Die Schleimhaut der Luftwege (respiratorischer Teil der Nasenhöhle
(s. Geruchsorgan), Nasenrachenraum, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien)
zeigt (mit Ausnahme der Endabschnitte des Respirationssystems) gewisse
gemeinsame Merkmale. Überall findet sich Flimmerepithel, dessen
Wimperstrom der Außenwelt zugekehrt ist; die ganze Schleimhaut besitzt
eine schleimig-feuchte Oberfläche trotz der austrocknenden Wirkung des
Luftstromes -- sie wird durch zahlreiche Becherzellen und Schleimdrüsen
garantiert, die sich hier allenthalben finden. Im übrigen verhält sich
die Schleimhaut in den einzelnen Abschnitten des Respirationstraktus je
nach den besonderen Anforderungen verschieden, wobei aber die oben S.
291 angegebenen, allgemeinen Regeln eingehalten werden.
Der Kehlkopf.
Die ~Schleimhaut~ des Kehlkopfes ist eine Fortsetzung der
Rachenschleimhaut und besteht, wie diese, aus Epithel, und einer Tunica
propria. Die ~Submukosa~, die sich histologisch hier nicht scharf von
der Schleimhaut sondern läßt, heftet die Schleimhaut ziemlich straff an
die unterliegenden Teile (an vielen Stellen Knorpel) an. Dadurch wird
eine Einfaltung der Schleimhaut vermieden, ein Offenbleiben des Lumens
gewährleistet.
Nicht überall im Kehlkopf -- wenn auch im größten Teil -- findet
sich das mehrreihige (S. 81) ~Flimmerepithel~: an der laryngealen
Fläche der Epiglottis (in Fortsetzung des gleichartigen Verhaltens
der pharyngealen Fläche dieses Teiles) und an den Stimmfalten, Plicae
vocales (in Anpassung an die hier bei der Stimmgebung vorliegenden
Bedürfnisse) findet sich ~geschichtetes Plattenepithel~.
Dieses enthält an den Epiglottis gelegentlich Geschmacksknospen
(s. Geschmacksorgane).
Die ~Tunica propria~ besteht aus zahlreichen elastischen Fasern und aus
fibrillärem Bindegewebe, welches sich bei Tieren an der Epithelgrenze
zu einer Membrana propria verdichtet. Die T. propria ist Sitz einer
wechselnden Menge von Lympho-Leukozyten; in der Schleimhaut des
Ventr. laryngis (Morgagni) finden sich sogar Solitärknötchen (S.
189). Man bezeichnet diese Gruppen lymphatischen Gewebes geradezu als
Tonsilla laryngea. Papillen besitzt die Schleimhaut hauptsächlich im
Bereiche des geschichteten Pflasterepithels; am freien Rande und an
der Unterfläche der Stimmfalten sind die Papillen zu Längsleisten
verschmolzen. Die ~Submukosa~ enthält gemischte Drüsen von 0,2-1 mm
Größe; besonders drüsenreich sind die Taschenfalten, die Mitte der
Stimmfalten ist dagegen eine gewisse Strecke vom freien Rande aus
drüsenlos.
Die Taschenfalten enthalten oft (in ca. 50%) kleine, ca. 1 mm
große, elastische Knorpelstücke, ebensolche (2-3-1/2 mm) finden
sich zuweilen im vorderen Ende der Stimmfalten.
Die ~Knorpel~ des Kehlkopfes bestehen meist aus hyalinem Knorpel,
welcher zum Teil die Eigentümlichkeiten des Rippenknorpels (s. S. 109)
zeigt. Dahin gehören Schildknorpel, Ringknorpel, der größte Teil der
Gießbeckenknorpel und oft die Cartilagines triticeae. Aus elastischem
(Netz-) Knorpel bestehen dagegen der Kehldeckel, die Cart. cuneiformes
(Wrisbergi), die Cart. corniculatae (Santorini) und (nicht immer) der
mediane Teil des Schildknorpels; ferner Spitzen und Processus vocales
der Gießbeckenknorpel. Faserknorpelig sind zuweilen die Cartilagines
triticeae. Zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr beginnt eine (vorwiegend
enchondrale) Verknöcherung des Schild- und Ringknorpels. Beim Weibe und
bei Kastraten bleibt der mediane Teil des Schildknorpels meist von der
Verknöcherung frei.
