3. die ~Marksubstanz~, welche in der Achse des Haares gelegen ist.

Das Oberhäutchen besteht aus dachziegelförmig übereinander gelegenen,

durchsichtigen Schüppchen: verhornten, kernlosen Epithelzellen. Die

Rindensubstanz besteht am Haarschaft aus langgestreckten, verhornten,

mit einem linienförmigen Kerne versehenen Epithelzellen, welche sehr

innig miteinander verbunden sind; an der Haarwurzel werden die Zellen

um so weicher und runder, ihr Kern wird um so rundlicher, je näher

die Elemente sie der Haarzwiebel gelegen sind. Die Marksubstanz fehlt

vielen Haaren; auch da, wo sie vorhanden ist (an dickeren Haaren),

erstreckt sie sich nicht durch die ganze Länge des Haares. Sie besteht

aus kubischen, Keratohyalin (S. 430) enthaltenden Epithelzellen, welche

meist in doppelter Reihe nebeneinander gelegen sind und einen Kernrest

enthalten. In den gefärbten Haaren findet sich Pigment, und zwar sowohl

gelöst, als auch in Form von Körnchen, welche teils zwischen, teils in

den Zellen der Rindensubstanz gelegen sind. Ferner enthält jedes Haar,

das seine volle Entwicklung erreicht hat, kleinste Luftbläschen; sie

liegen sowohl in der Rindensubstanz, als auch in der Marksubstanz, und

zwar interzellulär.

[Illustration: Fig. 335.

Stück eines weißen menschlichen Haares. 240mal vergrößert. Technik

Nr. 170, S. 451.]

In schwarzen Haaren nimmt das Pigment den gesamten Querschnitt,

also auch das Mark ein; die Altersbleichung beruht auf einer

Vermehrung des Luftgehaltes.

Der ~Haarbalg~ feinerer (Woll-) Haare wird nur durch die epidermoidalen

Wurzelscheiden gebildet, bei stärkeren Haaren dagegen beteiligt

sich auch das Korium am Aufbau des Balges. Wir unterscheiden am

Haarbalge stärkerer Haare folgende Schichten: Zu äußerst eine

gefäß- und nervenreiche, aus lockeren Bindegewebsbündeln gebildete

~Längsfaserlage~, die auch elastische Fasern enthält; darauf folgt

eine dickere Lage ringförmig geordneter, feiner Bindegewebsbündel, die

~Ringfaserlage~, welcher sich die ~Glashaut~ anschließt.

[Illustration: Fig. 336.

Längsschnitt des untersten Abschnittes einer Haarwurzel; die

Keratohyalinkörnchen sind hier rot gefärbt. Man beachte, wie die Kerne

der Henleschen Schicht nach aufwärts schrumpfen. Aus einem senkrechten

Schnitte der menschlichen Kopfhaut. 200mal vergrößert. Technik Nr. 171,

S. 451.]

[Illustration: Fig. 337.

Schema eines Kopfhaares.

¡A.¡ Haarkutikula. ¡B.¡ Rinde. ¡C.¡ Mark. I. Str. corn. II. Str.

germinativ. III. Korium. 1. Längsfasersch. 2. Ringfasersch. 3.

Bindegew. Glashaut. 4. Epith. Glashaut. 5. Äuß. Wurzelsch. 6.

Inn. Wurzelsch. 6¡a¡. Henles Schicht. 6¡b¡. Huxleys Schicht. 7.

Scheidenkutikula.]

[Illustration: Fig. 338. Fig. 339. Fig. 340. Fig. 341.

Vier Schnitte des Haares in verschiedenen Höhen. 160mal vergrößert.

Technik Nr. 171, S. 451.]

Diese Haut besteht aus zwei Schichten (Fig. 336), einer äußeren,

bald deutlich längsfaserigen, bald homogenen Lage, welche

bindegewebiger Abkunft ist und einer inneren, stets homogenen,

mit feinen Poren versehenen Lage, die vom Epithel der äußeren

Wurzelscheide ausgeschieden wurde. Oft sind beide Schichten zu

~einer~ glashellen Membran vereint.

