Das Oberhäutchen besteht aus dachziegelförmig übereinander gelegenen,
durchsichtigen Schüppchen: verhornten, kernlosen Epithelzellen. Die
Rindensubstanz besteht am Haarschaft aus langgestreckten, verhornten,
mit einem linienförmigen Kerne versehenen Epithelzellen, welche sehr
innig miteinander verbunden sind; an der Haarwurzel werden die Zellen
um so weicher und runder, ihr Kern wird um so rundlicher, je näher
die Elemente sie der Haarzwiebel gelegen sind. Die Marksubstanz fehlt
vielen Haaren; auch da, wo sie vorhanden ist (an dickeren Haaren),
erstreckt sie sich nicht durch die ganze Länge des Haares. Sie besteht
aus kubischen, Keratohyalin (S. 430) enthaltenden Epithelzellen, welche
meist in doppelter Reihe nebeneinander gelegen sind und einen Kernrest
enthalten. In den gefärbten Haaren findet sich Pigment, und zwar sowohl
gelöst, als auch in Form von Körnchen, welche teils zwischen, teils in
den Zellen der Rindensubstanz gelegen sind. Ferner enthält jedes Haar,
das seine volle Entwicklung erreicht hat, kleinste Luftbläschen; sie
liegen sowohl in der Rindensubstanz, als auch in der Marksubstanz, und
zwar interzellulär.
[Illustration: Fig. 335.
Stück eines weißen menschlichen Haares. 240mal vergrößert. Technik
Nr. 170, S. 451.]
In schwarzen Haaren nimmt das Pigment den gesamten Querschnitt,
also auch das Mark ein; die Altersbleichung beruht auf einer
Vermehrung des Luftgehaltes.
Der ~Haarbalg~ feinerer (Woll-) Haare wird nur durch die epidermoidalen
Wurzelscheiden gebildet, bei stärkeren Haaren dagegen beteiligt
sich auch das Korium am Aufbau des Balges. Wir unterscheiden am
Haarbalge stärkerer Haare folgende Schichten: Zu äußerst eine
gefäß- und nervenreiche, aus lockeren Bindegewebsbündeln gebildete
~Längsfaserlage~, die auch elastische Fasern enthält; darauf folgt
eine dickere Lage ringförmig geordneter, feiner Bindegewebsbündel, die
~Ringfaserlage~, welcher sich die ~Glashaut~ anschließt.
[Illustration: Fig. 336.
Längsschnitt des untersten Abschnittes einer Haarwurzel; die
Keratohyalinkörnchen sind hier rot gefärbt. Man beachte, wie die Kerne
der Henleschen Schicht nach aufwärts schrumpfen. Aus einem senkrechten
Schnitte der menschlichen Kopfhaut. 200mal vergrößert. Technik Nr. 171,
S. 451.]
[Illustration: Fig. 337.
Schema eines Kopfhaares.
¡A.¡ Haarkutikula. ¡B.¡ Rinde. ¡C.¡ Mark. I. Str. corn. II. Str.
germinativ. III. Korium. 1. Längsfasersch. 2. Ringfasersch. 3.
Bindegew. Glashaut. 4. Epith. Glashaut. 5. Äuß. Wurzelsch. 6.
Inn. Wurzelsch. 6¡a¡. Henles Schicht. 6¡b¡. Huxleys Schicht. 7.
Scheidenkutikula.]
[Illustration: Fig. 338. Fig. 339. Fig. 340. Fig. 341.
Vier Schnitte des Haares in verschiedenen Höhen. 160mal vergrößert.
Technik Nr. 171, S. 451.]
Diese Haut besteht aus zwei Schichten (Fig. 336), einer äußeren,
bald deutlich längsfaserigen, bald homogenen Lage, welche
bindegewebiger Abkunft ist und einer inneren, stets homogenen,
mit feinen Poren versehenen Lage, die vom Epithel der äußeren
Wurzelscheide ausgeschieden wurde. Oft sind beide Schichten zu
~einer~ glashellen Membran vereint.
