Der Mastdarm stimmt im allgemeinen in Zusammensetzung und Bau mit dem
Dickdarm überein, ist aber durch noch längere Drüsen (0,7 mm) und durch
eine dicke Längsmuskellage ausgezeichnet. Am oberen Ende der Columnae
rectales beginnt der Übergang der Schleimhaut in die äußere Haut; statt
des einfachen Zylinderepithels tritt ein mächtiges, geschichtetes
Plattenepithel auf, welches Blutgefäße enthaltende Papillen der Tunica
propria überzieht. Die Darmdrüsen lassen sich noch eine kurze Strecke
in das Gebiet des geschichteten Plattenepithels verfolgen, fehlen
aber dann weiter unten völlig. In den Columnae rectales sind glatte
Muskelfasern enthalten.
Die Lymphknötchen des Magens und des Darmes.
Es ist oben (S. 188) schon erwähnt worden, daß die Tunica propria
der Schleimhäute wechselnde Mengen von H. Leuko- und Lymphozyten
enthält, die entweder diffus verteilt oder zu umschriebenen Massen
zusammengeballt sind. In letzterem Falle bilden sie 0,1-2,5 mm große
Knötchen, welche entweder einzeln stehen, »Solitärknötchen«, oder zu
Gruppen, »gehäufte Knötchen«, vereint sind.
Die ~Solitärknötchen~ (»Solitäre Follikel«) finden sich in sehr
wechselnder Menge in der Magenschleimhaut, in noch größerer Anzahl
im Dünn- und Dickdarme. Sie haben meist eine länglich runde Form und
liegen zu Beginn ihrer Entwicklung stets in der Tunica propria.
Das ist auch ihr gewöhnlicher Sitz im menschlichen Dünndarm,
während sie im Dickdarm auch in die Submukosa hinabreichen
(vgl. Fig. 235 und Fig. 241). In Rückbildung begriffene Reste
von Knötchen liegen stets in der Tunica propria, dicht auf der
Muscularis mucosae.
Die Kuppe der Knötchen reicht bis dicht unter das Epithel,
die Basis ist gegen die Muscularis mucosae gerichtet. Mit
vorschreitendem Wachstume (bei Katzen schon um die Zeit der
Geburt) durchbrechen sie die Muscularis mucosae und breiten
sich in der Submukosa aus, deren lockeres Gewebe ihnen wenig
Widerstand entgegensetzt. Der in der Submukosa gelegene Teil
des Knötchens hat eine kuglige Gestalt und wird bald bedeutend
größer als der in der Tunica propria gelegene Abschnitt,
reicht aber nie bis zur Ringmuskulatur, so daß die äußere Zone
der Submukosa stets knötchenfrei bleibt. Die Gesamtform des
fertigen Solitärknötchens gleicht also einer Birne; der schmale
Teil der Birne ist gegen das Epithel gekehrt. Wo die Knötchen
stehen, da fehlen die Zotten, da sind die Drüsen (Krypten) zur
Seite gedrängt. Hinsichtlich ihres feineren Baues bestehen
die Solitärknötchen aus adenoidem Gewebe; sie enthalten meist
ein Keimzentrum (S. 185). Die daselbst gebildeten Lymphozyten
gelangen zum Teil in die benachbarten Lymphgefäße, zum Teil
wandern sie durch das Epithel in die Darmhöhle. Das die Kuppen
der Solitärknötchen überziehende Zylinderepithel enthält stets
in Durchwanderung begriffene Lymphozyten (Fig. 244).
[Illustration: Fig. 243.
Querschnitt gehäufter Knötchen des Dünndarms der Katze. 10mal
vergrößert. Die Kuppen von vier Knötchen sind nicht vom Schnitt
getroffen. Technik Nr. 131, S. 362.]
[Illustration: Fig. 244.
Aus einem senkrechten Schnitt des Dünndarmes einer 7 Tage alten Katze.
