Schema des menschlichen Pankreas. × Tubulöses Endstück.]

[Illustration: Fig. 249. Fig. 250.

Aus Pankreasdurchschnitten eines Hingerichteten. 500mal vergrößert.

In Fig. 249 fehlen die Körnchen, die Elemente der Schaltstücke

sind platt und dunkel, in Fig. 250 sind die Körnchen deutlich, die

Schaltstückzellen sind kubisch und hell. Wie Technik Nr. 121, S. 358.]

Das mikroskopische Bild wird dadurch ein sehr kompliziertes

und ist bei dem nicht immer sichtbaren Lumen und den vielen,

unvermeidlichen Schrägschnitten (vgl. ~besonders~ Fig. 250) oft

sehr schwer verständlich. Die zentroazinären Zellen sind übrigens

nicht in allen Endstücken nachzuweisen.

Die Endstückzellen sind kleine, kegelförmige Zellen, die in ihrem dem

Lumen zugekehrten Abschnitt zahlreiche, stark lichtbrechende Körnchen,

»~Zymogenkörnchen~«, Vorstufen des Sekrets, enthalten. Sie sind schon

bei relativ schwachen Vergrößerungen an frischen Präparaten sichtbar

(Fig. 277); der hellere peripherische Abschnitt der Zelle enthält den

runden Kern. Körniger und heller Abschnitt der Zelle wechseln in ihren

Größenverhältnissen je nach den Funktionszuständen der Zelle (vgl. S.

84). Zwischenzellige Sekretkanälchen erstrecken sich vom axialen Lumen

zwischen die Drüsenzellen, ohne die Membrana propria zu erreichen;

da wo zentroazinäre Zellen die Drüsenzellen vom zentralen Lumen

ausschließen, ergießen letztere ihr Sekret in Sekretkanälchen, welche

zwischen den zentroazinären Elementen durchtretend in das axiale Lumen

münden (Fig. 251¡B¡).

[Illustration: Fig. 251.

¡A¡ Aus einem Durchschnitt durch das Pankreas des erwachsenen Menschen.

320mal vergrößert. Technik Nr. 120, S. 358.

¡B¡ Schematische Ergänzung der rechten unteren Partie von ¡A¡.]

[Illustration: Fig. 252.

Aus einem Schnitt durch das Pankreas eines Hingerichteten. 400mal

vergrößert. Technik Nr. 121, S. 358.]

Das Bindegewebe, die Blut- und Lymphgefäße sowie die Nerven verhalten

sich wie in den Mundhöhlendrüsen.

Die ~intertubulären Zellhaufen~, die embryonal aus dem

Ausführungsgangsystem entstehen, sind im Schwanzteil des Pankreas

besonders zahlreich zu finden. Sie bilden stets kleine, bis 0,3 mm

messende, aus soliden Strängen bestehende Epithelzellengruppen, die

meist durch spärliches, an elastischen Fasern armes Bindegewebe von

dem übrigen Pankreasgewebe abgegrenzt werden. Sie sind mit weiten

Kapillaren auffallend reichlich versorgt und haben eine gewisse

Ähnlichkeit mit Lebergewebe. Drüsenlumina sind bei Säugetieren hier

noch nicht nachgewiesen worden. Der Einfluß des Pankreas auf den

Zuckerstoffwechsel ist als Funktion der intertubulären Zellhaufen

betrachtet worden; doch ist diese Annahme unbewiesen.

Leber.

