Fig. 342-345. Senkrechte Schnitte der Haut eines 5monatigen menschl.
Fetus. 200mal vergrößert. Technik Nr. 172, S. 451.]
Die der Papille zunächst liegenden Epithelzellen des Bulbuszapfens
entwickeln sich zum ~Haarkegel~ (Fig. 347), während die übrigen
Epithelzellen zur äußeren Wurzelscheide werden. Der Haarkegel wächst in
die Länge, seine peripherischen Zellen werden zur inneren Wurzelscheide
(Fig. 348), seine axialen Zellen werden zum Haar, die zwischen beiden
liegenden Epithelzellen liefern die Scheiden- und Haarkutikula. In
diesem Stadium wird das Haar vollkommen, auch an seiner Spitze, von
der von oben nach unten allmählich verhornenden inneren Wurzelscheide
eingeschlossen: Stadium des ~Scheidenhaares~ (Fig. 348).
[Illustration: Fig. 346.
Übergang des Haarzapfens in den Bulbuszapfen (Gesäß).
Fig. 347.
Bulbuszapfen (Nasenrücken).
Fig. 348.
Scheidenhaar (Rücken).
Fig. 346-348. Senkrechte Schnitte der Haut eines 5monatigen
menschlichen Fetus. 200mal vergrößert. Technik Nr. 172, S. 451.]
Unterdessen verhornen auch die axialen, im ~oberen~ Abschnitt des
~Haarzapfens~ befindlichen Zellen, zerfallen und lassen so einen
horizontal in der Epidermis liegenden, gegen die freie Oberfläche
geschlossenen Kanal, den ~Haarkanal~ (Fig. 350), entstehen, in welchem
die innere Wurzelscheide allmählich heraufrückt und dann dort zerfällt,
so daß die nun gleichfalls verhornte Haarspitze frei aus der inneren
Wurzelscheide herausragt. Dann erfolgt der Durchbruch des Haares,
indem der Haarkanal sich an der freien Oberfläche öffnet; die innere
Wurzelscheide reicht dann nur mehr bis zur Haarbalgdrüsenmündung
herauf. Aus der bindegewebigen Hülle des Bulbuszapfens sind
unterdessen äußere Glashaut, Ring- und Längsfaserlage geworden,
während die innere Glashaut etwas später von den basalen Teilen der
peripherischen Zellen der äußeren Wurzelscheide ausgeschieden wird. So
besitzt das eben durchgebrochene Haar alle Teile des fertigen Haares.
Auch nach der Geburt bis in das spätere Alter können Haare in der
beschriebenen Weise entstehen.
[Illustration: Fig. 349.
Aus einem senkrechten Schnitt der Stirnhaut eines 5monatigen
menschlichen Fetus. 200mal vergrößert. Differenzierung der Scheiden
des Haares. Über der Stelle, wo die äußere Wurzelscheide tangential
getroffen ist, sieht man das zerfallende Ende der inneren Wurzelscheide
in den nur zum kleinen Teil vom Schnitt getroffenen Haarkanal
hineinragen. Technik Nr. 172, S. 451.]
[Illustration: Fig. 350.
Aus einem senkrechten Schnitt der Rückenhaut eines 5-1/2monatigen
menschlichen Fetus. 120mal vergrößert. Die Färbung mit Eisenhämatoxylin
hat die verhornenden Teile so stark geschwärzt, daß ihre Details
unsichtbar sind. Technik Nr. 172, S. 451.]
Wachstum der Haare und der Wurzelscheiden.
Das Wachstum des Haares, der Scheidenkutikula und der inneren
Wurzelscheide vollzieht sich durch fortgesetzte mitotische Teilung der
am Bulbus pili befindlichen Epithelzellen, der ~Matrixzellen~, die
verhornend sich den früher verhornten Zellen von unten her anfügen.
Somit ist die Spitze der älteste, der unmittelbar über dem Bulbus
liegende Abschnitt der jüngste Haarteil. Die äußere Wurzelscheide
dagegen wächst in radiärer Richtung von der Innenfläche der Glashaut
gegen die Achse des Haares.
Haarwechsel.
Kurz vor und nach der Geburt vollzieht sich ein totaler Haarwechsel;
aber auch beim erwachsenen Menschen findet ein beständiger, nicht
periodischer Ersatz für die ausfallenden Kopf- und Barthaare statt.
Dieser Prozeß beginnt mit einer Verdickung der Glashaut und der
Ringfaserschicht, während die Matrixzellen die Produktion (zuerst) der
inneren Wurzelscheide, (dann) der Cuticulae und des Haares einstellen.
Der hohle Bulbus verhornt und wird zu einem soliden Kolben, aus
der Hohlwurzel ist damit eine Vollwurzel, aus dem Bulbushaar ein
»~Kolbenhaar~« geworden.
[Illustration: Fig. 351.
Aus einem Schnitte durch den Nasenrücken eines 7-1/2monatigen menschl.
Fetus. 50mal vergr. Vier Stadien des Haarwechsels. In ¡A¡ ist die
innere Wurzelscheide noch in beträchtlicher Länge vorhanden, in ¡B¡,
¡C¡, ¡D¡ geht sie allmählich verloren. × Haarkegel des neuen Haares.
Technik Nr. 173, S. 451.]
Die Matrixzellen vermehren sich, ohne zu Haar- oder Scheidenelementen
zu werden, innere Wurzelscheide und Kolbenhaar bilden sich von unten
nach oben immer mehr zurück bis zur Höhe unter der Mündung der
Talgdrüsen: an dieser Stelle, dem Haarbeet (Fig. 351¡D¡), bleibt das
nun gänzlich verhornte Kolbenhaar längere Zeit stehen und fällt später
aus. Die durch das Zugrundegehen des Haares leer gewordene, äußere
Wurzelscheide, der »~Epithelstrang~«, hat sich dabei verkürzt (Fig.
351¡B¡) und zieht die atrophisch gewordene, in ihrer Gestalt veränderte
Haarpapille mit in die Höhe, während die Schichten des bindegewebigen
Haarbalges zurückbleiben und den »~Haarstengel~« bilden (Fig. 353).
Nach einiger Zeit folgt eine von den Zylinderzellen des Haarbeetes
ausgehende Regeneration der Elemente des Epithelstranges, die sich
bis auf die alte Papille herab erstreckt. Auf dieser produzieren neue
Matrixzellen nach dem oben für die erste Haarentwicklung beschriebenen
Modus ein junges Haar (Fig. 351¡C¡), das allmählich zur Ausbildung der
alten Papillenform in die ursprüngliche Tiefe rückt, mit seiner Spitze
aber sich neben dem Kolbenhaar, das später samt den ihm anliegenden
Zellen des Haarbeetes ausfällt, in die Höhe schiebt (Fig. 351¡D¡).
[Illustration: Fig. 352.