Der Kehlkopf ist reich an ~Blutgefäßen~ und ~Nerven~. Erstere bilden
mehrere (2-3) der Fläche nach ausgebreitete Netze, welchen ein dicht
unter dem Epithel gelegenes Kapillarnetz folgt. Auch die ~Lymphgefäße~
bilden zwei der Fläche nach ausgebreitete, miteinander zusammenhängende
Netze, von denen das oberflächliche aus engeren Gefäßen besteht und
unter dem Blutkapillarnetze liegt.
Die Nerven enthalten in ihrem Verlaufe mikroskopische Ganglien und
bilden ein tiefes und ein oberflächliches Geflecht. Die marklosen
Nerven enden zum Teil subepithelial, entweder als Endbäumchen, deren
Zweige mit Verdickungen versehen sind, oder in Endkolben, zum Teil
intraepithelial in freier Verästlung und in Geschmacksknospen (s.
Geschmacksorgan). Unterhalb der Stimmfalten fehlen subepitheliale
Nervenenden und Knospen, dagegen sind viele intraepitheliale
Nervenfasern vorhanden, die einzelne Geschmackszellen umspinnen.
Die Luftröhre.
Die flimmernde Schleimhaut der Luftröhre ist ebenso gebaut, wie
diejenige des Kehlkopfes; ein Unterschied besteht nur insofern, als
die elastischen Fasern sich zu einem dichten Netzwerke mit vorwiegend
longitudinaler Faserrichtung ausbilden. Dieses Netz ist dicht unter dem
Epithel über den gemischten Drüsen gelegen. Die Knorpel sind hyalin;
die Hinterwand der Luftröhre wird durch eine Lage quer verlaufender,
glatter Muskelfasern, die ihrerseits noch meistens von einer
längsverlaufenden Lage glatter Muskelfasern bedeckt ist, gebildet. Die
Drüsen der Hinterwand sind durch ihre Größe (2 mm) ausgezeichnet; sie
durchbohren nicht selten die Muskeln, so daß sie zum Teil hinter diesen
gelegen sind.
Blut-, Lymphgefäße und Nerven verhalten sich wie im Kehlkopfe; die
an den glatten Muskelfasern der Trachea endigenden Nervenfasern sind
marklos und stammen von den Nervenzellen der kleinen (sympathischen)
Ganglien, die sensitiven Nervenfasern sind markhaltig und
wahrscheinlich cerebrospinaler Herkunft (Vagus).
Die Bronchen und die Lungen.
Die Lungen können formal als tubulo-alveoläre zusammengesetzte
Drüsen betrachtet werden, an denen wir, wie bei allen Drüsen,
ausführende und sekretorische (d. h. hier respiratorische) Abschnitte
unterscheiden. Die ~aus~- bzw. ~zuführenden~ Abschnitte werden durch
Kehlkopf, Luftröhre und deren Äste, die Bronchen, dargestellt. Jeder
Bronchus teilt sich beim Eintritte in die Lunge wiederholt und
erfährt auch innerhalb derselben eine fortwährende Teilung, die durch
direkte Abgabe kleiner Seitenäste und durch spitzwinklige Teilung
und allmähliche Abnahme des Kalibers der großen Äste stattfindet;
so löst sich jeder Bronchus in feinste Ästchen auf, die nirgends
miteinander anastomosieren und bis zu einem Durchmesser von 0,5 mm
den Charakter der Ausführungsgänge beibehalten. Von da an beginnt der
~respiratorische~ Abschnitt. An der Wand der kleinen Bronchialäste
treten halbkuglige Ausbuchtungen auf, die ~Alveolen~, die vereinzelt
und unregelmäßig stehen. Solche Bronchialäste heißen ~Bronchioli
respiratorii~. Diese teilen sich in weitere kleinere Äste, in deren
Wandung die Zahl der ansitzenden Alveolen allmählich häufiger wird
(was in dem Schema Fig. 279 nicht berücksichtigt ist) und gehen in
~Alveolengänge~ über, welche sich von den Bronchioli nur dadurch
unterscheiden, daß sie ringsum mit Alveolen besetzt sind. Die
Alveolengänge teilen sich unter rechtem oder spitzem Winkel und gehen
ohne scharfe Grenze in die etwas erweiterten blinden ~Alveolensäckchen~
(Endbläschen) (schlechter »Infundibula«) über, deren Wandung dicht mit
Alveolen besetzt ist.
