Der Ductus ~choledochus~, ~cysticus~ und ~hepaticus~ sowie
dessen größere Äste bestehen aus einem einschichtigen, zuweilen
Becherzellen enthaltenden Zylinderepithel und einer dicken, aus
elastischen Fasern und Bindegewebe zusammengesetzten Faserhaut.
Die an elastischen Fasern reiche Tunica propria ist hier die
Trägerin der Gallengangdrüsen, meist kurzer, birnförmiger, mit
Schleimzellen ausgekleideter Schläuche, sowie vereinzelter,
longitudinal und quer verlaufender, glatter Muskelfasern. Die
Mündung des Ductus choledochus ist von zirkulären, mit der
Darmmuskulatur teilweise zusammenhängenden, glatten Muskelfasern
umgeben, die als Sphinkter bezeichnet werden können. Ähnliche
Sphinkteren finden sich auch an den Mündungen der beiden
Pankreasausführungsgänge.
Die Wand der ~Gallenblase~ besteht an den vom Bauchfell bedeckten
Flächen aus drei Schichten:
1. aus einer durch anastomosierende Falten ausgezeichneten
~Schleimhaut~, deren hohes Zylinderepithel einen dem Darmepithel
ähnlichen Kultikularsaum trägt und ein schleimähnliches Sekret
(Fig. 257) liefert; ihre Tunica propria enthält viele elastische
Fasern; 2. aus einer Muskelhaut mit vielen zirkulären und
weniger schräg oder längs verlaufenden glatten Muskelfasern und
3. aus einer Bindegewebshülle; diese läßt oft drei Abteilungen
unterscheiden: a) eine derbe Fibrosa, b) eine lockere, oft
Fettzellen enthaltende Subserosa, die in das wieder dichtere
Bindegewebe der Serosa übergeht.
Schleim(?)drüsen kommen beim Menschen, nur im Halse der
Gallenblase vor und sind nicht mit den fälschlich »Luschkaschen«
(besser »Aschoffschen«) Gängen zu verwechseln; das sind
Ausbuchtungen der Schleimhaut, welche zuweilen durch die
Muskelhaut bis zur Fibrosa reichen.
[Illustration: Fig. 258.
Stück eines Flächenschnittes der menschlichen Leber. 40mal vergrößert.
Drei Venae centrales (quer durchschnitten) stellen je einen Mittelpunkt
ebensovieler Läppchen dar, die in der Peripherie wenig von ihren
Nachbarn abgegrenzt sind. Unten und rechts sind schräg durchschnittene
Läppchen, deren Grenzen gar nicht erkannt werden können. Technik
Nr. 141, S. 365.]
Als ~Vasa aberrantia~ bezeichnet man außerhalb des
Leberparenchyms verlaufende, blind endende Gallengänge. Sie
finden sich vorzugsweise am linken Leberrande (Lig. triangul.
sinistr.), an der Leberpforte und in der Umgebung der Vena cava.
Sie stellen die letzten Reste früher (in embryonaler Zeit)
daselbst befindlicher Lebersubstanz dar.
Das Sekret der Leber, die ~Galle~, enthält häufig Fettropfen,
sowie körnige Haufen von Gallenfarbstoff. Zylinderzellen aus den
Gallengängen sind als zufällige Beimengungen zu betrachten.
[Illustration: Fig. 259.
Stück eines Schnittes durch die Leber eines Hundes. 490 mal vergr.
Technik Nr. 120, S. 358.]
Betrachtet man einen Querschnitt eines Leberläppchens mit schwacher
Vergrößerung, so erkennt man die ~Leberzellenbalken~ als Stränge und
schmale Blätter, die in radiärer Richtung von der Vena centralis gegen
die Peripherie ausstrahlen (Fig. 253 und 258) und durch Seitenäste mit
Nachbarbalken sich verbinden. Ein Lumen ist an solchen Balken mit den
gewöhnlichen Methoden nur äußerst schwer zu sehen, erst durch Injektion
des Kanalsystems vom Ductus hepaticus aus oder durch Golgis Methode,
welche die Galle schwärzt, gelingt dessen Nachweis. Es zeigt sich dann,
daß das Lumen der feinsten interlobulären Gallengänge sich direkt in
die Leberläppchen fortsetzt und dort in der Achse der Leberzellenbalken
gelegen ist. Das im Längsschnitt getroffene Lumen verläuft im Zickzack
und ist mit kleinen Seitenästen besetzt (Fig. 259).
[Illustration: Fig. 260.
Stück eines Querschnittes durch ein Leberläppchen eines Hingerichteten.
300 mal vergrößert. Die Grenzen der Leberzellen waren an dem Präparat
nicht zu sehen. Die schwarzen Punkte sind Verunreinigungen durch
Silberniederschläge. Technik Nr. 120, S. 358.]
