[Illustration: Fig. 353.
Stück der Fig. 351¡B¡. 200mal vergrößert. Der Epithelstrang ist nur
scheinbar länger als derjenige der Fig. 352, weil das Haar in größerer
Länge zugrunde gegangen ist (vgl. Fig. 351¡B¡).]
Drüsen der Haut.
Die ~Haarbalgdrüsen~ (Talgdrüsen, Glandul. sebaceae) sind entweder
unverästelte oder verästelte alveoläre Einzeldrüsen. Wir unterscheiden
einen kurzen Ausführungsgang (Fig. 354¡A a¡) und den von einer
verschieden großen Anzahl von Säckchen (¡t¡) gebildeten Drüsenkörper.
Der ~Ausführungsgang~ wird von einer Fortsetzung der äußeren
Wurzelscheide, also von geschichtetem Plattenepithel ausgekleidet,
welches unter allmählicher Verminderung seiner Lagen in das
Drüsenepithel übergeht. Dieses besteht zu äußerst aus niedrigen,
kubischen Zellen; nach innen davon liegen größere, rundliche Zellen
in allen Stadien der Verfettung; dabei geht ihr Kern zugrunde (Fig.
354¡B¡). Die völlig verfetteten Zellen werden zum Sekret, dem
~Hauttalg~ (Sebum), einem im Leben halbflüssigen Stoff, der aus Fett
und zerfallenen Zellen besteht. Während die Talgdrüsen der gröberen
Haare als Anhänge der Haarbälge auftreten (Fig. 334), waltet bei den
Wollhaaren das umgekehrte Verhältnis, indem nämlich die Wollhaarbälge
wie Anhänge der mächtig entwickelten Talgdrüsen erscheinen (Fig.
354¡A¡). Mit den Haaren sind die Talgdrüsen über den ganzen Körper
verbreitet und fehlen nur, wie jene, am Handteller und an der Fußsohle.
Indessen gibt es auch Talgdrüsen, die mit keinem Haarbalge verbunden
sind, z. B. am roten Lippenrande, an den Labia minora, an Glans und
Praeputium penis, an welch letzterem Orte sie unter dem Namen der
~Glandulae praeputiales~ bekannt sind.
[Illustration: Fig. 354.
¡A¡ Aus einem vertikalen Schnitte durch den Nasenflügel eines Kindes.
40mal vergrößert. C Stratum corneum. ¡M¡ Stratum germinativum, ¡t¡ aus
4 Säckchen bestehende Talgdrüse, ¡a¡ Ausführungsgang derselben, ¡w¡
Wollhaar im Ausfallen begriffen, h Haarbalg desselben, an der Basis zur
Bildung eines neuen Haares ansetzend ×.
¡B¡ Aus einem vertikalen Schnitte der Nasenflügelhaut eines
neugeborenen Kindes. 240mal vergrößert. Säckchen einer Talgdrüse.
Drüsenzellen in verschiedenen Stadien der Sekretbildung enthaltend.
Technik Nr. 174, S. 451.]
Dieselben können oft gänzlich fehlen; ihre Benennung als
»Tysonsche Drüsen« ist nicht berechtigt, weil Tyson damit
regelmäßig vorhandene Einsenkungen des Oberflächenepithels,
Krypten, bezeichnet, die, 1/2-1 cm lang, meist in der Form einer
flachen Tasche in der Nähe des Frenulum praeputii vorkommen. An
Glans und Praeputium clitoridis fehlen sowohl Präputialdrüsen,
wie Krypten. Bei Feten ist die Innenfläche des Präputium und die
Oberfläche der Glans durch eine solide Epithelmasse verbunden,
die sich oft erst nach der Geburt unter Bildung konzentrisch
geschichteter Epithelperlen löst.
Die Talgdrüsen sind stets in den oberflächlichen Schichten des
Korium, im Stratum papillare, gelegen. Ihre Größe schwankt von 0,2 mm
bis zu 2,2 mm; letztere finden sich in der Haut der Nase, wo ihre
Ausführungsgänge schon mit unbewaffnetem Auge sichtbar sind.