250mal vergrößert. Kuppe eines Solitärknötchens. Links viele in
Durchwanderung durch das Epithel begriffene Lymphozyten. Rechts ist das
Epithel bis auf drei Lymphozyten noch ganz frei. Technik Nr. 131,
S. 362.]
Die ~gehäuften Knötchen~ (Peyersche Haufen, Plaques) sind Gruppen von
10-60 Knötchen, die nebeneinander, nie übereinander gelegen sind,
und deren jedes wie ein Solitärknötchen beschaffen ist. Nur die Form
der einzelnen Knötchen erfährt zuweilen insofern eine Änderung, als
sich die Knötchen an den Seiten durch Druck abplatten (Fig. 243).
Sie sind vorzugsweise im unteren Teile des Dünndarmes, stets an der
dem Mesenterialansatze abgewendeten Darmfläche gelegen, entweder gut
voneinander isoliert oder auch in eine diffuse Masse von Lymphozyten
verwandelt, in welcher nur die einzelnen Keimzentren sichtbar sind.
Letzteres findet sich nicht selten im Processus vermiformis des
Menschen.
Die lymphatischen Apparate der Darmwand spielen in der Pathologie
eine wichtige Rolle.
Die Blutgefäße des Magens und des Darmes.
Die Blutgefäße des Magens und des Darmes verhalten sich hinsichtlich
ihrer Verteilung bei Magen und Dickdarm ziemlich gleich, während
beim Dünndarm durch die Anwesenheit der Zotten eine Modifikation des
Verlaufes eintritt. In Magen und Dickdarm geben die herantretenden
Arterien zuerst feine Ästchen an die Serosa ab, durchsetzen alsdann
die Muskularis, welche sie ebenfalls versorgen und bilden dann in der
Submukosa ein der Fläche nach ausgebreitetes Netz. Durch die Muscularis
mucosae steigen feine Zweige auf, um, in der Tunica propria angelangt,
am Grunde der Drüsen abermals ein der Fläche nach ausgebreitetes Netz
zu bilden. Die aus den einzelnen Zweigen entstehenden Kapillarengebiete
haben unter sich keine Verbindungen; man nennt die kleinen Arterien
deshalb auch Endarterien. Werden sie verstopft oder durchtrennt,
so stirbt der von ihnen versorgte Schleimhautbezirk ab. Aus diesem
Netzwerke entwickeln sich feine (4,5-9 µ weite) Kapillaren, welche
die Drüsen umspinnen und an der Schleimhautoberfläche in doppelt so
weite (9-18 µ) Kapillaren übergehen, welch letztere kranzförmig um
die Mündungen der Drüsen gelegen sind. Aus den weiten Kapillaren
gehen Venenstämmchen hervor, welche, ohne weitere Äste aufzunehmen,
senkrecht zwischen den Drüsen hinabsteigend, in ein der Fläche nach
ausgebreitetes venöses Netz münden, das in der Tunica propria gelegen
ist. Weiterhin verlaufen die Venen neben den Arterien; die von dem
submukösen Venennetze ausgehenden Venen sind bis zu ihren Mündungen
in die dem Darm annähernd parallel laufenden Sammelvenen mit Klappen
versehen. Die weiteren Äste und der Stamm der Pfortader sind klappenlos.
[Illustration: Fig. 245.
Senkrechter Schnitt durch die Schleimhaut des menschlichen Jejunum.
50mal vergr. Blutgefäße mit Berlinerblau injiziert. Die Vene der ersten
Zotte links ist quer durchschnitten. Technik Nr. 134, S. 362.]
Im Dünndarme verhalten sich nur die für die Darmdrüsen bestimmten
Arterien wie diejenigen des Dickdarmes; in die Zotten gelangt eine (bei
breiten Zotten mehrere) Arterie, die dort der Vene gegenüberliegt;
von ersterer entspringen dicht unter dem Epithel gelegene Kapillaren,
die senkrecht oder schräg zur Zottenlängsachse verlaufend in die
Venen übergehen. Weiterhin verhalten sich hier die Venen wie die des
Dickdarmes.
So ist es auch beim Hund; bei Kaninchen aber und bei
Meerschweinchen verlaufen die zu den Zotten ziehenden Arterien
als feine Ästchen bis zur Basis der Zotte und lösen sich dann
in ein Kapillarnetz auf, das dicht unter dem Epithel gelegen
ist. An der Spitze der Zotten münden die Kapillaren in ein
Venenstämmchen, welches in seinem senkrecht absteigenden Verlaufe
die die Drüsenmündungen umspinnenden Kapillaren aufnimmt. Ich
habe auch bei breiteren Zotten des Menschen die gleiche Anordnung
gefunden.
