeschritten ist.

Indem die Phalangen unter sich zusammenhängen, bilden sie eine

zierlich genetzte Membran, die ~Membrana reticularis~.

Die äußeren Haarzellen reichen nicht bis zur Membrana basilaris herab,

füllen also nur die obere Hälfte der Räume zwischen den Deitersschen

Zellen aus, die unteren Hälften dieser Räume bleiben frei; wir

nennen sie die ~Nuel~schen ~Räume~, oder, da sie ja miteinander

zusammenhängen, den ~Nuel~schen ~Raum~ (Fig. 385). Auch der Nuelsche

Raum hat die Bedeutung eines Interzellularraumes und steht mit dem

Tunnel in Verbindung.

Nach außen von der letzten Reihe Deitersscher Zellen liegen die

~Hensen~schen ~Zellen~, langgestreckte Zylinder, die unter allmählicher

Abnahme ihrer Höhe in das indifferente Epithel des Ductus cochlearis

übergehen, dessen Elemente, soweit sie noch die Membrana basilaris

bedecken, die ~Claudius~schen Zellen heißen. Auch diese beiden

Zellenarten sowie die Epithelzellen des Sulcus spiralis enthalten

einen starren Faden, der aber noch minder ausgeprägt ist, wie in

den Deitersschen Zellen. Die Zentrosome aller Epithelzellen des

Spiralorganes liegen nahe der freien Oberfläche.

[Illustration: Fig. 386.

Aus einem Flächenpräparate der Lam. spir. membran. der Katze. 240mal

vergrößert. ¡A¡ Äußere Pfeiler, ¡k¡ Kopfplatten derselben bei hoher

Einstellung, ¡ap¡ Körper und Fußenden derselben unter allmählichem

Senken des Tubus gezeichnet. ¡kip¡ Stücke der Kopfplatten der inneren

Pfeiler. ¡B¡, ¡lt¡ Labium tympanic., teilweise bedeckt vom Epithel des

Sulc. spiral., ¡ih¡ innere, ¡ah¡ äußere Haarzellen, zwischen diesen die

Phalangen, ¡ph¡, die Membr. reticularis bildend, ¡ap¡ Kopfplatten der

äußeren, ¡ip¡ der inneren Pfeiler. Technik Nr. 197, S. 501.]

Die auf das Lig. spirale sich fortsetzenden Epithelzellen reichen

mit ihren langen verzweigten Basen bis tief in das unterliegende

Bindegewebe. In Fig. 387 sind diese Zellen nicht sichtbar gewesen.

Die ~Membrana tectoria~ (Fig. 387), welche an der Ansatzstelle der

Membrana vestibularis dünn beginnend, dann rasch sich verdickend

über den Sulcus spiralis internus und das Organon spirale bis zur

äußersten Reihe der Haarzellen reicht, ist eine weiche, sehr elastische

Kutikularbildung.

Der Ramus cochlearis des ~Nervus acusticus~ dringt bekanntlich in

die Achse der Schnecke ein und gibt in spiralig fortlaufender Linie

Äste ab, welche gegen die Wurzel der Lamina spiralis ossea ziehen;

hier geht jede markhaltige Nervenfaser unter Verlust ihres Markes in

eine Nervenzelle über, die wie diejenigen der Spinalganglien eine

bindegewebige Hülle und gliöse Kapselzellen besitzt; die Summe dieser

Nervenzellen bildet ein die ganze Peripherie der Schneckenachse

umfassendes ~Ganglion spirale~ (Fig. 382); vom entgegengesetzten Pole

jeder Zelle entspringt eine zweite Nervenfaser, die bald markhaltig

wird und sich mit Nachbarfasern zu einem in die Lamina spiralis ossea

eingeschlossenen, weitmaschigen Plexus vereint; derselbe reicht

bis gegen das Labium tympanicum, wo die Fasern unter Verlust ihrer

Markscheide durch die Foramina nervina (S. 491) treten und im Epithel

enden.