Zwischen Alveolengang und Alveolensäckchen noch einen besonderen
Abschnitt als Atrium zu unterscheiden, scheint mir überflüssig;
er ist an guten Ausgüssen der menschlichen Lunge nicht zu
unterscheiden und auch bei Tieren inkonstant. Das System eines
anfangenden Bronchiolus respiratorius mit allen Verzweigungen
samt den Alveolargängen und Alveolensäckchen nennt man auch einen
~Acinus~ (was, da der Name Acinus (Beere) schon für die Endstücke
von Drüsen in Gebrauch ist und da hier eine Beerenform nicht
vorliegt, als keine glücklich gewählte Bezeichnung zu gelten hat).
[Illustration: Fig. 279.
Schema der Endverästlung des menschlichen Bronchialbaumes und seiner
Blutgefäße. × Lungenvene, Blut aus Bronchialgefäßen aufnehmend.]
Jede Alveole ist gegen das Alveolensäckchen offen -- man nennt diese
weite Öffnung ~Basis~; außerdem bestehen noch Verbindungen mit
Nachbaralveolen durch eine sehr wechselnde Anzahl feiner Kanäle,
sogenannte Poren (Fig. 282¡B¡).
Der ganze respiratorische Abschnitt wird durch Bindegewebe in 0,3 bis 3
qcm große ~Läppchen~ geteilt. Sämtliche ausführende Abschnitte liegen
bis zu einem Durchmesser von 1,5-1 mm herab ~zwischen~ den Läppchen,
interlobulär.
[Illustration: Fig. 280.
Querschnitt eines 2 mm dicken Bronchialastes eines Kindes. 30mal
vergrößert. Technik Nr. 145, S. 374.]
Der ~feinere Bau der Bronchen~, und der größten Bronchialäste
unterscheidet sich nicht von jenem der Luftröhre. Allmählich aber
treten Modifikationen auf, welche sich zuerst an den Knorpeln und an
der Muskulatur äußern. Die ~Knorpel~ bilden bald keine C-förmigen Ringe
mehr, sondern sind unregelmäßige, an allen Seiten der Bronchialwand
gelegene Plättchen geworden. Sie nehmen mit der Abnahme des
Durchmessers der Bronchialäste an Größe und Dicke ab und hören an den
feineren Bronchialästen (von 1 mm Durchmesser) ganz auf. An vielen
Stellen ist der Knorpel nicht hyalin, sondern elastisch. Die ~glatten
Muskeln~ bilden eine den ~ganzen~ Umfang des Rohres umgreifende
Ringfaserlage, welche nach innen von den Knorpeln gelegen ist. Die
Dicke der Muskellage nimmt mit dem Durchmesser der Bronchialäste ab; es
sind jedoch selbst an den Alveolengängen noch Muskelfasern vorhanden.
Dagegen fehlen sie an den Alveolensäckchen. In diesen spielt sich der
Atmungsvorgang ab; deshalb ist hier die Wanddicke auf das Äußerste
vermindert.