Die Duodenaldrüsen werden von einem Kapillarnetze umgeben, welches von
den submukösen Blutgefäßen gespeist wird.
Die Lymphknötchen (»Follikel«) sind von einem oberflächlichen
Blutkapillarnetze umgeben, aus welchem feine Fortsetzungen ins Innere
des Knötchens dringen. Oft erreichen diese das Zentrum des Knötchens
nicht, dann besteht ein gefäßloser Fleck inmitten des Knötchens.
Die Lymphgefäße des Magens und des Darmes.
Die Lymph-(Chylus-)gefäße des Magens und des Darmes beginnen in der
Schleimhaut des Magens und des Dickdarmes als oben blinde, zwischen
den Drüsenschläuchen herabsteigende, ca. 30 µ weite Kapillaren; in
der Schleimhaut des Dünndarmes sind die Anfänge der Lymphgefäße in
der Achse der Zotten gelegen und stellen daselbst bei zylindrischen
Zotten einfache, bei blattförmigen Zotten mehrfache, 27-36 µ weite,
am oberen Ende geschlossene Gänge (»zentrale Zottenräume«) (Fig. 238)
dar. Alle diese Gefäße senken sich in ein am Grunde der Drüsenschläuche
gelegenes, der Fläche nach ausgebreitetes, engmaschiges Kapillarnetz,
das durch viele Anastomosen mit einem, in der Submukosa befindlichen,
weitmaschigen Flächennetze zusammenhängt; die daraus entspringenden,
Klappen führenden Lymphgefäße durchsetzen die Muskularis und nehmen
hier die abführenden Gefäße eines Netzes auf, welches zwischen Ring-
und Längsmuskelschicht gelegen ist. Dieses Netz heißt interlaminäres
Lymphgefäßnetz und nimmt die vielen, in beiden Muskelschichten
befindlichen Lymphkapillaren auf. Unter der Serosa laufen die
Lymphgefäße (»seröse Lymphgefäße«) bis zum Ansatze des Mesenterium,
zwischen dessen Platten sie dann weiter ziehen.
Der eben geschilderte Verlauf erfährt in der Schleimhaut an einzelnen
Stellen eine Modifikation. Diese Stellen sind die gehäuften Knötchen;
durch die Knötchen, welche niemals Lymphgefäße enthalten, werden die
Kapillaren zur Seite gedrückt und verlaufen zwischen den Interstitien
der Knötchen als an Zahl verminderte, an Weite jedoch vergrößerte
Kanäle.
Nerven des Magens und des Darmes.
Magen und Darm besitzen ein eigenes, reichlich mit Ganglienzellen
ausgestattetes Nervensystem, das in der Wandung zwei flächenhaft
ausgebreitete Netze bildet. Das größere ist der ~Plexus myentericus~
(~Auerbach~), der zwischen Längs- und Ringmuskelschichte liegt; er
besitzt zahlreiche, meist an den Knotenpunkten des Netzes befindliche
Gruppen multipolarer Ganglienzellen. Diese Zellen sind an den
üblichen Präparaten nur an ihren großen Kernen zu erkennen; die
Zelleibabgrenzung ist oft nicht scharf (Fig. 247). Die Maschen des
Nervengeflechtes sind rundlich eckig. Aus diesem Geflechte entspringen
gewöhnlich rechtwinklig Bündel markloser Nervenfasern, die teils für
Längs- und Ringmuskulatur bestimmt sind, teils letztere durchsetzend in
die Submukosa eintreten.
[Illustration: Fig. 246.
¡A¡ Flächenbild des Plexus myentericus eines neugeborenen Kindes. 50mal
vergrößert. ¡g¡ Gruppen von Ganglienzellen. ¡r¡ Ringmuskelschicht,
an den gestreckten Kernen kenntlich. Technik Nr. 135a, S. 363. ¡B¡
Flächenbild des submukösen Plexus desselben Kindes. 50mal vergrößert.