Die Leber entwickelt sich zwar wie andere Drüsen aus der Epithelwandung

des embryonalen Darmrohres, nimmt aber vor allem dadurch von Anfang

an eine Sonderstellung ein, daß die Parenchymanlage mit den in

dieser Bildungszeit mächtig entwickelten Vv. omphalomesentericae in

Verbindung tritt. Dadurch gewinnen diese für die Leitung des Darm- und

Plazentarvenenblutes wichtigen Venen einen bestimmenden Einfluß auf

die Formgestaltung und Funktion der Leber. Die Leber ist ein äußerst

wichtiges Stoffwechselorgan, das während der Verdauung den durch die

Darmwand aufgenommenen Nahrungsstrom auffängt, und seine Verwendung

im Körper maßgebend beeinflußt; die zweite wichtige Aufgabe der Leber

ist die Exkretion und Sekretion von Substanzen, die als Galle in den

Darm abfließen, nach der Stelle also, von der aus sich die Leber

embryonal entwickelt hat. Nach dem Gesagten müssen wir also die Leber

als ein kombiniertes Resorptions- (bzw. Speicher-), Sekretions- und

Exkretionsorgan betrachten. Der Begriff Drüse wird dem Aufbau und der

Funktion der Leber nicht vollkommen gerecht. Gleichwohl pflegt man die

Leber unter die Drüsen zu rechnen. Da für die Formgestaltung gerade die

Blutverteilung von besonderer Bedeutung ist, beginnen wir hier bei der

Schilderung mit der Anordnung des Bindegewebsblutgefäßapparates.

Gröberer Aufbau und Gefäßverteilung.

Die Leber ist mit einer aus Bindegewebe und (im Alter sich

vermehrenden) elastischen Fasern bestehenden Hülle, der ~Capsula

fibrosa~ (~Glissoni~) versehen, welche an der Leberpforte besonders

reichlich entwickelt ist und als besondere Scheide der verschiedenen

Gefäße ins Innere der Leber eindringt; beim Menschen ist im Innern

der Leber relativ wenig Bindegewebe zu finden. Es findet sich hier

reichlicher nur als Umhüllung der Gebilde, die von der Leberpforte

aus sich verzweigend in das Leberinnere gelangen (Gallengänge, Art.

hepatica, Vena portae). Die Wandungen der Lebervenen werden durch

dieses Bindegewebe fest an das Parenchym geheftet; deswegen fallen die

durchschnittenen Lebervenen nicht zusammen, sondern bleiben klaffend.

Beim Schwein, dessen Leber aus diesem Grunde zur Ergänzung stets

mituntersucht werden sollte, bildet das Bindegewebe ein Wabenwerk

von Wänden, das die Lebersubstanz in sogenannte ~Läppchen~ (Lobuli)

einteilt. Auch im Parenchym der menschlichen Leber müssen Läppchen

unterschieden werden, wenngleich ihre Abgrenzung in den gewöhnlichen

Präparaten oft schwer gelingt; die Bindegewebsgrenzen erleichtern wohl

die Erkennung der Läppchenform, sind aber nicht der maßgebende Faktor

für die Läppchenbildung; diesen müssen wir vielmehr im Kreislauf sehen.

Wir gehen in der Betrachtung vom ~Kreislauf im einzelnen Läppchen~

(Fig. 253) aus; dieses ist von dichtstehenden dünnwandigen Gefäßen --

sie sind als Kapillaren zwischen zwei Venen aufzufassen -- durchzogen,

die von der Peripherie des Läppchens nach einer zentral gelegenen Vena

centralis verlaufen. Nur in quer getroffenen Läppchen (Fig. 254) kommt

die radiäre Anordnung des Kapillarsystems deutlich zum Ausdruck.

[Illustration: Fig. 253.

Schema eines Leberläppchens. 20mal vergr. Unten ist das

Querschnittsbild, in der oberen Hälfte durch teilweise Abtragung

das Längsschnittbild zu sehen. In der linken Hälfte sind die Gefäße

eingezeichnet, rechts nur die Zellenstränge.]

[Illustration: Fig. 254.

Aus einem Schnitte der Leber eines erwachsenen Menschen, die von der

Pfortader aus injiziert worden war. 40mal vergrößert. Nach Technik

Nr. 137, S. 364.]

Die Zentralvenen benachbarter Läppchen vereinigen sich zu

~Schaltvenen~, diese wieder zu den ~Sammelvenen~, die an Kaliber

andauernd gewinnend und sich mit benachbarten Systemen vereinigend das

Astwerk der ~Vena hepatica~ darstellen (Fig. 255 u. 256).

Von diesen Venenabschnitten liegen im Läppcheninnern in der Regel

nur die Zentralvenen, gelegentlich, bei teilweise verschmolzenen

Läppchen, auch die Schaltvenen. Außerhalb der Läppchen liegen

regelmäßig die Sammelvenen und alle größeren Zweige des

Lebervenensystems.

[Illustration: Fig. 255.

Schema der Läppchenanordnung und des Venensystems in der Schweineleber.

