Das auffallendste Merkmal ist hier das Fehlen der Zotten: die
Hauptresorptionsarbeit ist geleistet, wenn die Nahrungsreste in den
Dickdarm eintreten. Die Krypten sind bedeutend länger als im Dünndarm
und viel dichter gestellt. Fehlen somit dem Dickdarm die Merkmale
einer Resorptionsfläche, so besitzt er doch auch nicht das Bild eines
bedeutenden Sekretionsabschnitts. Die zahlreichen Becherzellen --
sie sind in viel größerer Zahl als im Dünndarm vorhanden -- liefern
anscheinend nur den mechanisch notwendigen Schleim, beteiligen sich
dabei vielleicht an der Ausscheidung mancher Substanzen, bereiten aber
kein Verdauungssekret.
[Illustration: Fig. 241.
Senkrechter Schnitt durch die Schleimhaut des Colon descendens des
erwachsenen Menschen. 80mal vergrößert. Technik Nr. 131, S. 362.]
Die Schleimhaut ist glatt (Fig. 241), Epithel, Tunica propria,
Muscularis mucosae sind dieselben wie die im des Dünndarm, mit dem sie
auch hinsichtlich ihres feineren Baues (auch der Regeneration ihres
Epithels) übereinstimmen.
Die Muskelhaut des Dickdarmes besteht neben elastischen Fasern aus
einer inneren Ring- und äußeren Längsmuskellage; letztere ist nur im
Bereich der Taenien eine stärker entwickelte, dazwischen aber äußerst
dünn. Die Serosa stimmt in ihrem feineren Bau mit jener des Dünndarmes
überein.
Der ~Processus vermiformis~ ist beim Menschen so häufig der Sitz
pathologischer Veränderungen, daß am Ende des vierten Jahrzehntes kaum
die Hälfte der Menschen einen völlig normalen Processus besitzt. Die
normale Schleimhaut desselben ist bei leerem Zustand in Falten gelegt,
zwischen denen tiefe Buchten sich befinden. Ihr Bau ist der gleiche
wie bei der Dickdarmschleimhaut, nur befindet sich daselbst eine Menge
von Lymphozyten, die vielfach zu runden oder platten Lymphknötchen (s.
unten) mit Keimzentrum zusammengeballt sind.
[Illustration: Fig. 242.
Querschnitt des Process. vermiformis eines 21jährigen Hingerichteten.
20mal vergrößert. Technik Nr. 131, S. 362.
× × × Kunstprodukte, Risse beim Schneiden entstanden.]
Die Kuppen der Knötchen sind von einem öfter zu platten Zellen
umgestalteten einfachen Zylinderepithel überzogen, das arm an
Becherzellen (vgl. S. 329) ist; dagegen finden sich solche reichlich
in den Krypten. Rückbildung von Darmkrypten kommt nur in embryonaler
Zeit (im 5.-6. Fetalmonat) vor.