II. Weicher Gaumen und Pharynx.

Der weiche Gaumen ist auf der Vorderfläche mit einem geschichteten

Pflasterepithel überzogen; die mit hohen Papillen ausgestattete Tunica

propria ist durch eine zusammenhängende Lage dicker elastischer

Fasern von der Submukosa getrennt. In letzterer befinden sich

Fettgewebe, die quergestreiften Muskeln und eine mächtige, vielfach

geschlossene Lage von Schleimdrüsen, deren Körper oft tief in die

Muskeln hineinreichen und deren lange Ausführungsgänge schräg abwärts

gerichtet sind. Ihr feinerer Bau stimmt mit den Schleimdrüsen der

Zungenschleimhaut überein. Die Rückfläche des weichen Gaumens ist

eine Strecke weit vom freien Rande nach aufwärts von fettloser, sonst

aber gleich beschaffener Schleimhaut überzogen; diese geht aber dann

-- in individuell wechselnder Höhe -- in typische respiratorische

Nasenschleimhaut mit gemischten Drüsen (s. Nasenhöhle) über; letztere

können zuweilen bis zur Uvula herab verfolgt werden.

Die Wand des Pharynx besteht aus drei Häuten: Schleimhaut, Muskelhaut

und Faserhaut. Die aus geschichtetem Pflasterepithel und einer

papillentragenden Tunica propria bestehende Schleimhaut ist von der

Muskelhaut durch eine starke Lage längsverlaufender elastischer

Fasern scharf abgegrenzt; diese »elastische Grenzschicht« sendet die

einzelne Muskelfasern umfassenden Fortsetzungen in die Muskelhaut.

Sie verliert sich nach abwärts gegen den Anfang des Ösophagus; auch

nach oben nimmt die Grenzschicht an Stärke ab, bildet aber da, wo die

Muskulatur fehlt, eine Lage, die die bindegewebige Schleimhaut von

der Submukosa trennt. Die Submukosa gewinnt kopfwärts eine bedeutende

Stärke und heftet sich als Fascia pharyngobasilaris der Schädelbasis

an. Zahlreiche Schleimdrüsen vom Bau der Zungenschleimdrüsen, liegen

unterhalb der elastischen Grenzschicht; ihre Ausführungsgänge sind

oft von Leukozytenhaufen umgeben. Auch im Pharynx findet man zugrunde

gehende Schleimdrüsen. In der Pars nasalis des Pharynx geht das Epithel

in mehrreihiges flimmerndes Zylinderepithel über, dessen untere Grenze

ziemlichen Schwankungen unterliegt; die hier befindlichen Drüsen liegen

über der Grenzschicht und stimmen im Bau mit den gemischten Drüsen der

respiratorischen Nasenschleimhaut überein.

[Illustration: Fig. 227.

Querschnitt der Tonsilla palatina eines 23jährigen. Bei ×, × geht der

Schnitt schräg durch die Schleimhaut, so daß die Knötchen in mehreren

Schichten unter dem Epithel zu liegen scheinen. 4mal vergrößert.

Technik Nr. 127, S. 360.]

Sehr reichlich ist die Entwicklung des lymphatischen Gewebes. Dasselbe

bildet zwischen beiden Gaumenbögen jederseits eine unter dem Namen

~Tonsilla palatina~ bekannte, ansehnliche Anhäufung, die hinsichtlich

ihres Baues beim Menschen und bei vielen Tieren einer Summe großer

Zungenbälge entspricht (s. S. 316); hier wandern so zahlreiche

Lymphozyten durch das Epithel in die Balghöhlen, daß die Tonsillen als

die ausgiebigste Quelle der Speichelkörperchen zu betrachten sind.

In der Nachbarschaft der Tonsille sind viele Schleimdrüsen gelegen.

Auch in der Pars nasalis pharyngis ist das lymphatische Gewebe stark

vertreten; es bildet am Dache des Schlundkopfes eine ansehnliche,

als »~Pharynxtonsille~« bekannte Masse, die hinsichtlich ihres Baues

mit dem der Gaumentonsillen übereinstimmt, nur ist das lymphatische

Gewebe weniger scharf von der übrigen Tunica propria abgegrenzt. Auch

hier wandern viele Lymphozyten durch das Epithel. Die Entwicklung

des gesamten adenoiden Gewebes der Mundhöhle und des Pharynx ist

bedeutenden Schwankungen unterworfen; man faßt es auch unter dem Namen

»lymphatischer Rachenring« zusammen.

Die ~Muskelhaut~ (Mm. constrictores pharyngis) besteht aus

quergestreiften Fasern, deren Anordnung in das Gebiet der

makroskopischen Anatomie gehört. Die ~Faserhaut~ ist ein derbfaseriges,

mit zahlreichen elastischen Fasern durchsetztes Bindegewebe. Blut-,

Lymphgefäße und Nerven verhalten sich wie die der Mundhöhle.

B. Rumpfdarm.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 136 / 286 题