(Aus Pfuhl, Verh. Anat. Ges. 1921.) Schwarz = das Lebervenensystem,

gestrichelt = Bindegewebe. ¡C¡ = Zentralvene, ¡Sch¡ = Schaltvene, ¡Sa¡

= Sammelvene, bei ¿b¿ läuft die Schaltvene frei durch ein Läppchen

hindurch.]

Durch die Beziehungen zu dem Lebervenensystem wird der gröbere Aufbau

der Leber bestimmt: ein Läppchen ist der Teil der Lebersubstanz,

deren Blutkapillaren sich in eine Zentralvene ergießen. Vielfach

(s. Fig. 255) sind mehrere Zentralvenengebiete teilweise vereinigt.

Die Sammelvenen fassen eine größere Zahl von Läppchen zu einer

Läppchengruppe zusammen.

Die Kapillaren der Läppchen erhalten das Blut aus der

Läppchenperipherie, und zwar zum größten Teil aus den Ästen der ~Vena

portae~, zum kleineren aus der ~Art. hepatica~. Die Äste dieser beiden

Gefäße können deshalb nur ~interlobulär~ verlaufen. Zumeist, aber nicht

immer, liegen sie an den Kanten der Läppchen in reichliches Bindegewebe

eingehüllt. Stets gibt ein kleiner Pfortaderast Kapillaren an mehrere

Läppchen ab.

[Illustration: Fig. 256.

Stück eines senkrechten Schnittes durch eine Katzenleber, Injektion von

der V. cava infer. aus: 15mal vergr. Eine Sammelvene, der Länge nach

getroffen, nimmt Venae centrales auf. Die Injektionsmasse ist aus den

weiteren Gefäßen größtenteils ausgefallen. Technik Nr. 137, S. 364.]

Die Äste der ~Leberarterie~ verlaufen mit denen der Pfortader und

verzweigen sich in dem interlobulären Gewebe, woselbst sie die

größeren Gallengänge, Pfortader- und Lebervenenäste umspinnen.

Die aus der Arterie bzw. deren Kapillaren hervorgehenden Venen

münden in Pfortaderzweige (Venae interlobulares) oder auch in

die Anfänge der Pfortaderkapillaren. In der Leberkapsel bildet

die Leberarterie ein weitmaschiges Kapillarnetz. Die Arterie ist

also den Arterien anderer Organe analog mit der Zufuhr frischen

Ernährungsblutes betraut; der Pfortader-Lebervenenkreislauf muß

dem gegenüber als funktioneller Kreislauf betrachtet werden.

Die Zentralvenen sind im Schnitt sehr leicht an ihrer Lage im

Läppcheninnern und daran zu erkennen, daß ihre Wand nur aus der

dünnen Epithelschicht besteht; die Sammelvenen sind vor allem

dadurch von Pfortaderästen zu unterscheiden, daß sie einzeln

laufen, während die letzteren fast immer von den Ästen der Art.

hepatica und des D. hepaticus begleitet werden.

Die Gestalt der Leberläppchen ist natürlich sehr variabel, ebenso ihre

Größe; stets sind sie schon mit unbewaffnetem Auge bei Betrachtung der

Leberoberfläche oder auf Durchschnitten zu sehen, da ihre Durchmesser

in der Regel 1-2 mm betragen.

Feinerer Bau der Leber.

An die Drüsennatur der Leber erinnert in Präparaten, die nach den

üblichen Methoden hergestellt sind, zunächst nur das System der

~Ausführungsgänge~, deren feinere Zweige allenthalben in Begleitung

der Gefäße im interlobulären Bindegewebe angetroffen werden. Sie

zeigen eine mit der Abnahme des Kalibers sich vermindernde Wanddicke;

die größeren bestehen noch aus einfachem Zylinderepithel, Bindegewebe

und elastischen Fasern, die feinsten besitzen nur mehr eine

strukturlose Membrana propria und eine einfache Lage niedriger, mit

einem Kutikularsaum versehener Epithelzellen, welche an das Läppchen

herantretend, sich direkt an die Leberzellenbalken anfügen. Dieser

Übergang ist sehr schwer zu sehen und kann erst an injizierten oder

nach Golgi geschwärzten Gallengängen deutlich erkannt werden.

[Illustration: Fig. 257.

A Stück eines Schnittes der Gallenblase eines erwachsenen Menschen.

100mal vergrößert. Technik Nr. 138, S. 364.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 144 / 286 题