Die ~Schleimhaut~ der kleineren Bronchen ist in Längsfalten gelegt
und besteht aus einem mehrreihigen, mit Becherzellen untermischten
Flimmerepithel, das in den feineren Bronchialästen allmählich
einreihig wird, einer Membrana propria von wechselnder Dicke und einer
bindegewebigen Tunica propria. Letztere enthält ein von zahlreichen,
längsverlaufenden, elastischen Fasern gebildetes Netzwerk und weiße
Blutzellen in sehr wechselnder Menge. Zuweilen kommt es auch hier zur
Bildung von Solitärknötchen, von deren Kuppe aus weiße Blutzellen
durch das Epithel in das Bronchialrohr wandern. Soweit die Knorpel
reichen, oft noch weiter, enthält die Schleimhaut verästelte, gemischte
~Drüsen~, deren Körper unter der Muskelhaut oft sogar außerhalb der
Knorpelspangen ihren Sitz haben (Fig. 280, oben).
[Illustration: Fig. 281.
Stück eines Schnittes durch die Lunge eines erwachsenen Menschen. 50mal
vergrößert. Der Bronchiolus respiratorius teilt sich nach rechts in
zwei Äste. Eine Strecke weit ist auch seine untere Wand in den Schnitt
gefallen. Man sieht hier die Eingänge in die Alveolen von oben her;
in dem unteren Aste sieht man die Alveolen von der Seite. Das Epithel
des Bronchiolus ist ein gemischtes. Die epitheliale Auskleidung der
Alveolen ist bei dieser Vergrößerung nur zum Teil sichtbar. Technik
Nr. 146, S. 374.]
Sie sind in den größeren Bronchen in großer Menge vorhanden und
hören erst bei Beginn der respiratorischen Bronchiolen auf;
ihre Ausführungsgänge münden, die Muskelhaut durchbohrend in
trichterförmige Grübchen, die mit Flimmerepithel ausgekleidet
sind.
Nach außen von den Knorpeln befindet sich eine aus faserigem
Bindegewebe und elastischen Fasern bestehende ~Faserhaut~, welche den
ganzen Bronchialast und die mit diesem verlaufenden Gefäße und Nerven
umhüllt.
Der ~feinere Bau der respiratorischen Abschnitte~ unterscheidet sich,
nachdem Knorpel und Drüsen sich allmählich verloren haben, vorzugsweise
durch die Beschaffenheit des Epithels.
Die den kleinsten Bronchialästen folgenden ~Bronchioli respiratorii~
tragen anfangs noch ein einreihiges Flimmerepithel, im weiteren
Verlaufe verlieren sich die Flimmerhaare, die Zellen werden kubisch
und es tritt zwischen diesen eine zweite Art von Epithelzellen in
Form von verschieden großen, dünnen, ~kernlosen Platten~ auf. Ein
solches von Platten und einzelnen oder kleinen Gruppen kubischer Zellen
gebildetes Epithel heißt ~respiratorisches Epithel~. Dabei erfolgt der
Übergang des kubischen Epithels in das respiratorische Epithel nicht
mit scharfer Grenze, sondern in der Art, daß an der einen Seite des
Bronchiolus kubisches, an der anderen Seite respiratorisches Epithel
sich befindet, oder daß Gruppen kubischer Zellen von respiratorischem
Epithel umgeben werden und umgekehrt. Die Bronchioli respiratorii
enthalten somit gemischtes Epithel (Fig. 281 u. 282¡A¡). Indem das
respiratorische Epithel immer mehr an Ausdehnung gewinnt und die großen
Gruppen kubischer Zellen immer seltener werden, geht das Epithel der
Bronchiolen in dasjenige der Alveolengänge über.
[Illustration: Fig. 282.
Stücke von Schnitten durch die Lunge des Menschen. 240mal vergrößert.
¡A¡ Gemischtes Epithel eines Bronchiolus respiratorius. ¡B¡ Alveolen
bei verschiedener Einstellung gezeichnet. Der Rand der Alveole ist
dunkel gehalten; man sieht, daß er von demselben Epithel überzogen ist,
wie der (helle) Grund der Alveole; die Kerne der Zellen sind nicht
sichtbar. Technik Nr. 146, S. 374.]
