Der während der Nahrungsaufnahme in die Mundhöhle ergossene Speichel
ist das Produkt der drei großen und der zahlreichen kleinen
Speicheldrüsen der Mundhöhle. Er dient sowohl zur Herstellung eines
geformten Bissens, wobei der Muzingehalt[108] eine große Rolle
spielt, als zur Ausspülung und Reinigung aller feinen Spalten der
Mundhöhlenoberfläche. Neben diesen mechanischen Aufgaben besitzt der
Speichel Fermente, die für die Zerlegung mancher Nährstoffe wichtig
sind. Der Speichel mancher Drüsen (besonders der Parotis und der an
den Geschmackspapillen liegenden kleinen Drüsen) ist ganz muzinfrei
und ein dünnflüssiges, an Eiweiß und Ferment reiches Sekret; andere
Speicheldrüsen wieder liefern sehr muzinreiche Sekrete (so die
Sublingualis des Menschen). In Übereinstimmung damit finden wir in den
Speicheldrüsen zwei Arten von sekretbereitenden Zellen; beide Arten
gehören zum merokrinen Typus der Drüsenzellen (s. S. 85): 1. Zellen,
die ein eiweißreiches Sekret liefern, ~Eiweiß~- oder ~seröse Zellen~,
2. Zellen, deren Sekret aus Schleim besteht, ~Schleim~, oder ~muköse
Zellen~.
Die ~serösen Zellen~ sind, frisch untersucht, durch viele, stark
lichtbrechende Körnchen charakterisiert. An fixierten Präparaten
erscheinen sie je nach dem Funktionszustande bald dunkler, von
geringem Umfang (»sekretleeres« Stadium), bald etwas heller und größer
(»sekreterfüllt«) (vgl. Fig. 29, S. 83). Der kugelige Kern ist nicht
ganz in der Zellmitte, meist näher der Zellbasis gelegen.
Die ~mukösen~ Zellen sind in frischem Zustande viel weniger
lichtbrechend.
Als typische Schleimzellen möchte ich diejenigen
Schleimzellen bezeichnen, deren Zellkörper zum größten Teil
zur Sekretsammelstelle geworden ist und in verschiedenen
Funktionsstadien diese Stelle in ihrem Umfang im wesentlichen
lange beibehält. Nicht alle Schleimzellen teilen diese
Eigenschaft, so ist die Sammelstelle der menschlichen Glandulae
olfactoriae ganz klein und scheint sich unter normalen
Verhältnissen nicht viel zu vergrößern; an den Schleimzellen
des Magenepithels, ferner an denjenigen der Katzenlingualdrüsen
schwankt der Umfang der Sammelstelle je nach dem Funktionsstadium
ganz bedeutend.
An fixierten Präparaten erscheinen die Schleimzellen hell, der Kern
liegt bei sekretgefüllten Zellen abgeplattet an die Zellbasis gedrückt
und wird bei Entleerung des Sekrets nur oval, ohne Lage und Stellung
im wesentlichen zu verändern. Der gebildete Schleim läßt sich durch
viele Anilinfarbstoffe, ferner durch Delafields Hämatoxylin und durch
Mucikarmin färben (vgl. z. B. Fig. 30, S. 84).
Nur wenige Mundhöhlendrüsen des Menschen enthalten ausschließlich
eine Zellenart; dazu gehört die Parotis, deren Endstücke lediglich
von serösen Drüsenzellen gebildet werden, ferner die in der Gegend
der Papilla foliata und der Papillae vallatae gelegenen »serösen
Zungendrüsen«. Ausschließlich typische Schleimzellen enthalten die
Drüsen der Vorderfläche des weichen und des harten Gaumens, ferner
die »Schleimdrüsen« der menschlichen Zungenwurzel. Alle anderen
Mundhöhlendrüsen sind »gemischte Drüsen«, und zwar in der Weise, daß
die einen Endstücke nur von serösen Zellen ausgekleidet werden, während
andere Endstücke meist Schleimzellen enthalten, zwischen denen einzelne
oder Gruppen von serösen Drüsenzellen gelegen sind. Diese letzteren
erfahren da, wo sie mit ihren Seitenflächen Schleimzellen berühren, von
diesen Eindrücke, ja sie können sogar scheinbar ganz von dem axialen
Drüsenlumen abgedrängt werden und bilden so die »Halbmonde« ~Ebners~.
[Illustration: Fig. 195.