¡g¡ Ganglienzellengruppen, ¡b¡ durchschimmerndes Blutgefäß. Technik
Nr. 135b, S. 363.]
[Illustration: Fig. 247.
Ganglienzellen des Pl. myentericus aus dem menschl. Dickdarm. 350mal
vergrößert. Technik Nr. 131, S. 362.]
Die Muskelnerven bilden in der Muskulatur selbst ein reiches
Geflecht rechteckiger Maschen, aus welchem Nervenfasern
abschwenken und nach wiederholter Teilung an die Muskelfasern
herantreten, an (nicht in) denen sie frei mit einer kleinen
Anschwellung enden.
Die in die Submukosa gelangten Nerven bilden dort einen zweiten feinen
Plexus, den ~submukösen Plexus~ (Meißner), dessen Ganglienzellengruppen
kleiner, dessen Maschen enger sind. Von da entspringen zahlreiche
Fasern, welche in die Tunica propria eintreten und hier teils die
Drüsen umspinnen, teils bis in die Zotten verlaufen; sie enden entweder
frei im Parenchym der Zotte oder dicht unter dem Epithel, ohne sich mit
den Epithelzellen zu verbinden.
Auch zwischen den Muskelschichten des Ösophagus kommt ein dem Plexus
myentericus entsprechendes Geflecht vor.
Mit diesem reichen Nervensystem der Wandung des Verdauungstraktus
stehen teils erregende (parasympathische) Nerven aus dem Vagus,
N. pelvicus, N. erigens, teils hemmende (sympathische) aus dem
Sympathikus in Verbindung. Sie gelangen mit den Gefäßen an den
Verdauungstraktus heran und bilden auch unter der Serosa ein
Flechtwerk.
Pankreas.
Die Bauchspeicheldrüse ähnelt in ihrem mikroskopischen Aufbau in
mancher Beziehung den Speicheldrüsen des Kopfes; doch bietet sie im
einzelnen tiefgreifende Unterschiede gegen dieselben dar. Vor allem
sind es die intertubulären Zellhaufen (Langerhanssche Inseln), ein
in das Parenchym der offenen Drüse eingelagertes System endokriner
Anteile, die das mikroskopische Bild charakterisieren.
Die Verteilung dieser Zellgruppen ist nicht ganz gleichmäßig;
man begegnet manchem Schnitt durch das Pankreas, in dem die
intertubulären Zellhaufen fehlen; der äußerst typische Aufbau des
exokrinen Drüsengewebes sichert aber auch in solchen Fällen die
Diagnose.
Die offene Drüse, das Pankreas der Autoren, ist eine etwas modifizierte
tubulo-azinöse Drüse (vgl. S. 89). Ihr Kanalsystem besteht aus einem
Ausführungsgang, dessen Verzweigungen nicht in Sekretröhren -- diese
fehlen hier -- sondern direkt in sehr lange Schaltstücke führen, die,
sich mehrfach teilend, in meist kurze Endstücke übergehen.
Die Ausführungsgänge [Duct. pancreaticus (Wirsungi) und Duct. pancr.
acessorius (Santorini)] werden von einem einfachen Zylinderepithel und
von Bindegewebe gebildet, welch letzteres unter dem Epithel fester,
nach der Peripherie hin dagegen lockerer ist. Der Hauptausführungsgang
und seine größeren Äste tragen in ihrer Wand kleine Drüschen, deren
Elemente Schleimzellen ähneln. Die zylindrischen Epithelzellen der
feineren Äste werden immer niedriger und gehen endlich in die kubischen
oder platten, parallel der Längsachse der Schaltstücke gestellten
Zellen über. Die Schaltstückzellen schließen sich nicht direkt dem
Epithel der Endstücke an, wie das z. B. bei der Submaxillaris der
Fall ist (Fig. 205 rechts), sondern schieben sich als sogenannte
~zentroazinäre Zellen~ in die Endstücke selbst hinein, wobei sie auf
die innere Oberfläche der Endstückzellen zu liegen kommen (Fig. 249).
[Illustration: Fig. 248.