Der somit aus Längs- und Ringfaserlage und äußerer Glashaut bestehende,
bindegewebige Haarbalg ist in voller Ausbildung nur in der unteren
Hälfte des ganzen Haarbalges zu sehen. Nach innen von der inneren
Glashaut liegt die ~äußere Wurzelscheide~, welche als Fortsetzung der
Keimschicht der Epidermis aus geschichtetem Pflasterepithel besteht;
einwärts von dieser liegen Fortsetzungen des Stratum granulosum und
Stratum corneum, welch letzteres bis zur Mündung der Talgdrüsen reicht,
während das Stratum granulosum sich noch etwas abwärts erstreckt:
dicht darunter (papillenwärts) beginnt ~ohne Übergang~ die innere
Wurzelscheide, welche sich in dem unteren Teile des Haarbalges in zwei
scharf getrennte Schichten differenziert.
Die äußere derselben, die ~Henle~sche ~Schicht~, besteht aus
einer einfachen oder doppelten Lage kernloser Epithelzellen
(hier und da ist ein atrophischer Kern vorhanden), während die
innere, die ~Huxley~sche ~Schicht~, sich aus einer einfachen
Lage kernhaltiger Zellen aufbaut. Die Innenfläche dieser Schicht
endlich wird von einem Häutchen, der ~Scheidenkutikula~,
überzogen, welches einen ähnlichen Bau wie die Haarkutikula
zeigt. Schon in der Höhe der Papille treten in den Zellen
der Henleschen Schicht, etwas weiter oben auch in denen der
Huxleyschen Schicht Keratohyalinkörnchen auf (Fig. 336), die bald
weiter oben verschwinden; von da aufwärts sind die Elemente der
inneren Wurzelscheide verhornt.
Gegen den Grund des Haarbalges verschmälert sich die äußere
Wurzelscheide und hört am Halse der Papille auf; ihre Elemente
sind dort stark in die Quere gezogen und sehen auf tangentialen
Längsschnitten der Wurzelscheide wie kurze, zirkuläre, glatte
Muskelfasern aus. Die Elemente der inneren Wurzelscheide und der
Cuticulae werden alle zu kernhaltigen Zellen, die sich als getrennte
Schichten noch bis nahe an den Hals der Papille unterscheiden lassen;
erst dort verlieren sie ihre scharfe Abgrenzung, sind jedoch von
den Zellen des Bulbus pili durch die Pigmentierung letzterer zu
unterscheiden (Fig. 336). Auch die Haarpapille ist von einer dünnen,
aber deutlich doppelt konturierten Fortsetzung der bindegewebigen
Glashaut überzogen.
Entwicklung der Haare.
Die erste Anlage des Haares tritt Ende des dritten Embryonalmonats
auf, und zwar zuerst nur in Form einer Epidermisverdickung, welche
durch Verlängerung der tiefst gelegenen und Vermehrung der mittleren
Zellen der Epidermis bedingt wird (Fig. 342). Dieser »~Haarkeim~«
wächst, sich verlängernd (Fig. 343), in das Korium hinab und wird
dadurch zu einem soliden epithelialen Zapfen, dem »~Haarzapfen~«, an
dessen stumpfem Ende eine dichtere Anhäufung von Bindegewebszellen, die
Anlage der Haarpapille sich entwickelt hat (Fig. 344); eine zweite, an
der abwärts gekehrten Seite des Haarzapfens auftretende Ansammlung von
zelligen Elementen des Korium ist die Anlage des Muscul. arrector (Fig.
345). Das untere Ende des Haarzapfens umwächst die Papille, die ganze
Anlage wird damit zum ~Bulbuszapfen~, der zwei Ausbuchtungen treibt,
eine obere, die künftige Haarbalgdrüse und eine untere, das künftige
Haarbeet (Fig. 346).
[Illustration: Fig. 342. (Bauch.) Fig. 343. (Rücken.)