Das Epithel der ~Alveolengänge~ und der ~Alveolen~ ist dasselbe wie das
respiratorische Epithel der Bronchiolen. Wie die Entwicklungsgeschichte
lehrt, gehen die kleineren kernlosen Platten aus ebenfalls kubischen
Epithelzellen hervor, und zwar nehmen diese die platte Gestalt durch
die Atmung, d. h. durch die dabei sich vollziehende Ausdehnung der
Alveolenwand, an. Die größeren Platten sind durch nachträgliche
Verschmelzung mehrerer kleiner entstanden. Die Alveolen älterer Feten
und totgeborener Kinder sind nur von kubischen Zellen ausgekleidet. Die
Wandung der Alveolengänge wird von den schon erwähnten Muskelfasern
reifenartig umgeben; die Muskelfasern stehen nur mit den Basen der
Alveolen in Verbindung, lassen den Alveolengrund selbst frei. Das
spärliche Bindegewebe der Alveolenwand enthält viele elastische
Fasern. Diese sind an den Alveolengängen zirkulär angeordnet; an der
Eingangsstelle (»Basis«) der Alveole bilden die elastischen Fasern
einen dicken Ring, während feine geschlängelte Fäserchen in der ganzen
Wandung der Alveole vorkommen (Fig. 283). Indem die elastischen Ringe
benachbarter Alveolen an den Berührungspunkten miteinander verwachsen,
bilden sie die ~Alveolensepta~.
Dieser Reichtum an elastischen Fasern ermöglicht, daß die Alveole
bei der Inspiration sich um das Dreifache ihres Durchmessers
erweitert und bei der Exspiration zu ihrem ursprünglichen
Durchmesser (0,1 bis 0,3 mm) wieder zurückkehrt. An der
Grenze gegen das Lungenepithel löst sich das Bindegewebe in
ein Netz feiner Gitterfasern (S. 96) auf. Auch die bis in
die Alveolengänge nachgewiesene Muskulatur dürfte für die
exspiratorischen Bewegungen wichtig sein.
Das zwischen den Lungenläppchen befindliche ~interlobuläre~ Bindegewebe
ist der Träger der größeren Blut- und Lymphgefäße und enthält außer
feinen, elastischen Fasern und einzelnen Bindegewebszellen beim
Erwachsenen schwarze Pigmentkörnchen und kleinste Kohlenteilchen,
die durch die Einatmung dorthin gelangt sind. Bei Kindern ist das
interlobuläre Bindegewebe reichlicher entwickelt, die Abgrenzung in
Läppchen also deutlicher.
[Illustration: Fig. 283.
Durchschnitt der Lunge eines Kaninchens. 220mal vergrößert. Färbung
elastischer Fasern. Technik Nr. 147b, S. 375.]
Die Oberfläche der Lungen wird von der ~Pleura visceralis~ überzogen;
diese besteht aus Bindegewebe, zahlreichen, feinen, elastischen Fasern,
Bündeln glatter Muskelfasern und ist an der freien Oberfläche von einer
einfachen Schicht platter, polygonaler Epithelzellen überkleidet. Die
gleichgebaute ~Pleura parietalis~ ist nur ärmer an elastischen Fasern
und Muskulatur.
Die ~Blutgefäße der Lungen~ lassen zwei Systeme unterscheiden:
1. das respiratorischen Zwecken dienende System der Arteriae und
Venae pulmonales; 2. das System der Arteriae und Venae bronchiales.
1. Die Äste der ~Art. pulmon.~ dringen in den Lungenhilus ein
und laufen an der Seite der Bronchialäste in die Läppchen zu den
Bronchiolen, Alveolengängen und Alveolensäckchen, wo sie sich in
ein sehr engmaschiges Kapillarnetz auflösen, das dicht unter dem
respiratorischen Epithel der Bronchioli respiratorii, der Alveolengänge
und der Alveolen gelegen ist und mit einem unter der Pleura pulmonalis
gelegenen, weitmaschigen Kapillarnetz zusammenhängt. Die ~Lungenvenen~
entstehen am Grunde je eines Alveolus (Fig. 284), nehmen an der
Lungenoberfläche Venen aus den Kapillaren der Pleura auf und sammeln
sich zu Stämmchen, die an der Peripherie der Läppchen verlaufen und
erst später an die Seite der (größeren) Bronchialäste herantreten. 2.
