Zur Untersuchung des Epithels kann man

a) das Stückchen etwas zerzupfen; dabei lösen sich einzelne

und Gruppen von Zylinderzellen ab, welche mit starken

Vergrößerungen zu betrachten sind. Nicht selten findet man

einzelne Zylinderzellen kuglig aufgebläht; der Kutikularsaum ist

manchmal in sehr deutliche Stäbchen zerfallen. Becherzellen sind,

wenn vorhanden, durch ihren eigenartigen Glanz kenntlich; ihre

Öffnung ist bei guter Einstellung scharf konturiert wahrzunehmen.

Zuweilen lösen sich die Epithelien schwer von ihrer Unterlage;

in solchen Fällen stelle man nach einer Stunde eine zweite

Untersuchung an, bis dahin ist das Epithel hinreichend mazeriert,

um abgestreift werden zu können.

b) Zur Herstellung von Dauerpräparaten lege man ein ca. 1 ccm

großes, der Länge nach geöffnetes Darmstückchen in 30 ccm

Müllersche Flüssigkeit; nach 3-5 Tagen nehme man das Stückchen

heraus, streiche mit der Spitze eines Skalpells über die

Oberfläche und zerteile ein wenig des Abgestrichenen in einem

Tropfen verdünntem Glyzerin. Deckglas. Starke Vergrößerung.

Nr. 131. Zu ~Schnitten~ von ~Dünn~- und ~Dickdarm~ fixiere

man Darmstücke von kleineren Tieren unaufgeschnitten,

von größeren Tieren und vom Menschen nach Aufspannen des

längseröffneten Darmes mittels Igelstacheln auf eine Korkplatte

(Schleimhautseite nach oben!) in reichlicher Flüssigkeit

(Zenker, Kalibichromatessigsäure, Sublimat-Kochsalzlösung,

Alkohol-Formol). Dicke, mit Hämatoxylin (S. 32) gefärbte und

in Xylolbalsam (S. 45) eingeschlossene Schnitte zeigen die

Zottenform sehr gut. Für feinere Untersuchungen bette man in

Paraffin (S. 22), Zelloidin (S. 23) oder Zelloidin-Paraffin (S.

25) ein (s. auch Nr. 110, S. 289).

An Formol-Alkohol-Schnitten läßt sich die

Muzikarmin(schleim-)färbung (s. Lehrb. d. Mikrotechn. S. 32,

Anm.) ausführen; auch Färbung mit ~Delafield~schem Hämatoxylin

(S. 35) hebt die schleimigen Teile (Becherzellen) sehr schön

hervor. Für feinere Details leistet die Eisenhämatoxylinfärbung

und nach Chromosmium-Essigsäurefixierung (S. 17) die

Dreifachfärbung (S. 43) sehr Gutes.

Nr. 132. ~Duodenaldrüsen.~ Man öffne Magen und Duodenum einer

Katze der Länge nach, entferne den Inhalt durch sanftes Bewegen

in Kochsalzlösung (S. 3) und befestige den Pylorusteil und die

obere Hälfte des Duodenum, also im ganzen ein 5-6 cm langes Stück

mit Igelstacheln auf einer Korkplatte, die man (Schleimhautseite

nach unten) nach Nr. 110, S. 289 weiterbehandelt.

Nr. 133. ~Dickdarmdrüsen~ des Kaninchens ~frisch~. Man schneide

ein ca. 1 cm langes Stückchen des untersten Teiles des Dickdarmes

(zwischen zwei der rundlichen Kotballen) heraus, lege es auf

den trockenen Objektträger, öffne es mit der Schere und breite

es so aus, daß die Schleimhautfläche nach oben sieht; nun gebe

man einen Tropfen der 0,9%igen Kochsalzlösung darauf, fasse das

Stück mit einer feinen Pinzette am linken Rande und schneide

mit einer feinen Schere einen ~möglichst dünnen~ Streifen ab.