Das Ganglion spirale besitzt also den gleichen Bau wie ein

Spinalganglion; ein Unterschied besteht nur insofern, als die

Ganglienzellen hier nicht unipolar, sondern bipolar, wie in

den embryonalen Ganglien, sind (S. 135). Auch das im inneren

Gehörgang liegende Ganglion vestibulare besitzt bipolare

Ganglienzellen.

[Illustration: Fig. 387.

Stück der Fig. 381. Präparat 240mal vergrößert. × Tunnel von

Nervenfasern durchzogen.]

Der periphere Fortsatz zeigt in frühen Entwicklungsstadien einen

vollkommen dendritenartigen Charakter und bildet sich erst

allmählich zu einer schmalen Faser aus.

Im Epithel endigen die Nerven in der Weise, daß sie in der Richtung der

Schneckenwindung umbiegen, und so in spiraligen Strängen verlaufen, von

denen der erste nach innen von der inneren Pfeilerzelle (Fig. 385),

der zweite im Tunnel, der dritte zwischen äußerer Pfeilerzelle und

erster Deitersscher Zelle, die übrigen drei zwischen den Deitersschen

Zellen verlaufen. Von diesen Strängen aus ziehen feine Fasern zu den

Haarzellen, an (nicht in) denen sie enden.

~Arterien~ des Labyrinthes. Die Arteria auditiva gibt nur einen

kleinen Zweig an das häutige Labyrinth, einen weiteren kleinen

Zweig zum knöchernen Labyrinth; die Mehrzahl ihrer Äste tritt an

die Abgangsstelle des V., VII., VIII., IX. und X. Hirnnerven, sowie

an die untere Kleinhirnfläche. Die Arterie für das häutige Labyrinth

teilt sich in zwei Äste: 1. Die ~Arteria vestibularis~ (Fig. 388)

gibt an den Nervus vestibularis, sowie an die lateral-obere Hälfte

des Sakkulus, des Utrikulus, sowie an die entsprechenden Partien des

oberen und lateralen Bogenganges Zweige, welche im allgemeinen ein

weitmaschiges, an den Endigungsstellen des Nervus vestibularis, den

Cristae und Maculae, aber ein engmaschiges Kapillarnetz speisen. 2.

Die ~Arteria cochlearis communis~ teilt sich wieder in zwei Äste. Der

eine Ast, die ~Arteria vestibulo-cochlearis~, versorgt mit einem Zweig

die medialhintere Hälfte von Sakkulus, Utrikulus und Bogengängen und

verhält sich in ihren feinen Verästlungen wie die Arteria vestibularis;

mit dem anderen Zweig verteilt sie sich im Anfangsdrittel der ersten

Schneckenwindung. Der andere Ast, die ~Arteria cochlearis propria~

versorgt den übrigen Bezirk der Schnecke; sie zerfällt beim Eintritt in

die Schneckenachse in drei bis vier Äste, welche in spiraligem Verlaufe

aufsteigend, den Tractus arteriosus spiralis bilden. Von diesem

entspringen 30-35 radiäre Zweige, welche drei getrennte Kapillargebiete

versorgen: 1. den Kanal, in welchem das Ganglion spirale eingeschlossen

ist (Fig. 389, _{1}), 2. die Lamina spiralis (_{2}) und 3. die

Zwischen- und Außenwände der Skalen (_{3}).

[Illustration: Fig. 388.

Schema. Blutgefäße des rechten menschlichen Labyrinthes. Ansicht

von medial und hinten, ¡D. c.¡ Ductus cochlearis. ¡S¡ Sakkulus. ¡U¡

Utrikulus. 1. Ductus reuniens. 2. Ductus utriculo-saccularis. Der

Saccus endolymphaticus ist abgeschnitten.]

[Illustration: Fig. 389.

