2. die Angrenzung an die Blutkapillaren. Hierdurch sind sie zwischen
das Blut und die Galle zwischengeschaltet.
Die alte viel bearbeitete Frage nach dem Anteil der Leberzellen
an der Gallenbereitung kann noch nicht als entschieden
gelten. Manche Beobachtungen sprechen dafür, daß gewisse
Gallenbestandteile an den Leberzellen vorbei unmittelbar in die
Gallenwege übertreten können.
Die Beziehungen der Leberzellen zu den Blutgefäßkapillaren weichen von
denjenigen in anderen Drüsen ab und geben vielleicht eine Erklärung
für die Tatsache, daß der Stofftransport zwischen Blut und Leberzellen
nicht nur einseitig, sondern wechselseitig vor sich gehen kann: die
Leberzelle nimmt nicht nur Stoffe aus der Blutbahn auf, sie gibt solche
auch wieder an das Blut ab.
[Illustration: Fig. 264.
Aus einem Schnitte durch eine Kaninchenleber, deren Pfortaderkapillaren
rot, deren Gallenkanälchen blau injiziert worden waren. 240mal
vergr. Die Leberzellen stehen auf dem Schnitte an beiden Seiten mit
Blutkapillaren in Berührung. (An einzelnen Stellen hat sich die
rote Leimmasse retrahiert, so daß Lücken ¡l¡ zwischen Leberzellen
und Blutkapillaren entstanden sind.) Die etwas dunkleren Flecke der
Blutkapillaren sind optische Querschnitte von Blutkapillaren, welche
vertikal durch die Dicke des Schnittes verlaufen.]
Vor allem fehlt der Leberzelle eine Membrana propria; sie wird von den
Gefäßkapillaren nur durch ganz spärliches Bindegewebe getrennt, das als
»Gitterfasern« (Fig. 265) eine Verstärkung der Kapillarwand darstellt.
Ob innerhalb der Läppchen noch Lymphbahnen vorhanden sind, die dann
zwischen den Drüsenzellen und der Kapillarwand liegen müßten, ist
unsicher.
Die größeren ~Lymphgefäße~ begleiten die Pfortaderäste, setzen
sich in perilobulär gelegene Lymphräume fort; auch die größeren
Venen, von den Sammelvenen an, werden von Lymphgefäßen begleitet.
Diese ~tiefen~ Lymphgefäße stehen mit einem engmaschigen
Lymphgefäßnetze in vielfacher Verbindung, welches sich in der
Leberkapsel befindet.
[Illustration: Fig. 265.
Stück eines Durchschnittes der Leber eines Hingerichteten. 300mal
vergrößert. Nach Technik 11, S. 39.]
Die ~Wand der Blutgefäßkapillaren~ stellt ein zellgrenzenfreies
Plasmodium dar; um die Kerne desselben ist das Zytoplasma reichlicher
entwickelt. Diese Stellen sind in ganz außergewöhnlicher Weise
befähigt, im Blute kreisende Substanzen zu speichern. Dann dehnt
sich das Zytoplasma unter Fortsatzbildung in die den Leberzellen
zugewandten Spalträume aus; es entstehen so die »Zellformen«, die als
~Sternzellen~ (v. ~Kupffer~) bezeichnet werden (Fig. 266).
Die Speicherung bezieht sich auf Mikronen (s. S. 182) und
Ultramikronen; so findet man bei Erkrankungen Erythrozyten und deren
Trümmer, Bakterien, Pigment, Fett und andere Einschlüsse in ihnen.
Experimentell kann man die Ablagerung von Tusche und vielen Farbstoffen
in ihnen erreichen (Fig. 266). Es scheint, daß die Kapillarwand auf
diese Weise die Leberzellen vor einem Eindringen solcher Substanzen
bewahrt.
[Illustration: Fig. 266.
»Sternzellen« nach Speicherung eines Farbstoffes (Diamingrün); aus der
Leber einer weißen Maus. 500 mal vergrößert. Technik Nr. 15, S. 116.]
Die ~Nerven~ bestehen vorzugsweise aus marklosen Nervenfasern, denen
nur wenige markhaltige Nervenfasern beigemischt sind; sie versorgen die
Leberkapsel und treten ins Innere der Leber mit den Lebergefäßen, deren
Verästelungen sie folgen; nach Untersuchungen an Säugetieren endigen
sie zum größten Teil an den Gefäßen, mit denen sie bis in die Läppchen
hineinziehen, zum geringeren Teile finden sie als sensible Fasern im
interlobulären Gewebe und als sekretorische Fasern (bei der Taube
beobachtet) zwischen den Leberzellen ihr Ende. Ganglienzellen finden
sich im Verlaufe der Nerven in der Gallenblasenwand, ganz vereinzelt
auch in den Nervenstämmchen des interlobulären Bindegewebes.
Es ist zum Schlusse der Darstellung lehrreich, sich über die
Abweichungen klar zu werden, die die Leber im Aufbau von anderen
Drüsen unterscheiden lassen. Als Ausgangsform der Bildung muß
eine tubulöse Drüsenform angenommen werden. Vergleichen wir
aber die Leber mit typischen zusammengesetzt tubulösen Drüsen
eingehend, so kommen die Unterschiede klar zutage:
1. In den anderen Drüsen sind die Endstücke gewunden (Fig. 267),
in der Leber ziemlich gerade (Fig. 268).
2. In den anderen Drüsen verlaufen die Endstücke nach allen
möglichen Richtungen und umgeben von allen Seiten die
Verästelungen des Ausführungsganges, letztere sind somit
~innerhalb~ der Drüsenläppchen gelegen. In der Leber verlaufen
die Endstücke in bestimmter Richtung, und zwar gegen die Achse
des Läppchens gekehrt; alle Verästelungen des Ausführungsganges
liegen ~außerhalb~ der Drüsenläppchen (vgl. Fig. 267 und Fig. 268).
[Illustration: Fig. 267.
Schema einer gewöhnlichen tubulösen, zusammengesetzten Drüse. In
Läppchen 3 sind nur die Verästelungen des Ausführungsganges, nicht aber
die Endstücke gezeichnet.]
[Illustration: Fig. 268.
Schema der Leber. In Läppchen 1 ist nur die Richtung, in 2 die
Verästelung der Endstücke eingezeichnet, in 3 sind nur die
Ausführungsgänge angegeben.]
3. In den meisten anderen Drüsen hören die Endstücke blind
auf, ohne miteinander zu anastomosieren, in der Leber hängen
die Endstücke vielfach miteinander zusammen, sie bilden ein
Netz (Fig. 268, _{2}). Damit wird der Name Endstück hinfällig,
denn blinde Enden sind in der Leber noch nicht mit Sicherheit
konstatiert; statt »Endstück« sprechen wir deshalb bei der Leber
von »~Leberzellenbalken~«.
[Illustration: Fig. 269.