Diesen übertrage man mit einem Tropfen Kochsalzlösung auf einen

neuen Objektträger, löse mit Nadeln die Muskularis von der Mukosa

und zerzupfe letztere ganz wenig. Deckglas, leichter Druck. Man

sieht bei schwachen Vergrößerungen die Drüsenschläuche sehr gut

(Fig. 276), die Mündung dagegen nur schwer. Die Epithelzellen

sind oft an der dem Lumen zugewendeten Seite körnig. Bei starken

Vergrößerungen sieht man das Zylinderepithel der Oberfläche

sowohl von der Seite, wie von der Fläche, sehr schön. Der Inhalt

der Becherzellen ist oft nicht hell, wie bei Schnittpräparaten,

sondern dunkelkörnig.

[Illustration: Fig. 276.

¡e¡ Epithel, ¡l¡ Darmdrüsen. 80mal vergrößert.]

Nr. 134. ~Blutgefäße des Magens und des Darmes.~ Von der Aorta

descend. aus injizierte, in 50-200 ccm Müllerscher Flüssigkeit

fixierte und in allmählich verstärktem Alkohol gehärtete (S.

17) Magen- und Darmstücke werden teils in dicke (bis 1 mm)

Schnitte zerlegt und ungefärbt in Xylolbalsam konserviert (Fig.

245), teils aber auch zu Flächenpräparaten verwendet, die bei

wechselnder Tubuseinstellung und schwacher Vergrößerung sehr

instruktiv sind. Zu dem Zwecke kann man Dickdarmstücke von 1

qcm Größe aus absolutem Alkohol zum starken Aufhellen in 5 ccm

Terpentinöl (statt Karbolxylol) einlegen und in Xylolbalsam

konservieren. Es ist auch leicht, die Muskularis von der Mukosa

abzuziehen und die einzelnen Häute in Xylolbalsam zu konservieren.

Nr. 135. ~Nerven-Plexus.~ Hierzu eignen sich vorzugsweise Därme

mit dünner Muskularis, also von Kaninchen und Meerschweinchen,

nicht von Katzen; es ist nicht notwendig, daß das Objekt ganz

frisch ist, auch Dünndärme seit mehreren Tagen verstorbener

Kinder sind noch vollkommen brauchbar. Zunächst bereite man

sich 200 ccm verdünnte Essigsäure: 10 Tropfen Eisessig (oder 25

Tropfen gewöhnlicher Essigsäure) zu 200 ccm destill. Wasser. Dann

präpariere man ein 10-30 cm langes Dünndarmstück vom Mesenterium,

schneide das Stück ab und streiche den Darminhalt mit leicht

aufgesetztem Finger heraus. Dann binde man das untere Ende des

Darmes zu, injiziere vom oberen Ende aus mit der verdünnten

Essigsäure prall den Darm, binde ihn oben auch zu und lege nun

das ganze Stück in den nicht zur Füllung verwendeten Rest der

Essigsäure. Nach einer Stunde wechsle man die Flüssigkeit. Nach

24 Stunden übertrage man den Darm in destilliertes Wasser, öffne

mit der Schere den Darm seitlich vom Mesenterialansatze und

schneide ein ca. 1 cm langes Darmstückchen ab. Es gelingt leicht,

mit zwei spitzen Pinzetten die Muskularis von der Mukosa zu

trennen; beide haften nur am Mesenterialansatze fester.

a) ~Plexus myentericus.~ Legt man schwarzes Papier unter die

Glasschale, so sieht man jetzt schon mit unbewaffnetem Auge die

weißen Knotenpunkte des Plexus. Ein Stückchen der Muskularis von

ca. 1 cm Seite in einem Tropfen der verdünnten Essigsäure auf

den Objektträger gebracht, gibt bei schwachen Vergrößerungen

ein sehr hübsches Bild (Fig. 246¡A¡). Beim Meerschweinchen

lassen sich leicht beide Schichten der Muskularis voneinander

abziehen; an einer haftet dann der Plexus; solche Stücke kann man

1 Stunde in destilliertes Wasser legen, dann vergolden (S. 38)

und in Xylolbalsam konservieren. Für menschlichen Darm ist die

Vergoldung weniger geeignet, da die beiden Muskelschichten, sich

gleichfalls rot färbend, den Plexus teilweise verdecken.

b) ~Plexus submucosus.~ Man kratze mit einem Skalpell das Epithel

von der isolierten Mukosa, bringe ein Stückchen von ca. 1 cm

Seite auf den Objektträger, bedecke es mit einem Deckglase,

das man etwas aufdrücken darf, und untersuche mit schwachen

Vergrößerungen (Fig. 246¡B¡).