~Schema.~ Senkrechter Schnitt durch die rechte Hälfte der ersten (=

Basal-) und zweiten Schneckenwindung.]

Die ~Venen~ des Labyrinthes verlaufen in drei getrennten Wegen:

1. Durch den Aquaeductus vestibuli verläuft die ~Vena aquaeductus

vestibuli~, welche das Blut von den Bogengängen und einem Teil des

Utrikulus sammelt (Fig. 388); sie mündet in den Sinus petrosus superior.

2. Durch den Aquaeductus cochleae verläuft die ~Vena aquaeductus

cochleae~, welche das Blut von einem Teil des Utrikulus, vom Sakkulus

und von der Schnecke sammelt. In der Schnecke verhalten sich die

venösen Wurzeln folgendermaßen: Die zum ~Vas spirale~ (Fig. 389b) und

zu den in der ~Prominentia spiralis~ (Fig. 389a) sich sammelnden Venen

ziehen in der tympanalen Skalenwand zu der unterhalb des Spiralganglion

gelegenen, spiralig verlaufenden ~Vena spiralis~; diese entsteht aus

dem Zusammenfluß zweier Venen, von denen die untere das Blut aus

der ersten (basalen) und einem Teil der zweiten Schneckenwindung

bezieht, während die obere Spiralvene das Blut von den übrigen

Schneckenwindungen sammelt. Die Vena spiralis nimmt auch einen Teil der

im Kanal des Ganglion spirale befindlichen Kapillaren auf und steht

in anastomotischer Verbindung mit einer über diesem Kanal gelegenen

Vene, der ~Spiralblattvene~ (Fig. 389). Diese empfängt das Blut von

dem anderen Teil der Spiralganglionkapillaren, sowie von der Lamina

spiralis.

Die Membrana vestibularis (Reißner) ist beim erwachsenen Menschen

gefäßlos. Die Anordnung der Blutgefäße in der Schnecke ist

somit eine derartige, daß die Scala vestibuli vorzugsweise von

Arterien, die Scala tympani hauptsächlich von Venen umkreist

wird. Die oberwärts an die Lam. spir. membr. grenzende Scala

tympani ist so der Einwirkung arterieller Pulsation entrückt.

3. Die Spiralblattvene mündet in die ~zentrale Schneckenvene~, welche

die Hauptwurzel der Vena auditiva interna darstellt. Diese letztere

nimmt noch Venen vom N. acusticus und vom Knochen her auf und mündet

höchstwahrscheinlich in die Vena spinalis anterior.

~Lymphbahnen~. Die im Innern des häutigen Labyrinthes befindliche

Endolymphe steht durch feine Röhrchen, welche vom Saccus

endolymphaticus (s. S. 487) ausgehen, mit den subduralen Lymphräumen

in Zusammenhang. Die perilymphatischen Räume (s. S. 487) stehen durch

ein durch den Aquaeductus cochleae verlaufendes Lymphgefäß, den

»Ductus perilymphaticus«, mit dem Subarachnoidealraum in Verbindung.

Blutgefäße und Nerven sind von ansehnlichen, perivaskulären und

perineuralen Lymphräumen umgeben, die wahrscheinlich ebenfalls mit dem

Subarachnoidealraum in Verbindung stehen.

Mittelohr.