Die ~Knäuel~-(Schweiß-)~drüsen~ (Glandul. sudoriparae) sind lange,
unverästelte Röhren, die an ihrem unteren Ende zu einem rundlichen
Knäuel von 0,3-7 mm (in der Achselhöhle) Durchmesser zusammengeballt
sind. Wir unterscheiden den Ausführungsgang (Fig. 329) vom Knäuel. Der
~Ausführungsgang~ verläuft gerade oder geschlängelt durch das Korium,
tritt zwischen zwei Papillen in die Epidermis, in welcher er bei dickem
Stratum corneum spiralig gewunden ist, und mündet mit einem rundlichen,
mit unbewaffnetem Auge eben noch sichtbaren Lumen, der ~Schweißpore~,
auf die Hautoberfläche. Die Wandung des Ausführungsganges besteht
aus einer mehrfachen Schicht kubischer mit einer Kutikula versehener
Zellen, die nach außen von einer feinen Membrana propria und von
längsverlaufenden Bindegewebsbündeln überzogen werden. Der ~Knäuel~
ist ein einziges, nur an zirkumanalen und axillaren Schweißdrüsen
gelegentlich verästeltes, vielfach gewundenes Rohr, dessen Wand von
einer etwas stärkeren Membrana propria, von längsverlaufenden, glatten
Muskelfasern und von einer einfachen Lage von Drüsenzellen gebildet
wird.
[Illustration: Fig. 355.
Knäueldrüsenstücke. Aus einem Schnitte durch die Haut ¡A B C D¡ der
Achselhöhle, ¡E¡ der Fingerbeere eines 23jährigen Mannes. 230mal
vergrößert. ¡E¡ ist kein reiner Querschnitt, der obere Teil ist, wie
die runde Form zweier Kerne zeigt, schräg getroffen. Technik wie
Nr. 171, S. 451.]
Die nie in geschlossener Lage sich findenden Muskelfasern sind
die Fortsetzung der tiefen Zellenschicht des Ausführungsganges,
also ektodermaler Abkunft. Sie kommen reichlicher an den größeren
Knäueldrüsen vor.
Die Drüsenzellen sind nach dem Grade ihrer Sekretfüllung niedrig
kubisch bis hoch zylindrisch, ihre freie Oberfläche ist mit einem
schmalen Saum versehen; die sekretgefüllten Zellen enthalten Körnchen
verschiedener Natur (Sekretvorstufen und Fett-, auch zuweilen
Pigmentkörnchen), auch binnen- und zwischenzellige Sekretkanälchen
finden sich hier. Das Sekret ist gewöhnlich eine fettige, zum Einölen
der Haut bestimmte Flüssigkeit; nur unter dem Einflusse veränderter
Innervation kommt es in den Knäueldrüsen zur Absonderung jener
wässerigen Flüssigkeit, die wir Schweiß nennen; eine Zerstörung
der Drüsenzellen findet weder bei dem einen, noch bei dem anderen
Sekretionsmodus statt. Die Knäueldrüsen sind über die ganze Oberfläche
der Haut verbreitet und fehlen nur an der Glans penis und an der
Innenfläche der Vorhaut. Am reichlichsten sind sie an Handteller und
Fußsohle zu finden.
[Illustration: Fig. 356.
Stück eines senkrechten Schnittes der injizierten Haut der menschlichen
Fußsohle. 16mal vergrößert. Technik Nr. 175, S. 452. Die größeren Venen
sind nicht ganz mit Injektionsmasse gefüllt.]
Die Blutgefäße, Lymphgefäße und Nerven der Haut.