Aus Durchschnitten von Zungendrüsen. I Querschnitt mit ¡b¡ sekretleeren
Drüsenzellen, ¡c¡ sekretgefüllten Drüsenzellen, ¡d¡ Lumen. II
Querschnitt, nur sekretgefüllte Zellen enthaltend. III Querschnitt
einer Schleimdrüse. IV Mehrere Acini einer Eiweißdrüse, bei ¡d¡ das
sehr kleine Lumen. V Acini mit größerem (¡d¡) und kleinerem (¡d'¡)
Lumen. Sämtliche Schnitte 240mal vergr. Technik Nr. 126, S. 359.]
Neuere Untersuchungen (M. ~Heidenhain~) legen nahe, die »Halbmonde« mit
den serösen Acini zu identifizieren; sie sind danach Acini, die durch
eine schleimige Umwandlung der Schaltstücke (des bei serösen Drüsen
an die Endstücke anschließenden Teiles des Ausführungsgangsystems)
in die Halbmondform gedrängt sind. Die schleimbereitenden Teile in
den Speicheldrüsen wären nach dieser Darstellung gar keine Endstücke
wie bisher allgemein angenommen wurde, sondern »verschleimte«
Schaltstücke. Ist diese Vereinfachung in der Auffassung des
Speicheldrüsenbaues richtig, so müßte in den »rein mukösen« Drüsen eine
Verschleimung auch des Endstückes angenommen werden.
Die Halbmonde besitzen ebenso wie die serösen Acini zwischenzellige
Sekretkapillaren (s. S. 86).
Nicht mit diesen aus ~ganzen~ Zellen bestehenden Halbmonden
sind die sogenannten Pflügerschen Halbmonde zu verwechseln,
welche durch die peripherischen, zytoplasmatischen Abschnitte
nicht ganz gefüllter Schleimzellen gebildet werden. Sie
finden sich besonders schön an den Lingualdrüsen der Katze.
Auch Schrägschnitte durch die Membrana propria und die ihnen
aufliegenden sternförmigen Zellen können den Halbmonden ähnliche
Bilder vortäuschen.
Demgemäß teilen wir die Mundhöhlendrüsen ein in rein seröse, in rein
muköse und in gemischte Drüsen.
a) Rein seröse Mundhöhlendrüsen.
1. Die ~serösen Zungendrüsen~ (Ebnersche Dr.) sind tubulöse
zusammengesetzte Drüsen, deren wässeriges (»seröses«) Sekret sich durch
seinen hohen Eiweißgehalt auszeichnet, daher der Name »Eiweißdrüsen«.
Diese Eiweißdrüsen sind nur auf die Gegend der Papillae vallatae und
foliatae beschränkt; das dünnflüssige Sekret dient an dieser Stelle
vielleicht der Verdünnung der Schmeckstoffe und der Ausspülung der
Gräben.
Die in der Regel in die Furchen zwischen Papille und Wall
einmündenden Ausführungsgänge (s. Fig. 224) sind mit einem ein-
oder mehrschichtigen (nicht selten flimmernden) Zylinderepithel
ausgekleidet; die kleinen Tubuli bestehen aus einer zarten
Membrana propria und kurzzylindrischen oder konischen,
membranlosen Zellen. Das axiale Lumen der Tubuli ist (besonders
bei Tieren) sehr eng (Fig. 195¡dd'¡) und nimmt noch engere
zwischenzellige Sekretkanälchen auf (Fig. 196).
2. Die ~Ohrspeicheldrüse, Gl. parotis~, ist eine tubulo-azinöse,
zusammengesetzte Drüse und besitzt von allen Mundspeicheldrüsen das am
weitesten differenzierte Kanalsystem; die Äste des Ausführungsganges
gehen in gut ausgebildete Speichelröhren über, die sich in lange,
enge Schaltstücke fortsetzen. Letztere führen in kurze, einfache oder
geteilte Endstücke (Acini) (Fig. 197).
[Illustration: Fig. 196.
Aus einem Schnitt durch die Zungenwurzel der Maus. 240mal vergr. Seröse
Drüse, deren Gangsystem durch die Golgische Reaktion geschwärzt ist;
man erkennt deutlich den tubulösen Charakter. Die rechte untere Partie
der Drüse ist durch Einzeichnen der Zellen schematisch ergänzt. Technik
120, S. 358.]
[Illustration: Fig. 197.