Die ~Arteriae bronchiales~ versorgen die Bronchialverästlungen bis zu
den Bronchioli respiratorii und speisen ein tiefes, für Drüsen und
Muskeln und ein oberflächliches für die Tunica propria bestimmtes
Kapillarnetz; auch die Wandungen der Lungenarterien und -venen, die
Glandulae lymphaticae bronchiales, sowie die Pleura pulmonalis erhalten
Äste von den Bronchialarterien. Die ~Venae bronchiales~ ergießen ihr
Blut zum Teil in Lungenvenen (Fig. 279 ×), zum Teil in das Gebiet der
Vena azygos. Zwischen Lungen- und Bronchialarterien bestehen stärkere
und feinere Anastomosen.
[Illustration: Fig. 284.
Aus einem Schnitte durch die von der Art. pulmonalis aus injizierte
Lunge eines Kindes. 80mal vergrößert. Von den fünf gezeichneten
Alveolen sind die drei oberen vollkommen injiziert. Technik Nr. 148,
S. 375.]
Von ~Lymphgefäßen~ kennen wir ein oberflächliches und ein tiefes
Netz; das gut entwickelte, unter der Pleura pulmonalis gelegene,
~oberflächliche~ Netz hängt mit regellos unter der Pleura verteilten,
erbsengroßen Lymphknoten zusammen und mündet mit mehreren
klappenführenden Stämmchen in die bronchialen Lymphknoten. Das in
dem interlobulären Bindegewebe befindliche, weitmaschige ~tiefe~
Netz sammelt die Lymphgefäße der Bronchialschleimhaut und der
Blutgefäßwände; aus diesen gehen klappenführende Stämmchen hervor,
welche mit den Bronchialästen verlaufend am Hilus austreten, und dort
in die Bronchiallymphknoten münden.
Ähnlich wie in der Trachea kommen auch in den Bronchen an vielen
Stellen Gruppen sympathischer Ganglienzellen vor; im Verein mit von
außen zutretenden sympathischen und parasympathischen (Vagus) Fasern
bilden sie den Plexus pulmonalis. Dieser reguliert die Blutgefäße und
vor allem die glatte Muskulatur der Bronchiolen und Alveolargänge, die
sich bei Erregung der parasympathischen Fasern zusammenziehen, bei
Erregung der sympathischen dagegen erschlaffen.
Zahlreiche markhaltige sensible Nerven, die in der Pleura parietalis
mit Lamellen- und vielen Golgi-Mazzonischen Körperchen in Verbindung
stehen, aber auch frei enden, dürften in der Bahn des Vagus zum Gehirn
laufen.
~Technik.~
Nr. 144. ~Kehlkopf, Luftröhre.~ Man präpariere die Luftröhre
(Mensch, Katze, Kaninchen) über dem Manubrium sterni frei,
schneide sie und den Ösophagus quer durch und präpariere
beide nach aufwärts los (s. Nr. 127, S. 360). Die Zunge kann
gleichfalls mit herausgenommen werden. Die Schilddrüse läßt man
am Kehlkopf hängen. Behandlung nach Nr. 110, S. 289. Besonders
instruktiv sind Schnitte quer durch die Stimmbänder, auf denen
Schleimhaut, Drüsen, Muskeln, Gefäße, Nerven und Knorpel Stoff zu
den verschiedensten Studien geben.
Nr. 145. ~Bronchialast.~ Aus dem gleichen Tier nehme man die
Lungen und schneide ein ca. 1 ccm großes Stück heraus, das
ein längsverlaufendes Stück Bronchus enthält, entferne mit
einer Schere den größten Teil des anhängenden Lungengewebes,
Weiterbehandlung nach Nr. 110, S. 289. Die Methode ist auch zur
Darstellung von Alveolen und Alveolengängen zu verwenden.