Die ~Arterien~ der Haut entspringen aus einem über den Faszien
gelegenen Netze und ziehen, sich verästelnd, gegen die Oberfläche der
Haut empor. Diese Verästlungen anastomosieren miteinander und mit
solchen benachbarter Arterien und bilden so ein in der unteren Schicht
der Lederhaut gelegenes Flächennetz, das ~kutane~ Netz. Die zur Haut
führenden Arterien sind also keine Endarterien (s. S. 337). Von diesem
Netz aus werden zwei Kapillargebiete versorgt; das tiefere ist für das
Fettgewebe bestimmt (Fig. 356), das oberflächlichere tritt in Form
von korbartig die Knäueldrüsen umspinnenden Geflechten auf. Aus dem
kutanen Netze steigen Zweige auf, die im oberen Drittel des Korium
anastomosierend ein zweites Flächennetz darstellen, das ~subpapilläre
Netz~; aus diesem entspringen feinste Zweige, welche eine kurze Strecke
in der Richtung der Papillarreihen verlaufen und Ästchen in diese
schicken. Diese kleinsten Zweige anastomosieren nicht miteinander,
sind also Endarterien. Aus dem subpapillären Netz gehen auch die
für Haarbälge und Talgdrüsen bestimmten Ästchen hervor. Das aus den
kapillaren Gefäßen der Papillen, der Haarbälge und der Talgdrüsen
zurückkehrende Blut wird von ~Venen~ aufgenommen, die ein dicht unter
den Papillen gelegenes Flächennetz bilden und nach abwärts zuweilen mit
einem zweiten, dem ersten ganz nahe gelegenen Flächennetze verbunden
sind. Von da führen neben den Arterien herabsteigende Venenstämmchen
zu einem dritten, in der unteren Koriumhälfte gelegenen Netze, welches
nicht so flächenhaft ausgebreitet ist, wie seine Vorgänger. Dieses
Netz nimmt die von den Schweißdrüsen und dann die von den Fettläppchen
herkommenden Venen auf. Bemerkenswert ist noch, daß von den Venen
der Schweißdrüsen ein oder zwei Äste längs des Ausführungsganges zum
venösen Netze des Stratum papillare ziehen, und daß die Haarpapille ein
selbständiges arterielles Ästchen erhält. Von dem dritten Venennetze
führen stärkere Venen bis zur unteren Hautgrenze, wo sich ein viertes,
der Fläche nach ausgebreitetes, »subkutanes« Venennetz findet, aus
dem größere Stämmchen in das subkutane Gewebe selbst abbiegen, die
sich dann zu den großen, zum Teil mit besonderen Namen versehenen,
subkutanen Venen verbinden.
Die ~Lymphgefäße~ bilden zwei kapillare Flächennetze, von denen das
aus feineren Röhrchen und engeren Maschen bestehende in dem Stratum
papillare corii unterhalb des Blutgefäßnetzes liegt, das andere,
weitmaschigere im Stratum subcutaneum seinen Sitz hat. Auch in der
Umgebung der Haarbälge, der Talg- und der Knäueldrüsen befinden sich
besondere Lymphkapillarnetze.
Die (an der Handfläche und an der Fußsohle sehr reichlich vorhandenen)
markhaltigen ~Nerven~ bilden im tiefsten Abschnitt des Stratum
subcutaneum ein weitmaschiges Geflecht. Seine nach oben abgehenden
Äste bilden weitere Geflechte, deren oberflächlichstes, in der Nähe
der Papillenbasen gelegenes, in Faserbündel und einzelne Fasern
zerfällt, die zu allen Papillen und Leistchen aufsteigen. Von
allen Geflechten werden marklose Fasern zu den Blutgefäßen und den
Knäueldrüsen, und markhaltige Fasern zu den verschiedenen Endapparaten
und zur freien (marklosen) Endigung (S. 263) abgegeben. Auch an die
Haare treten markhaltige Nervenfasern, welche bis unterhalb der
Einmündungsstelle der Haarbalgdrüsen verlaufen; hier teilen sie sich,
verlieren ihr Mark und enden als nackte, meist längsverlaufende
Achsenzylinder mit löffelförmiger Verbreiterung ~auf~ der Glashaut
(epilemmale Nervenendigung); bei den Tasthaaren (Sinushaaren) der
Tiere entspringen von diesen Nerven feine Zweige, welche durch die
Glashaut des Haarbalges bis in die äußere Wurzelscheide treten
und dort in Tastmenisken enden (S. 264). Die Haarpapille besitzt
keine Nerven. Das Korium des Nagelbettes ist außerordentlich reich
an markhaltigen Nervenfasern, deren marklose Endverästlungen in
den tieferen Lagen in Golgi-Mazzonischen Körperchen (S. 266) und
knäuelförmig zusammengeballten Geflechten, in den oberflächlichen,
unter den Leistchen gelegenen Schichten ebenfalls in Knäueln oder
in Netzen und Fadenschlingen enden. Andere Nervenendapparate,
z. B. Lamellenkörperchen, Tastzellen und Tastkörperchen fehlen im
Nagelbett. Die Nerven der Knäueldrüsen verhalten sich ähnlich denen der
Mundhöhlendrüsen (S. 301).
