1. Die Schleimhaut der Mundhöhle.

Die Schleimhaut der Mundhöhle besitzt keine Eigenbeweglichkeit und

besteht somit nur aus Epithel und Tunica propria. Das ~Epithel~,

Verletzungen leicht ausgesetzt, ist typisches geschichtetes

Plattenepithel (S. 81), dessen oberste Zellen beständig als platte

Schüppchen abfallen und dem Speichel zugemengt werden. Die ~Tunica

propria~ wird von reichlich mit elastischen Fasern untermengten

Bindegewebsbündeln gebildet, welche sich in den verschiedensten

Richtungen durchflechten. Die Bündel der obersten Lagen sind sehr

fein und bilden ein dichtes, fast homogen aussehendes Filzwerk. Auf

der Oberfläche der Tunica propria stehen zahlreiche, meist einfache

Papillen (Fig. 194), deren Höhe in den einzelnen Bezirken der

Mundhöhle sehr verschieden ist. Die höchsten (0,5 mm hohen) Papillen

finden sich am inneren Lippenrande (wo sie beim Neugeborenen förmlich

Zotten bilden) und am Zahnfleische. Die Tunica propria geht ohne

scharfe Grenze in die ~Submukosa~ über, welche aus etwas breiteren

Bindegewebsbündeln besteht; elastische Fasern sind hier spärlicher

vertreten. Die Submukosa ist meist locker an die Wandungen der

Mundhöhle angeheftet, nur am harten Gaumen und am Zahnfleische ist sie

fester und hier innig mit dem Periost verbunden. Die Submukosa ist die

Trägerin zahlreicher kleiner Speicheldrüsen von 1-5 mm Größe.

[Illustration: Fig. 194.

Senkrechter Schnitt durch die Unterlippe eines 19jährigen. 10mal vergr.

Technik Nr. 110, S. 289.]

Ihr Hauptausführungsgang ist an seinem unteren Ende etwas

erweitert und im größten Teile seiner Länge mit geschichtetem

Pflasterepithel ausgekleidet; die aus ihm hervorgehenden Äste

und Zweige tragen geschichtetes (die größeren) oder einfaches

Zylinderepithel (die kleineren Äste). Nicht selten nimmt der

Hauptausführungsgang die Ausführungsgänge kleiner akzessorischer

Drüschen auf. (Über den feineren Bau der Endstücke siehe nächstes

Kapitel.)

Am Lippenrande und an der Wangeninnenfläche kommen auch

Talgdrüsen (ohne Haare) (siehe Kapitel »Haut«) vor, die sich

meist erst während der Pubertät entwickeln.

Die reichlichen ~Blutgefäße~ der Mundschleimhaut sind in zwei,

flächenhaft ausgebreiteten Netzen angeordnet, von denen das eine,

gröbere, in der Submukosa, das andere, feinere, in der Tunica propria

liegt. Von letzterem steigen kapillare Schlingen in die Papillen. Die

~Lymphgefäße~ bilden gleichfalls in die Submukosa eingebettete (weite)

und in der Tunica propria gelegene (enge) Netze. Die markhaltigen

~Nerven~ bilden in der Submukosa ein weitmaschiges Netz, von dem aus

viele, sich verästelnde Fasern in die Tunica propria emporsteigen.

Hier enden dieselben entweder in Netzen, Geflechten, in Endkolben

und Tastkörperchen (s. S. 265) oder sie dringen unter Verlust ihrer

Markscheide als marklose Fasern in das Epithel ein, wo sie nach

wiederholten Teilungen frei aufhören.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 128 / 286 题