Die Zunge wird in ihrer Hauptmasse von quergestreiften Muskeln
gebildet, die, in Bündel und Fasern aufgelöst, sich vielfach
durchflechten und am größten Teil ihres Umfanges von einer Fortsetzung
der Mundschleimhaut überzogen werden. Die Verlaufsrichtung der
~Muskeln~ ist teils eine senkrecht aufsteigende (Mm. geniogloss.,
lingual. und hyogloss.), teils eine transversale (M. transversus
linguae), teils eine longitudinale (M. lingual. und styloglossus).
Indem die Muskelbündel sich (meist rechtwinklig) durchkreuzen, entsteht
ein zierliches, auf Durchschnitten sichtbares Flechtwerk. Eine mediale
Scheidewand, das ~Septum linguae~, trennt die Muskelmassen der Zunge
in eine rechte und eine linke Hälfte. Das Septum beginnt niedrig am
Zungenbeinkörper, erreicht seine größte Höhe in der Mitte der Zunge
und verliert sich nach vorn, allmählich wieder niedriger werdend;
es durchsetzt nicht die ganze Höhe der Zunge, sondern hört ca.
3 mm vom Zungenrücken entfernt auf. Das Septum besteht aus derben
Bindegewebsfasern.
Die ~Schleimhaut~ der Zunge besteht, wie diejenige der Mundhöhle,
aus Epithel und Tunica propria und wird durch eine Submucosa mit
der Unterlage verbunden. Die Schleimhaut ist durch ansehnliche
Entwicklung und komplizierte Gestaltung von Papillen ausgezeichnet.
Man unterscheidet drei Hauptformen von Papillen: 1. P. filiformes
(conicae), 2. P. fungiformes (clavatae), 3. P. vallatae
(circumvallatae). Unter diesen sind die P. filiformes mit ihren
verhornten Teilen vorzugsweise mechanisch wirksam; sie werden auch
als P. operariae bezeichnet. Die P. fungiformes und vallatae dagegen
haben ein zarteres Epithel und dienen durch besondere Einrichtungen
der Geschmacksfunktion; man faßt sie deshalb als P. gustatoriae
zusammen. Die P. fungiformes besitzen beim Erwachsenen allerdings nur
gelegentlich sogenannte Geschmacksknospen (s. Geschmacksorgan); beim
Neugeborenen, wo diese Papillenform auch zahlreicher vorhanden ist,
gehören Geschmacksknospen hier zu den regelmäßigen Einrichtungen.
Die ~Papillae filiformes~ (Fig. 223) sind zylindrische oder konische
Erhebungen der Tunica propria, deren oberes Ende 5-28 kleine sekundäre
Papillen trägt. Sie bestehen aus deutlich faserigem Bindegewebe, sowie
aus zahlreichen elastischen Fasern und werden von einer mächtigen Lage
geschichteten Plattenepithels überzogen, das nicht selten über den
sekundären Papillen eine Anzahl fadenförmiger, verhornter Fortsätze
bildet. Dabei nehmen die einzelnen Epithelzellen die Form spitzer
aufeinander getürmter Hüte an. Die P. filiformes sind in großer Menge
über die ganze Zungenoberfläche verbreitet; ihre Länge schwankt
zwischen 0,7-3,0 mm. Die ~Papillae fungiformes~ (Fig. 223) sind
kuglige, mit etwas eingeschnürtem Stiele der Tunica propria aufsitzende
Gebilde, deren ganze Oberfläche mit sekundären Papillen besetzt ist.
Sie bestehen aus einem deutlichen Flechtwerke von Bindegewebsbündeln,
die nur wenige elastische Fasern enthalten. Das sie überziehende
Epithel ist etwas dünner und an der Oberfläche nicht verhornt. Die
P. fungiformes sind, nicht so zahlreich wie die P. filiformes, über
die ganze Zungenoberfläche verbreitet und am Lebenden wegen ihrer
roten Farbe, die von den durch das dünne Epithel durchschimmernden
Blutgefäßen herrührt, meist leicht sichtbar. Ihre Höhe schwankt
zwischen 0,5-1,5 mm. Die oft sehr unregelmäßig ausgebildeten
~Papillae vallatae~ (Fig. 224) gleichen breiten, plattgedrückten
P. fungiformes und sind durch eine verschieden tiefe, kreisförmige
Furche von der übrigen Schleimhaut abgesetzt; den jenseits der Furche
liegenden Schleimhautteil bezeichnet man als Wall. Die Papille
besteht aus demselben Bindegewebe wie die P. fungiformes, enthält
aber beim Menschen nicht selten längs oder schräg verlaufende glatte
Muskelfasern, die übrigens auch im Wall, hier zirkulär angeordnet,
gefunden werden. Die Papillae vallatae besitzen nur auf der oberen,
nicht an der seitlichen Fläche, sekundäre Papillen. Im Epithel der
Seitenflächen der Papillae vallatae und zuweilen auch des Walles
liegen die Endapparate der Geschmacksnerven, die Geschmacksknospen
(s. Geschmacksorgan); im Wall finden sich zuweilen Solitärknötchen
(S. 189). Die P. vallatae kommen in beschränkter Zahl (8-15) nur am
hinteren Ende des Zungenrückens vor. Ihre Höhe beträgt 1-1,5 mm bei 1
bis 3 mm Breite.