Besondere Sinnesorgane sind die von Pinkus entdeckten
~Haarscheiben~, kleine, rundliche, mit unbewaffnetem Auge beim
lebenden Menschen eben sichtbare Gebilde, die sich stets in
nächster Nähe der Haare befinden und reich an Nerven sind. Sie
sind auf mikroskopischen Einzelschnitten weniger leicht als auf
Modellen nach Schnittserien zu studieren.
Anhang.
Milchdrüsen.
Die Milchdrüsen, ein Konvolut tubulo-alveolärer zusammengesetzter
Drüsen, bestehen bei Kindern beiderlei Geschlechts vorzugsweise
aus Bindegewebe, welches die verästelten, an ihren Enden kolbig
angeschwollenen Drüsenausführungsgänge einschließt. Endstücke fehlen.
Ebenso verhält sich die Brustdrüse des erwachsenen Mannes.
Beim erwachsenen Weibe sind die Milchdrüsen bis zum Eintritte der
Schwangerschaft scheibenförmige Körper, die vorwiegend aus Bindegewebe
und aus den Drüsenausführungsgängen bestehen. Endstücke sind nur
in beschränkter Anzahl an den feinsten Enden der Ausführungsgänge
vorhanden.
Zur Zeit der Schwangerschaft und des Stillens bestehen die Milchdrüsen
aus 15-20 Drüsen, welche durch lockeres, fettzellenhaltiges Bindegewebe
zu einem gemeinschaftlichen Körper verbunden werden. Jede dieser Drüsen
hat einen eigenen, auf der Brustwarze mündenden Ausführungsgang,
der kurz vor seiner Mündung mit einer ansehnlichen, spindelförmigen
Erweiterung, dem ~Milchsäckchen~ (Sinus lactiferus), versehen ist und
durch baumförmige Verästelungen mit den Endstücken zusammenhängt.
Letztere bilden, dicht beieinander liegend, durch Bindegewebe umfaßte,
kleine Läppchen.
Was den feineren Bau betrifft, so bestehen die Ausführungsgänge aus
einem zylindrischen Epithel, dem nach außen eine Membrana propria und
meist zirkulär verlaufende Bindegewebsbündel folgen. Die Endstücke
verhalten sich verschieden zur Zeit der Schwangerschaft und zur Zeit
der Laktation. In der Schwangerschaft sind die Endstücke mit einem
einfachen, kubischen oder etwas abgeplatteten Epithel ausgekleidet,
das vom 7.-8. Monat an Sekret- und Fettropfen enthält; ihr Lumen
enthält weiße Blutzellen, die aus dem unterliegenden interstitiellen
Bindegewebe durch das Epithel eingewandert sind. Ein Teil dieser
Leukozyten zerfällt (ihr Kern ist gelappt, oft in mehrere Stücke
geteilt), ein anderer Teil nimmt von den Drüsenzellen geliefertes
Fett, entweder gelöst oder (durch Phagozytose) in Tropfenform auf und
wächst zu ansehnlichen Körpern, den ~Kolostrumkörperchen~ heran (Fig.