Die ~Schleimhaut der Paukenhöhle~ ist innig mit dem darunter liegenden

Periost verwachsen. Sie besteht aus dünnem Bindegewebe und einem

einschichtigen, kubischen oder platten Epithel, das manchmal am Boden,

zuweilen auch in größeren Bezirken der Paukenhöhle, Flimmerhaare

trägt. Drüsen (kurze, 0,1 mm lange Schläuche) kommen nur spärlich

in der vorderen Hälfte der Paukenhöhle vor. Die ~Schleimhaut der

Ohrtrompete~ besteht aus fibrillärem (in der Nähe der Pharynxmündung

zahlreiche weiße Blutzellen enthaltendem) Bindegewebe und einem

geschichteten, zylindrischen Flimmerepithel; der durch die Flimmerhaare

erzeugte Strom ist gegen den Rachen gerichtet. Schleimdrüsen finden

sich besonders reichlich in der pharyngealen Hälfte der Tube. Der

Knorpel der Ohrtrompete ist da, wo er sich an die knöcherne Tube

anschließt, hyalin und hie und da mit Einlagerungen starrer (nicht

elastischer) Fasern versehen (vgl. S. 110); weiter vorn enthält

die Grundsubstanz des Knorpels dichte Netze elastischer Fasern. Die

~Blutgefäße~ bilden in der Paukenhöhlenschleimhaut ein weitmaschiges,

in der Tube ein engmaschiges, oberflächliches und ein tiefes, die

Schleimdrüsen umspinnendes Kapillarnetz. Die ~Lymphgefäße~ verlaufen in

der Paukenhöhle im Periost. Über die Endigungen der Nerven fehlen noch

genauere Angaben.

Äußeres Ohr.

Das ~Trommelfell~ besteht aus einer an elastischen Fasern reichen

Bindegewebsplatte (»Lamina propria«), deren Faserbündel an der

lateralwärts gekehrten Oberfläche radiär verlaufen und mit dem

Periost des Sulcus tympanicus zusammenhängen; an der der Paukenhöhle

zugekehrten Oberfläche sind die Faserbündel zirkulär angeordnet. Das

Trommelfell wird innen von der Paukenhöhlenschleimhaut, außen von der

Auskleidung des äußeren Gehörganges (äußere Haut) überzogen. Beide

Überzüge haften sehr fest an der Lamina propria, sind glatt und tragen

keine Papillen. Da, wo der Hammer dem Trommelfell anliegt, ist er mit

einem Überzuge hyalinen Knorpels versehen.

[Illustration: Fig. 390.

Aus einem senkrechten Schnitte durch die Haut des äußeren Gehörganges

eines neugeborenen Kindes. 50mal vergrößert. Der Ausführungsgang mündet

in den Haarbalg. Technik Nr. 201, S. 502.]

[Illustration: Fig. 391.

¡A¡ Ein Querschnitt des Knäuelkanales ebendaher. ¡B¡ Längsschnitt eines

Knäuelkanales aus dem Gehörgange eines 12jährigen Knaben. 240mal vergr.

Technik Nr. 201, S. 502.]

Der ~äußere Gehörgang~ wird, soweit er knorpelig ist, ferner in

der ganzen Länge seiner oberen Wand von einer dicken Fortsetzung

der äußeren Haut ausgekleidet, welche durch einen großen Reichtum

eigentümlicher Knäueldrüsen, den ~Glandulae ceruminosae~

(Ohrschmalzdrüsen), ausgezeichnet ist. Dieselben stimmen in

manchen Beziehungen mit den gewöhnlichen größeren Knäueldrüsen

(»Schweißdrüsen«) der Haut überein; sie besitzen wie diese einen mit

mehreren Lagen von Epithelzellen ausgekleideten Ausführungsgang und

die Kanäle des Knäuels selbst haben eine einfache Lage meist kubischer

Drüsenzellen, welchen glatte Muskelfasern und eine ansehnliche

Membrana propria außen anliegen (Fig. 391); sie unterscheiden sich

von den Schweißdrüsen dadurch, daß die Knäuelkanäle ein sehr großes

Lumen haben, das besonders bei Erwachsenen stark erweitert ist, daß

die Drüsenzellen viele Pigmentkörnchen und Fettröpfchen enthalten und

häufig einen deutlichen Kutikularsaum tragen. Die Ausführungsgänge sind

eng und münden bei Kindern in die Haarbälge, bei Erwachsenen dicht

neben den Haarbälgen auf die Oberfläche. Das ~Ohrschmalz~ (Zerumen)

ist ein Produkt der Haarbalgdrüsen und besteht aus Fettropfen,

fetterfüllten Zellen und Pigment, letzteres bildet sich wahrscheinlich

aus dem abgesonderten Fett; daß das wässerige Sekret der Glandulae

ceruminosae dabei eine Rolle spielt, ist nicht nachgewiesen. Im

(übrigen) Bereich des knöchernen äußeren Gehörganges ist die Haut nur

dünn und ohne Ohrschmalzdrüsen.