Der somit aus Längs- und Ringfaserlage und äußerer Glashaut bestehende,

bindegewebige Haarbalg ist in voller Ausbildung nur in der unteren

Hälfte des ganzen Haarbalges zu sehen. Nach innen von der inneren

Glashaut liegt die ~äußere Wurzelscheide~, welche als Fortsetzung der

Keimschicht der Epidermis aus geschichtetem Pflasterepithel besteht;

einwärts von dieser liegen Fortsetzungen des Stratum granulosum und

Stratum corneum, welch letzteres bis zur Mündung der Talgdrüsen reicht,

während das Stratum granulosum sich noch etwas abwärts erstreckt:

dicht darunter (papillenwärts) beginnt ~ohne Übergang~ die innere

Wurzelscheide, welche sich in dem unteren Teile des Haarbalges in zwei

scharf getrennte Schichten differenziert.

Die äußere derselben, die ~Henle~sche ~Schicht~, besteht aus

einer einfachen oder doppelten Lage kernloser Epithelzellen

(hier und da ist ein atrophischer Kern vorhanden), während die

innere, die ~Huxley~sche ~Schicht~, sich aus einer einfachen

Lage kernhaltiger Zellen aufbaut. Die Innenfläche dieser Schicht

endlich wird von einem Häutchen, der ~Scheidenkutikula~,

überzogen, welches einen ähnlichen Bau wie die Haarkutikula

zeigt. Schon in der Höhe der Papille treten in den Zellen

der Henleschen Schicht, etwas weiter oben auch in denen der

Huxleyschen Schicht Keratohyalinkörnchen auf (Fig. 336), die bald

weiter oben verschwinden; von da aufwärts sind die Elemente der

inneren Wurzelscheide verhornt.

Gegen den Grund des Haarbalges verschmälert sich die äußere

Wurzelscheide und hört am Halse der Papille auf; ihre Elemente

sind dort stark in die Quere gezogen und sehen auf tangentialen

Längsschnitten der Wurzelscheide wie kurze, zirkuläre, glatte

Muskelfasern aus. Die Elemente der inneren Wurzelscheide und der

Cuticulae werden alle zu kernhaltigen Zellen, die sich als getrennte

Schichten noch bis nahe an den Hals der Papille unterscheiden lassen;

erst dort verlieren sie ihre scharfe Abgrenzung, sind jedoch von

den Zellen des Bulbus pili durch die Pigmentierung letzterer zu

unterscheiden (Fig. 336). Auch die Haarpapille ist von einer dünnen,

aber deutlich doppelt konturierten Fortsetzung der bindegewebigen

Glashaut überzogen.

Entwicklung der Haare.

Die erste Anlage des Haares tritt Ende des dritten Embryonalmonats

auf, und zwar zuerst nur in Form einer Epidermisverdickung, welche

durch Verlängerung der tiefst gelegenen und Vermehrung der mittleren

Zellen der Epidermis bedingt wird (Fig. 342). Dieser »~Haarkeim~«

wächst, sich verlängernd (Fig. 343), in das Korium hinab und wird

dadurch zu einem soliden epithelialen Zapfen, dem »~Haarzapfen~«, an

dessen stumpfem Ende eine dichtere Anhäufung von Bindegewebszellen, die

Anlage der Haarpapille sich entwickelt hat (Fig. 344); eine zweite, an

der abwärts gekehrten Seite des Haarzapfens auftretende Ansammlung von

zelligen Elementen des Korium ist die Anlage des Muscul. arrector (Fig.

345). Das untere Ende des Haarzapfens umwächst die Papille, die ganze

Anlage wird damit zum ~Bulbuszapfen~, der zwei Ausbuchtungen treibt,

eine obere, die künftige Haarbalgdrüse und eine untere, das künftige

Haarbeet (Fig. 346).

[Illustration: Fig. 342. (Bauch.) Fig. 343. (Rücken.)

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 161 / 286 题