360). Korbzellen (S. 85) und eine zarte Membrana propria trennen die
Endstücke vom interstitiellen Bindegewebe, das nicht nur reich an
Lymphozyten ist, sondern auch viele eosinophile Zellen (S. 95) enthält.
Nach der Geburt sind die Drüsenzellen größer, mit färbbaren Körnchen
(Vorstufen des Sekrets?) und Fettropfen gefüllt, welch letztere meist
an der dem Drüsenlumen zugekehrten Seite der Zellen liegen (Fig. 358)
und oft größer als die Zellkerne sind.
[Illustration: Fig. 357.
Stück eines Schnittes durch die Milchdrüse einer stillenden Frau. 50mal
vergrößert. Technik Nr. 177, S. 452.]
[Illustration: Fig. 358.
Aus einem Schnitt durch eine Milchdrüse einer stillenden Frau. 250mal
vergrößert. Technik Nr. 177, S. 452.]
Ist das Säugegeschäft ein paar Tage im Gange, dann erscheinen die
Drüsenzellen teils platt (sekretleere Zellen), teils als hohe Zylinder,
die mit einer zuweilen gelappten Kuppe gegen das Lumen ragen; beide
Formen sind durch Übergänge miteinander verbunden und enthalten (die
hohen Zellen häufiger) zwei Kerne. Beide Formen enthalten Fettropfen;
diese sind nicht wie bei den Talgdrüsen das Produkt einer fettigen
~Degeneration~ der Zelle, sondern das Produkt eines Sekretionsaktes
des Zytoplasmas, den die Zelle mehrfach wiederholt und bei dem sie
nicht zugrunde geht. Kolostrumkörperchen und weiße Blutzellen sind
jetzt spärlicher, auch das stark reduzierte interstitielle Bindegewebe
enthält nur äußerst wenige Lymphozyten und eosinophile Zellen.
[Illustration: Fig. 359.
Stück eines dicken Schnittes durch die Milchdrüse einer Frau, die vor
2 Jahren zum letztenmal geboren hat. 50mal vergrößert. 1. grober, 2.
feiner Ausführungsgang. 3. Drüsenläppchen durch Bindegewebe voneinander
getrennt. Technik Nr. 176, S. 452.]
[Illustration: Fig. 360.
¡A¡ Milchkügelchen aus der Milch einer Stillenden. 560mal vergrößert.
Technik Nr. 178. ¡B¡ Elemente des Kolostrum einer Schwangeren. 560mal
vergrößert. 1. ungefärbte Fettröpfchen enthaltende Zelle, 2. gefärbte
kleine Fettröpfchen enthaltende Zelle, 3. Leukozyt, 4. Milchkügelchen.
Technik Nr. 179, S. 452.]
Das Drüsenlumen soll außer den Fettropfen (»Milchkügelchen«)
freie Kerne in geringer Menge, die von den Drüsenzellen
ausgestoßen werden, enthalten. Diese Kerne gehen durch Auflösung
(S. 71) zugrunde und sollen den Nukleingehalt der Milch bedingen.
Kernteilungen durch Mitose kommen wohl in der Mamma Schwangerer,
nicht aber in der funktionierenden Milchdrüse vor; man nimmt an,
daß diese Kerne hier durch Amitose (S. 68) geliefert werden, es
ist aber auch möglich, daß sie degenerierenden, weißen Blutzellen
angehören. Auch als Kunstprodukte sind diese freien Kerne
verdächtigt worden.
Ist das Säugegeschäft beendet, so findet eine allmähliche Rückbildung
statt, die sich zunächst durch reichliche Entwicklung des zwischen
den Drüsenläppchen gelegenen Bindegewebes äußert (Fig. 359). Auch
weiße Blutzellen treten wieder auf, die sich in ganz gleicher Weise
verhalten, wie zur Schwangerschaftsperiode, also Kolostrumkörperchen
usw. werden; sie erscheinen in größerer Menge also stets, wenn
Milchstauung vorhanden ist. Die Läppchen werden kleiner, die Endstücke
beginnen zu schwinden. Bei älteren Personen sind alle Endstücke und
Läppchen verschwunden und nur mehr die Ausführungsgänge vorhanden.