Nr. 146. ~Lungenepithel.~ Zur Darstellung desselben können nur
ganz frisch getötete Tiere verwendet werden; zu empfehlen sind
junge (~nicht~ neugeborene) Katzen, die durch Kopfabschneiden
getötet werden. Trachea und Lunge werden sorgfältig
herausgenommen und mit einer vorher bereiteten verdünnten
Lösung von Argent. nitr. (50 ccm der 1%igen Lösung zu 200
ccm destilliertem Wasser) vermittels einer Glasspritze prall
gefüllt. Die Trachea wird dann fest zugebunden und das Ganze auf
1-12 Stunden in den Rest der nicht zum Injizieren verwendeten
Silberlösung eingelegt und ins Dunkle gestellt. Alsdann werden
die Lungen mit destilliertem Wasser kurz abgespült und in 150 ccm
allmählich verstärkten Alkohol übertragen, woselbst sie beliebig
lange im ~Dunkeln~ aufbewahrt werden können. Die Reduktion
kann eine Stunde oder beliebig später nach der Silberinjektion
vorgenommen werden. Zu dem Zwecke werden die Lungen in Alkohol
dem ~Sonnenlichte~ ausgesetzt, woselbst sie sich in wenigen
Minuten tief bräunen. Dann bette man in Paraffin (S. 22) ein
und schneide 30-40 µ dicke Schnitte, die man aufgeklebt (S. 29)
oder unaufgeklebt entparaffiniert, aus Xylol durch Alkohol in
Wasser bringt. Die Schnitte werden 10-60 Minuten lang in 5-10 ccm
destilliertes Wasser, dem man ein linsengroßes Stückchen Kochsalz
zugefügt hat, gelegt und ungefärbt oder nach Hämatoxylinfärbung
(S. 32) in Xylolbalsam (S. 45) konserviert. Es ist nicht gerade
leicht, sich an solchen Durchschnitten zu orientieren; man
beginne die Untersuchungen mit schwachen Vergrößerungen. Die
kleinen Alveolen sind leicht kenntlich; die etwas größeren
Lücken entsprechen Alveolengängen. Die Epithelzeichnung ist im
ganzen zierlicher bei mittelstarken (80 : 1) Vergrößerungen
und durchaus nicht an allen Stellen gleich gut ausgeprägt. Die
kubischen Epithelzellen sind meist etwas dunkler braun gefärbt.
Man suche sich eine gute Stelle aus und betrachte sie mit starker
Vergrößerung (240 : 1), wobei man nicht zu vergessen hat, durch
verschiedene Einstellung (Heben und Senken des Tubus) sich über
das Relief des Präparates zu orientieren. Man sieht nämlich
bei starker Vergrößerung entweder nur den Grund oder nur den
Rand einer Alveole deutlich. Fig. 282¡B¡ ist bei wechselnder
Einstellung gezeichnet. Die Poren sind nicht an jeder Alveole
nachzuweisen.
Nr. 147. ~Elastische Fasern der Lunge~ a) ~frisch~, erhält
man, wenn man mit einer Schere von einer frisch angefertigten
Schnittfläche einer Lunge (die Lunge kann schon alt sein) ein
ca. 1 qcm großes flaches Stückchen abschneidet, mit Nadeln auf
dem trockenen Objektträger ausbreitet, mit dem Deckglase bedeckt
und ein paar Tropfen zur Hälfte mit Wasser verdünnter Kalilauge
zufließen läßt (S. 47). Die verdünnte Lauge zerstört die übrigen
Teile, nur die elastischen Fasern bleiben erhalten, deren Dicke
und Anordnung bei stärkerer Vergrößerung (240 : 1) leicht zu
untersuchen ist.
b) für ~Dauerpräparate~ fixiere man 1-2 ccm große Stückchen Lunge
in Alkohol absol. (S. 14) 48 Stunden, färbe dicke Schnitte mit
Resorzin-Fuchsin (S. 35) und konserviere in Xylolbalsam (Fig.
283).
Nr. 148. ~Blutgefäße der Lungen.~ Man injiziere die Lunge von
der Arteria pulmonalis aus mit Berliner Blau, fixiere sie dann
in Müllerscher Flüssigkeit und härte sie in Alkohol. Man mache
dicke, vorzugsweise parallel den Oberflächen der Lungen geführte
Schnitte (Fig. 284).