~Papilla foliata~ wird eine jederseits am hinteren Seitenrande
der Zunge gelegene Gruppe von querparallelen Schleimhautfalten
genannt, die durch mehr oder weniger tiefe Gräben voneinander
getrennt und durch ihren Reichtum an Geschmacksknospen
ausgezeichnet sind. Die P. foliata ist besonders beim Kaninchen
entwickelt, beim Menschen aber verschiedentlich (von vorn
anfangend) zurückgebildet, wobei die serösen Drüsen schwinden
und dafür Fett und nicht selten adenoides Gewebe auftritt. Am
lateralen Rande der Zungenwurzel finden sich die ~Papillae
lenticulares~, den Pap. fungiformes ähnelnde, aber mehr
abgeplattete Gebilde, deren Tunica propria viele weiße Blutzellen
enthält.
[Illustration: Fig. 223.
Längsschnitt der Zungenschleimhaut des Menschen. 25mal vergrößert.
× Mazeriertes Epithel (Leichenerscheinung). Technik Nr. 126, S. 359.]
Die ~Submukosa~ ist an der Spitze und an dem Rücken der Zunge fest
und derb (»~Fascia linguae~«) und innig mit den unterliegenden Teilen
verbunden.
[Illustration: Fig. 224.
Senkrechter Schnitt durch eine Papilla vallata des Menschen. 25mal
vergr. Technik Nr. 126, S. 359.]
[Illustration: Fig. 225.
Senkrechter Schnitt durch die Mitte eines Zungenbalges des erwachsenen
Menschen. 25mal vergr. Technik Nr. 126, S. 359.]
~Zungenbälge~ (Folliculi linguales). Eine besondere Beschaffenheit
gewinnt die Schleimhaut der Zungenwurzel von den P. vallatae an
bis zum Kehldeckel durch die Entwicklung der Zungenbälge. Das sind
kuglige, 1-4 mm große Anhäufungen adenoiden Gewebes, die, in der
obersten Schichte der T. propria gelegen, makroskopisch leicht
wahrnehmbare Erhabenheiten bilden. In der Mitte derselben sieht
man eine punktförmige Öffnung, den Eingang in die enge, tiefe
~Balghöhle~, welche von einer Fortsetzung des geschichteten Epithels
der Mundschleimhaut ausgekleidet wird. Rings um dieses Epithel
liegt lymphathisches Gewebe, welches eine verschieden große Anzahl
von Knötchen mit Keimzentren (S. 185) enthält und scharf gegen das
fibrilläre Bindegewebe der Tunica propria abgegrenzt ist; dieses ordnet
sich bei gut ausgeprägten Bälgen in kreisförmigen Faserzügen um das
adenoide Gewebe und bildet so die ~Faserhülle~ (Fig. 225).
[Illustration: Fig. 226.
Aus einem feinen Schnitt durch einen Zungenbalg des erwachsenen
Menschen. 420mal vergrößert. Links ist das Epithel frei von
Lymphozyten, rechts wandern viele Lymphozyten durch. Dadurch wird das
Epithel gesprengt, man sieht größere und kleinere Reste von Epithel
zwischen den breiten, durch die Lymphozyten gebahnten Straßen. Technik
Nr. 126, S. 359.]
Unter normalen Verhältnissen wandern fortwährend zahlreiche
weiße Blutzellen des adenoiden Gewebes durch das Epithel in die
Balghöhle und gelangen von da in die Mundhöhle, in deren Sekret
sie als »~Schleim~- und ~Speichelkörperchen~« leicht gefunden
werden. Das ~Epithel~ wird dabei oft ~vorübergehend~ in großer
Ausdehnung zerrissen (Fig. 226) oder ist derart mit Lymphozyten
infiltriert, daß seine Grenze gegen die Tunica propria nicht mehr
mit Sicherheit nachgewiesen werden kann.
~Drüsen.~ Drei Arten offener Drüsen (S. 85) sind in der
Zungenschleimhaut und in den oberflächlichen Schichten der
Zungenmuskulatur gelegen. Die ~serösen~ Drüsen finden sich nur in
der Gegend der Papillae vallatae und foliatae (s. S. 314), die
~Schleim~drüsen in der Zungenwurzel, entlang der Zungenränder und in
einem Felde vor der medianen Pap. vallata, die ~gemischte~ Glandula
lingualis anterior (Nuhn) in der Zungenspitze, an deren Unterfläche sie
mit mehreren Ausführungsgängen mündet. (Bezüglich des feineren Baues
dieser Drüsen vergleiche Kap. Drüsen der Mundhöhle.)
Die ~Blutgefäße~ der Zungenschleimhaut bilden der Fläche nach
ausgebreitete Netze, von welchen Zweige in sämtliche Papillen bis in
die sekundären Papillen hinein sich erstrecken. An der Zungenwurzel
durchbohren kleine Arterien die Faserhülle der Zungenbälge und
lösen sich in Kapillaren auf, welche bis ins Innere der Knötchen
hineinreichen. Die Blutgefäße der Drüsen bilden ein die Endstücke
umspinnendes Kapillarnetz.
Die ~Lymphgefäße~ der Zunge sind in zwei Netzen angeordnet: ein
tieferes, aus gröberen Gefäßen bestehendes, und ein oberflächliches
Netzwerk, welch letzteres Lymphgefäße der Papillen aufnimmt. Sehr
reichlich sind die Lymphgefäße der Zungenwurzel entwickelt, welche an
den Zungenbälgen ein die Knötchen umspinnendes Netz bilden.
Die ~Nerven~ der Zungenschleimhaut (N. glossopharyngeus und N.
lingualis) enthalten Ganglienzellen, die sich vereinzelt in den
Papillae vallatae und im Wall, in Gruppen (sogenannten ~Remak~sches
Hemiganglion) fast unter jeder umwallten Papille finden (Fig. 224); die
Nervenenden verhalten sich teils wie die der übrigen Mundschleimhaut,
teils treten sie zu den Geschmacksknospen in enge Beziehung (s.
Geschmacksorgan).