Die Haut der ~Brustwarze~ und des ~Warzenhofes~ besitzt zahlreiche
Talg- und Knäueldrüsen -- auch einzelne rudimentäre Haare kommen
vor -- und ist durch starke Pigmentierung -- Pigmentkörnchen in den
tiefsten Schichten der Epidermis --, durch hohe Papillen und durch
glatte Muskelfasern ausgezeichnet, welch letztere teils zirkulär um
die Mündungen der Ausführungsgänge, teils senkrecht zur Warzenspitze
aufsteigend angeordnet sind. In der Haut des Warzenhofes finden sich
die ~Gland. areolares~ (Montgomery), die den Milchdrüsen gleichen,
sowohl was das Verhalten des Ausführungsganges -- es ist ein Sinus
lactiferus (S. 447) vorhanden -- als den feineren Bau der Endstücke
betrifft. Ihre trichterförmige, oft mehreren Drüsen gemeinschaftliche
Mündung ist von großen Talgdrüsen umgeben und schließt sich nicht
selten an einen feinen Haarbalg oder den Rest eines solchen an. Die
Gland. areolares sind als Bindeglieder zwischen Knäuel- und Milchdrüsen
zu betrachten, welch letztere Umbildungen von Knäuel- und nicht von
Talgdrüsen darstellen.
Die ~Blutgefäße~ treten von allen Seiten an die Milchdrüse heran und
bilden ein die Tubuli umspinnendes Kapillarnetz. Die ~Lymphgefäße~
bilden zwischen und in den Drüsenläppchen kapillare Netze. Auch
in der Umgebung der Milchsäckchen und im Warzenhofe finden sich
Lymphgefäßnetze. Die ~Nerven~ sind zum Teil Gefäßnerven, zum Teil
verhalten sie sich wie an den Mundhöhlendrüsen (S. 301).
Die ~Milch~ besteht mikroskopisch aus einer klaren Flüssigkeit, in
welcher 2-5 µ große Fettröpfchen, die ~Milchkügelchen~ suspendiert
sind. Außerdem finden sich vereinzelte, Fettröpfchen einschließende
Zellen (weiße Blutzellen) in der Milch.
Etwas anders sehen die Elemente der vor und in den ersten Tagen
nach der Geburt abgesonderten Milch aus. Hier finden sich außer
den Milchkügelchen die ~Kolostrumkörperchen~, einen runden Kern
enthaltende, weiße Blutzellen, welche teils kleine, gelblich gefärbte,
teils größere, ungefärbte Fettröpfchen, teils nur ungefärbte
Fettröpfchen enthalten.
Die »~Hexenmilch~«, welche sich aus den hohlwerdenden Drüsengängen
der Neugeborenen herausdrücken läßt, ist eine dem Kolostrum ähnliche
Flüssigkeit.
~Technik.~
Nr. 166. ~Schichten der Haut~, ~Knäueldrüsen~. Man schneide von
der möglichst frischen Haut der Fingerbeere oder des Handtellers
oder der Fußsohle Stückchen (von 1-2 cm Seite) mitsamt einer
dünnen Schicht des darunter liegenden Fettes aus und lege
sie in ca. 30 ccm absoluten Alkohol. Will man das Einrollen
vermeiden, so stecke man die Stückchen auf kleine Korktafeln, die
Epidermisseite gegen die Korkfläche gekehrt, und lege das Ganze
in absoluten Alkohol. Am nächsten Tage nehme man die Stückchen
von den Korkplatten und lege sie auf 3-4 Wochen in 50 ccm 90%igen
Alkohol, Zelloidineinbettung (S. 23). Man mache feinere und
dickere Schnitte, die am besten die Leistchen genau quer treffen.
Letztere sind unerläßlich, wenn man die Ausführungsgänge der
Knäueldrüsen in ihrer ganzen Länge erhalten will (Fig. 329).
Färben mit Hämatoxylin-Eosin (S. 41) oder mit Resorzin-Fuchsin
(S. 35) zur Darstellung der elastischen Fasern.