Zum Konservieren kann man wie bei Nr. 135a verfahren: nur

empfiehlt es sich, das Stückchen aufzuspannen und vor dem

Einlegen aus dem absol. Alkohol in das Karbolxylol etwas zu

pressen, damit der Alkohol aus der schwammigen Mukosa vollkommen

heraustritt.

Außer Nerven sieht man auch viele Blutgefäße, die an der

Struktur ihrer Wandung, zum Teil schon an den quergestellten

Muskulariskernen leicht erkennbar sind.

Nr. 136. ~Pankreas.~ Vom Menschen meist schon untauglich.

Behandlung wie Parotis Nr. 121. Die Langerhansschen Inseln sind

zahlreich im lienalen Ende des Pankreas zu finden und lassen sich

schon bei schwachen Vergrößerungen (50/1) leicht als helle Flecke

sehen. Die charakteristische Körnung der dem Lumen zugewendeten

Abschnitte der Drüsenzelle ist bei dieser Methode nur mit starken

Vergrößerungen und selbst da nicht immer zu sehen, denn die

gegen Wasser sehr empfindlichen Körnchen lassen sich nur schwer

konservieren. Zerzupft man dagegen ein stecknadelkopfgroßes

Stückchen eines frischen Pankreas der Katze oder eines anderen

Säugers in einem Tropfen Kochsalzlösung (0,9%), so sehen bei

schwachen Vergrößerungen die Endstücke wie gefleckt aus; das sind

die teils hellen, teils körnigen Abschnitte der Zellen. Stärkere

Vergrößerungen ergeben dann Bilder wie Fig. 277.

[Illustration: Fig. 277.

Drüsenzellen des Pankreas der Katze. 560mal vergrößert. Oben Gruppen

von Zellen, wie sie meistens zur Anschauung kommen, unten zwei

isolierte Zellen.]

Nr. 137. ~Blutgefäße der Leber.~ a) Man lege ein Leberstück

(von ca. 2 cm Seite) eines mit Chloroform getöteten Kaninchens

schnell, ohne es viel ausbluten zu lassen, in 50 ccm absoluten

Alkohol. Nach zwei Tagen sieht man schon auf der Oberfläche

die natürliche Injektion durch braune, im Zentrum der Läppchen

befindliche Flecke markiert. Der Oberfläche parallel geführte,

dicke Schnitte werden ungefärbt in Xylolbalsam eingeschlossen.

Schwache Vergrößerung. Oft enthalten nur die oberflächlichen

Schichten der Leber gefüllte Blutgefäße.

b) Von allen Injektionen gelingen diejenigen der Leber am

leichtesten. Man injiziere (S. 43) Berlinerblau entweder von

der Pfortader oder von der Vena cava inferior aus. In letzterem

Falle empfiehlt es sich, das Tier über dem Zwerchfelle zu

durchschneiden, das Herz auf dem Zwerchfelle sitzen zu lassen

und vom rechten Vorhofe aus die Kanüle in die Cava inferior

einzubinden. Die injizierte Leber wird zunächst in toto in ca.

200 ccm Müllersche Flüssigkeit eingelegt; nach ca. 6 Tagen

werden Stücke von ca. 2 cm Seite von den bestinjizierten Stellen

ausgeschnitten, abermals auf 2-3 Wochen in ca. 150 ccm Müllersche

Flüssigkeit gebracht und endlich in ca. 100 ccm allmählich

verstärktem Alkohol gehärtet (S. 17). ~Dicke~ Schnitte der Leber

konserviere man ungefärbt in Xylolbalsam (Fig. 278).