Mit diesen zwischenzelligen Seitenästen dürfen nicht verwechselt
werden kleine Seitensprossen der Gallenkanälchen, die mit einer
kleinen knopfförmigen Verdickung enden. Der Knopf entspricht
einer kleinen, in der Leberzelle befindlichen Vakuole, welche
durch einen dünnen Kanal (den kleinen Seitensproß) mit dem
Gallenkanälchen in Verbindung steht. Dieser Seitensproß kann
als binnenzelliges Sekretkanälchen betrachtet werden. Es
handelt sich hier zweifellos um vorübergehende, nur an gewisse
Funktionsstadien gebundene Bildungen, um Sekrettropfen, die aus
der Leberzelle in das Kanälchen übertreten; den Beweis hierfür
erblicke ich darin, daß ganze Strecken des Kanalsystems frei von
jenen Knöpfchen sind, während dicht daneben jedes Kanälchen damit
besetzt ist (Fig. 259). In die gleiche Kategorie gehören wohl
jene, den Sekretkanälchen der Belegzellen ähnlichen Figuren, die
man bei Gallenstauungen in den Leberzellen findet.
Die Gallenkanälchen können da, wo mehrere Leberzellenbalken sich direkt
berühren, durch Verbindung mit anderen Seitenästen echte Maschen bilden
(Fig. 260).
Die Zahl der Maschen ist keineswegs so groß, wie man bei
Betrachtung nicht sehr feiner Schnitte mit schwachen
Vergrößerungen glauben möchte. Sehr häufig werden Maschen
dadurch vorgetäuscht, daß die vielfach im Zickzack verlaufenden,
mit Seitenästen versehenen Kanälchen sich in verschiedenen
Ebenen überkreuzen (Fig. 261). Man kann ganze Strecken von
Durchschnitten, besonders von solchen, die quer durch ein
Leberläppchen gehen, durchmustern, ohne eine einzige echte Masche
zu finden.
[Illustration: Fig. 261.
Stück eines Durchschnittes durch die Leber eines Hundes. 240mal
vergrößert. Gallenkanälchen nach Golgis Methode geschwärzt. Technik
Nr. 120, S. 358.]
Sämtliche, im Innern der Läppchen gelegene Lumina heißen
~Gallenkanälchen~. Das ganze System der Gallenkanälchen hängt indessen
nicht nur durch die Maschen, sondern auch durch Anastomosen, welche
durch Verbindung benachbarter Leberbalken vermittelt werden (Fig.
260), viel unter sich zusammen und scheint an dicken Schnitten üppig
verzweigt und gar nicht an die Leberbalken gebunden zu sein. Feine
Schnitte ergeben aber, daß in der Hauptsache die Gallenkanälchen sich
gerade so verhalten wie andere Drüsenlumina, d. h. daß Drüsenlumen
(Gallenkanälchen) und Blutgefäß sich nicht berühren, sondern zwischen
beiden eine Drüsenzelle oder nur ein Teil einer solchen eingeschaltet
ist (s. S. 85). Man erkennt das am besten an feinen Schnitten, welche
die Blutkapillaren der Quere nach getroffen haben (Fig. 262); dort
sieht man auch deutlich, daß die Gallenkanälchen auf den Flächen, die
Blutkapillaren an den Kanten der Leberzellen verlaufen; doch ist das
nicht ausnahmslose Regel, man findet auch an den Kanten verlaufende
Gallenkanälchen (Fig. 262 ×), ein Verhalten, das auch besonders beim
Menschen zutrifft.
[Illustration: Fig. 262.
Feiner Durchschnitt durch eine Kaninchenleber mit injizierten
Gallenkanälchen. 560mal vergrößert. Die Zeichnung ist nicht
schematisiert. Die Zelle rechts von dem bezeichneten Gallenkanälchen
steht ebenso wie deren rechte Nachbarin mit vier Blutkapillaren (1, 2,
3, 4) in Berührung. × Gallenkanälchen an der Kante einer Leberzelle.]
[Illustration: Fig. 263.
Leberzellen des Menschen. 560mal vergr. ¡A¡ isolierte Leberzellen,
kleinere u. größere Fettropfen ¡f¡ enthaltend. Bei ¡b¡ Eindruck von
einem Blutgefäß herrührend. Technik Nr. 140, S. 365. ¡B¡ Aus einem
Schnitte. 1. Sekretleere Zellen. 2. Sekretgefüllte Zellen. Technik
Nr. 141, S. 365.]
Die ~Leberzellen~ sind unregelmäßig vieleckige Gebilde, die einen,
oft auch mehrere Kerne besitzen; eine Membran fehlt ihnen. Das
Zytoplasma enthält in wechselnder Menge die verschiedenartigsten
Einschlüsse: Plastosomen, die hier in Körnchen oder Fadenform sehr
deutlich nachweisbar sind, Pigment, Glykogen, sowie verschieden große
Fettropfen, welch letztere bei saugenden Tieren und gut genährten
Personen regelmäßig gefunden werden.
Die Größe der Zellen beträgt 18-26 µ. Auch bei den Leberzellen bestehen
sichtbare Funktionsunterschiede (Fig. 263B). Sie sind entweder klein,
trüb, undeutlich konturiert -- solche Zustände finden sich vorzugsweise
im nüchternen Zustande -- oder größer, im Zentrum hell, in der
Peripherie mit einem grobkörnigen Ringe versehen, solche Bilder sind
hauptsächlich während der Verdauung zu konstatieren. Beim Menschen
trifft man oft beide Zustände in ~einer~ Leber.
Die Leberzellen besitzen wie alle Drüsenzellen zwei physiologische
Oberflächen (s. auch S. 85):