Zur Sichtbarmachung des Stratum granulosum ist Durchfärben
mit Boraxkarmin (2-3 Tage) (S. 34) zu empfehlen; die Körnchen
dieses Stratum sind dann intensiv rot gefärbt (Fig. 331).
Für Epithelfaserung siehe Unna: Eine neue Darstellung der
Epithelfasern usw. Monatsschr. f. prakt. Dermatologie 1903.
Nr. 167. Hübsche Präparate der Unterfläche der ~Epidermis~ erhält
man durch Fixieren von Epidermisfetzen des Fußrückens, die sich
an injizierten Präpariersaalleichen häufig ablösen lassen, in
30 ccm absol. Alkohol und 2 Min. langem Färben in Hansenschem
Hämatoxylin usw. (S. 32) (Fig. 330).
Nr. 168. Für ~Nagelpräparate~ behandle man das letzte Fingerglied
von 8-12jährigen Kindern, bei Erwachsenen dasjenige des kleinen
Fingers (womöglich von Frauen), nach Nr. 110, S. 289. Entkalken!
Die Substanz des Nagels zeigt oft verschieden gefärbte Schichten.
An Nägeln von älteren Leichen löst sich oft die Keimschicht von
den Leistchen.
Nr. 169. ~Nagelelemente~ erhält man, wenn man ein 1-2 mm breites
Stückchen des abgeschnittenen Nagels in einem Reagenzgläschen
mit ca. 5 ccm konzentrierter Kalilauge über der Flamme bis zu
einmaligem Aufwallen erhitzt. Man übertrage dann den Nagel mit
einem Tropfen der Lauge auf den Objektträger und schabe etwas
von der weich gewordenen Oberfläche desselben ab. Deckglas! Bei
starker Vergrößerung findet man Zellen, wie sie Fig. 333 zeigt.
Zum Vergleich untersuche man die verhornten Zellen des Stratum
corneum, welche man durch leichtes Abschaben der Fingerbeere
mit einem steil aufgesetzten Skalpell erhält. Man betrachte die
polygonalen Schüppchen in einem Tropfen destillierten Wassers mit
starker Vergrößerung.
Nr. 170. ~Haare~ lege man in einem Tropfen Kochsalzlösung auf
einen Objektträger und betrachte sie mit schwachen und starken
Vergrößerungen. Am besten sind weiße Haare und Barthaare.
Die Haarkutikula des Menschen ist sehr fein und läßt die
dachziegelartige Zeichnung oft nur sehr unvollkommen erkennen;
meist sind nur feingewellte Linien sichtbar. Viele tierische
Haare zeigen dagegen die Kutikula sehr schön, z. B. Schafwolle.
Nr. 171. Zu Studien über ~Haar~ und ~Haarbalg~ behandle man
Stückchen (von 2-3 cm Seite) der möglichst frischen Kopfhaut nach
Nr. 110, S. 289. Längsschnitte des ganzen in der Haut steckenden
Haarteiles sind sehr schwer anzufertigen. Man orientiere sich
zuerst makroskopisch über die Richtung der Haare. Leichter ist
es, Querschnitte zu erzielen; man muß nur darauf achten, genau
~senkrecht zur Längsrichtung der Haare~, nicht parallel der
Oberfläche der Haut zu schneiden. Man erhält dann auf ~einem~
Schnitte Durchschnitte in verschiedenen Höhen der Haare und
Haarbälge. Besonders schön sind die Stellen, an denen die
Haarbälge nahe über dem Bulbus durchschnitten sind (Fig. 336).
Nr. 172. Für ~Haarentwicklung~ schneide man Stücke (von ca. 2 cm
Seite) der Stirnhaut (nicht der behaarten Kopfhaut) eines 5-6
Monate alten, menschlichen Fetus aus, spanne sie auf (Nr. 166),
behandle sie nach Nr. 110, S. 289. Durchfärben der Stücke mit
Boraxkarmin (S. 34) ist zu empfehlen. Man suche möglichst genau
in der Richtung der Haarbälge zu schneiden, was viel leichter
gelingt als bei der Kopfhaut Erwachsener. Die Schnitte zeigen
alle Entwicklungsstadien.