Der ~Knorpel~ des knorpeligen Gehörganges und der Ohrmuschel ist

elastischer Natur.

Die ~Gefäße~ und ~Nerven~ verhalten sich so wie in der äußeren Haut,

nur am Trommelfelle zeigen sie besondere Eigentümlichkeiten. Dort

steigt dicht hinter dem Hammergriffe eine ~Arterie~ herab, welche

sich in radiär verlaufende Äste auflöst; der Rückfluß erfolgt auf

zwei Wegen: 1. durch dem Hammergriff entlang laufende und 2. durch am

Trommelfellrande gelegene ~Venengeflechte~. Diese Gefäße liegen in dem

von der äußeren Haut gelieferten Überzuge des Trommelfelles. Auch der

Schleimhautüberzug des Trommelfelles ist mit einem dichten Kapillarnetz

versehen, welches am Trommelfellrande in durchbohrenden Ästchen mit dem

Hautgefäßnetze anastomosiert.

~Lymphgefäße~ finden sich vorzugsweise in der Hautschicht des

Trommelfelles.

Die ~Nerven~ bilden feine, unter beiden Überzügen verlaufende Geflechte.

~Technik.~

Grundbedingung ist genaue Kenntnis der makroskopischen Anatomie

des Labyrinthes. Die Schwierigkeiten, die Mißerfolge beruhen

zum guten Teile auf ungenauer Kenntnis der Anatomie des

knöchernen Labyrinthes. Zu Beginn der Präparation müssen alle

Teile, die lateral vom Promontorium liegen (Os tympanic. und

Gehörknöchelchen), entfernt werden, so daß dieses deutlich

vorliegt.

Nr. 196. ~Otolithen.~ Man meißle das Promontorium, vom oberen

Rande der Fenestra vestibuli angefangen bis zum unteren Rande

der Fenestra cochleae, weg. Dann erblickt man -- besonders

wenn man das Felsenbein unter Wasser betrachtet -- die weißen

Flecken (Maculae) im Sakkulus und Utrikulus. Man hebe nun

mit einer feinen Pinzette die Säckchen heraus und breite ein

Stückchen davon auf dem Objektträger in ~verdünntem~ Glyzerin

aus. Die Otolithen sind in großer Menge vorhanden, sind aber

sehr klein, so daß ihre Gestalt erst bei starken Vergrößerungen

(240mal) deutlich. erkennbar wird (Fig. 379). Man hüte sich, zu

dickes Glyzerin zu nehmen, in welchem die Otolithen vollkommen

unsichtbar werden.

Bei dem Herausheben der Säckchen ziehen sich nicht selten Stücke

der ~Bogengänge~ mit heraus, die man mit Pikrokarmin (S. 47)

färben und in verdünntem Glyzerin (S. 7) konservieren kann. Man

sieht nur das Epithel und hie und da an optischen Querschnitten

die feine Glashaut; das Bindegewebe ist sehr spärlich.

Nr. 197. ~Flächenpräparate der Schnecke~. Man erinnere sich,

daß die Basis der Schnecke im Grunde des inneren Gehörganges

liegt, und daß die Spitze gegen die Tube gekehrt ist, daß also

die Schneckenachse horizontal und quer zur Längsachse der

Felsenbeinpyramide steht.