Nr. 138. Zum Studium des Baues der ~Gallenblase~, sowie der

großen Gallengänge ist nur ~ganz frische~ Leber zu gebrauchen, da

die alkalisch reagierende Galle bald nach dem Tode die Wandung

der Gallenblase durchtränkt, gelb färbt und zu mikroskopischen

Untersuchungen untauglich macht. Behandlung wie Nr. 110, S. 289.

Nr. 139. ~Leberläppchen.~ Kleine Stücke (von ca. 2 cm Seite)

einer Schweinsleber fixiere man in 30-50 ccm absolutem Alkohol

(Nr. 1, S. 14). Die Einteilung in meist sechseckige Läppchen, die

mit unbewaffnetem Auge schon gut an der Leberoberfläche zu sehen

war, tritt schon nach einer Minute scharf an den Schnittflächen

hervor; auch der Durchschnitt der Venae centrales wird sichtbar.

Nach ca. 3 Tagen angefertigte, mit Hansenschem Hämatoxylin

gefärbte (S. 32) Schnitte zeigen zwar die Einteilung in Läppchen

auch bei schwacher Vergrößerung gut, die Leberzellen aber, sowie

die Gallengänge sind zum Studium weniger zu empfehlen.

[Illustration: Fig. 278.

Stück eines Flächenschnittes einer Kaninchenleber. Injektion von der

Pfortader aus. 40mal vergrößert. Man sieht drei Leberläppchen. Die

Injektionsmasse hat nur die Pfortaderäste (Vv. interlobul.) gefüllt; im

oberen Läppchen ist sie bis zur Ven. centr. vorgedrungen. Technik

Nr. 137b.]

Nr. 140. ~Leberzellen.~ Man schneide eine frische Leber durch

und streiche mit schräg aufgesetzter Skalpellklinge über die

Schnittfläche. Die der Klinge anhaftende braune Lebermasse

übertrage man in einen auf den Objektträger gesetzten Tropfen

Kochsalzlösung. Deckglas. Erst schwache, dann starke Vergrößerung

(Fig. 263¡A¡). Das Präparat enthält außerdem zahlreiche, farbige

und farblose Blutzellen.

Nr. 141. Von der ~menschlichen Leber~ fixiert man möglichst

frische Stücke entweder in Alk. absol. (Glykogen-Nachweis,

s. d. spez. Methodik in den Werken über Mikr. Technik) oder

nach Nr. 110, S. 289. Die Läppchen sind wegen des geringer

entwickelten interlobulären Bindegewebes nicht so deutlich

abgegrenzt. Makroskopische Betrachtung ermöglicht viel eher

die Unterscheidung der Läppchen, als die Untersuchung mit dem

Mikroskop. Zur Orientierung möge der Anfänger berücksichtigen,

daß die ~einzelnen~ Gefäßdurchschnitte Lebervenen, mehrere

beisammen dagegen Verästlungen der Pfortader, der Arterie und

der Gallengänge, also stets interlobulären Gebilden entsprechen.

Genau quer durchschnittene Venae centrales sind auch durch die

radiär zu ihnen gestellten Leberzellen kenntlich (Fig. 258).

Nr. 142. ~Bauchfellepithel.~ Man verfahre wie Nr. 73, S. 198,

nehme aber statt des Mesenteriums, das übrigens auch brauchbare

Bilder liefert, das Omentum majus. Die Stücke können in

Hansenschem Hämatoxylin (S. 32) gefärbt und in Xylolbalsam (S.

45) konserviert werden (Fig. 272).

Nr. 143. ~Milchflecken des Netzes.~ Am schönsten bei jungen

Kaninchen, denen alle 5-7 Tage 10-15 ccm einer 1%igen

Trypanblaulösung (§ 12, S. 48) subkutan gegeben wurden; auch

Ratten (Einzeldosis 2-3 ccm) geben schöne Netzbilder. Nach 6-8

Injektionen Tötung, Eröffnung der Bauchhöhle, Aufspannen des

Netzes auf eine Korkplatte. Fixierung: 10%iges Formalin, Wässern,

nachfärben mit Alaunkarmin, Xylolbalsam (§ 10,3, S. 45).

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 149 / 286 题