Nr. 173. Für ~Haarwechsel~ liefern Längsschnitte des Nasenrückens
7-1/2monatiger Feten herrliche Bilder. Behandlung wie Nr. 172.
Auch senkrechte Durchschnitte der Kopfhaut Neugeborener liefern
oft gute Bilder.
Nr. 174. ~Talgdrüsen.~ Man behandle Nasenflügel neugeborener
Kinder nach Nr. 110, S. 289. Längs des Nasenrückens geführte
Schnitte treffen öfters Talgdrüse und Haarbalg zugleich,
nur müssen die Schnitte genau senkrecht geführt sein.
Nasenflügel Erwachsener geben wegen der sehr großen, mit
weiten Ausführungsgängen versehenen Talgdrüsen keine schönen
mikroskopischen Bilder. Kleine Talgdrüsen mit Haarbälgen sieht
man mit unbewaffnetem Auge beim Abziehen mazerierter Epidermis
von älteren Leichen.
Nr. 175. ~Blutgefäße der Haut.~ Man injiziere von der Art.
ulnaris (bzw. A. tibial. postic.) aus mit Berliner Blau eine
ganze Hand (bzw. einen Fuß) eines Kindes, fixiere sie in 1-2
Liter Müllerscher Flüssigkeit (S. 15), schneide nach einigen
Tagen Stücke (von 2-3 cm Seite) des Handtellers (bzw. der Sohle)
aus, welche man 2-4 Wochen in ca. 100-200 ccm Müllerscher
Flüssigkeit fixiert (usw. 6, S. 15). Einbetten in Zelloidin,
Paraffin oder Freihandschnitte. Es müssen mindestens 30-40 µ
dicke Schnitte angefertigt werden, die man in Alaun- oder
Lithionkarmin nachfärbt. Die Papillen sind an solchen Schnitten
oft nur an den Kapillarschlingen kenntlich. Dem Ungeübten scheint
es, als ob die Schlingen sich bis in die Keimschicht hinein
erstreckten.
Nr. 176. ~Zu Übersichtspräparaten der Milchdrüse~ fixiere und
härte man die Brustwarze und einen Teil (von 3-4 cm Seite) der
Drüse in 60-100 ccm absolutem Alkohol. Womöglich nehme man Drüsen
von Individuen, die vor nicht zu langer Zeit geboren haben,
ferner jungfräuliche Drüsen usw. Weiterbehandeln nach Nr. 110, S.
289.
Nr. 177. Für den ~feineren Bau der Milchdrüse~ lege man
lebenswarme Stückchen der Milchdrüse (von 3-5 mm Seite)
eines trächtigen oder säugenden Tieres in 5 ccm der
Chromosmium-Essigsäure (Weiterbehandlung Nr. 12, S. 17). Die
~sehr feinen~ Schnitte färbe man mit Saffranin (usw. S. 33). Die
Bilder sind wegen der kleinen Drüsenzellen (beim Kaninchen) oft
schwer verständlich.
Nr. 178. ~Elemente der Milch.~ Man bringe einen Tropfen
Kochsalzlösung auf einen reinen Objektträger, fange mit einem
auf die Brustwarze einer Stillenden aufgelegten Deckglas einen
Tropfen herausgedrückter Milch auf und setze das Deckglas auf die
Kochsalzlösung. Starke Vergrößerung (Fig. 360¡A¡).
Nr. 179. ~Elemente des Kolostrum.~ Man verfahre wie bei Nr. 178
an der Brust einer Schwangeren, vor der Geburt. Man vermeide auf
das Deckglas zu drücken. Die Kerne der Kolostrumkörperchen sind
selten ohne weiteres deutlich zu sehen; auf Zusatz eines Tropfens
Pikrokarmin (S. 47) erscheinen sie als einfache, runde, mattrote
Flecke.