Man meißle den freien Teil der Schnecke auf, d. h. man entferne

das Promontorium dicht vor der Fenestra cochleae, öffne die

Spitze der Schnecke und lege dann das von überflüssiger

Knochenmasse tunlichst befreite Präparat in 20 ccm 0,5%ige

Osmiumsäure (5 ccm 2%ige Osmiumsäure zu 15 ccm Aq. dest.). Nach

12-20 Stunden wässere man das Präparat ca. 1 Stunde lang aus

und bringe es dann in 200 ccm Müllersche Flüssigkeit (S. 15).

Nach 3-20 Tagen (oder später) breche man die Schnecke vollends

auf und betrachte sie nun unter Wasser. Man sieht da die Lamin.

spiral. ossea und membranacea als ein feines Blättchen, bzw.

Häutchen, an der Schneckenachse befestigt; nun breche man mit

einer feinen Pinzette ein Stückchen der Lamin. spiral. ossea ab,

hebe dasselbe nicht mit der Pinzette, sondern vorsichtig mit

Nadel und Spatel aus der Flüssigkeit und bringe es mit einigen

Tropfen verdünnten Glyzerins auf den Objektträger. Man tut gut,

den axialen Teil der Lamin. spiral. ossea auf dem Objektträger

mit Nadeln abzubrechen, da das verhältnismäßig dicke Knochenblatt

das Auflegen des Deckglases erschwert. Die vestibuläre Fläche der

Lamina muß nach oben gerichtet sein; man erkennt das daran, daß

bei hoher Einstellung des Tubus die Gehörzähne (Fig. 382) zuerst

sichtbar sind, während die anderen Teile erst beim Senken des

Tubus (bei tieferer Einstellung) deutlich werden. Bei schwacher

Vergrößerung sind anfangs nur die Interstitien der Gehörzähne als

dunkle Striche sichtbar (Fig. 384. Lab. vestib.), die Papillen

sind auch bei starken Vergrößerungen nicht sofort zu erkennen,

sondern werden erst am zweiten oder dritten Tage deutlich. Die

Hauptschwierigkeit liegt nicht in der Anfertigung, sondern in

der richtigen Beobachtung des Präparates; bei der geringsten

Tubushebung bzw. Senkung ändert sich sofort das Bild. In Fig.

385¡B¡ ist in schematischer Weise die Lamin. spiral. membr.

von oben her betrachtet in ~hoher~ Einstellung gezeichnet, man

sieht also nur die freie Oberfläche der in ¡A¡ von der Seite

gezeichneten Gebilde. Es leuchtet ein, daß bei einer Senkung des

Tubus z. B. nicht mehr die Kopfplatten der Pfeilerzellen, sondern

deren Körper (als Kreise im optischen Querschnitt) sichtbar sein

werden, ebenso verschwindet die Membr. reticularis, die nur bei

ganz hoher Einstellung sichtbar ist, usw. Man kann noch färben

mit Pikrokarmin (S. 47) und konservieren in verdünntem Glyzerin.

Vorstehende Angaben beziehen sich auf das Gehörorgan des Menschen

(Kinderlabyrinthe sind zu empfehlen) und der Katze.

Nr. 198. ~Um Schnitte durch die knöcherne und häutige~ Schnecke

anzufertigen, meißle man die Schnecke eines Kindes[128] aus dem

Labyrinth. Die kompakte Knochensubstanz der Schnecke ist von so

weicher, schwammiger Knochensubstanz umgeben, daß sich letztere

auch mit einem starken Federmesser entfernen läßt; hat man so

im Groben die Form der Schnecke hergestellt, so lege man mit

einem Meißel an 2-3 Stellen der Schnecke kleine, ca. 1 qmm große

Öffnungen an, um das Eindringen der Fixierungsflüssigkeit zu

erleichtern. Dann bringe man die Schnecke in 30 ccm Hermannsche

Lösung:

1%ige wässerige Platinchloridlösung 60 ccm

2%ige " Osmiumlösung 8 ccm

Eisessig 4 ccm

Nach 48 Stunden wird das Objekt herausgenommen, in Methylalkohol

kurz (einige Sekunden) abgespült, auf 12-24 Stunden in rohen

Holzessig übertragen und dann in ca. 60 ccm allmählich

verstärktem Alkohol (S. 17) gehärtet. Nach vollendeter Härtung

wird die Schnecke in konzentrierter wässeriger oder noch besser

in alkoholischer Pikrinsäurelösung entkalkt. Nach vollendeter

Entkalkung (S. 18) wird das Objekt nochmals in 50%igem,

dann in 70%igem Alkohol gehärtet und nach etwa 8 Tagen, in

Zelloidin eingebettet, geschnitten. Die Schnitte müssen die

Achse der Schnecke der Länge nach enthalten und werden in

Xylolbalsam konserviert (S. 45). Es ist nicht sehr schwer,

Übersichtspräparate zu erhalten. Die Membr. vestibularis ist oft

eingerissen, so daß Ductus cochlearis und Scala vestibuli einen

gemeinsamen Raum bilden. Das Spiralorgan läßt meist zu wünschen

übrig; nur feine Schnitte, welche das Organ senkrecht getroffen

haben, geben völlig klare Bilder; meist enthält ein Schnitt

mehrere innere und äußere Pfeiler, zum Teil nur Bruchstücke

solcher; die Hensenschen Zellen sehen blasig gequollen aus (Fig.

387), so daß die Orientierung dem Anfänger viele Schwierigkeiten

bereitet.

Nr. 199. ~Für Nerven der Maculae, Cristae und der Schnecke~

ist die Behandlung neugeborener bis 10 Tage alter Mäuse nach

der S. 36, _{8} angegebenen, ferner die S. 39 zitierte Methode

Bielschowskys zu empfehlen. Die Schädelbasis wird nach Entfernung

von Schädeldach, Gehirn und Unterkiefer auf 3-4 Tage in die

osmiobichromische Mischung und 2 Tage in die Silberlösung

gelegt. Meist führt erst die »doppelte Methode« (S. 37) zum

Ziel. Man mache durch den unentkalkten Schädel Horizontal- und

Frontalschnitte. Erstere sind bequemer anzufertigen.

Nr. 200. Um ~Querschnitte der Ohrtrompete~ (Knorpel und

Schleimhaut) zu erhalten, orientiere man sich zunächst über die

schräg median vor- und abwärts gerichtete Stellung der Tube. Man

schneide die ganze pharyngeale Abteilung der Tube samt umgebenden

Muskeln heraus, fixiere und behandle das Stück weiter nach Nr.

110, S. 289.

Nr. 201. ~Ohrschmalzdrüsen~. Man schneide das Ohr mit dem

knorpeligen Gehörgange dicht am knöchernen Gehörgange ab,

schneide vom knorpeligen Gehörgange ca. 1 qcm große Stücke

aus, die man in ca. 30 ccm absoluten Alkohol einlegt. Schon am

nächsten Tage kann man Schnitte anfertigen, die ziemlich dick

(-0,5 mm) sein müssen, wenn man Knäuel und Ausführungsgang

zusammen treffen will (Fig. 390). Kernfärbung mit Hansenschem

Hämatoxylin (S. 32). Man betrachte auch feinere, ungefärbte

Schnitte in verdünntem Glyzerin; hier kann man die Fett- und

Pigmentkörnchen sehen. Ganz besonders sind Präparate neugeborener

Kinder zu empfehlen; bei Erwachsenen sind die Kanäle stark

erweitert und geben keine schönen Übersichtsbilder. Dagegen

sieht man bei älteren Kindern und Erwachsenen die Kutikula der

Drüsenzellen gut, die ich bei Neugeborenen vermisse (vgl. Fig.

391).

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 166 / 286 题